Wolfgang Neuss

Begonnen von Burkhard Ihme, 04. Mai 2014, 04:12:01

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Burkhard Ihme

Tagesschau24 hat heute eine Sendung über Wolfgang Neuss, "Neuss Deutschland", ausgestrahlt. Die wurde offenbar von 4:3 auf 16:9 umgeschnitten, so da0 sämtliche Untertitel zu den interviewten Zeitzeugen fehlen. Erkannt hab ich natürlich Dieter Hildebrandt, Volker Kühn und Gaston Salvatore (den hab ich sogar 1973 mal getroffen), aus dem Zusammenhang kann man Neuss' Frau und Tochter zuordnen. Weiß jemand, wer sich da noch geäußert hat?

Clas

Moin, moin,

mir fehlt da ein Link, auf der Seite finde ich nichts, was lauffähig wäre...

Gruß Clas
"Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

Heiko

#2
Mir ist Wolfgang Neuss vor allem in der Rolle Erich Mühsams in Erinnerung. Eine rotzige Interpretation, die sehr gefällt, weil beide deutlich zu erkennen sind. Zu sehen ist das Ganze in der Verfilmung von Tankred Dorsts Theaterstück "Toller" durch Peter Zadek für den WDR (1969) namens "Rotmord". Im Netz gibt es leider nicht viel dazu, außer vielleicht dieses eine Foto für eine Berliner Filmvorführung, aber bei zweitausendeins lässt sich mit € 2,95 eine Neuauflage aus dem Suhrkamp Verlages erwerben.

http://www.zweitausendeins.de/tankred-dorst-toller-dvd.html

"I would prefer not to."

romy

Das habe ich erst neulich einem guten Freund und großen Zadek-Fan geschenkt und werde es mir wohl mal ausleihen müssen.
"Wie schön wäre Wien ohne Wiener."

Burkhard Ihme

#4
Mittlerweile gibt es den Film auch auf YouTube:
https://www.youtube.com/watch?v=4vBJzglrOy4

Zu finden ist im Netz noch eine Programmankündigung:

ZitatEr war ein Vorbild für die Kabarettisten, Filmstar für die Zuschauer, Skandalnudel für die Boulevardpresse, Genosse für die 68er, Guru für die Alternativen und anerkanntes Genie für alle: Wolfgang Neuss. Seine Lebensgeschichte spiegelt auch die Geschichte der Bundesrepublik wieder. Als junger Mann begann er nach dem Weltkrieg Witze zu machen für das gebeutelte Publikum der Nachkriegszeit. In den 50ern tingelt er als Spaßmacher durch Deutschland, erlebt Wirtschaftswunder und Fresswelle. Wolfgang Müller, Dieter Hildebrandt, Wolfgang Gruner sind Wegbegleiter seiner frühen Jahre. Das Programm: unterhaltend - und politisch.

Er stellt sich quer - zur Bundesrepublik Deutschland und zur DDR. Zur gleichen Zeit beginnt er für den Film zu arbeiten, 'Das Wirtshaus im Spessart' wird ein Riesenerfolg. In den 60ern ist Neuss Deutschlands populärster Kabarettist. Er politisiert sich, verlässt den Kleinkunstkeller und geht mit den Studenten auf die Straße. Die Einigkeit der Kabarettfamilie erhält erste Brüche. Die Studentenbewegung spaltet die Linke im Wirtschaftswunderland.

Dann will er plötzlich nicht mehr. Rückzug ins Private, in den Drogenkonsum. Als Wolfgang Neuss Anfang der 80er Jahre wieder stärker in der Öffentlichkeit auftaucht, ist aus dem prächtigen Wohlstandsmacho ein dünner, zahnloser Mann mit langen Haaren geworden. 'Vom Mann mit der Pauke zum Kellerkind', schreibt die Presse höhnisch. Doch der Geist des 'Großstadtindianers' sprüht wie eh und je: Ohne Zähne, aber noch immer mit Biss.

1989 stirbt er, kurz von dem Fall der Mauer und dem Ende seiner Republik. Der Film sucht den Künstler und den Menschen Wolfgang Neuss. Zeitzeugen und Gefährten, Freunde und Kollegen bringen uns Neuss näher und erzählen dabei ein Stück deutsche Nachkriegsgeschichte

Porträt von Julia Oelkers und Peter Scholl