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Georg Kreisler => Georg Kreisler: Theaterstücke und Filme => Thema gestartet von: Alexander am 01. April 2005, 12:01:57

Titel: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 01. April 2005, 12:01:57
"Heute Abend: Lola Blau"

"Musical für eine Schauspielerin: Die Lebensgeschichte der imaginären Kabarettsängerin Lola Blau erzählt ein jüdisches Künstlerschicksal des 20. Jahrhunderts.
1938 muss Lola Blau aus Österreich in die Schweiz emigrieren, wo sie als Nachtclubsängerin auftritt. In Amerika macht sie Karriere als Showstar, begleitet von Einsamkeit, Alkohol und Tabletten. Als sie nach Österreich zurückkehrt, muss sie feststellen, dass sich die Menschen dort wenig verändert haben.
Georg Kreisler schrieb dieses Musical 1971 und es wurde schnell zu einem viel gespielten Erfolgsstück."
(Vorschautext Burgtheater Wien)

Uraufgeführt am 17.10.1971 im Kleinen Theater in der Josefstadt (Wien) in einer Inszenierung von Conny Hannes Meyer mit Topsy Küppers als "Lola Blau".

Ich habe mehrere CD´s mit Aufnahmen dieses Werks, zudem habe ich in den letzten Jahren einige Inszenierungen in Wien, München, Wuppertal und Augsburg gesehen (Berichte folgen in den nächsten Monaten). Und nachdem ich 1997 im Wiener Theater Pygmalion Dorina Pascu am Klavier bei diesem Werk als Einspringer begleiten durfte, war ich "auch schon mal drin".

Habe vorgestern eine Vorstellung in Wien gesehen, gestern eine in Augsburg. Unterschiedlicher kann man dieses Werk nicht auf die Bühne bringen. Für mich war es eine  faszinierende Vergleichsmöglichkeit.

30.3.2005, Kasino am Schwarzenbergplatz (Wien), Christiane von Poelnitz als "Lola Blau", Johannes Falkenstein am Klavier. Konzentration auf und Identifikation mit  "Lola". Intensiv-exzessiv. Totales Mitleben. Ohne Pause. Grandioses Zusammenspiel Lola-Pianist. (Der spielt übrigens alles auswendig.) Leichte Mikro-Verstärkung. Unbedingt empfehlenswert - nächste Vorstellung am 3.5.2005!

31.3.2005, Parktheater im Kurhaus Göggingen (Augsburg), Monika Herwig als "Lola Blau", Christian Auer am Klavier. Eine Theaterinszenierung (Gastspiel des Theater im Rathaus, Essen) von Manfred Zapatka mit viel Bühnenbildwechsel, ein Nebendarsteller mit drei Monologen (in Wien weggelassen), Zeitkolorit optisch und akustisch viel aufwendiger als in Wien - aber insgesamt distanzierter, weniger nah "am Publikum". Eine Pause. Abstimmung Lola-Pianist routinierter als in Wien. Ohne Mikro. Heute (1.4.2005) noch eine Aufführung in Augsburg. Dann Sa 02.04 19:30 Stadttheater (Amberg), So 03.04 19:30 Stadttheater (Amberg), Mi 06.04 20:00 Stadthalle (Landstuhl), Mo 11.04 20:00 Aula des Städt. Gymnasiums (Wetter), Fr 15.04 19:30 Kur- und Stadttheater (Bad Salzuflen).

Beide Produktionen verzichten auf das Lied "I hab a Mäderle". In Wien hörte man auch nicht "Frau Schmidt", in Augsburg nicht das "Wiener Wäschermädel" in der Glanznummer "Im Theater ist nichts los".

Genauere Berichte folgen demnächst!

Derzeit auch dort im Spielplan (Beispiele):
Landestheater Detmold (Kleine Bühne im Grabbe Haus) ab 6.4.2005 elf Vorstellungen bis 30.6.2005
Chamäleon - Erstes Linzer Variete Theater Wiederaufnahme: ab 23.4.2005 neun Vorstellungen bis 1.7.2005

Empfohlen sei auf jeden Fall die Do-CD mit Topsy Küppers (Preiser Records 90044). Wenn man die hört, kann man sich nicht vorstellen, dass jemals jemand anderer diese Rolle "rüberbringen" wird können. Aber es ist wohl wie bei Nestroy (von dem man sich angeblich zu Lebzeiten nicht vorstellen konnte, dass seine Darstellungskunst und damit verbunden seine Stücke weiter leben werden, weil sie so einmalig durch ihn geprägt waren) oder auch bei Qualtinger ("Der Herr Karl"). Irgendwann verselbständigt sich die Kunst.


Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 01. April 2005, 12:17:50
DIE GEBORENE ENTERTAINERIN

An Kuohn macht „Lola Blau“ zum Ereignis, Kirche in der City (Wuppertal), 1.10.2004

... Regisseur und Bühnengestalter Ralf Budde begnügt sich mit einfacher Ausstattung: ein angedeuteter Kleiderschrank, ein Paravent mit Spiegel, in beiden Ansichtskarten eingesteckt, ein Tisch, ein Stuhl. Der Aufgang zur Galerie im für diese Veranstaltung grandios geeigneten Kirchenraum wird zur Schiffsreling, drei Rettungsreifen am Geländer genügen zur Verdeutlichung. An Kuohn singt unverstärkt – und fesselt das Publikum, obwohl sie nicht auftrumpfen muss. Ihre souveräne Natürlichkeit von Darstellung und Gesang ist das Ereignis schlechthin. Sie tritt aus dem Publikum auf, mit dem Lied „Weder – noch“, und am Ende geht sie (die Melodie noch mal zur Klavierbegleitung summend) durch das Publikum wieder ab. Pianist Stefan Hüfner weiß die Klavierstimmen einfühlsam einzusetzen. Zitate von Hitler spricht An Kuohn zwischendurch in objektiviertem Tonfall, von Hüfner dunkel am Klavier begleitet – geniale Lösung für die Einflechtung der Zeitgeschichte. Man erspart sich einen zweiten Darsteller, An Kuohn spricht auch Dialogszenen alleine. Als Linzer Zimmerwirtin versucht sie den Tonfall der Aufnahme mit Küppers nachzuahmen. Natürlich bleibt An Kuohn eine „internationale“ Lola Blau, sie wird nicht zur Wienerin. Das stört aber keineswegs. Ihre gelegentlichen Annäherungsversuche an die österreichische Sprachmelodie wirken (für den Wiener im Publikum) herzlich und sympathisch. Gerne kokettiert sie mit Männern im Publikum, etwa im Lied „Die Wahrheit vertragen sie nicht“. Stefan Hüfner, der die nuancierte, in jedem Detail stimmige Darstellungsweise der Kollegin kongenial (stets mit hörbar großem Respekt vor Kreislers Original-Klaviersätzen!) zu unterstützen weiß, trägt An Kuohn durch die Ausdruckspalette der Chansons. So schlüpft sie in die Rollen ihrer Lieder, mit Kostümen, mit Empfindung, mit für jede Szene sinnvoller Positionierung. Weggelassen werden u.a. „I hab a Mäderle", das laut Stefan Hüfner den Ablauf etwas bremsende „Der Herr ist mir fremd“ und – etwas überraschend - die große langsame Schlussnummer „Zu leise für mich“. Dafür lassen sie mit Kreislers Bearbeitung der Mozart´schen „Sonata facile“, betitelt „Wo sind die Zeiten hin“, ein sonst kaum berücksichtigtes Kleinod im Programm. Allein diese Nummer zeigt die unglaubliche Souveränität von An Kuohn. Sie wirkt in keiner Phase angestrengt oder bemüht, niemals aber auch überheblich oder schlampig. Diese genau getroffene Mitte macht´s aus: Der Zauber, die Magie einer lebendigen Rollengestaltung, die unter die Haut zu gehen vermag.

Nächste Vorstellung: 17.4.2005, Kirche in der City (Wuppertal)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Maexl am 01. April 2005, 12:48:37
klasse, du machst mir richtig appetit auf all die vorstellungen...

ahja, habe ich schon erwähnt, dass die schauspielgruppe im maxim gorki (berlin) eine tolle vorstellung gegeben hat... hab von ihnen das hauptmann-stk. gesehen. das wurde vom hauptdarsteller genial performiert ^^
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 01. April 2005, 14:06:13
Hier gibt es Videosequenzen einer Aufführung aus Detmold:

http://www.landestheater-detmold.de/programm/main.cfm?highlight=832
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 01. April 2005, 15:57:10
Gefällt mir gut, sieht aus, wie eine ganz klassische Aufführung ohne grosse Mätzchen. sowas find ich ja immer dann am Besten, wenn das Stück und der Text tragen.
Lustig ist, dass praktisch jeder das "Zu leise für mich" am Schminktisch abschminkend inszeniert - irgendwie naheliegend...
Und nette Zitate für Rosel finden sich auch auf der Seite.
Zum Beispiel:
Quote (selected)
Jeder Mensch muss vor allem versuchen, die Hindernisse, die die Sonne verstellen, für sich und seine Mitmenschen aus dem Weg zu räumen.
Georg Kreisler


Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Andrea am 01. April 2005, 21:55:50
Oja. Da hat er recht.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Nase am 03. April 2005, 01:57:07
Lustig ist, dass praktisch jeder das "Zu leise für mich" am Schminktisch abschminkend inszeniert

noja, so stehts im Text.. :) Aber so wie man Kreisler nicht totsingen kann, kann man ihn glaub ich auch nicht totinszenieren.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 03. April 2005, 12:48:42
Hehe, ja, so steht's im Text. Aber wann hat einen Regisseur schon interessiert, was im Text steht ?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Nase am 03. April 2005, 22:44:36
 :D :D
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 14. Mai 2005, 18:39:22
LOLA BLAU: ZWEI VARIANTEN

„Heute Abend: Lola Blau!“ von Georg Kreisler, am 30.3.2005 erlebt im Kasino Schwarzenbergplatz (Wien) - und am 31.3.2005 im Parktheater Göggingen (Augsburg)

Das sind wohl die Extrempole des Herangehens an den Stoff: In Wien die Reduktion auf Hauptdarstellerin und Pianist im nahezu leeren Raum, in Augsburg eine Theaterinszenierung mit Bühnenbild, Pianist und Nebendarstellern. Beide Varianten haben ihren Reiz. Der Inhalt bleibt gleich: Die politisch naive jüdische Künstlerin Lola Blau emigriert zu Kriegsbeginn über Linz und Basel in die USA, macht dort Karriere als Sängerin, verfällt aber dem Alkohol und Tabletten und kehrt schließlich nach Wien zurück, wo sie als Chansonette resigniert altert. Eine Traumrolle für Frauen, und so manche hat sich seit der durch Topsy Küppers geprägten Uraufführung 1971 in Wien der Herausforderung gestellt. Georg Kreislers wunderbar vielfältige Chansons verlangen der Darstellerin breite stilistische Vielfalt ab. Den zeithistorischen Hintergrund bietet man meist vom Band, mit Radioausschnitten, mit Geräuschkulissen. Es gibt aber auch Inszenierungen, die Lola selbst diese Zusammenhänge in den Mund legen.
Die Wiener Aufführung erhält schon durch das Ambiente eigenes Flair. Man erreicht den noblen Saal über breite Stiegenaufgänge mit rotem Teppich, ein Haus der Feste und Bälle, die Wiener Gründerzeit schwingt mit. Nichts vom Originaleindruck dieses Saals wird kaschiert. Die hohen Fenster zum Schwarzenbergplatz und die feinen Tapeten sind der Bühnenhintergrund. Nur Klavier, Couch, Kleiderständer und wenige weitere Requisiten werden benötigt. Sinnvoll integriert sich ein stillgelegter Wasserhahn ins Geschehen. Das Burgtheater bietet Ensemblemitglied Christiane von Poelnitz die Möglichkeit, ihre mit Regisseur Torsten Fischer 1999 im Schauspiel Köln erarbeitete „Lola Blau“ zu präsentieren. Reduktion auf sie, in einem durch gespielt, fast zwei Stunden lang: Christiane von Poelnitz geht bis ins kleinste Detail nuanciert bis an alle Grenzen – eine exzessive Rollengestaltung! Bei „Sie war liab“ zeigt sie eine Verbrennung im Kleinen zum Wort „stirb“. In dieser Sekunde  wird allen eiskalt im Saal. Zu „Die Wahrheit vertragen sie nicht“ steht das Klavier in der Bühnenmitte. Als sie sich am Schiff nach Amerika umzieht, baut sie das zu einer eigenen, habnackten Nummer aus. Der zeithistorische Hintergrund wird nur dezent aus dem Off eingestreut. Der Abend gehört Christiane von Poelnitz und ihrem Pianisten Johannes Falkenstein, keiner Inszenierung rundum. Lola ist mit einer Krone am Kopf und mit Flügeln die Freiheitsstatue, sie malt auf ihr Negligee rote Brustpunkte und ein rotes Schamdreieck und kokettiert im Lauf der weiteren Aufführung damit: „Sex is a Wonderful Habit“! Wie einige andere Darstellerinnen lässt Christiane von Poelnitz „Ich hab a Mädele“ aus. Grandios hingegen wie sie immer spielt, „noch nicht ganz so weit zu sein“, wie die Souveränität des Ungeschickt-Spielens aufgefangen wird in einer scheinbaren Natürlich- und Herzlichkeit. Im amerikanischen Jubel, im nicht enden wollenden Applaus hängt sie sich immer teurere und schwerere Mäntel um und verfällt zusehends. Man bewundert die Schauspielerin, wie sie mit all den Mänteln der Alkoholsucht darstellerisch auch noch alles abgewinnen kann. Sensationell ist Pianist Falkenstein mit dabei. Die beiden spielen die Aufführung bis in winzigste Nuancen genau einstudiert und doch niemals kalt. Falkenstein spielt das ganze Werk, alle Lieder auswendig, so kann er sich auf die Darstellerin total konzentrieren, mit ihr mitgehen, mitfühlen, mitleben. Er ist wunderbar dezent und gleichzeitig ungeheuer präsent. Die zwei sind eins bei „Lola Blau“. Gesanglich lotet Christiane von Poelnitz die Facetten der Chansons großartig aus, sie singt leicht verstärkt. Seltsamerweise fehlt auch die „Frau Schmidt“ auf der Rückfahrt nach Europa. Diese Nummer wird sonst eigentlich schon gemacht. Fast immer geht es im Sinne der Geschlossenheit nach den Liedern gleich weiter, kein Atemholen zum Applaus ist eingeplant. Als das Lied „Zu leise für mich“ ausklingt, gibt es keinen Hinweis, wo Leo verblieben ist. Das fehlt schon irgendwie. Insgesamt gesehen ist diese Wiener Aufführung aber eine famose Leistung von Christiane von Poelnitz und Johannes Falkenstein. Als Zugabe bringt Christiane für die Kostümbildnerin, die Geburtstag hat, lasziv mit dem Mikro spielend „Ein Traum geht zu Ende“ („Du wirst schon sehen, was du davon hast“).
Das Parktheater im Kurhaus Göggingen (Augsburg) atmet auch konservative Atmosphäre. Ein Konzert- und Theatersaal in Gold, der aber diesmal leider mehr halbleer als halbvoll bleibt. Der Regisseur sitzt im Publikum. Es ist der bekannte Schauspieler und Theatermacher Manfred Zapatka. Heinz Rühmann singt vom Band von „Li-Li-Li-Liebe“, und eine echte Theaterkulisse tut sich auf, zunächst die Pension Aida darstellend. Ein praktikables, aber im Vergleich zu vielen anderen Inszenierungen teures und aufwendiges Bühnenbild. Zapatkas Produktion ist das Gastspiel einer Produktion des Theaters im Rathaus aus Essen, die am 17.3.2003 dort Premiere hatte und jetzt durch Deutschland tourt. In den Zwischentexten orientiert sich Zapatka ziemlich genau an der Fassung, wie man sie von Topsy Küppers´ CD her kennt, auch mit den Geräuscheinblendungen zum zeithistorischen Hintergrund. Die Szenen zwischen den Liedern sind gegenüber Wien viel exponierter. Das ist eine richtige Theaterinszenierung. Der (routinierte) Pianist Christian Auer sitzt an der Seite in der ersten Loge. Man sieht eine Filmzuspielung: die Nazis marschieren auf. Diese „Lola Blau“ erlebt man nicht so unmittelbar wie in Wuppertal oder in Wien. Zapatka ist das Theater-Umfeld sehr wichtig. Die Dekorationen sind reizvoll gestaltet. Beim Auftritt in Basel wirkt der Pianist auf der Bühne mit. Zapatkas Lola Blau ist die damenhafte Monika Herwig, die als Typ durchgehend reifer, erwachsener, aber auch distanzierter wirkt als Christiane von Poelnitz in Wien. Sie singt unverstärkt und trägt doch mit ihrer Stimme – eine beachtliche Leistung! Auch sie spart das „Mädele“ aus – dieses Lied mit seinem jüdischen Idiom ist für viele wohl eine zu große Herausforderung. Bei „Sie ist ein herrliches Weib“ kokettiert Monika Herwig mit einer Frau in der ersten Reihe. Die Augsburger Aufführung macht in der Mitte eine Pause. Die Bühne der Szenen in Amerika zeigt Hochhäuser, Lola singt auf einem Lorbeerkranz-Podest. Das Lied „Ich hab dich zu vergessen vergessen“ nimmt man zu schnell, auch zu beiläufig. (Man hat halt doch die nach wie vor nicht besser denkbaren Versionen von Topsy Küppers im Ohr!) Als Nebendarsteller wirkt Burkhard Heim mit. Er hat drei Monologe, als Passagier, als Herr Schmidt und als Portier – leider geraten die langatmig. Sie bremsen hier den Fluss der Aufführung, statt diese zu vertiefen. Es ist übrigens noch eine weitere Nebenrolle dabei, als Garderobiere sehen wir Simone Königer. Grandios gerät die Glanznummer „Im Theater ist nichts los“. Aber da scheut sich Monika Herwig leider vor dem „Wiener Wäschermädel“. Für die die das komplette Werk kennen ist jedes Mal auffallend, wo die Grenzen der Darstellerinnen liegen. (Am „einfachsten“ wird die Lola Blau wohl von einer echten Wienerin oder zumindest Österreicherin bewältigbar sein.) Georg Kreisler hat ja dann auch Mozarts Sonata facile zu einer Nummer ausgebaut. In Wien fehlte diese Nummer, in Augsburg ist sie wieder zu hören – mit Monika Herwig als Sandlerin, mit Plastiksäcken auf einer Parkbank. Monika Herwig tendiert gesanglich etwas zur Soubrette. Die Aufführung schließt schön abgerundet, auch wenn „Tralala – so ist das Leben“ etwas zu schnell daher kommt. Wie am Vortag endet das Stück mit dem Ausklang von „Zu leise für mich“. Dann schließt sich der Vorhang, wie im „echten“ Theater. In Wien die exzessive Performance zweier extrovertiert alles gebender Leute, in Augsburg eine seriöse Theaterinszenierung – zwei völlig verschiedene Varianten „Lola Blau“.


Fortsetzung folgt - wahrscheinlich nach dem 8.6. (Münster) ...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 14. Mai 2005, 19:07:40
Das ist sehr spannend zu lesen - und so, wie ich mir das jetzt vorstelle, hätte ich die Wiener Aufführung gerne gesehen, die deutsche nicht.
Du irrst allerdings in zwei Dingen:
* Das Stück ist nicht für eine Wienerin geschrieben. Topsy ist keine, und kann bis heute auch nicht (damals noch viel schlechter!) wienerisch. (Ich habe allerdings immer auch etwas Bauchweh, wenn das Stück von einer  Nicht-Wienerin sehe - das liegt aber daran, dass das JÜDISCHE, was die Lola haben sollte, im wienerischen eher seine Entsprechung findet. Und von einer Jüdin habe ich es noch nie gesehen...)
und
* Die Mozart Sonate entstand viel früher, wurde für das Stück verwurstet - so wie die meisten Lieder in der Lola nur für das stück genommen - nicht extra dafür geschrieben wurden. Ausnahmen sind meines Wissens nur die "alten Tränen",  "Zu leise"und die erste Fassung "im theater ist WAS los" . Einige Zeilen wurden allerdings für das Stück umgeschrieben. so ist jedenfalls meine Erinnerung. (keine Gewähr)

Übrigens hatte Topsy damals auch eine "auf der Bühne umzieh-Nummer", da sang sie dazu die deutsche Version von "the Man I love" - es war ein ziemlicher Skandal, damals, sie hatte einen Hautfarbenen Body an, der nur Blümchen auf den drei neuralgischen Punkten hatte, es war die eine Amerika-shownummer, danach kam das "Heut will ich mich besaufen" von Tamar Radzyner.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 14. Mai 2005, 22:01:24
Quote (selected)
(Ich habe allerdings immer auch etwas Bauchweh, wenn das Stück von einer  Nicht-Wienerin sehe - das liegt aber daran, dass das JÜDISCHE, was die Lola haben sollte, im wienerischen eher seine Entsprechung findet. Und von einer Jüdin habe ich es noch nie gesehen...).


Genau das meinte ich mit dem Satz über das Wienerische. Und bei all den Versionen, die ich bis jetzt "gesammelt" habe, ist Topsy Küppers, von wo auch immer sie kommt, für mich "am nächsten an der Lola dran". Ist aber oft so, dass man sich irgendwann irgendwo "festhört" und dies dann als Maßstab nimmt. Geht mir auch bei den Mahler-Symphonien so, da habe ich immer die  Bernstein-Aufnahmen im Kopf.
Ich bin mir schon bewusst, dass "Lola Blau" kaum Original-Lieder aufzuweisen hat, sehe das aber nicht als Nachteil. Für mich ist es brillant zusammengestellt. Geht man die Musik- und Theatergeschichte durch, wird man auf viele "Meisterwerke" stoßen, die "von irgendwo hergeholt sind".
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 15. Mai 2005, 01:57:47
jaja, so meinte ich das auch garnicht, dass das ein nachteil sei.
Und stimmt, es ist schwierig, wenn man sich an einer Fassung eingehört hat,  andere Variationen leicht zu "kaufen" - ausser, sie sind SO anders, oder so fesselnd, dass man das original vergisst. Deswegen wundere ich mich ja zb, dass robbie Williams mit seinen sinatra songs so einen Erfolg hat...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Andrea am 15. Mai 2005, 13:20:44
Interessant, Vergleiche von Inszenierungen eines Stückes zu lesen, das ich 1. noch nicht kenne und wovon ich 2. das Bühnenbild während der Aufführung nicht mitkriegen würde. Auf jeden Fall möchte ich das Stück und/oder die CD mal hören. Wahrscheinlich fehlen auf der CD die im Stück gesprochenen Teile. Oder?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 15. Mai 2005, 13:46:15
Es gibt bereits mehrere CD-Aufnahmen von "Heute Abend: Lola Blau!" Die Aufnahme mit Topsy Küppers (Preiser Records) läßt sich wie ein Hörspiel hören. Es gibt aber auch Aufnahmen, wo nur die Lieder drauf sind.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Dagmar am 15. Mai 2005, 23:47:06
Ich habe eine sehr schöne Aufnahme der Lola Blau: Ewa Teilmanns ist die Lola und Wilhelm Rodenberg ist virtuos am Klavier. Die gesprochenen Texte sind alle auch darauf. Es ist eine komplette Version.

Ich habe immer davon geträumt, die Lola Blau einmal zu machen - und träume das eigentlich immer noch. Aber ich traue mir das (noch?) nicht zu. Ich traue mir das sprachlich vor allem nicht zu, da muss ich mal noch lange üben  :-/
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 10. Juni 2005, 13:31:36
DIE SOUVERÄNE

Ewa Teilmans als „Lola Blau“ im Wolfgang Borchert Theater (Münster/Westfalen), 8.6.2005

Ewa Teilmans spielt eine souveräne Lola Blau. Sie spielt die junge Naive zu Beginn des zweiten Weltkriegs genauso souverän wie die Chansonette für alle Reiseklassen auf der Überfahrt nach Amerika, den dem Alkohol zusprechenden Sexstar ebenso überzeugend wie die desillusionierte älter gewordene Kabarettistin in Wien. In ihrem sympathischen Kleintheater nutzt sie die leere Bühne mit den notwendigen, variablen Requisiten und wechselnden Kostümen (besonders originell das Amerika-Dirndl!) geschickt aus. Am linken Bühnenrand sitzt Pianist Martin Speight, gleichzeitig Requisiteur und Stichwortgeber, am schwarzen Pianino. Man sieht und hört die übliche, sinnvolle „Heute abend: Lola Blau“-Sparversion, beeindruckend inszenatorisch verfeinert mit Scharzweiß-Diaprojektionen zur Zeitgeschichte und zu Lolas Lebenslauf (vor allem Plakate), dazu das Radio und die Kriegsereignisse aus dem Off. Die drei Monologe kommen auch vom Band, die Herren Berger und Schmidt sehen wir dazu als Diaprojektionen. So souverän Ewa Teilmans durch die genialen Chansons von Georg Kreisler wandert, so gelingt ihr erst gegen Schluss, wenn die Lola das Alter erreicht, in dem die Darstellerin gerade selbst ist, sich von bewundernswert anzusehender Virtuosität und sichtbarer Routine einer seit einigen Jahren laufenden Produktion wie von selbst zu lösen und eins zu werden mit der Figur, die sie verkörpert. Das ist die Magie des Theaters: Man wird vom Außenstehenden, vom Zuschauer zum Mitlebenden, zum Mitwirkenden. Nicht mehr Ewa Teilmans singt „Wo sind die Zeiten dahin“ und „Zu leise für mich“, ausschließlich Lola Blau hören wir bei diesen Liedern. Alle allzu prägnant einstudierten Rubati in Abstimmung mit dem Pianisten, sehr publikumsfreundlich zur Textverdeutlichung ausgearbeitet, alle zuvor gekonnt kaschierten stimmlichen Höhenprobleme an diesem Abend (Ewa Teilmans hat eine sympathische, helle Stimme, ideal für die Lola Blau, sie singt unverstärkt) lenken nicht mehr ab. Was bleibt, ist die Hochachtung vor einer der wenigen „Lola“-Darstellerinnen, die alle Musiknummern (bis auf die Schweizerin bei „Im Theater ist nichts los“) bringt, auch die Jüdin und die Wienerin (vor denen viele zurückschrecken), der bleibende Eindruck einer souveränen Leistung und die Gewissheit, dass gute Akteure nicht nur in Rollen schlüpfen können, sondern sie manchmal wirklich „sind“. Bei Musicom ist eine CD dieser Produktion erschienen (von Dagmar schon angesprochen), mit Pianist Wilhelm Rodenberg, aufgenommen im August 2000 auf der Bühne der freien Waldorfschule Münster.


Fortsetzung folgt - wahrscheinlich nach dem 18.6. (Varietetheater Chamäleon, Linz) ...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 10. Juni 2005, 14:46:34
Klingt interessant. Was mich interessieren würde:
Quote (selected)
(besonders originell das Amerika-Dirndl!)


was war das originelle daran? Denn ein  Amerika-Dirndl hatte schon Topsy an . Halt sehr Klischee "Sound of music" so stellen sich die Amis ein Dirndl vor, Knielang und mit Petticoat und viel rosa und so.
Überhaupt klingt deine Erzählung (Posters, Dias, Stimmen vom Band) so, als hätte der Regisseur die Ur-Lola gesehen. Mir ist das ja die liebste, weil schlüssigste Variante.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Dagmar am 11. Juni 2005, 01:08:22
Das hast Du sehr nett geschrieben @Alexander. ich schätze Deine Texte hier im Forum und erlebe die Art, in der Du schreibst, wirklich als Bereicherung. Ich schätze auch sehr die CD von Ewa Teilmanns, das habe ich ja schon geschrieben. Ich bewundere im übrigen auch die großartigen Leistungen von der Teilmanns - nicht nur auf der Bühne.

Nur: Die Inszenierung, die Du beschreibst, erscheint mir sehr klassisch, wenig innovativ, "same procedure as every year", also für meinen Geschmack eher uninteressant. Ich finde es nebensächlich, ob eine Stimme Höhenprobleme hat, das verplätschert sich. Viel spannender ist, ob die Inszenierung einen eigenen neuen und kreativen Stil bekommen hat. Und das scheint mir nicht so - jedenfalls nach Deiner Beschreibung nicht.

