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Autor: Burkhard Ihme
« am: 27. Juni 2007, 07:26:21 »

Quote (selected)
Also - sehr überspitzt gesagt: wenn ich jetzt den "Weg zur Arbeit" verändere in zB "Und ich grüsse freundlich/ den Friseurgehilfen Navratil/ der auch bei Bayern München war, oder war es HertaBSC?"
Bei genauer Kenntnis der Geschichte wäre diese Frage (nicht im Kontext des korrekten Kreisler-Zitates allerdings) durchaus von Belang, denn Bayern München war ein jüdischer Verein, der wohl nicht ohne Grund nach der von 1932 so schnell keine Meisterschaft mehr gewann (erst 1969 mit Beckenbauer, Müller, Maier).

Quote (selected)
Wär' ja möglich, dass es noch mehr Verfilmungen davon gibt, keine Ahnung. Auf jeden Fall ein Meisterwerk, in diesem Falle ist der Film sogar fast noch eindringlicher als das Buch, was selbiges aber keinesfalls abwerten soll - im Gegenteil.
Es gibt bisher nur die Verfilmungen von 1930 und 1979 (wenn man das Musical "Not so Quiet on the Western Front" nicht als solche zählt). Für 2009 ist aber eine weitere angekündigt (außer dem Regisseur scheint aber noch nichts fix zu sein).

Quote (selected)
Und es bleibt mmer noch die Frage: Wenn ein zB im Nazideutschland verfolgter Künstler ein reines Liebeslied schreibt, völlig bewusst NICHT im Kontext mit seinen Erlebnissen - und jemand singt dieses Lied dann kommentarlos heute neben einem reinen Liebeslied von einem Künstler, der diese Zeit kritiklos und unbeschadet überstanden hat - und der Künstler singt auch einfach nur diese beiden Liebeslieder hintereinander als Liebeslieder, ohne auf die unterschiedlichen Lebensstationen der beiden Künstler in irgendeiner Weise einzugehen - ist das legitim? "Darf" man das? "Darf" man das dann auch als künstlerischen Abend geniessen, oder "muss" man sich empören?
Darf man "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn" als Durchhaltelied der Nazis anprangern und in diesem Kontext verwenden, wenn man doch weiß:

Bruno Balz wurde insbesondere während der NS-Zeit mehrmals Opfer der schwulenfeindlichen Gesetzgebung. So verbrachte er 1936 mehrere Monate im Gefängnis, wurde jedoch unter der Auflage freigelassen, dass sein Name in der Öffentlichkeit nicht mehr in Erscheinung treten durfte (dies mag dazu beigetragen haben, dass er bis heute weitgehend unbekannt geblieben ist). Er musste, um nach außen den geforderten Anschein zu wahren, eine Alibi-Ehe mit Selma, einer linientreuen Frau aus Pommern, eingehen.

1941 wurde er erneut von der Gestapo verhaftet, nachdem er in kompromittierender Situation mit einem jungen Mann ertappt worden war. Nach tagelanger Folter im Gestapo-Hauptquartier in der Prinz-Albert-Straße drohte ihm der Weg ins KZ. Erst die Intervention von Michael Jary, der die von Propagandaminister Joseph Goebbels geforderten Lieder ohne die Hilfe seines Partners nicht zustandebrachte, kam Bruno Balz innerhalb weniger Stunden wieder frei. In den ersten 24 Stunden nach seiner Freilassung schrieb er zwei seiner größten Erfolge, nämlich „Davon geht die Welt nicht unter“ und „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n“.

Info aus der Wikipedia

Quote (selected)
Ich finde z.B. "Hiroshima" von Wishful Thinking sehr gut, es ist grösstenteils getragen, aber die Leute werden beim "Schmusebacketanzen" aufgeschreckt, wenn der wilde Zwischenteil kommt. Und der Titel drückt ja ganz direkt aus, worum es geht, Hiroshima ist ja ein echtes Schlagwort wie "Tschernobyl", "Tsunami", "Hurricane Katrina" ect.
Aber werden hier nicht auch, wie weiter oben in Bezug auf die deutschen Opfer der Bombadierung durch die Alliierten in höchster moralischer Empörung angemahnt, die Täter zu Opfern gemacht? Japan hat den USA den Krieg erklärt.

Quote (selected)
Hundert Mann und ein Befehl kenn ich leider bloß als ironische Begleitmusik in einem Werner-Film, wo Bruno und Helmut, die beiden Polizisten weit ab von ihrem Revierbereich Werner und seine Kumpels verfolgen...
Der deutsche Texter, Ernst Bader, hat im Kabarett angefangen, was uns hoffen läßt, daß das Lied nicht als Aufruf zur Beteiligung am Vietnam-Krieg gemeint war.
Edith Jeske, die hier gelegentlich mitliest, hat ihn ja gekannt. Vielleicht kann sie uns ihre Einschätzung mitteilen.
Autor: Guntram
« am: 16. März 2007, 21:22:59 »

Freddy Quinn  [smiley=peinlich.gif] (Ich kann nichts dafür aber er hast´s nun mal gesungen. Alternativ kann ich noch Heidi Brühl anbieten)
(B. Sadler; R. Moore; ?)

Irgendwo im fremden Land
Ziehen wir durch Stein und Sand
Fern von zuhaus und vogelfrei
Hundert Mann, und ich bin dabei

Hundert Mann und ein Befehl
Und ein Weg, den keiner will
Tagein, tagaus, wer weisz wohin
Verbranntes Land, und was ist der Sinn?

Ganz allein in dunkler Nacht
Hab' ich oft daran gedacht
Dass weit von hier der Vollmond scheint
Und weit von mir ein Mädchen weint

Und die Welt ist doch so schön
Könnt' ich dich noch einmal sehn
Nun trennt uns schon ein langes Jahr
Weil ein Befehl unser Schicksal war

Wahllos schlägt das Schicksal zu
Heute ich und morgen du
Ich hör' von fern die Krähen schrein
Im Morgenrot. Warum muss das sein?

Irgendwo im fremden Land
Ziehen wir durch Stein und Sand
Fern von zuhaus und vogelfrei
Hundert Mann, und ich bin dabei


Hier noch ein Link zum englischen Text mit Gesang. Achtung er trifft vor Patriotismus.

http://www.brownielocks.com/balladofthegreenberetsWAVE.html
Autor: Katinka Koschka
« am: 16. März 2007, 19:39:56 »

Quote (selected)
Kennst du auch Hundert Mann und ein Befehl? Ist die deutsche Version von Green Baretts und zumindest mit dem deutschen Text als Antikriegslied interpretierbar. Den englischen Text kenne ich nicht, aber der ist glaube ich eher patriotisch. Dann wäre noch der Little Drumm Boy, eigentlich ein Weihnachtslied, aber es gibt einen deutschen Text dazu, da fragt der Junge im Lied nach seinem Vater und im Text kommt "er lief der Trommel hinterher". Sag mir wo die Blumen blühen sollte auch nicht vergessen werden.

Im weiteren Sinne des Themas noch die Moorsoldaten von NS-Regimegegnern im 1933 im KZ Börgermoor komponiert und getextet.

Alles in meinem Augen sehr eindringlich Lieder über die Sinnlosigkeit des Krieges.

Oh, ja, "die Moorsoldaten" ist eines der Lieder das mir sehr nahe ging, obwohl wir damit im DDR-Musikunterricht getriezt wurden.
Und dann gab es da noch so ein Lied, das hab ich auf einer Schulveranstaltung kennengelernt "Die Rose war rot", das haben ein paar Mädchen aus der 10. Klasse so schön und traurig gesungen.

Was den Little Drummer Boy betrifft, den Text kannte ich nie, ich erinnere mich nur an eine wunderschöne Version gesungen von einem Knabenchor. Leider hört man heutzutage nur noch diverse mittelprächtige Pop/Rockversionen des Liedes (allerdings wenn ein gewisser Guy Garvey es singen würde, wäre es bestimmt fast so himmlisch wie die Knabenchorversion ;) )

Hundert Mann und ein Befehl kenn ich leider bloß als ironische Begleitmusik in einem Werner-Film, wo Bruno und Helmut, die beiden Polizisten weit ab von ihrem Revierbereich Werner und seine Kumpels verfolgen...
Autor: whoknows
« am: 13. März 2007, 20:05:59 »

Quote (selected)
Wie kann es da als bewusstes Statement zum 2. WK verfasst wurden sein ? 1929 war der 2.WK ja noch nicht wirklich vorhersehbar

"Im Angesicht des WK2" heisst nicht "bewusstes Statement" - aber ich gebe zu, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Nur waren 29 die Nazis schon auf dem Vormarsch, und Remarque hat sehr hellsichtig auf die drohende Gefahr reagiert - DAS meinte ich mit: im Angesicht. Es war  damals nämlcih absolut absehbar - zumindest erahnbar, dass man auf einen weiteren Krieg zutreibt, siehe auch die Schriften von Karl Kraus zu dieser Zeit.
Autor: Guntram
« am: 13. März 2007, 12:44:52 »

Kennst du auch Hundert Mann und ein Befehl? Ist die deutsche Version von Green Baretts und zumindest mit dem deutschen Text als Antikriegslied interpretierbar. Den englischen Text kenne ich nicht, aber der ist glaube ich eher patriotisch. Dann wäre noch der Little Drumm Boy, eigentlich ein Weihnachtslied, aber es gibt einen deutschen Text dazu, da fragt der Junge im Lied nach seinem Vater und im Text kommt "er lief der Trommel hinterher". Sag mir wo die Blumen blühen sollte auch nicht vergessen werden.

Im weiteren Sinne des Themas noch die Moorsoldaten von NS-Regimegegnern im 1933 im KZ Börgermoor komponiert und getextet.

Alles in meinem Augen sehr eindringlich Lieder über die Sinnlosigkeit des Krieges.
Autor: Katinka Koschka
« am: 13. März 2007, 12:03:34 »

Über das Thema Kunst und Krieg hab ich mir auch gerade einwenig Gedanken gemacht, als ich meine Elbow-Website aktualisierte.
Wie sollte z.B. ein gutes Antikriegslied klingen? Sollte es tanzbar sein wie "19" von Hardcastle, damit die Generation Dancefloor zum Nachdenken erregt wird oder sollte es eher untanzbar sein, damit die Leute sich nicht durch Tanzen ablenken und auf den Text achten? Sollte es melodisch sein oder schräg?
Ich finde z.B. "Hiroshima" von Wishful Thinking sehr gut, es ist grösstenteils getragen, aber die Leute werden beim "Schmusebacketanzen" aufgeschreckt, wenn der wilde Zwischenteil kommt. Und der Titel drückt ja ganz direkt aus, worum es geht, Hiroshima ist ja ein echtes Schlagwort wie "Tschernobyl", "Tsunami", "Hurricane Katrina" ect.
Und der Elbow-Titel, der mich darüber philosophieren ließ, heißt "Long War Shuffle" und ist ein sehr ruhiger Titel, der zum Schmusebacketanzen aber einwenig zu schnell ist und er hat eine sehr schöne Zeile: "Ich werde nicht jünger, aber die Soldaten."
Und dann finde ich 1916 von Motörhead sehr anrührend, weil das Lied völlig aus der Motörhead-Art geschlagen ist, nämlich sehr ruhig, mit Orgel und Cello und Lemmy klingt beim Singen (!) fast einwenig wie Bruce Springsteen. Und es beschreibt eben genau, wie die jungen Menschen mit ihren zarten 16 Lenzen erst stolz in den Krieg zogen, dann aber bald merkten, dass sie nur Kanonenfutter sind und im Moment des Todes sehnen sie sich zu ihrer Mama zurück, weil sie eben erst 16 sind...
Oder der gute alte Barry McGuire mit seinem Bob-Dylan-artigen Antikriegsklassiker "Eve of Destruction", wo es wütend heißt: "Du bist alt genug zum Töten, aber nicht zum Wählen!"
Autor: Eric
« am: 13. März 2007, 11:26:53 »

Quote (selected)
Im Westen nichts Neues erschien in Deutschland erstmals im Januar 1929

Wie kann es da als bewusstes Statement zum 2. WK verfasst wurden sein ? 1929 war der 2.WK ja noch nicht wirklich vorhersehbar... Insofern kann es nur als allgemeines Statement und allgemeine Warnung gemeint sein.
Man beachte an dieser Stelle Remarques Vorwort:

Quote (selected)
Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde - auch wenn sie seinen Granaten entkam.

Autor: RIK
« am: 13. März 2007, 10:00:02 »

Zu Remarque und "Im Westen nichts Neues" lohnt es sich bei WIKIPEDIA nachzulesen. Sieht nach objektiver
Beschreibung der Umstände und Geschichte um Roman, Filme und Schriftsteller aus.
Autor: whoknows
« am: 13. März 2007, 00:39:50 »

Meines Wissens hat Remarque das Buch aber im Angesicht des 2. WK geschrieben, als bewusstes Statement. Natürlich auch eine späte Verarbeitung seiner Erfahrungen - aber eben ganz bewusst, um zu warnen - oder irre ich mich? Ausserdem denke ich, dass in einer Diskussion, die schon das etwas ausufernde Motto "Kunst und Krieg" hat, sehr wohl wesentlich ist, in welchen Bereich ein besprochenes Kunstwerk hineinreicht - fast mehr, als der Bereich, in dem es erschaffen wurde.
Autor: Eric
« am: 12. März 2007, 22:34:04 »

Wär' ja möglich, dass es noch mehr Verfilmungen davon gibt, keine Ahnung. Auf jeden Fall ein Meisterwerk, in diesem Falle ist der Film sogar fast noch eindringlicher als das Buch, was selbiges aber keinesfalls abwerten soll - im Gegenteil.
Autor: Guntram
« am: 12. März 2007, 21:19:58 »

Die Zweite ist in Farbe    ;)
Autor: Eric
« am: 12. März 2007, 21:08:03 »

Du, ich weiß es leider nicht mehr. Aber nach dem, was du schreibst, könnte es am ehesten auf die erste Variante hinauslaufen - ohne es mit Bestimmtheit sagen zu können. Aber sw war es zumindest - UND sehr beeindruckend.
Autor: Guntram
« am: 12. März 2007, 21:01:44 »

Von welcher Verfilmung sprichst du Eric?

Ich habe vor Jahren die Erste in sw gesehen, inklusive aller Szenen die irgendwelchen Zensuren oder Kürzungen zum Opfer fielen und wiederentdeckt worden waren. Der Film war unheimllich beeindruckend und vermutlich der ersten Antikriegsfilm.

Die zweite Verfilmung (mit John Boy Walton) hat mich dann weniger beeindruckt. Er wird zwar von der Kritik gelobt, ich halte ihn aber eher für einen müden Abklatsch der an den Ersten nicht rankommt. Vielleicht liegt es auch daran das ich Richard Thomas nicht ab kann und ihn für eine Fehlbesetzung halte.
Autor: Eric
« am: 12. März 2007, 20:30:00 »

Fakt ist: Es verarbeitet den 1.WK künstlerisch und darum geht es mir im Wesentlichen, wenn ich das Werk zu unserem Rahmenthema in Beziehung setze. In welchen Zeiträumen es WIRKT und diskutiert wird, spielt meines Erachtens nach kaum eine Rolle - man steckt alte Opern oder Dramenwerke ja auch nicht unbedingt in zeitlich spätere Schubladen bzw. das Heute, nur weil sie heute noch heiß diskutiert werden und wirken. Bestes Beispiel ist dafür vielleicht die Berliner Idomeneo-Inszenierung - die wird diskutiert und heiß gegessen, aber das ändert nix an der Tatsache, dass Idomeneo kein Werk der Zeit des Terrorismus ist, sondern des 18. Jahrhunderts - selbst wenn diskutierbare und behandelte Themen auch auf andere Epochen und Zeitabschnitte wunderbar übertragbar sind.

Aber das ist vielleicht nicht der richtige Weg zu diskutieren, sondern Krümelkackerei.

Meine persönlichen Erfahrungen mit diesem Buch sind allerdings sehr tiefgreifend und auch die gelungene Verfilmung, die ich dazu mal sah, hat mich in meiner Einstellung zu Gewalt und Krieg sehr geprägt. Es wirkt also heute noch, nicht nur im 2. WK  ;)
Autor: whoknows
« am: 12. März 2007, 18:33:19 »

Da bin ich mir ehrlich gesagt nicht so sicher, Eric - denn es SPIELT zwar im 1. WK - aber seine grösste Wirkung entfaltete es im 2. WK, wurde auch verbrannt und hat massgeblich zu einer Diskussion über Sinn und Nutzen von Krieg beigetragen.
Autor: Eric
« am: 12. März 2007, 15:38:43 »

Und dennoch gehört es in die Beziehung Kunst - 1. Weltkrieg.  ::)
Autor: Stroganoff
« am: 12. März 2007, 10:23:25 »

Quote (selected)
aber auch kriegskritische Kunst, wie im 1.WK "Im Westen nichts Neues"...
Es ist an dieser Stelle hoffentlich nicht kleinlich anzumerken, dass dieses Buch aber erst 11 Jahre nach dem 1.WK erschien.
Autor: Eric
« am: 11. März 2007, 22:01:27 »

Gut, sagen wir es so: Ein interessanter RAHMEN, nicht unbedingt THEMA.  ;)
Autor: whoknows
« am: 11. März 2007, 18:59:35 »

Und genau deshalb ist die obige Fragestellung auch uninteressant. Konkrete Punkte, die innerhalb des Themenkreises sind, dazu kann man Diskussionen anreissen - aber wenn man einfach nur sagt "Kunst und Krieg" - wo willste da anfangen?
Autor: Eric
« am: 11. März 2007, 13:47:23 »

Ja, das ist schon ein interessantes Thema, willkommen erstmal, francesco !
Nun, es gibt im Krieg ja nicht DIE Kunst schlechthin, da gibt es Kunst, die sich vor allem aufs Ablenken konzentriert, pure Unterhaltungskunst und dann gibt es z.B. im 2. Weltkrieg oder auch in der DDR propagandistisch gefärbte Kunst, aber auch kriegskritische Kunst, wie im 1.WK "Im Westen nichts Neues"...

Entsprechend ihrer Vielfältigkeit nimmt sie auch immer andere Funktionen und Positionen ein. Deswegen: Das ist ein weites Feld und RIESEN Thema, was hier angeschnitten wurde.
Autor: francesco
« am: 11. März 2007, 13:46:26 »

1) die blogger sind beides: die schaleks UND die karl kraus` unserer zeit!

2) die miss america finde ich nicht in irgendeinem künstlerischen kontext (ausstellung) spannend, sondern, wenn man sie flächendeckend in texas oder new york plakatieren würde...dann hätte man die reaktionen, die "der kunst" oft abgehen...
Autor: francesco
« am: 11. März 2007, 13:43:11 »

Quote (selected)
Tut mir Leid, ich kann mit diesen Fragen nichts anfangen. Genauso könntest Du fragen: sind Krieg und Essen unterschiedliche Seiten derselben Medaille, oder Kunst und Religion. Das sind einfach zwei von Menschen ausgeübte  Entitäten. Punkt.

"kunst und krieg" halte ich für eine ziemlich fruchtbare fragestellung:
wie verarbeitet kunst krieg? wie unterstützt, bekämpft kunst (literatur, film, theater, lieder etc) den krieg, besonders sichtbar in der positiven stellung der schriftsteller im 1. weltkrieg, in veränderter frontstellung im 2. wk), plakatkunst, postkartenkunst, leni riefenstahl, "unterhaltung ist kriegswichtig" (goebbels) etc...
kunst hat eine funktion im krieg, eine position zum krieg, auch/gerade , wenn sie sich unpolitisch geriert...
Autor: Werner
« am: 08. November 2006, 04:32:19 »

Quote (selected)
Also, MICH hat da nicht gestört, dass Hits aus der Nazizeit neben Schlagern von jüdischen Autoren, neben amerikanischen Popsongs  standen - es war ganz klar, dass das einfach nicht Thema und Sinn des Abends war.
Stimmt genau, schon der Vollständigkeit halber bin ich oft nicht umhin gekommen "durcheinander" zu hören. Z.B. gibts unter: "Bob Hertwig's music store" neben einer geballten Ladung Musik der 20-er bis 40-er Jahre auch "Charlie and his orchstra":You're Driving Me Crazy; You Can't Stop Me From Dreaming; St. Louis Blues; Slumming On Park Avenue; Dinah; Daisy; F.D.R. Jones; Who'll Buy My Bublitchky; I'm Putting All My Eggs In One Basket; The Kings Horses; I've Got A Pocketful Of Dreams; Three Little Fishes; Why'd Ya Make Me Fall In Love; Miss Annabelle Lee; South Of The Border; Hold Tight; The Man With The Big Cigar; I'm Sending You The Siegfried Line; Bye Bye Black-bird; Japanese Sandman; Who's Afraid Of The Big Bad Wolf; Unter'n Linden  Harlequin HQCD 03 Import aus England
Meine Anspielung zielt auf z.B. "Mr. Churchill, let's go bombing", was natürlich in dieser Liste fehlt.
(Auch wenn mich linientreue Pazifisten dafür schräg ankucken werden, die Musik selbst ist klasse!)
Und damit  abschliessend zu Krieg & Kunst: Der einzig relevante Zusammenhang  besteht für mich in der Möglichkeit, Kunst zur Propaganda einzusetzen und somit zum Werkzeug (oder zur Waffe) zu machen.  Und damit ist auch schnell das Gelände der Kunsthandwerklichkeit,bzw. Politik erreicht, in dem die Absicht Kunst (von "Können")  zur Erreichung eines Zieles gebraucht. Das gilt für ein KZ-Orchester (hier ging es primär um die Kunst, mit allen Mitteln zu überleben) genauso wie für die Bilder de Goyas, der seine Fähigkeiten vor allem nutzte Kritik an den napoleonischen Kriegen zu üben. Für mich im eigentlichen Sinne keine Kunst. Die Verantwortung des Künstlers für sein Werk ist eine politische Dimension und keine der Kunst. (Reine Kunst, Abbild des göttlichen Wesens im Menschen ist  für Propagandazwecke unbrauchbar, in Bildern kranker Seelen, z.B. schizophrene Malerei kannst du das erkennen. Oder in der Tönen behinderter Musiker - der Name dieses blinden Authisten, ein begnadeter Jazzer fällt mír gerade nicht ein).

@ Marlene:

Die Rolle der BRD nach dem 2. Weltkrieg hatte unter anderem den Vorteil bei kriegerischen Auseinandersetzungen zum Erhalt des Friedens den militärisch Neutralen geben zu können. Die Notwendigkeit, einem in seiner Freiheit gewaltsam bedrohten Volk militärisch zur Hilfe zu eilen, war mit der grundgesetzlichen Formulierung, das nie wieder ein Krieg von dt. Boden ausgehen sollte nicht zu vereinbaren. Je nach gerade herrschender Realität ist dies u.U. unbrauchbar. Natürlich sind Umstände denkbar unter denen ein militärisches Eingreifen sogar Pflicht ist, den Genozid in Ex-Yugo zähle ich da mit. Die veränderte Stellung Deutschlands in der Staatengemeinschaft bindet uns in derlei Aktionen mit ein, das ist doch keine Folge einer öffentlichen Umkehr von der Täter- zur Opferrolle mit Bezug auf das 3.Reich. Und Rot-Grün? Waren in diesem Zusammenhang wohl zufällig gewählt, ich denke nicht das die Serben diesen Wahlsieg abgewartet haben. Die Friedensbewegung und die Intellektuellen liessen nichts verlauten weil es einfach nichts brauchbares gegen diese Intervention zu sagen gab, wenigstens das waren sie bereit zuzugeben. Nebenbei: Deutschland führte hier keinen Krieg gegen irgendwen, so läuft das nicht. Du kennst doch sicher das Procedere einer Uno-Mandatserteilung etc.
Auch der von dir zitierte Adorno war kurz vor Ende seiner Laufbahn in der Situation, zur Wiederherstellung "seines" Bildungsbetriebes die stets geschmähte Staatsgewalt zu bemühen. Mein
Quote (selected)
"notwendigen Scheitern der leidenschaftlichen Anstrengung zur Identität"
würde
ich in einem Nilpferdbassin erleben, obwohl ich - wie das Nilpferd auch - kein Fleisch esse.
Meinst du, das Vieh würde mich deswegen in Ruhe lassen? ;)











Autor: Marlene
« am: 07. November 2006, 03:13:08 »

Quote (selected)
Quote (selected)
Ebenfalls, woher auch, schon recht. Der zitierte Spruch ist auch nicht von mir (passt aber schon).
Nun wird es langsam etwas peinlich: für diese Verwechselung habe ich nun keine Erklärung... :)


Hallo!
Quote (selected)
Kann man das so allgemein ausdrücken und werten?  

Nein, man kann es sicher nicht so allgemein ausdrücken, der Umgang mit dem NS ist doch etwas komplexer: Gedenkreden am 27. Januar, 8. Mai, zu Tagen von der Befreiung von Konzentrationslagern usw. stehen einer wachsenden Bereitschaft in Deutschland gegenüber, sich unverblümt selber auch als Opfer zu sehen, zum Beispiel in Filmen über den Bombemkrieg der Alliierten. Und selbst in den Gedenkreden geht es nicht um Trauer um die Opfer oder gar um wirkliche Konsequenzen (siehe Entschädigung, das erwähnte ich ja bereits oben), meist geht es um die nun neu gewonnene Verantwortung Deutschlands, und daraus folgte vor etlichen Jahren, daß eine Rot-Grüne Bundesregierung mit dem Verweis auf Auschwitz einen Krieg gegen Jugoslawien führte. (wogegen sich die Friedensbewegung übrigens kaum zu Wort meldete...) Es wird viel geredet, aber es gibt kein Erschrecken darüber, und dies seit 1945.
Das Zitat, Werner, ist tatsächlich so für sich gesehen allgemein, vielleicht zu allgemein. Wenn man aber das dort erwähnte "Leiden" auf das Leiden an Auschwitz bezieht, und ich denke, dies ist auf jeden Fall statthaft, meint dies Zitat, daß es Kunst möglich ist und sein sollte, dies mitzuflektieren - so hatte ich mir das auf jeden Fall gedacht, auch wenn das " notwendigen Scheitern der leidenschaftlichen Anstrengung zur Identität" natürlich ein allgemeines Problem in der bürgerlichen Gesellschaft darstellt.

Und, whoknows: ich bestreite überhaupt nicht, dass man Werke in verschiedenen Kontexten singen kann und dies auch einen (häufig neuen) Sinn ergeben kann. Zum Beispiel geht die Version des Liedes "Mein Sekretär" in "Adam Schaf hat Angst" so zu Ende, daß er seinen Sekretär entläßt, weil er seine eigene Homosexualität anspricht und der Rauswurf ist sozusagen eine Abwehr gegen Wünsche und Träume, ich war davon überrascht. Das Lied wird hierdurch zu etwas ganz anderem, nämlich zu einer Art coming- out (was es doch in der Originalversion nicht ist, ich bin mir bei diesem Lied aber eh unsicher, was es soll und ist, aber das ist etwas anderes.) Was Du von dem Wiegenlied schreibst, finde ich plausibel, allerdings kenne es gar nicht (dabei kenne ich doch schon so viel...auf welcher Platte ist das denn?)
Leztendlich besteht Kommunikation darauf, Dinge (Sprache) zu kontextualisieren. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch immer wieder die Geschichte des Liedes Lili Marlen: es ist ein deutsches Soldatenlied und in diesem Kontext widerlich und unerträglich. Höre ich es in einer Fassung von Marlene Dietrich, wird es zu etwas vollkommen anderem: in der Vorstellung, daß sie es vor Amerikanischen Soldaten sang, geriert es fast zu einem antifaschistischen Lied. Oder die Geschichte von "an der Eck stein Jung mit nem Tüddelband": In Nazideutschland war es ein Hamburger Volkslied, während James Wolf (einer der Brüder) in Theresienstadt ermordet wurde. Dies nenne ich Enteignung, so wie es an diesem Abend mit Moser/Kreisler geschah und um diese spezifische Enteignung geht es mir. An diesem Abend spielte für mein Unbehagen eine wichtige Rolle, daß Lieder durch das weglassen von Textzeilen ihres eigentlichen Sinn beraubt wurden. (das ist hier vielleicht etwas redundant, aber es scheint mir erheblich: wäre es anders gewesen, hätte man vielleicht von einer Konfrontation der beiden Künstler sprechen können) An "Hits aus der Nazizeit" hätte ich allerdings überhaupt kein Interesse, wenn ich bedenke, wie totalitär und allumfasend Nationalsozialismus gewesen ist.

Autor: whoknows
« am: 06. November 2006, 11:55:33 »

Und ich denke, es ist sehr wohl grundsätzlich zulässig, Kunstwerke auch in einen anderen Kontext zu stellen, sie anders zu deuten - es kommt darauf an, wie sinnhaftig diese Deutung ist, bzw wie "weit hergeholt" - ob man sich "über das Kunstwerk stellt", es zu etwas "zwingt" oder ob man es dem Werk überlässt, zu glänzen.
Zum Beispiel: Das Wiegenlied von GK. Er selbst singt es als Parodie, als Parodie auf die ganzen süsslichen Schubertlieder. Seine Tochter singt es als Liebeslied eines Vaters auf ein behindertes Kind - ganz ernst gemeint. Beides funktioniert. Weder in der einen noch in der anderen Interpretation hat man das Gefühl, der Künstler singt etwas, was das Lied nicht "bringen" kann. Finde ich jedenfalls. Wenn man es aber jetzt so sänge, als sei es zB ein fröhliches, rythmisches Wanderlied - und natürlich GEHT das, rein von der Möglichkeit her - aber ich glaube erstens nicht, dass es "funktionieren", also das Publikum berühren könnte, und zweitens denke ich, man fragt sich dann "wozu?" Das sind, grob gesprochen, für mich Grenzen von "gutem" und "schlechtem" Regietheater.
Ein wirklich gutes Werk kann in verschiedenen Kontexten bestehen und glaubwürdig und berührend sein. Und nebenbei gesagt, auch in verschiedenen Zeiten. Wenn ein Kunstwerk antiquiert wirkt, verstaubt, dann liegt das entweder am Kontext, in den es gestellt wurde (resp. am mangelhaften Interpreten) oder es ist einfach nciht wirklich gut.

Es gibt ganze Abende, wo man nichts anderes tut, als Lieder in einen anderen Zusammenhang zu stellen, und damit eine andere Geschichte zu erzählen - "die Sekretärinnen" hiess glaube ich das Bekannteste davon in Deutschland. Und das hat funktioniert, man hat eine Strophe eines Liedes genommen, die halt gerade gepasst hat. Durchaus legitim, und man hat Lieder aus den letzten 80 Jahren wild durcheinander gemischt. Also, MICH hat da nicht gestört, dass Hits aus der Nazizeit neben Schlagern von jüdischen Autoren, neben amerikanischen Popsongs  standen - es war ganz klar, dass das einfach nicht Thema und Sinn des Abends war.