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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Van Gogh und die Kopftuchfrage  (Gelesen 4023 mal)

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Offline Sandra

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Van Gogh und die Kopftuchfrage
« am: 17. November 2004, 10:09:19 »
Kinders! Reden wir doch wieder mal von was vernünftigerem.
Mit der Ermordung von Theo von Gogh stellt sich auf's Neue die Frage, wie unsere Gesellschaft mit dem Islam umgehen soll, mit den eingewanderten Muslimen, mit der Integration.

Kopftuchverbot ja oder nein?

Toleranz als oberstes gesellschaftliches Prinzip - schrankenlos?
Oder: Wo sind die Schranken?

Gehen wir mit toleranz den falschen Weg? Sollten wir so intolerant sein, wie es die muslimische Gesellschaft vorlebt?

Offline Bastian

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #1 am: 17. November 2004, 17:19:38 »
Ich hab letztens einen Artikel von Katajun Amirpur/ Süddeutsche Zeitung gelesen, der mir die Worte aus dem Mund gezogen hat. Zum posten zu lang, also verlinke ich ihn hier
Ausserdem bin ich schon seit Jahren der Auffassung, dass die "Liberalität" und die "Toleranz" in den Niederlanden nichts anderes sind als schlichte Gleichgültigkeit. Das ist schon seit ich denken kann so, und wurde in Deutschland und leider selbst in Holland geflissentlich falsch gedeutet. Man war sich egal und ging sich aus dem Weg. Sicher, im Vergleich zur gewaltsamen Konfrontation macht es sich verhältnismäßig gut aus. Aber als Gesellschaftssystem trägt es nicht. Denn schon nach dem ersten Schuss fällt dieses vermeintliche "System" in sich zusammen, und das Chaos nimmt seinen Lauf. Auf der anderen Seite tragen viele Niederländer- im Gegensatz zu vielen Deutschen- wenigstens die Idee des gemeinsamen Zusammenlebens in ihren Köpfen, und es gibt eine Vielzahl von Doppelbürgern und mehrsprachlichen Ausländern, die echt bemüht sind, den Dialog zu führen. Zumal sie sich größtenteils wirklich als Niederländer empfinden, was ein Zeichen dafür ist, dass die Integrationspolitik in den Niederlanden nicht gar so schlecht ist, wie manche dies- und jenseits von Venlo zur Zeit befürchten.

Offline Alexander

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #2 am: 17. November 2004, 17:21:37 »
Ich möchte als Einzelperson antworten, die eventuell irgendwann irgendwo betroffen sein könnte:
Mein Ideal einer Gesellschaft:
Jede/r ist so vernünftig, den/die anderen in seiner/ihrer Freiheit nicht zu behindern.
Jede/r nimmt den/die anderen, wie er ist/sie sind.
Kommt jemand mit anderen Maßstäben auf mich zu, so möchte ich diese Person so respektieren wie sie ist.
Erlebe ich im Umfeld Unterdrückung oder andere Formen der Erniedrigung, so habe ich behutsam zu versuchen, an den/die Verursacher ranzukommen und sie davon zu überzeugen, dass es auch anders geht.
Ist dies nicht möglich, habe ich als Einzelbürger die Pflicht, potentielle Opfer zu warnen oder zu schützen, soweit es mir möglich ist.
Wünschenswert wäre Gewaltfreiheit in jedem Fall.
Von mir aus soll Kopftücher tragen wer wann wo will.
« Letzte Änderung: 17. November 2004, 17:23:46 von Alexander »
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline Sandra

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #3 am: 18. November 2004, 01:07:16 »
Quote (selected)
Von mir aus soll Kopftücher tragen wer wann wo will.


Das ist der Schlüsselsatz. Woher wissen wir - oder glauben wir zu wissen, dass die jeweilige Frau das tatsächlich selbst entschieden hat, oder ob sie von Umfeld und Konvention dazu überredet wurde, es nicht besser weiss, gezwungen wurde?
Woher sollen wir wissen, ob wir nicht, wenn wir es zb lehrerinnen an Schulen erlauben, damit einer Art Indoktrinierung das Wort reden?

Überhaupt: ab wann ist eine Entscheidung wirklich FREI? wir haben Medien, Eltern, Umfeld.....

