Georg Kreisler Forum Georg Kreisler (2010)
Mit freundlicher Genehmigung
© Axel Hegmann

* Willkommen

 
 
Willkommen Gast. Bitte einloggen oder registrieren.
Hast du deine Aktivierungs E-Mail übersehen?

Letzte Beiträge

Witz des Tages von steffan
[17. November 2017, 23:15:17]


Fernseh-, Radio-Termine von h-j-urmel
[17. November 2017, 00:55:30]


Zwei alte Tanten Textinterpretation? von h-j-urmel
[14. November 2017, 12:29:00]


Comics (& Graphic Novels) von Burkhard Ihme
[13. November 2017, 21:01:42]


Heute Abend: Lola Blau von Burkhard Ihme
[02. November 2017, 12:50:21]

Herzlich willkommen im Georg Kreisler Forum!

Das Georg Kreisler Forum ist dem Werk des Satirikers, Dichters und Komponisten Georg Kreisler gewidmet. Das Georg Kreisler Forum ist ein Fanprojekt, Sie sind also herzlich eingeladen, Informationen zu Georg Kreisler beizusteuern und an den vielfältigen Diskussionen - auch weit über Georg Kreislers Werk hinaus - teilzunehmen.

"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")



Antworten

Name:
E-Mail:
Betreff:
Symbol:

Verifizierung:
Bist Du ein Spambot?:
Wie heißt Marie Galetta mit Vornamen?:

Shortcuts: mit Alt+S Beitrag schreiben oder Alt+P für Vorschau


Zusammenfassung

Autor: Andrea
« am: 26. Dezember 2005, 15:23:07 »

 :'(Zitat Eric:
Seit meiner KEhlkopf-Rachen-Entzündung vor ein paar Wochen geht das Singen nämlich schlechter,
Du hättest die Weihnachtslieder nicht einmal mehr singen dürfen, Eric. Warum waren die so wichtig? Hattest du da ein Solo?
Ich hatte letztes Jahr im August nach einer Erkältung gleich die Kehlkopfentzündung. Ich konnte nur noch flüstern. Ich hatte wochenlang Sprechverbot, monatelang klang meine Stimme immer noch seltsam. Dann - während der Kur - besserte sich ihr Zustand. Für mich war das Thema erledigt, dachte ich jedenfalls, bis ich im Oktober eine fette Erkältung bekam und die Stimme wieder abstürzte. Ich ließ mich im November in einer HNO-Klinik untersuchen, und die Ärzte stellten fest, dass die Magensäure den Kehlkopf angreift. Jetzt muss ich mich schonen und Tabletten fressen usw. Ich hätte mich gleich während der Kehlkopfentzündung genau untersuchen lassen müssen. Wer weiß, wie lange ich dieses Magensäure-Problem schon mit mir herumschleppe... Ich denke, ich habe es schon ein paar Jahre, denn einen sensiblen Magen hab ich schon sehr lange. Ich hab nicht das Gefühl, dass diese Säure-Blocker helfen. Vielleicht merkt man selbst auch nicht unbedingt, ob etwas hilft. Ich bin ja kein Arzt. Die STimme kommt mir stärker vor, aber ich hab immer noch das Gefühl, dass ich morgens mehr Speichel im Mund habe als mir lieb ist.
Autor: Eric
« am: 26. Dezember 2005, 14:00:12 »

Quote (selected)
@Eric: pass bloss auf mit Deiner Stimme!!!!!!! Schone sie so viel Du kannst!! Denn wenn sich da Knötchen entwickeln, kannst Du's wirklcih vergessen. Daher: Wenn Du rausgehst an die Kalte Luft, immer ein Halsbonbon lutschen, um alles feucht und geschmeidig zu halten, nicht sprechen im Freien, und auch sonst so viel Schweigen wie es nur geht!!! Immer ganz warm um Hals und Ohren und Stirn einpacken!! Besser Du schwitzt, als es ist zu kalt -  Lieber zu viel und zu lange schonen als zu wenig! Das ist echt gefährlich! andrea kann da auch ein Lied davon singen.... (und zwar mit weniger Schmelz in der Stimme als noch vor 1 Jahr...)

Danke, whoknows. Genau so hab ich es auch immer gehalten, aus genau dieser Angst heraus. UND: "I RED NIX" (also fast nix), aber manchmal muss ich halt singen (Wie zuletzt die Weihnachtskonzerte des Jugendtheaters). Aber stimmt schon, ich sollte mich weiterhin gut schonen.

Zum Thema selbst: Nix rausgeben wenn es nicht 100% des Könnens ist, das versteht sich von selbst.
Und tatsächlich ist es so, dass Musik nur dann eben wirklich gut ist, wenn gleichermaßen Seele UND gute Technik vorhanden sind, genau so ist es. Nur eine perfekte Technik zu haben ist sinnlos...

Diese Violistin von der ihr sprecht kenn ich gar nicht sooo gut, um sie zu beurtielen. Rieu - Sein Joker im Ärmel ist, wie er dem Publikum "seine" Musik präsentiert. Das macht er eben auf eine außergewöhnliche Weise, die viele (vor Allem Rentner) anspricht. (So empfinde ich das). Dafür muss er tatsächlich kein super Geiger sein, denn deswegen liebt man ihn nicht.
Autor: whoknows
« am: 26. Dezember 2005, 13:34:16 »

Hihi - ein Klavier kann man in diesem Sinne nur "unsauber" spielen, wenn es verstimmt ist - bei einem Streichinstrument ist da nämlich gemeint, dass der Ton falsch intoniert ist.
Aber natürlich kann man bei Klavier dafür viel leichter " schummeln" - das geht bei Geigen nicht so easy.
Dafür können Geiger unglaublich brilliant wirken, mit kleinen Tricks, wo alle anderen Geiger genau wissen: das ist viel leichter, als es aussieht. So gleicht sich das wieder aus.

