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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewerber  (Gelesen 3250 mal)

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Offline Andrea

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Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewerber
« am: 24. September 2006, 17:23:35 »
Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewerber zu unterstützen, ist Heuchelei"]


Liebe Freunde,

hier leite ich Euch/Ihnen mal eine kurze Information über erste Äußerungen
der in Mecklenburg/Vorpommern in den Landtag gewählten NPD-Funktionäre zu.
Ich erhielt sie von Irene Müller, unserer blinden Aktivistin, die endlich
als Links-MdL wieder im Schweriner Landtag mitarbeiten kann. Ihre erneute
Wahl ist ein gutes Zeichen für die gesamte Behindertenbewegung. Sie wird
auch den Nazis Paroli bieten.

Wie nötig das sein wird, zeigt die Äußerung des "biederen"
NPD-Spitzenkandidaten, daß es Heuchelei sei, Frauen, Behinderte und
Asylbewerber zu unterstützen.

Wie ernst das gemeint ist - und wie real die Gefahr ist -, zeigt der
nahezu zeitgleiche Brand-Angriff auf das Haus des sächsischen Ex-MdL der
Linkspartei Uwe Adamczyk in Meerane. Der körperbehinderte Politiker
engagiert sich seit Jahren aktiv gegen die Nazis. Er mußte schon etliche
Drohungen und Tätlichkeiten über sich ergehen lassen. Tapfer hielt er sie
aus. Nunmehr wurde die Gefahr für sein Leben (und das anderer) jedoch so
massiv, daß er sich ihr so nicht länger aussetzen kann. Er muß sich
verstecken! So weit sind wir schon.

Also: Solidarität ist angesagt!
Solidarität zwischen Menschen mit verschiedenen Behinderungen.
Solidarität mit anderen bedrohten Bevölkerungsschichten.
Solidarität unter Demokraten.

Dr. Ilja Seifert, MdB
(Linksfraktion)

Ostseezeitung

Montag, 18. September 2006  |  Blickpunkt

Neonazis ziehen in den Schweriner Landtag ein

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Die rechtsextreme
NPD zieht in Mecklenburg-Vorpommern erstmals in den Landtag ein. Die vom
Verfassungsschutz als grundgesetzfeindlich eingestufte Partei schafft es
deutlich über die Fünf-Prozent Hürde.
Landeschef Stefan Köster räumte gestern freimütig ein, dass sich die NPD für
eine Abschaffung der Demokratie nach bundesrepublikanischem Vorbild
einsetzen wird. "Wir wollen das System überwinden." Als Ziel nannte er eine
"Demokratie nach Schweizer Vorbild". Politische Gewalt lehne er ab, sagte
Köster, der im Mai vom Amtsgericht Itzehoe wegen eines Angriffs auf eine
Demonstrantin in Schleswig-Holstein zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe
verurteilt worden war.
Spitzenkandidat Udo Pastörs antwortete auf die Frage, ob er politische
Gewalt ablehne: "Das kommt immer darauf an, in welchem Grad das Volk
verelendet." Pastörs kündigte eine "harte Oppositionspolitik" an.

"Frauen, Behinderte und Asylbewerber zu unterstützen, ist Heuchelei", sagte
er mit Nachdruck.

Das Geld solle vielmehr zur Förderung von Familien und des ländlichen Raumes
eingesetzt werden. Bei Spitzenpolitikern aller etablierten Parteien saß der
Schock über den Einzug der Rechtsextremen in den Schweriner Landtag tief.
"Ein katastrophales Ereignis", sagte Regierungschef Harald Ringstorff.
CDU-Spitzenkandidat Jürgen Seidel sieht schwere Imageverluste auf das Land
zukommen. Linkspartei-Chef Peter Ritter sprach von einer Niederlage für die
gesamte Gesellschaft. Anklang fand die NPD vor allem bei jungen Wählern. Den
höchsten Zuspruch erhielt sie laut NDR-Fernsehen unter den 18- bis
24-Jährigen mit 15 Prozent. Rechtsextreme Parteien sitzen nun in vier
Landesparlamenten ? die NPD in Sachsen und MV, die DVU in Brandenburg und
Bremen.

http://www.ostsee-zeitung.de
(Archiv)=
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Andrea

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #1 am: 24. September 2006, 17:25:57 »
Vielleicht bin ich ja die einzige, die das so spät mitgekriegt hat... Jedenfalls finde ich es wichtig, den Beitrag hier reinzuestzen.tzen.
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Offline Eric

