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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Kunst und Sucht  (Gelesen 2668 mal)

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Offline Alexander

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Kunst und Sucht
« am: 19. September 2006, 16:49:41 »
Ich rege dieses Thema aus aktuellem Anlaß an, weil ich gerade peripher eine Sache mitgekriegt habe, wo ein Manager einen Künstler nicht erreicht, obwohl es um wichtige Termine geht - ganz einfach, weil der Künstler ein schweres Alkoholproblem hat. Ich nenne keine Namen, bitte diesfalls um Verständnis. Es ist ein nicht sehr bekannter, aber hochtalentierter Künstler.
Natürlich kann man nichts verallgemeinern. Vielleicht kann man drei "Typen" unterscheiden.
a) Der unbekannte KÜnstler, der süchtig ist (vielleicht sogar, weil er unbekannt (geblieben) ist)
b) Der bekannte Künstler, der immer süchtig war und ist (wonach auch immer)
c) Der bekannte Künstler, der erst süchtig wird (ev. weil er den Erfolg anders nicht verkraftet)
Sucht sehe ich hier auch nicht reduziert auf Alkohol, Nikotin oder Drogen - kann auch Fernsehsucht, Sexsucht, Ablenkungssucht oder wasweißich sein.
Kleine Sucht, große Sucht - nur nach einem tiefen Zug aus der Zigarette auf die Bühne gehen können, oder - hab´s bei einem berühmten Dirigenten erlebt - nur nach dem Kopf in einem Whiskybottich zur Autogrammstunde nach dirigierter Oper gehen können?
Kunst und Sucht - gehören sie zusammen oder ist das individuell verschieden?
« Letzte Änderung: 19. September 2006, 16:52:58 von Alexander »
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline whoknows

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Re: Kunst und Sucht
« Antwort #1 am: 19. September 2006, 18:49:33 »
Ich glaube, es ist verschieden. Aber: zahllos die Künstler, die sich durch ihre Sucht die Karriere versaut haben. Künstler sind dünnhäutig, und die Kluft zwischen Wollen und Sein verträgt eben nicht jeder.

Offline Dagmar

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Re: Kunst und Sucht
« Antwort #2 am: 20. September 2006, 01:57:03 »
Du fragst: "Kunst und Sucht - gehört das zusammen, oder ist das individuell verschieden?"

Ich antworte aus meiner Erfahrung (aus welcher auch sonst... ::)):

In meinem ganzen Leben habe ich noch NIE einen Künstler erlebt, mich eingeschlossen, der nicht auch irgendwo mehr oder weniger offen, verdeckt, verdrängt, versteckt, verschämt, verschwiegen, verharmlost, verleugnet, unerwähnt, selbstverständlich, tu-normal, usw. NICHTS mit Sucht zu tun hatte. ALLE hatten sie irgendetwas an irgendeiner Ecke mit Sucht zu tun.

Künstler sind in ihrer Persönlichkeitsstruktur besondere oder meinetwegen auch eigenartige Figuren, sie haben besondere grosse Sensibilitäten und besondere (vielleicht auch grosse) Defizite - und eben deshalb auch (ausschliesslich benannt aus meiner persönlichen Erfahrung) alle etwas mit dem Thema Sucht zu tun.

Viele wollen das nicht wahrhaben (was ein Merkmal von Sucht ist!), viele leugnen das (was ein weiteres Merkmal von Sucht ist!), viele streiten das ab (was auch ein Merkmal von Sucht ist!), einige kokketieren damit herum, die meisten (meiner Erfahrung nach) versuchen, irgendwie davon weg und los zu kommen. Manche schaffen das auch, andere (meist die mit Alkohol) schaffen das nur so halbwegs, andere (meist die mit Kokain) schaffen es eben nicht mehr.
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

Offline whoknows

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Re: Kunst und Sucht
« Antwort #3 am: 20. September 2006, 10:09:00 »
Naja. Das ist die strikte Auslegung, würde ich mal sagen. Oder: die "deutsche Auslegung"  ;)
Zwei Drittel der Menschheit (Minimum) haben irgendwie irgendwas mit Sucht zu tun. Nikotin zB. Aber zwei drittel der Menschheit sind nicht Künstler. Natürlich sind Künstler eher dazu geeignet, irgendwas mit ihrem Geist, ihrer Seele "anzustellen" - sie spüren einfach viel, das löst viel aus.
Aber - mal abgesehen von der Nikotin-sucht, oder der Sucht nach Bestätigung oder der Sucht nach Liebe - die immer mehr oder weniger ausgeprägt da sind  - ich hatte das schon eher auf MISSBRAUCH von bewusstseinerweiternden Substanzen verstanden.