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 11. Juni 2005, 08:40:04
Prinzipiell gebe ich Dir Recht - andererseits: gerade bei so zeitbezogenen Stücken wie der Lola weiss ich nciht wirklich, was man "neu interpretieren" sollte - da scheint mir, siehe oben, eine klassische auch die schlüssigste Interpetation. Aber vielleicht liegt das ja auch daran, dass ich es eben schon so lange kenne, und so oft gesehen habe, dass ich da unfelxibel bin.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 12. Juni 2005, 10:51:25
Vielen Dank Sandra und Dagmar für die konstruktiven Reaktionen auf meine "Hobby-Kritiken". Ich kenne die Originalproduktion mit Topsy Küppers optisch nicht (dank Sandra erfährt man hier aber so einiges), habe nur die Preiser-Do-CD davon. Damals hätte man halt eine Fernsehaufzeichnung machen sollen. (Vielleicht gibt´s die ja?)
Mein Anliegen hier ist es prinzipell, die Inszenierungen so zu beschreiben, dass man sich ein Bild davon machen kann, auch ohne sie gesehen zu haben. Natürlich fließt der persönliche Eindruck ein, er soll aber (für mich gilt das bei Kritiken immer) ausgehen vom Respekt vor dem Originalwerk (so es denn "Qualität hat" - alles Gummi, ich weiß) und nicht prinzipiell von der Befindlichkeit des Kritikers, die sich möglicherweise unfair auf das Beschriebene niederschlägt, "nur weil ihn die eigene Frau nicht drübergelassen hat".
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 12. Juni 2005, 12:19:01
Ich finde allerdings schon, dass eine eigene Meinung des Kritikers einfliessen sollte - ich lese gerne, wenn jemand von aussen einen Blick wirft, und zum Beispiel sagt: Nicht immer Tonsicher, oder "wirkt linkisch" oder eben "souverän" - ich finde, dazu sind Kritiken da. Daas ist mir manchmal ein bisschen zu objektiv, in Deinen Kritiken, es sind für mich eher Nacherzählungen. Ich finde, Du bist da schon zu vorsichtig. Und gerade Du könntest Dir das nämlich gut leisten, denn: Es sollte ein Kritiker sein, der wenigstens ein bisschen von der Sache versteht, und man sollte "durch seine Augen" sehen - und sich dessen bewusst bleiben können. So empffinde ich das wenigstens
Ich mag es allerdings sehr, wenn wirklich das Stück oder Auftritt beschrieben sind, und es fachlich besprochen wird. Und mag an dir Deine Genauigkeit, man kann sich wirklich was drunter vorstellen, wenn Du beschreibst - ich hatte kürzlich (in Bonn) eine Absolute Lobeshymne in einer Zeitung, aber der Verfasser hat sich die Hälfte des Artikels darüber ausgelassen, was ich anhatte. Durchaus positiv, aber da hätte bitteschön doch ein Satz genügt, wenn ihm das auffiel - durch diese Äusserlichkeit fand ich die ganze Kritik nicht mehr ernstzunehmend - er lobt meine Kleidung, und meine Figur und zitiert dann aber die Stücke falsch - da ist mir das ganze Lob wurscht. Ja, er hat auch über die Interpretation geschrieben, aber eben: die Hälfte waren Äusserlichkeiten - das ist mir einfach zuviel - es sei denn (und diesen Eindruck machte er aber nicht) wenn die Äusserlichkeiten tatsächlich bei der rezeption im Vordergrund standen - wenn man also bei einer Aufführung das Gefühl hat, die Kostüme und Bühnenbild spielen die Hauptrolle - dann wäre das verständlich.
Und das gefällt mir , wenn ich Deine kritiken lese: Du bist sehr ausgewogen, gibst ein Bild von dem Abend und sagst dann, was passiert ist. Allerdings würde ich mir schon öfter auch mehr persönliche Gedanken von Dir wünschen - Du schreibst praktisch nciht, ob und warum es Dir gefällt oder Du es schlecht findest. Und das möchte ich persönlich schon auch lesen, bei einer Kritik.
Zum Beispiel: Ich hatte einen Abend, letztes Jahr im Unterhaus, und da war ich nciht gut. Das Publikum mochte es - die mögen es immer - aber mein Pianist und ich wussten: Wir waren schon besser. Wir haben "gepumpt" wie meine Mutter das nennt - also es war kein Fluss, wir haben "gemacht", "erzeugt" und das ist dann nciht echt, und das spürt man eben. Und die Kritik war auch mau - die schrieben eben, dass die emotionen manchmal nicht glaubhaft waren, und manchmal an der Grenze zum Kitsch. Und sie hatten Recht damit (ich weiss die Worte nicht mehr ganz genau). Natürlich war es nicht schön für mich zu lesen, und sie sagten auch Dinge (oder empfanden den Grund für meine Ausstrahlung anders/falsch) die ich so nicht gesagt hätte, und klar, man freut sich nciht über schlechte Kritiken - ABER: Die Kritik handelte vom fachlichen. Und daher habe ich sie schätzen können - viel mehr als die Hymne in Bonn.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 13. Juni 2005, 13:45:52
O.K., ab Linz (nächste Woche) wird´s weniger "rücksichtsvoll".
Ich möchte nur wirklich aufpassen, persönliche Befindlichkeit und Vorurteile hintanzustellen (ich lese auch aus beruflichen Gründen seit Jahren unzählige Kritiken und "kann ein Lied davon singen", wenn schon kein eigenes, so zumindest "Der Musikkritiker" von Georg Kreisler ...).
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 13. Juni 2005, 14:13:08
Stimmt, es ist ein schmaler Grad zwischen Urteil und Vorurteil.
Oder Aburteil....
Aber gerade weil Du so vorsichtig bist, denke ich, kannst du dir das schon leisten.
Ausserdem, wenn Du es klar machst, wo Dein Urteil beginnt, und die Nacherzählung endet... :-*
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 19. Juni 2005, 18:18:10
Fuhr gestern von München nach Linz, um "Heute abend: Lola Blau" mit Ursula Ruhs im Chamäleon Theater zu besuchen. Wegen des schönen Wetters und wegen der wenigen Voranmeldungen wurde die Vorstellung abgesagt. Ich wäre der einzige Zuschauer gewesen. Karte für 30.6. gekauft, Bericht folgt danach.
Wer die nötigen CDs zu Hause hat, kriegt auch so seine "Lola Blau". Habe mich um Mitternacht für das Original entschieden. Hier die persönliche Hörerfahrung:


DAS UNERREICHTE ORIGINAL

Zum Hörspiel „Heute abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler mit Topsy Küppers

„Heute abend: Lola Blau“, Text und Musik von Georg Kreisler, wurde in einer Inszenierung von Conny Hannes Meyer im Kleinen Theater in der Josefstadt am 17.10.1971 uraufgeführt. Die junge, politisch naive jüdische Schauspielerin und Sängerin Lola Blau muss mit Kriegsbeginn von Wien aus über Linz und Basel in die USA emigrieren und kehrt nach einer Karriere als Show- und Sexstar incl. alkoholbedingten Abstürzen kabarettistisch resignierend nach Wien zurück. Bei Preiser Records erschien die Plattenproduktion dazu, 1990 auch als Do-CD (90044) aufgelegt. Dies ist das Dokument eines großartigen Werks, welches an einem persönlichen Schicksal die Zeit von 1938 bis nach dem Krieg in Form eines Hörspiels mit Chansons einfängt. Den zeitgeschichtlichen Hintergrund besorgen Radioeinblendungen und Tagesschlager. Die meisten Chansons vertiefen Lolas Gefühlswelt, ein paar sind gekonnte, intelligente Shownummern. Die persönliche Tragik der Beziehung zwischen dem genialen Autor Georg Kreisler und der grandiosen Interpretin der Lola Blau, seiner damaligen Noch-Ehefrau Topsy Küppers, in einem langjährigen Rechtsstreit dokumentiert, soll hier nicht im Mittelpunkt stehen. Hört man die Aufnahme, ist man gebannt und erschüttert – die Tragik der Emigranten des 20. Jahrhunderts wie die geradezu beängstigend gut ausgefeilte Interpretation durch Topsy Küppers nehmen total gefangen. Die hörspielartigen Überleitungen zwischen den Chansons leben vom Lokalkolorit der Umgebungen (Wien, Schweiz, USA). Zwar sind die beiden Pianisten Heinz Hruza und Georg Kreisler bei den Credits genannt, man verschweigt aber die Sprecherinnen und Sprecher der markanten kleinen Nebenrollen. Die Zimmerwirtin zu Beginn spricht breiten Wiener Dialekt, Lola meldet sich am Telefon – ganz die junge, naive, hoffnungsvolle Künstlerin – mit bewusst erotischem Tonfall, um nach dem Erkennen des anderen Gesprächsteilnehmers in einen natürlichen Sprachduktus zu wechseln. Vom ersten Lied an erweist sich Topsy Küppers als kongeniale Chanson-Interpretin zwischen Sprechgesang und für ihre Zwecke fulminant wechselnden Gesangsnuancen. Sie gewinnt jedem Lied den nötigen Charakter ab, und das ist in den etwa 100 Minuten Spieldauer des Werks eine wahrlich großartige Leistung. Die Psychologie der Lieder ist nuanciert ausgearbeitet. Man hört, wenn man genau aufpasst, dass sie keine Wienerin ist. Doch Topsy Küppers „spielt“ die Wienerin genauso intensiv und vielseitig wie alle anderen Rollen, in die Lola zu schlüpfen hat. Ihre Stimme steht bei der Aufnahme schön im Vordergrund. Man versteht jede winzigste Nuance. „Sympathie“ oder „Weder noch“ sind so verinnerlicht, wie „Die Wahrheit vertragen sie nicht“ oder „Sie ist ein herrliches Weib“ den nötigen „Drive“ haben. Am Schiff nach Amerika spricht der jüdische Passagier Herr Berger die Lola an. Man vermutet es und es liegt nahe: Das ist Georg Kreisler selbst, der uns als Herr Berger begegnet. „Sex is a wonderful habit“ wird von Topsy Küppers fast gehaucht, es ist das Lied, das sie als Sängerin in den USA einführt. Der Hall erzeugt die Konzertatmosphäre. Und die große Shownummer, von Kreisler freigestellt, ist bei Topsy das Lied „Fängt´s schon wieder an“ (Musik: Gordoni), mit Bigband begleitet. Der Hörspielcharakter unterstreicht sich, als Lola zu einer Instrumentalpassage vor sich hin sinniert, Zitate aus dem Lied „Sie war liab“ wiederholt. Der Zuhörer beginnt mit ihr zu hinterfragen, welche Rolle ein Künstler auf der Bühne eigentlich spielt, wie weit er er selbst bleibt in dem was er tut. Georg Kreisler zitiert sich akustisch selbst mit einem englischen Lied aus der „Georg Kreisler Show“ – letzter Beweis des autobiographischen Hintergrunds dieses Werks. Die große Shownummer nach der Rückkehr nach Wien, in der sich Lola Blau einem Theaterdirektor in verschiedenen Nationalcharakteren vorstellt, spart die Schweizerin aus. (Das ist die einzige Kürzung bei Topsy Küppers, viele Nachfolgerinnen werden mehr weglassen als sie.) Topsy Küppers´ Aufnahme ist eine starke Vorgabe für künftige Darstellerinnen der Lola Blau, die vielen Farben, mit denen sie die Lieder auslotet, scheinen wenig Spielraum für neue Facetten offen zu lassen. Beim Lied „Heut will ich mich besaufen“ ist Tamar Radzyner für den Text genannt, bei „Wo sind die Zeiten dahin“ wird allerdings Mozart als Komponist (der Sonata facile) verschwiegen. Das wunderbar nachdenkliche Schlusslied „Zu leise für mich“ wird ganz langsam interpretiert. Hier merkt man, wie die Zeit schneller geworden ist. Etliche Coverversionen lassen sich weit weniger Zeit für dieses Finale. Fazit: Die Reverenzaufnahme des Werks, Vorbild und Maßstab. Wer die Aufnahme im Ohr hat, wird jede andere an ihr messen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 20. Juni 2005, 11:36:55
Respekt und *Applaus

Dem Fazit kann ich mich voll und ganz anschließen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 04. Juli 2005, 22:05:28
ONE-WOMAN-SHOW

„Heute abend: Lola Blau!“ von Georg Kreisler im Varieté Theater Chamäleon (Linz), 30.6.2005

Unter den vielen „Lolas Blaus“, die landauf landab von Wien über Basel und die USA zurück nach Wien ihre Karriere Revue passieren lassen, ist Ursula Ruhs (neben Stella Fürst, vor ein paar Jahren in Wien) sicher eine der attraktivsten: eine schlanke blonde Frau mit „endlosen“ Beinen, die mit ihren Reizen auch nicht geizt. Eine Mischung aus Hildegard Knef und Dagmar Anuth. Sie bestreitet die Aufführung in dem netten Kleintheater (so eines mit Tischen) im wahrsten Sinn allein, nur zwei Techniker „begleiten“ sie. Die kleine Bühne wird zum Guckkasten, das Stück zur One-Woman-Show. In der Mitte eine Kiste, hinter dem Vorhang die bei diesem Stück obligate Filmleinwand, die übliche Spar-Dekoration (z. B. ein Wandausschnitt mit dem Radio darauf), seitliche Türen, an denen die NebendarstellerInnen nur als ihre Kleidung hängen, alle Stimmen vom Band – und die Musik? Die kommt auch vom Band! Das ist unendlich schade! Und es macht die eigentlich ambitioniert wirkende Inszenierung von Daniel Pascal billiger, zumal Arrangeur und Pianist Andreas Neubauer – von der Tongebung her eindeutig ein versierter Jazzer - die Lieder teilweise reizvoll im Jazzquartett arrangiert hat, mit Violine, Bass und Schlagzeug. Wenigstens gibt die im Foyer erhältliche CD mit Studioversionen dieser Fassungen einen lebendigeren Eindruck der Abstimmung zwischen Sängerin und Musikbegleitung. Keine Chance zur Spontaneität auf der Bühne, Ursula Ruhs (sie singt übrigens auch leicht verstärkt, Mikro an der Stirn) agiert in ihrem Bühnen- und Geräuschkorsett (Bühne: Konstantin Jenny) zwar souverän, aber dann doch auch eingeengt. Den Liedern fehlt die Nuancierung des Moments. Dabei wäre ein großes Potential vorhanden. Ursula Ruhs ist eine facettenreiche Chansonette, keine Sängerin, im Tonfall die ideale „Lola Blau“. Für das musikalische „Herunterabsolvieren“ entschädigt wenigstens das abwechslungsreiche Kostümpanorama (Kostüme: Gertrud Manzenreiter): diese Frau sieht in jedem Kostüm unglaublich attraktiv aus. Man gönnt ihr Verschnaufpausen, etwa bei den Monologen aus dem Off. Da ist sie hinter der Bühne. Und dann wieder: Ach, wäre nur Live-Musik dabei! Regisseur Pascal hat doch ganz gute Ideen zu den Liedern, zu „Sie ist ein herrliches Weib“ zum Beispiel zieht sich die Lola hinter einem Klappstuhl um. Man kommt sich vor wie in einem Film mit einer Liveperson darin. Im zweiten Teil (nach der Pause) hängen seitlich weiße Vorhänge, die lassen sich in die Mitte hochziehen – Bühnenbild zu „Sex is a wonderful habit“. Als Shownummer hat man „Makin´ Whoopie“ gewählt, Ursula Ruhs strippt dazu als Schattenprojektion hinter der Leinwand. Ein besonders schönes Musikarrangement, mit Violine und Klavier, bietet „Alte Tränen“, Lola im zerbombten Wien. Wieder verpufft die Wirkung mit der Kälte der Klänge vom Band. Eine geschickte weitere Verschnaufpause gibt es vor „Im Theater ist nichts los“, das komplizierte Telefonat mit dem Theater wird nämlich auch vom Band eingespielt. Und natürlich leidet gerade „Im Theater ist nichts los“ besonders darunter, nicht mit Livemusik unterstützt zu werden. Selbst das Telefonat mit Leo in Wien kommt vom Band. Mozarts Sonata facile („Wo sind die Zeiten dahin“) singt Ursula Ruhs (leicht gekürzt) als Putzfrau. Ursula Ruhs gehört der Abend, gehört der Applaus – es ist ihre One-Woman-Show. Aber „Heute abend: Lola Blau!“ hört sich besser an mit Livemusik!

Fortsetzung folgt - voraussichtlich nach dem 8.7. (Stuttgart) ...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Dagmar am 05. Juli 2005, 01:31:48
Quote (selected)
Eine Mischung aus Hildegard Knef und Dagmar Anuth.


Ach Du meine Güte  :o  *rot werd'*

Sga mal, schaust Du Dir ALLE Lola Blaus in der Republik gerade an? Das fasziniert mich ja! Ich habe immer davon geträumt und tue es immer noch, EINMAL die Lola Blau zu machen. Ich traue es mir - vor allem sprachlich - nicht wirklich zu. Um so mehr fasziniert mich, dass Du hier von allen möglichen Aufführungen berichtest, wobei ich mir allerdings - was die letzte Kritik betrifft - etwas weniger Aufmerksamkeit auf die äußere Attraktivität der Darstellerin gewünscht hätte.

Danke ansonsten - sehr spannend zu lesen. Bin gespannt auf die nächste Fortsetzung.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 05. Juli 2005, 09:57:38
Ich schaue mir die "Lola Blaus" an, wo ich an freien Tagen gut anreisen kann (dann meist mit Nachtzügen und/oder Billigtickets wieder zurück). Im September möchte ich nach Detmold, da gibt es aber nur wenige Karten, man muss schnell sein am ersten Vorverkaufstag.
Suche bei www.google.de, wann wo gespielt wird und gleiche danach den Kalender ab.
(Erstaunlich und erfreulich, wie präsent dieses Stück ist!)
Ich habe (hier schon erwähnt) 1997 eine junge Deutsch-Rumänin am Klavier bei diesem Stück begleitet. Es fordert jedes Lied total heraus, man muss sehr wandlungsfähig sein und vor allem - glaube ich - viel Kraft haben, um den Bogen durchzuhalten, ohne "einzugehen". Mir gefallen am besten Vorstellungen mit sicht- und hörbarer Interaktion zwischen Interpretin und Pianist, wo beide aufeinander eingehen, nicht nur einstudiert, sondern wirklich aus dem Moment heraus. Das habe ich  bisher nur in Wien und Wuppertal erlebt (Stella Fürst - Marcelo Onofri im Theater in der Drachengasse bzw. später im Theater im Rabenhof, Christiane von Poelnitz - Johannes Falkenstein im Casino am Schwarzenbergplatz, An Kuohn  - Stefan Huefner in der Kirche am Elberfeld Wuppertal).
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 05. Juli 2005, 10:25:32
Ich kenne nur die Stella Fürst -Lola, und ich fand die auch in weiten Strecken sehr gut gelungen. Stella war jedenfalls gut, und der Pianist auch. Was ich nciht so mochte, ist, dass ich manchmal den Eindruck hatte, der Regisseur hat nicht auf die Stärke des Stückes vertraut, und fast alle Liedwiederholungen (und wenn ich mich richtig erinnere, sogar den Herrn Schmidt und den Herrn Berger?) gestrichen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 05. Juli 2005, 10:27:51
Du scheinst eine besondere Art von Sammler zu sein.

Wieviele Lola Blaus kennst du denn? Ich habe die hier beschriebenen nicht gezählt.

Von wievielen hast du den die CDs?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 05. Juli 2005, 12:58:45
CDs: Topsy Küppers, Jutta Czurda, Stella Fürst, Ewa Teilmans, Ursula Ruhs.
Die genauere "Statistik" folgt morgen! Bis dann!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 06. Juli 2005, 21:28:07
Alexanders "Lola Blau"-Statistik, Stand 6.7.2005 (speziell für Guntram):

Besuchte Vorstellungen (jeweils genannt sind Regie, Hauptdarstellerin, musikalische Leitung/Klavier)

24.5.1997
Theater Pygmalion Wien
Elemer Kincses, Dorina Pascu, Eusebiu Apostolache

25.5.1997
Theater Pygmalion Wien
Elemer Kincses, Dorina Pascu, Eusebiu Apostolache

27.6.1997
Theater Pygmalion Wien
Elemer Kincses, Dorina Pascu, am Klavier der Schreiber

11.3.1998
Theater Pygmalion Wien
Geirun Tino, Alice Stampach Voith, Eusebiu Apostolache

19.10.1999
Theater in der Drachengasse Wien
Catharina Roland/Christian Feichtinger, Stella Fürst, Marcelo Onofri

12.3.2000
Rabenhof Wien
Catharina Roland/Christian Feichtinger, Stella Fürst, Marcelo Onofri

28.11.2003
theater ... und so fort München
Harald Gilbers, Daniela Nering, Stefanie Knauer

1.10.2004
Kirche in der City Wuppertal
Ralf Budde, An Kuohn, Stefan Hüfner

30.3.2005
Kasino am Schwarzenbergplatz Wien
Torsten Fischer (Regie 1999), Christiane von Poelnitz, Johannes Falkenstein

31.3.2005
Parktheater im Kurhaus Göggingen Augsburg
Manfred Zapatka (Regie Theater im Rathaus Essen 2003), Monika Herwig, Christian Auer

8.6.2005
Wolfgang-Borchert-Theater Münster
Ewa Teilmans (Regie nicht genannt), Ewa Teilmans, Martin Speight

30.6.2005
Varietétheater Chamäleon Linz
Daniel Pascal, Ursula Ruhs, Andreas Neubauer

Geplant:

8.7.2005
Theater in der Altstadt Stuttgart
Richard Beck, Susanne Heydenreich, Alexander Reuter

Zwischen 23.9.2005 und 18.1.2006
Landestheater Detmold (Kleine Bühne im Grabbe-Haus)
Juliane Wulfgramm, Ulrike Wahren, Ulrich Zippelius

Verfügbare CD-Aufnahmen:

Topsy Küppers, Georg Kreisler, Heinz Hruza (1971)
Preiser Records 90044 (2 CD)
Studioaufnahme, Hörspielfassung

Stella Fürst, Marcelo Onofri (1999)
Produziert: Studio Christian Kolonovits 1999
Studioaufnahme, nur Lieder

Jutta Czurda, Thomas Fink (1999)
Stadttheater Fürth STF-03
Live-Mitschnitt des Stadttheaters Fürth (u.d.T. "Czurda singt Kreisler")

Ewa Teilmans, Wilhelm Rodenberg (2000)
MUSICOM 010908
Aufgenommen im August 2000 auf der Bühne der Freien Waldorfschule Münster

Ursula Ruhs, Andreas Neubauer (musikal. Leitung) (2003)
Real Treat Records 0189
Studioaufnahme Dezember 2003, nur Lieder (Untertitel  "Ursula Ruhs singt Georg Kreisler")

"Traumbesetzung":
Regie: Sandra Kreisler
Lola Blau: Dagmar Anuth
Klavier: Bastian Kopp
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 07. Juli 2005, 01:42:38
Quote (selected)
Regie: Sandra Kreisler
Lola Blau: Dagmar Anuth


Umgekehrt, bitte: Dagmar kann nicht jiddeln. :-* ;)


Übrigens immer mein Hauptkritikpunkt bei den Lola Blaus dieser Welt: wenn ein Weisser sich schwarz anmalt, um einen Schwarzen zu spielen, wird es schief angeschaut.
Und wieso dürfen die goyischsten Goyim eine Jüdin spielen? Nämlich (ausser Stella, da ging's) meist welche, die wirklich aber sowas von NICHTS jüdisches an sich haben, und es auch nicht derspielen....
Ich weiss ja nicht, wie's anderen Leuten geht, aber wenn so ne richtige Deutsche "Weder noch" singt, krieg ich ne Gänsehaut.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Bastian am 07. Juli 2005, 03:31:02
Sei doch nicht immer so antischmidtisch!  ::)

Quote (selected)
Umgekehrt, bitte: Dagmar kann nicht jiddeln.


OK:

Regie: Dagmar Anuth
Klavier: Alexander Kinsky
Lola Blau: Bastian Kopp
Licht: Andrea Eberl & Sandra Kreisler
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 07. Juli 2005, 09:44:54
Zitat Bastian:
Lola Blau: Bastian Kopp

Ob und wie da wohl der Strip inszeniert werden wird ...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 07. Juli 2005, 09:52:37
Kann man das dann auch auf DVD bekommen? ;D
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Dagmar am 07. Juli 2005, 13:08:02
Quote (selected)
Dagmar kann nicht jiddeln.


Stimmt. Das alleine würde mich aber nicht abhalten. Ich kann vor allem keinen ungarischen Dialekt, auch mein Berlinerisch hört sich eher Kölsch an. Französiiiisch kriege ich hin. "Im Theater ist was los" würde ich völlig versieben.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 10. Juli 2005, 16:10:36
DURCH DEN ZYNISMUS DES 20. JAHRHUNDERTS

„Heute Abend: Lola Blau“, Theater der Altstadt (Stuttgart), 8.7.2005

Ein kleines Theater, eine große Bühne. Ähnlich Ewa Teilmans in Münster erlebt man in Stuttgart eine ihr facettenreiches Können ausspielende resolute Intendantin. Susanne Heydenreich agiert akustisch unverstärkt, sie kostet die leere Bühne (im Hintergrund nur drei weiße Wände für Auf- und Abgänge und für die Projektionen) aus, was dazu führt, dass sie sofort weniger gut verständlich wird, wenn sie aus der Tiefe der Bühne spricht oder singt. Alexander Reuter, wie ein Souffleur in der Mitte vor der Bühne mit seiner obertonlos  abdämpfenden Clavinova postiert (ach hätte er nur ein Klavier zur Verfügung!) weiß die Künstlerin behutsam zu stützen, der Klavierpart wird der Bühnenakustik gerecht, er setzt teilweise auf dezente Reduzierung und spart Füllfloskeln aus. Damit Susanne Heydenreich die ausgefeilte Detailregie von Richard Beck auch während der Lieder ausspielen kann, sind die meisten etwas langsamer als von Aufnahmen oder anderen Aufführungen her gewohnt. Lola Blaus naiv beginnender und resignierend endender Weg wird in dieser Inszenierung begleitet vom zynischen Kontrapunkt des etwa auch aus dem Film „Schtonk“ bekannten Aufeinanderpralls von Schlagern wie „Davon geht die Welt nicht unter“ mit den Filmbildern fallender Bomben aus Flugzeugen. Selten hat eine „Lola Blau“-Arbeit diesen Zynismus konsequenter durchgezogen, hat Jubelbilder und heitere Schlager mit Zerstörung oder  Transporten ins KZ derart brutal gekoppelt. Die „Verschnaufpausen“ für die Darstellerin sind nicht allein Auffächerung des zeitgeschichtlichen Hintergrunds, sie kommentieren diesen niederschmetternd direkt. Alle Stimmen kommen vom Band, es gibt keine Nebendarsteller. Eine dezent kluge Lichtregie gibt dieser „Lola Blau“ Farbe. Susanne Heydenreich spart das „Mädele“ aus, sie ist mit dieser Entscheidung nicht die einzige Darstellerin im deutschsprachigen Raum. (Schade ist es auch um die hier nicht enthaltenen „Alten Tränen“.) „Sex is a wonderful habit“ gibt es obligat mit USA-Dirndl. Als Shownummer hören wir „Big Spender“, da beweist Susanne Heydenreich, dass sie nicht nur (wie in den meisten Chansons) sehr ausdrucksstark und mit viel Gefühl für die Musik sprechsingen kann, sondern auch eine hervorragende Musical-Singstimme hat. Im zweiten Teil trägt sie durchwegs eine schwarze Perücke. Und wieder ähnlich wie Ewa Teilmans verschmilzt sie vollends mit ihrer Rolle, wenn sie das Rollenalter erreicht, in dem sie selbst gerade ist. (Vorher schaut man mehr zu „wie sie das macht“, jetzt „ist man mit ihr drin“.) Zum absoluten Höhepunkt wird „Im Theater ist nichts los“, gleichzeitig virtuos und wirklich gelebt, dieses „Casting“ vor einem Theaterdirektor. Statt „Wo sind die Zeiten dahin“ (Mozarts „Sonata facile“) hören wir in Stuttgart ein aktualisiertes zeitkritisches, sehr bissiges Chanson von Georg Kreisler über die miesen Erfolgsmenschen von heute. Fazit: Eine weitere vielschichtige Aufführung!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Maexl am 10. Juli 2005, 18:25:01
welches kreisler-chanson?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 10. Juli 2005, 19:15:13
Die miesen Erfolgsmenschen? Das "Kapitalistenlied" oder "Sie sind so mies"?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 11. Juli 2005, 08:51:06
"Sie sind so mies".
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 11. Juli 2005, 11:11:36
Gute Nummer. In der Aktualisierten Fassung von GK himself, oder umgedichtet auf GANZ aktuell?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 11. Juli 2005, 14:29:55
Der Pianist hat mir gesagt, dass die Umdichtung von ihnen aktualisiert wurde.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 25. September 2005, 20:14:18
EINE IDEALE LOLA BLAU

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler in der Kleinen Bühne (Grabbe Haus) des Landestheaters Detmold, 23.9.2005

Keine Frau wagt sich an diese Rolle der österreichischen und jüdischen Schauspielerin und Sängerin, die im Zuge einer Vorstellung vom noch etwas unbeholfenen politisch naiven Talent in Österreich und Basel über den in Alkoholismus mündenden Showstar in Amerika zur resignierenden Chansonsängerin im Wiener „Café Kaiserschmarrn“ altert, keine Frau, die sich nicht die meisten Kreisler-Chansons in ihrem Facettenreichtum gleichzeitig souverän (wie man in einem Quasi-Einpersonenstück eben sein muss) und doch brüchig (wie diese Lola Blau eben ist) selbst zutraut – eine Gratwanderung, die jede „Lola Blau“ wie auch das Publikum voll fordert. Sie muss die Kraft und das Durchhaltevermögen haben, die anspruchsvollen Liedtexte in allen Nuancen, in aller tiefenpsychologischer Wirkung zu entfalten. Sie muss die Balance halten können, einer reinen Virtuosennummer der Vielseitigkeit auszuweichen, also Schauspielerin zu bleiben, mit der man sich identifizieren kann. Den Weg der Bühnenfigur sollte der Theaterbesucher im Idealfall mit genauso differenzierter Anteilnahme mitgehen können: Das Beobachten der Leistung dieser einen Person möge zum Hinterfragen der eigenen Position zum Zeitraum nach 1938 führen. Der Schreiber dieser Zeilen hat im Lauf eines Jahres Vorstellungen in völlig verschiedenen Inszenierungen in Wuppertal, Augsburg, Wien, Münster, Linz, Stuttgart und jetzt in Detmold besucht. Egal welche Regieideen für „Abwechslung“ sorgen: Das Stück steht und fällt mit der „Lola Blau“. Keine Frau geht mit so einer Rolle auf die Bühne, die nicht all diese kleinen Nuancen, die in jeder Textzeile stecken, bis ins winzigste Detail erarbeitet und „intus“ hat. Einige trauen sich das Lied „Ich hab a Mädele“ (wohl wegen des jüdischen Idioms) nicht zu, andere sparen aus dramaturgischen Gründen (Angst vor Langatmigkeit) die eine oder andere Nummer aus – aber in allen sieben Vorstellungen sieht und hört man ganz großartige, individuelle „Lolas“.  Hat man einen innerlich aufwühlenden, sehr bewegenden Theaterabend hinter sich (und das Wunder des Theaters wie auch des Musiktheaters oder eines Konzerts, natürlich auch des Betrachtens von jeder anderen Kunst oder des Buchlesens) besteht ja darin, für die Zeit der Hinwendung genau ein Teil jener Welt zu sein, die „geboten“ wird), ist man geneigt, die eben besuchte Vorstellung als die beste von allen zu bewerten. Die Vielfalt der Gestaltungskraft und die Substanz des Stückes an sich machen es dem für dieses Genre offenen Besucher leicht, „mitfühlend“ dabei zu sein. Ulrike Wahren in Detmold gelingt es wie nur ganz wenigen, nicht nur die Lola Blau in allen Facetten zu spielen, sie IST Lola Blau. Und es wird NICHTS weggelassen, keine einzige Musiknummer. Trotzdem kommt keine Sekunde Langeweile auf. Die Inszenierung von Juliane Wulfgramm verzichtet (wie so oft) auf ein Bühnenbild, notwendige Requisiten wie Tisch und Stuhl, Koffer mit Inhalt oder Kleiderständer reichen aus, die Schauplätze zu imaginieren. Es gibt hier auch keine Bild- oder Filmprojektionen. Das akustische Material wird von der Originaleinspielung mit Topsy Küppers (erschienen bei Preiser) übernommen: die alten Schlager, die zeitgeschichtlichen Dokumente, sogar die Monologe der Männer-Nebenrolle(n) und Georg Kreislers Liedausschnitte. Diese Theaterarbeit ist total auf Ulrike Wahren zugeschnitten. Sie singt und spricht ohne Verstärkung, nur manchmal eine Spur zu leise. Ihre Sprechstimme ist heller als andere Lolas, die unterschiedlichen Gesangs-Farben bewältigt sie mit phänomenaler Vielfalt an Technik und Engagement. Sie lässt wie schon erwähnt keine einzige Musiknummer aus und gibt sich jeder absolut glaubwürdig hin. Natürlich ist Ulrich Zippelius am schwarzen Pianino im rechten Bühnenbereich genauestens abgestimmt mit ihr, und trotzdem ist die Abstimmung zwischen Künstlerin und Pianist das einzige wirkliche Manko der Aufführung. Denn diese Abstimmung verläuft nach dem Motto: Da kann nichts passieren (hier genauso positiv wie negativ gemeint). Zippelius verbreitet vom Klavier aus genau die souveräne, beiläufige Routine bis zum nebensächlichen geschwinden, auch lautstarken Umblättern der Notenkopien, der Ulrike Wahren in ihrer grandiosen Authentizität der Rollengestaltung in jeder Minute dieses Abends niemals zu erliegen droht. Zippelius bleibt streng am Original-Klavierauszug (was ja nicht so übel ist), als Schiffspianist kann er etwas „über den Tellerrand“ präludieren, das dient auch zur Überbrückung der Umkleidepausen. Bei den Kostümen hat man nicht gespart, Ulrike Wahren bietet neben allem anderen auch eine opulente Kostümshow, in der es ihr umso leichter fällt, sofort die Lola in der Lebensphase zu sein, die gerade ansteht. „Die Wahrheit vertragen sie nicht“ gibt sie als Putzmädel, dazu holt sie einen älteren Herrn aus dem Publikum auf die Bühne. Das kommt an, da wacht das Publikum auf. So großartig wie sonst keine andere lebt sich Ulrike Wahren als Dame in den „zweitältesten Frauenberuf der Welt“ ein. Und nuanciert trifft sie den jüdischen Tonfall beim „Mädele“ und beim „herrlichen Weib“ (auf einem Tisch im Publikum agierend, wieder mit Leuten kokettierend) auf der Schiffsreise in die USA. Damit räumt sie vor der Pause ab. Bei „Sex is a wonderful habit“ ist der Pianist ins Geschehen einbezogen. Als Shownummer wählt sie (wie so manche andere) „Making Whoopie“. Das ist einer der absoluten Höhepunkte: Wie Ulrike Wahren zwischen lasziver Erotik in Stimme und Gehabe und fast nicht mehr zu verbergender Alkoholsucht diese Nummer „übersteht“, das ist geniale Bühnenkunst. Diese Frau hat natürlich auch die Kraft, aus „Im Theater ist nichts los“ das Allerbeste rauszuholen. Wie sie sich vor dem imaginären Direktor als improvisierende Schlagersängerin eines eigenen Liedes, als Chansonette, als Wienerin, als Ungarin, als Berlinerin aufführt, das zeigt Lust und Können dieser Rollen gleichermaßen fulminant. Wenn sie sich dann „Zu leise für mich“ resignierend abschminkt, ist das das Finale einer rundum beeindruckenden Leistung. Der Pianist, mit dem nichts passieren kann, zehrt am ehrlich enthusiastischen Applaus mit. Nicht nur „Heute Abend: Lola Blau“ ist eine Reise in die nette nordrhein-westfälische Kleinstadt Detmold wert, aber – solange dieses Stück auf dem Spielplan steht – ein guter Grund für eine solche Reise.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 26. September 2005, 01:47:35
Wow. Macht Lust, es zu sehen! Danke schön!
Ist diese Frau eigentlcih bekannt? Bin ich ungebildet, wenn ich noch nie von ihr gehört habe?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 26. September 2005, 09:37:28
Das war die mit diesem Link (mit Videosequenzen!):

http://www.landestheater-detmold.de/programm/main.cfm?highlight=832
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 26. September 2005, 11:58:37
Ja, nach Ansicht des Videos kann ich Dir nur Recht geben: Sie ist wirklich gut! Schön, dass es doch noch Menschen gibt, die wirklich was können in diesem Genre!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Bassmeister am 26. September 2005, 20:03:44
Oh! Die ist ja wirklich klasse! Als ich in dem Stück mal drin war, war ich noch zu jung dazu. Hätt große Lust, es noch einmal zu sehen! In Knechtstedten hab ich es nun doch nicht geschafft.

