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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Literatur: Anregungen  (Gelesen 30299 mal)

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Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #25 am: 01. Juni 2006, 17:01:27 »
Hallo Bastian,

auch von mir herzlichen Dank für die schöne Geschichte. (Allein der Gedanke, Sepp Blatter den Heine-Preis zu verleihen, ist zum Niederknien!)

Die Schwierigkeit, Kunst und Werk trennen zu sollen, obwohl man es einerseits nicht kann, andererseits aber muss, ist schon angesprochen worden. Auch ich hab' Handke in seinem "pro-serbischen Furor" nicht immer verstanden, wenngleich seine "winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" mehr als bedenkenswert ist.

Was erstaunlich war in der aktuellen Situation, waren die Begründungen, mit denen gerade linke Politiker auf einmal bei der Hand waren: Jemand, der auch nur darüber nachdenkt - den common sense verletzend - "Serbien" nicht nur als "Täterland" zu bedenken, hat es als Person nicht verdient, diesen Preis zu erhalten.

Handke hat sich explizit für den "Juden-Vergleich" entschuldigt bzw. ihn als "Un-Sinn" bezeichnet und vieles andere, was ihm vorgeworfen wurde, nicht gesagt oder geschrieben. Vieles aber hat er gesagt und geschrieben, was er besser nicht gesagt oder geschrieben hätte. Womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären: Kann man Werk und Künstler voneinander trennen? Whoknows hat die Grundproblematik klar gemacht und Michael die Schwierigkeiten bei der Beurteilung sehr anschaulich beschrieben.

Meines Erachtens gibt es tatsächlich einen Zeitpunkt, ab dem sich "das Werk" von seinem Urheber löst.
Allerdings: Da jedes Werk immer in einem neuen Zusammenhang - vom Rezipienten und der Gesellschaft, in der der Rezipient lebt - interpretiert wird, bleibt auch die (gesellschafts)politische Komponente immer erhalten. Und die gesellschaftspolitische Einschätzung eines künstlerischen Werkes wird sich deshalb immer ändern.

Ein Beispiel: Viele der italienischen Futuristen standen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts in ihrer Technik-Faszination der faschistischen Ideologie nahe; diese politische Komponente tritt in der heutigen Rezeption in den Hintergrund. Die "futuristische Ästhetik" feiert im modernen Produkt-Design eine Wiederauferstehung nach der anderen.

Zweites Beispiel: Gerade von linker Seite gibt es seit Jahren fundierte Kritik an der medialen Vermittlung "der Serben" als "alleinige Schlächter des Balkans".
http://www.konkret-verlage.de/kvv/kt.php?texte=27
http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=vordemkrieg&jahr=2000&mon=04
Dass "am Balkan" aber jedenfalls nichts eindeutig ist, das weiß der gelernte Österreicher. Und was die Geschichte in 50 Jahren zu den Balkan-Kriegen schreiben wird? Jedenfalls nicht das, was heute common sense ist. Diese Erkenntnis wiederum befreit niemanden von Schuld, die begangen wurde.

Lassen wir einen ebenfalls großen Dichter sprechen, der ganz persönlich betroffen war. Dzevad Karahasan in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" vom 1. Juni 2006:
Quote (selected)
Herr Karahasan, Sie verbrachten die Kriegsjahre in Ihrer bosnischen Heimat, Sie sind ein profunder Kenner der Werke von Peter Handke. Wie beurteilen Sie die aktuellen Streitigkeiten?
KARAHASAN: Es steht mir nicht zu, über Dichterkollegen zu urteilen. Und mich ärgert all der Lärm um die Preisvergabe, weil hier eine große und beängstigende Diskursverwirrung herrscht. Aber es stört mich auch ein Wort der Jury.
Welches?
KARAHASAN: Es ist der Begriff der „Rücksichtslosigkeit“ in Handkes Werk. Ich meine dabei, wohlgemerkt, seine Serbien-Texte. Auch hier wird Verwirrung offenkundig. Der Blick eines Literaten kann und darf nicht rücksichtslos sein, er muss immer aus mehreren Sichtweisen bestehen, aus Reflexionen, aus dem Blick auf Subjekte, die man zum Sprechen bringt. Das tut Handke in diesen Schriften nicht.
Sind sie nun Ihrer Ansicht nach poetisch oder nicht?
KARAHASAN: Es ist absolut keine Poesie! Handke beleidigt hartnäckig die Opfer des Serben-Krieges in Bosnien und er tut, was viele seiner Verehrer nun auch tun: Er befreit, etwa durch Aussagen, die er dann widerruft, die Worte aus ihrer Verantwortung. Womit wir wieder bei der Diskursverwirrung sind. Dennoch bleibt ein Trost.
Welcher?
KARAHASAN: Über die Bücher urteilt die Zeit, nicht der Mensch, Preis hin, Debatte her.      
Interview: Werner Krause


