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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")



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Zusammenfassung

Autor: Dorian
« am: 26. Oktober 2005, 15:07:46 »

in der Tat - es war grenzwertig. "Stilblüte" finde ich noch arg beschönigt.  
Autor: whoknows
« am: 26. Oktober 2005, 14:14:53 »

urgh. Da hast Du Dir wahrlich was angetan, das rauszuschreiben. Ich finde, es liest sich ähnlich fad, wie es sich anhört...
Autor: Dorian
« am: 26. Oktober 2005, 13:20:42 »

Lied von Wien

LP: ? (ca. 1957)

Musik/Text: Gerhard Bronner und Peter Wehle
 
Lied von Wien

Wien, die Stadt im Zwielicht zweier Welten
die so tut als wüsst' sie nichts davon,
dieses Wunder Wien.
Lange schon ist sie vorhanden,
totgeglaubt und wimmer wieder auferstanden,
lebt sie dahin zwischen Glück und Depression.

Wien, die Stadt im Schnittpunkt zweier Welten
kam bis heut' noch ohne Schnitt davon,
dieses Wunder Wien.
Oft schon wollt' man sie betrauern,
doch die grauen Mauern dieser Stadt,
sie überdauern sogar die Tradition.

Und das will was bedeuten, denn hier begann die Tradition,
denn hier begann die Tradition,
vor vielen vielen Jahren,
vor vielen vielen Jahren schon.

Nach Illyrien und Panonien sandte Kaiser Marc Aurel
seine zahlreichen Legionen, sie eroberten es es schnell,
und der Hauptmann der Kohorte kehrte an der Donau ein,
sagte ein paar nette Worte, natürlich auf Latein:

Fondo urbem in hoc locum, nemo contra, omnes pro,  
Vindubonam ea voco, magnam gaude habeo.
Ibis semper bonum vinum, homo felix nascitur
ergo dico in latinum gaudeamus igitur.

Nun sind zweitausend Jahre über Wien hinweggerollt,
und die Wiener wurden friedlich und durch den Wein gemütlich,
und der Hauptmann sagt: Zum Jupiter, das hab' ich nicht gewollt.
Denn ich hab für die Legion hier einst ein Bollwerk aufgestellt
und heut lebt so wie zum Hohn hier, das als friedlich bekannteste
unmilitanteste Volk der ganzen Welt.

Dieses unmilitanteste Volk der Welt enstand nicht von heute auf morgen.
Awaren kamen, Magyaren kamen kamen,
Vandalen ohne Sandalen kamen, um hier sich Sandalen zu borgen
das machte der Stadt große Sorgen

und ein Mischmasch aus Völkern strömte herein,
wer weiss denn, was hier noch drin ist.
Sie sind weich das ist ihre Eigenart,
und weil sie so weich sind drum sind sie hart,
ein Volk das trotz allem im Blüh'n ist,
im Schmelztiegel der heute Wien ist

Die Berichte sind nur mager aus der Zeit weiß man nicht viel,
in dem alten Römerlager fanden Fischer ihr Asyl,
denn die Ufer waren eben und der Fischfang war nicht schwer.
Dieses Dorf hätt's nie gegeben, wenn kein Fluss gewesen wär.

Ein kleines Dorf lag an der Donau von dem noch niemand je gehört,
die Donau hat's mit ihren Wogen großgezogen und ernährt.
Schon damals war's die gleiche Donau, vom fernen Schwarzwald kam sie her,
und floß wie heut' in ihrer Breite bis ins weite Schwarze Meer.

Grau und und braun und trübe bahnt das Wasser sich den Weg durch manche Au,
aber wenn es dann Wien erreicht wird es blau, blau.
Die Stadt entstand durch diese Donau, die Donau brachte sie zum blühn,
dass ein kleine Volk ein bisschen glücklich werde auf der Erde von Wien.
Wien,
Wien.