Vielleicht wäre eine Möglichkeit, es ab einem gewissen Alter erst zu erlauben? Ich bin selbst unentschlossen, denn ich bin ein grosser Verfechter der Selbstbestimmung jedes Einzelnen. Andererseits: Konventionen und Umfeld bestimmen häufiger als man meint die eigenen Entscheidungen - und das heisst nicht, dass man eine entscheidung zum glücklichsein getroffen hat - man geht auch manchmal nur den Weg des geringsten Widerstandes, oder man weiss es einfach nciht besser.
Wenn jemand auf allen vieren aufwächst, soll man ihn zwingen, die sonne zu sehen?

und, @ Basti: (bzw @ autorin von diesem Artikel) - sie hat naütrlich Recht, und es ist auch nciht neu, was sie sagt - ABER: Ich bin mir nicht sicher, ob eine Lehrerin in der Schule auch noch FRAGEN muss, warum die Tochter kein Kopftuch trägt. Lehrer haben Vorbildwirkung, und (evtl mit Ausnahme einer person, die ihr Kopftuch öffentlich auch kritisch hinterfragt) ich halte es da eher mit den Franzosen: In einem westlich und durch Aufklärung sozialisiertem Staat haben JEGLICHE öffentliche Glaubensäusserungen strengstens kontrolliert zu werden. Jeder darf in seiner Kirche/Synagoge/Moschee/etc machen was er oder sie will. Aber auch das in Österreich so geliebte Kreuz in den Schulzimmern, ein Religionsunterricht anstatt einem Unterricht für Menschenrechte, öffentlche Kommentare von kirchlichen oder sonstigen Würdenträgern zu politischen Fragen - all das hat zu unterbleiben. Religion soll möglich sein - und Privatsache bleiben. Man kann diskutieren, man kann sich darauf berufen - als Einzelmensch und Privatperson. Nicht als Lehrer, Beamter, Politiker etc.
In Österreich gibt es da genügend Missstände, finde ich, die Katholen sind auch nciht frei von Totalitarismus.

Ich finde es indes erstaunlich und eines Gedankens wert, dass ein von den Gesetzen her so fortschrittlich säkulares Land wie die Türkei trotzdem (deshalb?) so starken Fundamentalismus hat....

auf der Strasse sollen die Leute tragen, was sie wollen. Ja, aber woher wissen wir, ob SIE es wollen, oder die Eltern, die Familie, die Freunde?

Wie wäre es, wenn zb die Musliminnen dazu übergingen, ihr Haar anders zu verstecken, unter einem Hut beispielsweise - viele religöse Juden, in den Staaten etwa, die nicht wollen, dass man sie gleich "brandmarkt" tragen halt statt der Kippa eine Baseballkappe. Das wäre vielleicht ein erster Schritt, auch die Sitten des "Gastlandes" wahrzunehmen?

Verbote, einseitige Verbote bringen meistens nur Trotz. Aber man könnte ein Kopftuchverbot in öffentlichen Gebäuden und für Personen von öffentlichem "Interesse" verbinden, mit : kreuzverbot, Kippa-verbot - und der gleichzeitigen Möglichkeit, dieses Verbot vernünftig zu umgehen - eben durch eine Verwestlichung der Kopfbedeckung zum Beispiel. so dass BEIDE Seiten, BEIDE Interessen von allen wahrgenommen werden.
« Letzte Änderung: 18. November 2004, 01:22:33 von sandra »

Offline Bastian

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #4 am: 18. November 2004, 03:01:38 »
Klar, wenn man das Tragen des Kopftuchs im öffentlichen Amt verbietet, muss man meiner Auffassung nach auch das Zurschaustellen der anderen religiösen Symbole verbieten. Deswegen finde ich es schon tendenziös, wenn man nur vom "Kopftuchverbot" spricht. Auch wenn dadurch wenigstens ehrlich die Scheinheiligkeit durchscheint. Denn es wird in Baden- Württemberg und Bayern versucht, um das Habit- Verbot bei lehrenden Nonnen herumzudrucksen, mit der Begründung, es handele sich beim Habit um eine Berufskleidung. Obwohl diese Nonnen dort beruflich als Lehrerinnen arbeiten, nicht als Nonnen. Und tragen die diese Tracht freiwillig? Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht beurteilen. Ich frage mich in letzter Zeit nur, wo und wann die Verbieterei dann aufhört, und ob man dadurch überhaupt irgendein Problem löst. Denn: Was tut man, wenn die muslimische Lehrerin ihr Kopftuch auszieht? Dann machen sich alle in die Hosen, weil sie immer noch dasteht. Mit schönem, wallendem Haar (oder mit Schirmmütze?), und immer noch potentiell extremistische Muslimin. Man ändert durch ein Tuchverbot nichts an den Lehrinhalten und den Gedanken, zumindest letztere sind und bleiben frei... Sie kann mit und ohne Tuch eine gute und liberale Lehrerin sein, oder eine gehässige Missionarin. Ich fürchte, dass man nach dem Kopftuchverbot wieder ein neues Verbot finden wird, gegen diejenigen, die dann ohne Tuch lehren wollen. Und mir ist ehrlich gesagt nicht wohl dabei.