An der Diskussion der letzten Tage hat mich sehr nachdenklich gemacht, wie sehr gerade so genannte "aufgeklärte Linke" bereit sind, ohne auch nur nachzudenken sich der "allgemeinen Meinung" bedingungslos anzuschließen und einen Menschen wie sein Werk absolut zu diskreditieren...
« Letzte Änderung: 02. Juni 2006, 09:40:46 von Franz08 »
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Offline Bastian

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #26 am: 01. Juni 2006, 17:18:19 »
Quote (selected)
KARAHASAN: Es ist der Begriff der „Rücksichtslosigkeit“ in Handkes Werk. Ich meine dabei, wohlgemerkt, seine Serbien-Texte. Auch hier wird Verwirrung offenkundig. Der Blick eines Literaten kann und darf nicht rücksichtslos sein, er muss immer aus mehreren Sichtweisen bestehen, aus Reflexionen, aus dem Blick auf Subjekte, die man zum Sprechen bringt. Das tut Handke in diesen Schriften nicht.
Das trifft sich mit dem Artikel, den ich gerade gelesen habe, und hier anbringen wollte:
http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E0377824F96244C23A12D0DDAAC91AEC3~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Dass ich Herrn "Ranitzki" einen solchen genannt habe, ist ja wirklich peinlich. :-[ Da hab ich mich wohl selbst verwirrt, als ich kurz zuvor bei der Recherche zu Handke einen Text gelesen hatte, in dem dauernd der Name einer anderen, österreichischen Herrn auftauchte. Das hat mich wohl dazu verleitet...  Aus Gründen ausgleichender Ungerechtigkeit nenne ich diesen Herrn nun "Vranicki".

(Anm. d. Leg.: Es war mir ein Dorn im Auge, ich habs korrigiert, peinlich.)
« Letzte Änderung: 01. Juni 2006, 17:29:07 von Bastian »

Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #27 am: 01. Juni 2006, 18:07:25 »
Hallo Bastian,

der Text aus dem faz-net ist auch insoferne interessant, als zur Illustration neben Milosevic und Handke (von dem berichtet wird, dass er als "Experten-Zeuge" geladen war) unter dem Zwischentitel "Ein Expertenzeuge"  - "deren Rolle bei den Prozessen vor dem Tribunal darin besteht, den größeren historischen und zeitgeschichtlichen Zusammenhang zu beleuchten" - ein Bild von Radovan Karadzic zu sehen ist.

Karadzic wird im gesamten Text nicht erwähnt! Der ehemalige Präsident der Republika Srpska wird per internationalem Haftbefehl als Kriegsverbrecher gesucht und ist alles andere als ein "Expertenzeuge" wie Handke.
Was anderes insinuiert man also mit dieser Illustration, als dass Handke auch so etwas wie ein Kriegsverbrecher sei?



In diesem Artikel wird Handke - zu Recht - faktische Ungenauigkeit vorgeworfen.
Als "Gegenmittel" scheinen auch die subtilsten Formen "visueller Propaganda" erlaubt...
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Offline Alex

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #28 am: 02. Juni 2006, 03:10:34 »
Meiner Meinung nach läuft in dieser Diskussion etwas falsch. Worum geht es? Um den Heine Preis der Stadt Düsseldorf. Wie ist dieser definiert..?

-->"Der Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf ist ein zu Ehren von Heinrich Heine verliehender Kulturpreis. Er wurde von der Stadt anläßlich des 175. Geburtstags Heines gestiftet. Die Auszeichnung „wird an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten“ (lt. Bestimmungen über die Verleihung)."
ALSO:
wird an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen...den sozialen und politischen Fortschritt fördern,... der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten  

Hat man dies einmal begriffen, stellt sich die Frage nach Handkes Gedichten nicht mehr -ohne seine privat-politischen Aussagen.
Es geht NICHT nur um Hankes Dichtkunst- sondern ganz besonders auch- um seinen Hintergrund. Beides ist in der Defnt. des Preises untrennbar verwoben.
Bevor nun alle eifrig Handketexte lesen, um zu verstehen--- bitte ich doch sehr beim Thema zu bleiben- und dieses heißt: Darf jemand, der auf einer Diktatorbeerdigung warme Worte für den "Führer" findet, mit 50.000€ für VÖLKERVERSTÄNDIGUNG UND ZUSAMMENGEHÖRIGKEIT ALLER MENSCHEN beeehrt werden???
Nein.