Ich bin allerdings nicht soooo der grosse perfektionist - schon, ich für meine Arbeit will es immer so gut machen, wie ich es nur irgendwie hinkriege, und da strebe ich schon nach Perfektion. Ich finde auch, das sollte für jeden Künstler gelten: man soll nicht was "rausgeben" mit dem man nicht voll und ganz zufrieden ist, und weiss: besser kriegt man es einfach nicht hin. Aber es gibt jede Menge "unperfektes" was davon lebt, dass es SEELE hat. Man muss jetzt nicht supertoll genau spielen, und alles klinisch sauber halten - es muss leben und es muss unverwechselbar sein. Und nur schnell herumfudeln - das ist wirklcih nciht meins. Rudolf Buchbinder zB der in Ösiland als das letzte Nonplusultra der Klavierinterpreten gehandelt wird - den finde ich schrecklich: alles perfekt und alles schnell und nix hat Seele, nix hat eine eigene Konnotation - es ist einfach runtergeratscht.
Und Vanessa Mae - eben wie gesagt: für eine Pop-Geigerin ist sie sicherlich gut. Aber für eine Klassikerin eben nicht. Da fehlt halt noch ein Eck. An Tiefe, an Intellekt (in der Musik) an Strich. Bei Klassik ist einfach der Anspruch an das Können und an das Wissen grösser. Vielleicht so, wie wenn man ein guter Allgemeinmediziner ist, aber als Chirurg herumläuft. Oder ein guter Jazztänzer ist, aber Spitzentanz und klassisches Ballett macht. Oder  noch besser: klassischer Thailändischer oder indischer Tanz - wo jede Bewegung einen ganzen Rattenschwanz an Bedeutungen mit sich trägt, die man halt wissen muss.

@ Eric: pass bloss auf mit Deiner Stimme!!!!!!! Schone sie so viel Du kannst!! Denn wenn sich da Knötchen entwickeln, kannst Du's wirklcih vergessen. Daher: Wenn Du rausgehst an die Kalte Luft, immer ein Halsbonbon lutschen, um alles feucht und geschmeidig zu halten, nicht sprechen im Freien, und auch sonst so viel Schweigen wie es nur geht!!! Immer ganz warm um Hals und Ohren und Stirn einpacken!! Besser Du schwitzt, als es ist zu kalt -  Lieber zu viel und zu lange schonen als zu wenig! Das ist echt gefährlich! andrea kann da auch ein Lied davon singen.... (und zwar mit weniger Schmelz in der Stimme als noch vor 1 Jahr...)
Autor: Eric
« am: 26. Dezember 2005, 12:37:32 »

Katinka, ich muss dir vollkommen Recht geben... Der PErfektionismus ist ziemlich beängstigend manchmal und irgendwie finde ich es persönlich langweilig, wenn etwas wirklich "perfekt" ist.

Ist nunmal aber leider so in der Kunst, irgendjemand hat immer was zu gackern und es bildet sich eh jeder ein, sich Urteile erlauben zu können. Das führt beim Künstler am Ende dann zwangsläufig dazu, dass er sich Kritik immer schwerer annimmt und resigniert. Erlebe ich derzeit bei mir selbst... Ich bin wirklich SEHR selbstkritisch und wenn dann noch jemand anderes mit ins Rohr bläst dann passiert es auch mal, dass ich mich hundert Mal in der Woche frage: "Kannst du das eigentlich ?". Dann weiß man ganz schnell nicht mehr wo die Stärken und Schwächen wirklich liegen...

Am Mittwoch kommt dann endlich die Komplettierung meines Heimstudios (Mixer, Studiomikrofon etc...). Dann werd ich das auch wieder haben, dass ich was aufnehme und dann den ewigen Kampf mit mir kämpfe, mich zu fragen ob das wirklich alles ist, was ich kann. "Das muss doch besser gehen", wenn ich mir das selbst sage ist es ein Ansporn, wenn es aber zu viel wird und ich gar nicht zufrieden werde, dann kann es mich auch runterreißen und in meinem Ehrgeiz bremsen.

PS: Bin derzeit eh etwas verzweifelt wenn es um meinen Gesang geht. Seit meiner KEhlkopf-Rachen-Entzündung vor ein paar Wochen geht das Singen nämlich schlechter, es fehlen Töne in der Höhe, es kommt viel Luft und wenig Stimme... Der ganze Mist hatte sich ja auf die Stimme gelegt (der Virus), ich konnte nicht sprechen und hatte auch ein Sprechverbot. Hoffentlich wird das bald besser, sonst sehe ich etwas schwarz für meine "Karriere" auf der Musicalbühne.  :-[
Autor: Katinka Koschka
« am: 26. Dezember 2005, 12:03:46 »

Quote (selected)
..äh...naja, sie spielt leichte Sachen, dudelt herum.