Auf der anderen Seite, ist das Kopftuchverbot eine der wenigen Möglichkeiten, die der Staat hat, um muslimischen Frauen, die das Tuch abwerfen wollen, eine Chance zu geben. Ich denke, dass wir gesellschaftlich weit mehr erreichen können, als das. Wir müssen den abreissenden Kontakt (so es ihn überhaupt gegeben hat) zu den in Deutschland/Österreich lebenden Musliminnen Und Muslimen aufnehmen, so wie die Niederländer es in ihrem Land auch müssen. Und das kann nicht "der Staat" oder das Gesetz erreichen, sondern jeder einzelne vor und hinter seiner Haustür. Ja, fällt mir gerade ein, während ich tippe: wieso eigentlich nicht auch mal hinter der Tür.
« Letzte Änderung: 18. November 2004, 04:11:26 von Bastian »

Offline Bastian

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #5 am: 18. November 2004, 03:19:03 »
Quote (selected)
Religion soll möglich sein - und Privatsache bleiben.
Da fällt mir eine neue Frage ein. Irgendwie naiv, aber ich glaube nicht allzu blöd: Funktionieren Religionen eigentlich rein privat? Ich meine, könnte man religiös sein, ohne sich den anderen im Glauben nahe fühlen zu wollen? Ohne sich zu organisieren, sich zusammenzuschließen? Und wenn ja, warum haben sich diese seltsamen Blöcke gebildet, die wechselseitig immer noch sehr auf Abgrenzung aus sind? Ich meine nicht, wie es historisch dazu gekommen ist, das kann man überall nachlesen, ich frage nach der Motivation, nach dem Beweggrund. Ich weiß nicht, ob ich mich richtig ausdrücke...
« Letzte Änderung: 18. November 2004, 03:47:20 von Bastian »

Offline Sandra

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #6 am: 18. November 2004, 10:54:34 »
Also, ich denke, das hat auch was mit innerer kraft zu tun. Menschen, die eine Religion haben, weil sie an sich schwach sind, brauchen dann andere, die die  gleiche Religion haben, um sich anzulehnen, sicher zu fühlen, sich "im Recht" zu fühlen.
Und Menschen, die in sich gefestigt sind, und einen Glauben haben (was durchaus auch sein kann, liebe Agnostiker;-)) denen ist eigentlich wurscht, ob andere dasselbe glauben - und ob das öffentlich auch "geschätzt " wird, was sie glauben.

Und ich finde, sowohl Nonnen als auch Rabbiner als auch gläubige MuslimInnen sollten als Lehrer arbeiten dürfen - in speziell als Religionschulen ausgewiesenen Schulen.
Auch wenn das Argument: Auch Kopftuchträgerinnen können liberal sein - durchaus seine Stichkraft hat: erstens: sie KÖNNEN - wer kann überprüfen, ob sie SIND?und zweitens: Warum muss von Menschen verlangt werden, dass sie sich verbiegen?  Klar kann ein linksextremer Lehrer an einer konservativen Schule (oder andersrum) auch "nicht unangenehm auffallen" - aber sollte man Menschen wirklcih bewusst dazu anhalten, etwas zu vertreten, was ganz offensichtlich nicht ihrer ureigensten Intention entspricht? Klar, können auch Muslime andere Religionen gelten lassen - und die Meisten tun es vermutlich auch. Aber sie haben sich zumindest für ihr eigenes Leben entschieden - warum sollen sie das nicht zeigen dürfen? Sie sollen es zeigen - aber eben nicht an Plätzen, wo dieser Teil des Lebens keinen Platz hat. Auf der Strasse, beim Einkaufen, im Kino - wurscht. Aber in Schulen und Ämtern nicht.

Schlimm wird es nur, wenn dieses Religiöse-Symbole-Verbot (in öffentlcihen Positionen) weiterreichende Konsequenzen nach sich zieht - und DAS ist in meinen Augen eine Gefahr: Dass man Kopftuchträgerinnen zum Beispiel dann beim einkaufen schlechter behandelt, sie keinen Job als Kinokartenverkäuferin kriegen - sie anderswie ausgrenzt.

Offline Andrea

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #7 am: 18. November 2004, 11:39:13 »
Ich kann da so schlecht mitreden, denn dadurch, dass ich die Menschen nicht sehe, nehme ich sie (mit und ohne religiöses Symbol) anders wahr. Ich rede mit einer Muslimin und weiß nicht, ob sie ein Kopftuch trägt. Ich rede mit einer Nonne, und wenn sie mir nicht sagt, dass sie uniformiert ist, und genauso verhält sich das z.B. bei einem Polizisten. Ich nehme  wahr, was der Mensch in dem moment sagt, wie er sich mir gegenüber verhält...
Aber es stört mich z.B. in Österreich und Bayern, dass die Katholen durch das Kreuz im Klassenzimmer symbolisch vermitteln, dass ihre Religion die einzig wahre ist. Die Kleidung des Einzelnen, der damit nach außen hin seine Religion vertritt, nehme ich als Meinung des Einzelnen wahr. Deshalb stört mich, glaub ich nicht, wenn eine Muslimin ein Kopftuch trägt, egal wo. Aber würde sie auf irgendeine Art in der Schulklasse z.B. symbolisieren, dass ihre Religion die einzig Richtige ist, wie es die Katholen mit dem Holzkreuz in Österreich machen, würde es mich stören.
Vielleicht ist dieser Ansatz naiv. Ich weiß nicht, ob ich genauso denken würde, wenn ich sehen könnte.
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Sandra