Und da gilt: klar kann es bei manchen Künstlern helfen, besoffen zu schreiben oder auf Koks oder so - aber eben immer nur vordergründig - denn auch das Künstlerische Leben kennt die Mühen der Ebene - und die funktionieren einfach nciht mit Sucht.
Es gibt im übrigen auch Künstler - und nciht zu wenige - die sind völlig ohne Sucht completamente meschugge. Artaud, um nur ein Beispiel zu nennen. Bacon war nur schwer Nikotinsüchtig. Die ganzen Gugginger Maler - die waren einfach "naturtrüb". Picasso - strikter Antialkoholiker. Gibt's auch.
Ich geh jetzt zur Popkomm und schau mir die Meschuggenen an.  ;) blöärch. Null Bock. Für sowas würde ich gern irgendwelche Substanzen haben, die es mir leichter machen - nur kann ich dann nicht gut Kontakte knüpfen.

Fazit: als Künstler kann man nur dann süchtig sein UND Erfolg haben, wenn man jemanden hat, der alles ausser dem Kreativen für einen erledigt.

Übrigens - fällt mir auf:
Quote (selected)
Viele wollen das nicht wahrhaben (was ein Merkmal von Sucht ist!), viele leugnen das (was ein weiteres Merkmal von Sucht ist!), viele streiten das ab (was auch ein Merkmal von Sucht ist!)
Klar, das stimmt natürlich. Andererseits: ist Dir schon aufgefallen, dass man nach dieser Logik JEDEN zum Süchtigen stempeln kann, und der kann nix dagegen machen, weil jedes Argument dagegen ein "Merkmal der Sucht" sein kann? Frage ich mal polemisch.
« Letzte Änderung: 20. September 2006, 10:11:33 von whoknows »

Offline Guntram

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Re: Kunst und Sucht
« Antwort #4 am: 20. September 2006, 11:11:44 »
Ich kenn keine Statistiken die belegen, ob Künstler suchtgefährdeter sind als andere. Ob sie anfälliger sind ist spekulativ. Ich denke es gilt aber wenn es bekannt wird und das tut es im Normalfall wenn sie abstürzen ist das "Erstaunen" groß. Einige Ausnahmen gibt es die ihre Sucht als Teil ihres Images vermarkten.

Über bereits tote Künster vergangener Epochen zu diskutieren bringt nicht weiter weil es andere Zeiten waren. Über Lungenkrebs oder Alkoholismus hat sich vor 100 Jahren keiner gedanken gemacht. Es gab auch Zeiten wo Koks in war.

Entscheidener für die das "heute" ist das "heutige" Umfeld. Wenn man einem Menschen dauernd erzählt wie toll er ist dann hält er sich irgendwann für Gott dem keiner mehr etwas anhaben kann. Dann entwickelt sich irgendein lockerer Sparren und auch der Glaube gegenüber "Sucht" immun zu sein. Das gilt nicht nur für Künstler. Ich denke da auch an Politiker die glauben über dem Gesetz zu stehen oder sehr Reiche die glauben mit Geld alles erreichen zu können, etc. etc.

Und ich glaube es gibt auch genug Künstler die "normal" geblieben sind und nicht abgehoben haben und in irgendwelche Süchte entschwebt sind. Nur davon hört man nichts in der Presse weil das keine Schlagzeile ist. Oder was haltet ihr von:

"(Beliebiger Künstername) heute nach Auftritt nüchtern und zufrieden ins Bett gegangen" ;)
Träume sind nicht Schäume, sind nicht Schall und Rauch,
sondern unser Leben so wie wache Stunden auch.
Wirklichkeit heißt Spesen, Träume sind Ertrag. Träume sind uns sicher schwarz auf weiß wie Nac

Offline Bastian

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Re: Kunst und Sucht
« Antwort #5 am: 20. September 2006, 12:02:13 »
Quote (selected)
In meinem ganzen Leben habe ich noch NIE einen Künstler erlebt, mich eingeschlossen, der nicht auch irgendwo mehr oder weniger offen, verdeckt, verdrängt, versteckt, verschämt, verschwiegen, verharmlost, verleugnet, unerwähnt, selbstverständlich, tu-normal, usw. NICHTS mit Sucht zu tun hatte.
Hihi, der Satz ist jetzt murks, dank heißem Brei. Das hast du jetzt davon. 8-)