Die Aufnahme ist akustisch interessant. Kunstkopf-Stereo? Macht Euch den Spaß und hört Euch das Video mal mit Kopfhörer an!

Quote (selected)
Bin ich ungebildet, wenn ich noch nie von ihr gehört habe?


Hast Du so viel Angst davor, ungebildet zu sein? Du fragtest mich das bei Heinrich Schütz zuvor schon einmal.
:D
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Sandra am 27. September 2005, 01:07:28
*Kicher* na auf jeden Fall hab ich einen unstillbaren Bildungshunger.... zumindest in einigen Bereichen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Volker2 am 19. Oktober 2006, 00:30:22
Heute (19.10.) Premiere im Theater Lübeck:
    
Heute Abend: Lola Blau
 
Musical von Georg Kreisler
 
Wien 1938. Eine junge jüdische Schauspielerin, Lola Blau, freut sich auf ihr erstes Engagement am Theater in Linz, aber der Einmarsch Hitlers in Österreich zerstört ihre Träume. Ohne zu begreifen, warum ihr Onkel Paul und ihr Freund Leo Wien verlassen wollen, folgt sie deren Drängen und geht in die Schweiz. Ihren Freund sieht sie nicht wieder. Als Nachtklub-Sängerin kann sie sich in der Schweiz zwar über Wasser halten, doch schon bald erfolgt die Ausweisung. In letzter Sekunde erhält sie eine Einreise-Genehmigung für die USA und macht sich wieder auf den Weg. Während der Überfahrt singt sie auf einem Ozeandampfer für die erste Klasse und wird mit dem Schicksal der jüdischen Emigranten konfrontiert, die im Unterdeck mitreisen. In den USA wird Lola Blau ein vielumjubelter Star, doch sie verabscheut den Star-Rummel zusehends. Immer noch sehnt sie sich nach Leo und versucht, ihre Depressionen im Alkohol zu ertränken. Nach Ende des Krieges, aus einem Konzentrationslager befreit, ruft er sie an. Sie fährt sofort nach Wien zurück. Die meisten Menschen machen dort nach dem Zusammenbruch weiter, als wäre nichts geschehen. Sie wendet sich von der unkritischen Bühne ab und geht zum Kabarett. Doch die Hoffnung, mit ihren Mitteln die Menschen zu nachhaltiger Besinnung bringen zu können, schlägt um in Resignation. Lola Blau bleibt „wirkungslos vom eigenen Klang berauscht“.
 
„Heute Abend: Lola Blau“ wurde 1971 uraufgeführt und gehört heute zu den am häufigsten aufgeführten Musicals im deutschsprachigen Raum.
 
 Lola Blau: Imke Looft
 Am Klavier: Christian Reisser  
Inszenierung Knut Winkmann
Bühnenbild Knut Winkmann
Kostüme Ingrid Krug
 
Sa 21.10.   Mi 25.10.   Di 31.10.   Fr 24.11.   So 26.11. je 20 Uhr
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Dagmar am 22. Oktober 2006, 02:26:57
Wow!!! Es war und bleibt mein Traum, dieses Musical auf die Bühne zu bringen! Findet sich ein/e Regisseur/in....????? Vielleicht auch noch ein Pianist?????............

 :)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Eric am 22. Oktober 2006, 09:24:01
Quote (selected)
Findet sich ein/e Regisseur/in....?????

Wenn's konkreter wird und nach Juli 07, dann ganz bestimmt ! Aber ich will mich ja nicht vordrängeln  ;) !
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 22. Oktober 2006, 11:18:50
Ich stelle mich da nicht an. Alles inszeniere ich gerne, und gerade mit Dir, Dagmar - aber eine Jüdin, das ist einfach nicht Deins. Da müsste ich zu sehr über meinen Schatten springen, von der Erwartungshaltung an das Stück.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Eric am 22. Oktober 2006, 13:45:44
Quote (selected)
aber eine Jüdin, das ist einfach nicht Deins

Darf man fragen, warum ? Ich meine: Man kann auch wunderbar - und es ist sogar noch faszinierender - gegen den Typ spielen. Da kommen unter Umständen ganz interessante Sachen raus. Warum sollte Dagmar denn keine Jüdin spielen können ?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 22. Oktober 2006, 14:11:59
Weil sie die Sprache nicht beherrscht, erstens, und weil es zweitens so wäre, wie wenn eine blonde Frau "gegen den Typ" eine Zigeunerin spielen würde. Es ist einfach unglaubwürdig und dadurch nciht mehr so berührend. Dagmar ist einfach ZU goyisch. Manche Menschen kriegen das ganz glaubwürdig (zumindest für Nichtjuden glaubwürdig) hin, so wie Henry Hübchen im Zucker-film. Aber manche sind einfach zu weit weg - und das wird dann auch leicht übel genommen. Von Menschen wir mir  zum Beispiel. So wie es sicherlich Berliner übelnehmen könnten, wenn ich versuche, Berlinerisch in einem Film oder so zu reden - es geht einfach nicht, es ist immer nur "bemüht" - und dadurch dann eben nicht "echt" genug. Ich sage nicht, dass sie es nicht spielen soll, oder dass sie es nicht hinkriegt, gut zu sein - ich sage nur: Ich kann das nicht inszenieren. Denn für mich wird immer zu sehr merkbar sein, dass sie eben eine Jüdin SPIELT. Mag ein Vorurteil sein, mag falsch sein - aber wie gesagt: ich müsste da zu sehr über meinen Schatten springen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Volker2 am 22. Oktober 2006, 14:48:21
Am Samstag habe ich "Heute Abend: Lola Blau" im "Studio" des Theaters Lübeck, ein kleinerer Veranstaltungsraum für knapp 70 Zuschauer, gesehen. Es war ein sehr netter, aufgrund der Raumgröße intimer Abend. Die Ausstattung ist sehr spartanisch: ein Koffer, ein Telefon, ein Barstuhl, der obligatorische Türrahmen mit den Glühbirnen (oder wie man das Ding nennt...).

Imke Looft macht ihre Sache in der Titelrolle gut und kann vor allem bei den komischen Liedern mit ihrer Mimik überzeugen. Sie hat aber auch die leisen Töne drauf. Gewöhnungsbedürftig, weil ich es so bisher noch nicht gehört habe, die hohe Stimme der Sopranistin, die sie häufig zum Einsatz bringt – hat mir aber auch gefallen.

Besonders gut fand ich die Interpretation von "Frau Schmidt" – da schlümpft sie abwechselnd in die Rolle der Erzählerin und der Frau Schmidt. Nicht gelungen finde ich den Abschluss: Waren bisher alle Lieder live gesungen und am Klavier begleitet worden, stellt sich Imke Looft bei "Zu leise für mich" hinters Klavier und denkt – das Lied kommt mit Akkordeon-Klängen und ihrer Stimme vom Band. Unpassend, wenn auch gut gesungen, war die Zugabe: Gershwins "I got Rhythm" erklingt dann noch mal (im Programm war er als Song ausgewählt, den Lola Blau auf der Schiffspassage nach Amerika singt). Das mag vielleicht ihr Lieblingstitel sein (man merkt das irgendwie), ein Kreisler-Titel (z.B. "Sie ist ein herrliches Weib") wäre die bessere Wahl gewesen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Eric am 22. Oktober 2006, 15:16:08
Wenn eine blondhaarige ne Zigeunerin spielen soll wird sie halt entsprechend geschminkt und bekommt eine Perücke - was nicht passt, das wird passend gemacht.  :) Meine Einstellung zu sowas ist aber eh bissel anders, weil ich es durch das Jugendtheater einfach gewöhnt bin, dass wir eben das was wir machen wollen mit dem vorhandenen "Material" und eben Menschen machen müssen - da hat auch schonmal ein blondes Mädchen z.b. in "The Secret Garden" eine Inderin gespielt - es war absolut glaubwürdig, die Leute dachten echt, sie sei eine Inderin  ;D

Also meine Erfahrungen sind da nicht schlecht, was sowas betrifft - ich bin einfach kein anderes Arbeiten gewöhnt aus meiner bescheidenenn Theatererfahrung heraus, als aus allem, was man hat und kann etwas machen zu müssen.  :)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 22. Oktober 2006, 22:44:22
Sowas finde ich auch ganz prinzipiell nicht so toll. Wenn in TV-Krimis Nicht-türken dann türken spielen, oder der Othello schwarz geschminkt wird. Dadurch haben nämlich (praktischer Weise?)  auch die Kollegen, die zufällig Minderheiten (oder hierzulande Minderheiten) angehören, weniger Jobs.
Schwarze werden auf hiesigen Bühnen nach wie vor höchtens die Diener spielen - wer hat schon mal nen - wasweissich : Rechtsanwalt auf einer Bühne gesehen, der offensichtlich einer Minderheit angehört? Obwohl da im Buch sicher nicht drinsteht, dass das ein weisser, christlichstämmiger Europäer sein muss. Auch im Film. Schwarze spielen Bullen oder Verbrecher. Türken spielen Türken  aber manchmal spielen auch Deutsche Türken. Aber das mal Türken einen IRGENDWEN spielen, wo es wurscht ist, dass das zufällig ein Türke (2.ter Generation) ist - das sieht man praktisch nie. Gemüsehändler, höchstens. So wird die Diskriminierung auch in Film und Theater weitergeschrieben. Oder habt Ihr mal ne sehr jüdische wirkende Frau eine Deutsche Tussi spielen sehen?  oder ne Inderin mit Perücke und Schminke eine Deutsche? Wieso nicht? Sie ist doch Schauspielerin, es ist doch spannend, wenn man "gegen den Typ spielt"......

Es gibt sie tatsächlich, die jüdischen, türkischstämmigen, indischstämmigen Schauspieler, die dann fast nichts anderes als Dienstmädel oder Butler-Rollen bekommen, weil nirgends steht, dass eine Nora im Ibsen auch dunkelhäutig sein könnte. Ich kenne einen hervorragenden schwarzen Schauspieler, der akzentfrei deutsch spricht - trotzdem: Kellner, Chauffeure, Dienstboten. Da will niemand "gegen den Typ" besetzen. Da besetzt man ihn, wenn er mal (einmal!) ne andere Rolle kriegt, weil man ganz bewusst etwas aussagen möchte - und nicht, weil er einfach ein guter Schauspieler ist, der die Figur spielen kann.
Ich habe schon öfter - damals noch in Wien - junge Leute kennengelernt, die einzig und allein aus dem Grund dann doch nciht Schauspieler werden wollten, weil sie genau wussten, dass SIE niemals "gegen den Typ" besetzt werden.
Wenn DAS  einmal ganz normal ist, dass man mal das Gretchen im Theater sieht, und sie ist schwarz und zwar einfach nur deshalb, weil sie die Rolle gut spielt  - dann kann ich zumindest etwas besser damit leben, wenn Juden von  unglaublich offensichtlichen Nichtjuden gespielt werden. 8-)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: RIK am 23. Oktober 2006, 00:34:28
Topsy Küppers ist keine Jüdin. So steht es irgendwo in diesem Forum. TK ist die erste und erfolgreichste Lola Blau Darstellerin. Die meisten Schauspielerinnen in der Lola Blau Rolle sind keine Jüdinnen. Abgesehen davon, fehlt mir das Verständnis für eine Einordnung zum Judentum und für die Berechtigung sich Jude nennen zu dürfen. Es gibt Leute, die sagen, das ist in erster Linie ein Glaube. So spricht hin und wieder ein jüdischer Künstler in Berlin von der Bühnen herab. Wenn ich dem jüdischen Glaube beitrete, bin ich dann ein Jude. Bin ich dann eher geeignet als Darsteller für jüdische Rollen. Wie muss ein Mensch in der Öffentlichkeit auftreten, der von Geburt her als Jude eingeordnet wird. Haben die Millionen Juden, die vor dem Nazi-Regime, in Deutschland wohnten und deutsche Staatsbürger waren, alle gejiddelt oder eher sich verhalten, wie die übrigen Deutschen in der entsprechenden Region. Das Tevjebild von Anatevka und vielen Theaterstücken um die Jüdische Bevölkerung ist m.E. nie bedeutende Realität gewesen. Rein theoretisch könnte Lola Blau bayrisch sprechen. Würde an Wirkung und Dramaturgie natürlich erheblich einbüsen und wäre nicht so glaubwürdig. Wird bei Lola Blau, mit Ausnahme vom Liedgut, irgendwo gejiddelt. Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe nur die hochdeutsche Sprache im Kopf. Wie spielt eine Engländerin die jüdische Lola? - Mein bescheidener Beitrag zu diesem Thema, weil ich mit der Einengung und Schablone nicht klar komme und meine, wir nehmen uns Möglichkeiten der Ausdrucksform. Eine gute Schauspielerin muss sich in fast alle Rollen zurechtfinden. Abgesehen davon, ist Lola Blau übertragbar auf andere Gruppierungen, die unter Hitler Arbeitsverbot erhielten, dann verfolgt und überwiegend ermordet wurden. Lola Blau könnte eine Zigeunerin sein, eine Kommunistin und so weiter. Die Jüdin steht natürlich für den Autor Georg Kreisler. (Jiddelt Georg Kreisler?)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 23. Oktober 2006, 11:03:13
Quote (selected)
Topsy Küppers ist keine Jüdin. So steht es irgendwo in diesem Forum
Was noch nicht heisst, dass es stimmt. Je nach Auslegung ist sie doch eine, denn ihr Vater war Jude. Nach streng religiöser Auslegung ist sie keine, weil da geht's nach der Mutter. GK sagt gerne, dass sie keine ist, denn sie selbst fühlt sich ziemlich so, und er will sie dadurch verletzen und heruntermachen - das ist Privat-Geschichte.
Ich sage auch nciht, dass Nichtjuden keine Jüdin spielen können - aber es sollte doch ein Naheverhältnis zu Sprache, Denken, Seele gegeben sein, oder zumindest einfach die "Gabe" Juden glaubwürdig zu spielen. Manche Deutsche können das - manche eben nicht.

Selbstverständlich ist GK sehr jüdisch, in seiner Art zu sprechen, zu denken, sich zu bewegen - in Allem. Die Leute, die das Judentum rein auf den Glauben reduzieren wollen, ohne das kollektive Bewusstsein einzuschliessen, das  selbstverständlich ein  (wenn auch diverses) Volk definiert, sind auch diejenigen, die unter "Normalität" und "Kein Antisemitismus" verstehen, wenn das Judentum nicht WAHR-Genommen wird, letztlich ignoriert wird, unter "ferner liefen" subsummiert. Es ist nur Glaube, es ist nur Privatsache, ergo: basta, wir müssen uns nicht weiter befassen.
Das ist selbstverständlich Quatsch, den natürlich auch manche Juden verbreiten - aus Sehnsucht, "dazuzugehören" aus Angst, aus Verdrängung, aus Wasweissich.
Judentum ist nicht nur die Religion, denn wieso sollten dann so viele komplett unreligiöse Juden trotzdem sehr jüdisch sein und sich auch öffentlich zum Judentum  bekennen?Ich zum Beispiel kenne nicht mal alle Feiertage - aber jeder (der will)  merkt sehr schnell, dass ich Jüdin bin.
 Judentum ist auch Sprache, Gesellschaftliches Denken, Humor, und last noch least dieses unbenennbare, was man höchstens mit Seele oder Mentalität umschreiben kann. Und wer das leugnet, leugnet (und sei es aus lauteren Motiven) letztlich das Judentum.
Übrigens: wieso sollte eine Engländerin nicht auch eine Jüdin sein, oder eine Jüdin spielen können? Nocheinmal: Ich sage ja nicht, dass Ncihtjuden keine Juden auf der Bühne darstellen können - aber eben nicht alle.

Wenn Du dem jüdischen Glauben beitrittst, hast Du den jüdischen Glauben. Aber ein Jude bist Du deshalb noch nciht. Frag mal Proselyten, wie's ihnen innerhalb der Gemeinde geht. Ja, sie werden akzeptiert - aber nicht voll und ganz - irgendwie sind sie immer noch merkbar Nichtjuden. Wenn sie einen Witz nicht verstehen, bei manchen Reaktionen: da schaut man sich dann an, und denkt laut "Na, klar, kannjanich"

Aber was stimmt, ist, dass man die Lola Blau auf andere Situationen, andere Menschen (bzw Situationen)  übertragen könnte - allerdings müsste man dann ein wenig umschreiben - etwa die Situation mit Rabbi Berger, oder den Schluss mit Leo in Wien.
Und noch etwas stimmt: in Deutschland hatten (und haben) sehr viele Juden immer eine so grosse Sehnsucht, "dazuzugehören" dass sie häufig wesentlich unjüdischer waren/sind, als beispielsweise in Frankreich, Österreich, England, Amerika. Nicht umsonst wollte Dan Curtiz für seinen Film "War and Rememberance" als continuity-Extras (ständige Statisten) nur österreichische Juden, (kenne etliche aus Wien) auch in Schindler's Liste sind die meisten der Statisten, die immer wieder im Bild sind, österreichische Juden. Ben Kingsley hingegen ist kein Jude - spielt es aber sehr gut. Die Synchronisation indes, ist grausam. Da hört man deutlich, wenn jemand versucht zu jiddeln und es nicht kann - das ist im original anders.

Mich stört dieses "na und?" als Antwort, ob jemand Jude sei, schon hin und wieder. Denn es belegt  auch allzuoft mangelnde WAHRNEHMUNG. In den USA beispielsweise sind die jüdischen Feiertage selbstverständlich in den Alltag integriert, viel mehr als hier. Kein Hotel oder Firma, die weihnachtsgrüsse versenden oder ihre Häuser mit Sprüchen schmücken, liessen sich einfallen, NUR "Merry Christmas" zu schreiben, da steht natürlcih auch "happy Chanukka" - oder wertfrei: Happy Holidays. Es ist integriert, hier wird es ausgeblendet.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: RIK am 23. Oktober 2006, 11:04:01
Hallo Volker. Ergänzend zu Deinem Bericht die Zeitungskritik: www.kn-online.de/news/regional/luebeck.htm/1975326
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: RIK am 23. Oktober 2006, 11:14:44
Danke whoknows für diesen Bericht. Diese Argumente lasse ich gerne gelten. Ja, alleine der jiddische Humor ist sonst nirgends zu finden und nicht übertragbar.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 25. Oktober 2006, 17:40:35
Heute habe ich wieder was gelernt, das vielleicht im Zuge diese Diskussion auch ganz interessant ist. In Amerika haben offenbar 50% aller Juden Morbus Crohn und 60% Lactose Unverträglichkeit - im Gegensatz zu nur jeweils knapp 10% der weissen Amerikaner. (Schwarze Amerikaner 70%,  Native Amerikaner 60%). Und Tschüss "es ist nur eine Religion".  8-) (Ist ein unter den Juden altbekannter Witz, man sagt "Jiddischer Magen" aber man sagt auch "Jiddische Füss", wenn jemand Fussprobleme hat - weil das eben als  typisch Jüdisch gilt - dass es aber zumindest bei Magensachen auch wissenschaftlich erwiesen ist, das Juden da eher drauf anfällig sind,  war mir neu.)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Werner am 26. Oktober 2006, 06:19:52
50% Morbus Crohn - kann das sein? Den Anteil der Lactoseunverträglichkeiten könnte ich mir vorstellen, wenngleich er aufgrund einer genetischen Besonderheit vor allem Menschen asiatischer Herkunft zuzuordnen ist. Bei diesen Menschen ist die Bildung von beta-Galaktosidose im Erwachsenalter  am schwächsten ausgeprägt. In Deutschland leiden etwa 2% an den eng verwandten Autoimmunkrankheiten Morbus Crohn/Colitis Ulcerosa. Das entspricht, mit einigen Streuungen, dem durchschnittlichen Aufkommen dieser Krankheiten in der gesamten, sogenannten zivilisierten Welt.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 26. Oktober 2006, 08:30:12
Das ist nicht verwunderlich, das ist simple Genetik. Wenn überwiegend innerhalb einer Gruppe geheiratet wird werden bestimmte Gene bevorzugt und andere verschwinden, siehe Mendelsche Gesetze. Das gleich ist in anderen ethnischen Gruppe zu beobachten, je nachdem wie isoliert sie sind. Das ist relativ. Es fängt bei der prozentualen Blutgruppenverteilung bei Europäern, Asiaten, Afrikanern, Amerikaneren (Ureinwohner) und Australieren an oder der "Empfindlichkeit" der Indianer gegen Alkohol. Die ist auch genetisch bedingt. Und genauso ist es mit genetisch bedingten Krankheiten.

Je kleiner die Gruppe desto eher können sich rezessive Gene durchsetzen. Beste Beispiele waren früher isolierte Inseln oder abgelegene Bergdörfer im Alpenraum wo letztendlich alle sehr eng miteinander verwandt waren.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Werner am 26. Oktober 2006, 09:12:23
Tja, schade für die Indianer. Hätten die Wikinger vor etwa 1000 Jahren, als sie nach Amerika schipperten, nur weil in Nordnorwegen mal wieder der Schnaps alle war (einen anderen Grund für soviel Energie kann ich mir garnicht vorstellen) den Indianern das Schnapsbrennen beigebracht,  dann müssten die armen Schweine nicht bis heute abstinent leben. Oder sich mit illegalen Pilzen und Kakteen und so'nen Zeug rumschlagen. ;)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 26. Oktober 2006, 10:13:26
Wobei - wie ich in demselben Artikel las - Crohn verstärkt werden könne durch  über Generationen anhaltende/tradierte Essgewohnheiten und Stellenwert des Essens. Keine Ahnung, ob das stimmt....

Aber es gibt ja einige Sachen, die Volksspezifisch sind - zB können Native Amerikaner und Südamerikaner  Alkohol nicht so gut vertragen wie Weisse, werden schneller betrunken und auch schneller abhängig.

Echt: Crohn 2 % in Europa? In dieser (Amerikanischen) Monatsschrift las ich, in Amerika seien es durchschnittlich 10%. Naja - glaube keiner Statistik, die Du nciht selbst gefälscht hast.....
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Dorian am 26. Oktober 2006, 20:05:14
Quote (selected)
Aber es gibt ja einige Sachen, die Volksspezifisch sind - zB können Native Amerikaner und Südamerikaner  Alkohol nicht so gut vertragen wie Weisse, werden schneller betrunken und auch schneller abhängig.

Ja, genau wie Asiaten. Denen fehlt glaube ich ein Enzym zum Abbau des Alkohols.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 30. Oktober 2006, 14:09:09
Es gibt zwei Varianten des Enzyms und das der Europäer ist das schnellere *hicks* und as ist genetisch bedingt. Für Interessierte: schaut bei Wikipedia, es ist dort ganz gut beschrieben.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 18. Februar 2007, 11:15:36
Ich kann mich Volkers Urteil vollinhaltlich anschließen ...

HERZLICHE ADELE ALS LOLA BLAU

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler auf der Studiobühne im Theater Lübeck, 16.2.2007

Es ist eine vom Aufwand her einfache, sparsame Inszenierung von Knut Winkmann, nur das Notwendigste wird bereitgestellt; kein Bühnenbild, wenige Requisiten, wenige akustische Zuspielungen zur Zeitgeschichte, ja selbst die Zwischentexte zwischen den Liedern vielfach reduziert zu reinen Überleitungen. Alles steht und fällt einmal mehr mit der einzigen Mitwirkenden (neben dem Pianisten). Imke Looft erinnert vom Typ her etwas an die junge Katharina Thalbach. Sie ist eine großartige, facettenreiche Schauspielerin – und, das ist das ganz Eigene dieser herzlichen, komödiantisch brillanten, sympathisch-natürlich wirkenden Darstellerin, sie ist eine Soubrette. Ist man Rollenvorgängerinnen wie Topsy Küppers gewohnt, fällt es lange Zeit schwer, den Gesangsansatz einer Fledermaus-Adele bei diesem Stück um eine jüdische Schauspielerin zu akzeptieren, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs von Wien aus über Basel in die USA gelangt, wo sie Showkarriere macht und auch die Schattenseiten des Erfolgs erlebt, bis sie als alternde Kabarettistin in Wien resigniert feststellen muss, dass sich die Menschen nicht ändern. Die herzliche Darstellung macht den Soubrettengesang mit Fortdauer des Musicals viel erträglicher als anfangs befürchtet. Der vor Beginn als „schwächelnd“ und „fiebrig“ entschuldigte Pianist Christian Reisser spielt auf einem Flügel, er ist ein etwas braver, routinierter Begleiter. Schon den ersten, „mädchenhafteren“ Teil, die junge Naive, bringt Imke Looft sehr herzlich rüber. Wie viele andere in dieser Rolle lässt sie das jüdische Lied vom „Mädele“ aus. Als Shownummer wählt sie Gershwins „I Got Rhythm“. Doch zum absoluten Höhepunkt des ersten Teils wird „Der zweitälteste Frauenberuf der Welt“ – zuerst am Klavier, dann beim Umziehen gesungen. Diese Nummer kommt sensationell gut in Lübeck (auch wenn die Reim-Pointe Ukraine – meine nicht als solche gesungen wurde). Das „herrliche Weib“, das in die Pause führt, kontrastiert dazu etwas zu souverän. „Sex is a wonderful habit“ (auch die älter gewordene Lola Blau findet in Imke Looft vor allem komödiantisch eine ideale Interpretin) ist ein Strip aus einem Cowboykostüm heraus. Toll gibt sie die Besoffene. Wenn eine Soubrette dann „Alte Tränen“ singt, wird dies von einem Chanson zu einem Kunstlied. Eigenwillig wiewohl reizvoll hat man am Ende umgestellt und inszeniert. Die „Frau Schmidt“ wird – erst nach „Im Theater ist nichts los“ – zur (von Imke Looft grandios als Erzählerin und Frau Schmidt „zweigeteilten“) Kabarettnummer in Wien, und „Zu leise für mich“ hört sich diese Lola Blau am Klavier lehnend nur per Bandzuspielung an (vom Akkordeon begleitet). Damit nimmt die Inszenierung die fast alles Bisherige wunderbar belebende Komödiantik raus und schließt mit einer Nachdenkpause. Als Zugabe hören wir noch einmal „I Got Rhythm“.

Herzlicher Gruß und schönen Sonntag
Alexander
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Volker2 am 18. Februar 2007, 11:33:23
Wieder eine wunderbare, unvergleichliche Kritik von Alexander. Ich bin ja schon gespannt auf eine Kritik zu "Adam Schaf hat Angst".
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 19. Februar 2007, 14:04:44
Danke Volker für die netten Worte. Ich fand Deine Zusammenfassung ja auch schon spannend genug, extra für "Lola Blau" von München nach Lübeck zu reisen ...

