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Autor Thema: Die Opfer von Lampedusa und wie man mit ihnen umgeht  (Gelesen 2125 mal)

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Offline Bastian

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Den Menschen, die die Flucht nach Italien überlebt haben, droht die Abschiebung und eine Strafzahlung von bis zu €5000,-.

Die Flüchtlinge aber, die vor Lampedusa ihr Leben verloren haben, hat Italiens Premierminister Enrico Letta feierlich zu italienischen Staatsbürgern erklärt.

Was ist das für ein Signal?
Geht es noch zynischer? Höhnischer?

Offline Heiko

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Re: Die Opfer von Lampedusa und wie man mit ihnen umgeht
« Antwort #1 am: 11. Oktober 2013, 14:11:46 »
Die Flüchtlinge aber, die vor Lampedusa ihr Leben verloren haben, hat Italiens Premierminister Enrico Letta feierlich zu italienischen Staatsbürgern erklärt.

Erhalten die Angehörigen dadurch nicht ein Nachzugsrecht?
Nur wer aus der Rolle fällt, rollt aus der Falle.

Offline Bastian

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Re: Die Opfer von Lampedusa und wie man mit ihnen umgeht
« Antwort #2 am: 22. Oktober 2013, 01:54:28 »
Gute Frage. Ich weiß es nicht.
Man kann nur hoffen, dass die Angehörigen entsprechend informiert werden - auch über ihre Rechte. Und dass sie rechtlichen Beistand bekommen, um diese durchzusetzen.

Letzte Woche war ich mit Tobey Wilson auf Kreuzfahrt im Mittelmeer. Die Tour ging eine Woche lang von Piräus nach Malta, und wir gaben den Abschlussabend (vergangenen Samstag, 19.10.). Zuvor hatten wir jeden Abend am jeweligen Hafen abgelegt und jeden Morgen an einem neuen Hafen angelegt, bzw. lagen entsprechend "auf Reede". Nur von Freitag Abend an ging es hinaus aufs offene Meer, wo wir von Nauplia aus anderthalb Tage lang auf Malta zuschipperten.

Von Anfang an hatten wir die Sorge, dass auf diesem letzten Trip unterhalb Italiens irgendwas passieren könnte. Und natürlich hofften wir, dass wir nicht Zeugen eines Dramas werden würden.

Am Samstagnachmittag hielt das Schiff plötzlich an. Ich sah, wie einige Pasagiere ihre Liegen verließen und an die Reling gingen. Also stand auch ich auf und sah das:



Ein kleines Boot lag neben unserem Schiff. Auf Deck waren keine Personen zu erkennen, es trieb neben uns her.

Kurz darauf machte unser Kapitän eine Durchsage, dass ein - vermutlich führerloses - Fischerboot längsseits liege, und wir unsere Reise auf unbestimmte Zeit unterbrechen würden. Ein Beiboot samt Suchtrupp wurde zu Wasser gelassen und eilte auf das Boot zu. Die Jungs kletterten hinein und stiegen sofort durch alle Luken. Das ganze dauerte einige Minuten, und an unserem Deck wurde es still. Waren dort Flüchtlinge? Bewaffnete? Wenn dort Flüchtlinge waren, waren sie noch am Leben?

Kurz darauf die halb (für diesen Moment) erleichternde Durchsage unseres Kapitäns, dass niemand an Bord gefunden worden sei. Und dass die italienischen Behörden über die Lage des Bootes informiert würden. Er fügte hinzu, dass er hoffe, dass es denjenigen, die sich möglicherweise an Bord befunden haben, gut gehe. Klar ist: Weit und breit war niemand zu finden, den man hätte retten können. Und außer der Abwesenheit der Besatzung deutete nichts auf eine Notlage hin. Im Boot lagen noch Schwimmwesten und allerlei anderes Zeug herum- da war also nichts gekentert, noch war weit und breit jemand erkennbar in Seenot. Also de facto nichts, was man hätte tun können. Wiederum lag es für ein von der Küste abgetriebenes Boot zu weit auf offener See. Das hätte ja schon viel früher jemand bemerken müssen, also schied diese einfache Erklärung aus. Also blieb es seltsam, zumindest denk ich das so.

Ich glaube, wir alle blieben ein wenig ratlos. Natürlich waren wir alle beunruhigt, dieses leere Boot herumtreiben zu sehen. Auch unserem Kapitän konnte man das anmerken. Aber vor Ort gab es niemanden, den wir hätten retten können.

Eine Dame neben mir meinte, dass so kleine Boote oft genutzt würden, um Flüchtlinge zu einem größeren (Schleuser-)Boot zu bringen, das sie dann einsammelt und zur Küste bringt. Die Zulieferer-Hypothese würde auch erklären, wieso die Schleuserboote oft so heillos überfüllt sind.

Ich schreib das alles in Unwissenheit hin und kann nur dokumentieren, was ich gesehen habe. Möglicherweise war es so, wie die Dame sagte. Und möglicherweise, nein, wahrscheinlich ist es ein Hinweis darauf, dass noch mehr Menschen unterwegs sind, als wir registrieren. Vielleicht hört man nochmal davon.

Ich mach für heute mal Schluss.
Ich hab ein Video gedreht, aber das hab ich noch nicht ausgewertet - wenn das denn überhaupt einen Sinn hat...

Aber ich muss sagen, ich war beeindruckt, mit welcher Entschlossenheit unsere Besatzung zu Hilfe geeilt ist. Auf hoher See gelten solche Prinzipien also immer noch.

Grüße
Bastian
« Letzte Änderung: 22. Oktober 2013, 03:27:34 von Bastian »

Offline Heiko

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Re: Die Opfer von Lampedusa und wie man mit ihnen umgeht
« Antwort #3 am: 08. November 2013, 20:55:48 »
Hallo Bastian,
das war sicher beeindruckend. Hoffen wir, dass Kreuzfahrt-Anbieter demnächst nicht genau mit solchem Mittelmeer-Erlebnisfaktor werben werden.

Ich freue mich ja, dass das Thema endlich Aufmerksamkeit erfährt. Aber ich frage schon: warum erst jetzt? Flüchtlingsorganisationen weisen seit vielen Jahren auf diesen Unzustand hin.
Von 2011 ist dieses Stück, das davon ausgeht, dass die Nennung von Lampedusa im Titel ausreicht.


Nur wer aus der Rolle fällt, rollt aus der Falle.

 

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