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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Literatur: Anregungen  (Gelesen 30285 mal)

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Offline Franz08

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Literatur: Anregungen
« am: 04. Mai 2006, 23:08:24 »
Ich will mal damit beginnen, ein paar literarische Anregungen zu posten...

Warum? Weil ich finde, dass gerade in einem Kreisler-Forum auch andere Sprach-Weisen bestens aufgehoben sind.

----------------------------------------------

Krüppel Sprache

Sprache, du Krüppel
lächerliches Geschwür deiner selbst
röchelnder Auspuff
Weltverzerrer widerlicher
Teenagertraum zitternden Hirnpuddings
taub, blind
stolperst du
Krücke auf morschen Krücken über deine verbeulten Raster
nicht einmal aufheben kannst du dich
tieffliegender Schwächling
deine Anbiederei, deine gespielten Selbstmorde
gehen mir auf die Nerven
dein dummes Gerede
dein Propagandastaat aus Dichtkunst
deine Buchstaben widern mich an
kindische Runen eines sogenannten
natürlich von dir erschaffenen
"Lebens"
Bindemittel verquollener Extrawurst
Lebensmittelskandal
nicht einmal alt bist du
Moloch
Mafia
in jedem Loch anzutreffen
das Schauen verbietend
das Träumen, Fressen, Gehen, Ficken
überall sitzt prangend dein fetter Arsch
auf meiner Jacke
auf meiner Hose
Voyeur auch in der Finsternis
infrarotes Dreckschwein
selbst in der Tiefe des Marianengrabens stammelst du immer
noch:
Fisch! Fisch! Fisch!
oder:
Dunkelheit!
Schlaf! Sleep! Sommeil! höre ich schlafend
Bahnhof versteh ich bei Bahnhof
Ich verstehe immer nur Bahnhof!
In der abstraktesten Musik nistest du noch als
"Sturm", "Gefiedel", "Gewitter" oder "Mandoline"
Partnerloser
nie wünschte ich mir deine Einsamkeit
Nieder mit dir!
Sogar auf den Tod schmierst du deinen süßsauren Senf
prahlst inmitten der Philosophie
auch vor der Tierwelt machst du nicht halt
und bei den Pflanzen versuchst du schon lange
dich einzumischen, du Luder!
Geh zu den Steinen
ich sage dir nicht, wie sie wirklich heißen
Provinzdetektiv
Schnüffler in jedem After
Virus
gegen den kein Kraut
dein "Kraut" nicht gewachsen scheint
Oft träume ich, du würdest beim Wort "Gefühl" krepieren
dich qualvoll verschlucken an der Bedeutung
doch da schwillst du erst recht an
in rührselige Schwingungen kommst du
du Krüppel, elendiger
sich an allem Labender
mit deinem Supergewissen
Pseudosamariter
der den Himmel "himmelblau" macht
alles zu Tode heilt, sortiert, trennt
krähender Oberlehrer
langweiliger Angler im Nichts
Vorstadtzirkusdialektiker!
Schlatz!
pickiger gesponnener Zucker
kein Gott ist dir zu schade
du Aufhetzer
schlürfende Hydra
Parasit in der Schönheit
Verächter der Häßlichkeit
Überläufer aller Fronten
dich werde ich kriegen
dich will ich würgen
mich quälst du nicht länger
mit deiner offenen Fotze
Fettauge auf allen Suppen
in dich will ich mich einschleichen
dich von innen aushöhlen
bis du dich vergißt
und Welt und Zeit wieder eins sind

Dann setze ich dir einen wortlosen Grabstein aus nichts
Vorher aber noch
will ich dich teuflisch foltern
chinesisch, japanisch, mittelalterlich
werde ich dich zwicken mit glühenden Zangen
Pfau hinkender
daß du jammernd zu Grunde gehst

Kurz vor deinem schrecklichen Tode
werde ich noch
- ob du es willst oder nicht -
dichten mit dir, daß du schreist!

Wolfgang Bauer
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Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #1 am: 05. Mai 2006, 09:34:03 »
falamaleikum

falamaleikum
falamaleitum
falnamaleutum
fallnamalsooovielleutum
wennabereinmalderkrieglanggenugausist
sindallewiederda.
oderfehlteiner?

