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Kontakt: Bastian Kopp

Eigene Verzapfungen...

Katinka Koschka · 342 · 172795

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Offline Burkhard Ihme

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Das Lied hab ich schon mal in einem anderen Thread gepostet, hier der Vollständigkeit halber.

Schwarz und weiß wie Deine Füße, Magdalena,

sind deine Briefe, die du mir aus Spanien schriebst
aus deinem Urlaubsort am Strand von Cartagena,
mit dem Postscriptum, daß du Lindenblüten liebst.

Pikant und fad sind unsere abendlichen Stunden
auf deiner Küchenbank beim Lindenblütentee.
Ich hab noch nie so tiefe Sinnlichkeit empfunden,
als wenn ich dich beim Blütentee-Aufbrühen seh.

Auf und ab bewegen sich die Emotionen,
wenn du mir aus dem Parteibuch rezitierst.
Du denkst so viel ans Wohlergehen von Millionen,
daß du meines aus den Augen ganz verlierst.

Gut und böse sind die zwei Kategorien,
die du alleine als Maxime gelten läßt.
Zwar ist mein Studium über Kant nicht weit gediehen,
doch ich glaub, da bleibt noch irgendwo ein Rest.

Glut und Kälte strömen rasch durch meine Glieder,
wenn du achtlos meinen Ärmel nur berührst.
Ich bin zwar Realist, doch hin und wieder
glaub ich, daß du eines Tags die Meine wirst.

«Prall und schlaff» beschreibt recht bildhaft die Extreme,
die meine materielle Seinsform dann erfährt.
Das macht gelegentlich hygienische Probleme,
doch ich finde, das Erlebnis ist es wert.

Wohl und Wehe der Beziehung, Magdalena,
hängt am Lindenblütentee, den ich dir bring.
Ein Lindenblütenteeversand in Jena
schätzt mich als Großabnehmer sicher nicht gering.

Um rational und expressiv dich zu erfahren
ist eine Küchenbank ein sehr begrenzter Raum,
und weiter als zu Hegel-Seminaren
kommt es bei Lindenblütentee wahrscheinlich kaum.

Beginn und Ende dieses Lieds sind vorgegeben,
drum dreimal wehe, wenn ich auf das Ende seh,
denn scheide ich dereinst aus diesem Leben,
wird man schwörn: es lag am Lindenblütentee.

Geschrieben unter Zuhilfenahme des "Lexikon der deutschen Antonyme"

Kurzes Lied
« Letzte Änderung: 09. Februar 2021, 21:32:42 von Burkhard Ihme »


Offline Burkhard Ihme

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Offline Burkhard Ihme

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Wenn ich nach Hause komm, sieht alles aus wie immer:
Meine Frau schläft vor der Fernsehtruhe ein
Chantal und Ken verlassen nie ihr Kinderzimmer,
und der Hund muß dringend raus und hebt das Bein.

In meinem Haus gibt es nur wenig zu verbessern.
Es ist der Traum, den man aus Dauerwerbung kennt.
In der Küche steht ein Block mit 16 Messern,
in der Garage stehen Schaufeln und Zement.

Wenn ich nach Hause komme, nehm ich einen Spaten
und hebe eine tiefe Grube aus
zwischen Rosen, Petersilie und Tomaten.
Wenn ich nach Hause komm, dann fühl ich mich zuhaus.


Offline Heiko

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Lob des Erdoğan

O, du lieber Erdoğan,
Bist so weise, stark und süß
Meine Frau sich auf die Lippen biss,
Wir dich das erste Mal ersah'n.

So gerecht - mmh sexy - mutig,
Standhaft, energisch, ja unverrückbar!
Erwähnte ich, dass sie entzückt war
Und zuletzt die Lippen blutig?

Soll nun stets dein' Namen singen,
Muss immer deine Maske tragen.
Wollt daher bescheiden fragen:
Hättet ihr nicht Lust zu swingen?

Ach Tayyip, sanfter Kurdenküsser,
Könntest meine Ehe retten,
Tauschten wir bloß Ehebetten,
Unsere Frauen wüssten's bald besser.
« Letzte Änderung: 01. Mai 2016, 22:23:01 von Heiko »


Offline Clas

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Moin Heiko,

wer weiß, ob die Dame E. dann überhaupt den Rückschwung möchte...? Und ob der gepriesene nicht dieses Risiko ahnt...? Gefährlich!

