Verschollene Lieder aus dem Buch "Die alten bösen Lieder"??

Begonnen von kfgme, 20. Dezember 2023, 10:26:46

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kfgme

Liebe Kreisler-Enthusiasten,
ich bin neu im Forum und konnte trotz Suche noch kein Thread zu diesem Thema finden, hoffe also, dass es ok ist, hier jetzt diesbezüglich zu posten.

Mit viel Vergnügen hab ich das (mittlerweile nur noch antiquarisch erhältliche) Buch "Die alten bösen Lieder" (Ueberreuter, 1989) gelesen, und er erzählt hier von einer Vielzahl von Liedern, die mir gar nicht geläufig waren und zu denen ich auch keinerlei Hinweise (geschweige denn Aufnahmen) online finde. Die Texte (die sind auch vollständig abgedruckt) sind aber teilweise wirklich köstlich und ich frage mich, ob schon jemand versucht hat, hier an etwaige Aufnahmen ranzukommen? Wenn das für Radio-Sendungen entstanden ist, müsste es ja theoretisch auch den ein oder anderen Mitschnitt davon irgendwo geben... Ob er es je auf Platte aufgenommen hat, weiß ich nicht.

Konkret ein paar Beispiele:
DIE ROLLTREPPE IN DER OPERNPASSAGE (1956, geschrieben für die Marietta-Bar)
MIR FALLT NIX EIN ("Zwischen den Zeilen": Wöchentliche, 15-minütige Radio Sendung mit Gerhard Bronner, Peter Wehle und GK)
FASCHINGSLIED ("Zwischen den Zeilen")
ICH HAB MIR DAS RAUCHEN ABGEWÖHNT
WIEN, WIEN, WIEN ("Zwischen den Zeilen")

Ich werde auch noch die Liedtexte zu den oben genannten Liedern posten!
Viele Grüße!

kfgme

Hier noch die Liedtexte zu den genannten Liedern:


DIE ROLLTREPPE IN DER OPERNPASSAGE
Am Schwechater Flugplatz landete kürzlich ein Herr –
Sie würden ihn kennen.
Er ist weltberühmt und geehrt seit Jahren,
doch wir wollen seinen Namen nicht nennen.

Es war sein erster Besuch in Wien
seit dem Krieg. Und ein Interview
mit Journalisten folgte natürlich.
Das gehört gewissermaßen dazu.

Er blieb nur zwei Tage und reiste dann ab.
Und wieder von Reportern eine Schar
fragte ihn, was er halte von Wien.
Und er sagte: Aber das ist doch klar.
Daß ich hier war, bedeutet für mich ein großes Glück,
Und glauben Sie mir, meine Herren, ich komm bald zurück.

Denn wenn ich in der Opernpassage
die Rolltreppe hinunterfahr,
das ist ein Erlebnis!
Mein Blut stockt, meine Knie zittern,
meine Krampfadern schwellen, mein Herz steht still –
das ist das Ergebnis!

Ich habe natürlich schon die Sphinx gesehen
und das Empire State Building und den Taj Mahal
und den Louvre - das alles könnte ich Ihnen
von Anfang bis Ende zeigen.
Jede Woche speise ich mit Eisenhower,
mit Bulganin spiele ich Pingpong,
und mit Marilyn Monroe –
doch davon wollen wir lieber schweigen.

Sie fragen über meine Zukunftspläne?
Nun ja, ich werden den Himalaya besteigen,
als erster zum Mond fliegen,
die Prinzessin Margaret heiraten und - was noch?
Ach ja, den Rockefeller werde ich beerben.
Doch das ist alles unwichtig.
Man kann nur eines sagen:
In der Opernpassage die Rolltreppe hinunterfahren - und sterben!

Der höchste Triumph architektonischer Eleganz,
das sehenswürdigste Wunder des Abendlands,
die Sensation des Jahrhunderts, der dernier cri, die Rage
- das ist die Rolltreppe in der Opernpassage.