Ich sehe auch nicht einen Zusammenhang zwischen Künstler und Sucht. Ähnlich wie Guntram. Zumindest sehe ich keinen Zusammenhang, der nicht auch für "Chefarzt und Sucht," oder "Arbeitsloser und Sucht "gelten würde. Dass Künstler mehr denken oder fühlen als z.B. Professoren und Hebammen, halte ich für ein Vorurteil.

Ich denke, dass es einige Kriterien gibt, die Süchte begünstigen. Und einige treffen eben auch auf Künstler zu.

Wer viel Zeit mit sich allein verbringt, muss sich beschäftigen. Das gilt für diejenigen, die "einsam und ganz oben" sind, wie für diejenigen, die jeden Abend alleine in einem Hotelzimmer sind. Es gilt für die, die an Schreibtischen vor leeren Blättern sitzen, wie für diejenigen, die am Klavier vor leeren Gläsern Stuhlreihen sitzen. Auch wer Existenzängste hat, weil er freischaffend oder arbeitslos ist, verfällt leicht in das weiche Bett der Süchte. Denn sie schaffen einen gewissen Abstand zu den eigenen Lebensumständen. Eine Hilfe aus diesen Umständen herauszukommen sind sie dabei aber sicher nicht, denn sie rauben einem eben die Energie, die man zur Bewältigung bräuchte. Aber, was sag ich, es ist ja Binse...

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass z.B. Alkohol schon den Neocortex zum rattern bringt, und einen dadurch auf komische Ideen kommen lässt. Die kann man dann aufschreiben und ggf am nächsten Tag nachvollziehen. Das ist einerseits verführerisch, leitet aber über kurz oder lang von der Sucht zur Abhängigkeit. Wer trinkt um zu schreiben, oder um sich von seinen Lebensumständen zu "erholen", schafft sich selbst Abhängigkeiten, die er dann auch noch mit sich rumschleppen darf. Gerade Süchte kosten Energie.

Das gilt aber eben auch für den Arzt, der sich nach zwölf Stunden Dienst und fünfzehn Gebärmutterhalsentfernungen bis zum nächsten Morgen auf die Pritsche legt und seinen Flachmann runternuckelt.

Ich denke, dass es gesellschaftlich Künstlern noch am ehesten zugestanden wird, dass sie mit ihren Süchten oder gar Abhängigkeiten kokettieren. Bei einem Postbeamten oder einem Hausarzt spräche man schnell von dem was es ist: Krankheit. Dies setzt natürlich voraus, das sie es vorher eingestanden und nicht- wie Usus- verheimlicht haben. Nur haben die beiden scharfe Konsequenzen zu befürchten. Nicht so der Künstler: Ihm wird es- ganz vorurteilsgemäß- zugestanden, dass er ungesund lebt. Da liegt die Hemmschwelle es zuzugeben niedriger, und es wird sogar offen als zum Künstlerleben dazugehörend empfunden. Ist doch super: der Künstler "freut" sich über seinen Blankoscheck, und der Rezipient hat seinen vermeintlichen Bohémien.

Ähnelt, was den Grad der Ungesundheit angeht, dem menschenverachtenden Vorurteil vom "Kreativsein dank Armut". Im Endeffekt trägt jeder diese Vorurteile in sich, und niemandem nützen sie etwas, weil sie falsch und irreführend sind.

Viele Worte, dabei ist es doch eh allen klar...

"Verbogeny is one of the pleasurettes of a creatific thinkerizer." ::)
Peter da Silva
« Letzte Änderung: 20. September 2006, 12:21:27 von Bastian »

Offline whoknows

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Re: Kunst und Sucht
« Antwort #6 am: 21. September 2006, 10:21:22 »
Ich finde, die Sucht, um jeden Preis originell sein zu wollen, ist noch die netteste Sucht für die Mitmenschen.
Quote (selected)
Peter da Silva is a simulation running loose on the net. It was programmed largely by a rogue group of users in the late '70s and the early '80s, members of the notorious Chaos Mailing List that spread over the ARPAnet at that time.

 

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