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Begonnen von freek, 08. Juni 2003, 22:12:44

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Hans

Habe in älteren Konzertunterlagen gestöbert. Da taucht Frauke Pietsch mit auf und zwar bei der Hommage zu
100 Jahre Georg Kreisler im Haus der Sinne. Kann mich aber an ihren Auftritt dort nicht mehr erinnern. Für mich waren die herausragenden Darsteller der einzigartige Karsten Troyke und Alexander Klein mit Julia Schwebke.
Ist nun auch 4 Jahre her.

Heiko

Hallo Hans,
freut mich sehr, dass du jetzt unter deinem Klar(vor)namen schreibst.

Was die Vereinnahmung Kreislers betrifft, störe ich mich ja selber häufig genug daran, tue dies aber nicht nur bei autoritären Kommunisten, sondern auch bei jenen, die seinen politischen Inhalt gänzlich ausblenden oder als Verirrung abtun wollen. Für mich hingegen stecken auch bei seinen nichtpolitischen Liedern immer schon Kritik und Ablehnung der falschen Zustände mit drin.

Und vielleicht war meine etwas empfindliche Reaktion auf dich auch dadurch begründet, dass ich gerade von der 100-Jahre-Feier der antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh kam, wo ich besagtes Programm zu Ohren bekommen habe. Dieser Ort hat eine bewegte und sehr bewegende Geschichte, war über Jahrzehnte hinweg ein klandestiner Erholungsort für Überlebende des Nationalsozialismus und betreibt inzwischen auch öffentlich wichtige antifaschistische Arbeit. Die heute hauptverantwortliche Person versucht hierfür gezielt Brücken zu schlagen. Deswegen saßen zu einer Diskussion an jenem Wochenende, über alle weltanschaulichen Differenzen hinweg, bürgerliche, kommunistische und autonome Gruppen und Personen beieinander, um zu überlegen, was gemeinsam gegen die drohenden Gefahren von rechts getan kann.

Dein Lob Julia Schwebkes ist bei mir auf jeden Fall angekommen. Vielleicht schafft sie es ja mal nach Hamburg oder Umgebung. Würde dann die Gelegenheit unbedingt nutzen wollen.

Grüße Heiko
"I would prefer not to."

Hans

Bei der Bewältigung und Aufarbeitung der Vergangenheit ist man leicht hin- und hergerissen.
Heute werden großartige Reden geschwungen zum Jahrestag des Mauerbaues in Berlin.
Der Mauerbau war nicht toll. Die heutigen Reden sind es auch nicht. 
Jeder Tote ist ein Toter zu viel im Zusammenhang mit Gewalt oder Krieg.
Gedenken ist wichtig, aber wie.
Mit  den Reden heute wird der Graben zwischen Ost und West eher tiefer.
Den heute im Osten lebenden wird eine permanente Schuld eingeredet.
Schaut euch eure Mauer an. Die im Westen sind ohne Schuld und Tadel.
Niemand erzählt bei den Reden, dass die Ursache der kompletten Entwicklung
im Nazireich liegt. Hätte es die Kriege nicht gegeben, wäre niemals eine DDR entstanden.
DDR Opferbeauftragte wollen mehr Behandlung der DDR-Zeit in den Schulen.
Als ich nach Kriegsende in die Schule kam, da wurde die Nazi-Zeit nicht behandelt.
Wie auch, meine Lehrer waren Lehrkräfte im Nazi-System.

In Berlin wurden Millionen Euro ausgegeben, um eine riesige künstliche Mauer wieder aufzubauen.
Grundbesitzer sollten dafür enteignet werden, damit diese Mauer möglichst lang werden soll.
Die Touristen wollten die Mauer sehen. Diese war jedoch verschwunden.
Zum Gedenken ist weniger ausreichend. Opfer sollen nicht vergessen werden, aber es soll ihnen würdig gedacht werden.

Jetzt der Schlenker zu Gina und Frauke Pietsch:
2019 war der Titel eines Programms dieser Künstlerinnen: " Meinst Du die Russen wollen Krieg?" 
Es war ein Mottoabend gegen Krieg und Lügen. So die Beschreibung von Stefan Amzoll, dem Autor des 
Abends in der "Jungen Welt" vom 21.08.2019.
Ich vermisse die Fortsetzung dieses Themenabends, etwa mit dem Titel: "Ja, die Russen wollen Krieg. Siehe die Spezialoperation in der Ukraine!."

Summ, summ, summ, Bienchen flieg herum. Dieses Lied spielte ich beim ersten Klavierunterricht.
Heute: Brumm, brumm, brumm, Drohne schieß herum, fällt mir dazu ein.

Ja, Mutter und Tochter Pietsch, denkt mal an ein neues realistisches Programm.