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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Politische Lieder anderer Künstler  (Gelesen 29238 mal)

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Offline niels

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Politische Lieder anderer Künstler
« am: 27. März 2007, 12:54:33 »
Hallo zusammen,

ich hab nun schon eine ganze Weile Chansons von GK in meinen Programmen, spiele aber fast nur noch die explizit politischen, da ich mich schon länger auf Protestsongs u. dgl. spezialisiert habe. Daher nun meine Frage: Kennt Ihr gute politische Lieder von anderen Künstlern, solche auf vergleichbarem Niveau wie die von GK und wie diese auch nicht so bierernst wie die meisten der Gattung??

In diesem Forum grünschnablig, wie ich mich habe, hoffe ich, "Allgemeines" ist ne passende Kategorie für diese Frage und ihr habt sie nicht schon woanders verhandelt. Gruss.


Offline Alexander

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #1 am: 27. März 2007, 13:53:40 »
Herzlich willkommen niels in diesem Forum!
Mir fallen die zynisch-bösen Lieder von Konstantin Wecker "Waffenhändlertango" und "Wenn die Börsianer tanzen" ein. Die Texte gibt es auf www.wecker.de . Sind musikalisch recht leicht einzufangen.
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline Dorian

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #2 am: 27. März 2007, 13:57:42 »
"Political Science" von Randy Newman.

Offline whoknows

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #3 am: 27. März 2007, 15:13:52 »
Nallo Niels, willkommen!! ich denke, das Problem mit klassisch politischen Liedern ist, dass sie meistens mit Namen und speziellen Begebenheiten operieren, und daher schnell un-aktuell sind - ausser, sie sind eben weitergefasst politisch, und befassen sich mit sozio-politischen Phänomenen (wie zB "Die kleinen Männer mit der riesengrossen Macht" von GK) so dass sie zeitlos bleiben.
Rein politische Lieder  (mit Witz) gibt es ausser von Kreisler natürlich von Bronner, Wehle, Qualtinger, Wecker, Biermann, Degenhart,  - in englisch von zB Tom Lehrer, Pete Seeger oder der schon genannte Newman - Schneyder, Ruge, Stankovski und und und - aber eben: nur ein kleiner Teil davon ist heute (ohne Namens- oder sonstige Änderungen) verwendbar. Bei Pigor könntest Du fündig werden. Bei Lisa Politt, bei Weber/Beckmann, Troyke, Sebastian Krämer und den neueren Liedermachern. Auch von Wortfront gibt es ein paar Lieder, (allerdings stilistisch nicht die klassisches Liedermacher-Art) die politisch zu nennen sind - zB die "Klofrau vom Kanzleramt" - die es allerdings auf CD "nur" auf der neuen CD von Dagmar gibt, oder der "Beifahrer der Belanglosigkeit" oder "Erst mal ein Kaffee" - aber die sind eben nicht spezifisch politisch, sondern grundsätzlich über politische und soziokulturelle Einstellungen.
« Letzte Änderung: 27. März 2007, 15:17:48 von whoknows »

Offline Guntram

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #4 am: 27. März 2007, 19:24:24 »
Mir fällt noch ein "Die Moral" von Stephan Sulke.
Träume sind nicht Schäume, sind nicht Schall und Rauch,
sondern unser Leben so wie wache Stunden auch.
Wirklichkeit heißt Spesen, Träume sind Ertrag. Träume sind uns sicher schwarz auf weiß wie Nac

Offline Burkhard Ihme

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #5 am: 28. März 2007, 03:12:57 »
Moral? Wie schrieb doch Jörn Pfennig so schön:

"Was tat die Moral? Ja was tatse?
Was immer sie tat, recht hattse!"

Die tollsten politischen Lieder schrieb natürlich Dieter Süverkrüp. Das ist aber kaum nachzusingen und -spielen (Dieter gewann immerhin den Preis als bester Amateurjazzgitarrist 1958). Die frühen Lieder von Degenhardt sind so allgemein formuliert, daß man einiges auch heute noch singen kann. Selbst bei Tucholsky, Kästner, Mehring, Weinert und Mühsam kann man viel schönes finden (z.B. "Feldfrüchte" - "außen rot und innen weiß ...").
Manfred Maurenbrecher hat einige tolle Lieder geschrieben, sogar von Lerryn kann man Lieder aufgreifen (und sei es "Monopoly" für Klaus Lage).