Hier gibt es eine andere "Lola Blau", mit Liveterminen, CD und Hörbeispielen:
http://www.inesmartinez.de/lola.htm

Und hier findet man Infos zur "Lola Blau" in Ulm (mit Diashow und Trailer):
http://theater.ulm.de/content/view/516/245/

Herzlicher Gruß
Alexander
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 19. Februar 2007, 20:57:28
10.05.2007 20.00       frankfurt / alte oper      069-1340 400


Naja es ist zumindes nur der halbe Weg  ;)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 24. Februar 2007, 18:35:48
AN DER GRENZE ZUR BRILLANTEN LOLA BLAU SHOW

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler im Theater Ulm (Podium), 23.2.2007

In Lübeck (eine Woche zuvor besucht) war es ein Podest, in Ulm ist es eine sehr breite Bühne, auf der Lola Blau die Zeit von 1938 bis nach dem Krieg durchlebt, zwischen Wien, Basel und den USA. Pianist Thomas Hannig tritt wie ein Dirigent vor und nach der Pause im Frack auf und setzt sich ganz rechts an den Flügel. Die akustischen Zuspielungen (zeitgeschichtlich, musikalisch, Nebenrollen) halten sich (teilweise leicht gekürzt) erkennbar an die Hörspielfassung mit Topsy Küppers von 1971 – Respekt vor dem Original also. Regisseur Sebastian C. Maier gibt seiner Lola Blau auf der Bühne verteilte Fixpunkte, zwischen denen sie hin- und herflitzt: von links nach rechts ein Telefontischchen, ein Schminktisch, ein die Bühne querender roter Teppich, einige Reisekoffer (davon ein großer als Paravent fürs Umziehen). Die Ulmer Lola Blau heißt Sibylle Schleicher und ist eine grandios facettenreiche Schauspielerin. Dazu kann man sie eine musterhaft geniale Chansonsängerin nennen. Sibylle Schleicher liefert eine Lehrstunde im Chansongesang, der ja vielfach vom Sprechgesang lebt. Sie schafft dadurch eine textliche Deutlichkeit und Intensität wie nur wenige. Die feine Abstimmung mit dem vielfach zur jazzig inspirierten Barmusik tendierenden Pianisten Hannig achtet ganz genau auf die textlichen Feinheiten der Vorlagen von Georg Kreisler. Sibylle Scheichers Stimme wird bei den Gesangsnummern verstärkt, sie kommt dann aus den Boxen, was bei dieser breiten Bühne absolut verständlich ist. Im Gegensatz zur herzlichen Imke Looft in Lübeck, die als Mensch Lola Blau wirkte und berührte, bewahrt Sibylle Schleicher eine gewisse „Distanz der Virtuosität“ zum Zuschauer. Das ist keineswegs negativ gemeint. Man ist völlig gebannt und fasziniert vom Facettenreichtum dieser Darstellung, von der Fähigkeit Sibylle Schleichers, alle paar Minuten quasi eine neue Figur auf der Bühne hinzulegen. Mit seltener Bravour und totaler Identifikation wandelt sie von der jungen Naiven („Im Theater ist was los“) über den Vamp („Die Wahrheit vertragen sie nicht“) zum jüdischen Bauchladenverkäufer (das geht extrem unter die Haut: „Papirosn“ statt „Ich hab ein Mäderle“, direkt übergehend ins „herrliche Weib“, vor der Pause), zum Marilyn Monroe-Verschnitt in Amerika (das macht natürlich auch die Perücke aus!), zuerst im Dirndl „(Sex Is A Wonderful Habit“), dann im Abendkleid (Shownummer „Night and Day“), bis zur brillant ausgespielten Mischung aus spontaner Unbeholfenheit und Virtuosentum bei „Im Theater ist nichts los“ (Sibylle Schleicher kommt aus der Steiermark und beherrscht auch das Wienerische bravourös!), zum alten Wiener Weiberl mit Stock (Kreislers Mozart-Vertextung „Wo sind die Zeiten dahin“ – das fehlte in Lübeck, dafür verzichtet man in Ulm auf die „Frau Schmidt“), bis zur großen ruhigen, resignativen Abschieds- und Abschminknummer „Zu leise für mich“. Man schaut und hört dieser Darstellerin völlig gebannt zu, und die Gratwanderung ist sehr schmal zur reinen Show nach dem Motto „Diesen Typ kann ich auch noch“. Zu intensiv aber ist diese Interpretation, zu sehr fesselt das Korsett des Stücks die grandiose Künstlerin vor reiner Äußerlichkeit um der Effekte willen. Der (wie in Lübeck) begeisterte Applaus ermöglicht ein zweites „herrliches Weib“.

Herzlicher Gruß und schönen Sonntag
Alexander
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 05. März 2007, 10:53:20
http://www.pesterlloyd.net/Archiv/2007_10/0710kultur/0710kultur.html

Das was ich  meine steht ziemlich unten. Hat einer schon mal von der ungarischen Version von Lola Blau gehört? Und gibt es viellleicht sogar eine CD?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 05. März 2007, 16:56:09
Ich habe mal gehört, dass die Lola in alle europäischen Sprachen übersetzt ist. Aber mehr weiss ichauch nciht ....
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 05. März 2007, 23:51:54
Ich habe jetzt mal eine Weile gegoogelt, mit speziellen Ländereinstellungen.

Es gibt relativ viele Treffer in Polen, Ungarn und vermutlich Rumänien (Länderkennung ro). Weiter gab es Einzeltreffer für Finnland, Schweden, Spanien, Griechenland.

Da ich der Sprachen nicht so mächtig bin, bin ich auf Vermutungen angewiesen. Aber die Seiten haben sich meist auf Aufführungen bezogen wobei für mich nicht erkennbar war ob Lola Blau in Landessprache oder Deutsch gezeigt wurde. Shops die CD in diesen Sprachen angebiete waren nicht dabei.

Am wahrscheinlichsten halte ich es, das es eine CD auf ungarisch gibt. Meine Eltern wollen im Sommer nach Ungarn. Ich werde sie mal drauf ansetzen.  ;)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 12. März 2007, 19:01:11
Der schlimme Alexander war am vergangenen Wochenende nicht in Düsseldorf (sondern insgesamt mehr als 18 Stunden in Regionalzügen anderswohin), holt sich wahrscheinlich einige berechtigte Wortfront-Rüffel dafür und berichtet:

ETWAS SEHR KOMPAKT

Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ im Jüdischen Theater in Berlin, 10.3.2007

Der umtriebige Theaterprinzipal und Regisseur Dan Lahav berichtet vor Vorstellungsbeginn, dass wir uns in einem ehemaligen Ballsaal und einer aufgelassenen Tanzschule befinden. Nun versucht das Jüdische Theater, in der Neuköllner Jonasstraße Fuß zu fassen. Vor der Bühne gibt es einige bequeme Stuhlreihen wie im Kino, der hintere Saalbereich lädt in der Pause als Salon ein. Daran schließt die Bar an. Wie so oft verzichtet man auf ein Bühnenbild bei diesem Musical. Requisiten füllen die kleine Bühne ohnedies, hinten an den Kleiderhaken hängen die notwendigen Kostüme, ein paar Lichtwechsel machen das Übrige. Dan Lahav arbeitet vielfach mit den Original-Hörspieleinblendungen der Topsy Küppers-Aufnahme, nur die beiden Männer-Monologe sind (mit Möwengeschrei im Hintergrund) neu eingespielt. Überhaupt hat man zunächst den Eindruck, hier sei man dem Original sehr verpflichtet. Am weißen Zimmermann/Bechstein Pianino rechts vor der Bühne spielt die junge Barbara Schnabel sehr korrekt den Klavierauszug, natürlich gut abgestimmt mit der Lola Blau, aber doch ohne die unbedingte Leidenschaft, welche das Klavierspiel außergewöhnlich machen könnte. Regisseur Dan Lahav hat mit zwei Lola-Darstellerinnen geprobt (im Programmblatt sind dazu sogar drei Pianistennamen genannt), diesmal sehen und hören wir Anja Kellermann (und der Schreiber fragt vor Beginn schon mal nach, ob die andere Darstellerin Sumse-Suse Keil auch noch mal in die Rolle der Lola schlüpfen wird, Grund genug für eine weitere Berlin-Reise). Anja Kellermann ist der robuste Frauentyp. Es spricht für ihr Talent, für ihre schauspielerischen und gesanglichen Fähigkeiten, dass sie als Lola trotzdem total überzeugt. Speziell im ersten Teil geht ihre Darstellung sehr unter die Haut. Ihre helle, sehr wortdeutliche und facettenreiche Stimme, die unverstärkt eingesetzt wird, erinnert an Musicalstimmen im besten Sinn. Lolas Karrierestart als junge Künstlerin fällt in die ungünstigste Zeit, sie muss zu Kriegsbeginn statt nach Linz in die Schweiz auswandern und reist von dort weiter in die USA. Ausgerechnet im Jüdischen Theater auf das Lied „Ich hab a Mäderle“ verzichten zu müssen, bleibt dem Schreiber ein Wermutstropfen, zumal das den ersten Teil abschließende „Herrliche Weib“ beweist, dass Anja Kellermann „den Typ“ sehr wohl drauf hätte. Regisseur Dan Lahav begründet diesen Wegfall in der Pause dem Schreiber gegenüber mit dem Bestreben nach nötiger Kompaktheit. Dieses Bestreben (hier „rächt sich“ die Werkkenntnis des Schreibers extrem) bringt im zweiten Teil überraschenderweise eklatante Lücken im Stückverlauf. Nach „Sex is a wonderful habit“ wirft die Lola der Pianistin den Zylinder zu, und wir hören ein Blues-Rock-Klaviersolo (leider auch allzu korrekt gespielt). Es gibt keine Shownummer, auch „Der Herr ist mir fremd“ ist gestrichen. Lolas Erfolg wird nur mit Jubelberichten durchs Radio vermittelt. Völlig ausgespart ist die dem Alkohol verfallende Lola. Ins Lied „Ich hab dich zu vergessen vergessen“ eingeflochten sind die Telefonate mit Leo und dem Management, eine für den Kenner des Werks das Stück völlig verfremdende nüchterne, fast lieblose Szene. Immerhin dürfen die „Frau Schmidt“, „Alte Tränen“, natürlich „Im Theater ist nichts los“ (komödiantisch toll, die Operettenparodie, die Ungarin und die Berlinerin werden zu den absoluten Hits der Vorstellung!) und der Mozart („Wo sind die Zeiten dahin?“ als alte Wiener Dampfplauderin am Telefon mit einer Erna – das wirkt für den geborenen Wiener wie eine Elfriede Ott Parodie!) und „Zu leise für mich“ drin bleiben. Interessant das Finale dieses Liedes (und der Aufführung): Lola, jetzt Kabarettistin in Wien, hat sich den Mantel angezogen, ist kurz mit ihrem Koffer auf ein Podest gestiegen und setzt als Nachsatz noch einmal die nachdenklichen Worte „Was man allen alles sagen könnte …“ hinzu, ehe die Pianistin mit einem Abwärtsglissando für den Schlusspunkt sorgt. Die Weglassung einiger Lieder, insbesondere des „alkoholischen“ Teils, schmerzt sehr. Denn Anja Kellermann ist eine wunderbar authentische, vielschichtige, vielseitige Lola, auch wenn der Altersunterschied bei ihrer Rollengestaltung nicht so fein herausgearbeitet wurde wie in anderen Inszenierungen. Also dann, noch einmal nach Berlin, zu Sumse-Suse Keil als Lola Blau, wenn es denn terminlich klappt; im April gibt es auch noch Vorstellungen …


Informationen zum Theater:
www.bamah.de
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 13. März 2007, 00:36:02
Das Stück ist zwar anstrengend - spielt sich aber wie Butter für eine halbwegs sensible und talentierte Frau - das grosse Problem ist sehr häufig, dass die Regie dem Stück nicht vertraut, und blöd kürzt.

Und wortfront ist garnicht sauer - ist doch klar, dass eine Lola für den Lola-Sammler wichtiger ist. :-*
Ausserdem gibt's ja diesen Frühling noch drei Gelegenheiten - und im Herbst wieder....
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 13. März 2007, 14:00:04
Heute hat mich das Theater im Viertel aus Saarbrücken angerufen. Wollte am 28.4. dorthin. Die Lola Blau dort ist abgesetzt, "wegen eines Ausfalls". Schade drum ...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 13. März 2007, 14:17:57
Na, vielleicht ist dann Witten, Oberhausen oder Köln eine Option?  ;)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 13. März 2007, 15:34:03
"Der Zug" fährt doch sicher dorthin - und man hört ihn doch auch ... oder?
Ist zwar (wie man so schreibt) off topic, aber JA NATÜRLICH: Das sind immer Optionen.
29.3. und 31.3. kann ich leider sicher nicht, aber Köln hab ich mal vorgemerkt.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 13. März 2007, 16:02:01
Ist zu hören - und in einem, wie ich finde, noch viel schöneren Arrangement!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 31. März 2007, 21:51:19
Hier gibt es Videoausschnitte aus Usedom 2005:
http://www.warnlika.de/media/lola_blau.wmv
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 23. April 2007, 18:30:54
DREI TAGE MIT „LOLA BLAU“

„Heute Abend: Lola Blau“, das Musical von Georg Kreisler in Meiningen, Stralsund und Frankfurt am Main, 20. bis 22.4.2007

Eine Deutschlandrundfahrt übers Wochenende zu drei verschiedenen Inszenierungen – der Schreiber ist nun mal vernarrt in dieses großartige Werk, und die Reisestrapazen (ca. 28 Stunden in Zügen) nimmt er gern in Kauf (zumal bei diesem Traumwetter). Von München aus geht es am Freitagnachmittag, es ist der 20.4.2007, über Würzburg und Schweinfurt nach Thüringen.

Meiningen hat einen Englischen Garten und einen netten Johannes-Brahms-Spazierweg. Die Kammerspiele des Schauspiels, das stolz vermerkt, von Meiningen aus hätte im 19. Jahrhundert das Regietheater seinen Ausgang genommen, entpuppen sich als typische „Mini-Halle“, als Werkstattraum für allerlei Theaterprojekte. Eine verschlafene Klofrau setzt sich an ihren Platz, den Eingang zu einer WC-Anlage. Ein Kunde kommt, geht am Klavier vorbei und stellt neben diesem ein etwas klotziges Tape Deck ab, nimmt eine Klorolle und geht aufs WC. Dann setzt er sich zum Klavier. Die Klofrau legt sich auf das Klavier, der Mann spielt Mozarts Türkischen Marsch. Dann liest er eine Zeitung. Ein Artikel animiert sie, über Chinesen, Japaner, Serben, Kroaten, Juden („… sind gar nicht so schlimm“), Türken, Neger, Inder und Araber zu monologisieren. Der Mann am Klavier hilft ihr in die Rolle der „Lola Blau“, verdeutlicht, dass wir uns ins Jahr 1938 versetzen und gibt mit einem Triller am Klavier das Telefonsignal zum eigentlichen Stückbeginn. Am Klavier liegen allerlei Requisiten, und was nicht dort ist, holt Lola Blau aus ihrer Klofrau-Manteltasche, etwa den Telefonhörer. Am und auf dem Klavier spielt Lola sehr viel, und als Kulisse dient daneben diese WC-Kachelwand mit Holzbank und Abstellregal, ebenfalls aus Holz, wo die Kunden Münzen ins Schüsserl werfen sollen (Bühne: Nicolaus-Johannes Heyse). Später lässt sich diese Kulisse um 180 Grad drehen, dann wird sie zur Konzertkulisse, mit roten Vorhängen. Lola Blau, die junge, naive Künstlerin, will die Ereignisse des Jahres 1938 nicht wahrhaben. Sie muss über Basel in die USA emigrieren, macht dort Showkarriere, verfällt dem Alkohol und kehrt als sensibler gewordene, gereifte Künstlerin nach Wien zurück, wo sie Kabarettistin wird. Wer Kreislers Textbuch gut kennt, bemerkt, wie frei Regisseur Matthias Brenner mit den Zwischentexten umgeht. Nahezu nichts wird vom Original übernommen. Die Abschnitte zwischen den Liedern werden als Kabinettstückchen der Interaktion zwischen der in der Artikulation sehr deutschen, unverstärkt singenden Hauptdarstellerin Lydia Bicks und dem zumeist clownesk verschmitzten, humoristisch mitmachenden Pianisten und zweitem Hauptdarsteller (als diesen sollte man ihn in dieser Regie schon anerkennen) Rudolf Hild aufbereitet. Das große Plus dieser Aufführung ist die tolle, fein ausbalancierte Abstimmung der beiden aufeinander, im Schauspiel wie bei der Musik. Hild ist ein Musiktheaterprofi, der Kreislers Vorlagen souverän und hochmusikalisch, jazzig groovend oder harmonisch feinfühlig ausbalancierend, der Inszenierung anpasst. Dabei ist er viel mehr als reiner Begleiter, es ist eine echte Partnerschaft gegeben, die die Musiknummern ungemein spannend macht. Das klotzige Tape Deck wird nur für ein paar Geräusche benötigt, alle „Nebenrollen“ und historischen Zusammenhänge werden von den beiden, stark modifiziert, übernommen. Das Schiffsdeck imaginiert diese Lola, indem sie hinten auf die Kulisse steigt und ihren Koffer oben hinlegt. Wer die Schriftstellerin Jutta Richter kennt, fühlt sich beim Frauentyp dieser Lola Blau-Darstellerin an sie erinnert (nur zwanzig Jahre jünger). Hier agiert eine Schauspielerin, die auch singt, und das tut sie in hervorragendem Chanson-Tonfall, um ihre Grenzen sehr gut wissend. Lydia Bicks spricht und singt oft einzelne Zuschauer direkt an. Der Schreiber musste etwa am Basler Bahnhof verneinen, eine Nachricht von Herrn Leo Glücksmann für Lola erhalten zu haben. In keiner der drei Aufführungen (soviel sei vorweggenommen) hört der Schreiber das jüdische Kreisler-Lied von der Treue „Ich hab a Mäderle“. Kaum eine Inszenierung traut sich über diese Nummer. Alle Auftritte mit Kaftan und entsprechender Kopfbedeckung brillieren gleich mit dem „herrlichen Weib“ (und führen in die Pause). „Sex Is A Wonderful Habit“ wird in Meiningen als „Chorus Line“ Nummer aufbereitet, mit Blazer, Stock und weißem Zylinder, zu dem Lydia Bicks eine weiß-silbrige Liza Minnelli-Perücke trägt. Georg Kreisler lässt danach ja offen, welche Shownummer die Lola Blau nun singt, um ihren Erfolg in Amerika herauszustreichen. Er schreibt, sie könne auch einen Strip bieten. Eine nicht ganz so schlanke Lola wie Lydia Bicks löst das Problem großartig: Zu „Puttin´ On The Ritz“ (am Klavier gespielt) zieht sie eine Barbie-Puppe aus. Die etwas überzeichnet gehetzt wirkende „Frau Schmidt“ erhält ihre Wirkung erst unmittelbar danach mit dem brutalen Kontrast völliger Dunkelheit. Lola leuchtet mit einer Taschenlampe durch das zerbombte Wien und beginnt die „Alten Tränen“ wie eingekauert in einem Mauerspalt. Es braucht hier keine Schwarzweißprojektionen, um die Beklemmung und das Entsetzen beim Anblick der Zerstörung auf das Publikum zu übertragen. Ein ganz starker Moment dieser Aufführung! Virtuose Outrage liefert Lydia Bicks bei der Glanznummer „Im Theater ist nichts los“. Die Mozart-Verwortung „Wo sind die Zeiten dahin“ bleibt hier hingegen ausgespart. Fand der Schreiber den Anfang etwas umständlich einführend, so bleibt ihm doch der Ausklang von „Zu leise für mich“ (das Lied vom Künstler, der nicht „gehört“ wird) als die Aufführung kongenial schließende, in der kleinen Geste so stark und eindringlich wirkende „Pointe“ in Erinnerung, die ohne den Anfang nicht so eine Wirkung hätte: Lola wirft resigniert eine Münze ins Schüsserl und verlässt die Bühne durch die Tür in die WC-Anlage. Das Publikum anerkennt die Leistungen mit herzlichem, aber nicht zu langem Beifall (wie oft bei Aufführungen dieses Musicals).

Man steigt in Eisenach um, wenn man weiter (über Berlin, wo Anja Kellermann, vom Schreiber schon gesehen, am selben Tag im Jüdischen Theater die Lola Blau spielt) an die Ostsee nach Stralsund fahren möchte.

Es ist Samstag der 21.4.2007. Das Theater Vorpommern führt sein Repertoire an mehreren Spielstätten in Greifswald, Putbus und Stralsund auf. Die Spielpläne (zumindest online) geben für den ersten Überblick zu ungenau Aufschluss, wo genau sich der Spielort der Stralsunder „Lola Blau“ befindet. Der Schreiber, sonst gerne überpünktlich, kommt nach einigen Irrwegen, ohnedies erst eineinviertel Stunden vor Vorstellungsbeginn in der Stadt angekommen, ziemlich unmittelbar vor Beginn im Brauhaus an. Wieder eine „Mini-Halle“. Diesmal eine echte Bühne (Dirk Wächter), in der Mitte vorne eine Rampe, hinten die Leinwand für Bildprojektionen, daneben „Tore“ für Auf- und Abgänge etc., an den Seiten auch Kulissen zum fallweisen Verkleinern der Bühne. Lola Blau tritt im Abendkleid auf, der Pianist spielt „Zu leise für mich“ an. Lola zieht sich für den Beginn, das Telefonat mit Onkel Paul, auf der Bühne um. Diese Inszenierung (Alexandra Kieser) bleibt akribisch genau am Original, wie man es von Topsy Küppers´ Aufnahme her kennt. Es gibt die Zuspielungen der zeithistorischen Musiken und Reden sowie Radioausschnitte, es gibt die Zeitgeschichte erschütternd einfangende Schwarzweiß-Bildprojektionen (womit Aufführungen dieser Art ungleich mehr als andere den Hintergrund der „Karriere“ Lolas sehr deutlich machen); die Monologe und Stimmen aus dem Hintergrund sind aber alle neu eingespielt worden. In großem Respekt vor Kreislers Vorlage werden alle Regieanweisungen sehr genau beachtet. Christina Winkel ist eine ältere „Lola Blau“ Darstellerin. Sie kommt – man hört es deutlich – von Oper, Operette und Musical, im weitesten Sinn von der E-Musik. Ihr Gesangsstil verleugnet dies nicht. Dieser (nicht abwertend gemeint) „Anneliese Rothenberger-Tonfall“ ist aber (mehr noch als in Lübeck, vor einigen Wochen gehört) sehr gewöhnungsbedürftig. Als Darstellerin schlüpft sie brillant und facettenreich in jede „Lola Blau“-Rolle. „Handwerklich“ ist dies eine ganz tolle Lola Blau. Am Klavier hält sich Pianist David Grant auch sklavisch an das Original. Er kommt genauso wie Christina Winkel von der E-Musik, hat schon namhafte Personen aus diesem Bereich begleitet. David Grant ist der klassische Begleiter. Auf ihn kann sich die Künstlerin absolut verlassen, aber eigene Facetten steuert er nicht bei. Neben ihm sitzt eine Dame an einem weiteren „Notenpult“. Zuerst denkt der Schreiber, da werde wohl eine Flöte so manches Lied bereichern. Es ist aber eine Souffleuse und Requisiteurin. Ob Gedanken zur Befindlichkeit, ob Shownummer, Christina Winkel weiß das in Stralsund seltsam angeheitert wirkende Publikum zu überzeugen. (Offensichtlich sind einige persönliche Bekannte im Raum, die gewisse „Gags“ der Darstellung quasi wie Insider belachen.) Es ist eine Rollengestaltung, der man zwar fasziniert zusieht, die aber professionelle Distanz spüren lässt. Mit dieser virtuosen „Lola Blau“ lebt man nicht so unmittelbar mit wie mit anderen. Die „Sex“-Nummer macht sie im Dirndl, das teilweise zu Motiven der US-Flagge aufgeknöpft wird. Als Shownummer hören wir „My Heart Belongs To Daddy“. Und die „Frau Schmidt“ singt diese bewundernswert brillante „Lola Blau“ als Putzfrau. Genauso erschütternd wie am Vortag kommen die „Alten Tränen“ rüber, diesmal zu den Bildern der zerbombten Häuser. Absoluter Höhepunkt der Aufführung ist die Verwortung der Mozart-„Sonata facile“. Da tritt Christina Winkel als Marie Antoinette in einem herrlichen Kostüm auf und agiert teilweise wie eine Puppe. Bei dieser Nummer tragen auch Pianist und Souffleuse Mozart-Perücken. „Zu leise für mich“ beginnt Lola geschockt von der Nachricht, die sie eben erhalten hat (Leo wurde provoziert und musste mit auf die Polizei) – um sich danach während des Liedes abzuschminken. Wenn Christine Winkel dann zum Liedausklang abgeschminkt vor dem Publikum steht, hat sie jene Natürlichkeit erreicht, die ihr die „Kunstfiguren“ bisher scheinbar „verweigert“ haben.

Von Stralsund nach Frankfurt am Main gibt es eine Direktverbindung, man sitzt halt siebeneinhalb Stunden im IC und sieht die Menschen in Rostock, Hamburg, Hannover usw. kommen und gehen.

Die Katakombe ist eine ambitionierte Kleinbühne. Sieht gar nicht aus wie eine Katakombe, sondern „ganz normal“ wie ein neues Kleintheater mit aufsteigenden Sitzreihen. An diesem sonnigen 22.4.2007 finden aber nur etwa 17 Leute den Weg dorthin. Die Bühne zeigt „Requisitenabteile“: Telefontischchen, Abschminkplatz und das andere Übliche. Auch die Frankfurter „Lola Blau“ orientiert sich grundsätzlich stark am Original. Es gibt hier zwar keine Bildprojektionen, aber viele Zuspielungen (Musik, Reden, Radioausschnitte). Das Ereignis schlechthin ist die umwerfend-herzlich-natürliche „Lola Blau“ der Carola Moritz. Eine attraktive Frau, wohl so um Mitte 30, die wie selten eine andere dieser Rolle eine wunderbare Natürlichkeit gibt, in Spiel und Gesang. Da lebt uns ein Mensch seinen Lebensweg vor, und gerade die kleinen Zusätze zum auch hier sehr genau inszenierten Buch Kreislers, wenn sie etwa immer wieder Leos Bild in die Hand nimmt und ihn mitleben lässt an ihren Freuden und Sorgen, machen diese Inszenierung (wohl von Carola Moritz selbst) einmalig. Besonders überraschend ist der Wiener Slang, den sie hören lässt. Dass es eine angelernte Kunstsprache ist, die sie übrigens auch bei Nestroy grandios anwenden könnte, klingt nur ganz selten durch (etwa beim Wort „Waschermädel“). Ein großes Sprach-Imitationstalent erlebt man in Frankfurt! Pianist Michael Vardopoulos hat schon bei der Premiere am 1.9.2000 am Kawai ES1 gespielt, und das hört man. Es ist so gefährlich, jahrelang dasselbe Stück zu spielen. Bei Frau Moritz merkt man absolut nichts von Routine, bei dem Pianisten schleichen sich fallweise deutliche „Ohas“ ein. Ansonsten hält er sich stark ans Original, nutzt bei einigen Nummern aber sehr schön die Klangvielfalt des Instruments. Für alle Nebenrollen ist in dieser Aufführung Gregor Michael Schober zur Stelle, als Vermieter, Schaffner, Ansager, Briefbote, Herr Berger, Herr Schmidt und Herr Nowak. Anfangs tendiert er zur Karikatur des jeweiligen Typs, im zweiten Teil gewinnt seine Darstellung aber an Ernsthaftigkeit. „Sex Is A Wonderful Habit“ gibt Carola Moritz als Lolita, mit Kleidchen und Zöpfen. Und dann kostet sie den Showteil aus, gleich mit drei Nummern in unterschiedlichen Kostümen: „42nd Street“, „The Lady Is A Tramp“ und (Stralsund lässt grüßen!) „My Heart Belongs To Daddy“. Originell unterlegt der Pianist die „Frau Schmidt“ mit Drehorgelsound und „Wo sind die Zeiten dahin“ (davor spielt er ein Mozart-Medley, während sie sich umzieht) mit Spinettklang. Wermutstropfen dieser „Lola Blau“ ist der Wegfall der „Alten Tränen“. Apropos „Wo sind die Zeiten dahin“: Da tritt Carola Moritz wie „Mozart in Zivil“ auf, mit Notenständer zur Einstudierung eines Stücks. Eindringlich das Ende, wenn „Zu leise für mich“ nicht mit dem Nachspiel, sondern mit einem Break nach dem letzten Gesangston endet.

Dreimal „Lola Blau“, dreimal ganz anders. Der Schreiber wundert sich noch, dass ein Nacht-IC von Frankfurt nach München ein ICE-Zug ist – und wie viele Leute des Nachts durch Deutschland mit dem Zug fahren. Ab sofort gilt die Vorfreude den nächsten „Lola Blau“-Inszenierungen …  
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 23. April 2007, 19:57:12
Wie immer ist es ein Genuss und eine Freude, wenn Du, Alexander, uns so ausführlich teilhaben lässt an Deinen Erlebnissen. Ich hätte aber eine winzigkleine Anmerkung: Es würde das Lesen extrem erleichtern, wenn Du ab und zu Absätze einbauen würdest... :-*
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 23. April 2007, 20:43:59
Absätze: Habe ich jetzt verdeutlicht. Waren vorher schon da, aber mit Zeilentrennung wird´s deutlicher.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 24. April 2007, 00:29:25
Immer wieder genau dieselben Bilder wie bei der Uraufführung. Dirndl bei "Sex is..", Puppe bei "Wo sind die Zeiten.." immer wieder das abschminken am Schluss - zeigt auch ein gut geschriebenes Stück, wenn den Regisseuren einfach immer dasselbe dazu einfällt. 8-)

Was ich erstaunlich finde: dass sich keine/r über das "Mädele" traut. Eine Nummer, die viel mehr "menschelt" als das "Herrliche Weib", das ja eher Karikatur ist. GK röche da sicher wieder was dahinter....
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 25. April 2007, 10:39:46
Ganz schöne Tour Alexander, wie immer herrlich zu lesen.

