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Herzlich willkommen im Georg Kreisler Forum!

Das Georg Kreisler Forum ist dem Werk des Satirikers, Dichters und Komponisten Georg Kreisler gewidmet. Das Georg Kreisler Forum ist ein Fanprojekt, Sie sind also herzlich eingeladen, Informationen zu Georg Kreisler beizusteuern und an den vielfältigen Diskussionen - auch weit über Georg Kreislers Werk hinaus - teilzunehmen.

"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")



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Zusammenfassung

Autor: Bastian
« am: 02. Juni 2004, 21:47:57 »

Nein, ich denke nicht. Die Kandidaten werden wie immer von den Parteien aufgestellt. Du kannst sie dann wählen oder nicht. Ob du sie kennst oder nicht. Die Parteien nennen das demokratisch. Es gibt keine Bürgerbeteiligung in der Europäischen Union. Es gibt nur eine Möglichkeit, um mehr Bürgerbeteiligung in Europa zu erreichen, und die ist: Sie fordern! In Vereinen usw. Ich bin selbst kein Vereinsmensch, bin lieber allein. Aber es ist das einzige zielgerichtete Engagement das Erfolg zeitigen kann. Darum mach ich doch mit. Oder wir machen europaweit Großdemos, wie vor 15 Jahren in Leipzig und anderen deutschen Städten. Aber die bekommen die Wessis und wir Südis und Nordis nicht hin. Wir haben geschlafen. vielleicht sogar verschlafen.

Wir haben ihn nicht. Den gesetzlichen Rahmen um Einfluss geltend zu machen. Und darum können wir keinen Einfluss ausüben. Also müssen wir wir Europäer jetzt darauf beharren, dass es Europaweit möglich wird Volksbegehren u.A. zu lancieren. Dafür braucht es bestimmte Gesetze in der Europäischen Verfassung. Wenn sie nicht in die Verfassung aufgenommen werden, dann haben wir für alle Zeit die Chance vertan. Auf die Gefahr hin, dass ich Euch damit auf die Nerven gehe trage ich eine weitere Eule nach Athen:

http://www.mehr-demokratie.de

http://mehr-demokratie.de/bu/ak/europa/unterschreiben.htm
und:
http://www.europeanreferendum.org/
Autor: Andrea
« am: 02. Juni 2004, 20:53:05 »

Gibt es oder hätte es eine Mitbestimmungsmöglichkeit für uns gegeben, als die Wahlkandidaten ausgesucht wurden, und haben wir diese Möglichkeit verpennt, oder hatten wir da - was ich eher glaube - von vorn herein kein Mitspracherecht? Hätten wir die Möglichkeit gehabt, mehr Mitspracherecht einzufordern (durch Demos oder so)?
Autor: Sandra
« am: 01. Juni 2004, 14:14:04 »

Quote (selected)
Kein Mobilfunkunternehmen ist pleite gegangen, weil klein Carsten kein Handy kauft. Das Verkehrschaos ward nicht minder schlimm, weil der Bassmeister kein Auto fahren wollte


Aber darum geht's ja garnicht! Klar wollen wir alle Handies, Computer, sushi essen etc. Aber erstens: stopfen wir das alles einfach in uns rein, oder denken wir uns was dabei?
Und zweitens: Angefangen hat das Ganze ja als Kulturkritik: Und das heisst: Jeder, der ein Britney Spears-Album zugunsten einer CD von Bassmeisters Concertus-Gruppe zurücklegt, oder zugunsten von anderer intelligenter Unterhaltung, trägt dazu bei. Jeder, der sich abends nicht vor ein Video mit irgendeinem amerikanischen  (oder deutschen) TschinnbummFilm setzt, sondern sich lieber - wasweissich - einen Almodóvar reinzieht oder "Das grosse Rennen von Belleville" (SEHRSEHR zu empfehlen - obwohl es auch "nur" Unterhaltung ist) - jeder, der also auch zur Unterhaltung lieber mitdenkt, schwächt damit die Doof-Mach-Industrie.
Jeder, der wählen geht.
Jeder, der viel liest.
etc
Man muss die Wirtschaft BENÜTZEN, nicht  nur kritisieren. Und zwar indem man durch seine Kaufkraft die minder mehrheitsfähigen Produkte stützt.
Biofutter.
Intellellen-Musi (Britney einfach runterladen, kleine Labels kaufen)

Leider ist es heute so, dass uns nur die Wirtschaft "helfen" kann, weil nur die an "mündigen bürgern" interessiert werden können - die nämlich aus verschiedenen vordergründig gleichen Produkten WÄHLEN.
Die Politik interessiert sich (jedenfalls ist der Trend schn lange so) vor allem dafür, Leute so doof zu haben, dass sie auf die simpelsten und blödesten Argumente reinfallen.

Quote (selected)
70 Jahren haben so Leute wie Brecht oder Weill oder was weiß ich wer songspiele gemacht, und es war revolutionär neu


äh..Vorsicht! Brecht hat sich sehr wohl an Massentauglichkeit orientiert - und die Dreigroschenoper gab's ja auch schon, er hat es nur in seinen Stil übertragen.
Und Weill hat klassische Musik auch simplifiziert - das wurde ihm damals auch vorgeworfen. Er hat es halt genial simplifiziert, weil man damals immer noch sein Handwerk können musste, und es sich schwerer gemacht hat, als heute häufig zu sehen/hören ist.

