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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Der Kopftuchstreit  (Gelesen 2199 mal)

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Offline whoknows

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Der Kopftuchstreit
« am: 02. November 2006, 14:21:26 »
Freispruch in Kopftuchstreit um 92-jährige türkische Forscherin
Archäologin sieht Herkunft des Kopftuches in sumerischen Sexualriten
Istanbul - Mit einem Freispruch für die 92-jährige Angeklagte ist in der Türkei ein Kopftuch-Prozess ausgegangen. Nach nur einer halben Stunde Anhörung schloss ein Richter in Istanbul die Akte Muazzez Ilmiye Cig am Mittwoch. Die betagte Wissenschaftlerin wurde von einer applaudierenden Menge im Gerichtssaal und vor dem Gerichtsgebäude beglückwünscht.

Die 92-jährige Wissenschafterin hatte mit einer Studie islamische Kreise verärgert, in der das Tragen des Kopftuches auf vor-islamische Sexualriten zurückgeführt wird, heißt es in der Meldung.

Muazzez Ilmiye Cig Forschungsgebiet sind die Sumerer, die erste bekannte urbane Zivilisiation aus dem vierten Jahrtausend vor Christus. In einem 2005 publizierten Buch behauptete Cig, dass das Kopftuch ursprünglich von sumerischen Priesterinnen getragen wurde, die junge Menschen in sexuelle Praktiken einführten, ohne sich selbst zu prostituieren.
Die Kopftuch-Diskussion wird in der Türkei äußerst polarisiert geführt. Ein Anwalt aus Izmir fühlte sich durch die von Cig publizierten Ansichten angegriffen und reichte gegen die Forscherin und ihren Verleger Klage wegen "Anstachelung von Hass basierend auf religiösen Differenzen" an. Sollten die beiden verurteilt werden droht ihnen bis zu drei Jahre Haft.

Abgesehen von ihrer herausragenden akademischen Karriere gilt Cig als eine überzeugte Verteidigerin des türkischen säkularen politischen Systems. Vor kurzem schrieb sie einen Brief an die Frau von Ministerpräsident Erdogan, Emine, in dem sie sie aufforderte, ihren Schleier abzunehmen, um ein Vorbild für junge Frauen zu sein.

"Zu Hause kann sie tragen, was sie will, aber als die Frau des Premierministers kann sie kein Kreuz oder ein Kopftuch tragen", meinte Cig am Montag in der türkischen Tageszeitung "Vatan". Das islamische Kopftuch wird von säkularen TürkInnen als ein Symbol des politischen Islams verstanden und ist per Gesetz in öffentlichen Gebäuden und in Universitäten verboten.
Das Kopftuch gilt seit Jahren als Reizthema in der türkischen Gesellschaft, besonders seit Erdogans islamisch-orientierte Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) im Jahr 2002 die Wahlen gewonnen hat. Damals erklärte die Partei die Lockerung des Kopftuch-Verbotes als eines der obersten politischen Ziele. Bis heute wurde es nicht erreicht.

Quelle: http://www.derstandard.at

Offline Dagmar

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #1 am: 02. November 2006, 22:48:22 »
Ach das freut mich, dass das so ausgegangen ist. Ich hatte von Frau Cig gelesen in Sachen türkischer Ministerpräsidentengattin. Ich hoffe, dass ihre Forschungsergebnisse zum Kopftuch nicht nur im "Westen" publiziert werden.
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

Offline whoknows

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #2 am: 02. November 2006, 23:28:24 »
Ich auch, ich denke, es ist noch ein langer Weg, aber jedes Steinchen ist ein Stück voran.
Europa hat ja auch ein paar Jahrhunderte gebraucht, bis die Aufklärung so halbwegs gegriffen hat, und die Frauenrechte sind hier ja auch immer noch ein Thema - und wir haben viiiiiiiiiel früher angefangen. Also Geduld und Spucke.

Offline Werner

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #3 am: 03. November 2006, 01:42:27 »
Kleine Wissenslücke meinerseits: Mit aktuellen Bezügen ist mir zurückblickend aufgefallen, das auch in Deutschland Kopftücher von Frauen getragen werden. Und zwar je mehr aus ländlichen Gebieten stammend, bzw. je älter desto häufiger. Wisst ihr etwas darüber? Ist das Männergesellschaftlich oder religiös oder garnichtmehr begründet? Kein Scherz, ich konnte diese Dinger auch an unerträglich heissen Tagen beobachten - da waren sie garantiert sinnlos (Udo Lindenbergs Hut hätte ich mir da ja gerade noch als "männlich" erklären können) ;)

Offline whoknows

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #4 am: 03. November 2006, 10:48:39 »
Woher, meinst Du, kommt der Ausdruck "Unter die Haube bringen" für heiraten? Früher gab es in der Tracht Häubchen für verheiratete Frauen, weil es als anstössig galt, sein Haar zu zeigen, wenn man schon einen Mann hat. Das war in fast allen Gemeinschaften so - ausgenommen matriarchale, und manche Afrikanische, soweit ich weiss. Es gab fast überall gewisse "Frauen-zurück-pfeif"-Traditionen.
Auch in der jüdischen Religion ist das verankert, die verheirateten Frauen sollen "ihr Haupthaar scheren" - bei den religiösen Juden ist das Tuch bzw die Haube aber inzwischen einer Perücke gewichen. (Nur bedingt besser) Das ist einfach ein grundsätzliches Zeichen dafür, dass Männer nicht nur Angst vor der Frau (bzw ihrer Sexualität und Sensibilität) haben, sondern vor allem auch vor den anderen Männern.

Der  Pappa warnt ja bis heute nicht vor der freizügigen Freundin, die anstecken könnte, sondern vor dem "bösen Onkel"
« Letzte Änderung: 03. November 2006, 10:49:03 von whoknows »

Offline Werner

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #5 am: 03. November 2006, 13:39:43 »
Zu den bösen Onkels gehöre ich selbst ;) Das die Zustände in Teheran, als einigen Frauen von religiös motivierten Psychophaten (gefällt mir besser als Fundis) das Kopftuch öffentlich mit Hammer und Nagel am Schädelknochen fixiert wurde keine Entsprechung im Koran finden konnte, war von vorneherein klar. Seltsam nur, wie vehement viele Frauen dieses "Inventarschild" ihrer männlichen Besitzer verteidigen.
Quote (selected)
dass Männer nicht nur Angst vor der Frau (bzw ihrer Sexualität und Sensibilität) haben
Bist du sicher? Sexualität ist doch sehr breitgestreut und individuell und Sensibilität ist keinesfalls geschlechtsspezifisch. Im Gegenteil: Seit hier, auch mit Unterstützung des Gesetzgebers, die
Quote (selected)
"Frauen-zurück-pfeif"-Traditionen
immer mehr verschwinden, begegnen mir die massivsten Unverschämt- und Rücksichtslosigkeiten - sei es am Steuer, an der Kasse im Supermarkt, als Vorgesetzte, usw. - statistisch gehäuft in weiblicher Form. Das bedeutet keineswegs das ich mich nach religiös fundierten Verhältnissen sehne. Vielmehr scheint mir der Umgang miteinander noch zu sehr von Gewalt geprägt und die momentan existierenden Gesellschaften sind insgesamt sehr viel primitiver als eingestanden. Mann/Frau/Sekte/Partei ... ois oans, leider.

Offline whoknows

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #6 am: 13. November 2006, 23:12:35 »
Aber wenn Du mal nachzählst, wie viele Frauen es GIBT und wieviele davon in AuchnurhalbwegsFührungspositionen sind, scheint mir, dass Frauen ihre Ellbogen doch nciht wirklcih genug einsetzen. ;) (Ganz zu schweigen von den Besitz- und Gehalts-verhältnissen in dieser Welt)

Offline Werner

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #7 am: 14. November 2006, 01:21:39 »
Vielleicht liegts auch etwas an der ersten mir wichtigen Frau in absoluter Führungsposition - meiner Mutter, wer weiss :)..

Offline whoknows

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #8 am: 14. November 2006, 13:02:00 »
Wie schrieb schon Georg Kreisler: Es beginnt schon bei der Amme/ such die Frau, cherchez la femme.

Offline Werner

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #9 am: 10. Dezember 2006, 04:07:58 »
Quote (selected)
Die Ballade der Mütter

Ich frage mich, was ihr für Mütter hattet.
Sähen sie euch jetzt bei der Arbeit
in einer ihnen unbekannten Welt
in einem nie beendeten Kreislauf
von ihren Erfahrungen so entfernt,
welcher Ausdruck stünde in ihren Augen?
Wenn sie dabei wären,
während ihr euer konformistisches
und barockes Stück schreibt
oder es kaputten Redakteuren übergebt
zu jedem Kompromiss bereit.
Begriffen sie wer ihr seid?

Feige Mütter, die antike Angst im Gesicht,
die es wie eine Krankheit weiß färbt
seine Züge maskiert, vom Herzen trennt,
sie einschließt im alten moralischen Müll.
Hinterhältige bedauernswerte Mütter,
die ihr euch sorgt, damit eure Kinder
die Feigheit kennen lernen,
um einen Arbeitsplatz zu erhalten,
um arbeiten zu können,
um nicht privilegierte Seelen zu verletzen,
um sich vor jeglichem Mitleid zu schützen.

Mittelmäßige Mütter, die in Unterwürfigkeit
als Mädchen von uns einen einzigen
nackten Gedanken gelernt haben,
mit Seelen, für die in der Welt
weder Schmerz noch Freude existiert.
Mittelmäßige Mütter, die für euch
nie ein Wort der Liebe kannten
außer der taubstummen Liebe einer Bestie.
Und in ihr haben sie euch erzogen.
Ohnmächtig gegenüber
den wirklichen Forderungen des Herzens.

Servile Mütter, seit Jahrhunderten gewohnt,
lieblos das Haupt zu senken, um ihrem Fötus
das antike schändliche Geheimnis mitzuteilen,
sich mit den Resten des Festes zu begnügen.
Servile Mütter, denen gelehrt wurde
dass der Sklave glücklich sein kann,
wenn er den hasst, der wie er gefesselt ist.
Wie er glücklich und sicher sein kann,
wenn er verrät und darüber nicht  spricht.

Grausame Mütter,
bereit, das wenige zu verteidigen,
das Bourgeois besitzen:
die Normalität und das Gehalt.
Ihr verteidigt es mit Wut an dem, der sich rächt,
der unter einer absurden Belagerung leidet.
Grausame Mütter, denen gesagt wurde:
Überlebt! Denkt nur an Euch!
Empfindet nie Mitleid oder Respekt!
Für niemanden - vergrabt in der Brust
die Gesinnung des Geiers!

Feig, mittelmäßig, sklavisch, grausam sind sie,
eure armen Mütter!
Sie schämen sich nicht,
euch in eurem stolzen Hass
nichts anderes mitzuteilen,
als ein Tal voller Tränen.
Doch euch gehört diese Welt:
werdet Geschwister
mit euren verschiedenen Leidenschaften
und den verfeindeten Vaterländern.
Werdet es aus der tiefen Ablehnung
etwas besseres zu sein:
um auf den ungezügelten Schmerz,
ein Mensch zu sein,
zu antworten.

Pier Paolo Pasolini


Was hällst du von ihm?

(Tradutore traditore passt hier nicht richtig, allein die Kraft des Ausdruckes leidet ein wenig an der Übersetzung)

Offline whoknows

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #10 am: 10. Dezember 2006, 18:26:23 »
Vermutlich die Übersetzung, aber auch, dass es nciht "brennend"vorgetragen ist: mir ist es erst mal: zu lang.

Offline Werner

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Re: Der Kopftuchstreit
« Antwort #11 am: 10. Dezember 2006, 19:01:25 »
...ok.

 

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