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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Wo sind die Grenzen?  (Gelesen 10055 mal)

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Offline Guntram

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Wo sind die Grenzen?
« am: 30. Mai 2007, 00:30:31 »
Quote (selected)
Niederlande: "Organhandel" durch SMS-Voting

29.05.2007 | 11:16 |   (DiePresse.com)

Die neueste Idee der "Big Brother"-Erfinder Endemol: Das niederländische TV-Publikum soll über die Vergabe einer Spenderniere entscheiden.
...

http://www.diepresse.com/home/panorama/welt/306945/index.do?_vl_backlink=/home/index.do

Den Rest lest im Link nach. Wieder wird eine moralisch/ethische Grenze weitergeschoben. Wo ist das Ende?


Mein schönster Urlaub aus dem Irak oder Afghanistan.
Eine Lotterie bei der der Gewinner eine Interkontinentalrakete auf ein Ziel seiner Wahl abschießen kann.
Live Übertragungen von Exekutionen (hatten wir eigentlich schon, wenn ich an Saddam Hussein denke)

Ich warte auf weitere Anregungen. Wenn ein Produzent eine unserer Ideen aufgreift springt noch was für uns dabei raus.  :peinlich
Träume sind nicht Schäume, sind nicht Schall und Rauch,
sondern unser Leben so wie wache Stunden auch.
Wirklichkeit heißt Spesen, Träume sind Ertrag. Träume sind uns sicher schwarz auf weiß wie Nac

Offline Alexander

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #1 am: 30. Mai 2007, 03:12:29 »
Eine Anregung?
Dazu habe ich vor etwa drei Jahren eine Kabarettnummer gemacht und auf eine private CD aufgenommen.

RUSSISCHES ROULETTE

Fanfare

Fernsehmoderator:
Der Sensationskanal präsentiert: „Russisches Roulette“, die neue Samstagabendshow!
Bewerben Sie sich jetzt! Rufen Sie an! Es geht um IHR Leben! Wir haben für Sie: Hundert Millionen! Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen! Rufen Sie jetzt an und werden Sie unser Kandidat!

Versoffene Wiener Musik

Kandidat (total resignativ, am Schluss ist ihm alles egal):
Ollas aus. I kaun nimma. Loßts mi in Ruah. Schleich di mit deim Handy. Geht’s olle sch...
Wos wüstn mit dem Handy ollaweu? Na gib her. Ja, am Apparat. Wos .. wer ... jo. Samstag 16 Uhr Studio 7. Wos sois ...

Fanfare und Signation Fernsehshow

Fernsehmoderator:
Das ist „Russisches Roulette“, die neue Samstagabendshow aus dem Sensationskanal, und ich führe Sie durch die Sendung. Unser erster Kandidat kommt aus Wien. Er ist noch in der Garderobe. Zeit genug, die Spielregeln zu erklären. Unser Kandidat kann hundert Millionen gewinnen – oder (sagen wir es so)  - mit dem Leben bezahlen. Die Chancen auf den Gewinn stehen gut. Es wird aus einem Revolver auf ihn geschossen. In dem Revolver gibt es sechs Patronenhülsen, aber nur eine Patrone wird darin sein. Damit es spannender ist, wird insgesamt dreimal auf den Kandidaten geschossen. Überlebt er, ist er hundertfacher Millionär. So einfach geht das. Jetzt fragen Sie: Was ist das für ein Mensch, der sich hier als Kandidat zur Verfügung stellt? Wir haben jemanden gefunden, der nichts mehr zu verlieren hat, den idealen Kandidaten also. Und dann fragen Sie: Wer wird schießen? Auch hier haben wir eine ideale Lösung gefunden. Ein sechzehnfacher Mörder, zu lebenslanger Haft verurteilt, wird – streng bewacht natürlich – der Schütze sein. Er wird von vorne auf die Stirn des Kandidaten anlegen. Freuen Sie sich mit mir auf spannende Momente! Bevor es los geht – eine kurze Unterbrechung!

