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Autor Thema: Volksbewegung gegen Sozialabbau  (Gelesen 1054 mal)

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Offline Andrea

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Volksbewegung gegen Sozialabbau
« am: 03. April 2004, 21:15:08 »
Volksbewegung gegen Sozialabbau formiert sich

Von den kobinet-Korrespondenten Jürgen Schmitt und Franz Schmahl

Berlin/Stuttgart (kobinet) Am europäischen Aktionstag gegen
Sozialabbau haben sich in Berlin, Stuttgart und Köln etwa eine halbe
Million Menschen beteiligt. In Stuttgart sprach ver.di-Chef Frank
Bsirske vom möglichen Beginn einer Volksbewegung aus der Mitte der
Bevölkerung. Anhänger von Sozialverbänden und Behinderteninitiativen
waren mit den Gewerkschaftern auf die Straße gegangen.

Auf selbstgemalten Spruchbändern wie «Kein Sozialdumping, «Erhaltet
die sozialen Errungenschaften unserer Eltern» oder «Wir sind doch
nicht blöd!» demonstrierten die Menschen unter dem Motto «Aufstehen,
damit es endlich besser wird!». Eingebettet waren die Demonstrationen,
zu denen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) aufgerufen hatte, in
ähnliche Protestaktionen von 16 Ländern Europas. Über Videowände
konnten in Stuttgart auch gehörlose Demonstranten den Inhalt der Reden
mitbekommen, da eine Gebärdensprachdolmetscherin in einem Unterfenster
eingeblendet wurde. Die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg war bis
zum Beginn der Kundgebung auf dem Schlossplatz dicht. Um 12 Uhr
standen noch rund 200 Busse vor Stuttgart auf der Autobahn.

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin hat DGB-Chef Michael Sommer
indessen allen Bestrebungen von Regierung und Arbeitgebern zum
Sozialabbau den Kampf angesagt. «Auf der Basis der Agenda 2010 gibt es
keinen Schulterschluss», erklärte Sommer. Wer Löhne senken,
Arbeitszeiten verlängern und die Mitbestimmung beseitigen wolle, werde
seine Lektion lernen müssen. «Wer den Großkonflikt will, der kann ihn
haben», rief Sommer unter dem Beifall der rund 250.000 Demonstranten
aus.

«Überall sah ich auch Rollstuhlfahrer/innen, blinde Menschen, solche,
die ,geistig behindert' genannt werden. Gewiss waren auch psychisch
und chronisch kranke Frauen und Männer unterwegs. Genauso
Hörgeschädigte. Etliche begrüßten sich gegenseitig. Viele waren sich
auch unbekannt. Beides ist erfreulich. Wir, die Menschen mit
Behinderungen und unsere Angehörigen, zeigten uns als Teil der
Gesellschaft, als Teil der Bewegung für soziale Gerechtigkeit», mailte
Ilja Seifert vom Berliner Behindertenverband an kobinet.

Vom europäischen Aktionstag gegen Sozialabbau ging ein Signal an die
Herrschenden aus. Eine Politik wird nicht mehr hingenommen, die der
Masse der Bevölkerung schadet, die Reichen immer reicher, das Kapital
und seine Manager immer dreister werden lässt. Die Lasten der Krise
dürfen nicht nur auf dem Rücken der kleinen Leute verteilt werden.

Fast eine halbe Million auf der Straße.
Köln (kobinet) Am europäischen Aktionstag gegen Sozialabbau haben in
Berlin, Stuttgart und Köln fast eine halbe Million Menschen eine
andere Politik von Regierung und Opposition gefordert. Für eine
Politikwende waren neben Gewerkschaftern auch Anhänger von
Sozialverbänden und Behinderteninitiativen auf die Straße gegangen. An
den Protesten für sozial gerechtere Reformen haben sich nach Angaben
des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Samstag rund 420.000
Menschen beteiligt. Diese Zahl nannte der DGB am Nachmittag auf seiner
Veranstaltung in Köln für die Protestkundgebungen Berlin, Stuttgart
und Köln zusammengenommen. sch

Ich habe das wohl vorher nur mit einem halben Ohr oder gar nicht mitgekriegt. Aber abgesehen davon finde ich positiv, dass die Menschen aufstehen.

Und hier noch:
Hü, alter Schimmel!.

Berlin (kobinet) Angesichts der Proteste von mehreren hunderttausend
Demonstranten gegen Sozialabbau heute in Berlin, Köln und Stuttgart
hat FDP-Chef Guido Westerwelle Spitzenvertretern der Gewerkschaften
vorgeworfen, sie seien «Verräter der Arbeitnehmerschaft und der
Arbeitslosen».

