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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Kunst und Provokation  (Gelesen 37576 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

angel

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #50 am: 03. Februar 2006, 13:18:03 »
Da es um Satire geht, passt die Debatte um den "Karikaturenkrieg", die im Witzethread begann, am besten hier rein.

Es war klar, dass das nun kommen mußte:  :-/
http://www.heise.de/tp/foren/go.shtml?read=1&msg_id=9784967&forum_id=91759
« Letzte Änderung: 03. Februar 2006, 13:28:49 von angel »

Offline Bastian

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #51 am: 03. Februar 2006, 13:52:34 »
Hier heises Beitrag dazu: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21920/1.html

Auszug:
"HaGalil ist seit langem bereits Angriffsziel für Neonazis und Rechtskonservative, Hassmails sind nichts Neues. Diesmal allerdings könnte der Angriff auch aus einer ganz anderen Ecke kommen, wie David Gall im telefonischen Gespräch bemerkte. Denn haGalil hatte gestern die umstrittenen Mohammed-Karikaturen (Islam - Pressefreiheit 1:0) veröffentlicht. Insofern ist es für David Gall ein "komischer Zufall", dass gerade jetzt die kompletten Daten des Servers gelöscht wurden.

Inwiefern Daten nur gelöscht oder vorher kopiert wurden, ist bislang unklar. Gleiches gilt für das Vorhandensein von Backups. Da haGalil stets mit wenig personellen und finanziellen Resourcen auskommen muss und insbesondere, so David Gall, der Kampf um die weitere Förderung des Webmagazins viel Zeit verschlingt, werden ab und an technische Aspekte schon einmal gezwungenermaßen klein geschrieben. Welchen Schaden die Angreifer also nun genau verursacht haben und aus welcher Ecke sie kamen bleibt abzuwarten.

 Update: Angeblich hätten die Angreifer eine IP-Adresse gehabt, die Gall in Verbindung mit Katar bringt. Dem Fernsehsender n-tv sagte er, dass Hagalil aus politischen Gründen zerstört wurde. Es ist doch verrückt, dass in Jemen 150.000 Menschen auf die Straße gehen, nur weil eine Zeitung in Aarhus ein paar Karikaturen veröffentlicht. Die dürften kaum wissen, wo Aarhus liegt. Ich weiß es selber nicht." Zur Verfolgung des Hacks wurde das Landeskriminalamt eingeschaltet. "


Offline Bastian

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #52 am: 03. Februar 2006, 14:35:37 »
Zu den Karikaturen und den Folgen erinnerte ich mich an eine ähnliche Diskussion, die wir hier hatten. Auch in diesem Fall ging es um Religionskritik, die auf einer Theaterbühne geäußert worden war. Und sie zeitigte ähnliche Folgen, wenn auch in wesentlich kleinerem Rahmen:

http://www.georgkreisler.net/cgi-bin/yabb/YaBB.cgi?num=1083530044/1#1
« Letzte Änderung: 03. Februar 2006, 14:37:37 von Bastian »

angel

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #53 am: 03. Februar 2006, 14:57:43 »
Danke, Basti!
Leider ist die Erklärung von David Gall etwas wirr.  :(
Die Karikaturen der dänischen Zeitung waren nur für einige Stunden in haGalil im Eingangsportal zu Dokumentationszwecken publiziert und abends gab es statt dessen einen längeren Bericht über die Reaktionen - ohne Karikaturen. Ich hoffe nur, dass es ein aktuelles Backup gibt und haGalil bald wiede online ist.

