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Autor Thema: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion  (Gelesen 5838 mal)

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Offline Alexander

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Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« am: 15. März 2006, 16:33:12 »
Zur Einführung in dieses Thema ein Auszug aus Indymedia:

Auch die NPD Weimar droht Konstantin Wecker

von Antifa-Solikonzis Jederzeit + überall [ASJ] - 14.03.2006 13:47

Nachdem in Halberstadt die Drohung der NPD den Landrat Henning Rühe dazu brachte, einem Antifa-Soli-Konzert von Konstantin Wecker und "Strom und Wasser" die Genehmigung zu versagen, enthob sich ein Sturm der Entrüstung. Der stellvertretende Landrat Hans-Dieter Sturm meinte auf die Frage, warum Wecker in Jena in einer Schule auftreten könnte, Thüringen sei eben Thüringen, Sachsen-Anhalt eben Sachsen-Anhalt. Auch er sollte sich geirrt haben.
Nachdem bekannt wurde, dass eine Drohung der NPD in Halberstadt ein Antifa-Soli-Konzert von Konstantin Wecker und "Strom und Wasser" verhinderte, waren nahezu alle Zeitungen voll mit Berichten und allerorten empörten sich PolitikerInnen über diesen einzigartigen Vorgang. Der verantwortliche Landrat Henning Rühe wusste sich nicht zwischen Weiterschwimmen oder Zurückrudern zu entscheiden, aber konnte es nicht unterlassen, die militanten Neonazihorden einmal mehr als "Radaubrüder" zu verniedlichen. Nun meinte er, man lasse sich nicht in eine braune Ecke stellen (sic!), und will in Halberstadt ein breites Bündnis gegen jede Form von Extremismus (sic!!!) ins Leben rufen (  http://www.mdr.de/nachrichten/meldungen/2615292.html ).

Als später ähnliche Vorfälle gemeldet wurden und klar wurde, dass Halberstadt doch nicht so einzigartig ist und lokale PolitikerInnen häufiger vor den Drohungen von Neonazis einknicken, war die Resonanz beträchtlich geringer. Einige Beachtung fanden noch die Drohungen der NPD Fürstenwalde gegen das Anti-Rassismus-Seminar am 03.-05. März 2006 in Storkow (   http://de.indymedia.org//2006/03/141023.shtml ). Es scheint nur nicht ganz ins Bild zu passen, dass dies ebenso in den alten Bundesländern möglich ist. Denn auch die niedersächsische Gemeinde Auetal sagte ein Antifa-Konzert aus Angst vor extremen Rechten ab ("Halberstadt war kein Einzelfall". Junge Welt vom 11.03.2006 -   http://www.jungewelt.de/2006/03-11/046.php ). Besonders bitter ist jedoch ein Vorfall in Bad Reichenhall (Bayern). Hier konnte eine Vortrag- und Diskussionsveranstaltung "Zur Genese des modernen Antisemitismus" am 11. März nicht stattfinden, obwohl es nicht mal Drohungen wie in Halberstadt gab. Wie Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier betonte, will die Stadt nämlich ein "unpolitisches Haus der Jugend" ( Der "Fall Wecker" ist kein Einzelfall: Halberstadt ist überall. -   http://www.hagalil.com/archiv/2006/03/reichenhall.htm ; "Haus der Jugend soll unpolitisch bleiben". Reichenhaller Tagblatt vom 08.03.2006 )

Die NPD Halberstadt hat es vorgemacht, ihr Gästebuch ist voll des Lobes über "die gelungene Aktion" und überall folgen die "Kameraden". Der Jenaer NPD-Kreisverbandsvorsitzende Ralf Wohlleben bepöbelte zwar auf der Website der NPD Jena den Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König, der die Ausweichveranstaltung für Halberstadt organisierte, wie auch den "bayrische(n) Politschnulzenbarde(n) Konstantin Wecker". Anders als seine Halberstädter Gesinnungsgenossen verzichtete er allerdings auf die Aufforderung, die Veranstaltung zu stören. Der frischgebackene Ehemann und Vater Wohlleben ist neuerdings für ganz andere Aktionsformen zu haben:
"Doch laßt uns am 8. März lieber die kleinbürgerliche DDR-Tradition vom Frauentag fortsetzen und unseren lieben Frauen einmal im Jahr Blumen schenken und den Abwasch machen. Das Blumengeld ist viel besser angelegt als der Eintritt für den zugereisten Barden." -   http://de.indymedia.org/2006/03/140343.shtml

Für das Konzert in Neustadt/Orla einen Tag vor dem nach Jena verlegten Event gab es Warnungen, dass lokale Neonazis die Veranstaltung stören könnten, die sich jedoch glücklicherweise als unbegründet herausstellten. Solche Hinweise sind in der braunen Orlasenke in der Nähe von Pößneck, Saalfeld und Rudolstadt (   http://de.indymedia.org/2006/01/136223.shtml ) jedoch durchaus ernstzunehmen.