Dann wird das Fischerdorf zur Residenz erhoben,
es war ein Babenberger Herzog der dies tat.
Von dieser Zeit an ging es ziemlich steil nach oben,
1221 wurde Wien zur Stadt.

und dann begann man hier den Stephansdom zu bauen,
zur selben Zeit entstand die Universität.
Habsburger kamen aus fernen Schweizer Gauen
und eine neue Großmacht, Österreich entsteht

Um 1500 war Wien die Hauptstadt eines Reiches
in dem die Sonne nie unterging.

Aber sie ging unter.

1918 nach dem ersten großen Morden
da sahen die Wiener als der Rauch entschwand:
Zum Selbstzweck ist die Heimatstadt geworden
und viel zu groß für dieses kleine Land.
Bedeutungslos die Burgen und Paläste,
zu anspruchsvoll die große Tradition.
und dann erschien und fraß die letzten Reste
die Pest unseres Jahrhunderts: Inflation.
Und doch, und doch, und doch:

Es wurde Frühling, Wiener Frühling
und Kastanienkerzen strahlten in der Hauptallee.
Es wurde Frühling, und der Frühling
ließ das Pathos ??? neu erstehn so als wäre nichts geschen.
Man durfte froh sein, denn es war ja wieder Mai.
Man durfte froh sein, denn die Welt war neu.
und der Wiener ging hinaus nach Sievering,
er sah den Sonnenschein und sagt: a Wein wird's sein.
Ja es war Frühling, Wiener Frühling,
und die Stadt lebt leicht dahin wie es Brauch in Wien

bis zwei Jahrzehnte wieder Nacht war
und als die Stadt aus dieser Nacht erwacht war,
da war sie zur Hauptstadt der Ostmark geworden
und dann kam das zweite große Morden.

Konnten die alten Mauern auch das noch überdauern?

Viele konnten es nicht, aber...

Es wurde Frühling, Wiener Frühling
und das Opernhaus erlebt ihn als Ruine nur.
Es wurde Frühling, Wiener Frühling
und man spürte ihn sogar, wenn man noch so hungrig war.

Und vorm Kaffeehaus sah man kleine ??? stehn  
denn ins Kaffeehaus wollt' man doch noch gehen.
und die kleine Schar die noch am Leben war,
sagt, diesmal ohne Wein: Wird was aus wird sein?  

Ja, es war Frühling, Wiener Frühling,
und man tauscht' ein Sträußerl Flieder für zwei Chesterfield.
Anstatt der Reichsmark kam der Schilling
und aus Trümmern blühte wieder Wiener Frühling.

Aber dann begann im Versteck Handel und Wandel
an jedem Straßeneck sprach einen irgendwer an:
Brauchen's irgendwas, Schweinefett, Tee und Kaffee
oder gar ein Kinderbett oder an russischen Pass?
Zigaretten, Camel, Philipp Morris, Lucky Strike,
Raritäten, ja wir holen was sie wollen,
alles gibt es jetzt in Österreich
sogleich
im Schleich,
im Schleich.

Und die ganze Stadt, sie bestellt, kauft und verkauft,
und fast jeder schwanmm im Geld, aber man wurde nicht satt
Nur der Dollar galt, Pfunde gab's und keine Schillinge,
man hat oft mit Schnaps oder mit Liebe bezahlt.

Achtung, Wachmann, einer pfeift und nichts ist mehr zu sehn.
Denn der Fachmann wusste alles zu umgehn
und wurde ohne Steuerabzug reich,
sogleich im Schleich, im Schleich,
im Schleich.

Dann kam auch die Jugend aus dem düsteren Versteck,
warf die alten Wimpeln und die Uniformen weg,
zog sich bunte Hemden an und tanzt auf dem Vulkan
Boogie-Woogie, Boogie-Woogie, Boogie-Woogie.