Also "Hocus Pocus" empfinde ich alles andere als "leicht", da ist das Original schon äußerst furious und Jan Akkerman ist ein sehr angesehener Gitarrist.
Manchmal bin ich ganz froh, kein professioneller Musiker zu sein. Es muß doch auf die Dauer frustrierend sein, wenn man überall raushört wenn jemand nicht hundertprozentig sauber spielt ;) Und da ich mir keine E-Geige leisten kann, kann ich leider auch nicht nachvollziehen, inwiefern die sich leichter spielt. Hat doch genau wie die normale Geige keine Bünde und das allein ist für mich schon ein Grund, warum ich regelmäßig an der Geige verzweifele.
Übrigens gibt "O mon dieu Rieu" selber zu, dass er kein berauschender Geiger ist, und das finde ich schon wieder ganz witzig... ;)

Ich weiß auch dass manche Spezialisten über Martin Stadtfeld den Pianisten lästern, er würde unsauber spielen.
Irgendwie ist mir dieser Perfektionismus unheimlich.  :-/ Ich freue mich schon, wenn ich einen Künstler an seiner Art zu spielen erkenne. Stadtfeld erkenne ich zumindest beim Italienischen Konzert wieder, weil er es so schnell wie Glen Gould spielt (nämlich rasend schnell  [smiley=old_grin.gif] )
Und die Vanessa erkenne ich z.B. bei einem Stück an dem seltsam weich gleitenden Stil (weiß leider nicht wie das Stück hieß, war aber was klassisches)
Und den Nige erkenne ich bei den Vier Jahreszeiten 1. Teil auch wieder an der Geschwindigkeit und beim Herbst an seinen eigenen Einsprengseln wie das Flitzbogenknallen...[smiley=old_grin.gif] Und bei seinen Eigenkompositionen hat er sowieso einen recht eigenen Stil...
Vielleicht mag ich deswegen letztlich doch die Rockmusik lieber, weil man bei ihr gewisse Unperfektheit haben darf und trotzdem ein beeindruckender Künstler sein kann. Ein Rocksänger darf auch Falsett singen, wenn er rein klassisch ein Bariton oder Tenor ist. Pastarotti wird ausgebuht, wenn sein hohes C im Falsett landet... ;)
Und Peter Gabriel wird erst durch seinen Kiekser unverwechselbar.. [smiley=old_grin.gif]
Autor: whoknows
« am: 25. Dezember 2005, 19:22:57 »

Also, sorry, da kann ich Dir nicht Recht geben. ja, Nigel Kennedy sagt ganz richtig, dass man von klassischen Musikern mehr erwartet.
Ihre Strichführung ist unsauber  und gleichförmig- nur zum Beispiel. Ihr Ton ist nur deshalb halbwegs okay, weil sie auf ner elektrischen Geige spielt, das ist ein Klacks verglichen mit natürlichen Instrumenten. Aber Intonationsmässig ist sie auch ...äh...naja, sie spielt leichte Sachen, dudelt herum. Wenn sie Kammermusikalisch arbeiten würde, wäre sie noch nciht mal im guten Mittelfeld.
Sie ist ne gute Pop-Geigerin. Das ist sie. Aber als Klassikerin wäre sie auf mehr als verlorenem Posten.
Allerdings: Andre Rieu ist noch wesentlich schlechter, schätze ich mal. Und der Intoniert öffentlich falsch.
Autor: Katinka Koschka
« am: 25. Dezember 2005, 19:11:27 »

Um nochmal auf Vanessa Mae zu kommen. Ich dachte ja bis vor Kurzem, wenn sie nicht gerade was klassisches spielt ist sie im Gegensatz zu Nigel Kennedy eher Pop-orientiert. Aber da hab ich doch vor ein paar Tagen gehört, wie sie "Hocus Pocus" von der niederländischen Progressivrockband Focus gespielt hat...JUNGE GING DAS AB!! Ich kann mir irgendwie nicht so richtig vorstellen, woran man merkt, dass ein Violinist nicht "gut" ist. Ok, sauber spielen alle bekannten Geiger(innen), das ist ja die Grundlage. Aber ich denke dennoch, dass sich die meisten "wahren Kunstfans" von Frl. Mae's rasanten Aussehen abschrecken lassen, so nach dem Motto "wer sich so aufdonnert hat es nötig".
Also ich glaube eigentlich ein gutes musikalisches Gehör zu haben und wenn Vanesschen öfters mal solche Kracher wie Hocus Pocus frickeln würde und nicht wie eine etwas jugendlichere Version des Rondo Veniziano klingen würde, wär das wirklich schön.
Ich halte sie durchaus für talentiert.
Nigel Kennedy beklagt immer, dass von klassischen Musikern eine derartige "Seriosität" verlangt wird, als würden sie gerade "zu der Beerdigung" jener Musiker sein, deren Lieder sie spielen... ;)

Ansonsten ist es natürlich schon etwas gemein, dass man so kommerziell sein muß um aufzufallen. Da braucht man schon einiges an Nerven um die Hand zu beißen die einen füttert... :-/
Autor: Sandra
« am: 19. Januar 2005, 12:38:49 »

Und bei Van Gogh ? Oder bei Mapplethorpe? Oder Bei Shostakovich? Oder bei Adolf Loos? Oder bei Aristide Bruant? Oder bei Marylin Manson? Skandale. Die Leute waren überfordert. Und es hat trotzdem was verändert.

Oder nehmen wir Picasso. Hochgerühmt. Aber: Unterhaltung?