@ whoknows: Ich bin übrigens sehr dafür, daß Stahlhelme nicht mehr getragen werden. Da sie wesentlich schwerer als seidige Kopftücher sind, schaden Sie imho dem Denkvermögen mehr als die Tücher. 8-)

Basti - Dein Beitrag #15 im "Lieder- und Theaterthread" ist mal wieder köstlich zu lesen!  :-*

Und falls sich Peter Silie mal wieder hierher verirrt: Im christlichen Dogma bzw. der Theologie ist die "Auferstehung" (zumindest nach Peter de Rosa "Der Jesus-Mythos") umstritten. Eben deshalb krallt man sich an der Leiche am Kreuz fest, macht einen Totenkult damit, der insbesondere zum Zweck repressiver Erziehung benutzt wird...
Wir sprachen ja auch irgendwann irgendwo schon mal über den Kruzifix-Streit in Bayern...
« Letzte Änderung: 03. Februar 2006, 15:20:15 von angel »

Offline michael

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #54 am: 03. Februar 2006, 23:26:33 »
Die Heise-Foren sind wirklich erschütternd. Besser gesagt, die Besucher / Autoren vieler Beiträge. Wenn das ein repräsentativer Querschnitt durch die Bevölkerung wäre: Ein Albtraum. Der Anteil an rechtsradikalen / verharmlosenden Beiträgen ist extrem hoch, es ist iin den Heise-Foren "normal".




angel

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #55 am: 04. Februar 2006, 19:26:46 »
Michael, es wirkt auf mich so, als hätten sich die Nazis spezifisch für Themen zu USA, Nahost, Israel, Juden registriert und immer wenn es um das Thema geht, stürzen sie  in die Debatte und veranstalten eine Schlammschlacht.  >:(

Mir fällt mal wieder auf, dass die SZ mit am besten recherchiert. So auch zum Thema "Karikaturenkrieg":
Ein Sturm der Empörung, gezielt entfesselt

Bezüglich der neueren Entwicklung schreibt die FAZ am ausführlichsten.

Offline whoknows

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #56 am: 04. Februar 2006, 21:58:40 »
Wie auffallend, just zB USA und andere, die gerne heimlich die Pressefreiheit selber ein bissel einschränken würden, am deutlichsten gegen die karikaturen reden. Obwohl - eigentlich logisch, schüren sie doch damit ein Klima, in dem sie mit ihren Einschränkungen weiter kommen werden...

Offline Bastian

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #57 am: 05. Februar 2006, 22:02:49 »
Aber hier ist doch der Thread. :)

Offline michael

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #58 am: 05. Februar 2006, 23:14:46 »
@Angel: Zumindest in den Heise-Foren ist es leider nicht so: Sie sind IMMER da- bei jedem Thema.
Und das ist noch erschreckender, als wenn sie nur zu bestimmten Themen da wären.

Offline whoknows

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #59 am: 06. Februar 2006, 01:04:24 »
Quote (selected)
Sie sind IMMER da- bei jedem Thema
:P

Offline Bastian

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #60 am: 06. Februar 2006, 16:21:08 »
Der "Karikaturenstreit" hat wirklich eine sonderbare Dynamik. Mittlerweile gibt es die ersten Toten. Die Demonstranten sind offensichtlich tief verletzt, und das, obwohl die Bilder von den Sendern islamischer Länder gar nicht gezeigt werden- weil es eben nicht erlaubt ist, Bilder vom Propheten zu zeigen...

So haben sie die Bilder nicht gesehen, würden aber bis aufs Blut gegen sie kämpfen, weil die Propaganda funktioniert. Auf der anderen Seite wird wieder einmal klar, dass Kabarett/ Karikatur innerhalb totalitärer Strukturen unweigerlich den Tod des Kabarettisten/ Karikaturisten bedeuten. Also kann Satire nur in einer "freien" Gesellschaft existieren... eine bedrückende Abhängigkeit.

Das alles durcheinandert mich ein wenig.

Offline Bastian

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #61 am: 06. Februar 2006, 17:04:43 »
Dazu fällt mir eine Anekdote ein, die van Veen gerne erzählt. Sein Opa erzählte ihm, als er ein kleines Kind war, von Johan Buziau, dem bekanntesten niederländischen Komödianten der "Zwischenkriegszeit":

Buziau soll kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges mit einem Portrait von Adolf Hitler auf der Bühne des Carré- Theaters hin- und hergerannt sein. Dabei fragte er das Publikum: "Wo sollen wir ihn aufhängen?"

Buziau kam nach dem Einmarsch der Deutschen im Jahre 1942 ins Internierungslager in Haaren. Er überlebte zwar, trat aber danach nie wieder auf.
« Letzte Änderung: 06. Februar 2006, 17:06:23 von Bastian »

Offline Has Been

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #62 am: 06. Februar 2006, 23:33:05 »
Quote (selected)
Auf der anderen Seite wird wieder einmal klar, dass Kabarett/ Karikatur innerhalb totalitärer Strukturen unweigerlich den Tod des Kabarettisten/ Karikaturisten bedeuten. Also kann Satire nur in einer "freien" Gesellschaft existieren... eine bedrückende Abhängigkeit.

Das alles durcheinandert mich ein wenig.
"Totalitäre Strukturen" ist wieder so ein Gummibegriff, der für alles mögliche herhalten muss: vom Nationalsozialismus über religiösen Fundamentalismus bis hin zum "real existierenden Sozialismus".
Immerhin für den letzteren dürfte gelten, was Wolf Biermann (!) seinen zaghafteren DDR-Schriftsteller-Kollegen einst ins Stammbuch schrieb: "Leben steht nicht auf dem Spiele, euer Wohlleben ja nur!"

Von Heiner Müller gibt es die schöne Geschichte, dass er nach dem Verbot seiner "Umsiedlerin" und dem darauf folgenden Ausschluss aus Partei und Schriftstellerverband - um sein künstlerisches Überleben bangend - Hilfe beim großen Hanns Eisler suchte, der ihm kühl erklärte: "Müller, seien Sie froh, in einem Land zu leben, wo man Kunst noch so ernst nimmt!"

Solche Worte an den Autor der "Satanischen Verse" gerichtet wären natürlich ein übler Zynismus, und manch unbeugsamer Spötter landete im KZ/Gulag/Stasi-Knast; trotzdem glaube ich nach wie vor, die größte Gefahr für die Satire selbst ist immer noch der totale Meinungspluralismus sog. "freier" Gesellschaften, wo unterhaltsame Kunst nicht mehr ist als eben: Unterhaltungskunst.

Was wiederum keineswegs heißen soll, dass ich massenhafte blutige Ausschreitungen einiger Karikaturen wegen für ein gutes Zeichen hielte - irgendwie durcheinandert es halt auch mich...

Offline whoknows

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #63 am: 07. Februar 2006, 09:51:44 »
Ihr Beiden findet kluge Worte.
Aufregung ist auf jeden Fall immer AUCH was Gutes - denn es kann mehr zur Veränderung führen, als Gleichgültigkeit.


Offline Bastian

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #64 am: 07. Februar 2006, 12:49:20 »
Hast vollkommen Recht, Has Been. Gute und differenziertere Beispiele auch. Es gibt verschiedene Grade von Aufregung, und Gesellschaften mit unterschiedlichen Toleranzschwellen. Da kann das, was hier keinen mehr hinterm Ofen hervorlockt, anderswo riesige Wellen schlagen.

Beim Karikaturenstreit verhält es sich ehrlicherweise noch etwas anders. Da wird eine Karikatur, die speziell und ausschließlich Muslime aufregt, im sicheren, christlichen Dänemark gezeichnet und veröffentlicht. Brennen tut es in Jakarta.

Wegen dieser Dynamik glaube ich nicht an den aufrüttelnden Effekt dieser Bilder. Die Karikaturen können nicht, wie üblich, an die Selbstironie appellieren. Sie haben, weil sie von weit her kommen den Charakter einer Attacke, und als diese werden sie offensichtlich auch empfunden. Wäre ich Karikaturist, ich hätte sie wahrscheinlich nicht veröffentlicht.

Aber darüber steht bei mir die Überzeugung, dass man sie veröffentlichen dürfen muss.
« Letzte Änderung: 07. Februar 2006, 16:45:39 von Bastian »

Offline Guntram

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #65 am: 07. Februar 2006, 13:16:12 »
Quote (selected)
Beim Karikaturenstreit verhält es sich ehrlicherweise noch etwas anders. Da wird eine Karikatur, die speziell und ausschließlich Muslime aufregt, im sicheren, christlichen Dänemark gezeichnet und veröffentlicht. Brennen tut es in Jakarta.  