Sonst läßt mich Wien ziemlich kalt.
Die Ringstraße ist eng,
die Oper ist unmusikalisch,
und Schloß Schönbrunn ist ärmlich.
Ferner könnte der Stephansturm höher sein,
im Prater könnte man mehr Bäume pflanzen,
und das Belvedere, also wissen Sie,
das ist eine Hütte ganz erbärmlich!

Aber die Rolltreppe!
Es ist ja nicht nur eine, sondern vier!
Das gibt es in der ganzen Welt nicht,
da schwör ich drauf.
Und wie genial es gemacht ist!
Denn sehen Sie, diese Rolltreppe
fährt nicht nur hinunter, nein!
Die fährt auch hinauf!

Ich bin vier Stunden lang hinauf und hinuntergefahren,
immer hinauf und hinunter.
Sie werden meine Begeisterung verstehen.
Und wie entzückend es unten ist!
Ich könnte den ganzen Tag
um das Espresso spazierengehen.

Der höchste Triumph architektonischer Eleganz,
das sehenswürdigste Wunder des Abendlands,
die Sensation des Jahrhunderts, der dernier cri, die Rage,
das ist die Rolltreppe in der Opernpassage,
nicht die beim Herzmansky!
Nein, die Rolltreppe in der Opernpassage.



MIR FALLT NIX EIN
Ich hab in der Zeitung gelesen
von Ungarn, Ägyptern, Chinesen,
von Mördern und seltsamen Ehen,
von Marilyn Monroes Ideen,
der Gulda spielt wieder Beethoven,
die Volksoper »Wonderful Tow'n«.
Da wär' a Idee für a Lied drin ganz g'wiß,
aber ich hab keins g'schrieben, weil mir nix eing' fallen is.

Dann ist in der Zeitung gestanden:
Benzin ist genügend vorhanden.
Die Hannerl Matz wurde Mutter,
Die Wachleut kriegen billige Butter.
Von ein' Aktphotographen, der Arrest hat,
weil er die Frauen nachher erpreßt hat.
Da wär a Idee für a Lied drin ganz g' wiß,
aber ich hab keins g'schrieben, weil mir nix eing' fallen is.

Mir fallt nix ein.
Ich les über alles
von Figl bis Dulles,
und mir fallt nix ein.
Ich werd noch am End
ein besonderes Talent
für Mangel an Einfällen sein.

Ich hab in der Zeitung gelesen:
Strawinsky ist wieder genesen,
von den neuen Straßenbahnwagen,
und wie sich die Leut damit plagen,
daß die Funkstreife jetzt schon ein Jahr ist,
und vieles, was sicher nicht wahr ist.
Da wär a Idee für a Lied drin ganz g' wiß,
aber ich hab keins g'schrieben, weil mir nix eing' fallen is.

Sehr viel hat die Zeitung geschrieben
von Strolchen, Betrügern und Dieben,
von ein' Mädel, das wirklich ein Bua war,
was Wasserstand und Temperatur war,
von falschen Feueralarmen,
von zwei grundverschiedenen Carmen.
Da wär a Idee für a Lied drin ganz g'wiß,
aber ich hab keins g'schrieben, weil mir nix eing' fallen is.

Mir fallt nix ein.
Ich sag's und erröte.
Ich bin halt kein Goethe,
weil mir fallt nix ein.
Ich bin ganz gebrochen.
Ich hoff, nächste Wochen
wird alles ganz anders sein.

Doch die Wochen laßt sich nix machen.
Ich les, und ich find nix zum Lachen.
Ich les von politischen Dingen,
da find ich schon gar nix zum Singen.
Ich les auch so manche Annonce,
das is interessant, und das lohnt se.
Aber Lied hab ich keins, also mach ich jetzt Schluß.
Nicht weil ich will, sondern nur, weil ich muß.