Die Piaf hat im übrigen auch etwas verändert, hatte durch ihre Geschichte einen grenzensprengenden Ansatz. Die Art, WIE sie es machte. Und auch was sie erzählte.

Unterhaltung: auch. Aber nciht nur. Und darstellende Künstler sind noch einmal ein bissel was anderes. Die sollten meiner Meinung nach im besten Falle die Arbeit des kreativen Künstlers durch ihr Verständnis vermitteln und weiterentwickeln.
Nur: "Hach, hübsch, det mach ick ooch. " und halt möglichst massentauglich - daher: simplifizieren! Viel Lack und Farbe dran, für die Kiddies - das ist weder Kunst noch Kultur. Und eben in den Meisten Fällen nicht mal Handwerk.
Autor: Guntram
« am: 19. Januar 2005, 12:27:39 »

Ich habe nichts gesagt, das ein Künster nichts können muß oder das das Publikum nichts erwartet.

Deshalb möglichst kurz:

Kunst kommt von Können. Und wenn er "nur" sein - nicht das - Publikum mit seiner Darbietung fesseln kann.

Ich bin kein Gesangsexperte, aber ich denke ansatzweise an Edith Piaf. Ihre Stimme objektiv gesprochen grauenhaft (Ich höre sie mir trotzdem unheimlich gernen an). Trotzdem hat sie ihr Publikum unterhalten und wurde - wird immer noch - von ihrem Publikum geliebt. Sie konnte trotz schlechter Stimme gut unterhalten.

Das Publikum erwartet immer etwas, nämlich Unterhaltung in irgendeiner Form. Es sieht sich den Künstler an von dem es hofft in der gewünschten Art unterhalten zu werden.
Autor: Sandra
« am: 19. Januar 2005, 12:12:11 »

Nö, also da kann ich Euch beiden aber sowas von nciht Recht geben.
(Es zeigt mir aber auch den Grund, warum jetzt so viele Nichtskönner vor grossem Publikum reüssieren, und als Künstler gelten - zum Beispiel diese Filmemacher von (T)Raumschiff Surprise - wenn das Publikum nichts erwartet, kann die qualität ja nur sinken.)

Erstens mal muss ein Künstler natürlich sein Fach beherrschen. Er muss um die Form WISSEN, um die Möglichkeiten, die die Form bietet (nur so kann man sie auch brechen oder über Grenzen gehen). Er muss sein Handwerk können. Ein abstrakter Maler, der nciht auch figurativ malen kann, wird nie so gut sein - man spürt das einfach. Ein Künstler muss MEHR können, als das, was er macht - er muss "Spielraum" haben, er muss ich für das ENTSCHEIDEN, und nicht nur das halt machen, weil er nix anderes kann.
Das ist mal das reine Handwerk. WARUM sie das haben müssen, erklärt sich aus dem Folgenden.

Es kommt noch was dazu: Er muss etwas SAGEN WOLLEN, mit dem was er macht, und es genau DESHALB machen: weil er etwas ausdrücken will. einfach nur: es verkauft sich, DAS ist bestenfalls Kunsthandwerk.
Das heisst aber: er muss auch etwas zu sagen HABEN - also muss er die Welt reflektiert wahrnehmen. Und je mehr man gelernt hat, je mehr man kennt, desto mehr kann man das, was man sieht auch reflektieren. Bearbeiten, wenn ihr so wollt. Verstehen, und dann aus diesem Verständnis etwas machen.

Ich halte es da mehr mit der philosophischen Definition von Kunst, die besagt, dass Kunst aus einem Aufschrei kommen muss, und aus einem Wissen um die Welt.

Nicht umsonst haben die letzten 2000 Jahre die KÜNSTLER die Welt vorausgesehen,  "gemacht", "verändert.
Die Künstler sehen etwas, stellen etwas vor, und die Gesellschaft macht es nach. Die Künstler sprengen die Grenzen unseres Denkens - und zugleich ist Kunst die Grundlage unseres Handelns, unseres ganzen Lebens.
Sogar die Gesichter der Menschen, ihr AUSSEHEN hat sich nach dem entwickelt, wie die Maler gemalt haben. Das ist nachweisbar, übrigens.
(Mode, Bauten, Wissenschaft - es gibt schon eine "Teilchenübertragung" , und sie nennen es: beamen, und im Moment versuchen sie, einen besonders schnellen antrieb zu entwickeln. Masseinheit: "Warp", das sind nur aktuelle Beispiele - es war aber immer so: alles beruht auf dem, was Künstler vorgedacht haben.)

Kunst und Kultur  (auch Volkskultur, Andrea - aber eben nicht volksdümmliche Musik) sind damit die Basis und der Boden für das funktionieren einer Gesellschaft. Nicht umsonst sprengen die Amis bei Kriegen auch gerne mal das eine oder andere Teil weg, dass von Künstlern gemacht wurde, und wesentlich für das kulturelle Selbstverständnis des jeweiligen Volkes ist. Nicht grundlos haben sie die ganzen künstlerischen Bauwerke zB in Dresden weggesprengt - nimm einem Volk seine Kultur (und also auch seine Kunst) und Du kannst ihm ganz leicht die eigene Aufpfropfen.
Hat in Deutschland ja auch hervorragend funktioniert.
Im Irak haben sie dasselbe gemacht: Kunst (Musik, Theater, Literatur, Architektur, Mode,  Bildende Kunst, in weiterer Folge dann auch Film) wird  in den folgenden Jahren zum kulturellen Boden der Gesellschaft. Man definiert sich als Volk über seine Kunst. Dann wird sie Geschichte. (Denkt nur an Filmzitate, die alltäglich sind, an berühmte Bauten, an Mode, an Bilder, die zu Synonymen geworden sind) Und dann wird sie DAS VOLK SELBST.
Auch Namen von Künstlern. Gerade in Europa ist das extrem stark. Das alles ist der Boden, die Grundlage eines Selbstverständnisses als Gemeinschaft, als Volk. Und der Mensch braucht Gemeinschaft.(wie Basti im anderen Thread sehr richtig sagt: der Mensch braucht Anlehnungspunkte, Dazugehörigkeitsgefühle.)
Das gibt ihm Kunst. Denn Kunst ist Geschichte und Kultur. Nicht Wirtschaft.