Offline Bastian

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #29 am: 02. Juni 2006, 04:22:47 »
@Franz: Ich habe die Karikatur Karadzics ebenfalls mit kurzem ( ) Befremden wahrgenommen, habe sie aber keinesfalls auf Handke bezogen, sondern auf diesen Abschnitt, in dem es um die Zeugen geht, denn dazu parallel steht eben dieser Text geschrieben. Es ist in meinen Augen ein "Schlagen- en passant", wie der Schachspieler sagt. (Gerade Journalisten versuchen sich öfter in solchen rhetorischen Mitteln, weil sie kein Kabarett machen dürfen...) Die direkte Überschrift lautet "Ein Experten-Zeuge“, darunter taucht sofort das Bild Karadzics auf, und verblasst im weiteren Text, in dem es dann weiterhin um Handke geht...

Dass Radi im Text nicht weiter genannt wird, gehört zu dem Wesen dieses Stilelements. Das nennt man "Seitenhieb". Mehr wäre schlicht zuviel.

Aber ich habe mich ebenfalls über das Bild gewundert, da stehe ich, für diesen Moment, nahe bei Dir. Auch sehe ich die unbedachte (?) Parallele die dort insinuiert wird.

Aber da scheiden sich wohl unsere Geister. Die Karikatur scheint mir eher als Kontrast gedacht Im Sinne von: "Handke kann noch so sehr die Nähe Milosevics suchen, und die "Wahrheit" ergründen wollen,... ... Karadzic weiß einfach mehr als Handke."

Soviel zur Wichtigkeit, die der Autor Handke zubilligt.

(Muss ich Helvetomane das einem Österreicher erklären?  Tsss.... tsss...)  :-*
« Letzte Änderung: 02. Juni 2006, 04:29:02 von Bastian »

Offline Andrea

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #30 am: 02. Juni 2006, 04:59:55 »
@Basti: Super Satire.
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #31 am: 02. Juni 2006, 10:11:59 »
Hallo Alex,

auf Deine Polemik einsteigend könnte man auch so zitieren und argumentieren:

"Der Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf ist ein zu Ehren von Heinrich Heine verliehender Kulturpreis. [...] Die Auszeichnung "wird an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern [...] oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten“

Du wirst wohl nicht behaupten wollen, dass Peter Handke
1. Bestimmten Menschen ihre Grundrechte abspricht und
2. Völker gegeneinander aufhetzt.

Warum ist das niemandem in der Preis-Jury aufgefallen? Warum ist Handke nicht schon längst in einem deutschen Gefängnis?

Lieber Bastian, dieses rhetorische (?) journalistische Stilmittel wäre mir neu: Unter einer "direkten Überschrift" zu deren Illustration ein Bild zu setzen, das einen völlig anderen Sachverhalt zeigt. Das Bild des gesuchten Kriegsverbrechers Karadzic illustriert die Funktion Handkes als so genannter Experten-Zeuge.

Lassen wir diese Perfidie aber mal als "journalistisches Stilmittel" durchgehen, so ist es auch schlecht ausgeführt, weil nicht erklärt: Ich schätze, maximal die Hälfte der Leserschaft weiß überhaupt, wen diese Karikatur zeigt, die andere Hälfte lässt man einfach dumm sterben.

Den Mut zum Bildtext "auch ein Experten-Zeuge: Der wegen Kriegsverbrechen gesuchte Radovan Karadzic" hatte man wiederum nicht, denn dass dann Handke klagen würde, wäre sehr wahrscheinlich. Also lässt man die eine Hälfte dumm sterben und streift bei der anderen den Profit der unausgesprochenen Polemik ein. Wirklich schade, dass Journalisten kein Kabarett machen dürfen.
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Offline whoknows

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #32 am: 02. Juni 2006, 12:26:37 »
Jounalisten und Bildredakteure kennend, tendiere ich zu folgender Erklärung: Irgendein Trottel in der Redaktion hat geglaubt, es sei eine Karikatur Milosevics.

Offline michael

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #33 am: 02. Juni 2006, 13:25:33 »
Und wer diese Einschätzung des journalistischen Sachverstandes nicht glaubt, dem sei folgendes empfohlen:
1. Suche dir ein Fachgebiet, von dem Du wirfklich etwas verstehst
2. Lese die Artikel besonders genau, die dieses Fachgebiet tangieren
3. Sei sicher: Auch in den anderen Themen werden ganauso viele Fehler sein
4. Nicht verzweifeln

Offline whoknows

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #34 am: 03. Juni 2006, 00:49:45 »
Nie werde ich den Bericht über Kitzbühel vergessen, wo irgendein Redaktuer als Bildunterschrift wählte: "Auf der Streif ist wieder mal die Hölle los". die crux war: das Bild zeigte eine völlig menschenleere nächtliche Strasse...

