Kontakt: Bastian Kopp

Autor Thema: Eine "Liebeserklärung"  (Gelesen 1838 mal)

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urmel

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Eine "Liebeserklärung"
« am: 08. Dezember 2009, 15:17:18 »
Zitat
Man könnte Georg Kreisler einen der bedeutendsten Kabarettisten des zwanzigsten Jahrhunderts oder auch den besten lebenden deutschen Lyriker nennen, aber beides würde ihm nicht gerecht. Kreisler ist nicht wirklich ein Lyriker, und er ist, obgleich seit Wedekind, Ringelnatz und Walter Mehring kein Literat seines Ranges sich dem Kabarett genähert hat, nicht im eigentlichen Sinne Kabarettist. Richtiger wäre wohl der Titel Satiriker, doch seit jeder zweite deutsche Comedy-Redakteur sich diesen zulegt, ist auch damit nicht viel gesagt. Kreisler gehört nicht in ihre Welt, sondern als letzter Name in der kurzen Liste der sehr ernsten Spötter Juvenal, Swift, Voltaire und Karl Kraus.

Ein Lyriker ist Kreisler vor allem am Klavier; seine Gedichte bedürfen der hinterlistigen konventionellen musikalischen Begleitung, bedürfen des Vortrags durch ihren Autor. Kreisler ist ein Mann des Wortes, aber seine Worte verlangen nach der ironischen Melancholie seiner Musik: Nur wer Kreisler hört, kann ihn wirklich lesen, nur wer seine Aufnahmen kennt, ist in der Lage, ihn als Schriftsteller ausreichend zu würdigen. Auch aus diesem Grund wir er den Büchner-Preis, den er mehr als irgendeiner verdient hätte, wohl niemals bekommen.

Auszug eines Textes von? Die Überschrift hierzu lautet: "Die Tränenlieferanten kommen näher."