Fanfare

Werbespots:
:
(Dies irae Thema) Eichensärge zum Sonderpreis – nur bei „Tod & Co.“ ((Dies irae Thema)

(Kleine Nachtmusik, slow im Hintergrund) Kommen Sie zu uns. Wir verlängern Ihr Leben. Der Deal ist einfach. Sie geben uns alles, wir geben Ihnen ein längeres Leben. Reden Sie mit uns. Ihre WIR AG.

Fanfare

Fernsehmoderator:
Der Sensationskanal präsentiert: „Russisches Roulette“, die neue Samstagabendshow!
Bewerben Sie sich jetzt! Rufen Sie an! Es geht um IHR Leben! Wir haben für Sie: Hundert Millionen! Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen! Rufen Sie jetzt an und werden Sie unser zweiter Kandidat!

Fanfare Signation

Fernsehmoderator:
Und hier ist unser Schütze!

Trommelwirbel

Fernsehmoderator:
Wollen Sie etwas sagen? (Stille peinlich überspielend: ) Nein, offenbar nicht. Ein Mann der Tat. Wirklich wie gemacht für uns. Und nun meine Damen und Herren: Der Kandidat!

Trommelwirbel

Fernsehmoderator:
Herzlich willkommen bei uns. Na, wie fühlt man sich als Kandidat in einer Fernsehshow?

Kandidat (gehemmt):
Jo ... i ...

Fernsehmoderator (anzüglicher):
Waren unsere Assistentinnen auch alle nett zu Ihnen?

Kandidat (verloren):
Äh ...

Fernsehmoderator:
Wir werden schon noch was aus ihm rauskriegen. Sie kommen also aus Wien.

Kandidat (verloren):
Jo ... i ...

Fernsehmoderator:
Erzählen Sie uns was über Wien.

Kandidat (verloren):
Wos ...

Fernsehmoderator (triumphierend)::
Oder SINGEN Sie für uns, DAS wäre doch schön!

Kandidat (singt weltfremd, total verinnerlicht):

I kaun leb´n wo i wü,
und i suach oft a Zü´.
Die Wöd hob i gern -
oba sterb´n kaun i nur
in Wean!

Fernsehmoderator (die Situation überspielend):
Ja ... also ... Na wollen wir hoffen, dass Sie uns noch lange erhalten bleiben. (Sicherheit gewinnend: ) Um das sicher zu stellen, fangen wir jetzt an.

Fanfare

Fernsehmoderator:
Meine Damen und Herren, der erste Schuss – nach einer kurzen Unterbrechung.

Werbespot:

(Jamaica Music) (Wiener Proletenhochdeutsch) Traumurlaub in der Südsee. Buchen Sie jetzt. Ihr Reisebüro Nah und Fern. (Jamaica Music)

Fanfare

Fernsehmoderator:
Es ist so weit. Das Kommando gilt. Schütze frei!

Klickgeräusch.

Fernsehmoderator:
Na, da haben wir aber Glück gehabt! Und die hundert Millionen sind auch ein Stück näher gerückt. Wie fühlen Sie sich jetzt? (Stille) (Beiseite) Das nächste Mal sollte die Regie schon einen gesprächigeren Kandidaten nehmen. Was sagt der Ted? Höre ich was von der Regie? 60 % für einen gesprächigeren Kandidaten. Ja, unser Publikum ist auf Zack. Zweiter Schuss – nach einer kurzen Unterbrechung.

Werbespot:

(Schwerer Akkord) Sterben mit Genuss – die Pille, die garantiert wirkt. Rufen Sie jetzt an. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Notar oder Notarzt. (Schwerer Akkord)

Fanfare.

Fernsehmoderator:
Es geht weiter. Das Kommando gilt wieder. Schütze frei!

Klickgeräusch.

Fernsehmoderator (erleichtert und begeistert tuend):
Puuuh, war das spannend. Jetzt hat unser Wiener zweimal Glück gehabt, die hundert Millionen sind schon greifbar nah. Bevor wir aber zum entscheidenden letzten Schuss kommen, haben wir noch unser Gewinnspiel und ein bisschen Musik für Sie.