In der «Bild am Sonntag» wird er eine «Gegenkundgebung zu den
Gewerkschaften» am 1. Mai ankündigen. Nach einer vorab verbreiteten
Meldung der Zeitung fordert Westerwelle «betriebliche Bündnisse» zur
Entmachtung von Gewerkschaftsfunktionären, die eine Erneuerung der
sozialen Marktwirtschaft bekämpften.

Auf seiner Website beklagt der Oberliberale, dass nur noch im Urlaub
Zeit zum Ausreiten mit seinem Schimmel sei. Demonstranten vom Berliner
Behindertenverband meinten heute am Brandenburger Tor, da sollte er
sich lieber schnell beurlauben lassen, als weiter den Mund zu voll zu
nehmen. Er könnte den alten Schimmel per Luftfracht mit auf seine
Lieblingsinsel Mallorca nehmen, um sich hier bei den Schönen und
Reichen zu erholen. Das wäre besser, als würde er im Cabrio eine
Folklore-Demo am 1. Mai mit zweifelhaftem Unterhaltungswert anführen.
Frantek
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Sandra

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Re: Volksbewegung gegen Sozialabbau
« Antwort #1 am: 04. April 2004, 01:27:38 »
Das ist eine komplizierte Geschichte, mit dem Sozialabbau und dem Neoliberalismus. Es ist klar, dass man nicht mehr weiter so urassen kann, wie es bisher war, es ist klar, dass die Sozialkosten unverhältnismässig steigen. Aber es ist ebenso klar, dass die "freie Marktwirtschaft" heissen würde, den Teufel mit Beelzebub auszutreiben. Privatisierung von allen Betrieben, und "survival of the fittest" kann in einer zivilisierten Gesellschaft nicht das Ziel sein. Wohin das führt, sieht man in Argentinien.
Aber es geht sich eben so, wie es jetzt ist, auch hinten und vorne nicht mehr aus.
Und fortwährend doktort man am alten System herum, anstatt sich was wirklich neues zu überlegen....

Offline Dagmar

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Re: Volksbewegung gegen Sozialabbau
« Antwort #2 am: 19. April 2004, 01:32:18 »
Tja - ich hab' lange überlegt, ob ich meine vorlaute Klappe dazu aufmache. Am Ende hat's mich doch zu sehr "angemacht", als dass ich sie hätte halten können.

Das hat sicher alles zwei Seiten - wie immer im Leben. "Totale Gewinnmaximierung, jeder muß halt sehen wo er bleibt" ist aus meiner Sicht sicher eine genauso undifferenzierte Lösung wie "wer reich ist muß für Arme zahlen".

So geht's irgendwie nicht weiter, da gebe ich Sandra Recht - schicht alleine deshalb, weil kein Geld mehr in den öffentlichen Kassen ist. Beispiel Gesundheitswesen: Das ist so, wie es heute läuft, schlicht nicht weiter finanzierbar.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie sich das lösen läßt (wenn ich die hätte, würde ich auf der Stelle in die Politik gehen), aber ich möchte doch einmal die "Gegenseite" darstellen, weil mich die Gewerkschaftspolitik in Deutschland dermassen auf die Palme bringt, dass ich - wie gesagt - an der Stelle meine Klappe nicht halten kann:

Ich beschäftige 12 sogenannt abhängig Beschäftigte. Für die zahle ich ihren Lohn und obendrauf (wovon meine ganz lieben tollen fleißigen und mir alle nahestehenden Kollegen GARNICHTS haben, weil es in 20 Jahren, wenn die in Rente gehen, keinen müden Euro mehr aus der Rentenkasse zurück geben wird, und die Krankenversicherung heute schon nur das nötigste bezahlt): ALLE Lohnnebenkosten, d.h. zu 50 % oben auf den Lohn d'rauf: Lohnsteuer, Arbeitslosenversicherung, Solidaritätszuschlag für das Geld, was sinnlos im Osten der Republik versackt - siehe jüngster SPIEGEL - Artikel -Krankenversicherung und Kirchensteuer (  ??? ). Das bedeutet - und ich weiß nicht, ob das jedem so klar ist - für eine Mitarbeiterin, die 2000 € im Monat verdient (brutto! D.h. die Kollegin versteuert das ihrerseits noch!), zahle ich als Arbeitgeber 3500 €!!: 1.500 € in irgendwelche Sozial- und Steuerkassen.