FASCHINGSLIED
Der Fasching ist aus. Das tut mir nicht leid,
denn für mich war der Fasching eine schreckliche Zeit.
Ich war bei sämtlichen Bällen in Wien.
Sie können sich vorstellen, wie müd ich jetzt bin.
Ich will ka Musik, ka Dur und ka Moll,
kan Walzer, kan Slowfox, kan Rock und kan Roll,
kan Tango, kan Rumba, sogar kein Menuett.
Ich will nur meine Ruh haben, ich will nur mein Bett.
Daß ich froh bin, daß es aus ist, ist hiermit ganz klar.
Hören Sie mir zu, wo ich überall war:

Beim Ball der Tiroler, der Calasantiner,
beim Ball der Rapidfreunde sowie der Wiener,
der Kleinkohlenhändler, beim Ball der Finanz,
und die Pferdefleischhauer hatten auch einen Tanz,

beim Ball der Kaffeesieder, Kränzchen der Neger,
der Schönbrunner Gärtner, der Firma Litega,
der ÖVP Wieden, der Verkehrspolizei,
der Installateure und der Staatsdruckerei,

der Tischler, der Schuster, der Schneider, der Schlächter,
der Lastfuhrwerkerssöhne, der Lastfuhrwerkerstöchter,
der Hafner, der Alttechnologen von Wien,
der Spengler und der Handelsakademien.

No, was soll ich Sie langweilen, wo ich überall war?
Ich hoff nur, der Fasching wird anders aufs Jahr.
Ich möchte mich nämlich jetzt drauf konzentrieren,
den Fasching gründlich zu modernisieren.

Denn da hätte ich einen erstklassigen Vurschlag
für alle die Bälle von Wien bis Mürzzuaschlag:
Man könnte vielleicht, statt sich so zu zerspalten,
verschiedene Bälle zusammen abhalten,
im selben Lokal und zur nämlichen Zeit.
Das wäre für viele ein Segen und eine Freud.
Man könnt sich was sparen, mehr schlafen, mehr ruh'n
und vielleicht für den Staat etwas Nützliches tun.

Also zum Beispiel, da wüßte ich eines,
das wär eine herrliche Attraktion:
den Ball der Jäger und des Tierschutzvereines
am selben Abend im Kursalon.
Die wären sich doch sicher gegenseitig zuwider,
die würden sich schimpfen, die würden sich hauen,
und am Ende, da brennen s' den Kursalon nieder,
und der Hilton könnt endlich sein Hotel dort erbauen.
So könnt man was sparen, mehr schlafen, mehr ruh'n
und vielleicht für den Staat etwas Nützliches tun.

Den Kinderball und den Zuckerbäckerball,
die tät ich zusammen auf jeden Fall.
Den Ball des Gesangsvereines Walhall,
den schicket ich zum Philharmonikerball.

Dort könnten s' was lernen, und vor allen Dingen
würden sie sich dort schämen und nie wieder singen.
Sie könnten mehr sparen, mehr schlafen, mehr ruh'n
und vielleicht für den Staat etwas Nützliches tun.

Es gab keinen Ball der Diebe und Hehler,
und ich halte das für ein' sehr groben Fehler.
Denn hätte ein solcher Ball stattgefunden,
dann hätt' ich ihn mit dem Ball der Polizisten verbunden.
Denn wenn sich die Diebe und Kiwerer träfen,
dann säßen die Diebe heut alle im Häfen.
Dort könnten s' nix stehlen, würden schlafen und ruh'n
und vielleicht für den Staat etwas Nützliches tun.

Diese Vorschläg sind gut, aber wer will sie hören?
Am Ballhausplatz wird sich kein Mensch um sie scheren.
Ich weiß, ich werd nächstes Jahr wieder so fluchen
und bis Aschermittwoch alle Bälle besuchen,
den Ball der Juristen, den Ball der Trompeter,
den Ball der Vertreter und Vertretersvertreter,
der Buchbinderlehrlinge, Glaserer, Schmiede,
und wenn ich dran denk, werd ich heute schon müde.
Ich glaub, ich geh schlafen, ich glaub, ich muß ruh'n.
Vielleicht kann ich morgen etwas Nützliches tun.
Gute Nacht!