Zweite Fanfare

Fernsehmoderator:
Ich greife tief in den Stapel mit Zusendungen. Drei Karten ziehe ich heraus. Bei den ersten beiden explodiert das Fernsehgerät im Moment der Namensnennung, der Absender der dritten Karte gewinnt eine Million. Los geht´s! Die erste Karte: Herr A aus B (Heiter) Bye bye! (Tiefer Ton) Die zweite Karte: Frau C aus D (Heiter) Und Tschüß! (Tiefer Ton) Und jetzt der Gewinner von einer Million! Das ist Frau X aus Z! Wir gratulieren! Unsere Redaktion wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen.  (Atempause) Meine Damen und Herren, wir haben keine Kosten und Mühen gescheut, Ihnen auch musikalisch Sensationelles zu bieten. Hier ist DIE MUSIK!!!!!!!!!

Musik (Bruch zwischen Harmonie und Chaos)
(Sollte keine Kopie von „Leute die Welt ist prima“ – Udo Lindenberg – werden.)

Fernsehmoderator:
Danke der Musik! Vor dem letzten Schuss für heute noch einmal eine kurze Unterbrechung!

Werbespot:

Dies ist eine Werbung für nichts. Alles was Sie hier bekommen ist nichts. Nehmen Sie nichts. Es wird Ihnen gut tun.

Fanfare.

Fernsehmoderator:
Sie sind live dabei! Der dritte Schuss! Machen wir es kurz. Das Kommando gilt: Schütze frei!

(Offenes Ende)

« Letzte Änderung: 30. Mai 2007, 03:14:13 von Alexander »
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline whoknows

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #2 am: 30. Mai 2007, 10:06:46 »
Gute Sache, Alexander!!  Würde mich auch nciht wundern, wenn das mal Tatsache würde.....

Hier wurde ja soweit ich mich erinnere schon vor einiger Zeit über diese Arbeitslosenshow (irgendwo in südamerika?) berichtet, wo Kandidaten um einen Job rittern - und schon damals waren wir uns einig: wie weit kann's noch gehen?
Das mit der Spenderniere ist schon unfassbar -Soll man sich mehr darüber wundern,  dass sich Leute finden, die so etwas senden würden oder dass sich Leute finden, die im Fernsehen ihre Niere verkaufen? Es ist echt ekelhaft - andererseits: seit den Snuff-Movies kann mich kaum noch etwas wundern.

Es liegt letztlich daran, dass das urbane Leben so ereignislos geworden ist bei gleichzeitiger Focussierung auf "das Ereignis" - die Menschen haben nicht mehr genug damit, einfach schön zu leben, sie müssen extreme Erlebnisse haben. Mangels derer nehmen sie virtuelle, und da nützt sich natürlich der Erlebnisgehalt ab, die Dosis muss erhöht werden.

Offline Burkhard Ihme

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  • Erschienen im November 2017: COMIC!-Jahrbuch 2018
Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #3 am: 30. Mai 2007, 11:04:16 »
So richtig makaber wirds durch die Spenderin. Wie lange darf die dann noch leben? Was, wenn der Krebs die Niere befällt? Meines Wissens kommen Krebskranke eh nicht als Spender in Frage ...

Offline Guntram

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #4 am: 30. Mai 2007, 11:19:00 »
Noch ein paar Ideen:

Wer darf seine Job behalten!
Ähnlich wie bei anderen Shows die Belegschaft wird in Gruppen eingeteilt, ein Promi erledigt die Aufgaben, verliert er (oder gewinnt er) verlieren die Leute ihren Job.

Selbstmordshow, wer den originellsten Selbstmord durchführt, dessen Begräbnis wird bezahlt. Könnte man ähnlich wie Herzblatt aufziehen.
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Offline Dorian

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #5 am: 30. Mai 2007, 11:37:33 »
Quote (selected)
Selbstmordshow, wer den originellsten Selbstmord durchführt, dessen Begräbnis wird bezahlt. Könnte man ähnlich wie Herzblatt aufziehen.

