Georg Kreisler Forum

Kontakt: zum Admin

Was lest ihr so

Gast · 256 · 55159

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Heiko

  • Mitglied
    • Beiträge: 596
    • Bluntschlis: 9
Der 80. Jahrestag des Reichstagsbrandes zieht so einiges an TV-Liebesgeschichten und Talks unter bürgerlicher Betroffenheitsfront hinter sich her.
Empfehle stattdessen Robert Bracks dritten Klara-Schindler-Krimi "Unter dem Schatten des Todes".

Zitat
Die Hauptfigur Klara Schindler wird im dänischen Exil in Kopenhagen nach einer ausschweifenden Nacht in einem Nachtklub von den Ereignissen überrascht. Die Komintern schickt sie nach Berlin. Über abenteuerliche Wege gelangt sie in die Reichshauptstadt, wo sie den entfesselten Terror von SA und SS erleben und die Machtlosigkeit der Arbeiterbewegung miterleben muss.
In Berlin soll Klara Schindler herausfinden, wer van der Lubbe wirklich war und in wessen Auftrag er in den Reichstag eingestiegen ist.

Exzellent recherchiert und packend geschrieben werden sowohl die dominante Alleintäter-These wie auch die spekulative Nazis-waren-es-selber-These in Frage gestellt.

Dazu passend als dokumentarische Unterfütterung:

Das Rotbuch. Marinus van der Lubbe und der Reichstagsbrand

Zitat
Am Abend des 27. Februar 1933 brennt in Berlin der Deutsche Reichstag, und der Niederländer Marinus van der Lubbe wird als Brandstifter festgenommen. Der 24-jährige Rätekommunist erklärt beim Verhör noch in derselben Nacht, dass er mit seiner Tat die deutschen Arbeiter zum Widerstand gegen den Hitlerfaschismus aufrufen wollte.

Sofort beginnen die Spekulationen, ob van der Lubbe tatsächlich allein, in Zusammenarbeit mit den Kommunisten oder gar mit den Nazis seine Tat begangen habe. In Paris erscheint in sehr großer Auflage und mehreren Sprachen das Braunbuch der KPD, das diese Aktion als eine Gräueltat der Nazis darstellt, und es beginnt eine diffamierende Kampagne gegen van der Lubbe als Nazi-Scherge, homosexueller Lustknabe und Antisemit.

Aus Protest gegen das Braunbuch entstand in den Niederlanden das Rotbuch, zusammengestellt von einigen Genossen van der Lubbes. Erst 50 Jahre nach seiner niederländischen Veröffentlichung wurde es ins Deutsche übertragen und erschien 1983 als deutsche Erstveröffentlichung bei Edition Nautilus.
Mit Auszügen aus Briefen und Tagebüchern sowie Fotos angereichert, ist dieses Buch ein wichtiges Dokument des antifaschistischen Widerstands.

»Mit der Gestalt van der Lubbes hat man den Begriff des Rebellen verdammt, also des Menschen, der nach eigener Entscheidung eine eigene Tat begeht, die er für richtig hält – um stattdessen nur noch den politischen Soldaten gelten zu lassen.«
Georg K. Glaser
« Letzte Änderung: 22. Februar 2013, 11:23:47 von Heiko »


Offline Burkhard Ihme

  • Global Moderator
  • *****
    • Beiträge: 972
    • Bluntschlis: 5
  • www.burkhard-ihme.de
Zitat
Die Schuld van der Lubbes wurde bereits kurz nach dem Brand erstmals angezweifelt, zumal die Nationalsozialisten den Reichstagsbrand als Vorwand nahmen, um gegen die deutschen Kommunisten vorgehen zu können. Ob er Anarchist oder Rätekommunist war, ist umstritten.

Warum läßt sich das nicht feststellen? Sind ja doch sehr unterschiedliche Vereine.


Offline Heiko

  • Mitglied
    • Beiträge: 596
    • Bluntschlis: 9
Hallo Burkhard, von wo ist das Zitat?

Wenn man nach seinen "Vereinen" geht, dann war er Räte-Kommunist. Zunächst war er in der holländischen KP, dann nach einem Bruch in der GIC, einer Gruppe internationaler Kommunisten. Anarchistische Organisationen waren und sind ja eher selten. Die stabilste unter ihnen dürfte noch die der Syndikalisten sein, der damaligen FAUD und heutigen FAU. Aber van der Lubbe hatte wohl weder in Holland noch in Berlin direkten Kontakt zu Anarchisten.

So gesehen, wäre die Einordnung einfach.


Offline Christian

  • Mitglied
    • Beiträge: 5
    • Bluntschlis: 0
Habe gerade das Buch "Hundert Jahre Einsamkeit" von Gabriel Garcia Marquez gelesen. Ein grandioses Meisterwerk der Weltliteratur!

Kann ich jedem wärmstens empfehlen

Gruß Christian
Nicht durch unsere Entdeckungen, sondern durch unsere Ahnungslosigkeit bewegen wir uns sicher durch das Leben.

(Jean Giraudoux)


Offline Weichler

  • Mitglied
    • Beiträge: 8
    • Bluntschlis: 0
Habe egrade "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" gelesen. War zuerst etwas skeptisch, aber ist wirklich ein sehr charmantes Buch. Es hat wirklich Spaß gemacht das Buch zu lesen :)
Der Mensch kann wohl die höchsten Gipfel erreichen, aber verweilen kann er dort nicht lange.


Offline Heiko

  • Mitglied
    • Beiträge: 596
    • Bluntschlis: 9
"Antisemit, das geht nicht unter Menschen" (Gustav Landauer). Anarchistische Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel.
Herausgegeben von Jürgen Mümken und Siegbert Wolf, Edition AV.

Band 1: Von Proudhon bis zur Staatsgründung
Band 2: Von der Staatsgründung bis heute

Mitschnitt einer Buchvorstellung mit Jürgen Mümken in der Schwarzen Katze (Hamburg). Die Einleitung, die mit Kreislers "Ich fühl mich nicht zu Hause" begonnen wurde, und die anschließende Diskussion fehlen leider.

Empfehle vor allem den ersten Band.


 

Bei der Schnellantwort kannst du Bulletin Board Code und Smileys wie im normalen Beitrag benutzen.

Name: E-Mail:
Verifizierung:
Wie heißt Marie Galetta mit Vornamen?:
4+3=: