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Autor Thema: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend  (Gelesen 11160 mal)

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Offline Katinka Koschka

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #25 am: 14. April 2005, 08:27:10 »
Naja, in La vie en Rose zeigt Grace, daß sie richtig singen kann und auch feminin sein kann. Ich finde sie nicht wirklich schlecht, aber wirklich reizen tut sie mich nicht :-/

Nunja...wenn ich an eine richtige Powerfrau denke, dann fällt mir zum Beispiel Skin von Skunk Anansie ein. sie ist auch schwarz, kahlköpfig, lesbisch aber ihre Stimme kann auch wie ein Engel klingen. Sie ist so flexibel, sie hat alles drauf vom zartesten Flüstern bis zum wildesten Brüller. Und ich glaub, textlich hat sie auch einiges drauf. Die meisten Leute kennen leider nur "Hedonism", das ist eigentlich ihr zahmstes. Wenn Ballade, dann bevorzuge ich bei ihr "Brazen Weep"
Leider kenne auch ich nicht allzuviel von ihr, aber WAS ich kenne, hat selbst bei sanften Tönen wahnsinnig viel Dampf drauf
Dann wäre noch die gute alte Inga Rumpf. Die hat eine Stimme wie ein Kerl und nach über 30 Jahren immer noch echt Dampf drauf.

Naja, und wie oben schon erwähnt Kate Bush.
Die schreibt ihre Sachen übrigens auch selbst, tanzt, spielt Klavier und allerlei andere Instrumente und hat keine Angst davor, auch mal schräge Sachen zu schreiben. (Man vergleiche mal den Gegensatz: das allseitsbekannte geradezu chinesisch tirilierende "Wuthering Heights" auf der einen Seite und das urig-exotisch stampfende und zwischen Alt und Megasopran hin und her tanzende  "The Dreaming" auf der anderen :o ;D )

Sicher, dagegen ist Anett Louisan wirklich nur ein kleines Sternchen, aber ich werd das Gefühl nicht los, daß sie mehr drauf hat... :-/
Apropos Gefühl, "Das Gefühl" ist mein Lieblingslied, wegen dieser melancholischen Stimmung. Und witzigerweise ist das für mich immer eine Art "Antwort" auf "Die Reklamation" von Wir sind Helden.
Judith "schimpft": "Ich will mein Leben zurück" und Anette stoßseufzt: "Das Leben ist kein Warenhaus, es nimmt nichts zurück" ;)

Welche Frau ich auch noch richtig gut finde:
Ann Wilson, die Sängerin von der Gruppe Heart. Sie ist alles andere als jugendwahngeeignet, da sie ziemlich dick ist, aber in diesem Leib steckt eine Stimme, da krich ich immer wieder so 'ne Ohren... :o
Wenn ich nur an den Klassiker "Barracuda" denke, mit welcher Leichtigkeit sie da in den höchsten Tönen schmettert, ohne unrockig zu klingen ;D
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Offline Dagmar

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #26 am: 14. April 2005, 10:36:21 »
Ich bin Bastis Meinung. Wir haben ja hier von Pop und Mainstream gesprochen. Ich glaube auch: Das gab es immer schon. Und Mainstream wie das Wort ja schon sagt ist eben das, was die Masse futtert und was für die Masse vermarktet werden kann. Das war früher doch nicht anders. Das sind Moden, die in allen Bereichen denselben Diktaten folgen. Ist mit Klamotten auch nicht anders als mit Musik.

Interessant finde ich allerdings schon die Frage, warum es heutzutage gerade DIESES spezielle Frauenbild ist, das mainstreamig geworden ist.

Und hier noch was Interessantes zu Deiner Frage, Basti ("vor welchen Männern haben wir denn Angst"):

Der risikofreudige Draufgänger kommt bei Frauen meist nicht an Draufgänger haben bei Frauen schlechte Chancen
London (dpa) - Um Frauen für sich zu gewinnen, sollten Männer nicht den risikofreudigen Draufgänger markieren. Rasantes Autofahren oder waghalsige Sportarten wie Free Climbing und Bungee-Jumping kommen laut einer US-Studie beim weiblichen Geschlecht weit weniger gut an, als viele Männer denken.

Frauen bevorzugen vielmehr den vorsichtigen Typ, wie William Farthing von der Universität von Maine in Orono feststellte. Seine Erkenntnisse beruhen auf der Befragung von insgesamt 100 jungen Frauen und Männern, wie das britische Wissenschaftsmagazin «New Scientist» (Nr. 2495, S. 16) berichtet.

Da Draufgänger anscheinend schlechtere Chancen bei der Partnersuche haben, wunderte sich Farthing, warum risikofreudige Männer nicht im Laufe der Evolution ausgestorben sind. Seine These: Draufgängertum schrecke zwar die Frauen eher ab, beeindrucke aber die männliche Konkurrenz. Das Verhalten könnte also für ein höheres Ansehen unter den eigenen Artgenossen sorgen und damit wieder die Attraktivität für das weibliche Geschlecht steigern. Farthings Studie ist im Fachjournal «Evolution and Human Behavior» (Bd. 26, S. 171) erschienen.

13.04.2005, 22:54
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

Offline Sandra

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #27 am: 14. April 2005, 11:09:33 »
Na, das war ja meine Frage, Dagmar, warum es jetzt gerade DIESES spezielle Frauenbild ist - darauf wollte ich ja hinaus.

Und Männer tun selten was, um Frauen zu beeindrucken - sie tun was sie tun, um Nebenbuhler abzuschrecken. Sie pfeifen ja auch nicht Frauen hinterher, wegen der Frauen. Das ht man kaum, dass Frauen nachgepfiffen wird von ALLEIN-spazierenden Männern...
Sie sperren ihre Frauen ja auch wegen anderer Männer ein - sie tun alles, was sie tun, wegen anderer Männer, nicht wegen der Frauen...
Wegen der Frauen schaffen sie bestimmte Bilder, wie Frauen zu sein haben. Wie eben das jetzt aktuelle.
« Letzte Änderung: 14. April 2005, 11:10:16 von sandra »

Offline Dorian

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #28 am: 14. April 2005, 13:07:31 »
Quote (selected)
Sicher, dagegen ist Anett Louisan wirklich nur ein kleines Sternchen, aber ich werd das Gefühl nicht los, daß sie mehr drauf hat... :-/

Möglicherweise tu ich ihr tatsächlich Unrecht. Meine Hauszeitung meint jedenfalls, sie könnte singen:  http://tinyurl.com/69qj3
« Letzte Änderung: 14. April 2005, 13:10:20 von Dorian »

Offline Dorian

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #29 am: 14. April 2005, 13:13:37 »
Quote (selected)
Dann wäre noch die gute alte Inga Rumpf. Die hat eine Stimme wie ein Kerl und nach über 30 Jahren immer noch echt Dampf drauf.

Ohne Zweifel mit die beste deutsche Rockröhre schlechthin. Wie auch die viel zu früh verstorbene Tamara Danz.
« Letzte Änderung: 14. April 2005, 13:16:27 von Dorian »

Offline Dagmar

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #30 am: 14. April 2005, 13:15:20 »
DAS finde ich eine interessante (und übrigens wahre) These: Das aktuelle mainstreamige Frauenbild wurde von Männern geschaffen - Produzenten, Caster, Fernsehfritzen, was weiß ich.

Wenn man daran weiter denkt, dann stellt sich sofort die Frage, was denn an Frauen so bedrohlich geworden ist, dass Männer sie verniedlichen und klein und süß und ungefährlich machen müssen?
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Offline Dorian

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #31 am: 14. April 2005, 14:32:17 »
Quote (selected)
DAS finde ich eine interessante (und übrigens wahre) These: Das aktuelle mainstreamige Frauenbild wurde von Männern geschaffen - Produzenten, Caster, Fernsehfritzen, was weiß ich.

Dann stellt sich die Frage, warum sich Frauen im Gegensatz zu früher nicht mehr (oder zuwenig) dagegen wehren.
« Letzte Änderung: 14. April 2005, 14:33:15 von Dorian »

Offline Sandra

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #32 am: 14. April 2005, 14:52:43 »
Ja, wehr Dich mal effektiv gegen Medien, Brötchengeber, Männermacht. Ihr Jungs könnt Euch nicht vorstellen, wie das ist - Ihr merkt es ja nicht. (und die meisten Frauen auch nicht, leider).

Wehrt Euch doch, Männer, gegen eine Kraft, die seit Jahrhunderten gegen Euch zusammenhält.

Wehren wir uns doch alle mal gegen den Gedanken, dass wer Geld hat, auch stärker (und also klüger?) ist.
Oder dagegen, dass man Kleidung tragen muss.
Oder dagegen, dass man Waffen produzieren muss.
Oder dagegen, dass Männer mehr verdienen als Frauen.

Wir folgen alle geprägten Mustern. Und dass es Vorgegebene sind, kriegen die meisten nicht mal mit. Selbst wenn: man kann sich nicht so leicht gegen etwas wehren, was als "allgemeiner Konsens" gilt.

Und nur, weil Arbeiter jetzt Krankenversicherung haben, heisst noch lange nicht, dass sie keine Gewerkschaften bräuchten. Trotzdem treten immer mehr aus. Weil gesagt wird, die Rechte hätten sie ja eh schon alle - und sie glauben's.
« Letzte Änderung: 14. April 2005, 14:54:23 von sandra »

Offline Bassmeister

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #33 am: 14. April 2005, 15:20:29 »
Quote (selected)
Selbst wenn: man kann sich nicht so leicht gegen etwas wehren, was als "allgemeiner Konsens" gilt.


Das ist der springende Punkt! Wer macht denn den "allgemeinen Konsens"? Wer bestimmt in einer Schulklasse, wer der "Leithammel" ist? Das ist geheimnisvoll. Die Medien sind nur bedingt schuldig, denn sie sind Sprachrohr und Multiplikator dieses allgemeinen Konsens. Wenn das dem "Fußvolk" nicht gefallen würde, was die da sülzen, dann würde es keiner gucken.
Also noch mal die Frage: Wo kommt so was her?

Quote (selected)
Und nur, weil Arbeiter jetzt Krankenversicherung haben, heisst noch lange nicht, dass sie keine Gewerkschaften bräuchten. Trotzdem treten immer mehr aus. Weil gesagt wird, die Rechte hätten sie ja eh schon alle - und sie glauben's.

Das liegt - glaube ich - eher daran, daß auch die Gewerkschaften vorgeprägten Mustern folgen (müssen). Es gibt ja sogar eine "Streikordnung"! Selbst der Arbeits-"Kampf" verläuft in deutsch-bürokratisch geordneten Bahnen. Können die wirklich viel ausrichten für ihre Arbeiter?
In einem anderen Thread hatten wirs mal, daß das ganze System der Erwerbsarbeit des Überdenkens wert ist.

Quote (selected)
...daß man Kleidung tragen muß...


Ohne wäre es ganz schön kalt. Daß es aber die Hose von XYZ sein muß oder daß das falsche T-Shirt schlimmer ist als Sitzenbleiben in der Schule, das ist bedenklich.

Um zum Thema zurückzukehren - warum lassen sich denn so VIELE Frauen nur zu bereitwillig darauf ein, diesem Bild zu entsprechen, wenn es ihnen doch so zuwider ist? Aus sozialem Antrieb heraus? Weil sie einen Mann abbekommen will und sei es auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner? Wir leben doch in einer relativ freien Gesellschaft, in der keiner einem wirklich vorschreibt, was er oder sie zu tun hat. Wenn es so vielen Frauen stinkt, warum tun sie dann nicht, was ihnen gefällt? Ich hab das auch mein Leben lang getan, auch wenn ich dabei oft als "dumm", "weltfremd" und ähnliches belächelt wurde. (Leider pass ich mich auch immer mehr an. Ist das eine Trägheit, oder die Einsicht, daß es nicht nutzt und daß der am besten angepaßte überlebt?)

In Islam-Staaten stelle ich mir Frau-sein noch viel schwieriger vor. Außerdem beobachte ich, daß die emanzipiertesten Frauen nicht unbedingt die glücklichsten sind.
« Letzte Änderung: 14. April 2005, 15:35:28 von Bassmeister »
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Offline Bastian

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #34 am: 14. April 2005, 17:58:09 »
Quote (selected)
Wenn man daran weiter denkt, dann stellt sich sofort die Frage, was denn an Frauen so bedrohlich geworden ist, dass Männer sie verniedlichen und klein und süß und ungefährlich machen müssen?

Dazu schreibt ein unbekannter und als solcher verkannter Feminist aus dem Rheinland: An Frauen ist eben nix bedrohlich! Das ist ja gerade das Schlimme!

Ich versuchs noch einmal mit einem bewusst ins Unreine geschriebenen Posting, vielleicht wirds auch wieder einmal eine Polemik, ich weiß es noch nicht genau:

Frauen dieser Welt!
(wow, fängt ja gut an)
Ich nehme wieder die arme, hier schon viel zu oft angebrachte Louisan als Beispiel. IHR findet sie niedlich, IHR findet sie süß, IHR empfindet das Lied "das Spiel" als reine Lolita- Koketterie. (Ja, es wird eine Polemik :-/) Bis jetzt bin ich der einzige, der diesem Song sogar "weiblichen Machismus" zugesteht. Vielleicht findet ihr das weit hergeholt, aber ebenso vielleicht ist da auch was dran. Wenn man es sieht, versteht sich. Und wenn man es diesem Song aktiv zugesteht, denn es ist ja nicht gerade offensichtlich. Vielleicht sehen es Frauen auch nicht so deutlich (vielleicht ein Anhaltspunkt für Machismus? Oder vielleicht sogar ganz Hilfreich für die andere mögliche "stärkere" Interpretation? ). Dieses Lied kann man nämlich durchaus als kraftvoll, selbstbewusst und geradezu fies ansehen. Fies für Männer. Wenn ihr wollt: bedrooohlich. Stattdessen übernehmt ihr das- mit Sicherheit kalkuliert vermarktete- vordergründige Bild von ihr (das ihr aber selbst kritisiert) und bellt es an. Das Bild einer nun mal so gewachsenen kleinen Frau mit einer kleinen Stimme, die ein rundes Gesicht hat und große Augen- Äußerlichkeiten.

Ihr könntet- rein theoretisch- genau so gut schreiben: "Sie hat was drauf, mit dem ich zwar nix anfangen kann, aber sie stellt was dar. Sich, oder ein Bild, oder was auch immer... Eine Frau, die tut was sie will oder halt das, was sie kann. Oder das was sie nicht kann, aber sie tut's" Ich verstehe schon, dass man das nicht schreibt, wenn man musikalisch nicht überzeugt ist, aber möglich wär's.

Und dazu kommt etwas, das ich sehr seltsam finde. 80% der CDs von Louisan, Aguilera, Juni, Juli und Silbermond werden von Frauen gekauft. Ich selbst kenne Frauen, die diese CDs haben, oder? ;) Ich habe sie nicht, weil ich die Musik uninteressant finde. (Glaube ich zumindest, denn ich hab die CDs ja nicht.) Man sieht es doch schon am Namen: "Silbermond" oder "Juli"... Männer hören doch viel lieber Bands, die "Knockenborks" oder "Flarz" heißen. Nun gut, dies nur nebenbei. Wo war ich stehengeblieben?... Was das kaufen der CDs angeht, stimmt also offenbar die Loyalität der kaufenden mit den singenden Frauen. Wie immer beim Shopping.

Auf der anderen Seite passiert immer wieder folgendes: Wieso nahm man z.B. an, dass bei dieser Casting Show die Boygroup "Overground" gegenüber den- Nomen es Omen!- "Preluders" das Rennen machen würde? Weil die vierzehnjährigen Mädels eher die knusprigen, geduschten Boys anhimmeln, statt ihre... äh, ... frisch gestriegelten Jungstuten zu unterstützen. Stattdessen beißen sie ihren Schwestern tendenziell eher die Mähnen ab. Bei der ganzen Sache ist es übrigens völlig wurscht gewesen, dass den Jungs BEIDE Bands wurscht waren, den Ausschlag gaben die Mädels, die zwar zur Hälfte die Girlieband toll fanden aber zu zwei Dritteln die Boys wollten. Was soll ich als Mann tun, wenn sich Frauen unter zwanzig derart von Frauen über zwanzig unterscheiden?

Und eine Frau wie Aguilera hat mehr weibliche Fans als männliche. Britney ebenso. Sicher, weil sie nichts anderes als Role- Model vorgesetz bekommen. Das sehe ich genau so, und finde es zum kotzen. Aber, ich würde wetten, wenn wir die Mädchen fragen: "Welche von beiden ist die stärkere Frau?", würden die meisten sagen "die Aggi".  Und wenn wir dann noch Pink dazunähmen, wäre der Fall klar: Pink ist sogar noch kräftiger als die Aggi. Und ein bißchen ist doch auch was dran. (Wie gesagt: ...innerhalb des Pop- Rahmens) Da sind schon unterschiede in den Auftritten dieser drei Frauen, auch wenn wir, die wir nicht mehr vierzehn sind, diese Unterschiede nicht mehr als so groß ansehen, weil wir ja Tina Turner oder Josephine Baker noch persönlich die Hand geschüttelt haben. Ja, sogar ich könnte mit Pink durchaus ein Bierchen trinken. Sie müsste mich danach vermutlich nach Hause tragen, aber... Das muss es ihr wert sein!

Klar Pink und Aggi sind es keine Prachtemanzen, aber es sind selbstbewusste Frauen, die innerhalb des Pop (!) das tun, was... sagen wir Tina Turner im Soul/pop getan hat: Sie haben Appeal und sind laut. Sie sind ebenso schlecht frisiert, und tun vermutlich das, wonach ihnen der Kopf steht. Innerhalb des Pop- Rahmens, versteht sich. Ich persönlich bin davon nicht besonders beeindruckt, da halte ich es wie Sandra, aber das war ich von "Simply the best" auch nicht.

Nun zur Bedrohung: Wenn es so ist, dass dieses Bild von Männern geschaffen wird (was ich mit Einschränkungen auch so sehe), wie kommt es dann, dass gerade dieses Bild beinahe ausschließlich auf Frauen anziehend wirkt? Ich kenne keinen Mann, von dem ich wüsste, dass er eine Platte von Britney, Aggi, Juni, Juli und Louisan im Regal hat. Mal ganz blank gefragt: Wieso sollte ich es als bedrohlich empfinden, wenn so viele Frauen sich von diesen Frauen angezogen fühlen, ihre CDs kaufen und die Künstlerinnen nachher zerfetzen? Ich hätte überhaupt nix gegen eine ordentliche Rebellion! Sogar gegen mich! Nur hab ich
1. nicht die Hoffnung, dass sie im Pop stattfinden wird,
2. nicht den Eindruck, dass ihr sie organisiert bekommt, weil ihr
3. in meinen Augen sowas von nicht nachvollziehbar handelt,
Frauen dieser Welt!
 :-/! und  :-*!

So, jetzt hab ich nur eine leise Bitte: Bitte, bitte setzt euch neben mich in diese feinen Nesseln (denn nur da kann man wirklich diskutieren), und wir überlegen uns was.
« Letzte Änderung: 14. April 2005, 19:57:03 von Bastian »

Offline Sandra

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #35 am: 14. April 2005, 20:04:44 »
Quote (selected)
Das ist der springende Punkt! Wer macht denn den "allgemeinen Konsens"?


Männer.





Und, Basti, Frauen tun das, weil ihnen von Männern seit Ewigkeiten eingeredet wurde und wird, dass es für sie wichtig ist - sonst kriegen sie keinen Mann ab. Ich rede hier von unreflektierten Frauen und Männern.

Offline Maexl

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #36 am: 14. April 2005, 21:50:06 »
ich setze mich unglaublich gerne neben dich in die nesseln, wenn du so schön schreibst...

aber über solche "langen" Themen tippe ich mir ungern die finger wund... (wie wäre es denn mit VoIP-Konferenz?)

aber was Luisan angeht sehe ich auch ein wenig diesen "Machoismus"... wobei man vielleicht wieder zeigen kann, dass zu einem offensiven Text (malerisch) verspielte Musik passt...?