Alles das reicht den Weimarer NPD-Kadern aber noch nicht aus. Sie drohen in einer "offenen Pressemiteilung des NPD Kreisverbandes Weimar – Weimarer Land und dem Landesverband der JN–Thüringen" (Fehler im Original) Konstantin Wecker: "Wir werden uns selbstverständlich nicht vertreiben lassen. Denn Weimar ist auch unsere Stadt, so wie Deutschland auch unser Land ist. Wir werden Dich zur Rede stellen über das, was Du politisch vorhast." Verantwortlich für den Text zeichnen Martin Rühlemann und Michael Hubeny.

Martin Rühlemann (* 1980) ist nicht nur Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Weimar-Weimarer Land und Beisitzer im NPD-Landesverband, sondern auch zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sandra Ziegler Führer der Kameradschaft "Braune Aktionsfront Thüringen - Sektion Weimar" und aktives Mitglied im Kameradschaftsnetzwerk "Thüringer Heimatschutz" (THS). Er wurde wegen eines lebensgefährlichen rassistischen Messer-Angriffs auf einen vietnamesischen Gemüsehändler bereits 1997
verurteilt und ist wegen anderer einschlägiger Delikte mehrfach vorbestraft. Unter dem Pseudonym Achim Schubert betreibt er die Website www.weimar-ist-braun.org, die nur so von Verherrlichung des Nationalsozialismus strotzt. (   http://de.indymedia.org/2006/02/139776.shtml ) Weimar war auch unter den Thüringer Städten, in denen am Dienstag vor einer Woche Hausdurchsuchungen wegen Fortführung der verbotene Neonazi-Organisation "Blood and Honour Division Deutschland" und ihrer Jugendorganisation "White Youth" stattfanden (   http://lra.antifa.net/cms//index.php?option=com_content&task=view&id=136&Itemid=32 ).

Der zweite Verfasser Michael Hubeny fungiert als stellvertretender Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes Weimar-Weimarer Land und als Vorsitzender des im Januar 2006 wiedergegründetenen Thüringer Landesverbandes der "Jungen Nationaldemokraten" (JN) (   http://de.indymedia.org/2006/01/136277.shtml ;   http://de.indymedia.org/2006/01/136538.shtml ). Er ist Anführer der "Kameradschaft Blankenhain" ( hddp://www.kameradschaft-blankenhain.tk/ ). Die von Hubeny geleitete JN Thüringen und die Kameradschaft Blankenhain machten in den letzten Wochen durch mehrere Infostände unter dem Motto "Deutschland schütze deine Kinder!" im Weimarer Umland (Magdala, Bad Berka) auf sich aufmerksam (   http://de.indymedia.org/2006/03/140657.shtml ).

Im folgenden dokumentieren wir die "offene Pressemiteilung des NPD Kreisverbandes Weimar – Weimarer Land und dem Landesverband der JN–Thüringen" mit den für Rühlemann typischen Mängeln in der deutschen Rechtschreibung.

Für weitere Informationen über die Neonazi-Szene in Weimar wendet euch bitte auch an:

Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus
  http://www.weimar-zeigt-sich.de/

Autonome AntifaschistInnen Weimar
  http://aaw.antifa.net/



hddp://www.npd-weimar.de/
Antifa ...Drogensüchtige machen Politik

“Nazis, raus aus unserer Stadt“ - unter diesem Motto tingelt der fast 60 jährige Liedermacher Konstantin Wecker, zusammen mit dem "Akustik-Punk" Duo "Strom und Wasser", auf der "Antifa" Club Tour, durch deutsche Lande.

In Halberstadt in Sachsen-Anhalt sorgten engagierte Bürger dafür, daß der Kommunist und Ex-Junkie nicht auftreten konnte.
Jetzt will ihn Wolfgang Hölzer, der Oberbürgermeisterkandidat vom Weimarwerk, in der Goethe- und Schillerstadt auftreten lassen.
Darauf freuen sich die Jungen Nationaldemokraten in Thüringen und der NPD Kreisverband Weimar – Weimarer Land natürlich.
Denn dann können dem Herrn Wecker viele Fragen gestellt werden.
Zum Beispiel zu seinem jahrelangen Drogenkonsum.
Nach eigenen Angaben von 1994 bis zu seiner Verhaftung 1995 täglich 7 Gramm Crack und Kokain, so daß er schon an schizophrenen Wahnvorstellungen litt.
Oder zu seinen politischen Vorstellungen.
Die Nähe zur SED, jetzt PDS, hat er nie geleugnet.
1987 nahm er am Pressefest des „Neuen Deutschland“ in Ost-Berlin teil.
Kritische Äußerungen zum Unterdrückungsapparat der verblichenen DDR sind nicht überliefert.