Offline Alex

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #35 am: 03. Juni 2006, 02:36:15 »
Hallo Franz08,
Zitat:
Warum ist das niemandem in der Preis-Jury aufgefallen?
In der RP vom 2.6.06 ist ein erhellender Artikel- leider nicht online, deshalb versuche ich die, für diese Frage, releventen Absätze zusammen zufassen:

Die Jury bekam drei Tage vor Abstimmung ein paar Seiten aus dem Munzingerarchiv, zur Übersicht über die Biographien der Vorgeschlagenen. Diese losen Kopien waren leider nur bis 2003 aktualisiert- somit kamen einige Aussagen Handkes und sein Grabbesuch Milosvic´ gar nicht darin vor. Einige Jujoren gaben sogar an, Handkes Texte überhaupt nicht zu kennen...
Der Einwand der Grünen Ratsfrau Marit von Ahlefeld, Handkes Sympatien für Milcsc. verbäten den Preis, wurde gar abgetan mit der Bemerkung "Handke sei Weltliterat" Diese Gegen-Voten wurden in der Preisbegründung gestrichen- obwohl die Satzung es verlangt. Kurz: eine Diskussion hat es nie gegeben.
Sehr professionell, Düssel-Dorf, wie der Name schon sagt. :o

 Du wirst wohl nicht behaupten wollen, dass Peter Handke  
1. Bestimmten Menschen ihre Grundrechte abspricht und  
2. Völker gegeneinander aufhetzt.

Es geht doch nicht darum, ob es der Jury zur Vergabe des Heine Preis an eine Person anscheinend reicht   1. und 2. NICHT zu erfüllen...
Was solls´ es ist der übliche DdorfKungelschmuh, der in Kölle als Klüngel funktioniert, aber hier mal wieder nicht ;)

Offline Maexl

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #36 am: 06. Juni 2006, 18:57:11 »
In der sonntägigen FAZ stand auch wieder ein Artikel.
Darin zitiert Jürgen Busche, Autor des Artikels Handkes Französisch-Übersetzer, Georges-Arthur Goldschmidt: "Er [Handke] befindet sich nicht nur auf dem Holzweg, sein Wille, die Geschichte verneinen zu wollen, führt dazu, dass er mit gefesselten Füßen in sie hineinfällt."
Günter Kunert, über den sich Handke "äusserst abfällig [...] geäußert hat" denkt daran den Heine-Preis zurückzugeben, wenn Handke ihn (auch) erhält.
Busche schließt: "Was aber im poetischen Sprechen auftauchen mag und rasch verschwinden kann oder aufgehoben wird, indem es in immer veränderten Wendungen begegnet, bleibt in der politischen Auseinandersetzung anstößig und wird es um so mehr, je weniger der Autor zu der klaren Sprache fähig ist, die klaren Weltbildern entspricht.
Ein Dichterschicksal."

Offline Alexander

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #37 am: 08. Juni 2006, 20:06:44 »
Diese ddp-Meldung kreist derzeit durch die Medien.
Damit ist dieses Kapitel zumindest offiziell beendet.

Streit um Heine-Preise beendet
Donnerstag 8. Juni 2006, 16:49 Uhr

Düsseldorf (ddp-nrw). Der österreichische Schriftsteller Peter Handke verzichtet wegen des anhaltenden Streits über die Jury-Entscheidung auf den diesjährigen Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf. Der 63-jährige Autor habe seine Entscheidung Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) in einem Brief mitgeteilt, gab die Düsseldorfer Stadtverwaltung am Donnerstag bekannt. Nach dem Verzicht Handkes soll in diesem Jahr nun kein Heine-Preis vergeben werden.

Er wolle mit seiner Entscheidung die öffentliche Diskussion um seine Person beenden und
nicht länger «Pöbeleien» von Parteipolitikern ausgesetzt sein, betonte Handke in dem Brief. Der Schriftsteller reagierte damit auf die seit rund zwei Wochen andauernde Kritik über die Vergabe des renommierten Preises an ihn. Die Verleihung war umstritten, weil Handke mehrmals öffentlich für den früheren serbischen Diktator Slobodan Milosevic und dessen Politik Partei ergriffen hatte.