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #8 am: 18. November 2004, 16:41:42 »
Wahrscheinlich würdest du das, weil das optische ja etwas ist, was man nicht bewusst ausschalten kann, man kann Zwischentöne überhören, zum Beispiel,  - aber das Optische springt einem so in's auge, wie Dir wahrscheinlich eine unangenehme Stimme.
ich finde es ja viel besser, wenn man, wie Du, diese Unterschiede zwischen den Menschen erst machen kann, wenn man hört, wie sie reden, was sie machen, wie sie sich benehmen. Das man quasi als "otto Normalbürger" es nur mit bewusster Anstrengung schafft, dinge, die einem über's auge gesagt werden, auch zu ignorieren ist ja doof. So wie ein Mikrophon - wenn du in einem Cafe mit jemand redest, schaltest Du die "Störgeräusche" der Umgebung weg - so weit es geht. Ein Mikrophon kann das nicht: Das nimmt ALLES auf, und zwar gleichwertig. so dass man manchmal manche Geräusche, die beim Gespräch da waren (ein Uhrticken, ein lautes, beispielsweise) erst beim Abhören der Aufnahme als störend wahrnimmt.
Und ähnlich ist das auge, denke ich mal. Es kann viel schwerer ausschalten, was nebensächlich ist.
Damit ist so ein Kopftuch - oder, schlimmer noch, eine burka - immer präsent, wie ein Uhrticken auf einer Aufnahme - oder, je nach Weltanschauung, lauter.

In diesem Fall ist ja Blindheit definitiv ein vorteil: Du kannst Menschen viel vorurteilsfreier entgegentreten. Wir Sehenden können das nicht, oder jedenfalls nur mit bewusstem "TUN" - egal wie vorurteilsfrei wir sein wollen oder sogar sind: Wenn wir Weissen einem Schwarzen begegnen, dann sehen wir IMMER, dass er schwarz ist - und was immer unser Gehirn zu dieser Information gespeichert hat - dieser Gedanke, dieses Gefühl ist dann immer präsent. Sei es nun "zum guten" oder "zum Schlechten" Erst, wenn wir den Speziellen Menschen sehr sehr gut kennen, dann gehört das "schwarz sein" einfach zu "das ist der Sowieso" - so wie die grosse Nase zu mir, oder die roten (pardon, blonden ;)) Haare zu Dir. Das bist dann einfach "DU" - und so ist der spezielle Schwarze dann auch. Aber am Anfang ist es die optische Information - und die lässt sich nur ausschalten, wenn wir sie uns bewusst machen - und dann ist es auch quasi ständige Bemühung...
Es ist ziemlcih schwer, auszudrücken, was ich meine.....

Offline Andrea

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #9 am: 18. November 2004, 17:01:40 »
Zitat:
man kann Zwischentöne überhören

Oder man hört zu viele - wie manchmal ich. - Dann weiß ich nicht, ob meine Interpretation berechtigt ist oder ich das Gras wachsen gehört habe.

Zitat:
aber das Optische springt einem so in's auge, wie Dir wahrscheinlich eine unangenehme Stimme.

Iii! Wie ekelhaft.

Heute hat mich Ela beim FLoK gefragt: "Seit wann bist du blond?"  Ich: "Geil! Endlich fragt mich mal jemand: Seit wann bist du blond? Nicht: Seit wann bist du blind."
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Offline Sandra

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #10 am: 18. November 2004, 20:01:30 »
 ;D
Ob blind ob braun, ich liebe alle Frau'n...

Offline Alexander

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #11 am: 18. November 2004, 21:12:38 »
Zitat Sandra:
Gehen wir mit toleranz den falschen Weg? Sollten wir so intolerant sein, wie es die muslimische Gesellschaft vorlebt?