Daraus folgt, dass Künstler sehr wohl eine Verantwortung haben. Und dass es sehr wohl eine Art Bildungsauftrag ist - ein zukunftsbildender Auftrag.

Und dass es schon recht hilfreich ist, wenn Künstler mehr wissen, als Otto Normalverbraucher - vor allem: dass sie sich mehr (und umfassender) Interessieren.

Denn ich würde mal sagen, dass ein Bully Bulhan jetzt nicht gerade der stärkste gemeinsame Nenner von einem Volk sein kann.
Der KANN nämlich nicht mehr, als möglichst albern und blöd sein, und er hat die Härte, das auch zu zeigen. Aber die klassische Vorbildwirkung, die Künstler haben, ist dennoch auch bei ihm gegeben - weil wir so konditioniert sind. Wir können ein taschentuch verwenden, weil wir gelernt haben, dass man sich damit den Mund abwischt. Und wir haben genauso gelernt, dass Kunst vorbildwirkung hat. Wir machen es nach. Bewusst oder unbewusst. Es fliesst ein in unser Selbstverständnis.  Super Aussichten.

Mit einer Ansicht wie der Euren, Guntram und Maexl, die ja derzeit gerade in Deutschland absolut vorherrschend ist (nur hier werden philologische Universitäten zugunsten von wirtschaftsuniversitäten geschlossen, nur hier wird der Kunst so sehr der Geldhahn abgedreht, und es geht NUR NOCH um massentaugliche Unterhaltung - die per definitionem etwas anderes ist) mit einer solchen Ansicht grabt ihr dem deutschen Volk das ab, was es "gemacht" hat. So wird ihm der Boden entzogen, und es wird zu Stimm- und Kauf-vieh, dass klaglos dem stärksten Leithammel folgt. In diesem Fall den transnationalen (i.e. amerikanischen) Konzernen.


Autor: Maexl
« am: 19. Januar 2005, 10:26:55 »

guntram, schon eher meine meinung...

aber warum wird die kunst so penetrant eingeschränkt?

ein künstler macht doch nur das, was er nach seinen empirischen ansichtigen für wichtig hält.

was das publikum macht.... nicht seine sache
ob es ein publikum gibt .... uninteressant

wichtig ist, dass er das eigene macht.

künstler ist jeder.

ob mit wahrnehmenden volksorganen oder nicht.... der unbewunderte ist der größte.

stell dir vor....:

ein mensch sitzt
in einem raum
denkt nach
stellt sich was vor
hat sich gerade eine karrikatur über hitler ausgedacht.
wem nützt das?
jedem.
wer nimmt das wahr - nur er.
wer profitiert davon?
das ganze universum.

schrecklich falls nicht
wozu lebt man sonst?

gedanken & papier ist geduldig.
hohes ansehen und posten kurzweilig.

wenn sich das publikum schon zu lebzeiten daran ergötzt... pech gehabt. dann wird der künstler vielleicht wohlhabend, halst sich sorgen auf, neid.
lieber eigen (nicht arm - an integrität in der eigenen gesellschaft jedenfalls nicht. - für andere vll. schon).

pff: und zu eurer diskussion ob gut oder schlecht.
schlecht gibts nicht.... es ist alles eine einzige selbstverwirklichung... höchstens unglücklich, das schon eher.
schlechte musik? was ist das? gibts nicht!
alles andere ist selbstverschuldete unmündigkeit (kant). oder ein exibitionistisch exerziertes geltungsbedürfnis.

@Alex... das Stück finde ich auch wirklich toll. ich übe grad das 123? Nr.3, also das Rosamunde. Eigentlich etwas für kitschjäger wie brendel... aber schubert spielt er :-.? *lol* naja, was wäre die welt ohne kitsch? - nichts wäre sie.
wodurch hat schubert eigentlich die einzelnen stückarten voneinander abgegrenzt?
für mich sind impromptus, mom. musicaux, sonaten und phantasien alle das gleiche... man findet in allem teile aus liedern, alles genial... habe als mein onkel da war von ihm die letzten sonaten, die wanderer-phantasie, moments musicaux, 2 impromptus - müssten auch Nr. 3 und 4 aus dem Op.90 gewesen sein von ihm gehört ... alles fällt einem aus der form entgegen. => tötet die form.
Autor: Guntram
« am: 19. Januar 2005, 07:34:13 »

Warum muß jemand der auf der Bühne steht/sitzt und etwas darbietet - Text, Gesang, Instrumentalvortrag, Tanz usw. - einen Bildungsauftrag haben?