Eine Anmerkung zu Meinigen, Lola Blau auf dem WC. Ich kann mir vorstellen wie GK über die Aufführung denken würde, nachdem ich gehört habe was er über den Adam Schaf im Boxring (Berliner Aufführung) gesagt hat.

Er liebt Regisseure die Bühnenstücke nach eigenem Gusto umarbeiten nicht gerade.  8-)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 20. Mai 2007, 23:36:05
LOLA BLAU, IMPULSIV

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler auf der Werkstattbühne im Pfalztheater Kaiserslautern, 18.5.2007

Wenn man so wie der Schreiber ein Stück ganz besonders schätzt und sich viele verschiedene Inszenierungen ansieht, ist es jedes Mal wie ein Nachhausekommen, nur ist die „Einrichtung“ jeweils eine andere, und der „Lebenspartner“ des Stücks durchlebt zwar dasselbe Leben, gibt diesem aber meist eine völlig individuelle Farbe, die es ermöglicht, über das logischerweise sich einstellende Vergleichen hinweg sich jedes Mal neu in diesen Lebensweg fallen zu lassen, die fundamentale Situation der erzwungenen Emigration mit zu leben, den Weg vom naiven jungen Talent des Jahres 1938 zur resignierten Kabarettistin der Nachkriegszeit im „Kabarett Kaiserschmarrn“ mit zu gehen. Mit genialen Chansons führt Georg Kreisler durch diesen Lebensweg, vom großen „Sie war liab“ (mit dieser sich so wunderbar einprägenden weitläufigen c-Moll-Melodie!) zum Thema der Verlogenheit des Menschen über „Weder – noch“ zum Thema Heimatlosigkeit bis zu den Charakterliedern unterschiedlichster Stilistik („Die Wahrheit vertragen sie nicht“, „Der zweitälteste Frauenberuf der Welt“, „Frau Schmidt“), die vielfach gleichzeitig brillante Studien ermöglichen („Im Theater ist nichts los“) bis zum Resignationslied der nicht gehörten Interpretin („Zu leise für mich“). In Kaiserslautern steht (ähnlich Ulm) eine breite Bühne zur Verfügung, die Platz bietet für den Schminktisch, einen Kleiderständer, einen Paravent, einen Kaffeehaustisch mit Thonet-Stuhl, den Flügel (die Pianistin schaut zum Publikum!), ein Plakatgestell (hier werden „die Bühnenbilder umgeblättert“) und ein Gitter mit Rettungsring (für die Schiffsszenen). Hinten variable Vorhänge.  Kaiserslauterns „Lola Blau“-Vorstellung beginnt mit einem vollgriffigen Klaviersolo der hervorragenden Pianistin Eva Herrmann. Lola, ein junger Wirbelwind voller Energie, blättert das erste Bild auf, das Zimmer in der „Pension Aida“, aus dem sie bald ausziehen muss. Astrid Vosberg ist eine jüngere Lola Blau, vielleicht kann man sie irgendwo mit der jüngeren Kiri te Kanawa vergleichen (vom Frauentyp her). Sie hat eine helle Stimme, hörbar Musical-geschult, unverstärkt, sehr konzentriert und sinnvoll Sprechgesang einsetzend. Die Zuspielungen der Radiomeldungen und Nebenrollen kommen alle vom Band. Statt Bild- oder Filmprojektionen (bzw. einem Bühnenbild) gibt es die von Lola oder der Pianistin immer weiter geblätterten Plakatmotive. Diese „Lola Blau“-Aufführung atmet großartige Musikalität: Die einfühlsame und vollblut-musikantische Pianistin gibt den Chansons kongeniale Grundfarben, auf denen sich Astrid Vosberg vielschichtig austoben kann, dabei aber stets herzlich und zutiefst emotional den Charakter der Lola Blau für uns durchlebt, auch die Älterwerdung stark akzentuiert. Die Regie von Peter Nüesch respektiert Kreislers Vorlage bis in winzigste Details. Einige Momente fallen auf, weil sie sich von anderen Inszenierungen abheben. So wird Lola bei ihrem ungeschickt beginnenden Solo „Die Wahrheit vertragen sie nicht“ vom eingeblendeten Publikum ausgebuht, erkämpft sich aber (großartig gespielt von Astrid Vosberg!) den Erfolg vor dem anwesenden Livepublikum mit Bravour. Die vielfach fast überexakte Herausarbeitung der darstellerischen Details mischt sich mit der Tendenz zur Outrage, was andererseits eine sehr lebendige, quirlige Darstellung der Lola Blau bewirkt. Endlich hört der Schreiber mal dieses großartige jüdische Lied „Ich hab a Mäderle“. Selten ist das Thema Untreue herzlicher und liebevoller eingefangen worden als in diesem genialen Kreisler-Chanson, über das sich die wenigsten Lola Blau-Darstellerin drüber trauen. Astrid Vosberg „schafft“ die Nummer ganz großartig. Das „Herrliche Weib“ danach kontrastiert sie toll spitzbübisch. Im zweiten Teil dieser sehr impulsiven Aufführung singt sie „Sex is a wonderful habit“ im Dirndl und danach ein Medley aus amerikanischen Klassikern (mit „Moonlight Serenade“ und „I Got Rhythm“). Weggelassen werden in Kaiserslautern „Ich liebe dich“ und (leider) „Alte Tränen“. „Frau Schmidt“ hören wir von einer Putzfrau gesungen. „Wo sind die Zeiten dahin“ bringt Astrid Vosberg in einem goldenen Abendkleid. Der resigniert-verzweifelte, fast etwas überzeichnete Schluss passt zu dieser sehr impulsiven, musikantisch und musikalisch total gelebten Aufführung.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 21. Mai 2007, 10:59:15
Klingt ziemlich spannend - hätte ich gern gesehen!!! Danke, Alexander - ich finde das enorm bereichernd, dass Du so eine "LolaBlauDisziplin" hast!!!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 16. Juni 2007, 20:56:52
EINE HALLE FRISST DIE LOLA

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler im Kulturforum Fürth, 15.6.2007

Für Fürth ist es wohl eines der großen kulturellen Ereignisse des Jahres, die „Bayerischen Theatertage“ auszurichten. Staatsminister Thomas Goppel wird vom Veranstalter zu Beginn dieses Abends begrüßt. Ob es für den Minister ein Pflichttermin oder ein Anliegen ist, die Karriere der jüdischen zunächst unpolitischen Wiener Künstlerin Lola Blau von 1938 bis nach dem Zweiten Weltkrieg mitzuverfolgen, sei dahingestellt. Wir befinden uns in einer jede Stimmung und Atmosphäre abtötenden Mehrzweckhalle, die zwischen Bühne und Publikum mit mächtigen Säulen aufwartet, mittels derer es wirklich möglich ist, von jedem Platz im Publikumsbereich mindestens einen Teil der Bühne nicht sehen zu können. Dazu gesellt sich eine verheerend schlechte Akustik, die jedes Wort brutal schluckt. Die Bühne ist hingepflanzt, am nächsten Tag beim nächsten Gastspiel wird eine andere hingepflanzt. Das Rahmengestell vorne dient wohl als Lichtanlage auch bei Popkonzerten. Heute ist das Landestheater Dinkelsbühl an der Reihe. Man hat eine ordentliche, konservative, sehr sorgfältig die geschichtlichen Hintergründe beachtende Inszenierung des Musicals von Kreisler erarbeitet (Regie und Bühne: Peter Cahn). Die Filmleinwand rechts bringt Filmzuspielungen mit Hans Albers und Heinz Rühmann, Wochenschauausschnitte und sogar die monologisierenden Nebenrollen des Stücks. (Es gibt aber auch Zuspielungen vom Band.) Auf der Bühne verteilt sehen wir die üblichen Requisiten, in der Mitte hinten ermöglicht ein halbrunder Vorhang, den man drehen kann, die Illusion eines Zimmers. Links steht der Stutzflügel, der Pianist schaut in den Winkel hinaus, von der Bühne weg. Die Lola Blau wird gespielt von Jördis Johannson, eine junge Lola-Darstellerin, ein Frauentyp zwischen Lena Stolze, Julia Jentsch, Sophie Rois oder Stefanie Stappenbeck. Am Flügel sehen und hören wir den der Bravheit des ganzen Abends kongenial angepassten Christian Bader. Bei den Musiknummern sind beide akustisch verstärkt zu hören – eine sehr gute Entscheidung der Regie. Jördis Johannson ist sprachlich eine sehr deutsche Lola, sie ist (und bleibt) eine junge Lola, ihr grundsätzlich sehr natürliches Spiel verliert etwas an Wirkung, weil der ganze Abend viel zu brav abläuft, zu wenig innerlich das Publikum mitzunehmen vermag. Es ist durchaus möglich, dass diese Inszenierung in kleinerem Rahmen intensiver wirkt. Einen Großteil der Atmosphäre schluckt die schreckliche Halle, da kann die Lola noch so beherzt singen und schauspielern, erst recht, als ein Regenguß aufs Hallendach prasselt. Sie hat eine wenig ausgebildete Gesangstimme, zumindest hat man mehrmals den Eindruck, Jördis Johannson könnte bei einigen Passagen (vor allem in der Höhe) mit ein paar guten Tipps von Fachleuten mehr aus den Nummern herausholen. Recht nett wirkt der Auftritt als jüdischer Charlie Chaplin mit dem „Mädele“ und dem „Herrlichen Weib“ am Schiff auf der Fahrt in die USA. Wieder einmal gibt es „Sex is a wonderful habit“ im Dirndl, und bei der Nummer rächt sich die tötende Hallenatmosphäre besonders. Die Regie hat ein zweimaliges Da Capo eingebaut, was hier, an diesem Abend in Fürth, völlig stimmungstötend krampfhaft wirkt. Da tut einem die beherzte Lola-Darstellerin schon echt leid. Immerhin, ihr Medley kommt ganz gut an. Überraschend hat man ein deutsch-englisches Marlene Dietrich-Zarah Leander-Potpourri ausgewählt: „Ich bin die fesche Lola“, „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „Yes Sir“, „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn“ und „I may never go home any more“. Nicht zu hören sind diesmal „Wie kommt es“ und „Alte Tränen“. Die Mozart-Bearbeitung „Wo sind die Zeiten dahin“ hört man ziemlich gekürzt. Den stärksten Moment erlebt die Aufführung ganz am Ende, wenn sich diese Lola abschminkt. Mit „Zu leise für mich“ spürt man jene Authentizität, deren Präsenz den ganzen Abend vielleicht um vieles eindringlicher gemacht hätte, trotz der fürchterlichen Halle. Immerhin: Allein Kreislers Vorlage ist ja stark genug, ziemlich unter die Haut zu gehen, auch bei widrigsten äußeren Umständen, und das dürfte bei den meisten Besuchern sehr wohl angekommen sein.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 16. Juni 2007, 22:50:56
Seufz. Ich kann mich bei dieser Schilderung richtig hineinfühlen......
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 17. Juni 2007, 03:54:14
Quote (selected)
ein Frauentyp der Art Sophie Scholl, Julia Jentsch, Sophie Rois oder Stefanie Stappenbeck
Die sind ein Frauentyp?
Du bist vermutlich der einzige von uns, der Sophie Scholl persönlich kennt.

Mir war bisher neu, daß Marlene Dietrich Zarah-Leander-Schlager gesungen hat. Ist das verbürgt?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 17. Juni 2007, 09:24:16
Es gibt ja einige Fotos von Sophie Scholl (nunmehr aber in der Kritik durch Lena Stolze ersetzt).
Zarah Leander wurde ergänzt. Danke für die Hinweise, Burkhard!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 18. Juni 2007, 18:49:27
Wer sich einen Eindruck verschaffen will: Stefanie Stappenbeck ist heute um 20.15 im ZDF in der Komödie "Das Zimmermädchen" zu sehen.
Und um 0.50 Uhr kommt auf ARTE Julia Jentsch als Sophie Scholl.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 23. Juni 2007, 20:25:49
LOLA ALS VAMP

„Heute Abend: Lola Blau“ in der Werkstatt des Theaters Konstanz, 22.6.2007

Auf der Werkstattbühne des Theaters Konstanz wird nicht Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler gezeigt, sondern „Regisseur Markus Bauer macht aus Georg Kreislers Musical ein eigenes Werk“. Das ist nirgendwo angekündigt, es wird das Original beworben. Von diesem sind aber nur Fragmente übrig geblieben. Insofern ist diese Inszenierung eine Mogelpackung. Klammert man aus, das Werk recht gut zu kennen (was der Schreiber nicht kann), erlebt man eine anachronistische, schräge Theaterstunde.

Nach wie vor muss Lola Blau 1938 von Wien aus über Basel in die USA emigrieren, von wo sie nach 1945 und nach diversen Alkoholabstürzen als für die politische Situation sensibler gewordene Kabarettistin zurückkehrt. Was von Kreisler blieb, sind vielfach stark gekürzte Lieder (wenn  sie überhaupt „überlebt“ haben) und ansatzweise inhaltliche Weiterführungen. Im Grunde erzählt Regisseur Markus Bauer aber die Gesichte eines Pop-Vamps, einer verr(a)uchten Bühnengöre mit lasziver Ausstrahlung. Wummernde E-Gitarren vom Band führen in die Szenerie ein. Zwei Männer bringen Requisiten auf die Bühne, auch einen Schrank. Der eine Mann setzt sich links ans verstimmte Pianino, der andere rechts an einen Tisch. Hinten, vor dem silbernen Vorhang, der wie Lametta aussieht, stehen schon andere Schränke. Der Mann am Klavier (Peter Kosiol) wird öfter aufstehen und uns erklären, in welchem Jahr wir sind und was da weltpolitisch passiert. Ansonsten wird er, ganz der professionelle, souveräne, routinierte Barpianist, die wenigen verbliebenen Reste von Kreislers genialen Chansons begleiten. Der Mann am Tisch (Wieland Härter) wird Fahnenpfeile in die Bühnenmitte werfen, um das Land anzudeuten, in dem die jeweilige Szene spielt. Und er wird alle Nebenrollen übernehmen und damit den „Spielball Lola“ mehrmals großteils heftig abprallen lassen. Er ist die zynische, brutale Realität, an der diese Lola letztendlich resigniert. Eine im Grunde sehr schöne Regieidee. Regisseur Markus Bauer vertraut aber nur wenig auf den Text Kreislers. Er inszeniert Stimmungen, schafft Momentaufnahmen, in denen Lola (Susi Wirth) zwischen dem Klavier und dem Tisch hin- und her geworfen wird. Ihr Enreee? Aus dem Schrank, den die beiden Männer hereingefahren haben.

Es gibt kein „Im Theater ist was los“. Eine Handpuppe erklärt Lola, dass sie aus der Pension Aida ausziehen muss. Während der Umziehpausen sinniert wieder eine E-Gitarre, dazu drehen sich die Lichtsterne im Raum. Diese sehr ausdrucksstarke Lola singt mit rauchiger, lasziver Stimme. Leider singt sie nur wenig von dem, was Kreisler anbietet. In Zürich etwa gibt sie keineswegs „Die Wahrheit vertragen sie nicht“, sondern nur „Ich bin die fesche Lola“. Es ist kein Ort, wo sich eine Künstlerin wohl fühlt. Ein besoffener Möchtegernexhibitionist läuft mit zwei Luftballons vor der Hose herum und will damit imponieren. Die Zigarette rauchende Lola versucht, ihm zu entkommen. Lola fährt dann mit dem Schiff nach Amerika. Zwar meint der Mann für alles, sie möge auch für die Passagiere der 2. Klasse singen, diese Lola tut es aber nicht (weder das „Mädele“ noch das „Herrliche Weib“), stattdessen langweilt sich und uns ein einsamer Mundharmonikaspieler, bis Lola endlich „Sex is a wonderful habit“ als exaltierter Vamp ausspielt. Die geile Anbiederung des Fans kotzt sie an („Der Herr ist mir fremd“), dabei trägt sie eine rote Joggingjacke. Sie muss wieder vor das Publikum, dreimal schafft sie es noch, „Sex is a wonderful habit“ hinzuspucken, dann geht sie k.o. – vom Alkohol und dem Exhibitionismus ihrer Kunst zerstört. Während sie reglos auf der Bühne liegt, stellt sich der Mann für alles mit dem Textbuch zum Klavier und trägt bewusst ausdruckslos „Heut will ich mich besaufen“ vor. Der Pianist präludiert „Ich hab dich zu vergessen vergessen“, und Lola spricht dazu, auf das Wiedersehen mit Leo hoffend, den Text, als spontane Idee in ein Sprechmikro des Mannes, zwischen Sehnsucht, Verzweiflung und Resignation. Ein ganz starker Moment! Es gibt aber kein Telefonat mit Leo, Lola will ihn in Wien finden. Wieder monologisiert die Handpuppe, diesmal als deutscher Handelsreisender am Schiff. Aber: Keine „Frau Schmidt“, keine „Alten Tränen“, kein Versuch, den Theaterdirektor am Telefon zu erreichen, kein „Im Theater ist nichts los“ (wie kann man nur!), kein „Wo sind die Zeiten dahin“ – sofort nach der Handpuppe das finale Lied „Zu leise für mich“. Dann sagt Lola „Saujude“, und die E-Gitarre wummert wieder. Lola geht in den Schrank zurück, die beiden Männer bauen ab und räumen die Requisiten weg.

Wer „Heute Abend: Lola Blau“ kennen lernen möchte, sollte sich nicht die Inszenierung in Konstanz ansehen. Wer die Kreativität des Regisseurs Markus Bauer kennen lernen möchte, wird dort nicht enttäuscht werden. Die Veranstaltung sollte aber bitte auch entsprechend korrekt beworben werden…

Fotos zu dieser Aufführung gibt es hier:
http://www.theaterkonstanz.de/tkn/veranstaltungen/01207/index.htm
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Guntram am 23. Juni 2007, 22:50:23
Alexander wie immer schön zu lesen. Hört sich doch wie Regietheater an, oder?

GK würde den Regiseur lieben .... ::) ::) ::) ::)



PS: Alexander mach doch an und zu einen Absatz, ich hab Probleme beim lesen.  ;)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 23. Juni 2007, 23:26:32
Sag mal - bei all den Kürzungen - wie lang war bitte det Janze? 20 Minuten?  ;)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 24. Juni 2007, 10:08:39
Genau eine Stunde.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 25. Juni 2007, 20:06:38
Die Produktion, die ich in Linz vor zwei Jahren gesehen habe, kommt im Juli nach Köln:

http://theater-im-bauturm.de/php/sommergaeste.php?menrep=137
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Andrea am 25. Juni 2007, 21:59:10
Schade. An dem Tag kann ich nicht. Also am 14. bin ich zwar in Köln, kann nicht hin gehen, und ab dem 17. Juli bin ich in Kassel.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Volker2 am 03. Juli 2007, 23:16:51
Ein kleiner Reise-Tipp für Alexander:

(http://www.theaterhintenlinks.de/public_de/storage/files/img_20060212T154003362.jpg)

LOLA BLAU im Krefelder "theater hintenlinks"

http://www.theaterhintenlinks.de
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 04. Juli 2007, 09:20:38
Zitat:
Ein kleiner Reise-Tipp für Alexander:

Grundsätzlich danke und natürlich interessant, aber ich bitte hier "Heute Abend: Lola Blau" nicht auf meine Reiseplanungen zu reduzieren, das ist einfach ein grandioses Werk von Georg Kreisler, das sich jede/r anschauen und anhören sollte, der es irgendwo in der Umgebung besuchen kann!
Wer eine CD greifbar hat (egal mit wem): Anspieltipp "Sie war liab" - für mich eines der besten Lieder von Georg Kreisler überhaupt (unter den vielen besten)!

Herzlicher Gruß
Alexander

PS: Ab Ende September gibt es auch eine Neuproduktion in Ingolstadt im Altstadttheater.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 04. Juli 2007, 10:41:39
Ich hab grad statt "Lola und das Blaue vom Himmel. Eine Erinnerung" "Heute abend: Lola Blau und Nichtarische Arien" aus dem Henschelverlag bekommen. Umtausch dürfte schwierig sein (das Antifaquariat hat wahrscheinlich nur DDR-Literatur).
Falls kein Umtausch möglich: hat jemand Interese?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 04. Juli 2007, 11:32:54
Sei froh. Das Buch ist ziemlich schlecht. ;) 8-)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 23. August 2007, 11:15:21
http://www.hoftheater-bergkirchen.de/Hoftheater-Bergkirchen/Lola.html

Lokale Produktionen wie diese kriegt man nur "durch Zufall" (meist zu spät) mit...

(Immerhin kann man sich anhand der Bilder einen Eindruck verschaffen...)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 23. August 2007, 12:03:22
Cool - man kann sich bei jedem Bild genau denken, welches Lied grad dran ist. :)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 26. August 2007, 18:41:41
EIN HÖCHSTMASS AN AUTHENTIZITÄT

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler im „theater hintenlinks“ (Krefeld), 25.8.2007

Der Pianist beginnt, rechts an der Seite hinter dem E-Piano versteckt, zu spielen. Aus einer überdimensionalen Hutschachtel steigt Lola Blau – „Im Theater ist was los“, hier vorgezogen vor das Telefonat mit Onkel Paul. Lola erklärt uns danach, dass wir uns im Wien des Jahres 1938 befinden. Auf das Telefon wird verzichtet, Lola „telefoniert“ ohne Armeinsatz „ins Publikum“. Regisseur Peter Gutowski, der an sich auf der breiten Kleinbühne mit der üblichen „Requisitenlänge“ arbeitet (interessant vor allem der Einsatz einiger Spiegel an der Wand hinten!), orientiert sich in der Folge, auch die Zuspielungen vom Band unterstreichen dies, an Topsy Küppers´ Aufnahme, in den Zwischentexten (bei denen die Hauptdarstellerin auch einige Nebenrollen spricht) teilweise bis zur Kopie der Nuancen des Sprachtonfalls. (Das fällt natürlich nur so einem Fachtrottel wie dem Schreiber auf.)

Im Grunde geht diese konservative, Küppers´ Originalaufnahme und Georg Kreislers Libretto sowie seinem Klavierauszug bis auf ganz marginale Abweichungen und Freiheiten ziemlich genau folgende Theaterarbeit ziemlich unter die Haut. Die politisch zunächst naive Lola muss über die Schweiz in die USA emigrieren, macht dort Showkarriere und kehrt nach Alkoholproblemen nach Wien zurück, wo sie als Kabarettistin weiter auftritt. Gesanglich ist Anuschka Gutowski ganz und gar keine Kopie von Topsy Küppers. Sie hat eine weit hellere Chansonstimme. Sehr behutsam, vielfach betont still, bewusst langsam sind die grandiosen Nummern von Kreisler aufbereitet. Das Publikum hat so die Möglichkeit, jede Aussage, jede Nuance wirklich aufzunehmen, in sich arbeiten zu lassen. Eine so auf die Aussage Wert legende Inszenierung erreicht genau deswegen eine besondere Intensität, erzeugt extreme Betroffenheit. Wirklich gut ist, dass Kreisler auch komödiantische Nummern eingebaut hat. Sonst wären diese fast zwei Stunden kaum zu verkraften. So geht das Stück Zeitgeschichte, gespiegelt am Beispiel einer Künstlerin, heftig unter die Haut, es lässt keinen kalt.

Der wegen einer Unterarmverletzung gehandicapt entschuldigte Pianist Oliver von Klot-Heydenfeldt hält gut durch und darf zwischendurch Scott Joplin spielen und sogar „Wien, Wien nur du allein“ am Klavier singen. Leider (zumal in dieser sehr guten Aufführung) gibt es wieder einmal kein „Mäderle“. (Dass der Wien-Teil aus „Sie war liab“ gestrichen wurde, fiel im Raum wahrscheinlich auch nur dem Schreiber auf.) Als Shownummer sehen wir einen angedeuteten Striptease, allerdings erst nach dem Lied „Heut´ will ich mich besaufen“. Übrigens ist bei dieser Inszenierung erst danach die Pause angesetzt. Herr Schmidts Worte an Lola werden auf deren Rückreise nach Europa nicht vom Band eingespielt – Lola liest sie als Brieftext. Zur Verstärkung beklemmender Momente spielt der Pianist am E-Piano einen unheimlich mitklingenden lang ausgehaltenen Ton. Am Ende, nach „Zu leise für mich“ (der kabarettistische Mozart davor entfiel ebenfalls), sieht man, dass Lola alt und müde geworden ist. Sie rafft sich aber noch einmal auf und fragt vergeblich, einmal mehr, nach Leo. Ein sehr berührendes Ende eines auffallend genau nuancierten und doch künstlerisch hoch intensiven Theaterabends!

Wer so viele „Lola Blaus“ gesehen hat wie der Schreiber, darf sich schon die Bemerkung erlauben: Wer „Heute Abend: Lola Blau“ so kennen lernen möchte, wie es sich Georg Kreisler vorgestellt hat, wird in Krefeld (es gibt noch Vorstellungen mindestens bis 1.12.2007) ein besonders hohes Maß an Authentizität erleben.

www.theaterhintenlinks.de

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 26. August 2007, 22:01:03
Ich hätt's lieber mit einem anderen Pianisten gesehen. ;) (Ok ich geb zu - das kann ausser Alexander niemand verstehen.)
Jedenfalls: klingt spannend - ich bin ja sowieso immer ein bissel verschnupft, wenn die Inszenierungen ZU anders sind - ich hab immer das Gefühl, da hat jemand dem Autor nicht vertraut. Dass die Wienteile wegfallen, kann ich verstehen: wenn man es nicht überdeutlich in Wien spielen lassen will, um auf die Allgemeingültigkeit hinzuweisen - ausserdem: auch in Krefeld können die nicht soo gut Wienerisch. Auch, dass das Mädele weggelassen wird (ohne "r" - sonst wär's wienerisch, nicht jiddisch) kann ich auch verstehen: man muss dafür einen Mann spielen - und ich hab bis jetzt nur sehr wenige Menschen gesehen, die ohne Peinlichkeit nicht nur einen Mann, sondern einen jiddischen Bocher spielen können. Ausserdem ist die Nummer nicht leicht: eine Gratwanderung zwischen traurig und lustig.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 27. August 2007, 12:06:32
Die Schreibung "Mäderle" habe ich von der Preiser Do-CD mit Topsy Küppers übernommen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 27. August 2007, 13:50:18
Eecht? Da steht das so? Auf den GK-Platten nicht. Na, ist ja wurscht.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 09. September 2007, 16:19:47
http://kotisivu.dnainternet.net/juheni/lolablau/index.htm

Hier eine "Lola Blau" aus Finnland. Unter "Kuvagalleria" gibt es Fotos.

Die nächsten Neuinszenierungen in Deutschland werden angekündigt in Ingolstadt (22.9.), Erfurt (28.9.) und Flensburg (1/2008).

Ingolstadt:
http://www.webchallenge.de/theater/

Erfurt:
http://www.theater-erfurt.de/

Flensburg:
http://www.sh-landestheater.de/

Und Ines Martinez (von der es ja auch eine "Lola Blau" CD gibt) versucht´s in der Provinz:

28.09.07
20.00
Alte Pfarr
88364 Wolfegg
www.wolfegg.de
07527 / 96 01-51

29.09.07
20.00
Seebachhalle
88371 Ebersbach-Musbach
www.ebersbach-musbach.de
07584 / 9 21 20

http://www.inesmartinez.de/lola.htm

Bis 1.12. noch am Spielplan: die hervorragende Produktion in Krefeld (Link siehe weiter oben).
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 10. September 2007, 20:21:34
SPANNENDE NEUDEUTUNG

Stella Fürsts CD-Aufnahme von „Heute Abend: Lola Blau“

1999/2000 spielte Stella Fürst Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ im Wiener Theater in der Drachengasse und im Rabenhof. Die selbst produzierte CD dazu wurde 1999 im Studio Christian Kolonovits aufgenommen und im Rabenhof im Umfeld der Vorstellungen verkauft.

Es ist im Gegensatz zur Originalaufnahme mit Topsy Küppers keine Hörspielfassung, Stella Fürst singt, am Klavier begleitet von Marcelo Onofri, vierzehn Lieder aus dem Musical. Diese Entscheidung reduziert das Dokument einerseits zur Erinnerung für diejenigen, die damals im Theater waren, andererseits zur Verselbständigung der Chansons außerhalb deren Position im Werk. Leider fehlt „Sie war liab“, das ist schon sehr schade. Stella Fürst singt heller, höher und spitzer als Topsy Küppers, sie ist stimmlich eine deutlich jüngere Lola Blau. Ihr Bemühen um den richtigen Ausdruck für jedes Lied ist großartig, sie nimmt jede Nuance ernst und gibt ihr den passenden Tonfall.

Das Ereignis ist trotzdem nur zum kleineren Teil sie, denn die Aufnahme der Lieder macht der Pianist an ihrer Seite absolut einmalig. Onofri groovt und schwebt inspiriert und kreativ weiter denkend über Georg Kreislers Vorgaben, er schafft sie quasi neu aus dem Impetus seiner vitalen Musikalität am Klavier heraus. Die neuen Farben kommen auch bei den klug gewählten Rubatopassagen zum Vorteil, nicht stur an der Originalvorlage klebend, sondern das Werk neu erfühlend. Onofri spielt fast immer die Melodiestimme nicht mit, was Stella Fürst viel Freiraum gibt. Die beiden sind auch im Studio hörbar gut aufeinander eingespielt, ohne eine gewisse spontane Spannung vermissen zu lassen.

Nach „Im Theater ist was los“ gibt es „Weder noch“. Hier spannen die beiden einen schönen großen musikalischen Bogen. Bei der „Sympathie“ genehmigt sich Onofri inspirierte Barmusiksoli als Zwischen- und Nachspiel. Dann sagt er Lola zu „Die Wahrheit vertragen sie nicht“ an, er fragt im Lied auch „Und wenn er ein Lump ist?“, und er pfeift auch schon mal die Melodie. Den Anfang von „Der zweitälteste Frauenberuf“ inszenieren die beiden dialogisch. Deutlich hebt Stella Fürst im Lied „Sie ist ein herrliches Weib“ das jüdische Sprachidiom hervor.