... und dann kommt noch dazu das die Karikaturen an denen sich alles entzündet hat gar nicht veröffentlicht waren ... :-/

http://www.n-tv.de/631124.html
« Letzte Änderung: 07. Februar 2006, 13:16:39 von guntram »
Träume sind nicht Schäume, sind nicht Schall und Rauch,
sondern unser Leben so wie wache Stunden auch.
Wirklichkeit heißt Spesen, Träume sind Ertrag. Träume sind uns sicher schwarz auf weiß wie Nac

angel

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #66 am: 07. Februar 2006, 16:15:03 »
Und zuerst wollte so gar nix zünden. "Die Bombe brauchte viele Zünder...KOPENHAGEN taz  Sie wollte zunächst einfach nicht explodieren. Die Bombe im Turban des Propheten. Groß auf der Titelseite der Jyllands-Posten vom 30. September 2005 wurde die Seite mit den bunten Karikaturen "Bilder Mohammeds" angekündigt. Und dann blieben die Reaktionen aus. So rief die Redaktion bei radikal bekannten Imamen an, präsentierte die Aktion und bat um Stellungnahmen." mehr....

Offline Bastian

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #67 am: 07. Februar 2006, 16:41:09 »
Schon interessant, wer alles ein Interesse an dieser Eskalation hat. Divide et impera auf allen Seiten...

angel

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #68 am: 08. Februar 2006, 17:54:24 »
Zuerst einmal wirkt es so, als hätten die jeweiligen Eskalations-Fronten Stimmung für sich machen d.h. Leute hinter sich bringen wollen. Der Karikaturen-Vorstoß der dänischen Zeitung wirkt auf mich so, als hätten sie einen Tabubruch und Skandal inszenieren wollen, um sich populistisch ins Gespräch und aus dem Auflagen-Tief herausbringen wollen.
Mittelerweile ist dieses Blatt tatsächlich weltweit bekannt, berühmt und berüchtigt. Wir sollten - auf Basis des Motives und der Herangehensweise der Chefredaktion - aber jeglichen Anspruch, der nun da hineininterpretiert wird, für die Meinungsfreiheit zu kämpfen negieren.

Die Islamisten - auf der anderen Seite - zündelten eifrig mit. Auch ihr Motiv dürfte klar sein: eine Front gegen den "dekadenten Westen" aufzubauen und Gläubige für ihren Kampf zu rekrutieren.

Immer, wenn Religionen politisiert oder politisch instrumentalisiert werden, wird's gefährlich. Dies auch, weil von reellen sozialen und politökonomischen Problemen damit abgelenkt wird.

Auf der einen Seite versinkt die Welt im Wackelpudding des Meinungspluralismus - auf der anderen Seite kämpfen fanatisierte Haßprediger um die Hegemonie über alle Meinungen. Mich bestärkt das darin, sowohl die Meinungen wie auch die Religionen zu negieren.

Offline Bassmeister

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #69 am: 08. Februar 2006, 21:06:55 »
Andererseits hat die Verbindung von Politik und Religion hier in Leipzig vor noch nicht allzulanger Zeit Dinge geschehen lassen, die wunderbar waren und an die hier zunächst niemand so recht glauben wollte.
Darum werde ich die Religion nicht negieren, sondern weiterhin an Wunder glauben. Das wären natürlich keine Wunder, wenn sie alltäglich wären.
[size=9]Nicht alles, was zwei Backen hat, ist ein Gesicht...[/size]

Offline Bastian

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #70 am: 09. Februar 2006, 00:03:06 »
Quote (selected)
Mich bestärkt das darin, sowohl die Meinungen wie auch die Religionen zu negieren.
Dieser Meinung bin ich nicht. :P

Ich verstehe nicht so recht, wieso der von euch so genannte "Meinungspluralismus" ein Problem sein soll. Für den Kabarettisten mag es wegen der vermeintlichen Beliebigkeit so sein (obwohl ich das auch nicht so sehe), aber für eine Gesellschaft ist er auch ungemein stabilisierend. Vorausgesetzt ich verstehe euren Begriff von "Meinungspluralismus" richtig... Was wäre denn die Alternative? "Meinungstotalitarismus" oder "Meinungspartikularismus"?