Ich glaube, vieles was der Mensch ist - wenn nicht gar fast alles - rührt aus der Kindheit her.
Toleranz, Aufeinander zugehen können, den anderen verstehen wollen - das kann man lernen.
Nun prallen also unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander, unterschiedliche Kindheiten, unterschiedliche Wertskalen.
Der eine schafft es, sich von vorgegebenen Normen zu lösen, weil sie ihm zu eng sind, der andere unterwirft sich ihnen, oft bis zur Erfüllung oder Katastrophe (für manche ist das dasselbe) bedingungslos.
Ich war von 1987 bis 1990 Hauptschullehrer in Wien (vorwiegend Erdberg und Favoriten), also Lehrer für die 10- bis 14-Jährigen, allerdings fast nie in meinen studierten Fachbereichen (Deutsch und Musik), sondern immer nur als Supplierreserve, also vertretungsweise für erkrankte oder anderswie verhinderte LehrerInnen.
Wie lief das dort ab?
Das Ideal sah so aus (und funktionierte nicht): Deutschunterricht für die fremdsprachigen Kinder, bis sie alles verstehen, um am regulären Unterricht teilnehmen zu könen. Irgendwie sollte dieser Unterricht auch integrative Elemente enthalten (Kennenlernen der Kultur usw.).
Die Praxis: "Klassenhaufen", die "Ausländerkinder" ein paar Stunden im Deutschkurs, den Rest in der Klasse, großteils völlig überforderte bzw. abgestumpfte LehrerInnen, deren einziges (legitimes) Ziel es ist, die Schulstunde (und in der Folge jedes Schuljahr) ohne allzu großen psychischen Knacks zu überstehen.
"Nebenwirkungen" bei den Kindern und Jugendlichen: Vorgezeichnete Lebenswege, Ghettobildung, ein frühes Lernen der Maxime: Der Stärkere setzt sich durch.
Ich war schon damals eher der Typ, hinter die Fassade zu blicken. Mir war und ist Äußerliches relativ wurscht, mich spricht das Wesen eines anderen Menschen viel mehr an als sein Aussehen. Das untergrub selbstverständlich jeden Ansatz von Autorität bei mir, ich war ein "schwacher" Lehrer. Aber ich war dafür - für manche SchülerInnen - vertrauenswürdiger als andere. Ein ganz ruhiger Bub vertraute mir an, die größte Freude seines Lebens sei es, im Bankfach mit seinem Feuerzeug zu zündeln. Ein anderer erzählte von einem Computerspiel, in dem man Juden per Mausklick erschießt. Dieser Bub war damals 12 Jahre alt - und dieses Spiel war ihm schon "langweilig". Ein anderes Computerspiel sollte angeblich eine Frau zeigen, die sich befriedigt, je nach Intensität der Tätigkeit mit der Maus. Selbstverständlich haben sich einige 13-, 14-jährige Mädchen ihr "Taschengeld" bei den Bauarbeitern der U-Bahn verdient.  Eine landete dann am Karlsplatz-Drogenschutt und war den Boulevardzeitungen sogar eine Schlagzeile wert. (Sie hatte in der Schule u.a. Klavier gelernt und war gar nicht unbegabt.)
Die "Erwachsenen" waren damals - ich hoffe heute ist es besser - gleichgültig bis heillos überfordert. Eine Lehrerkollegin sagte einmal: "Ich komme mir vor wie auf einem Pulverfaß, das ständig am Explodieren ist."
Wie sollen/können Menschen "zivilisiert" miteinander umgehen, wenn sie es nicht von frühester Kindheit an lernen?
Meine Schwester hat eine ganz liebe Freundin, die ist nach der Schule nach Jerusalem gegangen. Dort hat sie eine Familie gegründet und ist eine herzensgute Ehefrau und Mutter. Aber ein Grundpfeiler der Erziehung ist und bleibt, wie es wohl viele Araber umgekehrt genauso halten: "Die" Araber sind die Feinde.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft MIT Muslimen, auf die so zugegangen wird, dass sie bereit sind, sich und ihre "Regeln" so zu öffnen, dass ein friedliches Miteinander selbstverständlich wird.
Im ganz Großen: Solange die Weltpolitik vom Turbo-Kapitalismus bestimmt ist, der den Menschen negiert und den Gewinn hochpreist, solange Materielles, z.B. Waffen, wertvoller sind als die Natur, solange halte ich eine Diskussion wie diese für eigentlich sinnlos, weil sich selbst bei vernünftigster Argumentation hier "die da oben" nicht daran halten.
Im ganz Kleinen: Man fängt bei sich selbst an. Habe ICH Vorurteile, bin ich irgendwo intolerant, wenn ja warum, ist das "berechtigt", wenn nein, dann Abbauversuch usw. - ich glaube anders geht es nicht.
Und: Unsere Gesellschaft sollte den Kindern die Basis geben, MITEINANDER und nicht gegeneinander aufzuwachsen.
« Letzte Änderung: 18. November 2004, 21:25:26 von Alexander »
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline Alexander

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #12 am: 18. November 2004, 21:51:54 »
Soeben auf www.kurier.at gefunden (als hätt´ ich mich mit denen abgesprochen):