Quote (selected)
Dieser Effekt (frei zitiert: "Wenn alles kaputt ist, haben wir ja immer noch die Möglichkeit Konzerte zu veranstalten!") ist meine einzige Hoffnung.


gerade in diesem Lied meint es GK aber genau gegenteilig: Wenn alles kaputt ist, können wir uns immer noch einlullen lassen. Gerade diese Nummer ist ja eine Kritik an Musik und Poesie als Werkzeug zum Verblöden.
Er sagt in anderen Liedern (verklausuliert) auch Gegenteiliges - und das ist ja die Krux: Beides ist wahr.

Neuer Gedanke:  Wenn ich mir (in Österreich) die Argumente anschaue, die so für die EU-Wahl ins Treffen geführt werden: Wie soll so ein Interesse aufkommen, für das, was dort passiert?
Dass wir eine Demokratie haben, die wir nur sinnvoll nützen müssten, das wird immer mehr vergessen. Wir sollen nach Sympathie wählen, oder wir sollen Leute wählen, die nur aufgestellt werden, weil man sie von der lokalen Politik weg haben will - dass WIR es sind, die der EU ihre Macht geben könn(T)en - das wird vergessen...
Autor: Bassmeister
« am: 01. Juni 2004, 13:10:28 »

weil wir bestenfalls Fernsehdiskussionen imitieren, weil wir deren Floskeln zitieren ("Standort Deutschland gefährdet", "Spirale der Gewalt dreht sich" usw....)
Das ist wirklich kraß! Wie machen die das? Was steckt da dahinter? Gleichschaltung, ohne daß wir das wahrnehmen. Und später sagen wir dann "Wir habens doch nicht gewußt", genau wie heute die, die die Nazizeit erlebt haben.


@ Fernsehen, Passivität & Idioten
Als gegenstück dazu gibt es inzwischen aber das Netz mit seinen vielen vielen interaktiven Foren, wie z.B. auch diesem hier.
zwei Haken hat die Sache dennoch. Man ist zwar angeregt, nachzudenken und sich zu hinterfragen, doch zum einen ist die Sache zeitlos, also, was ich hier reinschreibe, steht auch in nem Jahr noch da, wenns vielleicht gar nicht mehr gilt und zum Anderen kann jede/r hier drin lesen und das geschriebene für seine/ihre nicht immer redlichen Zwecke ausnutzen. Das ist einem nicht permanent klar, wenn man hier schreibt.
Dennoch ist es für mich fast wie eine Sucht, obwohl im Cafe sitzen oder nach dem Konzert ein Bierchen nehmen viel schöner ist.
Autor: Bastian
« am: 01. Juni 2004, 12:23:13 »

Wer will noch was? Ich meine nicht Kaffee oder Suppe, nein: Wer hat denn noch wirklich einen Willen? Eine Idee, die die nächste Mode noch übersteht? Und die er auch gegen die Unbeweglichkeit der "Massen" durchhält? Da finde ich es übrigens nicht falsch, wenn man auf ein Auto verzichtet wenn man es nicht braucht. Und: wer einen schönen, großen, holzigen Kontrabass sein Eigen nennt, oder ein hässliches, kaputtes elektrisches Pressspanklavier, welches er transportieren muss, der hat noch den besten Grund sich ein Fuhrwerk anzuschaffen. Aber man kann das Auto stehenlassen, wenn man es nicht braucht. Es geht.

Das Kabelfernsehen plant unseren gesamten Tag von vorne bis hinten durch. Das heißt, wenn mal gerade ein Moment der Ruhe oder der "Langeweile" aufkommt, genügt ein Knopfdruck und der Raum füllt sich mit Geräuschen und Bildern. Da braucht man nicht nachdenken. Man lacht über die alte Frau von nebenan, weil sie Selbstgespräche führt, aber immerhin hat sie das Gespräch noch als etwas wichtiges in ihr Leben eingebaut, drum tut sie es halt mit sich. Chapeau. Viele Kinder können kaum noch richtig reden, weil sie mehr Kontakt zur Braunschen Röhre haben als zu anderen Kiddies. Oder auch zu Erwachsenen! Und da kommt die Kritikfähigkeit, die du, Sandra, meintest. Auseinandersetzungen finden nicht mehr wirklich statt. Sobald eine Diskussion kritisch wird, werfen sich die Leute statt der Argumente selbst in den Ring und brüllen los. Weil sie es nicht mehr können! Das Diskutieren. Und die Diskussionsweise in der Glotze, mittags um vier, spricht Bände. Man kann zwar den Kopf schütteln und sagen: "Na, das ist Fernsehen, wo halt Idioten mit Idioten streiten und Idioten schauen dabei zu und fühlen sich weniger idiotisch." Aber: wieso bekommen die ein solches Forum? Da steckt doch was dahinter.

Ich fürchte, dass ich auch schon zu den Teilsedierten gehöre. Ich kann voll unterschreiben, was Sandra vor Jahr und Tag über die Massenmedien geschrieben hat. Die Kritikfähigkeit lässt rapide nach. Gut, die Wut und der Ärger sind geblieben, gestiegen noch, aber sie führen zu nix, weil wir daraufhin nicht handeln. Weil wir es verlernt haben zu handeln, weil wir schon im Vorfeld nicht einmal mehr einen eigenen Gedanken erarbeiten und formulieren können, weil wir bestenfalls Fernsehdiskussionen imitieren, weil wir deren Floskeln zitieren ("Standort Deutschland gefährdet", "Spirale der Gewalt dreht sich" usw....), weil wir glauben, mit 18, 27, 32, 43,... 67 schon zu alt oder schon zu intellektuell zu sein um auf die Straße zu gehen. Weil wir zu wissen glauben, dass das eh nix bringt... Wir brüllen ins Fäustchen oder mokieren uns über andere, weil die nix tun.

Ist wohl alles ein wenig off- topic, weder Gats noch Cats, aber ich glaube es passt schon rein. Jetzt geh ich endlich mal Filtertüten kaufen. Hab über die Feiertage bestimmt ein Pfund feuchten Kaffeesatz mitgegessen. Und dann setz ich Frischen auf.
Hehe: Will noch wer was?
Autor: Bassmeister
« am: 01. Juni 2004, 11:14:01 »

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, aber vergiss nicht auch dir an die Nase zu fassen, wir sind alle Kinder des Konsums.

Das ist das, was mich hier am meisten nervt. Es beginnt mit den Bedürfnissen, geht weiter mit den Wünschen und hört auf mit den Selbstverständlichkteiten! Ja, auch ich will meine warme Dusche und meinen Computer. Auch ich habe einen Internet-Vertrag und ein Mobiltelefon. Im Moment geht es mir noch gut damit.
Das heisst, diesen Kreislauf kann man nur unterbrechen, wenn man sich als Konsument wehrt.  

In meinen radikalsten Zeiten habe ich das alles verweigert. Das Dumme war nur, es hat niemanden interessiert, ich habe mir nur ins eigene Fleisch gebissen. Ich bin nur so ein bissel als "Spinner" oder "Trottel" hingestellt worden und davon gehabt hat keiner so richtig was. Kein Mobilfunkunternehmen ist pleite gegangen, weil klein Carsten kein Handy kauft. Das Verkehrschaos ward nicht minder schlimm, weil der Bassmeister kein Auto fahren wollte, statt dessen seinen Kontrabaß auf die Sackkarre geladen hat und zu Fuß und mit der Bahn unterwegs war (die Luft in Leipzig ist auch nur ganz unwesentlich besser geworden) Interessiert hats auch keinen.
Inzwischen bin eben auch ich weich geklopft. Ist das der Lauf der Welt?
Von daher finde ich, daß die Zustände, die Sandra in ihrem Diary (besser: Tagebuch) beschreibt, vielleicht doch den Einen oder die Andere WACH machen, denn nur wenn der mensch sich echt bedroht oder eingeschränkt fühlt, dann bewegt er wahrscheinlich was.
Ich kann Euch dazu sehr das GK-Lied "Trau keiner Melodie über dreißig" ans Herz legen. Dieser Effekt (frei zitiert: "Wenn alles kaputt ist, haben wir ja immer noch die Möglichkeit Konzerte zu veranstalten!") ist meine einzige Hoffnung.

Autor: Bastian
« am: 01. Juni 2004, 02:53:02 »

Verdammt! Ich hatte gerade einen elendslangen Text verfasst. Sehr intelligent, eloquent und anrührend ::). Jetzt hab ich auf den falschen Knopf gedrückt und alles ist weg. Bin ein wenig wütend auf mich selbst und schreib ihn jetzt nicht nochmal. Sorry...

@Dagmar: Was ich noch kurz sagen will. Eine Freundin hatte mich einmal gebeten auf der Beerdigung ihres Mannes "Carry Me" von Chris de Burgh zu spielen/singen. Hab ich dann auch getan, obwohl ich nicht viel mit C. de B. anfangen kann. Da saß ich oben auf der Empore und konnte die Leute in der Kapelle nicht sehen. Aber ich konnte sie hören während ich sang. Und plötzlich hatte das Lied Inhalt. Das hätte ich dem Burgh nicht zugetraut...
Tja,...
Gute Nacht allerseits,
Basti
Autor: Dagmar
« am: 01. Juni 2004, 01:24:01 »

Ja - das ist eine spannende Diskussion hier, die meinen vielen vielen inneren Gedanken konform läuft:

Quote (selected)
Einspruch!
Musicals sind Musical Theatre, das was frueher die Oper und die Operette waren, Theaterstuecke mit Musik, mit Tanz, vollendetes Theater, das moderne Gesamtkunstwerk!!
Und die haben auch einen Inhalt!


GENAU! Das war vor so ca. 70 Jahren die ' Dreigroschenoper'. Und? Haben wir heute etwas Gleichwertiges?

Ich frage mich zweierlei Dinge - schon sehr lange - (und hoffe, mich hier allgemeinverständlich ausdrücken zu können):

1.) Vor 80 oder 70 Jahren haben so Leute wie Brecht oder Weill oder was weiß ich wer songspiele gemacht, und es war revolutionär neu. Oder die Beatles oder oder usw. - gibt es heute Gleichwertiges?

2.)
Quote (selected)
ich meinte eben die klassische CATS-Abteilung, bei der es um gute Stimme, Tanz, Arrangements, Bühne etc geht - aber eben bloss nicht um Inhalte...


Exakt. Gestern abend saß ich in der Kölner Philharmonie, ein geiles Konzerthaus, auf der Bühne stand Chris de Burgh: Unplugged, absolute Superstimme - unbestritten. Aber die Inhalte? Eher flach!  

Da saß ich da - in diesem Konzert - meine Gedanken schweiften ab: Und ich dachte: Wieso eigentlich interessieren sich nur so wenige für Chansons mit anspruchsvollen Texten? Wieso kriegen Chansonsänger wie Du und ich 200 Leute an die Bühne und der 5000? Wieso?
Autor: Andrea
« am: 01. Juni 2004, 01:06:05 »

Da frage ich viele Leute, ob sie wissen, was GATS bedeutet, und übersehe monatelang diesen schönen, aufklärenden Thread.
Wo ist denn Silie eigentlich? Der hat schon lang nix mehr geschrieben.
Autor: Sandra
« am: 25. Oktober 2003, 10:53:38 »

Quote (selected)
Es ist bedauerlich, dass schwache Stuecke und der absurde Stella-Groessenwahn das Musical im deutschsprachigen Raum in Verruf gebracht haben.  


Ja, Du hast natürlich Recht - ich meinte eben die klassische CATS-Abteilung, bei der es um gute Stimme, Tanz, Arrangements, Bühne etc geht - aber eben bloss nicht um Inhalte...
Aber das ist ja, was ich sage: Da gibt's eine Form, wo gutes Handwerk auch Inhalte an eine breitere Masse transportieren KÖNNTE - und schon wird sie von Blabla besetzt und verwässert....

Und selbstverständlich bist du der kommende InhaltUNDForm-Messias ;)
Autor: Peter Silie
« am: 25. Oktober 2003, 07:36:08 »

Quote (selected)
 Der Teil, der gutes Handwerk ist - und nicht mehr, (also zB Action-filme, amerikanische Sitcoms, Musicals oder gewisse Modern Dance-Abende)

Moment, moment!
Musicals - Handwerk und nicht mehr??
Einspruch!
Musicals sind Musical Theatre, das was frueher die Oper und die Operette waren, Theaterstuecke mit Musik, mit Tanz, vollendetes Theater, das moderne Gesamtkunstwerk!!
Und die haben auch einen Inhalt!
OK manche nicht, und es gibt auch bloede Revuen, keine Frage. "Wake up" (kennt *niemand* ausserhalb Oesterreichs) ist 100 Minuten lauwarme Luft und "Jekyll & Hyde" hat eine hoechstens aufgesetzte Aussage und ueber "Starlight Express" oder so brauchen wir gar nicht reden.
Aber bitte, "Fiddler On The Roof" z.B. , das hat doch a bisl an Hintergrund , oder?? Oder "Lola Blau", um bei Kreisler zu bleiben.
"Carousel" ist nach "Liliom", von Molnar, auch nicht grad das schlechteste. Aus der juengsten Vergangenheit: "Avenue Q" ist saukomisch, aber es spielt mit beinharten Aengsten und Problemen des Lebens. Ebenso "Rent" (weniger komisch). "Urinetown" ist eine boese Satire auf Grossstadt und Business.
"Ragtime" ist eine beruehrende (Im)migrantengeschichte aus Jh.wende-Amerika.
"West Side Story" nicht zu vergessen. und und und

Es ist bedauerlich, dass schwache Stuecke und der absurde Stella-Groessenwahn das Musical im deutschsprachigen Raum in Verruf gebracht haben.
Und der fehlende Mut von Theatern, etwas neues zu machen. Stattdessen werden alte Schinken aufgewaermt, von denen bekannt ist, dass sie Tickets verkaufen.

Aber das wird sich wieder aendern.  :)
Quote (selected)
wenn mal einer kommt, der in Handwerk und Inhalt fundiert ist

Du meinst mich, oder?  ;D  :D

Wir werden ja sehen, inwieweit mich die Industrie vereinnahmt. Sie soll erst einmal kommen, die Industrie. Ich warte!  ;)

lg
Peter_Silie[/color]



Autor: Peter Silie
« am: 25. Oktober 2003, 06:59:18 »

Quote (selected)
Aber Kultur ist ja nicht notwendiger Weise etwas schwer verdauliches, kompliziertes.

Definitiv. Das glaube ich auch.
Kultur ist auch ein Schrammelquartett, oder ein Kaffehaus. Oder ein breakdancer in der U-Bahn oder eine Gute Nacht Geschichte vor dem Einschlafen.
Und, was die Musik betrifft, singen und musizieren!

Das liegt mir als Musiker sehr am Herzen. Die meisten Leute heutzutage *konsumieren* nur mehr Musik, von CDs oder aus dem Radio. Sie ziehen sich das *vorgekaute* rein und wissen gar nicht, wieviel Freude es macht, selbst zu musizieren, und wieviel an Kultur verloren geht, wenn man es nicht tut.
Musik lebt durch die Menschen, die sie erzeugen, und nicht durch Elektronik. Miteinander Musik machen ist zugleich ein wunderbares soziales wie kuenstlerisches Erlebnis.
Gehet hin und bringet zusammen ein Staendchen. Habet ihr Kinder, so singt ihnen ganz viel vor!  

Quote (selected)
Das heisst, diesen Kreislauf kann man nur unterbrechen, wenn man sich als Konsument wehrt.


Ja, wir lassen uns viel zu viel gefallen. Man sollte demonstrativ zur Prime Time das Haus verlassen und sich auf der Strasse treffen, damit die Sender sehen: Das Programm geht uns am *rsch vorbei.  :D
Und im Theater sollte das Publikum laut Buh schreien, wenn die Auffuehrung schlecht ist.  ;D

Quote (selected)
Ist das überhaupt verständlich, was ich da meine?

Es ist, es ist.

Meint jedenfalls
Peter Silie
[/color]
Autor: Sandra
« am: 24. Oktober 2003, 17:04:51 »

Das stimmt schon, nur erstens glaube ich, dass das in Deutschland unter anderem auch deshalb so viel stärker geworden ist, weil ja genau durch diesen Konsumismus die Kultur verdrängt werden soll - und es funktioniert! Und mit GATS eben noch stärker.

Zum anderen geht es aber nur zum Teil darum, dass man sich mit etwas "eingehend beschäftigt". Zum anderen Teil ist es vielleicht auch, weil es einfach viel leichter ist, sich mit Vorgekautem zufriedenzugeben. Und genau darauf setzt naütrlich auch die Wirtschaft, und kaut vor.
Aber Kultur ist ja nicht notwendiger Weise etwas schwer verdauliches, kompliziertes. Dazu ist sie einfach zu umfassend.
Aber es sollte doch wenigstens das EIGENE Vorgekaute sein, und nicht unbedingt das, der amerikanischen Grosskonzerne.
Deutschland sucht den Superstar zB ist reine Abkupferung der grossen Konzerne - ncihts Eigenständiges.  oder, ein simples Beispiel: Der Film:
" Rambo" oder sonst irgendein amerikanischer Blockbuster hat nichts von unserer Kultur in sich. Der Film "Der bewegte Mann" zB war aber defnitiv eigenständig und sehr deutsch - und trotzdem nicht rasend schwer zu verdauen, oder?
Und es war der Einstieg in eine viel stärkere Produktion von deutschen Filmen, und einige waren erstaunlich gut!

Und wenn dann die deutschen Fernsehstationen versuchen, amerikanische Serien eins zu ein abzukupfern, weil es halt leichter ist, dann müsste das Publikum sich wehren. Diese Filme nicht einschalten. Die Kritik müsste sie verreissen und so weiter.
Intelligente (oder zumindest halbwegs intelligente) Serien gibt es aus Deutschland nicht. Oder kaum, und wenn, dann spätnachts.
Wir haben in Österreich im Moment ein geniales Format, einmal die Woche, die "Sendung ohne Namen". Zutiefst österreichisch, nicht super-intellektuell, und witzig. Wird spät in der Nacht am Donnerstag versteckt. "Sex in the City" läuft im Hauptabendprogramm.
Das alles macht es dem Konsumenten - dem gelernten Konsumenten wie wir es sind - schwer. Und wir lassen es auch dabei, weil wir uns schon haben einlullen lassen.

Wieso schaffen es die kleineren Firmen nicht, sich eigene gute Leute zu züchten, die innovative Ideen haben? Weil es so auch geht, weil das Publikum eh alles frisst.
Denn wir sind  sicher nicht blöder als die grossen Konzerne - nur vielleicht fauler, und ängstlicher. Unter anderem auch, weil das Publikum nicht gewöhnt ist, eigenständig zu denken, und die Produzenten glauben, dass das Publikum noch blöder ist, und dadurch WIRD auch das Publikum noch blöder...
Das heisst, diesen Kreislauf kann man nur unterbrechen, wenn man sich als Konsument wehrt.

Aber das KÖNNEN wir nur, wenn wir eine Alternative zumindest in Aussicht haben. Und mit GATS haben wir einfach keine Alternative mehr, denn dann kann zB der deutsche Fernsehserien-macher nur noch die Produkte verkaufen, die die grössten Firmen ihm auch abkaufen.  
Das heisst aber auch, dass Nischen, die ja - siehe oben - zumindest am Anfang staatlich gestützt werden müssen, dann sehr schnell verschwinden. Es gibt kein Geld vom Staat, und es gibt (vielleicht: noch) kein Publikum dass gross genug ist, dass sie sich selbst tragen können.
Das heisst: mit GATS  MUSS  zB ein Fernsehproduzent für den grössten Markt produzieren, denn "nur" für Deutschland, das rechnet sich für die Riesigen Konzerne einfach nciht genug...
Und auch das Fernsehen ist ein Teil unserer Kultur - und ist ein Dienstleistungsbetrieb, der mit GATS nicht mehr subventioniert werden darf...
Ich red schon wieder zuviel. Ist das überhaupt verständlich, was ich da meine?
Autor: Lanie
« am: 24. Oktober 2003, 12:56:05 »

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, aber vergiss nicht auch dir an die Nase zu fassen, wir sind alle Kinder des Konsums.
Autor: Guntram
« am: 15. Oktober 2003, 12:38:29 »

Um mal bei der Kunst zu bleiben (das ganze läßt sich aber so finde ich auf Kultur übertragen), das Ganze ist selbst für den der sich dafür interessiert nicht mehr zu überschauen.

In Musik, Malerei, Architektur, um nur mal die drei stellvertretend zu nennen, gibt es so viele Stilrichtungen das es keiner mehr überbickt. Trend scheint nur zu sein immer auffälliger mit dem Zwang sich von anderen abzuheben. Was ankommt (komerziell) wird sofort kopiert. Was zurück zur Kultur führt. die Zeit ist aufgrund des Komerz-Druckes so schnellebig geworden, das keine Zeit bleibt sich mit dem Neuen in Ruhe zu beschäftigen weil sofort etwas Neuers da ist.

Sinngemäß wiedergegebens Interview mit einem Schüler

F: Was hast du für ein Handy?
A: Model ..., aber ich brauche jetzt bald wieder eine Neues.

F: Warum?
A: Das ist nicht mehr in es gibt jetzt das ... ist viele besser.

F: Wie oft wechselst du auf eine Neues?
A: So alle halbes Jahr.

F: Die sind doch nicht billig, wer zahlt das?
A: Irgendwie bekomme ich das Geld schon bei.

Ich glaube das zeigt besser als alle Ausführungen wie es um Kultur, Gesellschaft, Werte, Konsum bestellt ist.
Autor: Sandra
« am: 15. Oktober 2003, 10:18:29 »

 :-[ In Rage geschrieben ist der richtige Ausdruck...
Dabei habe ich bei diesem ominösen Artikel von GK, wo er "das Böse" für Unkultur verantwortlich macht, eigentlich genau das gleiche gesagt, wie Du jetzt: Die Möglichkeiten, sich dem zu verweigern, sind gegeben - man muss es nur TUN. Trotzdem bin ich seitdem irgendwie aufmerksamer geworden, und auch selbst immer pessimistischer. Wenn man nichts mehr zu sehen bekommt, das zumindest handwerkliche Qualität aufweist, ganz zu schweigen von inhaltlicher - woran soll man sich orientieren, als Konsument? Ich sehe, dass (In sogenannten Intellektuellen Kreisen) "Künstler" gelobt werden, für eine gute Idee, und trotz mangelhafter Umsetzung. Die Umsetzung krankt, weil eben einfach das Handwerk nicht stimmt, die Grundierung. Das ärgert mich sehr.  
Aber das Handwerk ist bei "Inhalten" nicht mehr so gefragt. - Ebenso wie jeder Gouverneur werden kann, der sich in den Medien gut darstellt, kann auch jeder "Künstler" werden, der eine (!) gute Idee hat. Handwerk gehört nicht mehr zum Deal - das ist nur noch in der Wirtschaft nötig.