Am ausgefallensten ist „Sex is a wonderful habit“. Das wurde mit Keyboardsounds aufgenommen, als sanfter Hip Hop eingespielt, als hätte sich Serge Gainsbourg dieser Nummer angenommen. Genial der „neue“ Klavier-Subtext des Pianisten bei „Ich hab´ dich zu vergessen vergessen“, verträumt-schwebend umschmeichelt das Klavier die hier sehr ausdrucksstarke Sängerin. Stella Fürsts „Frau Schmidt“ kommt offenbar aus einer Simmeringer Hausmeisterwohnung, so lebt sie im „ordinär Wienerischen“ auf. Nach dem „Vergessen“-Höhepunkt ist „Alte Tränen“ der nächste. Wieder schaffen Stella Fürst und Marcelo Onofri eine ganz eigene Atmosphäre, um die Stimmung zu verdeutlichen. Die große „Herr Direktor“-Nummer verzichtet bei den Überleitungen auf das Klavier, Stella kann so den (bewusst unterwürfig sich anbiedernden) Dialog freier bringen. So wienerisch wie selten hört man hier (nach der Frau Schmidt) das Wiener Wäschermädel. Wer kreuz und quer durch Deutschland schon etliche Lola Blaus gesehen und gehört hat, die sich alle mehr oder weniger gut am Wienerischen versucht haben (was allerorten aber immer fast am besten beim Publikum ankam), hört diese Nummer ungewohnt „original“. Noch einmal erzeugen die beiden große Intensität bei ihrer Aufnahme von „Wie kommt es“, ehe sie „Zu leise für mich“ nur eine flotte, dadurch fast beiläufig wirkende Fassung gestatten.

Insgesamt eine spannende Neudeutung, die Kreislers Vorlage sehr inspiriert deutet, sie aber dabei immer absolut ernst nimmt. Die CD ist wohl vergriffen, aber vielleicht gibt es eine Chance über Stella Fürsts Homepage http://stella-fuerst.com/ . Dort kann man unter „Media“ auch Fotos aus der „Lola Blau“ Produktion sehen.

Demnächst gibt es hier Anmerkungen zu Jutta Czurdas „Lola Blau“-Aufnahme.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 12. September 2007, 21:00:56
EINE DAME ALS LOLA BLAU

Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ mit Jutta Czurda auf CD

(http://g-ec2.images-amazon.com/images/I/514TPPYPXPL._SS500_.jpg)

Die Produktion im Stadttheater Fürth (Regie: Werner Müller, Bühnenbild: Ruth Zadek) wurde ab 10.4.1999 gespielt. Es wird wohl eine „konservative, werkgetreue“ Inszenierung gewesen sein. Man hört Radiomusik, Bahnhofsgeräusche, die für die 78 Minuten Spielzeit der CD (Stadttheater Fürth STF-03) verknappten Zwischentexte, zum Teil von zwei Männerstimmen geboten (Raimund Gensel, Sevan Minasian), und man hört vor allem die berührende Geschichte der jüdischen Künstlerin Lola Blau, die 1938 von Österreich über Basel in die USA emigrieren muss, dort Showkarriere macht und als resignierende, politisch bewusster gewordene Kabarettistin wieder in Wien landet.

Der Mitschnitt beginnt gleich mit „Im Theater ist was los“. Am Klavier ist Thomas Fink ein hörbar hochkarätiger, routinierter Begleiter derartiger Produktionen. Er orientiert sich viel am Original, weiß aber mögliche sinnvolle Freiheiten sehr schön (und einfühlsam!) auszukosten. Die Frau Fini, die Lola Blau zum möglichst raschen Auszug aus der Pension Aida nötigt, wird hier weggelassen. Jutta Czurda ist eine echte Dame, auf jeden Fall stimmlich. Sie wäre auch (und ist es sicher) eine ideale Interpretin der großen Chansons der Damen Dietrich oder Leander, und es gibt von ihr (ebenfalls vom Stadttheater Fürth produziert) auch eine Brecht CD. Noch in Wien singt Lola „Sie war liab“, in Basel dann „Sympathie“, „Die Wahrheit vertragen sie nicht“, „Weder noch“ und „Wie kommt es“, auf dem Schiff nach Amerika (in Herrn Bergers Monolog eingeflochten) „Der zweitälteste Frauenberuf“, „Ich hab a Mädele“ und „Sie ist ein herrliches Weib“, in den USA (sehr bluesig) „Sex is a wonderful habit“, „Der Herr ist mir fremd“, als Shownummer „umnebelt mit Big Band im Hall „Love me“, „Heut´ werd ich mich besaufen“ und „Ich hab dich zu vergessen vergessen“, und wieder zurück in Wien „Alte Tränen“, die große Präsentationsnummer vor dem Theaterdirektor „Im Theater ist nichts los“, als Kabarettnummer hier nachgereicht die „Frau Schmidt“ sowie als langsam verklingendes Finale „Zu leise für mich“.

Man hört, dass Jutta Czurda auf der Bühne „arbeitet“, aber sie kann offenbar gut „tanzen“, ohne dabei stimmliche Einbußen in Kauf nehmen zu müssen. Ein Profi durch und durch, vielleicht die stimmstärkste Lola zumindest der CD-Einspielungen, in der großen Tradition des deutschsprachigen, von Frauen gesungenen Chansons. Das an sich recht liebevoll gestaltete achtseitige Beiheft verschweigt allerdings Tamar Radzyner als Textdichterin von „Heut´ werd ich mich besaufen“.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 16. September 2007, 19:31:44
Die Stella habe ich damals in Wien gesehen - sie war wirklich sehr sehr gut, und auch der Pianist hat (vorwiegend stumm) mitgespielt und war mindestens genauso gut. Weniger gut gefiel mir, dass die Regie offenbar an einigen Stellen dem Stück nicht vertraut hat, und Dinge gestrichen hatte, die eigentlich extrem schön sind - so war zwar die kurze Reprise von "Sie war liab" (bei der Rückkehr)  drin, aber nicht das Original bei der Flucht - total doof. Keiner hat gewusst, was es soll. Da gab's ein paar Sachen, die mich gestört haben, in dieser Art, aber weil's schon so lange her ist, weiss ich nicht mehr genau was.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 17. September 2007, 11:09:45
Eine "Lola Blau" in der Schweiz (Premiere im November 2007):

http://kammerspiele.ch/seite.php?id=12
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 24. September 2007, 18:22:44
Hier der Link zur Premierenkritik aus Ingolstadt:

http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Neuburg/Uebersicht/Artikel,%22Lola-Blau%22-ist-erwacht_arid,1038862_regid,2_puid,2_pageid,4502.html

Ich werde die Vorstellung am 19.10. besuchen.
Auch im Donaukurier ist die Inszenierung sehr positiv besprochen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 25. September 2007, 16:50:57
EINE SOUVERÄNE LOLA BLAU

(http://www.jpc.de/image/w300/front/0/4501464.jpg)

Ewa Teilmans spielte im August 2000 ihre Produktion von Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“, die einige Jahre im Repertoirebetrieb aufgeführt wurde (siehe auch in diesem Thread), auf der Bühne der freien Waldorfschule in Münster zusammen mit dem Pianisten Wilhelm Rodenberg für CD ein (CD Musicom 010908). Es ist kein richtiger Livemitschnitt. Man hört Ewa Teilmans zwar „über die Bühne gehen“ und Szenen von rechts oder links singen, es gibt aber keinen Applaus, keine Geräusche, nur hin und wieder wohl Rodenberg als zweite Stimme. Die stark am Original orientierten Zwischentexte sind auf CD-Länge gekürzt, die Monologe (Berger, Schmidt, Pförtner) kann man im Klappcover nachlesen. Die CD beginnt direkt mit Lolas Telefonat mit Onkel Paul. Statt der Frau Fini ist hier ein Herr Josef für die Pension Aida verantwortlich. An sich zeigen Teilmans und Rodenberg aber großen Respekt vor der Vorlage, Rodenberg spielt ziemlich genau, was im Klavierauszug steht, nimmt sich kaum Freiheiten. Es fehlen keine Musiknummern, auch das „Mädele“ und Mozarts „Sonata facile“ („Wo sind die Zeiten dahin“) sind auf der CD enthalten. (Somit bietet Ewa Teilmans neben Topsy Küppers, was die Musik betrifft, den vollständigsten CD-Mitschnitt des Werks.) Als Shownummer wählt Ewa Teilmans Cole Porters „My heart belongs to daddy“. Von Anfang an strahlt die Künstlerin (zu selbstverständliche?) Souveränität aus. Sie hat mit dem Pianisten genau alle Rubati einstudiert, damit man auch wirklich jede Nuance gut versteht. „Sex is a wonderful habit“ singt sie mit einem ganz bewusst volkstümlich-deutschen Akzent. Die Aufnahme wirkt von den verfügbaren für mich am pädagogischsten.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 01. Oktober 2007, 22:20:04
LIZA MINNELLI IN DER PFARRSCHEUER

Ines Martinez als „Lola Blau“ in Georg Kreislers Musical, Pfarrscheuer Ebersbach-Musbach, 29.9.2007

Man marschiert etwa 5 km vom Bahnhof Aulendorf nach Ebersbach-Musbach, bzw. man verläuft sich so wie der Schreiber am Weg und dankt dem Himmel ausnahmsweise für die eigene Klugheit, die Telefonnummer des einzigen Aulendorfer Taxiunternehmens und sogar das Handy mitgenommen zu haben, was das Ende der Wanderung in Ried und das überpünktliche Erscheinen bei der auf Ines Martinez´ Homepage angegebenen Seebachhalle ermöglicht. Doch dort ist alles dunkel, dort findet ganz sicher nicht in etwa 20 Minuten „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler statt.

Im Gasthof nebenan erfahre ich, dass „Lola Blau“ stattdessen 500 Meter weiter oben im Dorf, in der Pfarrscheuer, gegeben wird. Da passen etwa 70 Leute hinein, und die Bühne ist so winzig, dass sich Lola, umgeben von den notwendigen Requisiten wie Tisch, Koffer, Stuhl, Telefon, Kleiderständer, links braunes Pianino mit Pianist und rechts Regal mit Radio darauf, eigentlich nur im Stand bewegen kann. Hinten am schwarzen Vorhang hängt das Bild von Leo, das bald mit Lola auf die Reise gehen muss, doch zuvor begrüßt der Bürgermeister in diesem intimen ländlichen Rahmen auf Schwäbisch (für einen „g´scherten Weana“ allemal eine Fremdsprache, ähnlich Schwyzerdytsch oder Plattdeutsch) das Publikum. Wir sind am Land, da wird unterschiedlichste Kultur geboten, und man wird vorgewarnt, „die heutige Kulturveranstaltung“ werde „anspruchsvoll“, aber auch unterhaltend.

Georg Kreislers Lola Blau muss 1938 von Wien aus in die Schweiz und dann in die USA emigrieren, um nach dem Krieg in Wien als Kabarettistin neu Fuß zu fassen. Ines Martinez hat diese für sie ideale Rolle auf dem Theaterschiff Heilbronn herausgebracht und bietet sie nun als Gastspielproduktion an. Die Nebenstimmen kommen vom Band, auch die Zuspielungen der Musik und der Hitler-Reden. Man hat nur teilweise auf das Material von Topsy Küppers´ Erstaufnahme zurückgegriffen, vielmehr eigenständig neu aufgenommen. Lola singt leicht verstärkt, was die Textdeutlichkeit wunderbar erhöht. Pianist Martin Giebel orientiert sich stark am Original-Klavierauszug, er ist routiniert und versiert, auf ihn kann sich die Künstlerin stets verlassen. Als Barpianist am Schiff spielt er „Ich hab dich zu vergessen vergessen“.

Mir fiel bei dieser Lola Blau Liza Minnelli ein, nicht nur wegen der Perücke und wegen der wandlungsfähigen Stimme, nein, vor allem wegen der großartigen Entertainment-Qualitäten von Ines Martinez. Die Inszenierung folgt streng der Vorlage von Kreisler, hoch anzurechnen ist die Vollständigkeit – es wird keine Nummer ausgespart, auch das „Mäderle“ nicht, auch nicht die Mozart-Verwortung „Wo sind die Zeiten dahin“. Von Anfang an spielt Ines Martinez ihre Qualitäten als geborene Entertainerin aus, sie versucht nicht (wie andere Darstellerinnen), auch die Unsicherheit der jungen, naiven Lola Blau durchschimmern zu lassen,  bringt gleich die ersten flotteren Nummern wie „Im Theater ist was los“ oder „Die Wahrheit vertragen sie nicht“ als schmissige Shownummern, die beim Publikum auch sofort gut ankommen.

Überhaupt ist das Publikum sehr offen, ganz anders als das oft verschlafene, verhärmte Stadtpublikum. Jede Pointe wird dankbar belacht. Da verschwimmt die Grenze zum bitteren Ernst der Zeitsituation, in der das Stück spielt, allerdings manchmal bedenklich. An zwei Punkten zeigt sich das evident. Wenn Lola Blau nach der „Wahrheit“ einige falsche Abgänge macht, applaudiert ihr das Publikum gerne mehrmals – in den vom Band eingeblendeten Bombenhagel hinein. Und wenn ganz am Ende Lola vom Portier in pseudo-wienerischem Tonfall erfährt, dass Leo als „Judensau“ beschimpft wurde und sich daraus eine Schlägerei ergab, lachen auch Teile des Publikums. Da wird dem Schreiber innerlich kurz ganz eiskalt.

Ines Martinez ist eine tolle Loa Blau. Sie nimmt die winzige Bühne leicht, als wäre das selbstverständlich. Sie bringt als Shownummer „Mein lieber Herr“ mit souveränem Showtalent. Sie wechselt bei der „Frau Schmidt“ nur durch Brillenaufsetzen sehr amüsant von der Erzählerin zur Rolle. Und sie singt, obwohl vielfach recht flott unterwegs, wunderbar textdeutlich und ausdrucksstark. (Das lässt sich auch auf dem leider nur 40 Minuten, 12 Nummern – darunter ein Dialogtrack, nämlich Frau Finis Aufforderung, die Pension zu verlassen – beinhaltenden, vom Theaterschiff Heilbronn produzierten, mit dem gut groovenden Pianisten Michael Stauss eingespielten CD-Zusammenschnitt, erhältlich über Ines´ Homepage www.inesmartinez.de , wo man auch ein paar Fotos zur Produktion findet, überprüfen.) Grandios die letzte Nummer „Zu leise für mich“, wenn sie sich abschminkt. Da wird aus der „deutschen Liza Minnelli“, die die Perücke abnimmt, ein völlig anderer Mensch, da demaskiert sich die Kunst als Fassade, hinter der jemand ganz anderer zum Vorschein kommt.

Am Ende spricht wieder der Bürgermeister, es gibt Honig für die Lola und für den Pianisten, und weil Ines Martinez ihr vier Monate junges Baby dabei hat, gibt es auch Alete. Die Künstlerin bedankt sich beim Publikum: „Gestern in Wolfegg – das war nichts dagegen.“ Da hat sich der Schreiber offenbar alles in allem die richtige Vorstellung ausgesucht, und er freut sich auf die Nachtwanderung zurück nach Aulendorf, wo es noch ein Dorffest gibt und die Zeit damit kürzer wird bis zum ersten Zug nach Ulm, dann weiter mit lauter Oktoberfest-Wahnsinnigen in vollgestopften Zügen nach Augsburg und München…
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 02. Oktober 2007, 00:47:32
Wow. Ich glaube, von allen Lolas, die Du hier beschrieben hast, ist das die, wo ich am liebsten dabei gewesen wäre! Die Sounds auf der HP dauern mir jetzt zu lange zum downloaden, aber von den Fotos her entspricht sie, scheint's, auch am Meisten dem "Typ" Lola  - jedenfalls für meinen Geschmack.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Maexl am 02. Oktober 2007, 23:24:52
wow... wenn ich das frueh genug gewusst haette und ich nicht in london waere haettest du das vergnuegen gehabt lola mit mir zu bewerten.  ;). In der gegend oberschwabens bin ich hin und wieder... ich habe freunde in weingarten und ravensburg. das haette sich sehr angeboten, diesen etwas kreisler zu zeigen. dann haette sich vielleicht auch noch ein auto nach ulm gefunden... (achja - solange bauarbeiten sind darfst du auch als regionalticketnutzer bis ulm mit ic fahren).
aulendorf hat ein nettes thermalbad... negativ: keine toilette beim bahnhof *grml*. kam dein zug auch auf diesem daemlichen gleis ausserhalb? das zu finden war mein problem damals.

lg, Max
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 03. Oktober 2007, 11:43:29
Keine Toilette auf Bahnhöfen ist immer ..., da freut man sich auf Gasthäuser oder Bäume in der Umgebung.  ;) Diesfalls war nachts bis 3 Dorffest in Aulendorf, also diesbezüglich kein prinzipielles Problem vorhanden.
Die Züge nach und von Aulendorf kamen und fuhren ganz normal, da gab es keine Absonderlichkeiten.
PS (auch an maexl): Post ist unterwegs, sorry für die Verspätung. Sollte am Donnerstag im Briefkasten sein.

Weniger off topic: Meine nächsten Lola-Berichte kommen wenn alles klappt aus Seeb, Ingolstadt und Erfurt.

Hier gibt es eine Premierenkritik aus Erfurt:
http://www.tlz.de/tlz/tlz.kultur.volltext.php?kennung=on2tlzKULKulNational39353&zulieferer=tlz&kategorie=KUL&rubrik=Kultur&region=National&auftritt=TLZ&dbserver=1

Und hier noch eine, dem Kritiker dürfte es nicht so gefallen haben:
http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/ta.kultur.volltext.php?kennung=on3taKULKulNational39353&zulieferer=ta&kategorie=KUL&rubrik=Kultur&region=National&auftritt=TA&dbserver=1  
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 20. Oktober 2007, 17:57:51
STARKE SZENEN, VERSCHENKTE GLANZNUMMER

Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ im Altstadttheater Ingolstadt, 19.10.2007

(http://www.webchallenge.de/theater/img/lolablau.jpg)

Regisseur Barry Goldman legt seine „Lola Blau“-Inszenierung als Rückblick einer Künstlerin an. Bettina Schönenberg tritt zur Melodie „Sie war liab“ auf, nennt den Titel des Werks und nennt ihn dann noch einmal – auf sich zeigend. Dann singt sie den Anfang des Liedes. Damit schlüpft sie vor uns in ihre Rolle.
Die Bühne (Konrad Kulke, Barry Goldman) ist dominiert von einem blau-violetten Rahmen. Lolas blaue Mütze und ihr genauso blauer Schal verstärken den gewünschten Farbton. Ansonsten die übliche leere Bühne mit den Requisiten vom Radio bis zu den Thonet-Stühlen.
Von Anfang an nimmt die musikalische Gestaltung für diese Theaterarbeit ein. Pianist Walter Kiesbauer (an einem Piano) hat den Klarinettisten, B-Klarinettisten und Saxophonisten Thomas Gschrey an seiner Seite, dessen Klangfarben die Lieder wunderbar bereichern. Überhaupt sind die zwei Musiker Musikanten in bestem Sinn. Selten hört man Kreislers Musik so frisch und herzlich, so wehmütig und klezmerisch wie hier in Ingolstadt.
Bettina Schönenberg singt unverstärkt, sie weiß großartig den Wechsel vom Sprechen zum Singen zu gestalten. Ganz entfernt ist sie vielleicht ein Typ wie Katja Riemann. Sie überzeugt als Schauspielerin wie als Chanson-Sprech-Sängerin.
Die Inszenierung folgt an sich ziemlich streng der Vorlage, mit kleinen verdeutlichenden Bemerkungen (die nicht unbedingt notwendig wären, aber meist auch nicht stören). Die meisten Stichworte (vom Zimmerwirt über den Briefträger bis zum Portier) liefert Pianist Kiesbauer, es werden aber auch viele Zuspielungen der Originalaufnahme mit Topsy Küppers eingeflochten (etwa Georg Kreislers Herr Berger).
Barry Goldmans Regiearbeit hat starke Momente. „Die Wahrheit vertragen sie nicht“, Lolas Schweizer Variete-Lied, wird als „Tourneeerfolg“ zerschnipselt und zur Reise der Verbeugungen durch Schweizer Städte karikiert. Ganz stark ist hier „Wie kommt es“. Lola, die ja von Österreich in die Schweiz auswandern musste, hat gerade erfahren, dass sie eine Chance erhält, in Amerika Fuß zu fassen. Interpretation und Musik steigern die Euphorie unglaublich intensiv – um sie im Bombenhagel des Krieges abrupt und brutal niederzuschmettern. Etwas gekürzt hören wir am Schiff nach Amerika „Der zweitälteste Frauenberuf der Welt“. Barry Goldman hat leider nicht durchgehendes Vertrauen in die vollständige Fassung, das wird sich später noch viel eklatanter zeigen. Zunächst überrascht man uns aber mit einer der musikalisch stärksten Fassungen des jüdischen Liedes „Ich hab a Mädele“, mit Klarinette und Akkordeon begleitet. Inszenatorisch stark wird auch Lolas Weg in den Alkoholismus eingefangen. Sie triumphiert mit dem „Herrlichen Weib“ und mit der „Wahrheit“ (wieder der Verbeugungs- und Applausreigen), was rauschhaft gesteigert wird bis zu einer fast brutal abtötenden „Kopfweh-Stille“ und hört sich dann, schon ziemlich gezeichnet, „I Will Entertain You“ im Radio an.
(„Der Herr ist mir fremd“ ist in dieser Inszenierung ausgespart. Und „Ich liebe dich“ hören wir nur, wenngleich frisch und stimmig, in einer Instrumentalversion als Umbaumusik aufs Schiff zur Rückreise nach Europa.)
Wie schon anderswo auch gesehen, liest Lola Blau den Text vom Herrn Schmidt als Brief vor. (Das zugehörige Lied folgt erst, nach nochmaligem Zitat aus dem Brief – etwas überdeutliche Hervorhebung! – als Kabarettnummer im Wiener „Cabaret Kaiserschmarrn“.) Der nächste musikalische Glanzpunkt in Ingolstadt ist „Alte Tränen“, wieder mit Klarinette und Klavier die Musik unglaublich intensiv einfangend. (Die Einleitung dazu gerät etwas penetrant pädagogisch, wenn der Stationssprecher am Westbahnhof bei der Ankunft die Opfer und  Zerstörungsergebnisse in Wien aufzählt.)
Ausführlich wie gewohnt versucht Lola, den Wiener Theaterdirektor ans Telefon zu bekommen. Der Kenner des Werks stuft diese Szene als Einleitung zur großen Nummer „Im Theater ist nichts los“ ein, in der sich die diversen Lolas als Schlagersängerin, Französin, Wienerin, Ungarin und Berlinerin präsentieren können. Und ausgerechnet in dieser klugen, musikalisch so feinsinnigen Inszenierung ist diese absolute Pflichtnummer gestrichen. Das ist immens schade. Lola skizziert textliche Motive daraus (die Entscheidung, sich dem kritischen Kabarett zuzuwenden) auf einem Blatt Papier und in einem Telefonat mit Leo, den sie wieder zu sehen hofft, aber das Publikum in Ingolstadt darf die ganze große Nummer nicht hören. Die „Frau Schmidt“ als Kabarettnummer wird sehr schön mit der bissigen letzten Strophe von „Wo sind die Zeiten dahin“ verschmolzen. Da spürt man, dass die Regie sehr wohl aufgepasst hat, was textlich verwertbar ist. Umso mehr ist zu bedauern, dass ausgerechnet „Im Theater ist nichts los“ gekippt wurde. Das Ende schließt den Rückblick sehr schön offen. Nach „Zu leise für mich“ spielen die beiden ausgezeichneten Musiker noch einmal „Sie war liab“ an, mit offenem Schluss.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 11. November 2007, 22:32:14
DEM DIREKTOR ERST IM KABARETT VORGESUNGEN

Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ in den Kammerspielen Seeb (CH), 9.11.2007

Die Kammerspiele Seeb sind ein nobles Kleintheater nördlich von Zürich in Bachenbülach. Intendant und Regisseur Urs Blaser hat dort eine der Vorlage weitgehend gerecht werdende, sehr ambitionierte „Lola Blau“ inszeniert.

Seine „Lola Blau“ ist die souveräne Christine Lather, eine in jeder Nuance professionelle Künstlerin, bei der man spürt, dass der Facettenreichtum dieser Glanzrolle keineswegs den ganzen Facettenreichtum dieser vielseitigen Könnerin abdeckt. Diese „Lola Blau“ agiert nicht an der Grenze ihres Könnens, sie ist von Anfang an enorm präsent. Das ist höchstes Schauspiel- und Chansonniveau. Der Vorhang geht auf, ein Sprecher sagt den Musicaltitel, und mit dem Rücken zum Publikum, im Abendkleid, steht Lola Blau in kerzengerader Starpose, und sie singt (zur Überraschung des Kenners) „Fängt´s schon wieder an“ an, das ist jene Nummer, die in Topsy Küppers´ Originalaufnahme als Shownummer in Amerika eingeflochten ist. Dann geht Lola ab und spricht aus dem Off ein Stück vom Text „Was man allen alles sagen könnte“ (aus dem Lied „Sie war liab“).

Jetzt beginnt das Stück gemäß der Vorlage, Onkel Paul ruft in der Pension Aida an und überrascht Lola, die vor Kriegsbeginn vor einem Engagement am Landestheater Linz steht, mit der Nachricht von der Flucht in die Tschechoslowakei. Das Spiel nimmt seinen Lauf, auch Lola muss weg, sie gelangt in die Schweiz, später in die USA, macht Showkarriere, erleidet Alkoholabstürze und landet schließlich als resignierende Kabarettistin wieder in Wien. Man setzt in dieser Inszenierung (Bühnenbild: Carla Schilling) auf Szenenwechsel mit Ab- und Aufblenden, mit diversen Requisiten, mit einer herunterrollenden Nazifahne, mit Rauchschaden des Orientexpress in Basel, mit der Projektion des nächtlichen Himmels bei den Schiffsreisen, mit einem Bett für die Alkoholikerin, mit den Zuspielungen der Musik vom Radio, der Reden und der neu eingespielten Nebenrollen vom Band. Der erste Teil folgt streng dem Original. Herr Bergers Worte an Lola auf dem Schiff nach Amerika sind – wie in anderen Inszenierungen auch – um den „Zweitältesten Frauenberuf der Welt“ gespannt, nicht als längerer Monolog nur danach zu hören. Pianist Peter Estermann sitzt rechts am Piano, er spielt auswendig und kann sich daher umso mehr auf die feine Nuancierung mit der Sängerin konzentrieren. Ein starkes Zusammenspiel!

Als Shownummer im zweiten Teil singt Christine Lather „Please Do It Again“. Auffallend bei dieser Produktion sind die sehr bewusst und ausführlich inszenierten Schauspielszenen. Sie dienen nicht nur der Überleitung zwischen den Chansons, man lässt sich Zeit dabei. Dadurch droht der zweite Teil „etwas ausführlich“ zu werden. Und schon sieht sich der oftmalige Besucher von „Lola Blau“-Vorstellungen bestätigt, auf der Rückreise nach Europa gibt es nach der Einspielung des Monologs vom Herrn Schmidt keine „Frau Schmidt“. „Alte Tränen“ singt Christine Lather aus dem Publikum kommend. Und dann eine vermeintlich eklatante Kürzung, zumindest schaut es zunächst so aus: Von der großen Nummer „Im Theater ist nichts los“ mit der Verwandlung der Künstlerin in eine Schlagersängerin, eine Chansonette, eine Wiener Operettensängerin, eine Ungarin und eine Berlinerin ist nur das Resümee übrig, nun mit Kabarett weiter zu machen. Muss das Publikum (wie in Ingolstadt) auf diese Glanznummer verzichten? Wir werden gleich ins „Kabarett Kaiserschmarrn“ versetzt, und dort singt Lola Blau nicht die „Frau Schmidt“, nicht Kreislers Bearbeitung von Mozarts Sonata facile, nein, sie bringt als Bravournummer „Ja Herr Direktor“ aus „Im Theater ist nichts los“, allerdings doch etwas gekürzt (Chansonette gekürzt, Wienerin ganz weg). Als zweite Nummer im Kabarett gibt es dann doch auch noch die „Frau Schmidt“. Vom Finallied „Zu leise für mich“, mit schönem fade out inszeniert, fehlt der Beginn, die Reprise „Sie war liab“.

Dem nach der großartigen Leistung der beiden Mitwirkenden (Lola Blau wie Pianist) hörbar total begeisterten Publikum sind diese Umstellungen und Kürzungen natürlich egal. In sich „stimmt“ diese Produktion, und wen es demnächst mal nach Zürich oder Umgebung verschlägt, der sollte einen Abend in Bachenbülach bei „Heute Abend: Lola Blau“ einplanen. Er wird ein unter die Haut gehendes Stück Zeitgeschichte aus dem Blickwinkel eines Künstler-Einzelschicksals auf künstlerisch höchstem Niveau erleben.

http://kammerspiele.ch/seite.php?id=12
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 12. November 2007, 13:11:25
Weisst Du, was mich interessieren würde: jeweils die psychologische Sicht der inszenierung: WEISS Lola, wenn sie in Amerika ist, was da in europa passiert, oder ist sie oberflächlich geblieben, desinteressiert, und kriegt alles erst mit, als sie wieder in Europa ist - quasi als Schock. Es geht nämlich vom Stück her irgendwie auch beides - sie könnte in den Staaten eine Tussi sein, Erfolg und Drinks und Männer - bis sie die Realität wieder einholt... Wie die Lola psychologisch dargestellt wird, und ob es da unterschiede gibt - das wäre spannend zu hören.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 12. November 2007, 16:07:24
Bei den meisten ist es der Schock - umso mehr geht oft "Alte Tränen" unter die Haut.
Die Zuspielungen vom Band und Lolas persönlicher Weg laufen bis dahin nebeneinander.
Allenfalls wird ein bewußtes Ignorieren oder Wegblenden mitinszeniert.
(Sehr deutlich gleich am Anfang: "Weißt du Onkel Paul, ich interessiere mich nicht für Politik." Und dann jedes Mal der Lacher im Publikum, wenn sie schön naiv sagt: "Der Hitler kann vertragsbrüchig werden, Lola Blau nicht.")
In den meisten Inszenierungen sind die Einblendungen vom Band auch gleichzeitig Szenenwechsel.
Da wirken die am stärksten, die Film- und Bildmaterial anbieten. Ist halt aufwendiger und teurer.
Ich finde jene Inszenierungen am stärksten, wo die Interaktion Künstlerin-PianistIn spannend ist.
Manche lassen die Lola oder den Pianisten den zeithistorischen Hintergrund sprechen. Das kommt aber dann oft etwas penetrant und belehrend rüber, wie mit dem Holzhammer, nicht subtil, etwa mit einer Reaktion Lolas darauf. Das lese ich aber auch nicht aus der Buchvorlage. Ich glaube, sie "verdrängt", bis sie nach Europa zurückkehrt ("Frau Schmidt", "Alte Tränen").
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 12. November 2007, 18:14:11
In der Ur- Lola war das nicht so - da war sie sich SEHR bewusst, seit der Schweiz und der "Ausschaffung", was da läuft, und beim Telefonat mit Leo wird ganz klar, dass sie alles verfolgt hat "und nach.....Dachau", sie brachte das Wort kaum raus. Daher auch das Besäufnis, daher auch "der Herr ist mir fremd" - der Abscheu vor dem Tanz auf dem Vulkan war immer deutlich. Und die Alten Tränen kamen eher als Bestätigung.
Sie hatte auch die Zuspielungen jeweils für den Szenenwechsel, beispielsweise gab es ein Foto von ihr auf dem Bahnhof, wartend, und dann eines mit einem alten Zug, und Rauch von links und dann rannte sie  (im gleichen Kostüm wie auf dem Foto) vor dem Foto auf und ab, suchte Leo - und es kam "man lächelt manchmal einen an".
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 12. November 2007, 20:48:56
Beim Telefonat mit Leo wiegeln die meisten ab, verdrängen weiter. Betonung auf: "Ich kann das jetzt nicht hören."