Ernst Jandl

http://www.randomhouse.de/dynamicspecials/jandl/movie_falamaleikum.html

-------------------------------------------------

Weitere Jandl-Sachen zum Hören und Sehen...

http://www.randomhouse.de/dynamicspecials/jandl/archiv_sound.html
http://www.randomhouse.de/dynamicspecials/jandl/archiv_fotos.html
http://www.randomhouse.de/dynamicspecials/jandl/archiv_video.html

http://www.randomhouse.de/dynamicspecials/jandl/movie_imreichdertoten.html
« Letzte Änderung: 05. Mai 2006, 09:38:10 von Franz08 »
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Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #2 am: 05. Mai 2006, 09:46:29 »
Mutterland

Mein Vaterland ist tot
sie haben es begraben
im Feuer

Ich lebe
in meinem Mutterland
Wort

Rose Ausländer
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Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #3 am: 07. Mai 2006, 13:07:07 »
[size=10]für Ernst Jandl
zum 70. Geburtstag[/size]


wie und warum ich dich liebe

wenn du es bist bin ich nicht sicher ob ich es bin
was dich bedroht ist bedrohlich für mich
der Spiegel in den ich blicke an jedem Abend
hält mir gleichzeitig entgegen dein Bildnis und meines
das Geheimnis im Dunkel deines Herzens ist nicht
um von irgendjemandem gelüftet zu werden
es zieht mich an am gründlichsten und am tiefsten
und ist vermutlich das Motiv meiner unbeirrbaren Liebe

Friederike Mayröcker

-------------------------------------------------------------

Manchmal

manchmal bei igrendwelchen zufälligen Bewegungen
streift meine Hand deine Hand deinen Handrücken
oder mein Körper der in Kleidern steckt lehnt fast ohne es zu wissen
einen Augenblick gegen deinen Körper in Kleidern
diese kleinsten beinahe pflanzlichen Bewegungen
dein abgewinkelter Blick und dein Auge absichtlich ins Leere wandernd
deine im Ansatz noch unterbrochene Frage wohin fährst du im Sommer
was liest du gerade
gehen mir mitten durchs Herz
und durch die Kehle hindurch wie ein süszes Messer
und ich trockne aus wie ein Brunnen in einem heiszen Sommer

Friederike Mayröcker

-------------------------------------------------------------

liegen, bei dir

ich liege bei dir. deine arme
halten mich. deine arme
halten mehr als ich bin.
deine arme halten, was ich bin
wenn ich bei dir liege und
deine arme mich halten.

Ernst Jandl

-------------------------------------------------------------


Friederike Mayröcker: Und ich schüttelte einen Liebling
http://www.buecher.de/verteiler.asp?site=artikel_sz.asp&wea=1100485&artikelnummer=000001530774
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Offline whoknows

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #4 am: 07. Mai 2006, 18:31:12 »
Die Mayröcker schätze ich auch sehr. Ist die in Deutschland überhaupt bekannt?

Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #5 am: 09. Mai 2006, 22:21:43 »
wien : heldenplatz

der glanze heldenplatz zirka
versaggerte in maschenhaftem männchenmeere
drunter auch frauen die ans maskelknie
zu heften heftig sich versuchten, hoffensdick.
und brüllzten wesentlich.

verwogener stirnscheitelunterschwang
nach nöten nördlich, kechelte
mit zu-nummernder aufs bluten feilzer stimme
hinsensend sämmertliche eigenwäscher.

pirsch!
döppelte der gottelbock von Sa-Atz zu Sa-Atz
mit hünig sprenkem stimmstummel.
balzerig würmelte es im männchensee
und den weibern: ward so pfingstig ums heil
zumahn: wenn ein knie-ender sie hirschelte.