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #2 am: 24. September 2006, 17:42:34 »
Nun, es ist wirklich schlimm, dass es nun auch da die NPD in den Landtag geschafft hat. Ich halte das als ultimativen Beweis für die Borniertheit der Wähler, die meinen damit ein "Zeichen setzen zu können", wenn sie sowas wählen, obwohl sie gar nicht hinter dem was die NPD von sich gibt, stehen - hauptsache was "ganz anderes". Das zeigt gut, wie unfähig viele sind, mit ihrer Verantwortung als Wähler umzugehen.
Auf der anderen Seite ist eben das nun in Sachsen schon eine ganze Weile der Fall, dass die NPD im Landtag sitzt. Macht haben sie trotzdem keine entscheidende (Gott sei Dank !) und im Grunde besteht ihre einzige "Macht" darin, regelmäßig bei Themen, die ihnen nicht passen, eben mitten in der Sitzung den Landtag zu verlassen und somit ihre politische Inkompetenz weiter zu untermauern.

Ich sehe es so, dass von der NPD da im Landtag keine Gefahr ausgeht, wohl aber von den Wählern, die ihr Kreuz da hin gemacht haben, denn sollten es immer mehr werden, dann wird es echt zum Problem. Ich traue der NPD zwar nicht zu, politisch auch nur IRGENDWAS verändern zu können - dafür sind die viel zu planlos. Vielleicht unterschätze ich sie aber auch und dann wäre es kritisch, wenn sie in Zukunft noch mehr Stimmen erhielten. Armes Deutschland !

Offline Andrea

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #3 am: 24. September 2006, 17:49:42 »
Armes Deutschland! Und die Aussage von diesem komischen Typen da, dass die in der heutigen Zeit überhaupt noch toleriert wird, finde ich schon krass (die mit  den Behinderten, den Frauen und den Asylbewerbern meine ich). Aber der wird noch viel mehr Müll reden in nächster Zeit...
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Offline Sense

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #4 am: 08. Oktober 2006, 05:08:29 »
 Ich schätze die Wahrscheinlichkeit das große Bevölkerungsschichten nach rechts abdriften sehr hoch ein, doch das dürfte  weniger an diesen Mattbirnen im Landtag liegen. Vielmehr gehört es in Deutschland zur weitverbreiteten Unkultur alles schiefgelaufene bevorzugt an Personen oder Gruppen festzumachen. Natürlich sind diese sog. Abgeordneten nur ein Haufen pöbelnder Proleten, aber allein die bloße Anwesenheit mag bei latent radikalen Mitbürgern den Eindruck der Salonfähigkeit der "rechten Sache" entstehen lassen. Was diesem braunen Bodensatz bei weiterer Verschärfung wesentlicher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Konflikte folgen könnte wären "Rechte" anderen Kalibers, und das besorgt mich erheblich mehr. Vor allem besorgt mich, das diese Leute nicht erst noch durch äussere Umstände entstehen sondern in grosser Zahl bereits da sind. Die regionalen Wahlen in kleinen und mittleren Kommunen, in denen rechte Parteien auch mal mit über  deutlich mehr als 5% der Wähler im Rücken ein Stadtparlament aufmischen dürfen sind durchaus ernst zu nehmen. Wenngleich ich nicht der Meinung bin, das sich in Deutschland so etwas wie das "3.Reich" wiederholen könnte, so wäre schon das normale Leben mit Menschen, deren Weltbildung von Hass, Aggression und Intoleranz beprägt ist, unerträglich.

Offline whoknows

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #5 am: 08. Oktober 2006, 09:16:07 »
Da hast Du völlig Recht - obwohl ich eher den Eindruck habe, dass das nicht nur in Deutschland ein Problem ist, sondern  nahezu in der ganzen Welt.  In Belgien zittert man vor einem Zuwachs der Vlaams Belang - ich glaube, heute sind die Wahlen - , in Lettland sind die Rechten erstarkt, gerade heute las ich in der Zeit einen grossen Artikel über die Faschisten in Russland, in Ungarn scheint das Intermezzo der Sozialdemokraten sich gerade selbst zu atomisieren, Frankreich ist bekannt für rechte Tendenzen vor allem im Marseiller Raum,  Italien versucht gerade die Kurve zu kratzen, in Afrika sind etliche Länder fest in nationalistischer Hand oder haben schwere Kämpfe zu erleiden, etc pp.
Wo immer die Menschen sich macht- und rechtlos fühlen, wo immer die Modernisierung unvorbereitete und hilflose Opfer findet, wo immer Bildung zugunsten der Konsumsucht hintangestellt wurde, sind die Menschen leichtes Opfer der rechten Parolen.

Ich persönlich glaube, die einzige Rettung ist Bildung, Bildung, Bildung.
« Letzte Änderung: 08. Oktober 2006, 09:18:08 von whoknows »

Offline Sense

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #6 am: 09. Oktober 2006, 02:35:56 »
Und die täte manchen gut die eigentlich in Folge ihrer Ausbildung über ebendiese verfügen könnten: Staatsanwälte und Richter in Tübingen meine ich hier die vor wenigen Tagen einen Textilversandinhaber verurteilten, der das in der Spontieszene gern verwendete Motiv eines Strichmännchens, das ein Hakenkreuz in die Tonne wirft auf seine T-Shirts druckte. Begründung:
1)Hakenkreuze sind als Zeichen verboten, ob jemand dafür wirbt oder dagegen protestiert ist unerheblich.
2)Man könne den Aufdruck auch dahingehend deuten, das jemand das Hakenkreuz aus der Tonne rausholt.
Mal sehen was in der Revision rauskommt.
Also: Wenn z.B. mal Udo Lindenberg für ein "Rock gegen Rechts" Konzert ein Hakenkreuz im Mülleimer auf ein T-Shirt pinselt und "Nein Danke!" dahinterschreibt ist das Kunst.(Und eigentlich auch unmiss- verständlich).  
Aber Vorsicht:Wenn sich ein Konzertbesucher das Teil kauft und anzieht handelt es sich um eine Straftat. Die Staatsanwaltschaft kann argumentieren, der Träger des T-Shirts demonstriere dagegen das das Hakenkreuz in der Tonne liegt?!?

Offline whoknows

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #7 am: 09. Oktober 2006, 09:50:37 »
Ja, ich glaube, das hatten wir hier schon mal thematisiert. Ich habe einen Freund, der schon vor Wochen über diesen Staatsanwalt einen Bericht im Deutschlandradio machen wollte - vor Prozessende. Er erzählte mir, dass a.) bekannt sei, dass dieser Staatsanwalt ziemlich rechts sei, und damit sich  und  seiner Klientel einen Gefallen getan habe,  unter der vorgeblich "besorgten" Argumentation, wie blöd sie auch ist - weil er der Linken damit eins auswischen konnte - und b) dass er, mein Freund,  in Stuttgart totale Schwierigkeiten hatte, einen Interviewpartner zum Thema zu finden - keiner wollte öffentlich was sagen, nur unter den Hand.
Aber die Geschichte - wie wir wissen - ist immer mal Tragik mal Farce. Wir sind hier bei der Farce.
(die ich aber für nicht weniger gefährlich halte.)

Offline Dorian

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #8 am: 09. Oktober 2006, 21:11:40 »
Quote (selected)
Und die täte manchen gut die eigentlich in Folge ihrer Ausbildung über ebendiese verfügen könnten: Staatsanwälte und Richter in Tübingen meine ich hier die vor wenigen Tagen einen Textilversandinhaber verurteilten, ....

Das war in Stuttgart. Die Geschichte in Tübingen war eine andere.

Quote (selected)
Ja, das hab ich schon gehört. Da versucht ein (angeblich ziemlich rechtslastiger) leitender Staatsanwalt in Stuttgart noch schnell vor seiner Pensionierung ein Gesetz durchzukriegen, dass anti-Nazi-Symbole auch verboten werden, mit dem Argument, ein Äusländer könne sie vielleicht nicht auseinanderhalten.

In Tübingen. Da gng es um eine Studenten, der einen Button trug. Der wurde übrigens in zweiter Instanz freigesprochen, auch der Staatsanwalt hatte diesmal den Freispruch gefordert. Es war derselbe Staatsanwalt wie in der ersten Instanz, der sogar zugab, dazugelernt zu haben.

In Stuttgart ging es um den Mail-Order-Textilhändler:
http://www.sueddeutsche.de/,Ple4Lhp/deutschland/artikel/309/87222/

Was nun das Stuttgarter Urteil anbelangt: Das Strafmass hätte meines Erachtens nicht sein müssen, (immerhin wurden die Tagessätze so gewählt, dass er nicht als vorbestraft gilt). Die Untersagung der Verwendung des Symbols finde ich hingegen in diesem Fall durchaus in Ordnung.
Letztendlich will der Versandhändler ja damit Kohle machen, obwohl er sich in der Öffentlichkeit ja als aufrechter Punk präsentiert, der nur hehre Ziele verfolgt.

Ich finde die Begründung zum Teil nachvollziehbar. Irgendwann haben sich alle wieder dran gewöhnt und es fällt gar nicht mehr auf, das der Durchstreichstrich immer dünner geworden ist. Die rechte Szene wird sich dann nämlich ebenfalls wieder abgewandelter Hakenkreuze bedienen, nach dem Motto: Wenn die dürfen dürfen wir auch.

Ich finds aber auch gut, wenn sich jetzt der Bundesgerichtshof der Sache annimmt und die Frage ein für alle Mal klärt. Im Übrigen glaube ich nicht, das unsere Gerichtsbarkeit prinzipiell rechtslastig ist.

Ich mag jedenfalls keine Hakenkreuze, auch keine durchgestrichenen.  Auch nicht auf Plakaten der Grünen.

Aber lasst euch nicht den Spass am German-Bashing verderben.

Offline Bastian

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #9 am: 09. Oktober 2006, 23:20:07 »
Aus meiner Sicht gibt es gute Argumente für beide Seiten. Vorab: Mich erinnert die Diskussion an ein Streitgespräch mit meinem Kunstlehrer, als ich etwa 16 war...

Das Thema damals: "Plakate gegen Rechts"
Ich fand das Thema künstlerisch eh schon nicht sehr erquickend. Aber als einer meiner damaligen Freunde ein Plakat malte, auf dem ein durchgestrichener Rechtsabbiegepfeil zu sehen war, unter den er auch noch die Phrase "Rechtsabbiegen verboten" geschrieben hatte und dafür noch auchnocher eine Eins bekam, bin ich ausgetickt. Nicht wegen der Eins, sondern weil das Plakat so schrecklich banal, fast weinerlich wirkte. Mein Kunstlehrer wollte nicht verstehen, dass das Plakat neben dem (durchaus beabsichtigten) Schuss nach vorne ebenso ein Schuss nach hinten gewesen ist.

Dies nur als Interlude, jetzt wieder zum Thema:
Ein Hakenkreuz ist ein Hakenkreuz, auch wenn es durchgestrichen ist. Ich zweifele nicht an der guten Absicht der Träger von Anti- Nazi Buttons. Kein Stück. Aber durch das Zulassen der Symbole in diesem Kontext entsteht natürlich auch eine Grauzone.

Zwei Beispiele:

1. Man stelle sich einen Hund in Frontalaufnahme vor, in seinem geöffneten Maul ein Hakenkreuz. Je nach Darstellung

a. Ist er ein... sagen wir: Cocker Daniel, der das Kreuz zerbeißt, oder
b. ein Pitbull, dem das Hakenkreuz aus dem Mund gefahren kommt?
Wo ist die Grenze?

2. Oder man denke sich ein Hakenkreuz, das von Blumen umwuchert ist:
a. Der Sieg der Hippies über die Nazis? Oder
b. Es grünt so braun, wenn...

Da steht für Rechtsradikale ein Tor offen, das es ihnen möglich macht, diese Zeichen zu tragen, ohne dass sie Strafe zu fürchten hätten.

Ich habe mal recherchiert, was die flotten Juristen dazu sagen. Offenbar ist der Paragraphensalat tatsächlich ziemlich schlaff:

"Dass das Vertreiben des Buttons den Tatbestand der Norm erfüllt, steht nicht in Zweifel. Gestritten wird lediglich darüber, ob die Sozialadäquanzklausel des § 86 Abs. 3 StGB gilt (*), die gemäß § 86a Abs. 3 StGB Anwendung findet. Diese erlaubt nämlich das Verwendung des Hakenkreuzes zum Zwecke der Bildung, Lehre, Kunst usw. All dies betreibt Nix-Gut zwar nicht, die Formulierung "oder ähnlichen Zwecken" suggeriert jedoch, dass der Tatbestandsausschlusstatbestand nicht abschließend ist."
http://www.referendare.net/news.php?news=625&lit_tipp=101

dort heißt es nämlich:
* "(3) Absatz 1 gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient."
http://bundesrecht.juris.de/stgb/__86.html

Bleibt zu definieren, was ein "ähnlicher Zweck" ist, oder besser noch eine Neufassung dieses Paragraphen.

Also, ich bin wirklich neugierig was der BGH dazu sagt. Vielleicht werden doch alle von diesen Symbolen Abstand und Abschied nehmen müssen...
« Letzte Änderung: 09. Oktober 2006, 23:51:52 von Bastian »

Offline Guntram

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #10 am: 09. Oktober 2006, 23:37:49 »
Ich gebe Dorian recht. Hakenkreuze sind überflüssig, zumal die Neonazis mit ihrer Symbolik viel subtiler sind um die Verbote zu umgehen. Dagegen ist das durchgestrichene Hakenkreuz viel zu plump.

Ich denke an Klamotten mit dem LONSDALE Logo oder sie Zahlencodes 18 (AH = Adolf Hitler) 88 (HH = Heil Hitler) oder die Vereinnahmung andere Symbole z.B. der Reichskriegsflagge des Kaiserreiches die zwar nicht verboten ist aber bei Nazidemos gezeigt wird (obwohl sie im 3. Reich nie verwendet wurde) und dann auch eingezogen werden kann.

Das Urteil mag vielleicht dem Gesetzestext entsprechen, es entspricht aber nicht dem Sinn und Ziel des Gesetzes.

Auf der anderen Seite ist die Geschichte des Hakenkreuzes (eigentlich Swastika) trotzdem interessant (wurde von Hitler auch nur vereinnahmt nicht erfunden), denn es ist uralt.
Schaut euch mal den Goggle-Link an http://de.wikipedia.org/wiki/Swastika. Erstaunlich (aus unserer Sicht oder besser normal) ist das nicht nur in fernöstlichen Kulturen die Swastika noch verwenden sondern das Hakenkreuz auch noch in der Dienstflagge des finnischen Präsidenten zu finden ist und der ist sicher über Zweifel erhaben. Sucht es mal auf der Wiki-Seite ist sie abgebildet. Anklicken zum vergrößern und suchen.

Was macht eigentlich die deutsche Staatsanwaltschaft wenn der finnische Präsident zum Staatsbesuch kommt und seine Dienstflagge als Stander am Auto führt? Noch besser er fährt zusammen mit unserem Bundespräsidenten. Dann sollte das Fahrzeug die Stander beider Präsidenten führen. Der deutsche Bundespräsident fährt in einem Auto das einen Stander mit Hakenkreuz (wenn auch versteckt). Ein gefundenes Fressen für Satiriker.


Aber im Ernst zum Schluß: Whoknows hat mit "Bildung, Bildung, Bildung" mehr als recht. Dazu kommt aber noch Arbeit. Ein arbeitsloser Akademiker ist sicher auch nicht immun gegen Naziparolen. Und die führenden Köpfe der Naziszene sind hochintelligent und gebildet. Aber denen muß man die Anhänger (die Herde) nehmen dann werden sie harmlos(er) und das geht durch Bildung (und Arbeit).
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Offline michael

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #11 am: 10. Oktober 2006, 09:46:03 »
Zum Glück stehe ich nicht alleine mit meiner Meinung:
Ich will keine N-Symbole sehen.
Unter keinem Vorwand.
Auch ein durchgestrichenes N-symbol ist als solches zu erkennen. Es trägt nur dazu bei, dass es als "normal" erscheint, wenn mensch ein N-symbol sieht. Durchgestrichen - oder eben irgendwann nicht mehr.

@Bastian:
Den durchgestrichenen Pfeil, den finde ich toll.Klaase Idee!

@Bastian:
Was ist denn ein "Interlude"?
Ein zusammengesetztes wort aus "Internet" und "Lude"??  ;D

Offline Bastian

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #12 am: 10. Oktober 2006, 09:59:10 »
Ja genau. 8-)

Oder eben ein "Zwischenspiel".

Ja was machen wir denn jetzt mit dem finnischen Staatspräsidenten? Möglich wäre, dass er aus Rücksicht auf deutsche Gesetze auf die Wimpel verzichtet, schließlich haben Finnen Humor.

Sonst wird er eben verhaftet, die Wimpel konfisziert und er muss nach Stuttgart vor den Kadi.

Aber ich vermute, dass es für National- oder Staatssymbole anderer Staaten vollkommen andere Regelungen gibt. So etwas wie eine Immunität. Nichts wäre stupider, als wenn ein Staatsbesuch wegen einer Fahne oder eines unerlaubten Symboles nicht stattfinden dürfte.
« Letzte Änderung: 10. Oktober 2006, 10:12:52 von Bastian »

Offline whoknows

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #13 am: 10. Oktober 2006, 10:12:58 »
Meiner erinnerung nach dreht sich das Ur-Swastika in die andere Richtung.