-

Wie hast Du Dir das denn musikalisch gedacht?

Gruß Clas
"Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...


Offline Heiko

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Hi Clas,
wieso denn gefährlich? Die Person fragt doch höflich, macht sich gar nicht viel Hoffnung und verbleibt konjunktivisch.

Musikalisch bietet sich türkisches Schlagergejammer an.

Gruß Heiko


Offline Clas

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Moin Heiko,

weil der Erdogan bestimmt, was höflich ist? Und Fragen nach oder Aussagen zu "Frau" sind es nicht, dort in der Türkei.

Mir kündigte mal ein türkischer Kollege seine geschworene Absicht an, meine Tochter, die keinerlei Neigung zu ihm hatte, zu figgen... Als ich ihn fragte, ob man in der Türkei so  zum Vater eines Mädchens spreche, verneinte er entsetzt: Das sei völlig unmöglich! Ich war anzudeuten bemüht, dass es hier des Landes so auch nicht Brauch sei. Er hat sowas nicht wieder mit mir gemacht. Es gibt da also gedoppelte Standartfallen, und die sind gefährlich. Zumal der E. ein Haber und Akkumulator von Macht und Recht und Gewalt ist.

Und Konjunktiv ist möglicherweise auch kein zentraler Bestandteil türkisch-islamistischer Kultur...

Gruß Clas

Gruß Clas
"Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...


Offline Heiko

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Moin Clas,

man kann meinem Text zweifellos (absichtlichen) Sexismus unterstellen, meinetwegen auch Geschmacklosigkeit. Burkhard könnte sicher alle metrischen Unreinheiten aufzählen. Aber Gefährlichkeit? Da müsstest du bitte noch mal ausführen, was genau passieren könnte. Ich lese nur eine harmlose Geschichte der Verständigung zwischen dir und einem türkischen Kollegen.

Als gefährlich empfinde ich stattdessen Angstakkumulation, das Kuschen vor einem "Haber und Akkumulator von Macht und Recht und Gewalt", weil der dadurch nur lernt, am Ende damit durchzukommen. Sollte er bei mir klingeln, bekommt er jedenfalls keinen Kaffee.

Und dass du andeutest, er verstünde kulturell bedingt eventuell keine Konjunktive, ist objektiv gesehen wahrscheinlich sogar die größere Beleidigung.

grüßt Heiko


Offline Clas

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Moin Heiko,

also, zunächst mal in der Logik des Textes könnte die Forsetzung darin bestehen, dass die Dame E. den Rückschwung zum Herren E. nicht wünscht. Das kann als Gefahr erlebt werden. Unmittelbar. 

Der Kollege, den ich da Zusammenfassend beschrieb, sprach davon, dass man in der Türkei als Reaktion tot wäre, und er wurde deutlich blass bei der Vorstellung... Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber gefährlich wär es schon.

Ob er sie nicht versteht, oder ob er im Zusammenhang mit einer möglichen Beleidigung keine Konjunktive verstehen oder gelten lassen will, ist ja nachher auch egal. Zumindest wurden mir mal Prügel angeboten, denen ich zwar entziehen konnte, aber auf einen Konjunktiv hin.

Nachts im Dunkeln kam da in Rendsburg ein Auto ohne Licht mit pfeifenden Reifen um die Ecke und erfasste beinah eine Frau, die die Straße querte. Heraus sprang ein aufgebrachter junger Mann und beschimpfte sie in türkisch eingefärbtem Deutsch, "... Schlampe auf Straße diese Zeit...Muss Hause... !" sich der Lautstärke nach steigernd dann auf Türkisch auf das Unflätigste und strebte ihr in augenscheinlich gewalttätiger Absicht nach. Ich merkte, ruhigen Tones an, mit Licht am Auto und bei angemessener Geschwindigkeit hätte diese ganze Aufregung vielleicht vermeiden werden können... Daraufhin trat die Krise ein, er wandte sich gegen mich, sein Beifahrer versuchte, ihn zurückzuhalten, und ich zog mich zurück.

Auf diesem Erlebnis, unter anderem, basiert meine Skepsis, die Konjunktivrezeption betreffend..

Und ja, natürlich muss man ihn beleidigen und schmähen. Auch wenn es gefährlich ist.

Denn sich da zu unterwerfen, ist um vieles gefährlicher.