Das ist nicht mehr weit von der Realität entfernt.  Produzent John de Mol meinte mal in einem Interview, wenn er eine Show machen würde mit Russischem Roulette hätte er keine Probleme, dafür Kandidaten zu finden.  :o
« Letzte Änderung: 30. Mai 2007, 12:55:58 von Stroganoff »

Offline Guntram

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #6 am: 30. Mai 2007, 18:23:39 »
Deshalb fängt er jetzt  mit der Niere an. Ist eigentlich unrentabel. Ein/e Spender/in kann noch Hornhäute, Leber, Lunge, Herz, Knochen, etc. spenden. Da könnte man eigentlich ein Serie drauf machen. Jede Woche ein anderes Organ. Bis der/die Spedenr/in tot ist. Ärgerlich wird es nur wenn ein/e Empfänder/in vorher stirbt.
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Offline whoknows

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #7 am: 01. Juni 2007, 00:32:40 »
Gestern habe ich gehört, dass der Gründer der Filmfirma, die diese Show macht (offenbar doch nciht endemol?) selbst daran gestorben ist, dass er nicht rechtzeitig ne Niere bekommen hat. Vielleicht wird das alles noch eine riesen pr sache? Warte jedenfalls gespannt, in welche Richtung sich das entwickelt.

Offline Guntram

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #8 am: 01. Juni 2007, 16:34:59 »
Es war der Chef des Fernsehsenders. Der Produzent ist Endemol.
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Offline Eric

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #9 am: 01. Juni 2007, 17:54:01 »
Hat jemand heute nacht Deutschlandradio gehört ? Da ging es in der Sendung "2254- der Hörertalk" oder wie das heißt um genau dieses Thema. Hab leider nur die Hälfte hören können, weil ich mittendrin eingeschlafen bin. Habe aber festgestellt, dass sich die Anrufer eigentlich in zwei Gruppen aufteilten: Die einen fanden es toll, um das Thema Organspende ins Gespräch zu bringen und die Leute drauf aufmerksam zu machen, dass sie sich so einen Ausweis zulegen, die anderen fanden es einfach nur geschmacklos.

Mir isses irgendwie wuarscht. Gut, dass wir drüber gesprochen haben.  ;D

Offline Guntram

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #10 am: 01. Juni 2007, 23:02:32 »
Die Verantwortlichen im Sender behaupten ja, sie machen das "nur" um das Thema auf, ich sag mal,  provokante Weise ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und weil ihr Ex-Chef wegen des Mangels an an Spenderorganen. Das Ziel haben sie eindeutig erreicht. man kann schon sagen der Zweck heiligt die Mittel, aber ist diese Begründung nicht vom Tisch, da das Ziel so eindeutig erreicht ist? Sogar unsere EU-Politiker sind aufgewacht.

Warum  also noch an der Sendung festhalten?

Hat die Show auch Werbeblöcke? Werbung in Holland ist sicher so ähnlich wie bei uns. Also 3 totkranke Menschen spielen ein Spiel, dessen Preise heißt ich verlängere mein Leben. Auf Kosten eines vierten totkranken Menschen (der so und so stirbt und von dem nicht sicher ist das seine Organe überhaupt übertragen werden können, da er krebskrank ist - vielleicht gibt es Ausnahmen). Dazwischen werben gutaussehende, vor Gesundheit strotzende Menschen für Deosprays die Frauen willenlos machen oder Rum an tropischen Stränden (war da nicht was mit Hautkrebs durch UV-Strahlung) oder, oder, oder. Das ist Zynismus pur. Aber hier ist es wie immer die Realität übertrifft jede Kabarettnummer, Karikatur und was sich kreative Köpfe noch so ausdenken.
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Offline Werner

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #11 am: 02. Juni 2007, 01:54:51 »
Quote (selected)
Also 3 totkranke Menschen spielen ein Spiel, dessen Preise heißt ich verlängere mein Leben. Auf Kosten eines vierten totkranken Menschen (der so und so stirbt
"Einer trage des anderen Last", habe ich irgendwo mal gelesen. Was hälst du davon, wenn sich zugunsten  jedes Nieren-Moribundus ein überzeugter Christ - wie der heilige Lazarus einst von der überflüssigen Hälfte seines Mantels - kostenlos von einer seiner beiden gesunden Nieren trennen würde? Für ein normales Leben braucht er sowieso nur eine Niere. (Für eine Show mit Werbeblöcken taugt das natürlich weniger).