Offline Andrea

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #37 am: 14. April 2005, 22:17:31 »
Zitat:
Dann wäre noch die gute alte Inga Rumpf. Die hat eine Stimme wie ein Kerl
Was haben denn Kerle bei dir für eine Stimme? ;-)
Zitat:
und nach über 30 Jahren immer noch echt Dampf drauf.
Jawoll! Ich hatte vor Jahren die Ehre, sie persönlich kennenzulernen. Sie strahlt viel Wärme aus und wirkte sehr sanft auf mich. Die Begegnungen mit ihr waren beide Male sehr angenehm.
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Offline Andrea

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #38 am: 14. April 2005, 22:28:54 »
Zitat:

Ohne Zweifel mit die beste deutsche Rockröhre schlechthin. Wie auch die viel zu früh verstorbene Tamara Danz.
Ulla Meinecke nicht zu vergessen. Mit ihr und Claudia K. hab ich heute eine sehr schöne Sendung gehört, und zwar hier:
http://emap.fm/demand/claudiak/20050413.ram
Nina Hagen röhrt übrigens auch immer noch gut. Es gibt keine Musikrichtung, die Nina nicht abdeckt.
Und Marla Glen (soviel zur STimme wie ein Kerl). ;D  
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Offline Andrea

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #39 am: 14. April 2005, 22:45:36 »
Zitat:
80% der CDs von Louisan, Aguilera, Juni, Juli und Silbermond werden von Frauen gekauft.
Genau. Louisan hab ich nicht gekauft ;-), aber Juli, Silbermond "Etwas" und "Wir sind Helden" schon. Ich bin eben selbst eine Deutschrockliedermacher-wasweißich-in (immer diese Kategorien). Ich hör mir die Kollegen und -innen klarerweise an, weil mich interessiert, was sie treiben. Bei "Silbermond" bin ich über den Gitarrenlärm noch nicht hinaus gekommen. ;D Die Texte von Juli und den Helden finde ich ganz nett. Mir wär aber lieber, die Mädels würden wieder wie in alten Zeiten abgemischt, damit man ihre Texte besser versteht. Mich stört dieses Im-Hintergrund-Gezärtel. Liegt's an den Mädels, den Produzenten, der Mischung? Und: Ich wüsste gern, wer bei den Bands, die ich mir gekauft habe, die Texte schreibt. Bei Anett Louisan wissen wir inzwischen, dass sie es nicht selbst tut. Aber wer tut es für sie? Bei den Helden hab ich bisher angenommen, Judith und die Musiker schreiben die Texte. Bei den anderen?
Und zu den Frauen, denen gesagt wird, sie müssten alles so und so machen, weil sie sonst keinen Mann abkriegen würden: Ich glaube manchmal selber nicht, dass es das in der heutigen Zeit noch gibt, weil ich mich mit "solchen" Frauen nicht umgebe, aber es gibt sie doch, wie uns die Medienlandschaft immer wieder vermittelt.  
« Letzte Änderung: 14. April 2005, 22:59:10 von Andrea »
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Sandra

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #40 am: 15. April 2005, 01:37:33 »
Also, Das "Gefühl" von der Louisan ist meines Wissens vom Naidoo.

Offline Katinka Koschka

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #41 am: 15. April 2005, 08:29:39 »
Quote (selected)
Also, Das "Gefühl" von der Louisan ist meines Wissens vom Naidoo.


Na, ein Glück, daß er's nicht selber gesungen hat, dann wäre es wohl (zumindest nach meinem Geschmack) eine Schnulze geworden ;D
Kann das mir aber beinahe nicht vorstellen, daß der sowas schönes schreiben kann ;)

Was dieses "Machotum" angeht, irgendwie verstehe ich nicht, wenn Männer relativ ungestraft den Schmetterling machen sind sie gröstenteils immer noch die "Tollen Hechte", aber wehe ein Mädel will sich nicht auf einen Typ festlegen, schon steht sie als Flittchen da ::)

Übrigens, die Aguilera mag ich überhaupt nicht. Liegt aber wohl eher an ihrer Stimme, die für mich einfach zu sehr in diese Houston-Carrie-Heulanfall-Ecke paßt :-/
Pink finde ich gar nicht so übel, die hat auch viel mehr drauf, als man so im Radio von ihr hört. Ich hab sie mal im Fernsehen live akustisch gesehen, die hat eine richtige Rockstimme, wenn sie richtig loslegt.
Und das Lied "Waiting for Love" ist ein richtig geiler Rocktitel. Nur leider läufts nie im Radio (hab's beim Nachbarn mal gehört) und obendrein ist es überlang mit ca. 6 Minuten. Aber da röhrt sie los, ich konnte kaum fassen, daß es tatsächlich Pink war :o
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Offline Bassmeister

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #42 am: 15. April 2005, 14:19:23 »
Quote (selected)
Männer.


Ich habe nur leider noch keinem Mann beim "allgemeinen-Konsens-machen" zuschauen können. Nicht mal in den noch vergleichsweise einfachen Strukturen einer Schulklasse. Liebe Dagmar, kannst Du als Profi mir was darüber erzählen, wie das vor sich geht?
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Offline Sandra

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #43 am: 15. April 2005, 15:31:23 »
Äh....
Wieviele Frauen sitzen denn so in den oberen Chefetagen von:
Werbefirmen
PR-agenturen
Regierungen
grossen Wirtschaftsfirmen
Fernsehstationen
Radiostationen
Zeitungen
Magazinen
Internetplattformen
Filmfirmen

etc.

Und wieviele Männer?

DA kannst du ihnen zugucken beim allgemeinen Konsens backen.
« Letzte Änderung: 15. April 2005, 15:32:01 von sandra »

Offline Sue

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #44 am: 15. April 2005, 16:05:13 »
Hui, mein Lieblingsthema. Allgemein geht's mir seit einiger Zeit auch ähnlich wie Sandra. Allerdings ist es in der Kultur ja auch wie in der Politik: Strömung/Gegenströmung usw., um es jetzt mal ganz grob zu sagen. Insofern hoffe ich schon, dass das nicht mehr ewig so weitergeht und hoffentlich nicht allzuviel Einfluss auf das Frauenbild, gerade was die ganz jungen Mädels betrifft, ausübt.
Und hier noch ein paar Beispiele für die andere Seite:
Juliana Hatfield, Skin, Liz Phair und die wunderbare Ani di Franco.
Klar, die laufen gerade eher selten auf Viva. aber erfolgreich sind sie auch.

Offline Bastian

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #45 am: 15. April 2005, 16:51:59 »
Um wieder ein wenig zum Gesellschaftstrend zurückzuschweifen: Was mich immer noch interessiert ist, Sandra, siehst du wirklich einen signifikanten qualitativen Unterschied zu den Achtzigern/Neunzigern? Und wenn ja, worin besteht er genau? Das verstehe ich noch immer nicht so recht. Kannst du das mir Blödi noch mal aufzeigen? Also, quasi die Äpfel von den Birnen trennen? Und das Kraut von den Rüben. Und die Rüben von den Rümpfen...  ::)

Ich meine: wenn ich all die vielen Ballaballa- Acts (Birnen) von damals ausblende, und Tina Turner (ein Apfel) herauspicke, und im Gegenzug- sagen wir- Skin oder Pink ausblende (zwei Äpfel) und die heutigen Ballaballa- Acts hervorhebe (...) , ist es doch sehr gefiltert. Den Vergleich gewinnt die Turner in jedem Fall. Ich bin ebenfalls nicht der Meinung, dass der Prozess der Emanzipation abgeschlossen sei, bin mir nicht einmal sicher, ob er es je sein wird, auch wenn ich es mir wünsche. Weil er eben ein Prozess ist...

Aber ich meine schon wahrzunehmen, dass es im heutigen Pop eine nicht zu unterschätzende Zahl von Frauen gibt, die eben diese Möglichkeiten ganz selbstverständlich nutzen, für die ihre... äh... Tanten noch mit der Waffe in der Hand gekämpft haben.
« Letzte Änderung: 15. April 2005, 18:27:36 von Bastian »

Offline Andrea

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #46 am: 15. April 2005, 19:09:17 »
Früher war SCHON noch wichtig, wer die Lieder schreibt und ob die Künstler selbst daran beteiligt sind bzw. waren. Mittlerweilen ist das - durch diese unsäglichen Castingshows usw. - anders geworden. Da wird nur noch das Handwerk verlangt, denn die Hits sind schon vorher verfasst. DAS ist das Problem. Okay, das ging auch schon bei Modern Talking los. Aber derlei Plastikbands haben sich vor lauter Plastik so von den anderen Bands oder Künstlern der 80er negativ abgehoben, dass man sich damals noch nicht so den Kopf darüber zerbrechen konnte bzw. musste. Und der Konsument, der nicht reflektiert, hinterfragt nicht, ob der Künstler selbst an der Entstehung eines Liedes mitgewirkt hat. Er findet das Lied gut und aus. Im Radio werden zu wenig Interviews gegeben, in welchen hinterfragt wird, WER da alles mitgemischt hat. In den Musik-Fernsehsendern steht, glaub ich, am Bildschirm Titel und Interpret. Aus. Wenn man mehr wissen will, muss man auf CDs oder im Internet nachgucken. Aber die Teenies stürzen sich zuerst mal auf den Interpreten und glauben, er/sie identifiziert sich mit dem Lied und dass er/sie es geschrieben hat.
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Bassmeister

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #47 am: 15. April 2005, 22:35:45 »
Aber in den Werbeagenturen und bei den Fernsehstationen werden doch Haarscheren - öööhm - Heerscharen von Menschen dafür bezahlt, den bereits vorhandenen allgemeinen Konsens zu erforschen, damit man auch ja eine möglichst große Zielgruppe abgreifen kann. Hmm, ich weiß nicht - werden hier wirklich noch (Männer-) Meinungen gemacht?
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Offline Dagmar

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #48 am: 16. April 2005, 01:28:41 »
Also Jungs, ihr wollt das glaube ich nicht wirklich wahrhaben oder nicht gerne hören. Aber es eine Tatsache: Es gibt kaum Frauen in Führungspositionen, egal wo.