Aber auch im Boogie schwangen ein paar wienerische Terzen mit, dubidua.
Aber auch im Boogie sangen ein paar wienerische Herzen mit, dubidua.
und es wurde Sitte Jazz-Musik nach Wien zu importieren
doch so sehr man soch bemühte, irgendetwas wienerisches schien trotzdem zu dominieren.
Ja sogar im Boogie spürte man den Atem dieser Wiener Stadt,
alles tanzte Boogie, dadurch vergass man diesen Krieg,
die Stadt war wieder die Stadt der Lieder
und machte aus dem Boogie-Woogie Wiener Musik.

Ein Mischmasch von Völkern kam wieder herein
auf leisen und sehr lauten Sohlen
Tataren kamen, Bulgaren kamen,
Vandalen ohne Sandalen kamen
um hier sich Sandalen zu holen,
denn Wien hat man ihnen empfohlen.

Die große Stadt von zwei Millionen
war nur mehr vier Besatzungszonen,

und aus dem Viertel wo man Wodka trinkt hört man wie es klingt:

Kak nogat djewuscho karaschi
kak karascho sowjetischi
Spassiba Viena, spassiba Viena,
tschto dio mie ???

und aus dem Viertel wo man Whisky trinkt hört man wie es klingt:

I belong to Vienna, the old Vienna town,
what's the matter with Vienna, for it's going round and round?
I'm only a poor old working chap as anyone here can see,
but when I get a couple of drinks on the side
this here Vienna belongs to me, yes Vienna belongs to me.

und aus dem Viertel wo man Cognac trinkt, hört man wie es klingt:

J'ai deux amours, Paris et Vienne et j'en rêve nuit et jour.
Suis bien heureux au bord de la Seine mais j'aime encore mieux
mon autre amour, ma belle Vienne au bord du Danube bleue.

und aus dem Viertel wo man Rum und Coca Cola trinkt hört man wie es klingt:

Last night it came to my mind there's one of these days I'm due to shuffle up home again
But I won't stay home I have packed up my bag to hit the highway and roam again,
If necessary I'm gonna wear out my shoes,
that's my Vienna city blues, gotta come back here,
oh that's my Vienna city Blues.

Doch gab es schon nach kurzer Heit die ersten Differenzen
und diese Differenzen hatten schlimme Konsequenzen:
Jahrelang, jahrelang kontrollierten die Befreier und das kam die Wiener teuer.
Denn es gab immer noch in Österreich die Zonengrenzen,
und man versuchte es in vielen hundert Konferenzen,
jahrelang, jahrelang, diesen Zustand zu verbessern und Probleme zu verwässern.

Ach wie endlos dieser Streit war, man beschuldigt und beschimpft sich
bis es endlich doch soweit war, neunzehnhundertfünfundfünfzig:

Staatsvertrag, Staatsvertrag, Staatsvertrag!

Nach dem Staatsvertrag, nach dem Staatsvertrag,
stand die Stadt langsam auf und gewöhnte sich dran.
Nach dem Staatsvertrag, Nach dem Staatsvertrag,
und man kam endlich drauf das der Alltag begann.

Und man lernte souverän sein,
wenn man's nicht gewohnt ist kann's so schön sein.
Endlich wurde Wien wieder Reiseziel,
und es kamen die Fremden, jedoch in Zivil

Nach dem Statsvertrag, nach dem Staatsvertrag
kam ein Festtag den feierte mit dieser Stadt
fast das ganze Europa, die Burg und die Oper
sind wieder erbaut und verkünden: Dein Wien,  
Wien bleibt Wein

Wien wird modern,
Parkverbote, Einbahnstraßen, Kreuzungen die warten lassen.
Wien wird modern,
Autos die im Kreis verkehren, neue Häuser, Neonröhren.
Wien wird modern,
eilig die modernen Leute, nur noch ins Espresso heute,
und das Wiener Stammkaffeehaus stirbt schön langsam aus.

Espresso das heisst keine Zeit, Plastikstoffe, Sachlichkeit,
gleich bezahlen, Mund verbrennen, stehn und hastig schlürfen.
Espresso das heißt tiefgekühlt, schnell gelebt, nichts gefühlt,
Manager mit Herzinfarkt, niemals rasten dürfen.