Oberbürgermeister Erwin sagte, dass er die Entscheidung zwar bedauere, aber respektiere. Zugleich kritisierte er die Diskussion um die Preisvergabe. «Dass man einen freien Geist seitens der Politik derart undifferenziert und mit großer Ignoranz durch die Medienlandschaft hetzt, ist einmalig», sagte Erwin. Dies habe Peter Handke «nicht verdient», hieß es.

Im Düsseldorfer Stadtrat hatte sich wegen der Debatte um die Preiswürdigkeit Handkes eine breite Ablehnung gegen die von einer Jury empfohlenen Verleihung der Auszeichnung abgezeichnet. In einer Ratssitzung vom 22. Juni sollte über die Vergabe entschieden werden - dabei war allgemein mit einer Ablehnung gerechnet worden.

NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff (CDU) wollte sich nach Angaben einer Sprecherin nicht zu der Entscheidung von Handke äußern. Er hatte die Vergabe des Preises an den Autor aber im Vorfeld abgelehnt. Zugleich war er selbst in die Kritik geraten, weil er an der entscheidenden Jury-Sitzung nicht teilgenommen hatte.

Der kulturpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Oliver Keymis, nannte den Schritt von Handke «folgerichtig». Die Entscheidung beende «den formalen Teil der Debatte». «Der Scherbenhaufen bleibt», betonte er mit Blick auf den Streit.

Der Heine-Preis zählt zu den bedeutendsten Literatur- und Persönlichkeitspreisen in Deutschland. Er wird seit 1972 verliehen. In diesem Jahr wurde die Dotierung auf 50 000 Euro erhöht. Handke wurde bekannt mit Werken wie «Die Angst des Tormanns beim Elfmeter», «Ritt über den Bodensee», «Die Unvernünftigen sterben aus» oder «Der kurze Brief zum langen Abschied».

(ddp)
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #38 am: 08. Juni 2006, 22:02:32 »

lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum!

Ernst Jandl
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Offline Franz08

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Literatur & Fußball
« Antwort #39 am: 09. Juni 2006, 12:16:20 »
Weil die Fußball-WM sicher auch an diesem Forum nicht spurlos vorübergehen wird - und sicher mehr als die Hälfte der Member Fans sind - wollen wir uns auch literarisch dem Thema widmen. Beginnen wir mit einem Klassiker:


Fußball (nebst Abart und Ausartung)

Der Fußballwahn ist eine Krank-
heit, aber selten, Gott sei Dank!
Ich kenne wen, der litt akut
an Fußballwahn und Fußballwut.
Sowie er einen Gegenstand
in Kugelform und ähnlich fand,
so trat er zu und stieß mit Kraft
ihn in die bunte Nachbarschaft.
Ob es ein Schwalbennest, ein Tiegel,
ein Käse, Globus oder Igel,
ein Krug, ein Schmuckwerk am Altar,
ein Kegelball, ein Kissen war,
und wem der Gegenstand gehörte,
das war etwas, was ihn nicht störte.
Bald trieb er eine Schweineblase,
bald steife Hüte durch die Straße.
Dann wieder mit geübtem Schwung
stieß er den Fuß in Pferdedung.
Mit Schwamm und Seife trieb er Sport.
Die Lampenkuppel brach sofort.
Das Nachtgeschirr flog zielbewußt
der Tante Berta an die Brust.
Kein Abwehrmittel wollte nützen,
nicht Stacheldraht in Stiefelspitzen,
noch Puffer, außen angebracht.
Er siegte immer, 0 zu 8,
und übte weiter frisch, fromm, frei
mit Totenkopf und Straußenei.
Erschreckt durch seine wilden Stöße,
gab man ihm nie Kartoffelklöße.
Selbst vor dem Podex und den Brüsten
der Frau ergriff ihn ein Gelüsten,
was er jedoch als Mann von Stand
aus Höflichkeit meist überwand.
Dagegen gab ein Schwartenmagen
dem Fleischer Anlaß zum Verklagen.
Was beim Gemüsemarkt geschah,
kommt einer Schlacht bei Leipzig nah.
Da schwirrten Äpfel, Apfelsinen
durch Publikum wie wilde Bienen.
Da sah man Blutorangen, Zwetschen
an blassen Wangen sich zerquetschen.
Das Eigelb überzog die Leiber,
ein Fischkorb platzte zwischen Weiber.
Kartoffeln spritzten und Zitronen.
Man duckte sich vor den Melonen.
Dem Krautkopf folgten Kürbisschüsse.
Dann donnerten die Kokosnüsse.
Genug! Als alles dies getan,
griff unser Held zum Größenwahn.
Schon schäkernd mit der U-Boots-Mine,
besann er sich auf die Lawine.
Doch als pompöser Fußballstößer
Fand er die Erde noch viel größer.
Er rang mit mancherlei Problemen.
Zunächst: Wie soll man Anlauf nehmen?
Dann schiffte er von dem Balkon
sich ein in einen Luftballon.
Und blieb von da an in der Luft,
verschollen. Hat sich selbst verpufft. -–
Ich warne euch, ihr Brüder Jahns,
vor dem Gebrauch des Fußballwahns!