Das hat mehrere Gründe, ist ganz gut erforscht und vor allem sehr differenziert zu betrachten: Zunächst mal die Beteiligung der Männer daran: Es gibt Untersuchungen über das Einstellungsverhalten männlicher Führungskräfte (die meisten Menschen, die Leute in Führungspositionen einstellen, sind immer noch Männer, das ist eine statistische Tatsache). Der Effekt wird Clon-Effekt genannt und besagt simpel ausgedrückt, dass Menschen, die Macht zu vergeben haben, diese Macht unbewußt bevorzugt denjenigen Anderen geben, die ihnen am ähnlichsten in Verhalten und Einstellungen erscheinen. Männer stellen also bevorzugt Männer ein. Oder befördern Männer statt Frauen, weil ihnen das Verhalten ihrer Artgenossen eben ähnlicher erscheint. Damit schließt sich der Kreis: Männer kommen erneut nach oben und verhalten sich ihrerseits wieder gemäß dem Clon-Effekt.

Der Anteil der Frauen an der Misere ist nicht ganz unerheblich und teils begründet durch Sozialisationsfaktoren, teils begründet durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen (nur ein Beispiel "wohin mit den Kindern?"). Frauen nehmen als Konsequenz dieser Bedingungen in großer Anzahl entweder die eine oder die andere Haltung ein: Bekannt geworden als "Cinderella-Komplex" (meint "ich armes kleines süßes Hascherl muss leider immer die Asche einsammeln". Hier hast Du Recht, Basti. In so einer Haltung liegt eine gehörige Portion Macht. Die Frauen, die sich so durchbeißen, haben allerdings gelernt, dass sie so am Besten durchkommen, weil sie den männlichen Stereotypen wohlgemerkt in Machtpositionen am ehesten entsprechen und dann so auch irgendwie weiter kommen) und als "Superfrau-Komplex". Letzteres beschreibt das Verhalten von Frauen, die versuchen durch eine möglichst exakte Kopie männlichen Verhaltens bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung traditionell sozialisierter weiblicher Identät voran zu kommen. Dabei zählt leider das Argument "aber heutzutage werden Mädchen und Jungen doch gleich aufgezogen" gar nicht. Das ist nämlich grottenfalsch. Entscheidend ist nicht so sehr das Erziehungsverhalten der Eltern, sondern viel mehr das der sogenannten peer-groups  (also Altersgenossinen und Altersgenossen) und die allgemein den Kleinen vermittelten stereotypen Bilder über Männer und Frauen in der Gesellschaft durch Medien und Institutionen.

Die Frauen mit dem Superfrau-Syndrom kommen allerdings auch nicht wirklich weiter. Erstens zerreiben sie sich in der Mehrfachbelastung, zweitens bleibt auch eine gute Kopie männlichen Verhaltens eben nur eine Kopie und (Achtung Basti  :P) drittens fühlen sich Männer durch diese Art weiblichen Verhaltens bedroht, weil einerseits dieses Verhalten von Frauen so ausschaut wie männliches Verhalten (der Clon-Effekt greift also) gleichzeitig aber die Menge derer, mit denen Macht zu teilen ist, sich schlagartig erhöht, was zu Abwehr führt (ein in der Soziologie ziemlich bekanntes Phänomen. Diese Wissenschaft hat sich ja nun umfangreich und wertneutral mit dem Thema "Macht" auseinandergesetzt).

Bis hierher Wiedergabe nachlesbarer Forschungsergebnisse. Nun kommt mein eigener Senf  ::):

Wie gesagt, diese ganzen Geschichten sind nicht neu und länger schon bekannt, es gibt tausend Bücher darüber. Es beantwortet sehr gut die Frage, warum es so wenig Frauen in Führungspositionen gibt, aber das war hier nicht das Thema. Das Thema war, warum sich verstärkt eine Tendenz zeigt, dass Hascherl im Pop nach oben kommen.

Zunächst einmal glaube ich auch, dass das vor 20 Jahren nicht anders war.

Quote (selected)
Früher war SCHON noch wichtig, wer die Lieder schreibt und ob die Künstler selbst daran beteiligt sind bzw. waren. Mittlerweilen ist das - durch diese unsäglichen Castingshows usw. - anders geworden. Da wird nur noch das Handwerk verlangt, denn die Hits sind schon vorher verfasst. DAS ist das Problem. Okay, das ging auch schon bei Modern Talking los. Aber derlei Plastikbands haben sich vor lauter Plastik so von den anderen Bands oder Künstlern der 80er negativ abgehoben, dass man sich damals noch nicht so den Kopf darüber zerbrechen konnte bzw. musste.


Andrea, das halte ich für wirklich falsch. ABBA ist das beste Beispiel - und die wurden Kult.