Also Konstantin, dann komm mal ins schöne Weimar.
Wir werden uns selbstverständlich nicht vertreiben lassen.
Denn Weimar ist auch unsere Stadt, so wie Deutschland auch unser Land ist.
Wir werden Dich zur Rede stellen über das, was Du politisch vorhast.
Und bereite Dich sehr gut vor und denke daran, wir werden uns von Dir nicht blenden lassen.

Martin Rühlemann
NPD-Kreisvorsitzender Weimar-Weimarer Land

Michael Hubeny
Landesvorsitzender der JN – Thüringen

http://de.indymedia.org/2006/03/141259.shtml

„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline whoknows

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #1 am: 15. März 2006, 17:14:20 »
Das ist alles widerlich aber es erschreckt mich nicht besonders - denn diese Ärsche gibt es überall, und ihre Zahl bleibt relativ klein - bisher.
Was mich eher bestürzt sind Aussagen wie:
Quote (selected)
Wie Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier betonte, will die Stadt nämlich ein "unpolitisches Haus der Jugend"
denn genau das sorgt dafür, dass es weiterhin so läuft: manche lassen sich radikalisieren, manche bleiben blöd mitblökendes Stimmvieh - selber denken lernt so keiner.
Es gibt nichts wichtigeres als Diskussion und Aufmerksam-machen. GERADE für die Jugend. ich mein, ich trage hier Eulen nach Athen, aber ich denke, noch viel mehr als das selbstverständliche "urgh, Nazis!" sollte man sich aufregen und polemisieren und Aufschreien, wenn jemand sagt. wir wollen unplitische Jugend.
(Ok, das war jetzt auch nciht gerade schönes Deutsch, aber Ihr wisst, was ich meine..)

Offline Alexander

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #2 am: 15. März 2006, 17:33:36 »
Volles Zustimm zu whoknows!
Habe von Bekannten einen Hinweis auf eine Homepage der DVU erhalten, da schreibt der Sohn vom Yehudi Menuhin einen Werbebrief für die. Schock!
„Die Kunst ist eben keine hübsche Zuwaage – sie ist die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, sie garantiert unser Mensch-Sein.“ (Nikolaus Harnoncourt)

Offline Bastian

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #3 am: 15. März 2006, 18:00:56 »
Quote (selected)
Das ist alles widerlich aber es erschreckt mich nicht besonders - denn diese Ärsche gibt es überall, und ihre Zahl bleibt relativ klein - bisher.
Dass die NPD- Ärsche furzen ist das eine Problem. Dass aber Landräte, Bürgermeister, Politiker in Verantwortung, diesen Ärschen gehorsam nachgeben ist erschreckend.

Die Rechten sind mächtiger, als es deren Zahl vermuten lässt. Weil der Rest nur allzuleicht kuscht.

Ich habe selbst erlebt, wie selbstverständlich eine solche Haltung in manchen Ost- Städten toleriert wird. Da gehst du auf eine Feier in irgendeiner Scheune, und dir begegnen dort ganz selbstverständlich Männer in Bomberjacken und Stiefeln. Dann wird gesagt: "Nu, der Dömas dengt hald een büschen rechts, abo ansönsten issä Ögee..."

Ich wills nicht veralbern, aber diese Denkweise hab ich dort mehrfach erlebt. Das Schlimme ist, dass- wieder einmal-  einige wenige ausreichen, um eine Gesellschaft zu destabilisieren.

Man droht.

Man verfolgt einzelne Menschen, die einem nicht passen.

Man schüchtert die Bewohner der Städte ein.

Man schüchtert Politiker ein.

Irgendwann gehorchen diese von selbst (siehe Landrat Henning Rühe).

Wem es dort langsam unwohl wird, der verlässt irgendwann den Ort. Die Verbliebenen wehren sich immer weniger, weil die Rechten immer stärker werden und für eine massive Gegenbewegung schon zu viele gegangen sind. Wer mitmacht, macht mit.

Dann sagt man: "In Hoyerswerda gibt es keine Rechten... Das ist Verleumdung durch die Wessis... " Und so wird sektiert, gespalten und abgekapselt. Drum helfen auf Dauer auch keine Solidaritätskonzerte o.Ä. , denn "die von aussen haben ja leicht reden..."

...