Ideal wäre ein Video von der Uraufführung. Gibt es wohl nicht...

Sollte ich jemals als Klavierspieler wieder eine Lola (mit)machen, werde ich ganz genau darauf achten!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 12. November 2007, 23:14:48
Ich glaub, damals gabs noch nicht mal Video, oder? Nur super 8. Uff. Ich bin alt.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 14. November 2007, 07:28:58
MAZ gabs schon (fällt ja wohl auch unter Video - Nam June Paik macht seit 1963 "Videokunst"), aber VHS erst seit 1976.

Quote (selected)
Uff. Ich bin alt.
Wann haste denn Geburtstag? ;)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 14. November 2007, 12:17:13
Das hab ich vergessen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 14. November 2007, 13:29:38
Dann bist du wirklich alt!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: whoknows am 14. November 2007, 13:42:47
Wovon sprachen wir? 8-)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 14. November 2007, 14:32:55
Von den 150 Mark, die ich dir 1953 geliehen habe ...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 08. Januar 2008, 12:14:55
Es gibt jetzt auch eine "Lola Blau" Produktion in Schwetzingen.

Hier die Premierenkritik. Wenn sie´s ab Februar weiter spielen, fahr ich vielleicht hin.

http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/20080107_srv0000001982723.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Maexl am 09. Januar 2008, 15:43:40
gut, dass du mich drauf hinweist - sag bescheid bevor du gehst... wäre bei mir in der nähe ;-)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Margarte am 12. Januar 2008, 19:49:40
Schleswig-Holsteinisches Landestheater, Kleine Bühne Flensburg

"Heute Abend: Lola Blau"

Premiere am 13. Januar um 19 Uhr

Als Lola Blau: Gabriela Kuhn

www.sh-landestheater.de
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 14. Januar 2008, 14:33:12
Ich war in der Premiere. Bericht folgt. Für mich eine sensationell gute Produktion (was an sich nicht viel heißt, weil ich relativ schnell Lola-begeistert bin wie man weiß, aber die war wirklich außergewöhnlich gut - keine, die Lola gespielt hat, sondern eine, die Lola Blau "lebte"). Mehr demnächst.
Nur soviel: Wer dort in der Gegend wohnt (ich kam von München, Schönes Wochenende Ticket 35 Euro, 2:20 Uhr ab München, neunmal Umsteigen, 17:52 Uhr Flensburg, zurück dann mit dem Nachtzug, war also "ein kleiner Sonntagsausflug") - UNBEDINGT hingehen. Das wird Georg Kreislers Vorlage wirklich in bestem Sinn gerecht. In allen Belangen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Maexl am 14. Januar 2008, 18:14:21
Quote (selected)
Es gibt jetzt auch eine "Lola Blau" Produktion in Schwetzingen.

Hier die Premierenkritik. Wenn sie´s ab Februar weiter spielen, fahr ich vielleicht hin.

http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/20080107_srv0000001982723.html

Quote (selected)
remiere :
Samstag, 5. Januar 08, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen :
Samstag, 12.Januar 08, 20 Uhr
Samstag, 19. Januar 08, 20 Uhr
Sonntag, 20.Januar 08, 19 Uhr
Donnerstag, 21. Februar 08, 20 Uhr
Freitag, 22 Februar 08, 20 Uhr
Ostersonntag, 23. März 08, 20 Uhr
Donnerstag, 3. April 08, 20 Uhr
Donnerstag, 10. April 08, 20 Uhr
Freitag, 25. April 08, 20 Uhr
Freitag, 2. Mai 08, 20 Uhr
Samstag, 10. Mai 08, 20 Uhr
Sonntag, 11. Mai 08, 20 Uhr

www.theater-am-puls.de/repertoireset.html

www.christine-rothacker.de

soll ich mit dem besuch warten?

lg, Max
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 15. Januar 2008, 11:47:58
Freitage, Samstage oder auch Ostersonntag kann ich am ehesten. Kann mich aber erst Anfang Februar festlegen.
Bin am 25.1. zunächst mal in Erfurt.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 16. Januar 2008, 19:47:06
LOLA BLAU, TOTAL GELEBT

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler auf der Kleinen Bühne im Landestheater Flensburg, Premiere am 13.1.2008

Am Samstag (12.1.) bis 15 Uhr noch bei einem Verwandtenbesuch in Wien, um 21 Uhr kurz im Münchner Büro, und dann doch der endgültige Entschluss, die Nacht weitgehend aufzugeben, denn den Süchtigen lockt „Lola Blau“, Hinfahrt mit DB Schönes Wochenende Ticket statt um 63 um 35 Euro, fünfzehneinhalb Stunden durch Deutschland: 2:10 Uhr ab München Hauptbahnhof, 3:27 Uhr ab Augsburg, 5:53 Uhr ab Nürnberg, 7:04 Uhr ab Lichtenfels, 8:19 Uhr ab Saalfeld (Saale), 9:21 Uhr ab Neudietendorf, 11:07 Uhr ab Göttingen, 14:00 Uhr ab Uelzen, 15:20 Uhr ab Hamburg Hauptbahnhof, 16:33 Uhr ab Neumünster, 17:50 Uhr Ankunft in Flensburg, 19 Uhr Vorstellungsbeginn im Landestheater. (Die Rückfahrt quer durch die Nacht mit City Night Line, aus Kopenhagen kommend, Flensburg 22:32 Uhr – München 8:57 Uhr, kostet dann schon 63 Euro, aber das „Sitz-Bett“ erspart immerhin ein Hotelzimmer. Ein „Sonntagsausflug“ in den Norden gewissermaßen.)

Die Bühne (Martina Lüpke) zeigt sich als Werkstatt: viele Requisiten, links das Pianino, vorne viele alte Wähltelefone am Boden. (Einige wird Lola Blau nutzen.) Hinten verschiebbare große Quader, auf die man auch Bilder projizieren kann. Von Anfang an ist klar: Dies ist eine Inszenierung (Jürgen Pöckel), die sehr genau darauf achtet, der Vorlage gerecht zu werden, ja mehr noch, die diese Figur Lola Blau (Gabriela Kuhn) ihr Schicksal von 1938 bis nach dem Zweiten Weltkrieg derart intensiv durchleben lässt, zwischen künstlerischer Total-Ambition und zeitgeschichtlich bedingter Total-Betroffenheit, dass man selbst nach so vielen Inszenierungen wie sie der Schreiber dieser Zeilen schon miterlebt hat, völlig verblüfft, hingerissen und bewegt von dieser Theaterarbeit ist. Man hat eigene Schlager-Zuspielungen ausgewählt und teilweise die Kriegsreden verwendet, die man auch aus anderen Aufführungen kennt. Die Stimmen der Nebenrollen (statt Frau Fini ist ein Herr Gruber zu hören) kommen aus dem Hintergrund, wahrscheinlich vom Band. Die Umbauten erledigt Lola Blau auf offener Bühne selbst. Man hält sich ziemlich streng ans Original, und die beherzte, sehr natürlich agierende Gabriela Kuhn nimmt den Zuschauer mit von Wien nach Basel und in die USA und dann wieder zurück nach Wien, und man geht staunend und fiebernd mit mit ihr, staunend ob der virtuosen Aufbereitung der Shownummern („Die Wahrheit vertragen sie nicht“, „Sie ist ein herrliches Weib“, „Im Theater ist nichts los“), fiebernd ob der wie sonst kaum betonten inneren Betroffenheit dieser Lola über die sie überrollenden politischen Ereignisse. Da werden Hitlers Brandreden nicht zu Umbaupausen degradiert, nein, da hört Lola und hören wir diese Wahnsinnsworte und sie treffen Lola wie uns mitten ins Herz. Viele Inszenierungen zeigen Zeitgeschichte und Lola, diese zeigt Lola mitten in der Zeitgeschichte. Gabriela Kuhn hat eine ausgezeichnete Chanson- und Operettenstimme für die Lieder des Georg Kreisler. Dass sie auf ihrem Weg durch großartige Hintergrund-Projektionen der Schauplätze der Handlung und mit genauso großartig ausgewählten Kostümen unterstützt wird, macht diesen Abend noch stimmiger.

Im zweiten Teil (nach der Pause) ist die Bühne weniger angeräumt, Lola hat mehr Platz. Nichts ist routiniert, hinter allem steht der fühlbare Wunsch, der Vorlage in jeder Nuance gerecht zu werden. Pianist Peter Geilich bleibt auch ziemlich streng am Original-Klavierauszug, auf ihn kann sich die Lola immer verlassen. Bei den virtuosen Shownummern gibt er ein höllisches Tempo vor, aber Lola schafft es, auch in diesem Tempo stets wortdeutlich zu bleiben. Ihre Gesangsstimme ist leicht verstärkt, das hilft etwas dabei. Die großen Charakternummern wie „Sie war liab“ oder „Zu leise für mich“ kommen sensationell intensiv und gehen unter die Haut wie nur selten. Gabriela Kuhn spart nichts aus, nicht die „jüdischen Glanznummern“ noch „Sex is a wonderful habit“ mit blonder Perücke im Dirndl, noch den „Mozart“, nur die freigestellte große Shownummer im zweiten Teil. (Hier wird lediglich durch angedeuteten Applaus und mit Verbeugungen der Erfolg der Künstlerin in Amerika angedeutet.) Der lang anhaltende Applaus des Premierenpublikums wird dieser Leistung mehr als gerecht.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Margarte am 16. Januar 2008, 21:57:07
Beeindruckend zu lesen. Das werde ich mir wohl nicht entgehen lassen. Danke Alexander!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Maexl am 17. Januar 2008, 12:16:22
also von der will ich ne DVD - aber mit gutem ton *heul*

welche der cds von lola blau würdet ihr mir denn empfehlen? topsy oder was neueres?

Max

PS: in schwetzingen kostet sie übrigens 16€/12€erm.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 17. Januar 2008, 13:24:16
Topsy Küppers ist immer gut, weil authentisches Original (auch mit Georg Kreisler an einem der beiden Klaviere). Hört sich an wie ein Hörspiel.
Auch Jutta Czurda geht als Hörspiel durch, das ist sogar eine Liveaufnahme.
Stella Fürst, Ewa Teilmans, Ursula Ruhs, Morag McLaren (englisch, siehe Thread "Tonight Lola Blau") und Ines Martinez bringen nur die Lieder, allenfalls kurze Textausschnitte eingeflochten oder im Coverbereich abgedruckt. Hab auf den vorangegangenen Seiten dieses Threads einiges zu den meisten CDs geschrieben.
Wenn es darum ginge, nur eine Aufnahme "auf die einsame Insel" mitzunehmen, würde ich die mit Topsy Küppers nehmen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Maexl am 21. Januar 2008, 12:55:12
Quote (selected)
Topsy Küppers ist immer gut, weil authentisches Original (auch mit Georg Kreisler an einem der beiden Klaviere). Hört sich an wie ein Hörspiel.

gibt es denn noch aufführungen / einspielungen mit 2 klavieren?

also ich war jetzt am samstag mal bei lola blau in schwetzingen. ob ich so ohne live-vergleiche dazu was sagen kann / soll hab ich noch nicht ganz entschieden  ;)

Max
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 21. Januar 2008, 13:31:36
Quote (selected)
Quote (selected)
Topsy Küppers ist immer gut, weil authentisches Original (auch mit Georg Kreisler an einem der beiden Klaviere). Hört sich an wie ein Hörspiel.

gibt es denn noch aufführungen / einspielungen mit 2 klavieren?

also ich war jetzt am samstag mal bei lola blau in schwetzingen. ob ich so ohne live-vergleiche dazu was sagen kann / soll hab ich noch nicht ganz entschieden  ;)

Max

Die anderen mir bekannten CDs setzen auf ein Klavier (bzw. tlw. Keyboardsounds), bei Ursula Ruhs kleine Jazzband.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 28. Januar 2008, 19:30:46
GROSSE OPER LOLA BLAU

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler im Theater Erfurt, 25.1.2008

Auf einer großen Opernbühne kann man Georg Kreislers Musical einer Künstlerin, die 1938 von Österreich über die Schweiz in die USA emigrieren muss und nach dem Krieg als Kabarettistin wieder in Wien Fuß zu fassen versucht, derzeit in Erfurt sehen. Das heißt: Viel Platz auf der Bühne, links der Flügel mit dem Pianisten, in der Mitte ein Laufsteg nach vorne (bis in die ersten drei Publikumsreihen – eine logische Möglichkeit, die Lola näher ans Publikum zu bringen), dessen drei Stufen hinten in den Vorhang münden. Wenn dieser sich öffnet, sehen wir zeithistorische Filmaufnahmen oder atmosphärisch stimmen wollende Filmmotive (Schienen, Schiffsdetails).

Gleich der Beginn kommt etwas plakativ daher. Man hört „Les Preludes“ von Liszt und sieht Filmaufnahmen jubelnder Nazis, und Hitler verkündet den Eintritt Österreichs in das deutsche Reich. Mit dem Holzhammer wären wir in der „richtigen“ Zeit angekommen. Ein Pianist wartet, bis die Künstlerin kommt, mit der er proben möchte. Lola hat in der rechten Bühnenhälfte einen Schrank zur Verfügung, der gleichzeitig Schminktisch und Kleiderständer ist, wenn man ihn öffnet. Mehr braucht auch die große Bühne nicht an Ausstattung (Susanne Besser). Die sprachlich sehr deutsche, alles andere als wienerische Lola Blau (Maria-Elisabeth Wey) hält (wie übrigens auch in der Meininger Inszenierung) einen Monolog über Juden, Neger und Inder, während sie sich umkleidet. Dann fragt sie den Pianisten (Veit Wiesler), ob Leo angerufen hat. Erst jetzt beginnt sie mit dem ersten Lied „Im Theater ist was los“.

Regisseur Karl-Heinz Krause vertraut Georg Kreislers Vorlage, vor allem in den Zwischentexten, nur teilweise. Offenbar empfindet Krause diese Zwischentexte als Korsett, das aufgebrochen werden muss. Entsprechend frei gehen seine Lola Blau und ihr Pianist damit um. Im ersten Teil kommt noch ein für den Kenner des Originals befremdliches Element hinzu: Einige Lieder werden szenisch unterbrochen (etwa mit Telefonaten) und dann fortgesetzt. Obwohl Lola Blaus Betroffenheit über die zeitgeschichtlichen Ereignisse deutlich herausgearbeitet erscheint, bleiben die Zuspielungen (Film und Ton) plakativ, allzu aufgesetzt, wohl um dem großen Theaterraum gerecht werden zu wollen. Maria-Elisabeth Wey ist von der Regie häufig zu Outrage angehalten. Sie macht ihr Handeln vielfach „größer“ als es sein müsste. Kreislers „Lola Blau“ passt aber nun mal eher in kleinere Räume als in ein großes Opernhaus.

Das Plakative, das Überbetonte, überdeckt manchmal leider das große Plus der Aufführung, die musikalisch eindringliche und kongeniale Interpretation der Kreisler-Lieder, vor allem der Charakterlieder wie „Sympathie“ oder „Alte Tränen“. Und hier wiederum erlebt man mit Veit Wiesler, der unter anderem bei Leonid Chichik und Lazar Berman studiert hat, einen der denkbar besten Pianisten für dieses Werk. Zur zu erwartenden Souveränität (er ist in dieser Fassung quasi zweiter Mitwirkender neben Lola) kommt bei ihm genau jenes Element großer künstlerischer Präsenz, das seine Arbeit außergewöhnlich macht. Die Symbiose mit der Lola ist grandios ausbalanciert. Wie er etwa „Die Wahrheit vertragen sie nicht“ bluesig beginnt, wie er jede Nummer einzufangen weiß, wie er stets mitatmet mit der Lola: sensationell gut! (Die "Wahrheit" beginnt Lola übrigens sich umziehend, erst zur zweiten Strophe ist sie „auf der Bühne“ damit.)

Herr Berger heißt hier Herr Grünstein, und Lola spricht Teile des Monologs selbst, in dessen Rolle schlüpfend. Im ersten Teil spart man in Erfurt nur „Ich hab a Mädele“ aus. „Sie ist ein herrliches Weib“ singt diese Lola mit einer Vogelscheuche als „Weib“ neben sich. „Sex is a wonderful habit“ macht sie als Monroe-Verschnitt, „Der Herr ist mir fremd“ als Vamp. Man erspart sich eine große Shownummer, Lola zieht sich um, dazu spielt der Pianist einen Blues. Er nimmt auch den Anruf von Leo entgegen, der Lola quasi zurückruft nach Wien. Und er macht auch den Herrn Schmidt. (Die musikalische Nummer dazu wird gekürzt – oder an diesem Abend verhaut, das ist nicht so ganz klar.) „Im Theater ist nichts los“, die große Nummer mit der Schlagersängerin, der Pariserin, der Wienerin und der Ungarin sowie der Berlinerin, kommt gut routiniert. Man wechselt direkt in „Wo sind die Zeiten dahin“, gekürzte Fassung, Lola wie eine Puppe an Schnüren agierend. Auch das große letzte Lied „Zu leise für mich“ wird gekürzt. Hat sich Regisseur Krause zu Beginn viel einfallen lassen, um „etwas zu machen“, so verlor er offenbar im zweiten Teil (vieles näher am Original, aber etwas lieblos durchgezogen) die Lust am Stück und ließ es „ablaufen“.

Am Ende sehen wir eine Projektion eines leeren Theater-Publikumsraumes. Das Bild könnte stark sein, wirkt aber wieder nur plakativ. Das Publikum im leider nur halbvollen großen Opernhaus anerkennt die künstlerische Leistung der Lola wie des Pianisten herzlich. Die beiden hätten sich eine kleiner dimensionierte, liebevollere Inszenierung, deutlicher an Georg Kreislers Vorlage, verdient.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Margarte am 30. Januar 2008, 01:14:28
Wiederaufnahme "Heute Abend: Lola Blau"
Junges Studio, Theater Lübeck

14. und 15. Februar, jeweils 20 Uhr
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 11. Februar 2008, 17:07:20
Soeben erst erfahren - noch bis 17.2. gibt es eine Lola Blau in Salzburg:
http://www.schauspielhaus-salzburg.at/
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 16. Februar 2008, 14:55:31
LOLA BLAU MIT RUBATO

„Heute Abend: Lola Blau“ im Foyer des Schauspielhauses Salzburg, 14.2.2008

Die Bühne (Rico Schubert) in diesem Foyer, einem „modernen Gewölbe“, macht sich wie in vielen anderen Inszenierungen des Musicals um eine jüdische Schauspielerin, die zu Kriegsbeginn von Wien aus über die Schweiz nach Amerika emigriert und nach einer Alkoholkrise als Kabarettistin wieder zurück kommt: kein wirkliches Bühnenbild, nur eine Spielfläche mit den notwendigen Requisiten, Stuhl, Telefon am rechts postierten Pianino, Kleiderständer. Für die Post in der Schweiz tut es ein von oben wie eine Spinne herunterfallendes Posthorn, für das Schiff ein Rettungsring.

Regisseur Florian Eisner fängt die Zeit, in der das Musical spielt, mit einem Erzähler (vom Band) ein, der sich Georg Kreisler nennt (aber nicht dessen Stimme hat) – damit erspart er sich die meisten Musik- und Hörfunkdokumente vom Band. Von diesem kommen aber sehr wohl die diversen Stimmen der Nebenrollen.

Allfällige musikalische Überleitungen obliegen dem sizilianischen Pianisten Fabio Buccafusco, der so Klavier spielt, als hätte er die Melodiestimme vor sich und improvisiere wie es ihm gerade einfällt eine Begleitung dazu. Das geschieht aber in offenbar sehr genauer Übereinstimmung mit der wunderbar natürlich spielenden und unverstärkt singenden Lola Blau der Daniela Gnoycke. Die Musiknummern atmen alle ein wie in nur ganz wenigen anderen Aufführungen erlebbares, von besonders deutlicher Verständlichkeit jeder Textnuance geprägtes Rubato. Der Gefahr des Zerfalls vieler Lieder in diese oft winzigen Details zu ungunsten der Geschlossenheit der Gesamtaufführung entgeht die Regie mit der ausgefeilt intensiven Interpretation durch Lola und den Pianisten, mit leichten Kürzungen in einigen Nummern (etwa „Im Theater ist nichts los“, das die Pariserin und die Berlinerin ausspart) und mit dem Wegfall einiger Szenen überhaupt.

Das Stück wird ohne Pause durchgezogen. Gemäß Vorlage sollte es auf dem Schiff nach Amerika zwei jüdische Nummern geben. Hier regt Herr Berger vom Band Lola sehr wohl dazu an, auf dem Zwischendeck für die nicht so betuchten Passagiere zu singen, doch sie tut es („Sie ist ein herrliches Weib“) sogleich - erst in Amerika als erster Showauftritt. Der zweite gehört „Sex is a wonderful habit“ (mit einer Federboa), und bis zur Rückreise nach Europa bleibt Lola nun in Strapse auf der Bühne. Die an sich vorgesehene große Shownummer entfällt, auch „Ich liebe dich“ wird hier ausgespart.

Nette kleine Regieideen lockern auf, etwa wenn Lola mit dem Theaterdirektor telefoniert. Da hört man sie, obwohl sie auf der Bühne steht, vom Band, und der Pianist zeigt die „falsch verbundenen“ Handpuppen dazu. Sehr gut macht sich Daniela Gnoycke als Wienerin, auch in der Mozart-Verwortung „Wo sind die Zeiten dahin“, die hier optisch alle Klischees rund um die Mozartkugeln auskostet.

Ganz am Ende hören wir doch noch Georg Kreisler. Nachdem „Zu leise für mich“ ausgeklungen ist, singt er vom Band „Ich fühl mich nicht zu Hause“. Der Verstärkungseffekt heimatverlorener Unzufriedenheit wird vom Publikum wie schon der ganze Abend eher beiläufig hingenommen, es applaudiert einer sehr guten Lola Blau Darstellerin nur beschämend kurz (Friedrich Torberg: „Der Applaus war enden wollend.“). Sie hätte mehr Anerkennung verdient.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 25. März 2008, 23:30:59
EINE BRILLANTE LOLA BLAU

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler im Theater am Puls (Schwetzingen), 23.3.2008

Eigentlich müsste man sich angegriffen fühlen nach dem bewusst aggressiv vorgetragenen letzten Lied, der resignativen Bilanz „Zu leise für mich“ einer älter gewordenen Lola Blau, die aus der Emigration zurückgekehrt ist und erkennen muss, dass die Menschen (offenbar alle, auch die, die jetzt gerade vor ihr im Publikum sitzen) nichts dazugelernt haben – „Zu leise für mich“ ist alles andere als reine Schlussnummer eines Einpersonen-Musicalabends in Schwetzingen, es ist der im wahrsten Sinn stimmige Abschluss einer großartigen Lola Blau Darstellung, getragen von einer ungemein feinfühligen Regie (Joerg Steve Mohr), die der Textvorlage Kreislers vom zeithistorischen Hintergrund her, vom Charakter der Hauptperson her und von ihrer Betroffenheit im Zeitbezug her in jeder Faser gerecht wird.

In Schwetzingen (Premiere dieser Produktion war am 5.1.2008) geht es darum, Georg Kreislers Vorlage ganz gerecht zu werden. Einziger Zusatz ist ganz zu Beginn der Versuch, die Geschichte der Lola Blau aus Problemen der Gegenwart heraus verständlich zu machen, indem Lola in einer Zeitung liest, dass Vietnamesinnen niedergeschlagen wurden. Danach folgt diese Aufführung streng dem Original, mit Zuspielungen (Musik, zeithistorische Reden, Telefon, Bahnhofsgeräusche etc.), mit Bildprojektionen, mit sparsamer Bühnengestaltung (Teresa Ungan), zweckdienlich wechselnd von Szene zu Szene (oft nur Tisch und Sessel, das Schiff mit Metallgestell angedeutet, Vorhänge nutzend, hinten angedeutete Wände mit Türen, verschiebbar, ein Schminktisch, Bettlager am Boden) – und mit einem Spiegel links, in (Juden)Sternform, den Lola im Lauf des Abends für Zeichenfragmente nutzt. Der Pianist (Christian Hahne) sitzt rechts an einem Pianino. Er hat mit seiner Lola Blau hörbar jede Nuance geprobt, zeigt genauso wie sie immensen Respekt vor Kreislers Vorlage (was der Vorstellung sehr gut tut) und bietet ihr ansonsten routiniert die musikalische Grundlage, die Entwicklung dieser Figur enorm präsent darzustellen.

Christine Rothacker heißt die Lola Blau in Schwetzingen, und sie reiht sich nahtlos ein in die Reihe herausragender Interpretinnen dieser vielschichtigen Gestalt, die Betroffene der Zeit genauso wie Entertainerin zu sein hat. Sehr natürlich und feinfühlig schafft sie es, das Älterwerden dieser Frau einzufangen (auch dank der hervorragend gewählten Kostüme), grandios nimmt sie jedes Charakterlied genauso souverän und verinnerlicht wie jede Shownummer. Da sie unverstärkt singt und spricht, riskiert sie gelegentlich, nicht nur im übertragenen Sinn wie im Schlusslied „zu leise“ zu sein – andererseits zwingt sie den Besucher damit, noch aufmerksamer hinzuhören.

Einziger Wermutstropfen ist die einzig ausgesparte Nummer „Ich hab a Mädele“ im ansonsten vollständig gebrachten Werk. Immens schade drum, nur hier hat die Regie offenbar gedacht, der erste Teil wäre sonst zu lang. Für den Herrn Berger hat man die Zuspielung mit Georg Kreisler selbst aus der Originalaufnahme mit Topsy Küppers gewählt, den Herrn Schmidt hat man (wie vieles andere) neu eingespielt. „Sex is a wonderful habit“ zeigt Lola als Cowgirl, von einem stummen Nebendarsteller als Indianer (und „Percussionist“) am Schaukelpferd herein- und wieder hinausgezogen. Es gibt auch eine Shownummer, mit Jazzband vom Band. Eine Qualität dieser Inszenierung besteht darin, auch noch genügend Luft zu lassen für die große Nummer „Im Theater ist nichts los“, die Christine Rothacker fulminant wie nur wenige hinlegt, als Pariserin übrigens auch mit Akkordeon. Beim Mozart („Wo sind die Zeiten dahin“) verzichtet man auf jeglichen inszenatorischen Firlefanz. Umso mehr kann sich der Besucher auf den zeitkritischen Text konzentrieren. Dann also „Zu leise für mich“: Lola sitzt auf einem Stuhl neben dem Klavier. Der Pianist klopft die Töne herunter, sie singt das Lied hörbar „angewidert“. Der Pianist geht ab. Unser stummer Nebendarsteller kommt auf die Bühne und beginnt sie zu säubern. Lola steht auf und singt noch einmal: „Andere singen, ebenso, sicherlich – aber zu leise für mich.“, nimmt die Zeitung und geht ab. Abblende, Applaus. Natürlich. Weil diese Lola einfach wirklich gut war.

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 27. August 2008, 10:48:25
Neuinszenierung, ab 14.10.2008 im Schauspielhaus Graz:

http://www.buehnen-graz.com/schauspielhaus/stuecke/stuecke_genau.php?id=7864
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 27. August 2008, 17:10:42
Neuinszenierung ab 8.11.2008 in Duisburg, Konzertsaal der Jüdischen Gemeinde:

http://www.lolablau.net/
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 27. August 2008, 17:18:20
Und Karin Troendle, die die Lola Blau schon länger im Repertoire hat, gibt in Leipzig von September bis November im Frosch Theater drei Vorstellungen:

http://www.sachsendiva.de/Programm/Lola_Blau/lola_blau.html

http://www.frosch-cafe.de/Spielplan/spielplan.html

Ich werde mich bemühen, wieder für das Kreisler Forum zu berichten - über alle drei Produktionen.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 05. September 2008, 19:45:23
Ab 17.10.2008 wird auch die ambitionierte, sehr dem Original verpflichtete Produktion in Krefeld wieder aufgenommen.
Aufführungstage: 17.10., 18.10., 22.11. und 23.11.2008.

Link zum Theater:
www.theaterhintenlinks.de

Auch die unter die Haut gehende Flensburger Produktion ist weiter im Spielplan.
http://www.sh-landestheater.de/de/spielzeit/08-09/Heute-Abend-Lola-Blau/index.php

Auch die Schwetzinger Produktion steht noch auf dem Spielplan.
http://www.theater-am-puls.de/repertoireset.html

Somit kann man Georg Kreislers "Heute Abend: Lola Blau" im Herbst 2008 zumindest in Graz, Leipzig, Duisburg, Schwetzingen, Krefeld und Flensburg erleben.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 16. Oktober 2008, 12:03:14
LOLA BLAU, HANDGEMACHT

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler, Premiere im Schauspielhaus Graz (Ebene 3), 14.10.2008

Die übliche Werkstattbühne mit den üblichen Requisiten (Tanja Kramberger), links der Pianist (Klaus von Heydenaber) am schwarzen Pianino. Er präludiert Barmusik, während das Puiblikum hereinkommt, und Lola (Steffi Krautz) ist auch schon da, sie vertreibt sich die Zeit bis zum Stückbeginn zwischen Bühne und Publikum, kokettiert mit dem Pianisten und gibt schon mal ein Autogramm zwischendurch.

Dann geht es los. Als unverstärkt sprechende und singende Entertainerin stellt Steffi Krautz  die Dame am Lichtpult (Michaela Prosser) und den Pianisten vor, führt sich als Lola Blau ein und das Publikum ins Wien des Jahres 1938.

Es ist eine betont handgemachte Sparinszenierung (Katharina Schmidt), ohne jegliche Zuspielungen, weder vom Band noch per Videoprojektion, auch mit nur wenigen Kostümwechseln. Vieles wird nur angedeutet. Lola erklärt immer wieder, wo sie sich gerade befindet, das Publikum ist aufgefordert, sich den Rest dazu zu denken. Mit ein bisschen Interaktion zwischen Lola und dem Pianisten werden die sehr frei nach dem Original (aber inhaltlich diesem sehr wohl genau folgenden) Passagen zwischen den Liedern lebendiger.