Ernst Jandl
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Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #6 am: 15. Mai 2006, 18:53:00 »
Scheissen und brunzen
sind kunsten.
scheissvater.
scheissmutter
scheissbruder
scheisschwester
scheisskind
scheissonkel
scheisstante
scheissgrossvater
scheissgrossmutter
scheiss
oder
scheissmama
scheisspapa
scheissclo
bleda atomregen bleda
atomregen atom
schas
futschas
futkind
futonkel
futtante
hurenfut
hurenvater
hurenmutter
vater und mutter scheissen ins clo
oaschmama
oaschpapa
futschasoasch
oder
scheissfutoasch
bleda atomregen bleda
atomschas
atomfut
hurenatom
mama
papa
dazu
die mutter brunzt
der vater brunzt
die schwester brunzt
der bruder brunzt
die tante brunzt
der onkel brunzt
die grossmutter brunzt
der grossvater brunzt
das kind
der vater brunzt auf die mutter
der bruder brunzt auf die schwester
der onkel brunzt auf die tante
der grossvater brunzt auf die grossmutter
alle brunzen ins clo
auf den vater
auf den bruder
auf den onkel
auf den grossvater
scheissen und brunzen sind kunsten.

konrad bayer / gerhard rühm 1958
in: Die Wiener Gruppe. Hrsg. Gerhard Rühm. Reinbek bei Hamburg. Rowohlt 1967.
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Offline Dagmar

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #7 am: 16. Mai 2006, 00:10:40 »
Wow!!! Das ist richtig klasse!! Das gefällt mir aber richtig gut. Das kannte ich auch noch nicht! Dankeschön  :-*
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

Offline whoknows

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #8 am: 16. Mai 2006, 00:46:02 »
In Erlangen sind Leute nicht gekommen, weil der Titel des Programms "Lieder eines Postmodernen Arschlochs" ihnen zu ordinär war. Ob die dieses Gedicht kennen - von 1958!!!
Ich bin immer auf's Neue erstaunt, "what makes people tick"....

Offline Guntram

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #9 am: 16. Mai 2006, 10:48:19 »
Bimmelresonnanz II

Bergamotten flotten im Petroleumhimmel
Schwademasten asten Schwanenkerzen
Teleplastisch starrt das Cherimbien Gewimmel
In die überöffneten Portierenherzen
Inhastiert die Himmelbimmel

Feldpostbrief recochettiert aus Krisenhimmel
Blinder Schläger sternbepitzt sein Queerverlangen
Juste Berling rückt noch jrad die Mutterzangen
Fummelmond und ferngefimmel
Barchenthose flaggt die Kaktusstangen

Lämmergeiger zieht die Wäscheleine
Wäschelenden losen hupf und falten
Zigarrinden sudeln auf den Alten
Wettermännchen kratzt an ihrem Beine
Bis alle Bimmeln angehalten


Johannes Theodor Baargeld
Träume sind nicht Schäume, sind nicht Schall und Rauch,
sondern unser Leben so wie wache Stunden auch.
Wirklichkeit heißt Spesen, Träume sind Ertrag. Träume sind uns sicher schwarz auf weiß wie Nac

Offline Guntram

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #10 am: 16. Mai 2006, 10:49:47 »
Badji beri bimba

gadji beri bimba glandridi laula lonni cadori
gadjama gramma berida bimbala glandri galassassa laulitalomini
gadji beri bin blassa glassala laula lonni cadorsu sassala bim
gadjama tuffm i zimzalla binban gligla wowolimai bin beri ban
o katalominai rhinozerossola hopsamen laulitalomini hoooo
gadjama rhinozerossola hopsamen
bluku terullala blaulala loooo

zimzim urullala zimzim urullala zimzim zanzibar zimzalla zam
elifantolim brussala bulomen brussala bulomen tromtata
velo da bang band affalo purzamai affalo purzamai lengado tor
gadjama bimbalo glandridi glassala zingtata pimpalo ögrögöööö
viola laxato viola zimbrabim viola uli paluji malooo

tuffm im zimbrabim negramai bumbalo negramai bumbalo tuffm i zim
gadjama bimbala oo beri gadjama gaga di gadjama affalo pinx
gaga di bumbalo bumbalo gadjamen
gaga di bling blong
gaga blung


Hugo Ball
Träume sind nicht Schäume, sind nicht Schall und Rauch,
sondern unser Leben so wie wache Stunden auch.
Wirklichkeit heißt Spesen, Träume sind Ertrag. Träume sind uns sicher schwarz auf weiß wie Nac

Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #11 am: 16. Mai 2006, 10:49:53 »
Was haben wir doch früher über die deutschen Filme aus den 50ern gelacht: Was da für ein Frauen- und Gesellschaftsbild vermittelt wurde...  :o

Heute lachen wir nimmer: Sehen wir uns die "neuen deutschen Fernseh-Komödien" an und andere Erzeugnisse der Unterhaltungsindustrie, merken wir schnell, dass wir fast schon wieder einen Schritt hinter den 50ern sind.