ICH HAB MIR DAS RAUCHEN ABGEWÖHNT
Ich darf jede Arbeit scheuen,
ich darf meine Frau verbleuen,
denn ich hab mir grad das Rauchen abgewöhnt.

Sagt einer »Skandalös!«
antwort ich: »Schaun S', sind S' net bös,
weil ich hab mir grad das Rauchen abgewöhnt.«

Gleich versteht er mich, und dann
zünd't er sich ein Zigaretterl an,
nimmt ein' tiefen Zug und sagt: »Das könnt i net,
weil i ja zu sowas nie die Willenskraft net hätt.«

»Ja«, sag i, »lieber Herr,
freilich, es is ziemlich schwer,
aber wenn man stark is, so wie i!
I hab auch zuerst gestöhnt,
doch i hab mir's abgewöhnt,
seit heute früh.«

I fahr durch's rote Licht
und glaub, der Wachter sieht es nicht,
aber so ein Wachter ist halt g'scheiter.
Schaun S'«, sag i, »i zitter so,
i g'wöhn mir grad das Rauchen o'.«
Na guat«, sagte der Wachter, »fahrn S' halt weiter.«

I ganget gerne aus,
doch mei' Alte schreit: »Bleib z'Haus,
oder i hau dir was am Schädel!«
»Guat«, sag i, »i bleib z'Haus«,
und nehm ein Zigaretterl 'raus.
Gleich wird mei' Alte brav und edel.
Rauchen ist als Laster sehr pikant.
Wenn man sich's abgewöhnt, dann wird es interessant.

I darf jede Grobheit sagen,
im Wirtshaus darf i 'n Ober schlagen,
weil i hab mir grad das Rauchen abgewöhnt.
Ich dulde keinen Schmäh
der SPÖ und ÖVP,
denn ich hab mir grad das Rauchen abgewöhnt.

Ich glaub, ich werd jetzt Diplomat
und sag zu allen anderen: »Ihr seids stad!
Was g'schieht, bestimme ich.
Halts den Mund und gebts a Ruah!
Denn ich rauch seit gestern nimmer,
und ich weiß nicht, was ich tua.«

Gleich wären alle still,
und ich täte, was ich will.
Das wär a guate Zeit für jedermann.
Ja, es wär a schöne G'schicht,
aber leider geht es nicht,
denn morgen fang ich mit'm Rauchen wieder an.


WEN, WIEN, WIEN
Ich bin so stolz auf mich: Ich bin ein echter Wiener!
Ich bin so stolz auf mich: Ich stamme nicht aus Rom!
Ich bin kein Brünner, kein Tessiner, kein Berliner,
kein Argentiner, kein Turiner, nicht aus China,
nein, meine Geburtsklinik, sie stand am Donaustrom!

Ich bin so stolz darauf, daß ich auf mich so stolz bin,
und daß ich stolz bin, weil ich stolz bin, füllt mich aus,
weil ich vom reinsten Wiener Schrot und Korn und Holz bin.
Ich bin halt hier, wo ich zu Hause bin, zu Haus.

Daß es mich ausfüllt, daß ich stolz bin,
weil ich stolz bin, macht mich froh.
Und auch das Frohsein kommt aus Wien,
und nicht von irgendwo.

Wien, Wien, Wien, Wien, Wien, Wien,
Wien, Wien, Wien, Wien, Wien, Wien,
Wean, Wean, Wean, Wean, Wean, Wean,
Wean, Wean, Wean, Wean, Wean, Wean.

Es macht mich froh, daß es mich froh macht, daß die Freude,
die mich so stolz macht, weil ich stolz bin, mich ausfüllt.
Die größten Airlines und die Luxusdampferlloyde,
ich gäb sie hin für eine Fahrt zu dem Gebäude,
wo unser Bürgermeister seine Pflicht erfüllt.