Offline Bassmeister

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #12 am: 02. Juni 2007, 09:42:09 »
Der mit dem Mantel, das war der Martin. LAzarus wäre für eine derartige Show noch viel untauglicher, weil er einfach mal so durch eine Geistheilung von den Toten wieder aufersteht.

Verkaufen um jeden Preis. Das ist es doch. Man will sich auf Deibel komm raus abheben, um gesehen zu werden.
Ein Buch kriegt man ja auch nur noch unters Volk, wenn man sich als Ex-Mitglied der Waffen-SS outet.
[size=9]Nicht alles, was zwei Backen hat, ist ein Gesicht...[/size]

Offline whoknows

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #13 am: 02. Juni 2007, 10:16:16 »
Aber wie zu erwarten war, hat sich das Ganze als reine Show rausgestellt. Und weltweit Wirkung erzeugt. Die Frage: ist das zulässig?

Offline whoknows

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #14 am: 02. Juni 2007, 10:22:28 »
Übrigens - weil's ja überall jetzt Thema ist: ich bin der Meinung, dass man die Spendenregelungen dringend ändern muss - und zwar sollte man sich einen Ausweis besorgen müssen, wenn man NICHT gewillt ist, zu spenden - kein Ausweis heisst: Spender. So, wie es jetzt gehandhabt wird, das bringt einfach nix, ganz offensichtlich.

Offline Guntram

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #15 am: 02. Juni 2007, 13:59:43 »
Die Regelung ist zu !einfach! whoknows und war auch vor Jahren im Gespräch. Ich glaube da haben irgendwelche damals dagegen geklagt oder wollten klagen, was auch immer. Unsere Politiker haben es auf jeden Fall nicht auf Reihe gekriegt.
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Offline Guntram

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #16 am: 02. Juni 2007, 14:08:09 »
http://www.stern.de/politik/panorama/:TV-Schwindel-Organspende-Show/590290.html

Hier die neuesten Nachrichten. Der Sender hat es also wirklich bis auf die Spitze getrieben. Für diesen Mut muß man allerdings neidlos applaudieren.

Wir sind also schon an dem Punkt, an dem man sich selbst sagt alles ist möglich. Anstatt zu glauben so weit geht keiner muß ein Fake sein.



PS: Ich habe einen Spenderausweis und bin Blutspender. Und vielleicht sind hier ein paar die falls sie keinen Spenderausweis haben sich jetzt einen besorgen.
« Letzte Änderung: 02. Juni 2007, 14:09:45 von guntram »
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Offline Eric

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #17 am: 02. Juni 2007, 16:05:03 »
Ziel erreicht (aufmerksam machen durch Schockieren) , 100 Punkte - endlich mal gutes Fernsehen.  :)

Offline Werner

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #18 am: 02. Juni 2007, 22:15:44 »
Quote (selected)
Verkaufen um jeden Preis. Das ist es doch.

Hast recht, auch hier werden offensichtlich nur die Highlights goutiert, die im Schatten sieht man nicht, so ist das eben.

Offline whoknows

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #19 am: 02. Juni 2007, 23:30:24 »
Ja, aber letztlich ist das die konsequente Weiterführung unserer Welt - ich hatte übrigens relativ schnell den Verdacht, dass da was faul ist - zuerst als ich hörte, der Sender hat Interesse daran, wegen des Chefs, der an fehlender Niere starb. Dann, als ich aufmerksam gemacht wurde, dass Krebskranke nicht spenden können. Aber ich war mir auch nicht sicher. Und ich bewundere den Sender auch für den Mut, das durchzuziehen, weil es ja letztlich viel mehr triggert, als "nur" ein paar Tausend Spender mehr - Wie Guntram sagt:
Quote (selected)
Wir sind also schon an dem Punkt, an dem man sich selbst sagt alles ist möglich
Bleibt nur zu hoffen, dass das ganze nicht eine kurzmeldung bleibt, sondern dass man über BEIDE Problematiken - die der mangelnden Spenden und die des "anything goes" - weiter hitzig und ausgiebig diskutiert.
Übrigens - NICHT erstaunlich ist für mich, dass es ein holländischer Sender war - in einem deutschen oder österreichischen hätte sich das keine Chefität getraut.