Ist dir das politisch genug?

Der Kastanienbaum

Im Garten an der Ecke
wachsen Löwenzahn und gelbe Azaleen.
Ein Kastanienbaum steht hinten an der großen Buchsbaumhecke,
und den kann ich von meinem Fenster sehn.

Im ersten Frühling sprangen
grüne Triebe aus dem Stamm mit neuer Wucht.
Jetzt im Spätherbst ist der Baum mit grünem Stachelobst behangen
und bewacht nun wehrhaft seine braune Frucht.

Ein Junge wirft mit Steinen
nach dem Kastanienbaum. Ich lehne mich zurück
und lasse mir die Abendsonne auf die Nase scheinen
und denke an die deutsche Politik.

Noten

Oder was über Atomkraftwerke (allerdings nicht so ganz direkt formuliert):


Ewige Liebe

Ich kenn Dich schon drei Wochen, doch ich liebe Dich noch heute,
ja, noch mehr und fester als am ersten Tag,
und es drängt mich, Dir zu sagen, daß mich keine Stunde reute,
die ich Arm in Arm mit Dir im Ginster lag.

Ja, es drängt mich, Dir ein Zeichen meiner Liebe zu verehren.
Dieses Zeichen sagt: „Ich bin auf ewig Dein!“.
Doch die Rosen sind verwelkt, noch eh sich diese Stunden jähren,
und die Laufzeit einer Spieluhr ist zu klein.

Ein Smaragdring kann zerbrechen und ein Segelboot zerschellen,
eine Eiche wird nur tausendJahre alt.
Meine Liebe dauert ewig! Um sie treffend darzustellen
braucht es Zeichen von besonderer Gestalt.

Diese Liebe zu erklärn schafft keine Oper in zwölf Stunden,
und dieses Lied ist viel zu kurz und zu profan.
Doch ich habe ein Symbol für ihre Haltbarkeit gefunden:
Ich schenk Dir einen Brennstab aus Uran!

So ein Brennstab, hab ich mir von Experten sagen lassen,
strahlt glatt hunderttausend Jahre und noch mehr.
Um die Dauer meiner Liebe als ein Sinnbild zu umfassen,
denn man soll nicht übertreiben, hält das her.

Ja, dies edle Element sei ein Symbol für unsern Zweibund.
Unsre Liebe sei ein brodelnder Vulkan,
der sich niemals ganz erschöpft, ein wilder Sturm, ein greller Schrei! Und
über allem strahlt der Brennstab aus Uran.

Noch in hunderttausend Jahren werden unsre Blutsverwandten
ihn umstehen, und dann denken sie dabei:
„Diese Liebe hat die Zeiten unbeschadet überstanden!“,
und dann schütteln sie verwundert das Geweih.

Noten
« Letzte Änderung: 28. März 2007, 03:17:19 von Burkhard_Ihme »

Offline niels

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #6 am: 29. März 2007, 13:11:59 »
Dieses Problem begleitet mich bei meiner Arbeit tatsächlich auf Schritt und Tritt: Lieder über konkrete Politiker usw. sind zwar griffig, verwelken aber bald, und Lieder über allgemeine politische Phänomene sind zwar zeitlos, wirken aber oft verblasen. Echte Glücksfälle sind dann eben Lieder, die abstrakt sind und trotzdem konkret klingen (z.B. das Kapitalistenlied oder meine Freiheit, deine Freiheit von GK), oder aber Lieder mit konkretem zeitgebundenem Inhalt, die trotzdem weit über ihre Zeit hinausschwingen.

Süverkrüp mag ich auch sehr gut, find ihn übrigens auch gut interpretierbar. Mit einem Klavier kann man alles...

Jedenfalls vielen Dank für die Tipps. Ich armer ignoranter Kuhschweizer krieg halt nicht alles mit, was es bei euch drüben tolles gibt.

Offline whoknows

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #7 am: 29. März 2007, 13:54:46 »
Hör mal hier in den "Beifahrer der Belanglosigkeit" rein - ist vielleicht was für Dich?
http://www.myspace.com/wortfront

Und ist nebenbei auch von einem Schweizer geschrieben - übrigens: Mani Matter hat nix?
« Letzte Änderung: 29. März 2007, 13:55:25 von whoknows »

Offline niels

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #8 am: 29. März 2007, 15:30:59 »
Und ob! Der hat ne Menge politischer Chansons. Prachtsexemplare. Die besten finde ich "Ballade vom Nationalrat Hugo Sanders", "s`Lied vom Kritisiere" und "dene wos guet geit".