Drum sing ich laut das Lob der kleinsten Wiener Gassen
und großen Straßen, bis hinauf zu unserem Ring.
Nur solche Lieder tun den Wiener Hörern passen,
und wollt ich andere singen, tät man mich nicht lassen,
und ich muß schließlich davon leben, daß ich sing.

Es ist ein Glück,
wenn dir die Wienerstadt sympathisch ist.
Besonders dann,
wenn du ein Wiener Sänger bist.

Wien bleibt Wien, Wien bleibt Wien,
Wien bleibt Wien, Wien bleibt Wien,
Wean bleibt Wean, Wean bleibt Wean,
Wean bleibt Wien, Wien bleibt Wean.

Ich bin entzückt, daß ich von dieser Stadt entzückt bin.
Daß mein Entzücken mich entzückt, genieß ich so,
und der Genuß macht seinerseits, daß ich beglückt bin,
und die Beglückung macht, daß ich vor Stolz verrückt bin,
und dieser Stolz, daß ich beglückt bin,
weil der Genuß, daß ich entzückt bin,
mich so freut und mich so ausfüllt, macht mich froh.

Ich sing nicht von den Baumwollfeldern Arizonas,
nicht von Italiens Küsten, wo Zitronen blüh'n,
nicht von den überfüllten Strandbädern Asconas,
nein, von der Heimatstadt des Bürgermeisters Jonas,
auf den ich stolz bin, denn er stammt, wie ich, aus Wien.

Und wenn ich, Gott behüt, auf ihn
nicht ganz so stolz wär, wie ich bin,
dann wär ich brotlos, müßt verhungern,
und zwar wo? Nur hier in Wien!

Melodien gegen Wien
haben kein' Sinn hier in Wien.
Wean, Wean, Wean, deine Herren
muß man ehren, denn sonst hören
sie nicht gern hin, und Wien haut hin,
und du bist hin hier in Wien.


h-j-urmel

Hallo und guten Abend!
Das hier bereitet mir große Freunde. Es ist eine wirkliche Überraschung, mit der ich nie gerechnet habe. Ein kleiner Teil meiner Wünsche ist in Erfüllung gegangen. Konkret formuliert bedeutet das, die Radiosendungen von Kreisler, Bronner und Co. alle zu hören ist bis heute der ganz große Traum.
Von Georg Kreisler öfter beschrieben, müssen das recht viele Sendungen zum Tagesgeschehen gewesen sein mit Beiträgen aller Akteure, gespickt mit etlichen Liedern. Einiges  davon ist hier nun niedergeschrieben.
Wo ist die Quelle dieser Liedtexte und ist überliefert, wer die Autoren konkret sind?
Bin gespannt, was da noch auf uns zukommt. Verraten Sie uns Ihr Umfeld für das Wissen und welchen Bezug Sie zu dem Wirken von Georg Kreisler haben?

kfgme

Guten Abend (und frohe Weihnachten!)
Georg Kreisler ist der Autor der oben genannten Liedtexte- und diese sind 1:1 übernommen aus seinem Buch "Die alten bösen Lieder". Darin beschreibt er seine Zeit in Wien, u.a. auch detailliert die Trio-Zeit Kreisler-Bronner-Wehle, und es sind eben auch einige Liedtexte abgedruckt, deren Entstehung und Urheberschaft er im Buch beschreibt. Nur zu etwaigen Aufnahmen dieser (mir bislang unbekannten) Liedern ist nichts erwähnt... Im selben Buch finden sich auch viele Liedtexte von bekannten Liedern, die als Aufnahmen erhältlich sind; z.B. Weihnachten ist eine schöne Zeit, Opernboogie, Wanderniere, Frühlingslied, Mütterlein, etc... Ich kann das Buch, welches nur noch antiquarisch bzw. online aus zweiter Hand aber durchaus zu finden ist, sehr empfehlen!!
Ich selbst bin großer Kreisler-Fan und  immer wieder erstaunt, wie viel es immer noch zu entdecken gibt!
Wahnsinnig interessant wäre aber natürlich zu sehen/hören, wie Kreisler diese Liedtexte damals vertont hat!