Von wem hat er diesen Auftrag? Wohl vor von sich selbst oder?

Wieviel %o aller Künster/-innen beanspruchen das für sich?

Der Auftrag des Künsters - aus Publikumssicht  - ist zu unterhalten. Und das ist glaube ich seit Urzeiten so. Wenn bei "ursprünglicheren" Gesellschaften (bitte nicht falsch verstehen, aber mir fällt keine bessere Formulierung ein) gesungen und getanzt wird dann doch um zu feiern (sich zu unterhalten), um eine Gegenprogramm zu Alltag zu bekommen oder aus religiösen Motiven oder der Kombination aus beidem.

Warum muß ein Künstler ein IQ von 180 und ein Hochschulstudium mit exellenter Allgemeinbildung haben wenn er doch nur eins soll: unterhalten?

Das Publikum will im allgemeinen nur unterhalten werden. Wenn einige wenige Künstler auch noch zum nachdenken anzuregen wollen, dann weiß das das Publikum in vorraus.  Denn jeder geht doch nur zu einem Auftritt, wenn ihm das zu erwartende nicht von vorne herein interessiert.

Um sein Publikum zu unterhalten muß ein Künster also nur das können, was er darbietet. Hat er noch mehr Qualitäten ist das für ihn nur von Vorteil. Je besser er ist, desto mehr Publikum wird er haben und desto bekannter wird er (zumindest in der Theorie). Das ist harte Arbeit.

Das Fernsehen bietet inzwischen einige Abkürzungen (leider), aber nur wer wirklich gut ist - gut sein Publikum unterhält - wird über längere Zeit (mehr als 1-2 Jahre) auch bekannt bleiben.

Ich schränke das "er muß gut sein" noch ein. Er muß es schaffen SEIN Publikum an sich zu binden, damit es zu SEINEN Auftritten kommt und Geld dafür ausgibt um IHN/SIE zu sehen oder zu hören. Aber auch dafür braucht man ein Talent und muß gut sein.
Autor: Andrea
« am: 19. Januar 2005, 03:47:12 »

Er sollte wissen, wie das, was er tut, auf sein Publikum wirken kann. Er sollte wissen, was er mit dem, was er darbietet, erreichen - oder besser - bewirken möchte. Ich glaube, eine Selbstreflektion ist das Wichtigste für einen Künstler, egal, für welches Programm, für welche Darbietung (klassische Darbietung, Chanson, Liedermacherei, Pop, Rock...) er sich entscheidet.
Ich kann mir nicht vorstellen, was in einem Volksmusikschaffenden vorgeht. Für mich ist das Prostitution pur. Kann es jemandem ein ernsthaftes persönliches Anliegen sein, Volksmusik oder volksmusikmäßig arrangierte Schlager zu singen, zu spielen... Okay, die Musiker werden dafür bezahlt, dass sie den Interpreten begleiten. Aber das ist doch so als müsste ich wieder als Zuschauerredaktörin arbeiten. Das wär für mich psychisch nicht gesund. Deshalb glaube ich, diese Art von musik zu spielen, kann für niemanden die Erfüllung sein. Aber vielleicht irre ich mich. Vielleicht wird derlei Musik von Leuten gemacht, die eben auf diesem Niveau sind.
Autor: Dagmar
« am: 19. Januar 2005, 01:21:08 »

Quote (selected)
Wie kann man sich als Künstler identifizieren, wenn man  Instrumentalist ist und zudem die meiste Zeit damit verbringt, Musik von Toten zu interpretieren,


Ich persönlich glaube, dass es kein Unterschied ist, ob der Künstler instrumental spielt oder z.B. Sänger ist. Immer wird doch das Stück interpretiert: Mit der Stimme und genauso mit dem Instrument. Und ob der Komponist tot oder lebendig ist, ist nachrangig, denn:

In beiden Fällen finde ich gilt das, was ich schon hier gesagt habe: Ich finde es notwendig, sich mit dem Komponisten zu beschäftigen: Wer war oder ist das, wie hat der gelebt oder lebt der, was ist das für ein Stück in welchem Zusammenhang in welcher Phase seines Lebens ist das Stück entstanden, usw. Also wirklich etwas zu wissen über das Stück.

(
Quote (selected)
Was muss ein Künstler wissen?
nichts. wozu auch?
Sorry Maexl, aber das finde ich sehr falsch und leider  muss ich sagen :-* auch ziemlich unreflektiert!)

Auf der Basis dieser Beschäftigung entsteht doch Kenntnis und Verständnis, aber auch Abgrenzung, anders sein und anders sehen. Und daraus erwächst langsam langsam - ist zumindest meine Erfahrung - die eigene Interpretation. Diese hat eine Brücke zum Komponisten und eine Brücke über einen selbst hin zum Publikum. Also so erlebe ich das jedenfalls. Und der gute Brecht ist nun auch schon lange tot  ;)
Autor: Sandra
« am: 19. Januar 2005, 01:14:57 »

Andre Rieux (oder wie der sich schreibt) spielt auch klassische Musik von toten Komponisten. Trotzdem glaube ich, dass ein Rachlin oder ein Bell mehr Verantwortung hinsichtlich des "Bildungsauftrages" übernehmen...
Autor: Alexander
« am: 18. Januar 2005, 20:04:59 »

Zur Musik der Toten:

Ich habe am 17.12.2004 ein Konzert in München (vor wenigen Leuten) gegeben, mit eigenen Liedern. Aber im ersten Teil habe ich auch Franz Schuberts Impromptus op.90/1 gespielt. In keinem Augenblick des Konzerts habe ich mich so zu Hause gefühlt wie beim Spielen dieser Musik. Es waren die Momente in dem Konzert, wo ich intellektuell am allerwenigsten wußte. Meine eigenen Lieder waren mir lange nicht so nahe. Das ist sicher psychologisch erklärbar, aber es sagt auch viel aus über die Musik der Toten, von der hier geschrieben wurde. Bald danach war Pause. Einige haben geweint. Sage mir nie mehr jemand etwas über die Vergänglichkeit der Musik der Toten ...
Autor: Maexl
« am: 18. Januar 2005, 18:53:15 »

Was muss ein Künstler wissen?
nichts. wozu auch?
er behält sich nicht die eigenständigkeit, die ihn zum "künstler" macht und er begibt sich in vorgeformte interpretationsmuster... langweilig, wie gut auch immer.
neu, aufregend, eigen, abstrakt und glaubhaft solls sein.

egro:

bleibe unabhängig vorm abhang der abhängigkeit stehn
hier lohnt sichs bei Leibe nicht mehr weiter zu gehn
sei dein eigener held
in deiner eigenen welt
Autor: Haraldi
« am: 18. Januar 2005, 18:42:43 »

Quote (selected)
Darf ich meine Frage noch mal wiederholen (denn es ist mir ernst...)

Wie kann man sich als Künstler identifizieren, wenn man  Instrumentalist ist und zudem die meiste Zeit damit verbringt, Musik von Toten zu interpretieren, deren Lebensgefühl heute nimmermehr nachvollziehbar ist.
Wenn eben die "eigene" Musik (noch) nicht das ist, was man will, was man aussagen will oder rüberbringen will.


Ich kann da nun nicht DIREKT was zu sagen, aber indirekt schon.
Wenn die Musik des toten J.S.Bachs in meine Ohren dringt und sie Zugang zu meiner lebendigen Seele findet, entsteht je nach Stimmung und Weihe eine neue Klangwelt, die mich auf ihre, dann ganz und gar lebendige, Weise berührt. :-*
Ich denke mir, dass der lebendige Künstler den toten Meister mit seinem So-Sein würzt und damit etwas Neues erstehen lässt, etwas Nie-So-Dagewesenes. ???

Autor: Bastian
« am: 18. Januar 2005, 18:38:42 »

Ich denke, als Instrumentalist, der die Musik von Toten spielt, steht man gar nicht übel da.

Man kann die Lebenswirklichkeit von damals nicht mehr so nachvollziehen, aber für das Publikum gilt ja dasselbe, also wird kaum ein Toter den Kopf schütteln. Gleichzeitig steht man mit der "reinen Kunst" (Ohgott!)da, losgelöst von den damaligen Zwängen und Umständen, und kann interpretatorisch eigentlich aus dem Vollen schöpfen. Das Werk zeigt sich heute so, wie es heute ist. Und heute spielt man es zum Beispiel so.

In der Instrumentalmusik werden ja auch ganz andere Dinge vermittelt: Es gibt keinen Text, der veralten kann, und keine Revolution, die die Stimme des Instrumentalisten braucht. Eigentlich eine interessante Frage: Welches Wissen braucht eine Flötistin, wenn sie bei einem Requiem mitspielt? Eigentlich ist dieses Wissen nicht an die damalige Zeit gebunden. Auch bei Pastoralen nicht und eigentlich auch nicht bei Tänzen...
Autor: Bassmeister
« am: 18. Januar 2005, 18:20:38 »

Darf ich meine Frage noch mal wiederholen (denn es ist mir ernst...)

Wie kann man sich als Künstler identifizieren, wenn man  Instrumentalist ist und zudem die meiste Zeit damit verbringt, Musik von Toten zu interpretieren, deren Lebensgefühl heute nimmermehr nachvollziehbar ist.
Wenn eben die "eigene" Musik (noch) nicht das ist, was man will, was man aussagen will oder rüberbringen will.
Autor: Sandra
« am: 18. Januar 2005, 11:28:13 »

Das sind die mit Nebenjob.

dagmar und ich haben kürzlich in Berlin einen nachgerade GROSSARTIGEN Abend gesehen: klug, anrührend, innovativ, hervorragend gespielt, nicht eine Sekunde fad - eine Textcollage von Robert Walser, mit ein bissel schrägen Tönen auf diversen (zT selbstgebauten) Instrumenten. Ein-Personen-Stück.

Echt toll. Nicht jetzt RASEND intellektuell, aber schon nicht superleicht.

Ein Schweizer, Andreas Krämer. Der Abend hiess: "Für die Katz".
wir waren beide absolut hingerissen.
Ausser uns waren noch ca 10 Leute da. An einem Samstag!

Der wird wohl noch andere Sachen spielen,Ensemblesachen, so "ganz normale Theaterstücke" für Abonnement-Publikum. Und ab und zu findet er ein kleines Kellertheater, das ihn für die Abendeinahmen (einen Teil davon) engagiert. Das deckt vermutlcih nciht mal die Anreisekosten, weil er hat ein umgebautes Klavier dabei.

Der Abend war das, was ich unter einem guten, soliden, klassischen Theater verstehe - und trotzdem enorm avantgardistisch und modern.