Und plötzlich regen auch wieder in der Kunst Werke auf, die vor 40 und mehr Jahren schon für Skandale gesorgt haben...
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Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #12 am: 16. Mai 2006, 11:25:19 »
Wird's besser?
Wird’s schlimmer?
fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich:
Leben ist immer
lebensgefährlich!

Erich Kästner
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Offline whoknows

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #13 am: 16. Mai 2006, 23:46:57 »
Ich habe mir gestern abend ein Programm angeschaut, wo George Sand zitiert wurde, die Lebensgefährtin von Chopin, damals eine gefeierte Autorin  - die aber eigentlcih Aurora Irgendwas hiess, und sich George Sand als Pseudonym zulegte, weil sie sonst nicht veröffentlichen hätte können.
anyway: Die hat schon Anno 1845 Sachen gesagt, die kann man heute noch ganz genau so unterschreiben. Und zwar zur Gleichberechtigung ebenso wie zur Politik und zur Wissenschaft und Soziologie. Es ist echt verblüffend.

Es ist ein Irrtum zu glauben, die Menschen entwickelten sich weiter. Sie tun es nicht. Das tut nur die Technik...

Offline Franz08

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #14 am: 31. Mai 2006, 16:04:46 »
Aus aktuellem Anlass und weil die Heuchlerbrigade an Politikern gerade wieder lautstark unterwegs ist und damit keine/r sagen kann, er/sie hätte es nicht gelesen:




Zum Thema möchte ich Thomas Steinfeld von der Süddeutschen zitieren, der in seinem Kommentar geschrieben hat:

Quote (selected)
[size=14]Die Selbstinszenierung der üblen Nachrede[/size]
Schlimmer hätte es für Peter Handke nicht kommen können: Wie man eine Jury, einen Preis und einen Autor beschädigt - und am Ende 50000 Euro spart.

So geht das nicht: Der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf kann nicht bei Peter Handke anrufen, um ihm mitzuteilen, dass er in diesem Jahr den Heinrich-Heine-Preis erhalten wird, wenn wenige Tage später die Fraktionen des Stadtrats beschließen, die Vergabe zu verhindern. So geht das nicht: Der gewesene Historiker, Museumsdirektor und jetzige Politiker Christoph Stölzl kann nicht Mitglied einer literarischen Jury sein und sich, sobald öffentliche Kritik an deren demokratisch gefasster Entscheidung laut wird, in die Kulissen flüchten und erzählen, der zukünftige Preisträger sei nicht sein Kandidat gewesen. So geht das nicht: Dass sich jetzt Politiker reihenweise zu Wort melden und die Preisvergabe als ¸¸schäbig" , ¸¸nicht denkbar" oder ¸¸unsensibel" kritisieren, während sie zugleich keinen Zweifel daran lassen, die inkriminierten Schriften Peter Handkes nie gelesen zu haben. Wenn die Düsseldorfer Lokalpolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann behauptet, Peter Handke habe ¸¸Mord, Vertreibung, Massenfolter und Vergewaltigung" relativiert, dann irrt sie. Ebenso Fritz Kuhn, der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, wenn er kolportiert, Peter Handke habe Slobodan Milosevic verteidigt. [...]
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/999/76923/print.html
« Letzte Änderung: 31. Mai 2006, 16:10:32 von Franz08 »
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Offline Bastian

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #15 am: 31. Mai 2006, 17:19:19 »
Ich versuche eher zu schreiben, als zu zitieren:

Die Düsseldorfer haben noch nie gewusst, wie sie mit Heine umgehen sollen. Dass sie aber nicht einmal wissen, wie sie mit Handke umgehen sollen, wundert mich wirklich.

Dass Handke sich nahezu einseitig proserbisch geäußert haben soll, kann kein Grund für eine Aberkennung des Preises sein. Allerdings reicht es auch nicht als Begründung aus, ihm den hochrevolutionären Preis zu verleihen.