h-j-urmel

Hallo!
Habe es komplett vergessen, was da an Liedern alles aufgeführt ist. Bestimmt länger als 20 Jahre her, dass ich in diesem Buch gelesen habe.
Bei den vielen Informationen, die mir inzwischen vorliegen, weit über 200 Bücher, über 1000 CD über 100 DVD,  Noten, Magazine, tausende Seiten von der Presse, Magisterarbeiten, die Informationen von der Aklademie der Künste und anderen Archiven. Kann ich in der inwischen recht alten Festplatte kaum noch sortieren. Ja, und trotzdem hätte ich noch viele Wünsche  für die Ergänzung der Kreisler Sammlung. Mir schwebt vor, alle Plakate der Kreislerprogramme zusammen zu führen in einem Buch. Aufwendig und bestimmt recht kostenintensiv. Die Zusammenstellung der Lieder und Veröffentlichungen wurde ja prombt beendet, als die Hauptakteure dieser Web-Seite hier sich verabschiedet haben. Die hochinteressante Discografie, die von
einem Mitglied dieser Seite erstellt wurde, ist nicht mehr greifbar. Der "eigene" Kreisler Internet Auftritt ist dürftig. Die momentanen Verantwortlichen bringen nicht viel. Erfreulich ist, dass noch sehr viele Künstler und Theater Georg Kreisler auf Ihrer Rechnung haben. Ich freue mich einen großartigen Künstler endlich im nächsten Berlin-Besuch einplanen zu können. Bin wahnsinnig gespannt auf sein Kreisler Programm. Es handelt sich um Marc Rudolf. Kannte  ich ursprünglich nur über CD´s mit dem Künstler-Namen Megy B. Im Februar tritt er mit dem Programm "Einfach Kreisler" im Theater am Frankfurter Tor in Berlin auf. Als ich Marc Rudolf eiinst in der Scheinbar als Zauberer erlebte war ich komplett begeistert. Da kannte ich seinen "Basis-Namen" noch nicht und hatte keine Ahnung, dass da Megy B. auftrat. Er ist ein Entertainer, der sogar eine Showtime im Radio hat.

Und so lange es noch solche Künstler gibt, die Kreisler im Programm-Tornister mit sich führen, wird Georg Kreisler lebendig bleiben.
Wünsche noch schöne Weihnachtstage und grüße bestens!

Heiko

Hallo kfgme,
vielen Dank für's Teilen dieser wenig bekannten Liedtexte.  Ja, man möchte sie am liebsten auch gleich mal hören können. Schade drum, trotzdem schön! Wenn ich mir dafür nur eins aussuchen dürfte, würde ich das letzte nehmen.

Schönen Gruß und guten Rutsch allerseits!
"I would prefer not to."

h-j-urmel

             
Georg Kreisler war meistens sehr aktuell mit Gedanken und Texten. Hier ein Lied von 1981
   Ohne Krieg  1981,                         Text/Musik: Georg Kreisler                                          
Waffen, überall Waffen, Männer wie Affen oder Tiger auf'm Sprung
Haine voller Gebeine, eine gemeine Ansammlung.
Gebeine, die verscharrt anstatt begraben sind,
die nicht mehr Knaben sind wie vor dem Knall.
Gebeine, die für gar nichts mehr zu haben sind, 
nur radioaktiven Zerfall.

Eisen, Kälte und Eisen, Witwen und Waisen, Terror und Mord,
Leichen, bleichende Leichen, nicht zu erreichen durch irgendein Wort.
Tränen, die jetzt nicht mehr tropfen können,
weil die kranken Herzen kaum noch klopfen können.
Emotionen die sich nicht mehr regen können,
weil sie ringsumher nichts widerlegen können.
und die Klagen die im eigenen Saft erfrieren 
und nach zwei Minuten jede Kraft verlieren.