Nur zur Erinnerung: Vor 1933 habe einige "wenige" SA- Männer ausgereicht, um den Boden vorzubereiten. Die NPD und ihre assoziierten Schläger verstehen sich als die heutigen Wegbereiter, und sie scheinen damit erfolgreich zu sein.
« Letzte Änderung: 15. März 2006, 18:06:52 von Bastian »

Offline Katinka Koschka

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #4 am: 15. März 2006, 18:15:20 »
Quote (selected)
Volles Zustimm zu whoknows!
Habe von Bekannten einen Hinweis auf eine Homepage der DVU erhalten, da schreibt der Sohn vom Yehudi Menuhin einen Werbebrief für die. Schock!

Und das wo Menuhin einer der ersten war, der versucht hat Deutsche und Juden zu versöhnen... :(
...bitter.
Apripi -das heißt- apropos, Halli halli hallo

Offline whoknows

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #5 am: 15. März 2006, 18:51:26 »
Da müsste man die Hintergründe kennen. Der Sohn wird vermutlich kein Deutsch können, nicht wissen - oder aus Opposition zum Vater...wasweissman.

Dass das im Osten so stark ist, das Rechte Zeugs, kann das daran liegen, dass es diese Form der Aufarbeitung und Selbstbezichtigung nicht gab? Im Westen sind es eher die Kids, die gegen die Eltern opponieren wollen, da ist das more often than not reine Pubertät. Aber im Osten macht mir das auch mehr Sorgen. Ich fürchte, das ist einer der Punkte, wo man die beiden Teile Germaniens einfach nciht gleich behandeln darf - da muss eine andere Form der Aufarbeitung her, da ist man einfach anders drauf.  Und Eric, Strog, Bassmeister (?) und die anderen "Ossis" -Ihr müsst das doch viel besser wissen als ich - ich rate nur und bin überhaupt in ganz anderen Problemzonen aufgewachsen - warum glaubt ihr, ist das da so viel stärker und auch geduldeter?

Offline Bassmeister

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #6 am: 15. März 2006, 22:15:42 »
Zuweilen ist es beängstigend, was hier läuft.
Ich denke, ein ganz großer Teil schweigt aus Angst. Die prügeln ja mitunter ganz schön drauflos.
Habe sie selbst am eigenen Leibe erlebt, die Angst.
Was ich NICHT verstehen kann, ist die Unterstützung, die sie im Volk bekommen. Daß Beifall geklatscht wird, wenn ein Asylbewerberheim brennt. (Kann eigentlich nur ne kranke Form von Neid sein - "Die nehmen uns alles weg" oder so)
TOTAL Ignorieren wäre meiner Ansicht nach das Einzige, was wirklich hilft. Wenn aber 250 Nazis von 3000 Polizisten den Weg mit Wasserwerfern freigespült bekommen, wenn sie in Leipzig durch die linken Viertel (!) marschieren wollen, da steht mir der Verstand still.
Wie soll der Osten denn irgendwie auf die Beine kommen, wenn sogar in den Reiseführern schon vor dieser Gefahr gewarnt wird? Langsam packt mich wirklich die Wut.
[size=9]Nicht alles, was zwei Backen hat, ist ein Gesicht...[/size]

Offline Bastian

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #7 am: 15. März 2006, 22:29:27 »
Hm, meinst du wirklich, dass Ignorieren hilft? Hat es das je?
Also, ich hab mal erlebt, wie die gesamten Fahrgäste in einer U- Bahn ignorierten, dass mir gerade ein Skin an die Gurgel ging. Das brauch ich nicht nochmal, ehrlich gesagt.

Die Angst einzugreifen spüre ich nicht so deutlich. Mir macht es Angst, wenn niemand eingreift. Und das ist auch in all diesen Städten der Fall. Keiner macht mehr das Maul auf und alle fühlen sich kollektiv ohnmächtig, weil keiner das Maul aufmacht, weil jeder einzelne sich ohnmächtig fühlt. Wir Menschen brauchen das Zusammengehörigkeitsgefühl, und das entsteht nicht, wenn alle schweigen. Dazu muss man laut werden.

Ich kann nicht verstehen, dass ein paar Nazis tausende von Menschen in der Hand haben können. Als hier in Düdo einst zweihundert Rechte demonstrierten sind zwanzigtausend Leute zur Gegendemo auf die Straße gegangen. Dann mussten die Rechten sich auf die untere Rheinuferpromenade zurückziehen. Ich hab noch das Bild im Kopf, wie ein Rentner auf der Treppe seinen Stock schwang und sie beschimpfte, das hat auf mich einen enormen Eindruck gemacht. Die sind richtiggehend verjagt worden. Besser gesagt: wir haben sie verjagt.

Der Sohn von Menuhin ist übrigens auf die Kolumne hin entlassen worden.
http://www.hagalil.com/archiv/2005/11/menuhin.htm
« Letzte Änderung: 15. März 2006, 22:53:25 von Bastian »

Offline Andrea

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #8 am: 16. März 2006, 00:57:30 »
Im Osten hatten sie ja lange unpolitische Jugend - zumindestens die Mehrheit der Menschen dort war unpolitisch bzw. waren Mitläufer. Das hätten sie gerne jetzt wieder. Das ist das Erschreckende. Am besten alles irgendwie laufen lassen und nicht anecken.Wie können wir von hier aus das verhindern? Was können wir dem entgegensetzen? Ich meine, wir können Konzerte machen, können uns aufregen, können Stellung beziehen, aber was können wir konkret tun., um dort was zu bewegen? Es laufen ja auch hier genug Leute 'rum, die so denken, so Nachbarn , von denen man das nicht erwarten würde (siehe Dagmars Schilderung von der Party).
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline whoknows

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #9 am: 16. März 2006, 01:21:45 »
Das sind zwei verschiedene Sachen, die quasi "an einem Strang ziehen". Einerseits das Schweigen, andererseits das Verharmlosen "jaja, ist irgendwie rechts, aber sonst ein feiner Junge". Da müsste man eher auf zero tolerance schalten, schätze ich mal - obwohl ich ja sonst extrem gegen so "gesellschaftlich total geächtet" bin, das macht mich immer ärgerlich. Jetzt zB die Antiraucherkampagnen. In einem anderen Forum las ich unter der Überschrift: "Schüler angefixt" dass Danneman Probezigarillos an Unis & höheren Schulen verteilt. Da geht mir dann der Hut hoch.
Aber im Falle der Verharmlosung von rechts...... Ich weiss mir auch keinen Rat. Ich denke, was (auch) helfen könnte, wäre Lächerlichmachen. Total Lächerlichmachen. So dass sich Jugendliche genieren, wenn sie da dazu gehören. Aber es wird verteufelt (das macht eher anziehend) oder verharmlost oder totgeschwiegen.

angel

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #10 am: 16. März 2006, 01:49:12 »
Bei den Nazis muss man zunächst einmal zwischen den dummen, jugendlichen Mitläufern und den ideologischen Scharfmachern unterscheiden. Die Jugendlichen wollen Aufmerksamkeit, Kameradschaft bzw. sich was "wert" fühlen. Zumeist fängt es - wenn sie sonst nix haben, worauf sie stolz sein können - mit irgendwelchen patriotischen und nationalistischen Demagogien an. Aber mehr noch als das: sie brauchen die Gruppe bzw. "Horde" mit einem Lei"D"hammel, an dem sie sich orientieren können. Es ist das, was wortfront in "Schwanzersatz" beschrieben hat.

Sie sind aber auch recht schnell zu verunsichern. Ich habe mir mal ein paar Jugendliche Nazis in Brandenburg vorgeknöpft und ihnen erklärt, warum sie sich so beschissen fühlen und das das nicht an irgendwelchen Gruppen liegt, an denen sie ja nur ihren Frust abreagieren (wollen). Sie hingen wie gebannt an meinen Lippen und wollten mich gleich am nächsten Tag mit zu ihrem NPD-Führer mitschleppen, damit ich dem die Leviten lese.

Sie lächerlich machen hilft auch. Wir haben mal bei einer Nazi-Veranstaltung mit Horst Mahler am Alexanderplatz in Berlin ein Transparent vor ihnen enthüllt auf dem stand: "WIR BRAUCHEN GUTE PSYCHIATER". Das oder Ähnliches sollte auch das Leittranspartent einer jeden Nazi-Demo sein. Es braucht dazu nur ein paar Mutige, die sich plötzlich mit so einem Transparent an die Spitze der Demo stellen. Wenn Polizei und Presse in der Nähe ist, dann dürften sich die Nazis das nicht erlauben, auf sie einzudreschen.

Leider sind zumeist auch die Antifas feige und trauen sich so eine Aktion nicht.

Natürlich gibt es noch viele weitere Formen, sie mit ihren dumpfen Phrasen lächerlich zu machen.

Zur Politik und Demokratie ist nur so viel zu sagen: Dass die NPD als demokratische Partei gilt, ist kein gutes Zeichen für die Demokratie in diesem Land. Aber damit wird gleichzeitig aufgezeigt, wen die Verfassung schützt und wem der Staat dient. Das Buch von Lion Feuchtwanger "Erfolg" ist immer noch aktuell: Illusionen können tödlich sein !

« Letzte Änderung: 16. März 2006, 12:23:20 von angel »

Offline Alex

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #11 am: 16. März 2006, 02:27:19 »
Ja, ja, die Nazis -in Ostdeutschland. Böse Geschichte. Habe 1991 an der Oper in Brandenburg gearbeitet, damals wars schon nicht mehr zu übersehen, daß es eine "APO" gibt.In Zürich hab ich dann einen Mediziner aus Rostock kennengelernt, der Kampfsport zur Verteidigung wg. der Nazis machte. "Die gehören bei uns zum Straßenbild- ja klar, 25% Arbeitslosigkeit!" Aha!? Warum gibts eigentlich in Gelsenkirchen- 22% Arbeitslose- aber keine vom VOLK! so geachtette "APO"? Komisch, oder? Obwohl ich hier (D´dorf) bei Nazis kläff wie ein Pitbull hab ich dieses Jahr als ich bei meinem besten Freund in Berlin wiederum seine Freundin im Berliner Speckgürtel besucht hab, das erste Mal den Schwanz eingezogen. Das warn einfach zu viele. Überall- Normal wie Straßenlaternen- beängstigend! Himmel hilf! [smiley=old_huh.gif] Und BÜRGER lieben Straßenlaternen: die machens ja so sicher, nachts...
« Letzte Änderung: 16. März 2006, 02:28:11 von Alex »

Offline Suse

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #12 am: 16. März 2006, 09:38:50 »
Ich denke, die individuelle Reaktion auf Nazi- Autritte muß in der jeweiligen Situation angepaßt sein. Als in der U- Bahn mehrere Skins mit Schnapps- Flaschen in der Hand durch ständiges scharfes "Hass"- Zischen und Singen irgendwelcher fremdenfeindlicher Lieder eine Stimmung aus Angst schürten und alle anderen Fahrgäste unbeteiligt vor sich hinstarrten, bin ich an einer Haltestelle kurz ausgestiegen und habe den Fahrer durch sein Fensterchen gebeten, diesem Treiben ein Ende zu setzen, was er dann auch tat. Natürlich wußten die Jungs und das Mädel, wem sie das zu verdanken hatten und versuchten bei der Weiterfahrt durch Blicke und Provokationen mich zu verunsichern. Ich hatte die ganze Zeit mein Handy in der Hand und die Nummer der Polizei schon eingegeben. So fand ich es ein Risiko, daß ich tragen konnte. Außerdem glaube ich, daß einige Fahrgäste, wenn ich sie direkt zur Hilfe gerufen hätte, mich auch unterstützt hätten. Jedenfalls war die Situation sonst für mich nicht auszuhalten und wenn ich ausgestiegen wäre, hätten die ja die U- Bahn ganz ungestört für sich gehabt.
Vor irgendeiner Wahl fuhr so ein Werbeauto der NPD mit Megafon  durch unsere Straßen bzw. stand auf der Höhe unseres Hauses im Stau. Mehrere Passantinnen und Passanten taten sich zusammen und gingen geschlossen auf den Wagen zu, wobei einige Ältere schimpften "Braunes Pack - das hatten wir allles schon mal". Als dann noch ein Nachbar, der gerade im Garten beschäftigt war, mit seiner Schaufel in die Richtung des Wagens ging, dessen Besatzung gerade den Lautsprecher einschalten wollte, wendete der Wagen hastig und fuhr wieder stadtauswärts unter großem Jubel unserer Nachbarschaft.
Andrerseits wohnen in meinem direkten Umfeld mehrere Nazis und ich würde mich abends allein nicht unbedingt mit einem von ihnen anlegen.
Besorgniserregend finde ich die mangelnde Bereitschaft Verantwortlicher, sich dem Druck der Braunen entgegenzustellen und klare Position zu beziehen. Dahinter befürchte ich eine klammheimliche Zustimmung zu den Zielen und Meinungen der Faschisten. Eine unpolitische Jugend zu wollen ist nicht nur grauenhaft dumm sondern auch sehr gefährlich.

Offline whoknows

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #13 am: 16. März 2006, 11:13:33 »
In der Zeit Papier-ausgabe heute ist ein guter Artikel über Halberstadt.

die Idee mit dem Transparent "Gute Psychiater" finde ich grossartig! Es ist ein va banque spiel, leider. Wenn der U-Bahn-Fahrer auch nur ein bissel rechts gewesen wäre, hätte er nix gemacht. Und zu viel hört man von Leuten, die sich einmischen, und dann den Schaden haben. Ich könnte nciht still sein, aber das ist nicht "Ehrenvoll" das ist einfach mein Charakter, ich kann's Maul nicht halten, es juckt mich zu sehr. Aber wenn man in so eine Situation gerät, dann denkt man ja nicht an die allgmeinen Folgen für das Anwachsen der Nazis, sondern man ist in der jeweiligen Situation gefangen, und denkt vielleicht: wenn ich jetzt in's Spital komme, dann kann ich das und das nicht mehr machen, ich muss aber... und so.