Dass er als Schriftsteller, als Mann des Wortes, nicht auf die Worte achtet, spricht zwar für sein Mundwerk, nicht aber für gutes Handwerk:
"Handke drehte den Spieß der offiziellen Rechtfertigungen für die Bombenangriffe um, indem er erklärte, die NATO hätte kein neuesAuschwitz verhindert, sondern ein neues Auschwitz geschaffen. "Damals waren es Gashähne und Genickschußkammern; heute sind es Computer-Killer aus 5000 Meter Höhe." (2)"

Auch der Ausspruch, die Serben seien größere Opfer als die Juden, rutscht einem geschichtsbewussten Menschen nicht einfach so heraus. Den Ausspruch kann er selbstverständlich zu "korrigieren" versuchen, aber zurücknehmen kann er ihn nicht. Gesprochen ist gesprochen.


Mich beschäftigt das Gerummel um den Preis nicht besonders. Er ist ein Preis, der von der Stadt Düsseldorf gestiftet wird, nicht von einem Künstler. Auch soll er nicht Künstler ehren, sondern "Persönlichkeiten (...), die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten“

Ob Handke mit seinem Auftritt bei der Beerdigung Milosevic zur Völkerverständigung wirklich beigetragen hat, bezweifele ich.

Zitate von hier:
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/8/0,3672,3939784,00.html

Ich habe Handke nicht gelesen, wohl aber Heine. Ich wage die Vermutung, dass Heinrich Heine sich geehrt gefühlt hätte, wenn die Stadt Düsseldorf ihm einen Preis verweigert hätte.

So kann sich Handke Heine sogar näher fühlen, als wenn er den Preis bekäme. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Düsseldorfer, wie oben bereits geschrieben, weder mit dem einen, noch mit dem anderen umgehen können. Demnach ist aus der Sicht der Stadt- wie immer- alles in Ordnung. ::)
qed
« Letzte Änderung: 31. Mai 2006, 17:29:09 von Bastian »

Offline Bastian

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #16 am: 31. Mai 2006, 19:15:07 »
Nachtrag:
Hier eine Linkliste mit einigen Texten Handkes. Für alle, die- wie ich- nichts von ihm gelesen haben, aber mitreden wollen. Dort findet man auch einige der Äußerungen, die in der letzten Zeit Wellen geschlagen haben.

http://www.tour-literatur.de/Links/links_autoren/handke_links.htm

Noch ein kleiner Nachtrag: Ich könnte mir eine typisch"rheinische Lösung" vorstellen. Die Stadt überweist Handke das Geld, unter der Bedingung, dass er den Preis nicht annimmt...

Also in Köln würde man das so lösen.
« Letzte Änderung: 31. Mai 2006, 19:18:46 von Bastian »

Offline michael

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #17 am: 31. Mai 2006, 22:57:46 »
Die Linkliste: Beim Versuch, die Links, die direkt auf das fragliche Verhalten eingehen, kriegt man (frau sehrwahrscheinlich auch ...) eine interesssant Mischung: z.Bsp. den Disney vacation planner, eine Seite in Französich (da habe ich eine 100 %igie Bildungslücke, oder eine Seite der 4. Internationalen.
Was will der Mensch H. eigentlich?
Suspekt in meinen Augen ist schon die Betonung zu einem serbischen ***.
Als ob das was erstrebenswertes wäre: Hat da nicht vor kurzem eine Gegend im Ex-Jugoslawien mehrtheitlich ihr NATIONALE Selbstständigkeit gewählt: Toll, ganze 600000 Bürger müssen jetzt 200 Bots haften ausrüstern. mit Personal versorgen, und ganz WICHTIG: GRENZSCHTRUPPEN aufbauen, die GRENZEN abriegeln, Zöllner und eigene PÄSSE und eine NATIONALHYMNE!!!

Was mag der handke nur wollen?

Rheinische Lösung? Statt Geld ein alter Karnevalsorden, mehr ist nicht drin.