Offline Werner

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #20 am: 03. Juni 2007, 00:58:40 »
Zitat "Whoknows" (jetzt hätte ich doch fast knowhow geschrieben) :
Quote (selected)
Übrigens - NICHT erstaunlich ist für mich, dass es ein holländischer Sender war - in einem deutschen oder österreichischen hätte sich das keine Chefität getraut.

Oh doch, die Holländer klopfen sich gerne und oft selbst auf die liberale Schulter - und wenn es (oder gerade deswegen) nur deshalb sein muss um die kulturelle Überlegenheit zum deutschen Nachbarn zu demonstrieren. (Das Verhältnis zu Österreich ist mir nicht geläufig). Dabei wird m.E. auch mal übers Ziel hinausgeschossen, die breite Mehrheit der Holländer ist bei weitem nicht so fortschrittlich gestimmt wie sich mancher "fortschrittliche" Holländer selbst gerne sähe. Das gewaltsame Ende der Pusherstreet im Freitstaat Christiania z.B. ist für mich  Zeichen einer Trendwende, mit der sich Holland aktiv in der eigenen Gesellschaft von manchen "Experimenten" zu verabschieden scheint . Show-Trash für Deutschland ist natürlich eine andere Sparte, die kau(f)en und verdauen eh alles. Der meiste Schund von dort ist in der Regel Abklatsch irgendwelcher US-Produktionen, wo es für die Voyeure und sonstwas dieser Welt massgeschneidert und erprobt wurde, also kaum Risiko bei der Übernahme durch holländische Weiterverwurster.

Offline Dagmar

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #21 am: 03. Juni 2007, 02:49:58 »
Tja, da stehen sie nun alle: Die ganzen Moralapostel und Besserwisser. Da war das Ganze jetzt eine ziemlich überrumpelnde wie auch immer geplante und geartete PR-Aktion für die Notwendigkeit, sich als Organspender zur Verfügung zu stellen.

Ich habe - ehrlich gesagt - mich herzlich über die ganze Aktion gefreut!!! Dies sicher auch vor dem Hintergrund eines heute in der Süddeutschen erschienenen Artikels einer Insiderin, einer Frau, die selbst Nierentransplantationen brauchte, um überleben zu können. Die in dem langen Artikel schrieb, dass sie angesichts ihrer Erkrankung sofort in einer solchen Sendung mitgemacht hätte. Die schrieb, dass es extrem einfach für absolut nicht Betroffene sei, moralisch sein zu können, und dass die Moral die Sicht der Nichtbetroffenen sei.

Wie viele hier wissen, bin ich ja beruflich u.a. bei den Medien unterwegs. Ich war den ganzen Tag heute (zufälligerweise) dort, und habe folgende Insider-Infos gehört:

Von Anfang an sei eine Aktion geplant gewesen, die möglichst breit auf Wirkung angelegt gewesen wäre. Dazu hätten die "Pro-Organspende" - Leute einen Sender gesucht, der das machen würde. Endemol erschien als breitenwirksam genug und habe auch eingewilligt. Die Schauspieler seien gut vorbereitet und geschult worden. Der eigentliche "Produzent" sei selbst indirekt vom Thema betroffen (familiäre Hintergründe).

Die ganze Sache hat geklappt: Allein heute im Laufe des Tages haben aufgrund des Zuschauens und der nach Aufdeckung ausgelösten Gefühle über 2000 Leute einen sofortigen Spenderausweis beantragt - weitere spätere Resonanzen bleiben abzuwarten.

Ich finde die ganze Inszenierung grossartig! Eine extrem kreative Idee: Superhoher Aufmerksamkeitgrad und unfassbar hohe Pressewirkung für eine bislang offenbar namenlose Organisation.