Joachim Ringelnatz
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Offline whoknows

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #40 am: 09. Juni 2006, 16:59:33 »
Ich find Fussball doof.
wer noch?

Offline michael

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #41 am: 09. Juni 2006, 19:12:54 »
Ich auch!
Aber am schlimmsten hier ist: Der WDR hat sein gutes Wortprogramm (WDR5) für das ganze Fussgedrisse  abgestellt!
Kein Leonardo mehr, keine polit-Magazine, sondern nur noch Fussball-Geblubber!
Ätzend!

Aber die Menschen haben sich auch verändert: Dieses abartige Getue mit den D-Fahnen und Hemdchen, der Nationalismus kommt auf leisen Pfoten ins normale Leben geschlichen,  über diesen Umweg wird der Nationalismus wieder solonfähig - und die Ewiggestrigen lachen sich über die Fähnchenschwenker ins Fäustchen.



Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #42 am: 09. Juni 2006, 20:55:12 »
Hallo Michael,

ich finde ja, es wäre das noch viel größere Problem, überließen wir "den Rechten" jetzt auch noch den Fußballplatz.

Franz

P.S.: Ich hab' mich auch nie, nur weil ich mit STURM-Schal und Fahne Champions-League-Spiele besucht habe, "ewiggestrig" gefühlt.
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Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #43 am: 09. Juni 2006, 21:07:36 »
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Was ist das Fußballspiel? Was Wunderbares!
Vom Anpfiff an bis in die Nachspielzeit
nur Glück und Glanz und Widerwärtigkeit,
und zum Verzweifeln ist es - und so war es,

Auswechselspieler auf der Aschenbahn -
Sie traben - aus dem Rasen schlagen Flammen.
Im Stadion bricht gleich ein Tor zusammen.
Der Lautsprecher sagt das Weltende an.

Und ein Gesang torloser Höllenpein,
Ein Spieler zögert mit der Ballabgabe,
Es schreit sein Knie als ob es Schmerzen habe.
Der Schiedsrichter befiehlt ihm still zu sein.

Ein Weltenrichter pfeift - wie ist es ausgegangen?
Wach auf, oh Mensch! Grad hat es angefangen.

F. W. Bernstein

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Liebe 06

Wie ein Füller und ein Bleistift in der Schub-
Lade, liegen wir im Hotelzimmerbett
Umschlungen, warten auf den großen Ladenöffner.
Ein Fernseher im Eck des Zimmers statt
Des Kruzifixes meint: Die Wahrheit liegt schon aufm Platz
Und grölt:

Cupblamage, Cupblamage, Cupblamage
Ball am Kappel unterm Arm, nein, Arsch
Krems an der Donau, Fladnitz Süd,
Ist rund, ist rund, ist rund, ist rund und frägt:

Sind Sie Epileptiker? Ja, vier Dioptrien,
ich verwechsle Hinz und Hechts,
darum war ich Mittelstürmer jahrelang,
aber egal, das Spiel dauert 06 Minuten,
nur für den Goalie ist es umgekehrt.

Franzobel

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Conditio

ein leben im mittelfeld - laufarbeit um seinen mann
zu stehen - den ball annehmen und dann passen
auf daß andere es zum abschluß bringen
und es dennoch bei positionswechseln belassen
choreographien des mißlingens:
tor ist wenn die gegenseite scheitert - knapp am limit
muskeln und sprunggelenk nie gut genug
dich freizuspielen atmest du dir
deine lunge leer - jeder spielzug
die eumeniden am rang herausfordernd vielstimmig
unversöhnlich und achtlos in ihrer gier
je mehr man ihnen gibt umso rascher wird man
über das aschweiß einer linie ins aus geholt knochen
auf knöcheln schabend die augen blank
vor adrenalin - im trotz hingegen ungebrochen
mit dem bißchen talent zwischen innenrist und spann
weiterzumachen - um abzugeben
vorzulegen an all den vorgaben sich abzuleben
der sieg bleibt einer über die ersatzbank
stolz und selbstbetrug dabei der ewig selbe kontrahent
in dieser arena aus pisse und zement

Raoul Schrott

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Fußball-Idyll mit Söhnen

die Beine auf dem Couchtisch ausgestreckt
blaue Flecken am Schienbein: weltmeisterlich
plaziert, die Zehen nervös, Kauen, Schlucken
im Takt der Manöver, der Taktik auch, über den halben Platz
geschrien und von beiden Cotrainern im Wohnzimmer
abgenickt, mit Kissen nachvollzogen, Sammlung,
Ausatmen, Tritt.
Die Mutter auf der Reservebank brav, ihr Einsatz
ungewiss, vorsichtshalber erlaubt sie das Doppelte.