Integration durch Islam-Unterricht

Sprachförderung: Niedersachsen will flächendeckend einen deutschsprachigen Islam-Unterricht anbieten.
Hannover- Das ehrgeizige Ziel hat sich das Land Niedersachsen einiges kosten lassen: 4,8 Millionen Euro stellte die Landesregierung bereit um sicherzustellen, dass im Jahr 2004 kein Kind mit unzureichenden Deutschkenntnissen eingeschult werden musste. Damit übernahm Niedersachsen eine Vorreiterrolle in Deutschland bei der Integration von Kindern ausländischer Herkunft. Nun will Kultusminister Bernd Busemann (CDU) noch einen Schritt weiter gehen. Busemann will an den niedersächsischen Schulen möglichst schnell flächendeckend einen deutschsprachigen Islamunterricht anbieten. Damit rennt das Ministerium bei Lehrern und erstaunlich vielen Eltern offene Türen ein, die beiden Projekte ergänzen sich ideal.

Versuchsschulen

In einem Pilotprokjet wird derzeit schon an den acht Versuchsschulen auf Deutsch Wissen über die Religion Islam vermittelt- in der Hoffnung, den Koranschulen mit ihren manchmal radikalen Glaubensansätzen das Wasser abzugraben. Marion Frontzek, Rektorin einer Grundschule im hannoverschen Arbeiterviertel Linden mit 50 Prozent Ausländeranteil, hält außerdem jede zusätzliche deutschsprachige Unterrichtsstunde für "einen großen Gewinn". Im Einzugsgebiet ihrer Schule gibt es türkischen Sprach- und Kulturinseln, in denen die Kinder in der Vergangenheit zum ersten Mal deutsch sprachen, wenn sie eingeschult wurden.

Um wenigstens diesen Zeitpunkt vorzuverlegen, versucht Niedersachsen nun zum zweiten Mal einen Kraftakt: Alle rund 86.000 Kinder des Jahrgangs, der im kommenden Sommer eingeschult wird, haben einen Sprachtest absolviert. Ab Februar werden dann etwa zehn Prozent der Kinder sechs Monate lang, meist in ihrer Kindertagesstätte, in Kleingruppen und im Bedarfsfall auch mit Einzelförderung unterrichtet. Den Unterricht erteilen nach Möglichkeit bereits die Lehrer, mit denen die Kinder es dann ab der Einschulung auch zu tun haben werden. Das baut Angst ab vor der Schule.

Pilotprojekt

Caroline Meyer ist inzwischen regelrechte Fachfrau für den Sprachunterricht. Die Lehrerin an der Grundschule Saturnring in Hannover mit einem Anteil von 70 Prozent Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen hat ihn schon vor zwei Jahren in einem Pilotprojekt erprobt und unterrichtet nun die Kollegen, die erstmals vor dieser Aufgabe stehen. Und sie macht Mut: "Wir haben deutlich weniger Prügeleien. Wenn man sich verständigen kann, muss man nicht jeden Konflikt mit den Fäusten austragen."

Die noch weiterführende Idee des deutschsprachigen Islamunterrichts durch Lehrer sollte eigentlich nur an acht ersten Klassen stattfinden. Nach nur einem Jahr wird er jetzt an allen vier Jahrgängen der acht Versuchsschulen angeboten, und 80 bis 95 Prozent der moslemischen Eltern melden inzwischen ihre Kinder an. "Die Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten und nicht das Einüben von Glaubenspraxis" hat das Kultusministerium zur Vorgabe gemacht. Die großen moslemischen Glaubensgemeinschaften in Niedersachsen haben an der Richtlinie mitgewirkt - umgesetzt werden sie von meist weiblichen Lehrkräften.

Toleranz

Geht es nach Kultusminister Busemann, wird der Islam mittelfristig an den Schulen behandelt wie die anderen großen Religionen: Wenn zwölf Kinder eines Jahrgangs entsprechenden Unterricht beantragen, muss er erteilt werden. Dazu passt, was Marion Frontzek für ihre Lindener Grundschule mit 180 Schülern sagt. Die rund 70 moslemischen Elternpaare stehen der Schule jetzt aufgeschlossener gegenüber, weil sie sich durch das eigenständige Angebot des Islamunterrichts "ernst genommen fühlen" in ihrer kulturellen Identität. Das fördert dann ganz offenkundig auch die Toleranz. Zum evangelischen Buß- und Bettag in dieser Woche wurde für alle ein gemeinsamer Gottesdienst angeboten: "Nur ein einziges Kind hat gefehlt."


Artikel vom 18.11.2004 |afp |grü
http://www.kurier.at/ausland/801856.php


« Letzte Änderung: 18. November 2004, 21:53:28 von Alexander »
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline Sandra

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #13 am: 18. November 2004, 22:51:01 »
super. ein erster Schritt.