Offline niels

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #9 am: 29. März 2007, 16:25:50 »
Ach ja und die späten untypischen "warum syt dir so trurig?" und "nei säget sölle mir".

Offline niels

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #10 am: 29. März 2007, 19:01:00 »
Womit ich bereits komplett off topic wäre...sorry.

Offline whoknows

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #11 am: 29. März 2007, 20:15:21 »
Wir haben's hier nicht so mit der Topic-Treue. ;) Ja, Mani war schon ein SEHR guter - schade, dass man die Sachen eigentlich nicht in's Deutsche übertragen kann: sie leben schon sehr von der Sprache....

Offline Burkhard Ihme

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #12 am: 29. März 2007, 23:49:58 »
Quote (selected)
Dieses Problem begleitet mich bei meiner Arbeit tatsächlich auf Schritt und Tritt: Lieder über konkrete Politiker usw. sind zwar griffig, verwelken aber bald, und Lieder über allgemeine politische Phänomene sind zwar zeitlos, wirken aber oft verblasen.

KURZES LIED

Ein Sänger solte gut gereimte Lieder schreiben,
denn hin und wieder bleiben
so ein paar Zeilen doch im Ohr.
Und zweitens solte er nur kurze Lieder singen,
die nicht so bieder klingen
wie ein gemischter Fischerchor.

Ein kurzes Lied hat auch den Vorteil, daß es schnell geschrieben ist
in dieser kurz bemessnen Frist, bis man den Anlaß ganz vergißt.
Ein kurzes Lied braucht wenig Inhalt und kein hohes Ideal,
und daß dem Dichter nichts mehr einfiel, ist egal.

Ein Sänger sollte aktuelle Lieder singen
von Berner Widerlingen,
drum hier ein Tipp aus erster Hand:
Man singe von den Liedern, wenn sie heikel waren,
nur die recyclebaren
und bring sie auf den neusten Stand.

In einer Welt, die sich verändert und die keiner mehr versteht,
kommt der singende Prophet mit seinen Liedern meist zu spät,
denn  keine Aktualität und keine Nachrichten-Notiz
hält sich länger als die Dauer dieses Lieds.

Drum soll ein Sänger kurze Lieder oder keine schreiben,
vielleicht ganz kleine schreiben,
im kreativen Sturm und Drang.
Auch dieses Werk ist etwas opulent geraten,
doch im Moment geraten
mir meine Lieder hin und wieder viel zu lang.



Offline niels

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #13 am: 30. März 2007, 08:33:51 »
Ein guter Ratschlag. Ist doch aber leider eben nicht so, dass kurze Lieder schneller geschrieben sind, oder?

@whoknows: Das tut mir ein Wenig leid für euch... Aber ich nehm mal n Anlauf und übertrag eins für dich, vielleicht klappts ja doch.

Offline whoknows

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #14 am: 30. März 2007, 09:27:38 »
Äh... für "uns"? Du meinst: "Uns Nichtschweizer"? Damit hast Du Recht. An Menschen, die nicht die Sprache vestehen, geht dadurch viel verloren, und vermutlich könntest Du mit einem Mani Matter- Programm in Deutschland noch viele Leute ziehen. Ich persönlich war als Kind in der Schweiz in der Schule, verstehe ihn also grösstenteils - und eben: ich finde, dass die Lieder in der Übersetzung verlieren - wie fast jede Dichtung übrigens.

Offline Burkhard Ihme

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #15 am: 30. März 2007, 09:48:47 »
Quote (selected)
Ein guter Ratschlag. Ist doch aber leider eben nicht so, dass kurze Lieder schneller geschrieben sind, oder?
Doch, würde ich (etwas generalisierend) sagen. An "Urlaub mit Meckermann" (stell ich demnächst mal ins "Selbstverzapfte") hab ich Jahre geschrieben. Bei Leuten, die drei Lieder am Tag rausrotzen, ist der Unterschied wohl eher gering, aber auch dort meßbar (und die Qualität eher zufällig).
Ein kurzes Lied kommt auch mit wenig Melodie aus, braucht keine Bridge und keinen Refrain.