Ich habe zunehmend den Eindruck, dass das vor allem daran liegt, dass das  Handwerk  als Grundlage für Inhalte uninteressant geworden ist,  das "Publikum" hat ja keine Möglichkeit, das einzufordern.  Weil sie nie sehen können, was gutes Handwerk ist - ausser bei den Dingen, wo die Inhalte uninteressant sind. Als ob Handwerk und Inhalt gleichzeitig nicht existiert.

Die Menschen bekommen  zudem auch garnicht das Instrumentarium in die Hand , um entscheiden zu können, ob etwas Sinn macht, weiterführend ist oder nicht - weil sie nirgends sehen und lernen können, ob das was sie vorgesetzt bekommen, auch fundiert ist.

Es splittet sich in zwei Teile, das gesamte kulturelle und auch künstlerische Leben: Der Teil, der gutes Handwerk ist - und nciht mehr, (also zB Action-filme, amerikanische Sitcoms, Musicals oder gewisse Modern Dance-Abende) - und der als "Kunst" und "Kultur" gelobt wird, nur weil er handwerklich perfekt ist und der Teil, der gute Ideen hat, die zum Nachdenken anregen, die andere Sichtweisen aufzeigen - der aber handwerklich unter aller Sau ist. (Schlingensief, Underground Künstler-Gruppen wie zB Gelatine, off-off-Theater)
Dann gibt's noch ein Zwischending, wo sowohl Handwerk als auch "Message" (um es mal so banal auszudrücken) so halbherzig "okay" sind. "Wir sind Helden", zB - ganz gute Ideen, immer wieder mal dazwischen haben sie es sich "leicht gemacht", und musikalisch so "jo, eh okay", keine Perfektion, aber eben zumindest auch nicht totaler Schrott (und wenn man das dann sieht, ist man direkt froh und wird Fan, denn die Ansprüche sinken ja)  - und wie gesagt, wenn mal einer kommt, der  in Handwerk und Inhalt fundiert ist, wird er sofort von der Industrie umarmt und banalisiert.
Und weil das "Publikum" keine Vergleichsmöglichkeiten bekommt, frisst es das alles, ohne zu merken, wie es selbst dabei banalisiert wird.

       Klar, das hat es immer schon gegeben.

Aber durch die Massivität, die es jetzt in der Entwicklung bekommt, gibt es immer weniger Raum für Nischen, wo sich etwas Eigenständiges entwickeln kann, wo man die Möglichkeit bekommt, auch als Publikum zu "lernen" wie man beurteilt. Man wird durch die ausschliessliche Einwirkung der Massenmedien und der Industrie zunehmend kritikunfähig gemacht - und das ist die Entwicklung, die ich sehe und vor der ich mich fürchte.
Und solange der Staat die Möglichkeit nützen würde, da in kleinem Rahmen gegenzusteuern,( zB bei Verlagen unterstützend zu wirken) hat man zumindest einen Rettungsanker - und genau das kann durch GATS der Staat dann nciht mehr tun.
Nicht nur das!
Bisher konnte man noch sagen, die kleine bis mittelgrosse Wirtschaft kann diese Rolle vom Staat übernehmen - denn die sind die Einzigen, die letztlich an einem "mündigen" Bürger interessiert sind. Nur: Durch GATS wird auch diese verschwinden, und die Weltkonzerne werden immer mehr übernehmen.
Und die grossen TNCs sind nicht an mündigen Bürgern interessiert, sondern an braven Konsumenten
Autor: Guntram
« am: 15. Oktober 2003, 07:43:48 »

Ich habe mal die Begriffe Kultur und Definition bei Google eingegeben. Neben fast nur Schrott kam aber auch folgendes heraus, was mir sehr gut gefällt:

Kultur ist alles.
Alles ist Kultur.

Mit dem Nachsatz: Es gibt viele Definitionen von Kultur, und viele sind auch brauchbar.

Ich denke Kultur umfaßt alles was wir tun und erschaffen. Sie definiert eine Gesellschaft.

Kunst ist ein Teil unserer Kultur.

Das Niveau unserer Kultur und damit der Kunst ist ein anderes Thema.

@Sandra du hast dich ja ganz schön in Rage geschrieben. Aber ich gebe dir recht der Trend geht eindeutig nach unten. Aber der Mensch an sich ist bequem und wenn die Masse nach Musikantenstadl, Bohlen, Talkshows oder Party-Party kreischenden Tennies verlangt wird sie sie bekommen.

Ob das erstrebenswert ist, darüber machen sich die wenigsten Gedanken. Aber man muß ja nicht mitmachen. unsere heutige Kultur bittet die Möglichkeit dazu.

Wenn man die Gesellschaft an sich ändern möchte muß man bei der Erziehung unserer Kinder ansetzten. Den hier werden die Maßstäbe für die Zukunft gesetzt. Denn die wenigsten werden ihre liebgewonnen Gewohnheiten aufgeben. Zu befürchten ist aber eher, das sie diese Gewohnheiten an ihre Kinder weitergeben.