Über dem Stadion der ausgesperrte Himmel, ein
Blick in den Garten holt ihn zurück, im Efeu die Spatzen
singen längst! we are mit deutschem Akzent
drinnen Fluchen und leise Angst
dass der seit dem Frühstück bestellte Sieg
mal wieder nicht lieferbar ist, morgen vielleicht,
aber der Elan der Waden sinkt
Positionswechsel: zurück in die Schuh, Ruh

Aus allen Fenstern dieselbe Musik
Liturgie ohne Gesangbuch
aber mit viel Gesang
keiner Zunge fremd
es ist heiß wie in Brasilien
ich esse Chips mit meinen Söhnen -
das dient, sagen sie, wie eine Vorlage
dem Tor
Jubel mit vollem Mund

Dagmar Leupold

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Der Ball ist rund

Meiner hat eine Delle.
Von Jugend an drücke
und drücke ich: aber
er will nur einerseits rund sein.

Günter Grass


Diese und noch viel mehr Gedichte zum Thema Fußball findet Ihr auf der wunderbaren Seite "Dichter am Ball / 50 lyrische Einwürfe zur Fußballweltmeisterschaft" auf NDR Kultur:
http://www.ndrkultur.de/ndrkultur_pages_std/0,,OID1813716,00.html?
« Letzte Änderung: 09. Juni 2006, 21:29:15 von Franz08 »
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Offline Bastian

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #44 am: 09. Juni 2006, 21:42:29 »
Schöne Gedichte, und danke für sie. Aber- sorry Franz- wenn ich ein Gedicht brauche, dann schreibe mir eines, oder gehe notfalls zum Regal neben mir.

Die vor Kurzem aufgestellten Forumsregeln dienten nicht- wie teils irrtümlich angenommen- dem Ausschluss von Mitgliedern, sondern sind als Aufforderung gemeint, miteinander zu kommunizieren. Je mehr Fremdtexte hier zitiert werden, und je weniger Eigenanteil die Beiträge haben, desto weniger wird ergo diskutiert.

Zum Fußball: Fußball ist etwas für Bekloppte. So wie Krocketspielen, Jandl- Lesen, Marionettensammeln, Fröschezüchten, Zöpfeflechten, Zöpfebacken, Knetfigurenfilmedrehen, Kreislersingen, Matschburgenbauen, Sonntagsfrühaufstehen, Musiksammeln und Hirschgeweiheandiewandnageln.

Die sind doch alle bekloppt...
« Letzte Änderung: 09. Juni 2006, 21:49:31 von Bastian »

Offline Bastian

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #45 am: 09. Juni 2006, 21:47:26 »
Zum bösen Fähnchenschwenken:
Letzte Woche war ich auf der Anti- nazidemo- demo hier in Düdo. Läppische 3000 Menschen haben es bis auf die Straße geschafft. Aber eines ist mir aufgefallen: Viele der Demonstranten, die neben uns herliefen und gegen die Rechtsextremen protestierten, trugen Deutschlandfahnen mit sich.

Was sagt ihr dazu?
« Letzte Änderung: 09. Juni 2006, 21:48:54 von Bastian »

Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #46 am: 09. Juni 2006, 22:59:35 »
Hallo Bastian,

ich hab' mir jetzt den Thread mit den Forumsregeln nochmal durchgelesen und glaube Deine Empfindlichkeit nun besser zu verstehen. Die erste Regel lautet:
Quote (selected)
Jedes Mitglied versucht, sich den anderen Mitgliedern verständlich zu machen. Dazu gehört beispielsweise, dass der Eigenanteil an einem Beitrag größer sein möge, als der Anteil, den Zitate einnehmen. Es diskutieren die Mitglieder und nicht die Zitierten. Ausnahmen sind dann gegeben, wenn z.B. ein Fremdtext als Thema einer Diskussion eingebracht wird.