Gäbe es keinen "Meinungspluralismus", wär ich der erste, der anderer Meinung wäre!


Offline whoknows

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #71 am: 09. Februar 2006, 01:21:42 »
Bravo, Basti! Kann ich nur 100%ig unterschreiben.

Und sonst:
Welturaufführung eines Textes von Wortfront: "Beim Gotteswort da kann man ziemlich schnell den Kopf verlieren, weil Fundamentalisten meistens ungern diskutieren".  :P
« Letzte Änderung: 09. Februar 2006, 01:22:49 von whoknows »

angel

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Wunder und Meinung
« Antwort #72 am: 09. Februar 2006, 06:57:17 »
@ Bassmeister

Die sog. "Revolution" war in Wirklichkeit ein Zusammenbruch des Ostblockes auf Basis ihrer "Tonnenökonomie" und der Hochrüstung. Desweiteren haben hinter den Kulissen z.B. Schalck-Golodkowski und F.J. Strauß für eine Vereinigung gekämpft und Strauß die DDR in die Kreditfalle gelockt, in der sich auch Polen, Ungarn etc. befanden.
Alle Analysen die ich gelesen habe bzw. meine Forschungen auf dem Gebiet der "Wende" haben ergeben, daß es keineswegs ein "Wunder" war, was sich im Ostblock ereignete. Und in der "Heldenhauptstadt" lief "das Volk" auf den Montagsdemonstrationen plötzlich rechts um den Ring herum...

@ Bastian und whoknows
>>Meinung ist die wie immer auch eingeschraenkte Setzung eines subjektiven, in seinem Wahrheitsgehalt beschränkten Bewusstsein als gueltig. Sagt jemand, er meine, das neue Fakultaetsgebaeude sei sieben Stockwerke hoch, so kann das bedeuten, er habe das von Dritten gehoert, wisse es aber nicht  genau. Ganz anderen Sinnes ist, wenn jemand sagt, er jedenfalls meine, dass die Juden eine mindere Rasse von Schaedlingen seien. [oder auch: dass fast alle Asylbewerber/innen nur wegen der Sozialhilfe nach Deutschland kommen...(Einfuegung von mir)] wie in Sartres instruktivem Beispiel von Onkel Armand, der darum sich als etwas fuehlt, weil er die Englaender verabscheut. Hier schraenkt das 'ich meine' nicht das hypothetische Urteil ein, sondern unterstreicht es. Indem so einer seine untriftige, durch keine Erfahrung erhaertete, durch keine Ueberlegung buendige Meinung als die sein proklamierte, verleiht er ihr, mag er sie auch scheinbar einschraenken, gerade durch die Beziehung auf ihn selbst als Subjekt Autoritaet, die des Bekenntnisses.
(...)
Bei harmlosen Meinungen, wie der dessen, der nicht genau weiss, wie viele Stockwerke das neue Gebaeude hat, bleibt es selten. Zwar kann das Individuum an seiner Meinung Reflexion ueben und sich hueten, sie zu hypostasieren. Die Kategorie der Meinung selbst aber, als eine objektive Stufe des Geistes, ist gepanzert gegen solche Reflexion. Das laesst zunaechst auf Tatbestaende der individuellen Psychologie sich zurueckfuehren. Wer eine Meinung hat ueber eine Frage, die einigermassen offen ist, nicht vorentschieden; deren Beantwortung nicht ebenso leicht zu sich ueberpruefen laesst wie die Anzahl der Stockwerke eines Gebaeudes, neigt dazu, sich in dieser Meinung festzumachen oder, nach der Sprache der Psychoanalyse, sie affektiv zu besetzen.
Toericht waere, wer immer von dieser Neigung sich freispraeche. Sie beruht auf Narzissmus, also darauf, dass die Menschen bis heute dazu gehalten sind, ein Mass iher Liebesfaehigkeit nicht etwa geliebten Anderen zuzuwenden, sondern sich selber, auf eine verdrueckte, uneingestandene und darum giftige Weise zu lieben. Was einer fuer eine Meinung hat, wird als Besitz zu einem Bestandstueck seiner Person, und was die Meinung entkraeftet, wird vom Unbewussten und Vorbewussten registriert, als werde ihm selber geschadet. Rechthaberei, der Hang der Menschen, toerichte Meinungen selbst dann hartnaeckig zu verteidigen, wenn ihre Falschheit rational einsichtig geworden ist, bezeugt die Verbreitung des Sachverhalts
.<<
Adorno, T.W.; Meinung-Wahn-Gesellschaft; in: "Eingriffe - Neun kritische Modelle", Frankfurt 1963,  S. 148 ff)