Offline Guntram

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #14 am: 10. Oktober 2006, 15:01:01 »
Stimmt ... wenn ich es richtig gelesen habe. Aber erklär das mal einem dt. Staatsanwalt. Wenn du Buddhist bist und die Swastika als Glückssymbol an deine Haustür pinselts.  ;)
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Offline Bastian

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #15 am: 10. Oktober 2006, 18:30:29 »
Quote (selected)
Wenn du Buddhist bist...
Superidee! Für jüdische Buddhist(inn)en tun sich da sogar ungeahnte Möglichkeiten auf, frei nach dem Motto "In allen sechs Ecken soll Glück drin stecken...": So etwa

Grauenhaft. Möge mir mein Sarkasmus im Kropf steckenbleiben...

Die Justizministerin überlegt jetzt, ob sie das Strafgesetzbuch ändern soll:
http://focus.msn.de/politik/deutschland/justiz_nid_36609.html
« Letzte Änderung: 10. Oktober 2006, 18:43:01 von Bastian »

Offline whoknows

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #16 am: 10. Oktober 2006, 19:02:54 »
Ich bin nicht überzeugt. Für mich hat das ein bissel was von "Totschweigen eines Problems" - so, wie das Abreissen des "Palastes der Republik"  oder anderer Gebäude, die in unliebsamer Zeit entstanden sind. Wenn alles wegwegweg ist, heisst das nicht, dass man das Problem beseitigt, sondern nur die Zeichen dafür, ich finde, das ist viel gefährlicher. Glaube ich. Aber ich bin zu müde, um darüber nachzudenken.

Offline Sense

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #17 am: 11. Oktober 2006, 05:21:59 »
Totschweigen und abreissen hat Tradition. Die Menschen sind nun mal ganz vernarrt in "Zeichen" , egal ob etwas hinein- oder herausgelesen werden soll. Und überbauen fehlt noch in der Reihe, z.B. christliche Gebäude auf heidnische Kultstätten die anders - schon gar nicht mit frommen Worten - aus der Welt zu schaffen waren. Zeichen und Zahlen, Wortkombinationen und Beschwörungssprüche. Die Zukunft im Kaffeesatz? Oder doch in Hühnerblut? Besser ist vielleicht ein Pendel über dem Lottoschein oder das Murmeln irgendwelcher satanischer Sprüche, aber nur in Latein und rückwärts, sonst wirkts nicht. Und wenn mich jemand anruft - 666 ist Teil meiner Telefonnummer - ist der dann in Gefahr? Ich vermute, die Natur selbst, wenn sie ein Gewissen hätte oder denken könnte, wäre davon unbeeindruckt wie getrickst wird um Menschen, Worten,Taten,Gebäuden,Kriegen einfach allem was so sein soll die erforderliche Bedeutungsschwere zu geben. Kein Problem, so isses eben. Aber anstatt die alten Zeichen mit übermässiger Aufmerksamkeit zu belohnen - was diese dann unterm Strich eben doch, wenn auch unbeabsicht beatmet, fehlen neue Gedanken, die dabei helfen ein neues Gebäude auf die alten Kultstätten zu setzen. Mir ist zu viel vordergründiges laborieren an den Insignien im Gange, vielmehr vermisse ich die längst fällige Aufarbeitung des deutschen Faschismus auf breiter Front (breiter Front??),
schliesslich sind es ja nicht die Zeichen der Faschisten die den Faschismus ins Leben gerufen haben. Zum Schluss noch etwas von "Gauloises", da gabs mal als Werbeidee die Frage an den den Leser, meistens nicht ganz alltägliches und die Antwort ganz klein - also nicht sofort erkennbar - untendrunter, (ist schon lange her). Eine Frage war: Verdirbt die Politik den Charakter? Antwort: Nein, umgekehrt. Naja, ist wirklich schon lange her.

Offline whoknows

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Re: Udo Pastörs: "Frauen, Behinderte und Asylbewer
« Antwort #18 am: 11. Oktober 2006, 10:22:00 »
Quote (selected)
Mir ist zu viel vordergründiges laborieren an den Insignien im Gange, vielmehr vermisse ich die längst fällige Aufarbeitung des deutschen Faschismus auf breiter Front (breiter Front??),
Ja, wenn es denn ein entweder-oder GÄBE..... Leider wird zwar das Erstere auf Kosten von Letzterem veranstaltet, was aber im Umkehrschluss nicht passieren wird. Und dann denke ich, wenigstens EINES von beiden....

 

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