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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Brian Wilson  (Gelesen 3373 mal)

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Offline Bastian

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Brian Wilson
« am: 07. August 2009, 03:44:20 »
Ich war auf der Suche nach dem Grund für meine latente Beach Boys- Zuneigung (speziell Brian), da fand ich vorhin folgendes Konzert:

http://v.youku.com/v_show/id_XMTAxNDE2OTEy.html

Wer weiß, könnte ja sein, dass Ihr Euch auch schon häufig gefragt habt, wieso ich diese latente Beach Boys- Zuneigung habe. Drum poste ich es hier. Schaut mal rein, das beantwortet einiges.

Zum Hintergrund: Das "Smile"- Album hätte eigentlich bereits in den Mittsechzigern erscheinen sollen, wurde aber wegen irgendwelcher Streitigkeiten und Brian Wilsons seltsamen Anwandlungen nicht realisiert. In den kommenden Jahren war es ihm wegen seiner Psychosen und der schweren Depression nicht möglich, das Ding fertigzustellen. Manche Stücke waren bereits bekannt und auf anderen Platten veröffentlicht, aber das Album in dieser Art war unter diesen Umständen wohl ein zu großer Kraftakt.

Und dann 2004 das:
http://v.youku.com/v_show/id_XMTAxNDE2OTEy.html

Mein Favorit beginnt nach den standing Ovations um Minute 16:20 rum:

"Wonderful"

So müsste man komponieren können...


("Heroes and Villians" sind auch dabei, und später noch "Vegetables", für die Herbivoren im Forum)


Brian Wilson ist einfach einer der ganz Großen.
« Letzte Änderung: 07. August 2009, 03:47:48 von Bastian »

Offline Burkhard Ihme

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Re: Brian Wilson
« Antwort #1 am: 07. August 2009, 07:42:00 »
Aber sein Leben möchte man nicht geführt haben. Dann lieber Paul McCartney (trotz Linda und Heather Mills).
Oder gibt's jemand, der künstlerisch und privat immer auf der Sonnenseite war?

Offline Heiko

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Re: Brian Wilson
« Antwort #2 am: 07. August 2009, 23:48:26 »
Bastian schrieb:
Quote (selected)
Wer weiß, könnte ja sein, dass Ihr Euch auch schon häufig gefragt habt, wieso ich diese latente Beach Boys- Zuneigung habe.
... bisher aber nur latent.

Quote (selected)
für die Herbivoren im Forum

werden jetzt schon Quoten für die Minderheiten im Forum eingeführt?
 ;)
und um dieses Thema jetzt noch wichtiger zu machen als es ist:
Gemüse wird natürlich auch von Omnivoren gegessen, nicht nur von reinen Pflanzenfressern.
und ich hoffe doch sehr, dass wir keine reinen Carnivoren im Forum unter uns haben!


Burkhard Ihme       schrieb:
Quote (selected)
Aber sein Leben möchte man nicht geführt haben. Dann lieber Paul McCartney (trotz Linda und Heather Mills).
Oder gibt's jemand, der künstlerisch und privat immer auf der Sonnenseite war?

da fällt mir niemand ein, den ich zu schreiben traue.
und überhaupt: die kraftvollsten Werke (natürlich nach ganz subjektiver Empfindung) finde ich bei gebeutelten Biographien.
dass der Künstler die Psyche von Franz Kafka und den Lebendswandel von Jim Morrison in sich vereinigt, ist deswegen natürlich noch lange Garantie für Genialität.
Nur wer aus der Rolle fällt, rollt aus der Falle.

Offline Bastian

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Re: Brian Wilson
« Antwort #3 am: 08. August 2009, 02:04:44 »
Quote (selected)
Oder gibt's jemand, der künstlerisch und privat immer auf der Sonnenseite war?

Ob Künstler oder nicht, wer ist schon immer auf der Sonnenseite? Ich denke, für ein durch und durch unproblematisches Leben, müsste man schon verdammt früh sterben.

Macca ist bis dato vergleichsweise gut durchgekommen (trotz Linda, Heather Mills und- ich ergänze- dieser durchgängig blöden Platte mit den roten Kirschen auf dem Cover), das stimmt. Nur wenn die eigenen Kumpels entweder erschossen werden, an Krebs krepieren oder durch den Leibarzt ins Nirwana gespritzt werden (not yet confirmed), ist das eigene Leben auch nicht mehr so rosig...

