Antisemitische Karikaturen

Begonnen von Bastian, 22. August 2012, 00:01:17

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Clas

Nö. Zu eigen machen tut man sich das nicht, wenn man darauf hinweist, dass dieses Motiv eben genau diese Vorbelastung hat, und daher nicht geht. Es ist nicht nur missverständlich, es greift genau auf das zurück, was seinerzeit zeichnend verbrochen wurde. Das tut es nicht, um das, was an der TTIP - und Kapitalisten-Kritik strukturell antisemitisch sei, bloßzustellen, sondern bestätigt diesen strukturellen Antisemitismus hier leider auf's Schönste. Ich mag dieses Konstrukt überhaupt nicht, aber hier scheint es mir evident.

Man könnte schließlich auch nicht beim HWL Juden gegen Kap'talisten oder Geldsack austauschen und ihr spritzendes Blut wäre dann lediglich als geschmacklos empfindbar, das Lied aber berechtigte Kapitalismuskritik und Befreiungsermuterung, hätte aber keinerlei antisemitische Anklänge mehr.
"Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

Heiko

Moin Clas,
steht HWL für "Horst-Wessel-Lied"? Meines Wissens werden Juden darin gar nicht erwähnt, sondern bloß "Rotfront und Reaktion erschossen".

Gruß Heiko
"I would prefer not to."

Clas

Moin Heiko,

meinte es. War da nicht was mit vom Messer spritzendem Judenblut? Dass es in dem Falle noch mal so gut ginge? Oder ist das ein anderes Stück deutschen Liedgutes? Ich bin in dem Genre nicht so rasend textsicher...

Gruß Clas
"Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

Heiko

Eine hab ich noch!  ::)

Aus der Neuen Presse Coburg vom 06. Juni 2015:

Olli Bär: Neue Besen kehren gut
"I would prefer not to."

Burkhard Ihme

#79


Zitat von: Clas am 17. März 2016, 09:19:20
Das tut es nicht, um das, was an der TTIP - und Kapitalisten-Kritik strukturell antisemitisch sei, bloßzustellen, sondern bestätigt diesen strukturellen Antisemitismus hier leider auf's Schönste.
Äh wie? TTIP- und Kapitalistenkritik ist strukturell antisemitisch?

Zitat von: Clas am 17. März 2016, 18:36:41
Moin Heiko,

meinte es. War da nicht was mit vom Messer spritzendem Judenblut? Dass es in dem Falle noch mal so gut ginge? Oder ist das ein anderes Stück deutschen Liedgutes? Ich bin in dem Genre nicht so rasend textsicher...

Gruß Clas

Ja, da liegst du falsch. Das "Judenblut" kommt in "Ihr Sturmsoldaten jung und alt" vor, entweder in einer weiteren Umdichtung des Liedes oder man findet auf YouTube nur entschärfte Fassungen, in denen die entsprechende Strophe fehlt.

Den Nazi-Text kann man hier nachlesen:
http://www.kollektives-gedaechtnis.de/texte/vor45/lieder.html

Das Lied ist in der ursprünglichen Fassung ein wenig älter.

ZitatEinen ähnlichen Fall stellt das Lied vom ,,Sturmsoldaten" dar. Das Lied ist seit 1881 nachgewiesen und trug ursprünglich den Titel ,,Ihr Landwehrmänner jung und alt".28 Es wurde im Ersten Weltkrieg gesungen und ist schließlich ein Lied der Freikorps und der SA geworden.29

Clas

Moin Burkhard,

nein, solange sie gezeichnete Kraken und überhaupt antisemitische Klischees meidet, ist sie das nicht. Nach meiner Auffassung.

Es könnte aber jemand meinen, sie sei es, wenn sie diese Klischees eben nicht meidet, und dann ein solches Klischee als kritisches Zitat einsetzen, um hier Kritik zu üben, in welchem Falle die Kritik an der Kritik anders zu denken und zu formulieren wäre, als ohne diese Brechung...

Und ja, es werden Dir Leute begegnen, die strukturellen Antisemitismus genau so weitherzig auffassen, dass jegliche Kritik an Kapitalisten darunter fällt.

Gruß Clas
"Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

Burkhard Ihme

Weil alle Kapitalisten Juden sind (oder alle Juden Kapitalisten)? Da schießt sich jede Begründung doch selber ins Knie.

Zitat von: Heiko am 17. März 2016, 13:44:26
Moin Clas,
steht HWL für "Horst-Wessel-Lied"? Meines Wissens werden Juden darin gar nicht erwähnt, sondern bloß "Rotfront und Reaktion erschossen".
Auch das nicht. "Rotfront und Reaktion" werden nicht erschossen, sondern haben selber geschossen und zwar auf die "Kameraden", die nun im Geist in den Reihen mitmarschieren.

Man muß das Horst-Wessel-Lied aus begründetem Ekel nicht wortwörtlich kennen, aber die Parodie von Bert Brecht könnte ja bekannt sein ("Kälbermarsch"). Die wirft allerdings auch Fragen auf (was sind die Reihen des Kalbes?). Insofern interessant, als Brecht für Kollegen ein unerbittlicher Kritiker war. Ich hab vor dreißig Jahren mal einen Text gelesen, in dem er ein wohlgemeintes politisches Gedicht nach allen Regeln der Kunst zerpflückt.

Burkhard Ihme

Hat jemand die Dokumentation "Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa" gesehen?

Die Fehlerliste auf http://www1.wdr.de/unternehmen/der-wdr/unternehmen/doku-faktencheck/doku-video-100.html ist lang, wird aber von Unterstützern der Dokumentation wiederum angefochten.

Festzuhalten ist auf jeden Fall: Obwohl es im Auftrag zur Dokumentation nicht um Palästina ging, sondern um Norwegen um Ungarn, beschäftigt sich der Film in der ersten Hälfte fast nur damit, wie es im Gazastreifen aussieht und wie viele NGOs dort aktiv sind und wieviel Millionen dorthin wandern (und zitiert dabei falsche Zahlen – nebbich). Offenbar ist es nach Ansicht der Autoren ein Zeichen von Antisemitismus, wenn man Palästinenser unterstützt. Oder der Film verfehlt sein Thema.