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Kontakt: Bastian Kopp

Olympia boykottieren oder nicht?

Bastian · 8 · 3221

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Offline Bastian

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Zitat
"Dieser Artikel enthält Informationen, die laut russischem Recht nicht für ein Publikum unter 18 Jahren geeignet sind"
(ein krasser Disclaimer, entnommen von der unten verlinkten Seite)

Wegen der Verfolgung Homosexueller in Russland, macht Stephen Fry sich für einen Boykott der Winterolympiade 2014 stark.

Was meint Ihr?
Sollte man Sotschi boykottieren?
Oder sollten die "Games" frei bleiben von Politik?


Offline Burkhard Ihme

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Offline Clas

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Moin, moin,

ich bin da sowieso nicht eingeladen und würde auch nicht hinfahren: Was soll ich da?

Einen Boykott, wenn er bewirken würde, dass sie nicht stattfinden und also auch nicht die Nachrichten von Sportmeldungen kontaminiert würden, fände ich schon aus diesem Grunde gut. Ich kann eigentlich nur boykottieren, was ich sonst konsumieren würde.

Dass aber der Sport nicht politisch instrumentalisiert werden dürfe, ist ein blödes und zudem verlogenes Argument. Sportereignisse haben immer eine politische Dimension, und wenn sie nur zur Ablenkung dienen. Sport ist immer auch Politik, und, wie man an den ständigen Dopinggeschichten merkt, genau so verlogen und widerwärtig, als wäre er nur Politik...

Also, ich bin dabei. Ich werde die so wenig, wie möglich, zur Kenntnis nehmen. Das mache ich bei solchen Ereignissen allerdings immer so. Bisher leider wirkungslos.

Wirkung erzielen könnte da das IOC oder vielleicht die nationalen Sportverbände, vielleicht auch einzelne Sportler, die da sonst teilgenommen hätten. Vielleicht auch die Medien, wenn sie nicht drüber berichten.

Gruß Clas
"Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...


Offline Burkhard Ihme

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Dass aber der Sport nicht politisch instrumentalisiert werden dürfe, ist ein blödes und zudem verlogenes Argument.
Instrumentalisieren und boykottieren ist ja auch was völlig Unterschiedliches. Ein Boykott schadet NUR dem Sport und hat ansonsten keinerlei Wirkung. Also nur eine Option für Sporthasser.
Drei Mal wurden olympische Spiele boykottiert, es war völlig sinnlos und zum Teil idiotisch in der Begründung. So boykottierten 1976 die schwarzafrikanischen Länder die Spiele in Montreal, weil zuvor eine neuseeländische Rugby-Mannschaft (Rugby ist nicht olympisch) in Südafrika Freundschaftsspiele absolvierte. Obwohl sich immerhin 24 Länder am Boykott beteiligten, ist er heute nur noch unter Fachjournalisten ein Begriff.


Offline Clas

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Moin, moin,

flächendeckend würde ein Boykott wahrscheinlich schon was bringen. Und zwar ein Berichterstattungsboykott. Wenn das ein lokales Ereignis irgendwo in Südrussland ist und keiner berichtet davon: Dann berührt das sehr schnell die wirtschaftliche Dimension des Sportes. Und der Imagepflegeaspekt kracht in sich zusammen.

Wenn das IOC sagen würde, unter diesen Umständen lassen wir die ausfallen: Das würde auch Druck machen.

Wenn alle, oder jedenfalls sehr viel mehr als jetzt, das weder besuchen, noch lesen noch anschauen oder anhören würden: Das brächte auch was.

Dass der Montrealer Boykott nichts oder wenig gebracht hat, liegt auch daran, dass in den Zeitungen stand, dass er nichts brachte, bringt oder künftig bringen würde. Der ist kleingeschrieben worden. Wenn darüber entsprechend geschrieben worden wäre, statt über die Olympiade, sähe es vielleicht anders aus. Die Begründung für den Boykott war doch seinerzeit nicht, dass NZ in SA Rugby gespielt hatte, sondern dass es, dessen ungeachtet und nicht darob gerügt, an der Olympiade teilnehmen konnte... Nu habe ich noch mal nachgesehen: 16 Staaten hatten schon vorher auf die Teilnahme verzichtet, 25 dann ihre Athleten abgezogen, darunter auch Guayana, das solidarisch war. Den anderen war halt der Sport wichtiger, als die Solidarität im Kampf um Menschenrechte in Südafrika. Ich fürchte, das wird in Russland nicht anders sein.

Gruß Clas
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Offline Burkhard Ihme

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Die Begründung für den Boykott war doch seinerzeit nicht, dass NZ in SA Rugby gespielt hatte, sondern dass es, dessen ungeachtet und nicht darob gerügt, an der Olympiade teilnehmen konnte...
Natürlich durfte Neuseeland teilnehmen. Teilst du etwa das Demokratieverständnis der Afrikaner? Was kann das neuseeländische NOK dafür, wenn der Rugby-Verband Scheiße baut? Und auch die neuseeländische Regierung kann den Rugbyspielern doch nicht verbieten, was die in ihrer Freizeit machen. Und auch wenn man das als politisches Statement wertet: Das ist nun mal von der Verfassung gedeckt.


Offline Bastian

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Ich denke auch, dass von einem Boykott der Olympiade durch Athleten nur die Sportler betroffen wären. Deswegen wunderte mich Stephen Fry's Vorschlag. Es ist ja klar, dass es für die Athleten das Größte ist, an einer Olympiade teilzunehmen. Wieso sollten die dafür büßen, dass in Russland Menschenrechte mit Füßen getreten werden? Ein Alternativboykott wäre ja, im kommenden Winter eher zwei Pullis anzuziehen und aufs Heizen zu verzichten, auf dass die Schröder-Putin-Pipeline eindickt...

Letztendlich ist es das IOK, das solche Dilemmata erzeugt. Was macht China oder jetzt Russland so attraktiv für die Austragung? Liegt es daran, dass Diktaturen weniger mucken, wenn es z.B. ums Umsiedeln von Menschen geht. Ist es billiger? Oder waren die angebotenen "Vergünstigungen" einfach sexier als z.B. Der Schinken und die Kuckucksuhr, mit der die Titanic damals die WM nach Deutschland holte?


Offline Clas

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Moin, moin,

gestern im Radio: 9 Menschen sangen auf dem roten Platz die russische Nationalhymne, mit kleinen, bunten Fähnchen in der Hand. Sie wurden festgenommen, misshandelt, angezeigt und schließlich wieder vorläufig freigelassen.

Eine weitere Gruppe wurde wegen Störung der öffentlichen Ordnung festgenommen und angezeigt, weil sie offene Regenschirme trugen, obwohl es nicht regnete und so die öffentliche Ordnung störten...

Beide Nachrichten finde ich deutlich erheblicher, als die Mitteilung, ein Deutscher sei am allerschnellsten eine Eisrinne hinuntergerodelt...

Gruß Clas
"Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...