Gruß Clas

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Offline Burkhard Ihme

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Burkhard könnte sicher alle metrischen Unreinheiten aufzählen.
Nicht nur metrische. Wenn Erdogan für die Feinheiten der deutschen Sprache nicht eh unempfänglich wäre, könnte man das als die eigentliche Gemeinheit auffassen.


Offline Heiko

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Nicht schlecht, Burkhard, dein Versuch auch mal witzig zu sein. Weiter so!


Offline Burkhard Ihme

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Da dies der bestbesuchte Thread des Forums ist (obwohl gerade wenig passiert) hier mal ein Lied aus meiner ganz frühen Phase (das erste Lied meiner Liedermacherzeit, davor hab ich einige Liedtexte für zwei Theaterstücke geschrieben).

Abendlied

Es wird bald Abend,
nur ein paar Knaben
wühlen noch im Dreck.
Und die Sonne versinkt,
und die Müllhalde stinkt,
und ein Leichenzug zieht vorbei.
Und der Rauch steigt empor,
und der Rhein stinkt nach Chlor
und auch sonst noch nach allerlei.

Stimmungsvoll tönen
die Schiffssirenen
vom Hafen herauf.
Wie ein silbernes Band
zieht sich durch Stadt und Land
die Kloake der Industrie.
Und die Fische da drinnen
sind Rohölsardinen
und riechen nach Kot und Chemie.

Man sieht verrauchte,
in Glanz getauchte
Fabrikschlote stehn.
Diese schwarzen Gemäuer
spei'n Rauch, Dampf und Feuer,
die Asche fällt wer-weiß-wohin.
Und die Glut läßt die toten
Kamine im blutroten
Herbstabendhimmel erblühn.

Nach großer Schwüle
bricht jetzt die Kühle
des Abends herein.
Und der Hochofen glüht,
und ein Leichenhauch zieht
durch die Krankenhäuser der Stadt.
Unter verkohlten Eichen
stehn Kreuze zum Zeichen:
Hier starb ein wackrer Soldat.

In grünen Auen
kann man erschauen
ein Kunstwerk aus Müll.
Neben Plastik- und Bierflaschen
liegen Papiertaschen-
tücher genial deplaziert.
Aller Schutt liegt im Walde
denn die Abfallhalde
ist für Blausäuresalz reserviert.

Reklamelichter,
tausend Gesichter
schau'n teilnahmslos drein.
Und der Arme krepiert
und der Reiche verliert
in den Spielkasinos sein Geld.
Und der Tod kommt geritten
und setzt sich inmitten
des Drecks der verlogenen Welt.

Es riecht nach Ginster,
und es wird finster,
die Lichter gehn an.
Es wird still in den Gassen,
und auf den Terassen
der Cafés zahlt man um zu gehn.
Nur noch in Bahnhofshallen
sieht man hinter allen
Sperren die Ausländer stehn.

In weiter Ferne
sieht man schon Sterne,
der D-Zug fährt ab.
Und der Lokführer hinkt,
und die Sonne ertrinkt
in der Wolke von Qualm, Gas und Rauch.
Sie krepiert auf der Halde.
Ja, warte nur balde
ruhest du auch!


Zur Entschuldigung: Ich war siebzehn! Und der Doppelreim "Bierflaschen – Papiertaschen-" ist doch ganz putzig.
Drei Jahre später hab ich das Lied überarbeitet.


Abendlied

Die letzten Strahlen

der Sonne malen
auf jenes Plakat
an der Bretterwand Ringe
und andere Dinge
und lesen sich an ihm nicht satt.
Doch die Schatten, sie lecken
an ihnen und decken
sich über die Straßen der Stadt.

Zugvögel rasten
auf Leitungsmasten,
der Abendschwingt aus.
Von den Eisenbahngleisen
aus glänzendem Eisen
tropf glühend und zäh der Purpur,
rostet durch Schienenschwellen
und zieht sich in grellen
Rottönen durch die Natur.

Stimmungsvoll tönen
die Schiffssirenen
vom Hafen herauf,
wo im Schatten des Doms
sich die Fläche des Stroms,
von Seifenschaumkronen bedeckt,
die auf braunschwarzen Wogen
wie ein Regenbogen
schillern, majestätisch erstreckt.

Man sieht verrauchte,
in Glanz getauchte
Fabrikschlote stehn.
Diese schwarzen Gemäuer
spei'n Rauch, Dampf und Feuer
und lassen den Horizont glühn,
und die Glut läßt die toten
Kamine im blutroten
Herbstabendhimmel erblühn.