Aus dieser Sicht ist eher Pessimismus angesagt.

Apropos Unkultur: Ich bin vor einiger Zeit, am späten Nachmittag in eine Kindersendung reingerutscht (Zeichentrick aus Japan). Kleine Kinder im Grundschulalter erleben irgendwelche Abenteuer. Eigentlich nichts schlimmes. Aber eines der Kinder hatte eine mehr als auffällige Ähnlichkeit mit Hitler (mit Bart und Uniform). Da kam mir dann wirklich das kalte Grausen.
Autor: Sandra
« am: 14. Oktober 2003, 23:05:53 »

Der Kunz...hm...auch so eine Intelligenzbestie... naja, aber das nur nebenbei, der Matejka hat (hatte) schon recht - zu seiner Zeit.
Aber Kultur ist ja eben nicht nur  brav inszenierte Oper und Konzerte - ganz im Gegenteil. Kultur ist auch: Wie spricht man miteinander, was sind "Manieren", wofür hat man Schamgefühl (ist ja auch ganz unterschiedlich in den verschiedenen Ländern), was isst man, wie grüsst man sich, wie kleidet man sich, wie hält man's mit der Pünktlichkeit, was liest man, worüber lacht man, kurz: wie sieht man die Welt und was sind die in einer Gesellschaft "allgemeinen" Interessen, Diskussionen, was ist die Lebensart.
Das bedeutet aber auch: wer sprengt welche Grenzen und wie. Wie läuft die Entwicklung und wohin. Deswegen ja: Opern und überhaupt die sogenannte "Hochkultur" findet sicherlich weiter Sponsoren in der Wirtschaft. Aber was ist mit der Subkultur? Was ist mit der jungen Kultur? Der neuen Musik? Wir verMusikantenstadln total - und zwar auch in Deutschland.  Jeder stellt sich lustige amerikanische Comixfigürchen in sein Heim und lässt ansonsten den lieben G*tt einen guten Mann sein. (kurzfristig auftauchende Aussenseiter werden schnell mit viel Geld mundtot gemacht - zur Massenware erklärt überlegt sich keiner mehr genau, was sie eigentlich mal gesagt haben - siehe zB eminem)
       Die Zillertaler Schürzenjäger haben keine Probleme - die bleiben auf einem Niveau, das niemanden verletzen kann. Aber was ist mit der Avantgarde? Und die Avantgarde war bisher immer der Teil der Kultur, der unsere Zukunft vorweggenommen hat, die Gegenwart ist so, wie es die Avantgarde vorausgesehen hat. In Film, Theater, Musik, Architektur und Wort. Nur weil wir es noch nicht verstehen, heisst noch lange nicht, dass es keinen Sinn macht, zu unterstützen. Warum finden wir es alle so fein, wenn man sich immer mehr nach "unten" orientiert? ???
WArum ist es so unmodern geworden, zu denken? Schauen wir uns nur weiter an, was amerikanische angepasst-serien uns als "Lebensart" zeigen, und vergessen wir doch weiter, was eigentlich unsere ureigene Kultur war - in jeglicher Kunst, in der Nahrung, in der Art, wie wir wohnen, schlafen, ficken, miteinander umgegangen sind. Dann isses wurscht, wo wir leben - dann gibt es nur noch Einheitsbrei mit dem wir alle gefüttert werden, bis wir nur noch den Mund halten, und Kauf-Vieh und Stimm-Vieh sind. Den Transnationalen Konzernen kann das nur recht sein. Und wir haben endlich unsere Ruhe.
Autor: joelli
« am: 14. Oktober 2003, 21:38:01 »

Was ist Kultur?

Johannes Kunz im Gespräch mit Viktor Matejka (letzterer auf die Frage, was ihn an der österreichischen Kulturpolitik stört):
„Das Getue, das damit gemacht wird. Denn heute redet jeder Schnösel von Kultur.
Als ob das also sozusagen das Um und Auf wäre. Schauen sie, Kultur ist längst ein Geschwätzthema geworden. Was Kultur heisst, fängt doch bei mir ganz wo anders an, nicht in der Oper, im Theater oder beim Film(...), das wichtigste wäre, dass alle ein Dachl über dem Kopf haben.“

Und dann fällt mir noch Brecht ein:
„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Kultur.“ (oder so)


Autor: Sandra
« am: 14. Oktober 2003, 10:59:56 »

Wow. Zunächst mal bin ich positiv überrascht, dass ja doch Menschen sich die Mühe machen, das alles zu lesen, was ich so "in the wee small hours" dahinschreibe. Danke, Stroganoff.
Und dann - auch für diese Seite nicht ganz uninteressant - GATS betrifft auch Kultur und Kulturförderung. Wenn man sich jetzt überlegt, welchen Stellenwert der Kultur in unseren Landen so eingeräumt wird, dann lässt das auch erschauern. In Deutschland sieht man heute schon recht gut, wohin das langfristig führt, wenn einem die Kultur gleich weggebombt wird - früher gab es Goethe heute gibt es Bohlen, pointiert gesagt - und weiter bedenkt, dass die USA grösstes Interesse daran haben, Europäische Kultur zu minimieren: Wenn schon EU, dann bitte amerikanisch! (Es ist ja auch kein Zufall, dass im Irak auch kulturelle Denkmäler vernichtet wurden - einem Volk  ohne sichtbare und er-lebbare eigene Kultur kann man leicht die eigenen Werte reindrücken.)
Wenn also langfristig Minderheitenkultur (die bekanntlich ein Vorläufer ist) nicht mehr subventioniert werden darf, dann gibt es bald nur noch "Dumm und Dümmer" und Naddel for President. Der (leider gerade verstorbene) Medienkritiker Neil Postman hat meiner Meinung nach völlig zu Recht bemerkt, dass Fernsehen nicht für dumme Menschen ist, sondern dumme Menschen produziert. Und wenn nicht der Staat in die Verantwortung genommen werden kann, dieser Entwicklung des freien Marktes auch bei der Kultur gegenzusteuern, wer sonst? Eine Firma wird sicherlich nicht unterstützen, was nur wenige Menschen anspricht.... Aber gerade das, was vorerst nur wenige Menschen anspricht, ist der erste Schritt zur Zukunft, zur Entwicklung, zum mündigen Denken - meint Ihr nicht?
Übringens führt das zu einer, wie ich meine, nicht ganz uninteressanten Frage: Was alles IST Kultur?
Autor: Guntram
« am: 13. Oktober 2003, 07:27:23 »