Ich glaube, wenn das Publikum nicht hinten und vorne die Musikantenstadlkomödienpopglitzerscheisse reingeschoben kriegte, so dass sie garnicht mehr gewöhnt sind, einen Abend lang (was heisst: eine Stunde lang!) stillzusitzen, zuzuhören, mitzudenken, wenn es also mehr "intelligentes" Theater gäbe, auch im Fernsehen mehr "intelligente Unterhaltung" - dann wären an diesem Abend vielleicht 60 Leute im Publikum gesessen.

ich weiss nciht genau, was ich damit sagen will, übrigens.
Autor: Guntram
« am: 18. Januar 2005, 07:01:20 »

Von den 2% Künstlern die Haraldi anspricht werden ca. 90% verhungern weil sie mit dem was sie wollen/anbieten kein Geld verdienen und die finanziellen Reserven nicht reichen bis sie berühmt sind. :o
Autor: Dagmar
« am: 17. Januar 2005, 23:43:53 »

Zur Eingangsfrage:

Ich bin schon der Meinung, dass man sich mit dem, was man da auf der Bühne fabriziert, intensiv beschäftigt haben sollte. Wenn man covert - Brecht, Kreisler, Kästner oder wen auch immer - gehört für mich dazu, mich sehr intensiv mit dem oder den Künstlern zu beschäftigen, die das Stück geschrieben haben. Da weiß man dann sicher mehr als das Publikum und - so finde ich jedenfalls - hat auch, allein schon aus Respekt vor den Künstlern, denen das Stück "gehört", eine Art "Bildungsauftrag". Wenn man das denn so nennen will. Vermittlungsauftrag wäre vielleicht besser formuliert.

Ansonsten denke ich dazu: Ich mag nirgendwo im Leben Dinge oder Aspekte, die um der schnellen Vermarktung willen, dem Publikum oder den Konsumenten zum Frasse vorgeworfen werden: Trash, McDonalds, billigen Schund, Trendartikel - und eben auch keine Musik, die ohne Herz ist. Die nur schnell und um der Vermarktung willen zusammengehauen wurde. Der Bohlen ist sicher eine gutes Beispiel dafür. Das ist für mich auch keine Kunst im eigentlichen Sinne, sondern Vertrieb. Auch nicht blöd, aber eben keine Kunst.

WENN aber ein Künstler wirklich für seine Sache brennt, er oder sie in intensiver Auseinandersetzung mit dem Produkt ist, es wirklich seins oder ihres ist, es letztlich zweitrangig ist, ob die Sache vermarktbar ist, DANN finde ich es legitim auf die Verpackung zu achten. Etwas wertvolles so zu verpacken, dass es dann plötzlich besser zu vermarkten ist, finde ich nicht falsch, solange Authentizität im Mittelpunkt steht.

Auch da folgt der Künstler letztlich einem Auftrag - seinem inneren Auftrag (Vermittlungsauftrag scheint mir auch hier das bessere Wort). Er möchte dem Publikum etwas mitteilen, etwas vermitteln, von dem er zutiefst überzeugt ist.

Dann ZUSÄTZLICH auch zu gucken, wie ich möglichst viele Leute damit erreiche und vielleicht auch mein Auskommen damit habe, finde ich nicht ehrenrührig, sondern legitim und richtig.
Autor: Haraldi
« am: 17. Januar 2005, 18:52:30 »

Quote (selected)
Hier klafft doch eine riesen Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit!!!

5. 90 % des Publikums will seichte Unterhaltung ohne Anspruch die es ohne nachzudenken konsumieren kann.


Und 6. 98% der Künstler und/oder Nichtkünstler sind dem Geld ebensowenig abgeneigt wie die unter Punkt 5.
Die anderen 2% machen Kunst mit Anspruch, den leider die wenigsten haben und für den es in diesen unseren Landen immer weniger einen Markt gibt.

Ergo: Der Bildungsauftag (ob vorhanden oder nicht) verfehlt die "Klienten" denen er wirklich nützen würde.

Die Frage ist: Zu welchem Preis verkauft der Künstler (oder Nichtkünstler) sich wem und wie? Was hält er selbst aus, wenn er mit sich in Klausur geht?
Autor: Alexander
« am: 17. Januar 2005, 18:47:40 »

Andre Rieu, Vanessa Mae, Helmut Lotti - das sind für mich Menschen, von denen ich annehme, dass sie zu Nr. 2 gehören.
Die haben ihre Marktlücke gefunden und baden lustvoll darin.
Von Dieter Bohlen ganz zu schweigen.
Für die gilt: Solange ich damit Geld verdiene, habe ich recht.
Für sie gilt der Kapitalismus.
Sandra Kreisler, Dagmar Anuth, Andrea Eberl - das sind für mich Menschen, von denen ich annehme, dass sie zu Nr. 3 und Nr. 4 gehören.
Da fängt das Denken nicht an bei "Was könnte der Masse gefallen?", sondern bei "Ich spür´s, es muss raus ..." (oder so ähnlich).
SO ETWAS ist Kunst für mich.
Ich selbst habe ansatzweise die Verführung des Kommerzes gespürt. Mit "weniger Niveauvollem", "unter meiner Würde" Erfolg einheimsen.
(Ich habe einmal bei einer Party mit völlig Besoffenen eine Nacht lang nur einfachste Kinderlieder auf einem Keyboard gespielt und dabei so viel Trinkgeld verdient wie vorher und nachher nie wieder ...)