Genug von der Zukunft, sie muß nicht so werden, 
man nennt sie auch Zukunftsmusik.
Der Friede auf Erden bringt immer Beschwerden, 
doch das heißt noch lange nicht Krieg.

Es muß möglich sein daß diese Welt 
sich nicht immer das Leben vergällt.
Diese Welt wär für alle ein Sieg, 
ohne Krieg, ohne wieder Krieg.

Es muß möglich sein, daß man sich küsst 
und den anderen so läßt wie er ist,
trotz Vertrauensbruch oder Intrig' 
ohne Krieg, ohne Krieg.

Man muß den Gegner mit Worten nicht schonen, 
kann sich zurückziehn und ganz allein wohnen.
Wenn's sein muß, schießt doch mit blinden Patronen,
aber gleich überfallen, mit Atomwaffen knallen ist das dümmste von allen.

Man sieht Israels Haltung zwar ein, 
doch Palästina muß trotzdem wohl sein,
drum sperrt doch zu jede Rüstungsfabrik, ohne Krieg.

Und dann trifft sich vielleicht in der Mensa: Israel, Palästinenser,
und dann schrein sie sich an und ein jeder übt harte Kritik.
Ein halbes Stündchen woll'n sie sich lynchen, 
doch schließlich siegt die Politik.
In jedem Falle ist Platz für alle, 
drum ist auch Platz für Palästina ohne Krieg.

Russland ist doch kein Stußland, 
die USA sind schließlich kein Witz,
China ist niemandes Diener, 
na und so'n Ostberliner, der will doch ooch mal nach Britz.

Jeder will Paris seh'n und den Taj Mahal, 
nicht nur ein Feldmarschall und ein Soldat.
Menschen gibt's bekanntlich beinah überall, 
doch was ist das Endresultat?

Grenzen, begrenzende Grenzen, Staatskompetenzen, Vaterlandseid.
Fahnen, Kampfveteranen, arische Ahnen, Argwohn und Neid.
Du hast drüben rote Hängematten, 
wovon wir herüben eine Menge hatten
Ja und du hast drüben eine Feldhaubitze, 
da sagst du zu mir: Du hast Atomgeschütze?
Aber du machst selber Atomarpistolen!
Was geht dich das an? Dich soll er Teufel holen.

So streitern sie weiter, erbittert und brausend, 
bis keiner mehr weiß, was er spricht.
Doch es streiten sich zwei oder zehn oder tausend, 
#die Massen, die streiten sich nicht.

Nein die Massen die schauen bloß zu, 
und ein jeder will nur seine Ruh'.
Man gewöhnt sich ja an Politik,
nicht an Krieg, nicht schon wieder Krieg.

Man will Arbeit und Freude und Spiel,
und im Grund' woll'n nur wenige viel,
aber keiner hört gern das gequiek'
über Krieg, immer Krieg.

Doch leider fragt heute niemand die Massen,
vor allem lehrt man sie schleunigst das Hassen
und für das Vaterland freudig erblassen,
und wenn einer sich wehrt wird er so lang' belehrt bis sich keiner mehr wehrt.

Und daraus folgt der Schluß umgekehrt:
Es nützt gar nichts wenn einer sich wehrt,
nur wenn alle es schreien klappt der Trick:
keinen Krieg, keinen Krieg

Und sprech ich ein Wort für mich selber:
Ich will nicht sein wie die Kälber
wenn ich leb' ist mir wurscht ob ich sieg oder feig unterlieg'.
Ich schrei nach Noten, ich weck die Toten, 
weil ich schon viel zu lange schwieg.

Ich will nicht hungern, das tu' ich ungern.
Ich hasse alle Explosionen,
will nichts mehr hören von Neutronen,
will niemand killen, um Gottes Willen,
ich will nur immer wieder brüllen:

Keinen Krieg !