Kaffeehaus das heißt Zeitung lesen, net viel denken, bisserl dösen
weit entfernt von jedem Krach spüht man g'miatlich Schach.

Espresso das heisst staubgesaugt, frisch verchromt und ausgelaugt,
weiß geschürzete Kellnerinnen suchen einen Gatten.
Esprsso das heißt Geld gerafft, Milchkaffee, Tomatensaft,
aus der Ecke dröhnen lautre Musikautomaten.

Kaffeehaus das heißt manchmal träumen und bewusst die Zeit versäumen,
auch der Ober drückt sich still wenn man zahlen will.

Wer das Wien von heut studiert' merkt das Wien sich treu ist,
hier bleibt alles weanerisch auch wenn's noch so neu ist.
Nehmt's den Mann der Taxi fåhrt, der fåhrt treu und wacker,
doch er fåhrt auf seine Art heute noch Fiaker.

Ist seine Jason erst angesprungen schneuzt er im Geiste mit der Zungen
und wånn er Gas gibt kann man spüren wie die Zylinder galoppieren.
So wie Anno dazumal fühlt er sich als König,
nur wenn man die Fahrt bezahlt ist der Schmackes heut wie damals viel zu wenig.

Doch wer sich sowas net leisten kann,
na der steigt eben ein in die Straßenbahn,
fåhrt dann mit ihr bis zur Endstation
nach Grinzing, dos is' Tradition.

Denn Grinzing von einst liegt beim Grinzing von heut
wiel sie beide vom Cobenzl stammen,
und dort wohnt schon immer die ganz alte Zeit
mit der neuen gemütlich beisammen.
Im Garten spühn Schrammeln wie's immer schon war
daneben kommt Jazzmusik aus einer Bar.

Kinder, wie schmeckt der Wein fein
das kann's eben nur in Grinzing geben
da liegt höchste Wahrheit drin
das ist Wein aus Wien (wiederholt)

Wir die Jungen nehmen keine Rücksicht auf die
Tradition von Grinzing.
Wir die Jungen sind zwar sind zwar auch wie diese
weil wir ??? die Musik dazu

Jetzt zwei Strophen alle durcheinander nach Art einer Fuge ...
(Seht, dieser Baum dort im Garten is zweihundert Jahr alt ...
(Kinder, schmeckt der Wein nicht ....)


Alles singt und klingt hier,            
das kann's eben nur in Grinzing geben,  
da liegt höchste Wahrheit drin          
das ist Wein aus Wien                    

Wir, die Jungen freuen uns genau so wie die Alten hier in Grinzing.
Wir, die Jungen lieben auch die Wiener Melodien,
denn sie werden ewig blüh'n.

Denn hier ist Frühling, immer Frühling,
auch wenn Sommer, Herbst und Winter durch die Lande ziehn.
Hier bleibt der Frühling immer Frühling,
diese ewig junge Stadt kennt nur den Frühling, Frühling.
Frühlingsnacht deckt die Stadt mit ihrem blauem Mantel zu.

Nun singt sie sich selber ihr Schlummerlied,
die Stadt in der so viel geschah und geschieht
und dann wird es still in der Frühlingsnacht
nur die Donau, die Mutter der Stadt, die wacht und wacht.

Am Anfang war hier nur die Donau, dieselbe Donau ist's noch heut,
und ihre stillen Wellen gleiten und bedeuten Ewigkeit

Der Strom im Zwielicht zweier Welten hat heute einen neuen Sinn,
er hilft zwei Welten zu verbinden, die sich finden hier in Wien

Wo die Donau fliesst ist sie ein Fluß wie jeder andere, trüb und grau.
doch die Wiener verzaubern sie in ihr Blau, Blau.

Das ist Wiens Dank an seine Donau, die Donau brachte Wien zum blühn,
doch ein kleines Volk ein bisschen glücklich werde
auf der Erde von Wien.