Chapeau!
« Letzte Änderung: 03. Juni 2007, 02:51:10 von Dagmar »
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

Offline Werner

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #22 am: 03. Juni 2007, 03:45:31 »
Michael Schuhmacher hatte einst auch 5000Euro aus seinem Portokässchen für Tsunamiopfer gespendet(haha) - die Absicht Endemols, mit dieser Aktion lediglich Organspender zu rekrutieren, würde ich auf einen nachgelagerten Platz setzen. Und 2000 Organspender-Anträge spontan? Gemessen an all den Rummelbeteiligten und der konkreten Auswirkung für einen Dialysekranken praktisch nichts. Die Frage, wer zu den "ich habsgleichgewusst" etc. gehört scheint mir auch nicht der Rede wert - vielleicht die jene, die auf Lebensmüde auf Hochhäusern wetten... Natürlich ist alles gekonnt gemacht, was auch sonst: Die Beteiligten machen sowas schliesslich beruflich. Aus meiner Sicht eine Kampagne ala Raab & Konsorten. (Da gibts in aller Regel stets nur einen Gewinner, Verlierer gerne auch mal ein paar mehr).

Offline whoknows

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #23 am: 03. Juni 2007, 10:26:01 »
Quote (selected)
Das gewaltsame Ende der Pusherstreet im Freitstaat Christiania z.B. ist für mich  Zeichen einer Trendwende, mit der sich Holland aktiv in der eigenen Gesellschaft von manchen "Experimenten" zu verabschieden scheint .

äh?
Das ist in Dänemark. Ein anderes Land. ;)

Die Holländer SIND tatsächlich in sehr vielem liberaler, einfach als Menschenschlag. Das merkt man auf Schritt und Tritt, wenn man dort ist. Liegt auch an der Religion, an der Geschichte. Dafür gibt es eine typisch protestantisch/calvinistische Art von Gruppendruck. Ähnlich wie in der Schweiz, wo es wesentlich mehr Freiheit gibt, aber die Leute trotzdem verblüffend kleinkariert denken, oder in den USA, wo sie einerseits ein "alles ist erlaubt" haben, und andererseits zu den prüdesten Menschen der Welt gehören. Aber die Holländer haben definitiv mehr "ich trau mich einfach mal" als die Deutschen, die brauchen bekanntlich einen Boss, der es ihnen anschafft, sonst geht's nicht.

Und dann, Werner, verwechsel nicht den Auftraggeber mit dem Produzenten. Klar, Endemol was in it for the money - die kriegen den Auftrag zu einer Show, egal was für einer, und produzieren die. Und manchmal holen sie sich von Erfindern von Sendungen in den Usa oder England die Rechte, produzieren und dann versuchen sie, zu verkaufen. Aber hier ist ja nicht die Rede von den Ausführenden, sondern von denen, die die Idee in Auftrag gegeben haben.
Ich denke auch, (allerdings mit Bauchweh) dass in Zeiten wie diesen solche Massnahmen  wohl zulässig sind - anders kriegt man die Aufmerksamkeit nicht zusammen.  Eigentlich war das immer schon so. Die Ohrfeige die Beate Klarsfeld dem Kiesinger verpasste, und die sie sofort hochgradig  in die Medien katapultiert und ihr Anliegen der Verfolgung von Nazis gestärkt hat, war selbstverständlich total inszenziert. (hat sie mir mal höchstpersönlich erzählt).
Ob diese Massnahmen - obgleich aufgrund der Notwendigkeit vielleicht zulässig - auch moralisch hochstehend sind, ist eine andere Frage. Und das Argument, Dagmar, das sei die "Moral der Nichtbetroffenen" ist leider auch eines, das nur auf den ersten Blick schlagkräftig ist. Denn es gibt letztlich keine Moral der Betroffenen und der Nichtbetroffenen, da sich Moral auf die GANZE Gesellschaft bezieht und hier Standards setzen will. Letztlich sind es natürlich die ZUSTÄNDE, die unmoralisch sind, nicht die Reaktionen darauf - aber irgendwann verschwimmen hier leider die Grenzen. Wenn man "anything goes" bejubelt, wird es auch in anderen Fällen angewandt werden, damit wird auch der Nutzen verschwinden.

Ob die nächsten "wir sammeln für Hilfe-shows" auch so einen Erfolg haben werden wie vor dieser inszenierten Sendung?

Offline Werner

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Re: Wo sind die Grenzen?
« Antwort #24 am: 03. Juni 2007, 18:30:26 »
Dänemark, stimmt. War wohl viel zu früh und irgendwie voller Nebel..

 

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