Offline Alex

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #18 am: 01. Juni 2006, 01:45:39 »
Hab ich irgendetwas verpasst?
Verstehe den Ablauf nicht ganz...? Handke hat hier und dort Zitate fallen gelassen, die jetzt -doch ganz anders erklärt werden und gar nicht sooo schlimm waren. Handke war Grabredner bei Milosevic, der Großserbien propagiert hat, mehrere- oder einen großen- Bürgerkrieg verfolgte, Massenexekutionen angeordnette (ließ), -sein Clan hat sich mit Millionen Euros bereichert. Für die Definition eines Diktators sollte dies reichen! Wer am Begräbnis dieses Mannes an solch exponierter Stelle teilnimmt setzt ein Zeichen. Aber keines der Toleranz oder des Freidenkens.
Heine- Tradition? Das soll mir mal einer erklären...

Offline Alexander

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #19 am: 01. Juni 2006, 10:29:16 »
Das ist jetzt frech und "politisch nicht korrekt" und noch dazu nur so dahingesagt, weil ich nur wenig Ahnung von allen möglichen und unmöglichen weltpolitischen Zusammenhängen habe und im Moment leider zu wenig Zeit, alle Links zu studieren:
Ich sehe Handke auf der Position desjenigen, der sich als Künstler gegen die "negative Globalisierung" wehrt, meinetwegen mit unglaubwürdigen Mitteln.
Ich selbst bin (leider) von der Schule Handke-verdorben (mit dessen Werken aus den 70ern), kenne aber zwei Leute, auf deren Urteil ich viel gebe und die den Handke literarisch ziemlich gut kennen und die schriftstellerisch nichts über ihn kommen lassen.
O.k., bin meinungstechnisch hier nur zweiter Hand. Trotzdem: Diesfalls erlaube ich mir die freche Meldung: Der Milosevich war als Diktator ein Miesling, vielleicht so einer wie der Saddam Hussein. Aber sind nicht die, die solche Mieslinge geschäftlich und militärisch stützen (bis sie sie nicht mehr brauchen), die noch größeren Mieslinge?
Ganz abgesehen davon würde ich "Wortfront" oder Andrea Eberl oder Dagmar Anuth oder Erics Theater in Döbeln oder Bassmeisters aktuellem Ensemble oder Bastian Kopp zum Aufbau einer seinem Talent würdigen Karriere oder weiß Gott wem dieser Art das Düsseldorfer Geld tausendmal mehr gönnen.
Soviel zu meinem sicher etwas seltsamem Verständnis von Politik und Kunst.
« Letzte Änderung: 01. Juni 2006, 10:33:19 von Alexander »
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline whoknows

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #20 am: 01. Juni 2006, 12:07:08 »
Ich würde uns das Geld auch mehr gönnen. 8-) - zumal der Handke keine Geldsorgen hat. - Aber Geld kommt zu Geld, das ist doch immer so.
Jedenfalls: Was mich umtreibt, ist folgendes: Ich bin eigentlich der Meinung, dass man die Wertschätzung der  künstlerischen Arbeit von jemandem nicht unbedingt mit  dessen charakterlichen Eigenschaften vermischen  oder davon abhängig machen sollte. Sonst könnte man Rousseau, Brecht, Wagner, auch Kreisler, und viele viele andere  nicht mehr so hoch schätzen.
Aber: Gilt das gundsätzlich? Gibt es Grenzen? Oder sind die nur von der Zeit abhängig, und davon, wie sehr zB die politische Meinung ein gewisses Klima unterstützt hat (zB: Jünger). Ziehe ich diese Grenzen nur beim SOZIALEN Verhalten, also: wie geht der Künstler mit Freunden, Verwandten um - oder bei Politischem: Also: Wagner ist schlecht, weil antisemitisch. Handke ist schlecht, weil proserbisch und undifferenziert einem politischen Megaarschloch gegenüber und  Brecht ist gemischt, weil er zwar  künsterisch eher zynisch war, da  populistisch  auf Gewinn bedacht aber  eher Wasserprediger und Weintrinker war, trotzdem haben seine WERKE politisch "gut" gewirkt, und sein menschlicher Umgang geht uns nix an. Rousseau und Kreisler indes sind völlig okay, weil die ja nur der eigenen Familie schlecht taten, aber politisch ehrlich.
Ist das die anzusetzende Grenze?
Wie ist das mit der Arbeit von Furtwängler, Riefenstahl, Rühmann und wie die Ignoranten alle hiessen?(auch ausübende Künstler sind Künstler, oder?)