Offline Guntram

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #14 am: 19. November 2004, 09:21:52 »
Eigentlich ein guter Ansatz einen islamischen Religionsunterricht anzubieten. So hat der Staat zumindest die "Kontrolle" und kann im Gegensatz zu den privat organisierten Koranschulen verhindern das radikales Gedankengut vermittelt wird.

Kenner sagen das der Islam sei eigentlich eine friedfertige Religion. Kann ich auch glauben, denn in seiner Blütezeit (unser Mittelalter), als die damaligen Staaten sich in einer Position der Stärke, gegenüber dem Christlichen Abendland befanden, war die Religionsfreiheit in diesen Staaten kein Thema. Erst die christliche Inquisition beendete im rückeroberten Spanien das zusammenleben von christen, Moslems und Juden.

Heute ist die westliche (christliche) Welt in der realen oder vermeindlichen Position der Stärke. Muslime fühlen in der Position des schwächeren und unterdrückt. Interessant wäre hier der Prozentsatz der wirklich radikalen und gewalttätigen Muslime die das Bild des Islam dominieren. Im Gegensatz zu denen die friedlich sind.

Letztendlich dient die Religion als Deckmantel für intolerentes Gedankengut und wird benutzt um Menschen gegen andere Menschen aufzuhetzten. Das arrogante Gehabe und religiöse Sendungsbewußtsein der jetzigen amerikanischen Regierung gibt auch noch ein perfektes Feindbild ab, das auf alle westlichen Länder übertragen werden kann.

Aber zurück zu den Schulen. Der Versuch hat aber auch noch seine Schwächen. Er integriert nicht sondern grenzt ebenfalls aus. Religionsunterricht getrennt nach katholisch, evangelisch, muslimisch und dem Rest grenzt voneineander ab. Warum kann man nicht zumindest die Hälfte der Zeit den Religionsunterricht gemeinsam unterrichten damit die Kinder mit den jeweiligen anderen Religionen die Unterschiede aber auch die Gemeinsamkeiten der Religionen erfahren können. Es könnten sogar alle für die Klasse zuständigen Religionslehrer anwesend sein und gemeinsam unterrichten. Das wäre Integration und hätte eine große Vorbildfunktion, wenn die Kinder es von ihren Religionslehreren im Unterricht vorgelebt bekämen.
Träume sind nicht Schäume, sind nicht Schall und Rauch,
sondern unser Leben so wie wache Stunden auch.
Wirklichkeit heißt Spesen, Träume sind Ertrag. Träume sind uns sicher schwarz auf weiß wie Nac

Offline Sandra

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #15 am: 19. November 2004, 10:34:35 »
Das ist unter  anderem das, was ich mit "ethikunterricht" meine.
Übrigens ist Toleranz eigentlihc was grausliches. Es heisst nämlich versteckt auch: "wuuurscht". Die sollen machen, was sie wollen, mir is wurscht. Und das ist auch eine Form von Gewalt.

Offline Andrea

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #16 am: 19. November 2004, 13:45:01 »
Ethikunterricht fände ich toll. Ich wünschte, als Kind etwas über die verschiedenen Religionen gelernt zu haben. Wir haben in meistlangweiligen Religionsstunden den katholischen Scheiß ('tschuldigung) eingeimpft gekriegt. Ich konnte dazu nie einen Bezug herstellen. Zur Erstkommunion bin ich gegangen, weil es ein gemeinschaftliches Spiel war, nicht, weil ich mit neun Jahren begriffen hatte, was das alles soll. Ich hab's mit 40 auch noch nicht begriffen. Hätten wir Ethikunterricht gehabt, hätte ich mehr Grundwissen über verschiedene Religionen. Aber dadurch, dass jede Religion für sich beansprucht, die "wichtigste" zu sein, wird die von uns für gut geheißene Unterrichtsform erst gar nicht in Betracht gezogen.
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Bassmeister

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #17 am: 19. November 2004, 16:03:02 »
Zur Frage "Religion und Privatsache":

Religiösen Menschen geht es doch darum, ihr Leben nach Gott auszurichten, gottgefällig zu leben, den Glauben in den Alltag zu bringen.
Wie soll denn das gehen, wenn man verpflichtet wird, den "Fortschritt" (der ja oft auch ein Fort-schreiten von uns selbst ist) mitzumachen und sich der säkularisierten Gesellschaft anzupassen, in die man hineingeboren wurde, ohne danach gefragt zu werden, ob man das will, oder ob das mit dem glauben hinhaut.

Ich kann mein Kind nicht einfach nicht in die Schule schicken, um es z.B. von einem Geistlichen unterrichten zu lassen, denn dann gibt s Zwangszuführung und Strafen.