Sonnenstrahlgarben
und alle Farben
schluckt gierig die Nacht.
Doch aus tausend Kaminen
steigt Rauch, aus Latrinen
Chemiedämpfe giftig verwehn.
Als noch Farben sie schmuckten,
zum Kitsch sie entrückten,
da fanden wir sie sogar schön.


Ein paar falsche Betonungen und Satzumstellungen und ein für die Liedform unverständlicher Bandwurmsatz, ansonsten doch ganz passabel. Fast alle Lieder, die ich vor meinem 21. Lebensjahr geschrieben habe, haben es nicht in mein Repertoire geschafft, was dadurch einige Jahre doch ein wenig klein war (ich hab nur eigene Lieder vorgetragen).


Offline Burkhard Ihme

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Ist weit davon entfernt, fertig zu sein, aber da hier so selten was passiert, kann es ja ruhig in kleinen Portionen gepostet werden.

P.S. Da es eh nur zwei Portionen wären, hab ich sie gleich zusammengefaßt.
« Letzte Änderung: 10. Februar 2017, 01:32:15 von Burkhard Ihme »


Offline Burkhard Ihme

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Ich werd gesucht in Baden-Baden,
ich werd gesucht in Rhauderfehn.
ich werd gesucht in Berchtesgaden
und auch in Dipperz in der Röhn.

Ich werd gesucht in Sandesreben,
ich werd gesucht in Gipperath,
ich werd gesucht in Altbrandsleben,
in jeder Stadt hängt mein Plakat.

Ich bin ein sehr begehrter Mann,
doch mich sucht nicht Loreley,
nicht Sibylle und Susann,
nein, mich sucht die Polizei.

Ich hab Besteck geklaut in Meißen
und auch in Neuendorf am Damm,
und ich bin schwarzgefahrn in Theißen.
Halt nein, dort gibt's ja keine Tram.

Ich werd gesucht in Himmelpforten,
ich werd gesucht in Horgenzell.
Ich werd gesucht an allen Orten,
in denen ich die Zeche prell.

Ich bin ein sehr begehrter Mann,
doch mich sucht nicht Loreley,
nicht Sibylle und Susann,
nein, mich sucht die Polizei.

Ich werd gesucht in Leps und Lunden,
ich werd gesucht in Neuruppin
von einer Hundertschaft mit Hunden,
drum fahr ich da auch nicht mehr hin.

Ich werd gesucht in Strüth und Strulln,
ich werd gesucht in Achterwehr
In ganz Deutschland sind die Bulln
nur hinter mir alleine her.

Ich bin ein sehr begehrter Mann,
doch mich sucht nicht Loreley,
nicht Sibylle und Susann,
nein, mich sucht die Polizei.

Ob in Wallsbüll, Wees und Wangels,
Upgant-Schott und Stein am Rhein:
Der Grund des Polizistenmangels
bin ich im Grunde ganz allein.

Wenn rechte Schläger wieder pöbeln
in Dresden, Tröglitz, Effeltrich,
in Plauen, Bautzen oder Döbeln:
Verzeiht mir, schuld daran bin ganz alleine ich.
« Letzte Änderung: 04. November 2017, 01:59:30 von Burkhard Ihme »


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Rhauderfehn, egal ob West- oder Ost-, aber mit Rh...
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Nachdem Nat King Cole behauptete "Wenn I fall in love, it will be forever", hier die Gegenposition:

Du bist die Frau, die ich mein Leben lang gesucht hab,

die Frau, nach der ich mich schon immer sehn'.
Auch wenn ich mein Alleinsein oft verflucht hab,
Sollten wir zusammenkommen, mußt du eins verstehn:

Wenn ich mich in dich verliebe,
kann das nicht für immer sein;

da wird immer dieser Schimmer sein
einer Hoffnung auf ferneres Glück.
Wenn ich für immer bei dir bliebe,
blieb ich unter Vorbehalt,
weil ich stets für mich ein offnes Tor behalt, und zöge,
träte denn der Fall ein, meinen Treueschwur zurück.
« Letzte Änderung: 04. August 2017, 05:08:23 von Burkhard Ihme »


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Wir nähern uns der magischen Marke von 111.111 Aufrufen. Noch knapp 200 fehlen.