Zu "gebeutelten Biographien":
Wer weiß. Eines ist sicher: Menschen werden krank. Auch Apotheker, Bäcker und Komponisten. Wer weiß, wieviele weitere Kompositionen BW vollbracht hätte, wenn er nicht über so lange Zeiträume hinweg psychisch handlungsunfähig gewesen wäre?

Apropos "Sonnenseite" und "McCartney":
Wilsons Pfundsarrangement "God Only Knows" ist ja eines der erklärten Lieblingslieder Maccas. (Gar nicht leicht, das Teil. Hat lange gedauert, bis ich die Voicings einigermaßen zusammenbekam.) Die herrlich bekloppte Julia Nunes schrammt das Ding einfach auf ihrem Ukulelchen runter:
http://www.youtube.com/watch?v=Yr09fYxQXMU&hl=de
« Letzte Änderung: 08. August 2009, 04:11:04 von Bastian »

Offline Bastian

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Re: Brian Wilson
« Antwort #4 am: 08. August 2009, 03:54:28 »
Quote (selected)
gut durchgekommen (trotz Linda,[...]
Hm, das ist missverständlich, das kann ich so nicht stehenlassen. Es ging nur darum, dass ich mit Paul - analog zu Burkhard - nicht tauschen/dessen Leben geführt haben wollte.

Für Paul war Linda natürlich lebenswichtig.
« Letzte Änderung: 08. August 2009, 03:55:05 von Bastian »

Offline Burkhard Ihme

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Re: Brian Wilson
« Antwort #5 am: 08. August 2009, 07:50:21 »
Quote (selected)
Gar nicht leicht, das Teil. Hat lange gedauert, bis ich die Voicings einigermaßen zusammenbekam
Trittst du als Ein-Mann-Boyband auf?

Offline Bastian

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Re: Brian Wilson
« Antwort #6 am: 08. August 2009, 12:08:41 »
Ich meine am Klavier die Akkordschichtungen und die Basstöne BW denkt sich da bisweilen sehr seltsames Zeug aus. Alleine singen geht natürlich nicht. Aber mit Band könnte man es mal machen.

Offline Heiko

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Re: Brian Wilson
« Antwort #7 am: 08. August 2009, 13:24:37 »
 Bastian schrieb Heute um 02:04:44
Quote (selected)
Zu "gebeutelten Biographien":
Wer weiß. Eines ist sicher: Menschen werden krank. Auch Apotheker, Bäcker und Komponisten. Wer weiß, wieviele weitere Kompositionen BW vollbracht hätte, wenn er nicht über so lange Zeiträume hinweg psychisch handlungsunfähig gewesen wäre?

Zweifellos leidet die Quantität des Schaffens durch Lebenskrisen.
Aber was für Lieder entsprängen denn einem Menschen, der nur die Sonnenseite kennt?
Nicht zwangsläufig schlechte, aber mit Sicherheit weniger intensive.


oder frei und gekürzt mit EM formuliert:

an des Lebens Niederlagen
lässt der Dichter Lieder nagen


Also, Künstler, leidet gefälligst!

« Letzte Änderung: 08. August 2009, 13:26:01 von heikoholic »
Nur wer aus der Rolle fällt, rollt aus der Falle.

Offline Bastian

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Re: Brian Wilson
« Antwort #8 am: 08. August 2009, 16:43:18 »
Quote (selected)
an des Lebens Niederlagen
lässt der Dichter Lieder nagen
Schon klar, kann ich auch in einem gewissen Maße unterschreiben. Wer soll auch sonst diese Lieder schreiben, wenn nicht der Dichter/Komponist. Mir geht es nur um die Grenze zwischen dem Leid, das das Leben für jeden Menschen- Künstler, wie Nichtkünstler- bereithält (Sonnen- und Schattenseiten des Lebens) und z.B. therapiebedürftigen psychischen Krankheiten andererseits. Ein leidloses Leben gibt es ohnehin nicht, und so wird auch ein Großteil künstlerischen Schaffens immer aus der Auseinandersetzung mit diesem Leid bestehen. Wenn man allerdings das persönliche Leid zur Bedingung für künstlerische Arbeit macht, gerät man gerade in Punkto Krankheit auf eine gefährliche schiefe Ebene, an deren Ende nur noch die Missachtung der Person stehen kann.