Das erschreckende in diesem Falle, finde ich, ist die Nichtinformationspolitk.

Aber es ist wohl in allen Staaten Trend den Bürger nicht zu fragen. Die einzigen die das drauf haben sind die Schweizer.
Autor: joelli
« am: 10. Oktober 2003, 21:05:18 »

Privat oder Staat, das ist hier die Frage.
Ich glaube, man kann das nicht allgemein beantworten. Die Privatisierung der Telefoniererei hat meines Erachtens aussschliesslich Vorteile gebracht. Die Privatisierung der britischen Bahn wohl ausschliesslich Nachteile.
Wenn man übrigens die Stromerzeugung von Anfang an völlig privat gestaltet hätte, gäbe es wohl kein einziges Atomkraftwerk, weil sich die Versicherung für den GAU keiner leisten hätte können.
Und was die EU-Richtlinien betrifft: Es gibt ja auch den Stabilitätspakt (3% Defizit), und keiner hält sich dran.
Papier ist geduldig und die ärgsten Staatsbeamen sitzen heute in Brüssel und verursachen dort eben den dümmsten Furz.
Autor: Stroganoff
« am: 09. Oktober 2003, 22:59:59 »

Hier ein Auszug aus Sandras "Open Diary":

Quote (selected)
14.Februar 03Warum gibt es noch keinen Aufschrei wegen der GATS Verhandlungen?
Das GATS ist die massivste Bedrohung im Wohlergehen jedes Einzelnen Bürgers seit der Erfindung der Steuern.
Es handelt sich um recht unschuldig klingende Verhandlungen der Europäischen Union zum Thema Dienstleistungen.

Konkret geht es darum, dass ALLE Dienstleistungen privatisiert werden MÜSSEN. Das heisst aber auch: Wasserversorgung, Strom, öffentliche Verkehrsmittel, Schulen, Krankenhäuser etc.
Und das heisst, dass all diese Dinge nicht nur einem freien Markt unterworfen werden, was auf den ersten Blick ja nicht so schlimm klingt, sondern ganz konkret bedeutet es, dass die Leiter dieser Unternehmungen keinerlei Verantwortung gegenüber ihren Kunden haben. Sie können die Preise erhöhen wie sie wollen, sie können die Nachfrage bedienen oder auch nicht, sie können - wenn es rentabler erscheint - zum Beispiel ganze Landstriche ohne Wasserversorgung lassen.
Es gibt inzwischen weltweit etliche ziemlich erschreckende Beispiele, was passiert, wenn zB der Zugs- oder Postbusverkehr privatisiert werden, oder der Strom. In Californien hat es mangelhafte Stromversorgung gegeben, täglich wurde bis zu 90 Minuten lang der Strom abgestellt: Die Firma hatte einfach nicht genug eingekauft, tja, Pech.
In London gab es massive Probleme mit dem Nahverkehr. An der Sicherheit wurde gespart - es gab Unfälle. Züge zu weniger profitablen Gegenden wurden einfach eingestellt - ganze Landstriche waren ohne Zugsversorgung. Es gibt hunderte solcher Beispiele. Auch mit der Wasserversorgung.
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen privaten Wasseranbieter, der der Meinung ist, es ist zu teuer, in Ihre Almhütte Wasser zu liefern. Entweder die Wasserpreise steigen für Sie in's unermessliche, oder er schaltet einfach das Wasser ab. Oder der Anbieter findet, die Wasserreinigung sei nicht kostendeckend. Weg damit. Vielleicht macht er es erst mal, und lässt Sie das nicht wissen - dann merken Sie es erst, wenn Ihre Kinder allerlei Krankheiten vom Wasser bekommen. UND DER DARF DAS!

Es erstaunt mich masslos, dass diese Verhandlungen derzeit so wenig beachtet werden. Denn die Industrie macht selbstverständlich Druck, dass das Abkommen durchgeht. Und die EU ist geneigt, diesem Druck nachzugeben. Und wohlgemerkt: Es geht nicht darum, dass die Länder ihre kommunalen Dienstleistungen privatisieren DÜRFEN. Es geht darum, dass sie MÜSSEN.


Das klingt ja ziemlich besorgniserregend.

http://www.attac.de/gats/index.php

Was hat sich da in den letzten Monaten getan?
Wie denkt ihr darüber? Vielleicht nur vorschnelle Panikmache? Dass die Privatisierung von Wirtschaftszweigen auch Vorteile mit sich bringt, ist eine Sache. Eine andere Sache ist die, dass mit dem EU-Beschluss oder halt national trotzdem noch Gesetze gelten, die die Firmen zu den Prinzipien wie "grundlegende Versorgung" verpflichten.

Aber ich weiß es nicht.