Macht es die literarische Arbeit von Handke wertlos, dass er mit zunehmenden Jahren in seiner Politischen  Wahrnehmung und Einschätzung zum Volltrottel wurde?

Und: Die Antwort darauf ist irgendwie...äh....Geschmackssache. Ist das legitim? Sollte es einen Konsens geben, warum man die künstlerische Arbeit von jemandem schätzen kann, abgesehen von der reinen Kunstdefinition?

(Mit dem Preis hat das allerdings auch nur in einem Grenzbereich zu tun, da kommt nämlich noch die Frage in's Spiel: Ehrt man mit einem Preis die künstlerische Arbeit des Preisträgers allein, oder auch seine Menschlichen Taten? Und zwar:Intention und Rezeption - also was wollen die Preisgeber und was sehen die Menschen in dem Preis?)

Und: kann man einen künstlerischen Preis nur einem WERK verleihen, und nicht dem dahinter Stehenden Menschen?
« Letzte Änderung: 01. Juni 2006, 12:15:27 von whoknows »

Offline michael

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #21 am: 01. Juni 2006, 13:10:02 »
Ja, genau.
Es bleibt mir kaum etwas anderes übrig, als zwischen der Person und der Kunst zu trennen. Zum ersten Mal habe ich diese Zwickmühle mit Dali und Dali's Bildern gehabt:
Die Bilder sind für mich so tiefsinnig, ansprechend, atemberaubend, aber die Person....Schweigen wir lieber.
Weiter gedacht: Wenn ich immer die Person mit bewerten muss, dann dürfte ich nie nach dem Hören einer Musik spontan sagen: toll, gefällt mit prima - der/die Musiker/Musikerin könnte ja aus der falschen politischen / moralischen Ecke kommen. Und was, wenn ich nach Jahren feststelle, das er/sie aus politischen oder persönlichen Gründen untragbar ist? Soll ich dann meine CDs wegwerfen?
Nein, ich trenne zwischen Kunst und Künstler.
Schön, wenn beides zusammenpasst (Paul McCartney ist veg*!!), dann kann ich mich freuen, und bei Dali geniesse ich eben die Bilder pur - zur Strafe kaufe ich mir keinen Original-Dali, so!
Aber eine Grenze wird errreicht, wenn jemand offen für faschistische, rassistische, diktatorische Dinge wirbt: Dann noch einen Preis verleihen, gar einen Heine-Preis?



Offline Bastian

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #22 am: 01. Juni 2006, 14:06:50 »
Die Diskussion, die im Moment läuft, sollte man mal Aufnehmen:
Verfechter und Verächter Handkes streiten sich mit Schaum vor dem Mund darum, wer völkerverbindender ist: Heine oder Handke.

Hier eine Prognose:
Handkes Bücher werden aus den Regalen der Buchhandlung Müller genommen, die heute im Heine- Geburtshaus sitzt, in dem ich früher immer so schön gesoffen habe. Mit den Worten "Handke ist unser nationales Symbol!" wirft Österreich die Jelinek über der Altstadt ab- und das Institute Français wird kollateral in Schutt und Asche gelegt. Das darüber erboste Paris schickt Heinrich Heine zurück nach Düsseldorf, doch der Oberbürgermeister weiß nicht wohin mit ihm, weil es in dieser großen Kleinstadt einfach keinen prestigeträchtigen Ort mehr für Heines Gebeine gibt. Schließlich hat man mit ihm noch nie gerechnet, und schon gar nicht mehr mit ihm. Und die letzten hübschen, repräsentativen Freiflächen sind längst mit unhübschen, repräsentativen Betonbürogebäuden und einem schäbigen, nicht- sonderlich- repräsentativen Uni- Campus zugekleistert (Hei-Hei-Uni).

Dann weiß der OB plötzlich doch, wohin mit dem Heinegebeine, und:

Schon macht der Rollrasen in der LTU- Arena wieder Probleme...