Dass Frauen heute das Hascherl geben, finde ich hier nicht mehr so die Frage. Sie tun das, weil sie so von ihren Produzenten erfolgreich nach oben gepusht werden. Die Frage ist nun eher, warum "Hascherl" gefragt ist? Wir haben hier eine Reihe Künstlerinnen aufgezählt, die dem Stereotyp nicht entsprechen, aber es ging hier um Mainstream. Ich kann auch noch 3 bis 7 Jazz- und Soulsängerinnen nennen, die dem nicht entsprechen - es ging aber um Mainstream. Und im Mainstream ist das sicher eine deutlich zu beobachtende Tendenz. Die olle Nena zum Beispiel. "Liebe ist" heißt ihr neuer Song. Der ist unsäglich, der Text ist eine Katastrophe (Motto "ich bin so klein und diene Dir"), Stimme und Abmischung ebenfalls so, wie sich keiner von uns trauen würde, sowas abzuliefern (sie haucht und näselt und atmet schwer). Ich nehme in demselben Tonstudio auf, in dem Nena aufnimmt. Gequatscht wird überall, da auch, deshalb habe ich reichlich Insider-Informationen über Nena und ihre Fähigkeiten, einen Song wenigstens tonsicher zu singen  :'( .... Trotzdem wird so ein Lied im Moment auf allen Stationen genudelt fünfmal am Tag.

Ähhm, bin etwas vom Thema abgekommen, sorry. Also: Die Frage ist, warum ist Hascherl gefragt?

Meine persönliche These ist, dass dies eine Gegenbewegung ist. Männer vergeben Macht, nicht Frauen (s.o.). Die emanzipatorischen Bemühungen waren nicht erfolglos, sie waren sogar sehr erfolgreich. Vor dem Hintergrund des Clon-Effektes werden Männer, die Macht zu vergeben haben, zunehmend irritierter. Das lässt sich aber nicht mehr aufhalten, es ist ein Teil der Realität geworden. Mag sein, dass die Gleichberechtigung noch lange nicht am Ziel angekommen ist, ist ganz sicher so. Das ändert aber nichts dran, dass sich die Gesellschaft diesbezüglich stark verändert hat (man beachte nur die aktuelle Diskussion der Koalition zur Familienpolitik sowie des Kanzlers Äußerungen dazu!). Ich persönlich glaube, dass Männer, die in Entscheidungspostionen sitzen unbewußt zu einer Gegenstrategie greifen: Das Hascherl als "Erfolgsfrau" minimiert erheblich kognitive und sozialisatorische Diskrepanzen.
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

Offline Andrea

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Re: Frauenbild im Pop zeigt Gesellschaftstrend
« Antwort #49 am: 16. April 2005, 02:22:23 »
Okay, Abba und Modern Talking sind auch nicht die passenden Beispiele, denn auch Abba wurde als Band verkauft: Agneta, Björn Benny und Frieda. Frieda hieß irgendwie annefried oder so. Bony M ist auch so ein Beispiel für solche Bands.
Ich hingegen meinte aber eher Bands, wo eine Sängerin im Vordergrund steht, eben die, die wir aufgezählt haben: Inga Rumpf, Grace Jonis... Heute hingegen heißen derlei Bands Juli und Wir sind Helden, obwohl die Sängerin im Vordergrund steht, zumindestens weiß man schneller deren Namen als die der anderen Bandmitglieder. Stimmlich stehen die Mädels ja im Hintergrund. Eigentlich müssten diese Bands nach den Namen ihrer Sängerinnen heißen, wenn nur diese im Vordergrund stehen, oder man müsste mehr über die Musiker wissen, um det janze als Band zu definieren.
  Nena hat mal mit ihrer Band bei einem Benefiz für afghanische Frauen mitgespielt, wo auch ich ein lied gesungen habe. Da hab ich sie gar nicht sooo schlecht gefunden. Allerdings hab ich mir danach einen großen Gig von ihr angehört, urgh! Die meiste Zeit hat man sie gar nicht gehört. Sie hat zu singen aufgehört und die Fans singen lassen. Dann hab ich gedacht: Ach, der Kontakt beim Benefiz war nett, ich sag ihr guten Tag. Da hat mir so ein Maxl erzählt, ich hätte nur fünf Minuten, das fand ich schon reichlich seltsam, aber als sie dann selber zu mir sagte, ich hätte nur fünf Minuten Zeit, um mit ihr zu sprechen, hab ich mich geärgert, dass ich überhaupt nach hinten gegangen bin. Wir haben ein paar Worte gewechselt, und dann bin ich gegangen. Sowas Überhebliches... Obwohl wir zusammen das gleiche Benefiz gesungen haben, hat die mich plötzlich wie einen Fan behandelt. Unmöglich! Ich hab mir meinen Ärger nicht anmerken lassen, mich ganz ruhig verhalten und mir meine Meinung gebildet. Dass Nena überheblich ist, hat vor zwanzig Jahren eine Freundin, die sie interviewt hat, gesagt. Bettina hat recht. Bei Kerner vor Kurzem hat sie so auf schüchtern gemacht. Kann sein, dass sie auch ihre Schüchternheit mit Überheblichkeit kaschiert. aber - sorry! - schüchtern hin oder her, bei anderen Leuten kümmert man sich ja auch nicht darum, warum sie überheblich wirken. Bei denen kommt das ja oft genauso unsympathisch rüber.
"Liebe Isst", wenn man den Text kaum versteht. ;D
« Letzte Änderung: 16. April 2005, 02:27:03 von Andrea »
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

 

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