Ich kann dem grundsätzlich zustimmen. Besonders auch dem letzten Satz. Im Ernst: Ich hab' diesen Thread mit dem Titel "Literatur: Anregungen" deshalb eröffnet, um konkrete Werke und Inhalte zur Diskussion zu stellen. Die jeweiligen "Impuls-Texte" sind meiner Meinung nach notwendig, weil viele (ich zum Beispiel) nicht ein so wohlgefülltes Bücherregal wie Du haben werden und wenn doch, dann werden dort wahrscheinlich auch viele andere Sachen zu finden sein.
 
Das Missverstehen zwischen uns liegt vielleicht darin, dass ich als "Gründer" den gesamten Thread als "einen Beitrag" sehe, und Du naturgemäß eher den Einzel-Beitrag betrachtest. Für mein Gefühl war die Balance bisher nicht schlecht: Wir haben, ausgehend von literarischen Beispielen, über die Bigotterie der heutigen Zeit diskutiert, über den "Fall Handke" (den ich, ich geb's zu, mit einem eindeutigen persönlichen Statement angezogen habe) und nun eben über Fußball, wieder anhand literarischer Beispiele.

Da ich aber ein veritabler Fußballfan bin, scheint die Begeisterung mit mir durchgegangen zu sein. Das von Dir inkriminierte "Impulsposting" wurde tatsächlich etwas lang. Schon vor Deinem Kommentar hab' ich's gekürzt. Ich hoffe, die Nicht-Interessierten verzeihen mir! Ich weiß, was Du meinst und verspreche, beim nächsten Thema eine etwas schlankere Einleitung zu wählen...
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Offline Bastian

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #47 am: 09. Juni 2006, 23:29:39 »
Ich fand die Gedichte super. Ich freue mich nur noch mehr, wenn man auch selbst etwas zu ihnen schreibt.

Im Übrigen rennst du bei mir mit den Texten eine Tür ein, die sich eh gerade öffnet. Ich hätte noch vor wenigen Monaten instinktiv Fußball und Nationalismus in einem- natürlich negativen- Zusammenhang beschrieben. Aber ich sehe, zunehmend in den letzten Tagen, so viele bekloppte Leute aus aller Herren Ländern hier herumlaufen, dass ich momentan dazu neige, in der ganzen Geschichte tatsächlich eher einen verbindenden Charakter zu sehen.

Mir fallen so kleine Situationen auf, wie die zwei Grüppchen, die sich vor dem Bahnhof gegenseitig versuchten zu helfen. Drei- ich glaube- Südamerikaner und zwei Afrikaner. Die Südamerikaner standen mit ihren Koffern auf dem Platz, über einen kleinen Stadtplan gebeugt, und suchten offensichtlich den Weg zu ihrem Hotel. Die Afrikaner versuchten zu helfen, verstanden aber blöderweise kein Wort Englisch... Aber Gestikulieren konnten sie alle, und blöd gelacht haben alle fünf...

Es tut den Deutschen gut, dass so viele andere Menschen hier hin kommen. Das hinterlässt in den Städten, die das erleben dürfen, bestimmt einen Eindruck.

Jetzt hab ich noch immer nichts zu den Gedichten gesagt, ich Abschweifer...
« Letzte Änderung: 09. Juni 2006, 23:34:40 von Bastian »

Offline Andrea

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #48 am: 10. Juni 2006, 00:39:21 »
Die mit ihrem Fußballfieber gehen mir alle auf die Nerven. Aber dass hier dadurch viele Menschen aus aller Herren Länder zusammen kommen, das ist auf jeden Fall eine Bereicherung. Schade, dass der Musik nicht so viel Bedeutung geschenkt wird wie Fußball und Karneval. Ich fände z.B. ein Musikspiel zwischen Julia Neigel und Sting gut, oder eins zwischen Billy Joel und Anne Haigis. Myriam Makeba und Marla Glen kämen auch nicht schlecht. Ob dann so viele Leute extra in ein Land fahren würden, um sich das anzuschauen?
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Andrea

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #49 am: 10. Juni 2006, 00:44:23 »
Was ich noch vergessen habe: Heute während meiner Gassirunde am Ende des Spieles Deutschland gegen ... wen auch immer und danach kam ich an ein paar Typen vorbei, die die deutsche Nationalhymne über Boxen laufen ließen, und einer von ihnen lallte nur zwei worte, nämlich: "Deutsches Reieieieieich!". Ich war geneigt, mich umzudrehen und dem Arschloch: "Nazischwein!" zuzurufen, aber den Gedanken verwarf ich so schnell er gekommen war, denn 1. hätte er ihn nicht mehr verstanden und 2. ich hätte mich dadurch eventuell gefährdet. Ich fand's einfach echt widerlich, mit so jemandem zusammenzustoßen.
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