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Zur Feier des Tages (Besuchermarke übersprungen und Ostern):

Frag den Abendmond,
wo die Liebe wohnt,
aber wundre dich dann nicht,
wenn er plötzlich zu dir spricht.


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Zwölftonmusik



Wir war’n in Wacken zum Entschlacken und in Klettenberg zum Kneippen,
doch getrennt: Ich war in Wacken, du im Harz.
Als wir gemeinsam in Paris war’n, wollte ich mich glatt entleiben
und ich sah für uns’re weit’re Zukunft schwarz.

Ich war beim Rafting, du beim Häkeln, und ich will da auch nicht mäkeln,
denn der umgekehrte Fall wär eine Qual.
Und wenn wir uns an selben Sandstrand in der Sonne räkeln,
dann schwör’n wir uns: Das war das letzte Mal!

Das war nicht immer so, denn als wir jung und frisch verliebt war’n, wollten
wir uns niemals trennen, weder Tag noch Nacht.
Doch es kam schon bald die Zeit, als wir nur stritten oder grollten,
bis wir entdeckten, was uns beide glücklich macht.

Wenn ein Herz zu dem anderen findet,
gilt sein Dank für dies Glück dem Geschick.
Doch das, was uns beide verbindet,
ist die Liebe zur Zwölftonmusik.

Wir war’n gemeinsam in Harare und doch einsam all die Jahre,
denn der Zauber war verflogen mit der Zeit.
Und eines Tags in Celle, waren wir wie viele andre Paare
viel zu schnell zu einem Schlußakkord bereit.

Wir standen vor dem Schloßtheater (oder in der Nähe)
und schauten in den Sonnenuntergang
und außerdem voll Trauer auf die Trümmer uns’rer Ehe,
als Musik von Schönberg durch das Fenster drang.

Wir schätzen Schubert, Schickhardt, Schumann, Schostakowitch, Schop und Schelle,
und schon Schieferdecker hat uns stets betört,
doch etwas Schöneres als damals vor dem Schloßtheater Celle
haben wir in unserm Leben nie gehört.

Wenn ein Herz zu dem anderen findet,
gilt sein Dank für dies Glück dem Geschick.
Doch das, was uns beide verbindet,
ist die Liebe zur herrlichen Zwölftonmusik.

Ich fahr nach Rom, du nach Shanghai, denn du kannst Rom nun mal nicht leiden,
und am Ende treffen wir uns dann in Trier.
Dort hör’n wir Schönberg, Reich und Alban Berg, denn die gefall’n uns beiden,
und Leibowitz, doch der gefällt nur dir.

O wie lieben wir Garowi, Hermann Meier und Ernst Krenek
denn die schätzt man viel zu wenek, selbst in Wien.
Gian Francesco Malipiero, ja auch der verdiente mehr O-
vationen der Musikakademien.

Wir lieben die Musik, sola-
nge sie von Dallapiccola
und Webern stammt, und könnten bei Serge Nigg vor Freude schrein.
Wir hören wie im Fieberwahn
Frank Martin und Rolf Liebermann,
Hanns Eisler, Erich Schmid und Erwin Stein.

Wir können gut entspannen beim
Klavierkonzert von Hannenheim,
doch Steuermann legt Feuer an den letzten Logenplatz.
Wir jubeln unisono bei
Fritz Zweig und Walter Gronostay
und zucken mit bei Stuckenschmidt und Ratz.

Wenn wir uns lieben, hören wir Jacques-Louis Monod und Winfried Zillig,
Edward Staempfli, Józef Koffler, Cage und Kraus.
Ja, unsre Sammlung wahrer Zwölftonprezisiosen war nicht billig,
und die brauchen wir auch dringend, denn wir sind zwar paarungswillig,
doch nur wenn wir Zwölfton hören, halten wir es wirklich miteinander aus.

Wenn ein Herz zu dem anderen findet
gilt sein Dank für dies Glück dem Geschick.
Doch das was uns beide verbindet
ist die Liebe zur herrlichen, alle bewegenden, weltweit bezaubernden, Sinne erregenden Zwölftonmusik.
« Letzte Änderung: 10. Februar 2021, 15:57:24 von Burkhard Ihme »


Offline Burkhard Ihme

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Mein Auto, das heißt Lore
und heut wurde es gestohlen,
doch in mir lebt eine Hoffnung:
noch ist Lore nicht in Polen.