Offline whoknows

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #16 am: 30. März 2007, 11:25:44 »
N dr Krz lgt d Wrz.

Aber ich glaube eigentlich eher, dass GERADE die kurze Form oft schwieriger ist - man kann nicht so dahinlabern, man muss schnell auf den Punkt kommen. Kommt vermutlich auf die Aussage an, die man treffen will.

Offline niels

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #17 am: 30. März 2007, 12:53:05 »
Und auf den Duktus. Wenn ein kurzes Lied den Anspruch hat, dasselbe zu leisten wie eine lange Abhandlung, einfach entschlackt und komprimiert, dann ist das ganz schön arbeitsintensiv. Für mich zumindest. Aber ein kurzes Lied kann ja auch eine Mini-Idee oder ein Fragment sein.

Offline Burkhard Ihme

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Re: Politische Lieder anderer Künstler
« Antwort #18 am: 30. März 2007, 13:12:20 »
Man könnte ja auch fragen: Was ist schneller geschrieben? Ein gutes oder ein schlechtes Lied?

Hier noch mal was langes: Ein Arbeiterlied von echtem Schrot und Korn, nur etwas auf Peter Alexander getrimmt:


Die kleine Fabrik

Dort unten bei der Kneipe macht die Straße
einen Knick,
dann stoßt man unversehens mit der Nase
auf die Fabrik.
Bei der Verladerampe zum Versand der Ware
schlugen wir als Kinder manche heiße Schlacht.
Auf dem Fabrikhof haben wir die schönsten Jahre
in unsrer Schul- und Kinderzeit verbracht.

Die kleine Fabrik, die kleine Fabrik,
das ist der Ort, wo ich zu Hause bin.
Die kleine Fabrik, die stand schon vor dem Krieg,
und hier in unsre Stadt gehört sie hin.

Der alte Backsteinbau ist noch wie früher
voll Geschmier.
Und dort die Inschrift „Ludwig liebt Maria!“,
die stammt von mir.
Hier hat mein Vater seine Rente sich erworben
und dort in diese Bank ein Kreuz gekerbt,
denn an der Drehbank ist mein Großvater gestorben,
und ich hab seine Taschenuhr geerbt.

Die kleine Fabrik, die kleine Fabrik,
das ist der Ort, wo ich zu Hause bin.
Die kleine Fabrik, die stand schon vor dem Krieg,
und hier in unsre Stadt gehört sie hin.

Rechts über dem Portal sieht man noch heute
einen Fleck.
Dort war ein Hakenkreuz an dem Gebaude,
jetzt ist es weg.
Damals wurden Kriegsgefangene aus Polen
und Rußland hier zur Arbeit hergeschleppt,
um Hitler die Kastanien aus der Glut zu holen.
Ein paar von ihnen haben überlebt.

Die kleine Fabrik, die kleine Fabrik,
das ist der Ort, wo ich zu Hause bin.
Die kleine Fabrik, die stand schon vor dem Krieg,
und hier in unsre Stadt gehört sie hin.

Die Hallen sind schon alt, doch das Gemäuer
ist noch intakt.
Und wo einst Rasen war, steht jetzt ein neuer
Verwaltungstrakt.
Hier kann man alle Angestellten schnell erfassen,
und weil man so auf Recht und Ordnung hält,
wurden die Gewerkschafter entlassen
oder vorsichtshalber gar nicht eingestellt.

Die kleine Fabrik, die kleine Fabrik,
das ist der Ort, wo ich zu Hause bin.
Die kleine Fabrik, die stand schon vor dem Krieg,
und hier in unsre Stadt gehört sie hin.

Die Hallenfenster sind mit Sommersprossen
aus Dreck verziert,
die großen Eingangstore sind verschlossen
und plombiert.
Nach Kurzarbeit bei steigenden Akkorden
verfuhr die Firmenleitung rigoros:
die Produktion ist ausgelagert worden,
und hundertsiebzig sind hier arbeitslos.

Die kleine Fabrik, die kleine Fabrik,
das ist der Ort, wo ich zu Hause bin.
Die kleine Fabrik, die stand schon vor dem Krieg,
und hier in unsre Stadt gehört sie hin.


Noten

 

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