Wie also lebe ich meinen Glauben in dieser "von Gott abgekehrten Welt"?
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Offline Sandra

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #18 am: 19. November 2004, 16:30:52 »
Das halte ich für etwas zu kurz gegriffen. Die meisten - wenn nciht alle - Religionen bieten eine art Verhaltenskodex, einen Kanon der Werte. Die haben nix damit zu tun, ob du im Rolls Royce oder im Pferdeschlitten fährst - Du sollst, dem, der dich überholt, nicht den Vogel zeigen.

Und natürlich gibt es bekanntlich auch religiös orientierte Schulen, wo sehr wohl Nonnen und geistliche unterrichten, und die als Schule anerkannt werden - ich würde allerdings eher abraten, ein Kind (zumal ein hübsches) dorthin zu schicken  ;)

Es geht darum, wie man sich zu seinen Mitmenschen verhält, es geht darum, dass man sich selbst pflegt, und die Menschen, die um einen herum sind, achtet. Es geht überhaupt um Achtsamkeit. Um die Art und Weise, WIE man mit Dingen und Menschen umgeht, nicht so sehr, WAS es jetzt für Dinge oder Menschen sind. Ob man jetzt am computer sitzt oder am Steinschleifer: Man soll einen Tag Pause einlegen - weisst du, wie ich meine?
Sehr viele Sachen, die von der religion vorgegeben werden, sind in Allegorien geschrieben, und die Probleme entstehen oft dann, wenn man die Allegorien wörtlich nimmt. Es sind aber Gleichnisse - und Gleichnisse, wenn sie halbwegs vernünftig sind, haben die Eigenschaft, sehr wohl mit der Zeit gehen zu können.

Quote (selected)
"Fortschritt" (der ja oft auch ein Fort-schreiten von uns selbst ist)


ich glaube das nicht. Das "Fortschreiten von uns selbst" findet definitv statt - aber es hat nichts mit dem Fortschritt an sich zu tun. Das ist etwas, das machen die Menschen einfach so - egal ob Fortschritt oder nciht. Konsum ist vielleicht eher noch  ein "trigger", Gier, Neid - alles Dinge, vor denen die Religionen warnen.
Aber ich kann computerarbeit oder Gentechnik machen - wenn ich es achtsam mache, und bewusst bleibe, schreite ich auch nicht  "von mir selbst" fort.
« Letzte Änderung: 19. November 2004, 16:36:29 von sandra »

Offline Bassmeister

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #19 am: 19. November 2004, 16:59:31 »
Guuut auf den Punkt gebracht! Danke! Mensch - ich hab hier schon so viel gelernt! Wahnsinn!
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Offline Sandra

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #20 am: 19. November 2004, 20:29:53 »
 ??? Meinst du das jetzt ernst, oder machst du Dich lustig über meine oberlehrerart? :-[

Offline Andrea

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #21 am: 19. November 2004, 21:46:58 »
So wie Baßmeister das schreibt, glaub ich, er meinte das ernst.
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Bassmeister

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #22 am: 19. November 2004, 22:21:47 »
ich meine das wirklich ernst. War schon mal so (siehe den Thread "Witz des Tages, am Anfang...)


Wenn ich aber achtsam bin, dann schadet auch ein Kopftuch nicht. Genau so wenig, wie ein Kopftuchverbot, dann sehen und fühlen die Kinder, die ich unterrichte nämlich meine Achtsamkeit und bewundern mich vielleicht dafür oder fragen mich gar, wie ich das mache. Und schon habe ich den besten Einstieg, den es gibt, um sie mit Werten oder ähnlichem vertraut zu machen.
« Letzte Änderung: 19. November 2004, 22:25:39 von Bassmeister »
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Offline Sandra

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #23 am: 20. November 2004, 12:08:05 »
Ja, das sehe ich zwar auch so - aaaber: ich kann und will mich nicht drauf verlassen, dass alle: Eltern,Kinder,Lehrer auf eine Weise achtsam sind, dass sie nicht Kinder tendenziös erziehen.
Ich habe für mch gelernt, eher die schlechtere Möglcihkeit als die Wahrscheinlichere zu sehen - und daher spreche ich mich eher für ein Verbot des Kopftuchs aus - obwohl es mich nciht glücklich macht, verbieten macht nie glücklich, glaube ich, dass es im derzeitigen Klima sinnvoller ist. Zumindest eine Zeitlang. ich denke, wenn sich das Klima zur Religion und zur -religionsausübung ändert, weil sie immer weniger thema ist, dan könnte man das weider ändern - aber schau Dir Holland an: die waren so tolerant - und jetzt haben sie den Scherben auf. (= die probleme am Hals)

Offline Andrea

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Re: Van Gogh und die Kopftuchfrage
« Antwort #24 am: 20. November 2004, 12:16:44 »
Haben wir schon einen Thread für österreichische Redewendungen, die ins Deutsche übersetzt werden? Wär mal interessant, die zu sammeln.
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

 

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