Offline Heiko

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Schlechte Klischees zu alten Reimen
nutzt der Dichter unverfroren.
Hoffnung doch will weiter keimen,
noch ist Polen nicht verloren.


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Eines der zahlreichen (mehr als drei) Fragmente, die in den letzten Jahren entstanden sind und hier noch nicht Eingang finden konnten:

Wasch dir das Blut von den Händen
und zieh die Schuhe aus.
Ein blutbeschmierter Massenmörder
kommt mir nicht ins Haus.

Nimm ein Bad und putz die Zähne
aber trödle nicht zu lang:
In einer halben Stunde schon
beginnt der Staatsempfang.


Offline Burkhard Ihme

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Schon etwas älter, aber so kurz, daß ich es schnell mal eintippen kann:

Querfeldein

Danke für den Fahrplan, doch ich brauche ihn nicht mehr,
ich geb ihn euch zurück mit einem Gruß.
Viele Jahre half mir dieser Fahrplan wirklich sehr,
doch ich brauche ihn nicht mehr, ich geh zu Fuß.

Danke für den Atlas, doch ich möchte ihn nicht mehr,
denn jetzt find ich meinen Weg auch von allein.
Auf vielen Straßen half mir euer Atlas wirklich sehr,
doch ab heut marschier ich lieber querfeldein.

Danke für die Hilfe und den gutgemeinten Rat,
doch ich hab die Führungsfäden jetzt durchtrennt.
Dreißig Jahre hing ich sicher und geschützt an eurem Draht,
jetzt erforsch ich meine Seele ohne Fahrplan und Diktat –
vielleicht entdeck ich einen neuen Kontinent.


Offline Burkhard Ihme

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Und ein paar Lieder aus einem anderen Thread hierher kopiert:

Der Kastanienbaum

Im Garten an der Ecke
wachsen Löwenzahn und gelbe Azaleen.
Ein Kastanienbaum steht hinten an der großen Buchsbaumhecke,
und den kann ich von meinem Fenster sehn.

Im ersten Frühling sprangen
grüne Triebe aus dem Stamm mit neuer Wucht.
Jetzt im Spätherbst ist der Baum mit grünem Stachelobst behangen
und bewacht nun wehrhaft seine braune Frucht.

Ein Junge wirft mit Steinen
nach dem Kastanienbaum. Ich lehne mich zurück
und lasse mir die Abendsonne auf die Nase scheinen
und denke an die deutsche Politik.

Noten



Offline Burkhard Ihme

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Ewige Liebe

Ich kenn Dich schon drei Wochen, doch ich liebe Dich noch heute,
ja, noch mehr und fester als am ersten Tag,
und es drängt mich, Dir zu sagen, daß mich keine Stunde reute,
die ich Arm in Arm mit Dir im Ginster lag.

Ja, es drängt mich, Dir ein Zeichen meiner Liebe zu verehren.
Dieses Zeichen sagt: „Ich bin auf ewig Dein!“.
Doch die Rosen sind verwelkt, noch eh sich diese Stunden jähren,
und die Laufzeit einer Spieluhr ist zu klein.

Ein Smaragdring kann zerbrechen und ein Segelboot zerschellen,
eine Eiche wird nur tausendJahre alt.
Meine Liebe dauert ewig! Um sie treffend darzustellen
braucht es Zeichen von besonderer Gestalt.

Diese Liebe zu erklärn schafft keine Oper in zwölf Stunden,
und dieses Lied ist viel zu kurz und zu profan.
Doch ich habe ein Symbol für ihre Haltbarkeit gefunden:
Ich schenk Dir einen Brennstab aus Uran!

So ein Brennstab, hab ich mir von Experten sagen lassen,
strahlt glatt hunderttausend Jahre und noch mehr.
Um die Dauer meiner Liebe als ein Sinnbild zu umfassen,
denn man soll nicht übertreiben, hält das her.

Ja, dies edle Element sei ein Symbol für unsern Zweibund.
Unsre Liebe sei ein brodelnder Vulkan,
der sich niemals ganz erschöpft, ein wilder Sturm, ein greller Schrei! Und
über allem strahlt der Brennstab aus Uran.

Noch in hunderttausend Jahren werden unsre Blutsverwandten
ihn umstehen, und dann denken sie dabei:
„Diese Liebe hat die Zeiten unbeschadet überstanden!“,
und dann schütteln sie verwundert das Geweih.

Noten