Das war noch lange nicht alles:

Ich zahle auch noch: Berufsgenossenschaftsbeiträge für jeden Mitarbeiter (falls der die Treppe runter fällt, wenn er meine Agentur betritt), Mutterschaftsgeldbeitrag  (falls die mal schwanger wird), und alle Versicherungsbeiträge, die der Gesetzgeber vorschreibt (falls die Firma abbrennt, falls eingebrochen wird, falls Wasser einbricht, falls einem das Dach auf den Kopf fällt).

Kasnn mir mal jemand erklären, warum immer jemand anderes dafür zuständig ist, wenn einem persönliches Unbill widerfährt? Das werde ich nicht begreifen, und es regt mich maßlos auf. Die ganze übertriebene Versorgungsmentalität in Deutschland regt mich auf: Da kommen Leute in die Praxis meines Mannes und krakelen total und super unangenehm am Tresen 'rum, weil ihnen nicht AUF DER STELLE dieses oder jenes Medikament verschrieben wird - was keine Versicherung mehr bezahlt. Für Hühneraugen ist man halt irgendwie selber verantwortlich. Der Staat bezahlt das nicht länger: WAS FÜR EINE FRECHHEIT  ???

Das ist noch lange lange nicht zuende:

Ich zahle auf jeden Euro, den meine Agentur einspielt 47 % Steuern - nachdem ich schon alle o.g. Abgaben getätigt habe. Wenn mich eine Künstleragentur anruft und fragt, ob ich den Künstler betreue, rufe ICH erstmal mein Steuerbüro an und frage, ob ich daran noch 5 Cent pro Stunde verdiene oder ob ich womöglich noch Geld mitbringen mus.

PuuuH - jetzt mal halblang Dagmar, jetzt fang' ich wirklich an, mich total zu echauffieren.

Also die Wahrheit ist, dass ich an 100 € Umsatz am Ende genau 15 € verdiene. Kannste Dir ja mal ausrechnen, wieviel Umsatz ich machen muß, um meine Familie mit 2 Kindern zu ernähren.

Ich will überhaupt nicht maulen. Es ist absolut richtig, dass ich gut verdiene und damit auch eine erhöhte soziale Verantwortung habe. Dass ich für meinen Sohn im Kindergarten den höchsten Beitrag bezahle (200 € im Monat) und die allein erziehende Mutter bezahlt nichts - FINDE ICH VÖLLIG IN ORDNUNG!!!

Ich finde es aber auch sehr sehr nachvollziehbar, dass ich, wenn ich auch nur noch mit 5 € zusätzlich von diesem Land mit Abgaben belastet werde, mir überlege, ob ich nicht einfach 8 Leute entlasse UND DANN MEHR GELD HABE ALS JETZT! Klasse oder??? Nur GROSSE SCHEISSE FÜR DIE 8 LEUTE!!!

Deshalb geht das so nicht weiter, deshalb haben wir über 4 Mill. Arbeitslose, deshalb gibt es eine Gesundheitsreform usw usw.

Die Dinge haben immer 2 Seiten: Ich hab' mal die andre Seite dargestellt. Ich schwimme keineswegs in Geld. Ich mach' mir jeden Monat schlaflose Nächte, wie ich die Arbeitsplätze halten kann. Nur wenn's so weiter geht in diesem Land, mach' ich einfach meine Agentur zu! Dann schlafe ich nachts ruhig - mein persönliches Geld wird deshalb nicht einen Cent weniger. Klasse! Ich beschäftige 3 allein erziehende Mütter und 2 Schwerbehinderte. Mal gucken, was die dann machen.

Ich weiß nicht: Die Gewerkschaften können doch nicht wirklich soooo verbohrt und echt so DUMMM und DÄMLICH sein, dass die das nicht sehen. So wie ich denkt der gesamte Mittelstand in Deutschland (kann man leicht den gängigen Studien entnehmen) - und der Mittelstand macht 80 % des Bruttosozialproduktes aus.
Wieso rennen dann 1/2 Million Menschen auf die Straße und verlangen, dass Leute wie ich sich ruinieren.

Nee danke - da hab' ich keinen Bock drauf. Dann mach ich einfach zu und leb' vom Singen. Beschäftige keinen mehr, mir wurscht - nee is' mir natürlich nicht wurscht.

ICH ÄRGERE MICH EINFACH MASSLOS ÜBER DIE BOCKIGKEIT DER WIRKLICH DÄMLICH-DOOFEN GEWERKSCHAFTEN!

Uff - hab' mich lange nicht mehr so echauffiert!

Dagmar
« Letzte Änderung: 19. April 2004, 03:40:21 von Dagmar »
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

 

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