Das blöde ist: man kann mit Fundamentalisten jeglicher Couleur nicht diskutieren. Denn das sind Haltungen, die nichts mit Überzeugung im intellektuellen Sinn zu tun haben, sondern mit Glauben.

Offline Suse

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #14 am: 16. März 2006, 11:33:10 »
Das mit dem Psychiater- Transparent finde ich auch eine brillante Idee.
Dazu hätte ich richtig Lust. ;D

angel

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #15 am: 16. März 2006, 12:50:01 »
Mit Ironie und Witz kommen wir eher weiter (weshalb mir ja auch "wortfront" so zusagt), als mit verbissenen politischen Statements und Herumgejammer, dass "alles immer schlimmer wird"
Es gibt ein schönes Repertoire der sogenannten "Spassguerilla" bzw. des früher in Berlin aktiven "Büros für ungewöhnliche Massnahmen". Erinnert sei hier auch an das legendäre "Ehepaar Schmidt" in der Schweiz, das - ähnlich wie GK in seinen Liedern des "Polizeischutzvereins" und "Ich bin nur die Frau Schmidt" - für einen starken Polizei- und RECHTSstaat agierte und die rechtslastigen Forderungen so auf die Spitze trieb, dass fast allen Zuhörern und Zuschauern Hören und Sehen verging...   8-)

In Bad Reichenhall z.B. könnte eine Initiative gegen Politik oder "Bürgerwehr zum Schutz der Jugend vor Politik" gegründet werden, die sich für ein Verbot aller politischen Sendungen, Zeitungen bishin zu den politischen Fächern im  Schulunterricht im Ort stark macht. Diese Initiative kann sich ganzt "getrost" positiv auf die Verlautbarungen des Oberbürgermeisters Wolfgang Heitmeier stützen und ihn als Schirmherren zum Schutz der Reichenhaller Jugend vor der Politik ernennt. Dies muss natürlich damit verbunden sein, dass auch er sich in Zukunft jeder politischen Äusserung  enthält, damit die Jugend nicht verdorben wird  :D
Manchmal reicht es schon aus, eine gezielte Pressemeldung in dieser Art zu lancieren...  ;)

Ich denke, dass mit solch einer - eher humoristischen Herangehensweise - die Absurdität solcher Statements und Zensurbemühungen der Obrigkeit viel deutlicher wird.
« Letzte Änderung: 16. März 2006, 12:54:39 von angel »

Offline Bastian

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #16 am: 16. März 2006, 13:17:03 »
Zitat Alex:
Quote (selected)
"Die gehören bei uns zum Straßenbild- ja klar, 25% Arbeitslosigkeit!" Aha!? Warum gibts eigentlich in Gelsenkirchen- 22% Arbeitslose- aber keine vom VOLK! so geachtette "APO"? Komisch, oder?
Das ist ja die Crux. Es geht nicht, wie immer gesagt wird, um die Arbeitslosigkeit, oder um eine Besonderheit der Ossis, sondern schlicht um die Anzahl möglicher Sündenböcke. Je kleiner die Zahl, desto leichter ist es für die Demagogen.

In Gelsenkirchen kommen auf 280 000 Einwohner 43 000 Ausländer. Das ist ein siebtel der Gesamtbevölkerung.

Halberstadt, beispielsweise, hat einen Ausländeranteil von 1,1%.

Offline whoknows

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #17 am: 16. März 2006, 13:34:29 »
Stimmt. Das ist eine alte Geschichte: Wo wenig Juden sind, ist der Antisemitismus höher. wo wenig Ausländer sind, die Xenophobie.
Und neuerdings fällt mir auf: Seit es immer weniger Raucher gibt, spriessen die Militanten Nichtraucher nur so aus dem Boden.... ::)

Aber im Osten GAB es doch auch viele Ausländer, halt aus den "Bruderstaaten" (deswegen auch viele nette Vietnamesische Restaurants, sabber)??

Offline Dagmar

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #18 am: 16. März 2006, 19:38:56 »
Das kann sicher besser jemand beschreiben, der zu DDR-Zeiten dort gelebt hat, ich kann es nur vom Hörensagen: "Meine" Ossis, mit denen ich in Brandenburg arbeite, erzählen aus der Zeit, dass es sehr ausländerfeindlich zuging: Die Vietnamesen seien ausgegrenzt worden und sehr abfällig und fremdenfeindlich behandelt worden. Wenn ich das richtig verstehe aus den Erzählungen, dann war der Rassismus nicht gerade gering.
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

angel

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #19 am: 16. März 2006, 23:44:18 »
Zum Thema Fremdenfeindlichkeit in der DDR ist hier einiges dokumentiert:
http://www.n24.de/politik/inland/index.php/a2004090815190086019

Sie lebten zumeist in Baracken, die zum Werk gehörten und wurden von der Bevölkerung der DDR abgesondert und streng reglementiert.