Als Beispiel für eine unvermeidbare Schattenseite: "Tears in Heaven", um ein bekanntes Lied zu nehmen, wäre wohl nicht entstanden, wenn Claptons Kind nicht verunglückt wäre. Ohne darüber zu spekulieren, ob der Unfall an sich vermeidbar gewesen wäre: Es lässt sich nicht verhindern, dass das Leben solche schlimmen Dinge für einen bereithält. Passiert so etwas einem Liedermacher, schreibt er vielleicht ein Lied darüber. Passiert es einem Konditor, macht er für eine Zeit seinen Laden zu.

Dass Krankheit (manche nennen es "Wahnsinn") das "Genie" beflügle, hört man oft. Genauso, wie man oft hört, dass Armut "kreatiiiiev" macht. (Soviele Unworte auf einem Haufen, ich weiß.) Die darin enthaltene Anspruchshaltung lässt sich genaugenommen aber ohne Missachtung der Person des Künstlers nicht aufrechterhalten. Abgesehen davon, dass die Thesen natürilch nicht wirklich belegt sind. Der arme Künstler, der von seiner Kunst nicht leben kann, wird, wenn er schlau ist, damit aufhören und stattdessen Taxifahren. Oder er hungert sich zugrunde, wie der Valentin. Der depressive oder suchtkranke Künstler ballert sich am Ende die Rübe weg, wie der Cobain, oder er stopft sich mit irgendwelchem Zeug voll, bis zum Organversagen.

Die letzteren Fälle haben alle etwas gemeinsam: sie sind prinzipiell vermeidbar. In all diesen Fällen hat das beinahe panoptische Vergnügen der Zuhörerschaft allerdings ein Ende. Das Leid, dem man die schöpferische Kraft zugeschrieben hat, hat seinen Preis eingefordert. Der Künstler, dem wir die tiefgehenden Werke tatsächlich verdanken ist aber hinüber. Und wenn die Quantität auf 0 sinkt, kann man über die Qualität des Ungeschriebenen auch nur noch spekulieren.


(Das alles ist in den Einzelheiten weniger eine Replik auf Deinen Beitrag, Heiko. Vielmehr ein Weiterspinnen meiner Gedanken, anhand des einladenden Zitats :))

Offline Heiko

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Re: Brian Wilson
« Antwort #9 am: 09. August 2009, 13:58:58 »
Auf dieser ernsthaften Ebene diskutiert kann ich natürlich nicht widersprechen und werde auch nicht (gleich) mit weiterer Ironie begegnen.

Ich möchte an dieser Stelle nur differenzieren. Nämlich auf der einen Seite das Leiden von Menschen durch persönliche Schicksalsschläge. Andererseits das Leiden, das entsteht durch eine sensiblere, kritischere und somit bewussteren Wahrnehmung der Umwelt und des Leidens Anderer. Dieser Weltschmerz, dieses „leidende“ Bewusstsein ist natürlich keine Bedingung für künstlerische Arbeit, aber eben auch kein Nachteil.

Letztlich muss der Appell natürlich nicht „Künstler, leidet!“ lauten,

sondern: „Leidende, werdet Künstler!"
Nur wer aus der Rolle fällt, rollt aus der Falle.

Offline Bastian

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Re: Brian Wilson
« Antwort #10 am: 09. August 2009, 15:29:16 »
"...und fragt bitte auch Euren Arzt oder Apotheker!"

(Muss auch mal die Ebene wechseln... Therapeutisches Schreiben ist das Eine, und nicht alles- wirklich nicht alles-  muss auf den Markt geworfen werden. Gutes Schreiben ist ein davon unabhängiges Anderes. Der Markt ist da geduldig, um den mach ich mir keine Sorgen. Die obige Warnung soll nur davon abhalten, über dem Schreiben eine wirksame Therapie zu verschlafen.)

Offline Bastian

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Re: Brian Wilson
« Antwort #11 am: 09. August 2009, 18:02:27 »
Ich hab das Lied "Heroes and Villains" eigentlich nie gemocht. Wahrscheinlich wegen der vielen thematischen Wiederholungen. Ausserdem war mir der Klang zu dicht, auf den alten Platten klang das für mich immer zu sehr nach Kraut und Rüben. Ziemlich zerkratzen Rüben... Aber wenn ich mir diese neuen Aufnahmen mit dieser großartigen neuen Band anhöre, bin ich erstaunt, wie aufgeräumt und klar dieses vielfältige Arrangement heute klingt:

http://www.youtube.com/watch?v=F7z8NRUFyN0&hl=de

 

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