Ohne Negation der Meinung (der subjektiven Wahrnehmung bzw. "Bauernregeln") gäbe es keine Wissenschaft. Mehr zu Meinung auf Basis von Hegel, an dem sich Adorno bekanntlich auch abgearbeitet hat:

Meinung:
http://hegel.net/werkstatt/artikel/grundkonzepte/meinung.htm

Pluralismus:
http://hegel.net/werkstatt/english/pluralism.htm

Begriff statt Meinung:
http://hegel.net/werkstatt/artikel/logik/begriff.htm


Im übrigen - sofern man Meinungsfreiheit und -pluralismus affirmieren will - ist Jyllands Posten nun bei Selbstzensur ertappt worden. ""Jyllands-Posten" lehnte Jesus-Satire ab:

"Mit zwölf Mohammed-Karikaturen wollte die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" ein Signal gegen Selbstzensur setzen. Nun kommt heraus, dass sie Jesus-Karikaturen abgelehnt hat - aus Sorge um die Gefühle der Leser." mehr dazu im Spiegel OnLine

Vielleicht deutet dies aber auch nur darauf hin, daß in der Meinungsfreiheit und dem Meinungspluralismus immer auch den Relativismus impliziert und dieser wesentlich im Begriff der Meinung steckt?
« Letzte Änderung: 09. Februar 2006, 08:35:37 von angel »

Offline whoknows

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Re: Kunst und Provokation
« Antwort #73 am: 09. Februar 2006, 12:04:40 »
Also: schon wieder lauter Links und Zitate, die kein Mensch lesen kann oder will.
Wie wär's mit ner kurz und prägnant gefassten EIGENEN Meinung? ("Was sagst Du?")

Klar sind Meinungen gesteuert. Aber Du hilfst dem nicht ab, indem Du Orchideen durchforstest, sondern nur, indem Du lernst, klar und kurz Dinge zu sagen, die überzeugen können. Dadurch macht man Meinung, nicht durch Suadas.  ;)
Und dass alle Dinge passieren, weil irgendwer irgendwo in irgendeine Richtung schiebt, ist doch wohl klar....

ich finde es zwar interessant, wenn man die Herkunftsgeschichte von etwas erfährt - aber so prägnant wie möglich - und dann einen Succus hört, den der jeweilige Sprecher SELBST gezogen hat.
Und am Interessantesten ist es, über mögliche Entwicklungen zu reden, anstatt Vergangenes wiederzukäuen.
« Letzte Änderung: 09. Februar 2006, 12:06:27 von whoknows »

Offline Katinka Koschka

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  • Who puts 50 t of sh*t on the Foreign Office roof
Re: Kunst und Provokation
« Antwort #74 am: 09. Februar 2006, 12:06:04 »
Ich hab als Kind mal eine Geschichte gelesen - Nimmerklug in Knirpseland-, die fatal an das derzeitige erinnert, nämlich die fehlende Selbstkritik.
Nimmerklug mal Bilder von seinen Freunden. Er stellt sie aus. Die Freunde kommen, lachen über alle Bilder ausser das eigene. Sie wollen das jeweils "eigene" Bild abhängen lassen. Bald ist die Ausstellung leer und Nimmerklug gibt das Malen auf.
Lustig, nicht? :-/ :'(
Apripi -das heißt- apropos, Halli halli hallo

 

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Kunst und Provokation, die Zweite

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