Dies ist ein weiteres Zeichen dafür, dass es in den staatskapitalistischen Länder a la "Realsozialismus" weder einen wirklichen Internationalismus noch Kommunismus gab. Die Arbeiter waren und blieben Arbeitssklaven=Proletarier=Enteignete.

Offline Dorian

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #20 am: 17. März 2006, 18:18:58 »
In der Bevölkerung er DDR hielt sich das Gerücht, die "Vertragsarbeiter" aus Vietnam, Angola, Mozambique etc. würden privilegiert behandelt. In der Realität lebten sie oft unter ziemlich unwürdigen Bedingungen.

Im Übrigen zeigt es auch, dass es meist nicht funktioniert, wenn ein bestimmtes Bewusstsein (z.B. Völkerfreundschaft, internationale Solidarität etc.) per Erlass von oben diktiert wird.

Offline Bastian

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #21 am: 17. März 2006, 20:33:53 »
Also kann man sagen:
Das beste Mittel gegen Nazis ist eine zünftige Dosis Ausländer.

Offline whoknows

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #22 am: 17. März 2006, 23:56:33 »
Ja. Schau, in Israel gibt's so viele Juden, und fast keine Nazis. :P

angel

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #23 am: 18. März 2006, 10:48:30 »
Nationalsozialismus ist eine spezifisch "deutsche" Form des Faschismus (siehe dazu auch die Analysen von G.L. Mosse: "Die Entstehung des Rassismus in Europa" und von Moishe Postone "Nationalsozialismus und Antisemitismus" http://www.krisis.org/m-postone_nationalsozialismus-und-antisemitismus.html).

Während in Westdeutschland (BRD) die Aufarbeitung des Nationalsozialismus mit durch die "Kritische Theorie" beeinflusst wurde, war eben diese in der DDR verpönt und Bücher von Adorno/Horkheimer/Marcuse etc. standen auf dem Index, d.h. sie waren nicht zugänglich.
Der NS wurde innerhalb der DDR-Ideologie weiterhin unter die Dimitroffsche Faschismus"theorie" subsummiert, welche davon spricht, dass der Faschismus durch das Finanzkapital verkörpert wird bzw. dieses die braunen Horden finanzierte und an die Macht brachte. Berücksichtigt wurde noch nicht einmal die sehr detaillierte Analyse von Alfred Sohn-Rethel "Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus", der die Wegbereitung des NS im Mitteleuropäischen Wirtschaftstag sehr genau beobachtet hatte.
Kaum aufgearbeitet wurden auch der "linke" Antisemitismus in der KPD (um z.B. Fischer-Maslow) sowie das Scheitern der Oktoberrevolution und der sog. "Stalinismus".

Doch nun zu einem Autor, den ich sehr schätze und der mEn eine brilliante Charakterologie von NS und deutschem Stalinismus zeichnete:
Thomas Brasch hat in der Figur des "Rotter" die psychologische Grundlage und Gemeinsamkeit beider Systeme - in denen der Begriff "Volk" eben diese Gemeinsamkeit und Fortsetzung der alten Pogromhorde bezeichnet - dargestellt.
http://www.berliner-schauspielschule.de/rotter.htm

Dieses Stück müsste in allen Schauspielhäusern dieses Landes aufgeführt werden, hält es doch diesem Deutschland seinen historischen Spiegel vor.

Wie wir anhand der jüngsten Vergangenheit sehen: Es "rottert" wieder "ungemein", besonders wenn die Rotter (sich) zusammen rotten.  

Offline Bastian

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Re: Halberstadt, Auslöser einer Diskussion
« Antwort #24 am: 18. März 2006, 16:54:03 »
Nun ist auch der Justizminister von Sachsen Anhalt, Curt Becker (CDU), der Meinung, dass es richtig gewesen sei, das Anti- Nazi- Konzert nicht zuzulassen, mit der Begründung, dass man dann auch Pro- Nazi- Konzerte in Schulen zulassen müsse... Grad so, als gäbe es keinen Unterschied mehr zwischen strafrechtlich relevanten, verfassungswidrigen Parolen und verfassungsgemäßer, politisch engagierter Musik.

Das ist doch die völlige Abwesenheit eines Rechtsverständnisses. Wer einen solchen Minister der Justiz hat, braucht genaugenommen gar keine Nazis.

« Letzte Änderung: 18. März 2006, 17:00:18 von Bastian »

 

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