Die FIFA rügt den Oberbürgermeister und beschließt, keine Länderspiele in diesem Stadion mehr auszutragen, was den oben genannten Bürgermeister zu der Kurzschlussreaktion verleitet, aus lauter Wut, Sepp Blatter wegen "Völkerverständigung" für den Heine Preis vorzuschlagen.

Ein mächtiges Rascheln geht durch den Blätterwald, ein Knarren, sogar. Nur Sigrid Löffler findet das- wieder einmal- "eine mutige Idee", und wird gar übermutig: Sie ruft nach langer Zeit wieder mal bei Marcel Reich-Ranicki an, und findet in ihm, zu ihrer Verblüffung, einen willigen Unterstützer. So willig, dass die beiden kurz darauf ihre Verlobung bekannt geben. Aus dem Krankenhaus meldet sich Elfriede Jelinek zurück, und kündigt an, ihren Heine- Preis an Löffler und Ranicki zu verschenken.

Da wird es plötzlich still.

Bei 3Sat gibt die Jelinek Gert Scobel ein Telephoninterview: "Ja, als ich durch das Dach des Institute Français krachte, kam mir die 'Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen' (Zitat Heine Preis). Wenn schon der Ranicki und die Löffler zusammenfinden, was brauch ich dann noch diesen Preis?"

Zwei Tränen sammeln sich im linken Auge von Gert Scobel. Und auch Peter Handke wird ganz ungewohnt zu Mute. Der Oberbürgermeister Erwin spricht: "Seht ihr? Ich habe ja nie an diesem Preis gezweifelt!"...

... nur unter dem Elfmeterpunkt des Stadions, aus der Beule im Rollrasen, hört man es ganz leise kichern. Alle zwei Jahre einmal.
« Letzte Änderung: 01. Juni 2006, 17:47:03 von Bastian »

Offline whoknows

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #23 am: 01. Juni 2006, 14:30:14 »
Grossartig.

.....wusste garnicht, dass Du unter dem Stadion wohnst....

Offline Alexander

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Re: Literatur: Anregungen
« Antwort #24 am: 01. Juni 2006, 15:43:00 »
Ich bin mit allem von Euch einverstanden.
Leider (?) muss man offenbar wirklich vielfach das Künstlerische vom Künstler trennen.
Und: Bastian, Du Genie ... unglaublich, was Dir so einfällt, wenn Du Dich herauslocken lässt aus Deinem Bastianskopf!

Mangels eigener Worte hier ein Zitat PRO Handke.
Ich mag Schütt. Und ich nehme mir für 2007 vor, viel Handke zu lesen.

21.03.06
Der Dichter am Grab
Von Hans-Dieter Schütt
 
Peter Handke am Grab von Miloševic. Das Feuilleton empört sich: Dichter in Mördernähe! Ein Feuilleton, das, zu Teilen, einem Bush in so rasendem Jubeltempo hinterherschrieb, dass es mit spitzküssender Feder glatt in ihn eingedrungen wäre, hätte der Krieger auf dem Weg in den Irak plötzlich gebremst. Mördernähe. Kein Dichterprivileg. Manchmal spricht es für Dichter, wenn sie schreiend einseitig, gefahrvoll missverständlich sind. Und beglückend talentlos, immer dort über den Dingen zu stehen, wo die unanfechtbare Moral einen schützt. Handke, Pinter: Die Verrückten sind die Gesunden.
Der Österreicher trat für Serbien ein, indem er stets dort beiseite trat, wo die bestimmende Wahrheit, die der Welt-Bestimmer, herantriumphierte. Auch in Serbien wurden Menschen Opfer – ihrer Machthaber, eines spaltenden Krieges und westeuropäischer Abstempelung zum Tätervolk. Dagegen schrieb er. Nicht für Miloševic. Freilich war er nicht gefügig für feststehende Vor-Urteile – in einem laufenden Prozess. In Den Haag trug nicht die Sorge um Gerechtigkeit die Robe, es ging wohl eher um die US-gesteuerte Entsorgung eines schwierigen Häftlings.
Handke war nie Parteigänger. Am Grab stand er, was Serbien betrifft, als höchst lebendiger Wiedergänger.

http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=87573&IDC=7&DB=O2P

« Letzte Änderung: 01. Juni 2006, 15:44:39 von Alexander »
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

 

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