Graz erlebt eine quirlige, herzliche Lola Blau. Steffi Krautz agiert und singt sehr natürlich, sie zieht keine Trennlinie zum Publikum und sorgt mit ihrer beherzten Art dafür, dass die Leute von Anfang an sehr gut mitgehen, jede von Kreisler angebotene Pointe verstehen und auch hörbar gerne positiv reagieren. Vom Frauentyp her ist sie in etwa eine Mischung aus Maria Bill, Mireille Mathieu und Martina Gedeck, mit sehr ausdrucksstarker Chanson-Altsimme ohne Höhe, was sie aber großartig kaschiert und sehr viel zur spontanen Natürlichkeit ihrer Interpretation beiträgt.

Pianist Klaus von Heydenaber gibt optisch den souveränen Phlegmatiker, gehört aber zu den bestmöglichen musikalischen Gestaltern des Lola Blau Klavierparts. Er spielt alles auswendig und ist damit immer total „am Puls der Interpretin“, er fächert die Klavierstimme zwischen jazzoidem Einschlag und beiläufiger Barmusik intelligent und spannend kreativ auf, ohne das Original allzu sehr zu verändern, und vor allem sorgt er neben seiner quirligen Lola für das großartig durchgehaltene Tempo, für den Drive der Aufführung. (Graz zeigt eine der flottesten Inszenierungen dieses Werks.) Die Musiknummern kommen stark, sie verfehlen ihre Wirkung in keinem Fall, hier wurde sehr sorgfältig gearbeitet, musikalisch wie choreografisch.

Leider verliert die Regie (wieder einmal) die Geduld, fürchtet, zu langatmig zu werden. Bis zum „Mäderle“ (Lola musste von Wien aus in die Schweiz emigrieren und reist nun in die USA weiter) zeichnet sie sich durch Genauigkeit im Ablauf aus, dann wird plötzlich fast radikal gestrichen. Sicher, die große Leistung, eineinhalb Stunden durchgehend auf der Bühne zu agieren, noch dazu mit solcher Power wie sie Steffi Krautz einbringt, mag dazu anhalten, sie etwas zu „entlasten“, aber dann hätte es doch eine vollständige Fassung eventuell mit Pause (üblicherweise nach der Ankunft Lolas in den USA) oder mit mehr kleinen Pausen zwischendurch nur mit Klaviermusik (ohne Lola auf der Bühne) auch getan. Nein, das Grazer Publikum erlebt zwar eine bewundernswert voll durchpowernde Lola, hört aber nicht bzw. fast nicht: „Ich hab a Mäderle“, „Sie ist ein herrliches Weib“, „Der Herr ist mir fremd“, „Heut will ich mich besaufen“ (wird nur angedeutet), „Wie kommt es“ und bei „Im Theater ist nichts los“ „Ich hab die Liebe in der Tasche“ (extrem gekürzt) sowie die Pariserin. (Lola hat den Showrummel nicht verkraftet und kehrt nach Wien zurück, wo sie Kabarettistin wird, soviel zum weiteren Verlauf der Handlung.)

„Sex is a wonderful habit“ bleibt die einzige Shownummer in Amerika, im Abendkleid mit Mikro, dann mehrere falsche Abgänge (mit unterschiedlichen Perücken) mit dieser Nummer, immer routinierter und besoffener auftretend, jeweils nur mit einer Sonnenbrille kurz auch zum Ansager mutierend, so wie diese Lola auch Frau Fini und Herrn Schmidt kurzerhand selbst, virtuos aufs Dialogische mit sich selbst umschaltend, diese Rollen in ihr Spiel integriert. Reizvoll „aktualisiert“ wurde das vergebliche Bemühen, mit dem Theaterdirektor zu telefonieren. Den zu erreichen ist zum Beispiel deswegen nicht möglich, weil er sich gerade eine Hose kauft und mit einem berühmten Dichter essen geht. „Wo sind die Zeiten dahin“ (Kreislers Verwortung vom 1. Satz aus Mozarts „Sonata facile“) macht diese Lola mit einer Serviererin-Schürze und rotem Hut.

Lolas persönliche Betroffenheit wird stark in „Alte Tränen“ ausgespielt, sonst bleibt sie sehr beiläufig. Es ist keine Inszenierung, die dem zeithistorischen Hintergrund allzu viel Gewicht gibt. Dieser Aspekt hätte deutlichere Konturen vertragen.

Der Premierenapplaus wird sehr herzlich, immerhin hören wir als Zugabe noch „Sie ist ein herrliches Weib“. Diese jüdische Nummer, laut Steffi Krautz „der Dramaturgie zum Opfer gefallen“, gelingt gut und demaskiert eben diese „Dramaturgie“ erst recht als übertrieben vorsichtig. Insofern schade um eine ansonsten sehr gute, handgemachte (somit auch für Tourneezwecke gut geeignete) Lola Blau Produktion.

Hier der Link zur Kurzkritik aus der "Kleinen Zeitung":
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/1583677/index.do
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 29. Oktober 2008, 21:38:53
EINE DAME LOLA BLAU

„Heute Abend: Lola Blau“ im Frosch Café (Leipzig), 27.10.2008

Das Stück ist und bleibt in seiner Wirkung stark, auch wenn man es (so wie der Schreiber) bereits sehr oft (in unterschiedlichsten Inszenierungen) gesehen hat. Im sympathischen, familiär anmutenden Leipziger Frosch Café ist die kleine Bühne groß genug, der Dame, die das Stück trägt, Raum zu geben, ihre souveräne Kunst zu entfalten.

Klaus Schleiff, der Regisseur (die Premiere fand im März 2004 statt), arbeitet mit den üblichen wenigen Requisiten auf der leeren Bühne. Rechts steht das Pianino, der Pianist schaut zum Publikum. Vorne (also auf der Klavierrückseite) kann er Tafeln mit den Schauplätzen wie Pension Aida, Bahnhof Basel oder Ruban Blue aufhängen. Der zeithistorische Aspekt wird wieder einmal (und das kommt stark in derartigen Produktionen!) mit Schlager- und Radio- bzw. Redezuspielungen sowie vor allem mit vielen projizierten Bildern aus der Kriegszeit aufgefächert. Nebenbei ermöglicht es der Lola Zeit zum Umziehen hinter der Bühne. Hervorzuheben ist die abwechslungsreiche Kostümauswahl für die Lola (Kostüme und Auisstattung: Constanze Dinnebier).

Ja, Katrin Troendle ist in Klaus Schleiffs mit großem Respekt vor der Vorlage inszenierter Produktion eine Dame durch und durch, sie hat sich einen Ruf als „Sachsendiva“ erarbeitet und strahlt, ganz die Lokalmatadorin, die mit jeder Faser ihres Auftretens „Bühne total“ lebt, völlige Souveränität aus, vom ersten bis zum letzten Moment. Das macht die Vorstellung beschwingt und frisch, es gibt keine Längen, ob bei den heiteren oder bei den ernsten Teilen. Das von einigen anderen Inszenierungen sehr genau erarbeitete Älterwerden der Lola Blau bleibt mehr inhaltlich als darstellerisch stringent. Katrin Troendle, die unverstärkt singt, macht den erzwungenen Aufbruch der jungen Künstlerin aus Österreich im Jahr 1938, oder dann etwa „Die Wahrheit vertragen sie nicht“ (gestrapst) in der Schweiz genauso „reif“ wie den von Georg Kreisler als Alternative zur Shownummer in den USA im Buch vorgeschlagenen Strip oder auch die große Vorstellungsnummer vor dem Wiener Theaterdirektor nach ihrer Rückkehr. (Dabei ist sie klug genug weiterhin nicht vorzugeben Wienerin zu sein, sie macht aus dem Wiener Wäschermädel kurzerhand ein Sachsenmädel und räumt damit beim Leipziger Publikum klarerweise ab.)

Ihr Pianist Helge Nitzschke ist ein Universal-Entertainer dazu, er schlüpft neben seinem kongenialen, auch ziemlich streng am Original orientierten Klavierspiel (das Pianino ist leicht verstimmt, das gibt der Musik aber ein noch höheres Maß an Authentizität) in alle möglichen und unmöglichen Kostüme und Nebenrollen, von der Frau Fini über die Schweizer Bahnhofsstimme bis zum Show-Ansager in den USA (immer mehr Karikatur als Figur), und – Höhepunkt – bei „Wo sind die Zeiten dahin“ machen die beiden als Mozart und Nannerl mit entsprechenden Perücken Kreislers bissige „Sonata facile“ Verwortung (Helge Nitzschke spielt stehend dazu am Klavier) zu einem besonderen „Kabinettstückerl“. (Sie überspielen auch fulminant einen veritablen Schmiß bei der Nummer. Was soll´s, das sind Menschen. Es machte die vom Schreiber besuchte Vorstellung noch sympathischer.)

„Sex is a wonderful habit“ gibt diese Lola in einem USA-Kostüm mit Gitarrenkoffer. Das Telefonat mit dem Direktor wird zugespielt, genauso wie jenes mit Leo vor dem Mozart, jeweils mit einem Bild der telefonierenden Lola dazu. Dass ausgerechnet „Sie war liab“ gestrichen wurde (neben dem oft weggelassenen „Ich hab a Mädele“), ist schade. Diese Nummer wird (wenn sie kommen sollte) nur kurz vom Klavier angespielt. Vor „Zu leise für mich“, ganz am Ende, singt sie Lola ja dann doch einmal an. Immerhin hier hört man ein kurzes Stück davon.

Alles in allem ist dies eine Georg Kreislers Vorlage sehr gerecht werdende Produktion. Die nächste Vorstellung ist am 24.11.2008.

Link zum Spielort:
http://www.frosch-cafe.de/  

Link zur Sachsendiva (mit Fotos aus der „Lola Blau“ Produktion):
http://www.sachsendiva.de/Programm/Lola_Blau/lola_blau.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 05. November 2008, 10:33:58
Aktuelle Lola Blau Links

Die Ingolstädter Produktion tourt derzeit durch Bayern.

Kritik aus Landsberg:
http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Landsberg/Lokalnachrichten/Artikel,-Eine-Frau-eine-Klarinette-und-ein-Klavier-_arid,1375520_regid,2_puid,2_pageid,4500.html#null

Vorschau auf 18.11.2008 München:
http://www.wochenanzeiger.de/article/82017.html
Und:
http://www.juedischekulturmuenchen.de/dreiframe.htm

Außerdem - Sondervorstellung 9.11.2008 der Duisburger Produktion:
http://www.presse-service.de/data.cfm/static/712256.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 05. November 2008, 18:33:32
In Kempten gibt es am 13.12.2008 eine "Lola Blau" Premiere:

http://www.theaterinkempten.de/669.html?&no_cache=1&tx_ttnews[pointer]=2&tx_ttnews[tt_news]=385&tx_ttnews[backPid]=6&cHash=014a1fbe2e
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 10. November 2008, 12:14:49
Hier der Link zu einer Premierenkritik aus Duisburg.

http://www.rp-online.de/public/article/duisburg/636165/Sensationelle-Lola-Blau-in-der-Synagoge.html

Meine Eindrücke (ich war dort) zu dieser in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlichen Produktion folgen heute am Abend.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Bastian am 10. November 2008, 19:43:34
Zitat aus der rp:
"Die Förster, die Lola Blau aus Kreislers 1971 uraufgeführten „Musical“, geht an ihre Grenzen und ist darin wirklich umwerfend, wohlwissend, dass sie das tun muss, wenn sie mit ihren zwei, unglaublich tolldreisten Spielpartnern, mithalten will."

Hm, eine seltsame Art eine Sängerin und Hauptdarstellerin zu loben... Ungeachtet dessen werd ich schauen, dass ich zu einem der angegebenen Termine auch mal einen Abstecher nach Duisburg mache. Danke, Alexander.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 10. November 2008, 21:30:54
UND LEO SINGT DIE „MOORSOLDATEN“ IM KZ

„Heute Abend: Lola Blau“, Premiere in der Jüdischen Gemeinde Duisburg, 8.11.2008

Ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlicher „Lola Blau“ Abend.

Es ist für mich die erste „Lola Blau“ Vorstellung, vor der ich am Eingang nach Waffen in den Taschen gefragt werde.

Es ist die erste Theaterproduktion der Jüdischen Gemeinde in Duisburg, und es ist die Premiere dieser Produktion.

Es ist eine „Lola Blau“ Vorstellung, wo ein Regietheaterkonzept (Konrad Chr. Göke) mit nicht originell sein wollenden, sondern mit kreativ-intelligenten Ideen schlüssig greift und total unter die Haut geht. Georg Kreislers Vorlage wird klug aufgebrochen – nicht mutwillig, sondern spannend kreativ, gerade auch für jemanden, der das Werk sehr gut kennt.

Es ist die erste Vorstellung mit einem Akkordeon als Haupt-Begleitinstrument.

Und es ist die erste Vorstellung mit einer faszinierend vielschichtigen Nebenfigur namens Eva.

Konventionell für den Besucher vieler „Lola Blau“ Produktionen ist die Grundausstattung: links auf der Bühne Platz für den Akkordeonspieler, rechts ein Tisch mit einem Telefon drauf, wenn der Vorhang hochgeht eine Tür. Im Publikumsbereich wird vor allem auch der Mittelgang zum Spielraum. Es wird viel mit Licht gearbeitet. Und mit Tonzuspielungen, die den 2. Weltkrieg verdeutlichen, in Amerika auch den musikalischen Unterschied. Genauso grundsätzlich koventionell ist der Einsatz des Musikers für die diversen Nebenfiguren, wenngleich die Bedeutung gegenüber anderen Produktionen enorm aufgewertet wird. So tritt der Mann zu Beginn als Leo persönlich auf, und was sonst aus Lolas Telefonat herauszuhören ist, wird hier zum handfesten Streit ausgespielt.

Heike Maria Förster als Lola Blau kommt aus dem Opern- und Operettenfach. Daran gewöhnt man sich rasch (wie in Lübeck), sie singt (mikrophonverstärkt) sehr wortdeutlich und weiß sehr gut, wo es besser ist nur mit Sprechgesang zu arbeiten. Man spürt vor allem bei ihr, dass die Produktion mit der Premiere noch nicht „abgeschlossen“ ist, sie (die Produktion) wird weiter wachsen, sich verfestigen. Vor allem aber hat Heike Maria Förster eins: das totale „Feeling“ für die Jüdin. (Das wird auch durch die Regie verstärkt.) In kaum einer Inszenierung ist die persönliche Betroffenheit vom Anfang an so herausgearbeitet wie hier. Ihr Ausstoß aus der Gesellschaft wird fast plakativ, jedenfalls enorm emotional vorgeführt. Und wenn sie am Schiff nach Amerika zur Klarinette singt, wenn das Geschehen mitten im Lied „Sie ist ein herrliches Weib“ beim Gedenken an ihre Eltern plötzlich zum Stillstand kommt, nicht nur dann ist das spezifisch Jüdische so berührend deutlich wie sonst kaum herausgearbeitet.

Das Akkordeon von Marko Kassl (er spielt auch Klarinette!) ist enorm präsent. Wenn diese Lola nicht verstärkt singen würde, es erdrückte sie akustisch. Dabei erweist sich der Musiker als enorm sensibler Gestalter mit faszinierendem Facettenreichtum. Den Vorlagen in jeder Nuance gerecht werdend (ja sie teilweise sogar völlig überraschend für den Kenner spannend durchbrechend und erweiternd), beweist er, dass es so, ohne Klavier, auch geht – und wie. Als Schauspieler kehrt Kassl die Grobschlächtigkeit der Opportunisten hervor.

Die Szenen zwischen den Liedern folgen inhaltlich weitgehend Kreislers Vorlage, sind teilweise aber stark erweitert worden. Unzählige kreative Ideen machen den Ablauf enorm präsent. Lola Blau beginnt einige Lieder monologisierend und mutiert sie erst nach und nach (im sensiblen Zusammenwirken mit dem Musiker) zu Liedern.

Und dann diese Eva, Stella Louise Göke: Man kann deren Funktion verbal äußerlich zur mutwillig eingeflochtenen Talentprobe einer jungen Künstlerin degradieren. Damit würde man weder der Leistung noch der Vielschichtigkeit der neuen Rolle gerecht werden. Wir sehen und hören sie unter anderem als HJ-Mädchen einen Marsch singend, als Vergewaltigte und Getötete mit „In einem hohlen Städtchen“, sie spielt Geige, spricht Monologe von Shakespeare und Goethe (genialer Moment: das Hinführen zu Lolas Erinnerung an Leo, zu „Ich hab dich zu vergessen vergessen“), sie singt, nach dem Krieg, aber im Stil und Kostüm die Vergangenheit nicht leugnend, „Auferstanden aus Ruinen“, und Lola und sie teilen sich (zunächst als Konkurrentinnen) die Glanznummer „Im Theater ist nichts los“, die Vorstellung beim Theaterdirektor.

Regieideen, die das Geschehen noch eindringlicher machen: Leo singt im KZ die „Moorsoldaten“, Lola macht einen Hampelmann dazu. Oder: „Der Herr ist mir fremd“ kommt so düster und brutal wie nur selten. Danach bricht die völlig betrunkene Lola zusammen.

Kleine Abweichungen von der Vorlage: Lola tritt hier mehr in Paris statt nur in der Schweiz auf, und der Musiker nimmt sie zur Bordkapelle aufs Schiff mit. Sie singt am Schiff auch „Er heißt Waldemar“. Statt von Herrn Berger wird Lola am Schiff bei der Hinfahrt von einem österreichischen Nazi angesprochen (sie gibt ihm aber couragiert Kontra – wie gesagt: es ist eine von Anfang an eminent politische Lola). Und vor der Pause gibt es eine Klezmer-Reprise von „Weder noch“ mit Klarinettenbegeleitung. Der zweite Teil beginnt mit „Sie ist ein herrliches Weib“. Wie bei anderen Liedern auch nimmt sich das Liedende bewusst zurück, verweigert den Applaus.

Kleine Wermutstropfen für den Kenner des Werks: „Ich hab a Mädele“, „Heut will ich mich besaufen“, „Wo sind die Zeiten dahin“und speziell „Zu leise für mich“ sind rausgefallen. Stattdessen endet diese Produktion etwas überraschend mit „Wie kommt es“ gleich nach der Nummer vor dem Theaterdirektor. Über das Schicksal von Leo erfahren wir nichts mehr.

Diese wohl nur dem Kenner des Originals doch eklatant auffallenden Änderungen trüben keineswegs den enorm starken Gesamteindruck der Aufführung.  

Schnell zur Bushaltestelle, doch der Bus zum Bahnhof kommt erst in etwa zwanzig Minuten. Also noch einmal zurück, vielleicht kann ich den Mitwirkenden gratulieren. Ein paar Leute stehen vor dem Gebäude, doch der Eingang ist aus Sicherheitsgründen bereits gesperrt. (Nur für Herauskommende wird er geöffnet.) Ich kommuniziere mit der Gegensprechanlage, die mich nicht besonders einladend fragt was ich da möchte, und als ich es erkläre, komme ich mir schon etwas peinlich vor und sage im selben Atemzug, ich könne auch per Mail gratulieren.

Ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlicher „Lola Blau“ Abend.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Anke am 14. November 2008, 11:17:04
Am Dienstag, 18.11.08 in München im Rahmen der jüdischen Kulturtage; 20 Uhr, Gasteig Black Box:

momentan noch 27 Restkarten vorhanden: Ränder und 1 Platz ganz hinten.

Preis 19,80 im Vorverkauf.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Anke am 20. November 2008, 01:13:47
Es war die Inszenierung, die Alexander aus Ingolstadt berichtet hat.
Veranstalter: www.juedischekulturmuenchen.de

Was ich und andere Besucher sich gefragt haben:

Auf dem doppelseitig bedruckten DIN-A5-Programmblatt wurden alle 3 Künstler beschrieben, aber kein einziges Wort zum Autor Georg Kreisler!

Geht man davon aus, dass er so bekannt ist, dass das nicht nötig ist? :o
Oder davon, dass er so unwichtig ist, dass es nicht nötig ist?  :o

Beides wäre völlig falsch!  :(

Meine Nachbarin z.B., ca. 60 Jahre alt, fragte mich, ob Georg Kreisler ein Verwandter von Fritz Kreisler gewesen sei. Als ich sagte, nein und außerdem lebe er noch, fiel sie aus allen Wolken. Und das, wie gesagt, bereits IN einer Lola-Vorstellung.

Ich finde das skandalös, dass G. Kreisler da so völlig übergangen wurde.  :(

Im größten einschlägigen Musikladen wird G. Kreisler stets nur unter "Wien" einsortiert - nicht unter Kabarett oder Chanson oder sonst etwas, nur unter "Wien". Dabei kommt Wien in seinen Werken ja wohl kaum vor.  :o Da wäre wirklich Aufklärungsarbeit nötig.


Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 20. November 2008, 12:38:31
Quote (selected)
Meine Nachbarin z.B., ca. 60 Jahre alt, fragte mich, ob Georg Kreisler ein Verwandter von Fritz Kreisler gewesen sei. Als ich sagte, nein und außerdem lebe er noch, fiel sie aus allen Wolken. Und das, wie gesagt, bereits IN einer Lola-Vorstellung.
Fritz und Georg sind allerdings verwandt, wenn auch nur entfernt.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Anke am 20. November 2008, 21:06:53
Zum Glück sagte ich: "Ich glaube, nein."  :)

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 09. Dezember 2008, 16:33:06
Link zu einem Gespräch mit dem Regisseur der Produktion in Kempten:

http://www.all-in.de/nachrichten/allgaeu/kempten/Kempten-kul-lola-regisseur;art2760,451462
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 16. Dezember 2008, 18:03:34
Link zu einer Premierenkritik aus Kempten:

http://www.all-in.de/nachrichten/allgaeu/kempten/Kempten-kul-lola-blau;art2760,456013
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: urmel am 24. Dezember 2008, 22:04:25
Für Alexander!

"Georg Kreislers Lola Blau - dem Kabarett entwachsen - ist ein musikalisches Frauensolo. Sängerisch aufschlussreich ist vor allem die Bewerbungsszene Im Theater ist nichts los. Lola singt ein Lied über die Liebe. Da es im Original mies ankommt, erfindet sie eine Pariser, eine Wiener, eine ungarische und eine Berliner Variante und bedient sich dabei bestimmter Klischees, die sich in Haltungen und im Kostüm niederschlagen. Mit jeder Variante färbt sich aber nicht nur das gestische Verhalten um - die Stimme sitzt auch immer anders. Sie schlägt an einem anderen Resonanzort an. Diese Variationen sind also auch eine kleine Resonanzstudie.

Das melodische Grundmotiv des Originals ist ein anlaufender Impuls, der in der Klangdehnung hineinsinkt. Dadurch bekommt die Melodie den Gestus des beschwingten Sich-Anbietens. Die Stimme dieser Variante schlägt klassisch in der Kuppel des Gaumens an. Das ergibt einen eher klaren Klang. Die Vibrationen lassen sich vor allem auf der Stirnkuppel abtasten. Die französische Fassung ist >> slower<<. Die Melodie bewegt sich - im Gegensatz zum frischen, lebhaften, knapp über dem Knie endenden Kleid der deutschen Fassung - sozusagen in einem bordeauxroten langen Abendkleid. Die gedehnten Bewegungen des Körpers, auch die der preziös geführten Arme folgen gezielt den Sinnimpulsen >>lámour<< - >>ma poche<< ->>pour Didi<< usw. Die Augen sind sehr aktiv - sogar wenn sie geschlossen sind, präsentieren sie das Gesicht. Die Stimme stützt vor allem auf die körperlichen Bewegungsimpulse aus der Mitte, die Bauchpartie führt. Der Anschlagsort liegt weiter hinten im Mundraum und bezieht die nasalen Resonanzen stärker ein, der Klang schlägt im hinteren Kuppel- und hinteren Nasenraum an. Die Vibrationen lassen sich charakteristisch an den Schläfenpartien abfühlen.

Da diese Fassung >>für Wien<< etwas >>zu kokett<< ist, folgt die Wiener Operettenfassung. Diese Variante ist ebenfalls langsamer als das Original. Die Melodie strömt nicht gleichmäßig schwingend, sondern stellt sich eher aus. Sie trägt gleichsam ein kurzes fesches  Dirndl und postiert sich in herzigen Posen. Die Stimme ruht auf dem hochgestellten Brustbein. Sie schärft sich, setzt im vorderen Nasenraum an und rückt so dominierend ins Nasale. Der Resonanzpunkt liegt leicht über Nasenwurzel. Im Gegensatz dazu rutscht die ungarische Fassung weit in den Rücken und den Bauchraum. Der Klang ist vollmundig, die hintere Mundresonanz dominiert. Die charakteristischen Vibrationen sind am Hinterkopf abzufühlen. Die Stimme trägt sozusagen prächtigste Nationaltracht. Der Gestus orientiert sich an den Bewegungen und Posen der aufstampfenden Tänze des Volkes, vor allem in den abschließenden Rufen >>Joi - joi - eljen!<< Den Abschluss bildet eine Berliner Fassung. Die Melodie setzt in der tiefen Sprechlage an.  Der Ton ist trocknen und lakonisch. Diese Stimme trägt Hosen, die Hände sind selbstverständlich in die Taschen gestemmt. Die Berliner Klappe ist weit gestellt, die Nasenklänge eher ausgeschaltet . Die charakteristischen Resonanzen sind am Schädeldach und - fast an deutlichsten - am Unterkiefer zu fühlen. "

Text aus Der Schauspieler und die Musik von Hans Martin Ritter Henschel Verlag September 2001

Sollte die Wiedergabe hier ein urheberrechtswiedrigen Verstoß sein, dann möge ein Moderator den Text löschen. Der Verlag schreibt, die Verwertung sei strafbar. Ist die Abschrift für diese Forum eine auszugsweise Verwertung? :-/
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 26. Dezember 2008, 10:02:23
Vielen Dank für diesen Textauszug!

Ich war am 21.12.2008 in der Vorstellung im Kempten. (Es gibt noch eine am 27.12.!) Eine "große" Inszenierung, in der die Zuspielfilme neben der Hauptdarstellerin und dem Pianisten (beide hervorragend!) eigentlich die dritte Hauptrolle spielen, weil sie stärker als in den meisten anderen Inszenierungen eingesetzt werden, sowohl den zeitgeschichtlichen Hintergrund verdeutlichend als auch die psychische Befindlichkeit von Lola Blau. Besonders unter die Haut geht das Schlußlied "Zu leise für mich", das Lola Blau "demaskiert" in Großaufnahmen zeigt. Eine sehr ambitionierte Inszenierung!
Ein genauerer Bericht folgt voraussichtlich noch heuer...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 27. Januar 2009, 09:44:40
Die Duisburger Produktion in Moers:

http://www.rp-online.de/public/article/moers/665730/Die-Faszination-der-Buehne.html

http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/moers/2009/1/26/news-108132939/detail.html

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 30. Januar 2009, 13:19:53
Eine Lola Blau am 6.3.2009 in Wien (Metropol):

http://www.wiener-metropol.at/WWWTickets/uebersicht.asp?PageNo=4&spielort=&such_datum=25.01.2009

Infos zur Besetzung (zu einer Vorstellung vom Oktober 2007 in Wien):

http://www.albrinia.com/main_alb/article.php?story=20070502195800703&query=albrinia

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 17. Februar 2009, 12:46:59
Eine Lola Blau in Liberec (Tschechei):

http://liberecky.denik.cz/kultura_region/novy-kabaret-nese-v-sobe-i-kus-osvety20090216.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 22. Februar 2009, 12:01:46
Die U. S. Premiere "Lola Blau"!

http://broadwayworld.com/printcolumn.cfm?id=43012

Zur Künstlerin (Premiere war wohl 1999 in Karlsruhe):

http://www.annakraemer.de/shows_lola_blau.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 08. März 2009, 00:28:03
GESPIELTER ODER GELEBTER ZUSAMMENBRUCH?

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler im Metropoldi (Wien 17), 6.3.2009

Eva Alikaj Lössl ist eine sehr sympathische, für ihre Rollengestaltung sofort einnehmende Lola Blau. Ihre Muttersprache ist Albanisch, der Akzent prägt die deutsche Aussprache. Umso deutlicher schafft sie die Diktion. Selten gehen so wenige Textnuancen wie an diesem Abend bei einer „Lola Blau“ Vorstellung unter. Jedes Detail ist bewundernswert genau ausgearbeitet und lebendig gemacht.

Es ist ein „konservativer“ Inszenierungsansatz, großteils ziemlich streng an der Textvorlage orientiert. Auf der Bühne links der Pianist Andreas Rentsch am Pianino (stoisch ruhig, verläßlich, ziemlich streng an der Vorlage spielend, mit dem Gesicht zur Wand hin gerichtet), in der Mitte ein Stuhl und ein Tisch, rechts ein Paravent, hinter dem sich Lola umziehen kann. Requisiten nach Bedarf.

In der Pension Aida und auch später noch einige Male ist Peter Simonsberger als Stichwortgeber mit dabei, er scheint angehalten, seine Figuren etwas lässig zu überzeichnen.

Diese Lola singt leicht verstärkt (Mikro an der Wange), sie hat eine ausdrucksstarke, tiefe Chansonstimme und wenn man „nur ungefähr“ hinguckt, mag man einen optischen Anflug von Hildegard Knef assoziieren. Die Hauptdarstellerin ist gleichzeitig die Regisseurin, und als solche schenkt sie sich zum Großteil Umbaupausen zu Bigbandmusik vom Band, statt etwa (wie es manche andere Inszenierung, die nichts Eigenes zuspielen läßt) die historischen Schlager- und Redenausschnitte aus Topsy Küppers´  Originalaufnahme einzusetzen. Das führt zu einigen Längen im ohne Pause durchlaufenden Abend. Sehr viel Wert wurde auf optisch reizvolle Kostümauswahl gelegt. Das ist ein großes Plus der Inszenierung.

Wie jede Lola, so muss auch diese von Wien aus über die Schweiz nach Amerika emigrieren. Je bewußter Lola Blau dieser ungewollte, über den Haufen geworfene Lebensweg wird, desto mehr Stimmprobleme scheint deren Darstellerin Eva Alikaj Lössl zu bekommen. Ernsthafte Höhenprobleme erfordern immer mehr Abweichungen in Sprechgesang, oft abgetönt in vorsichtigere, weichere Klangfarben. Wer das Werk kennt, „wartet“ auch auf die „Glanzmomente“ der Chansons von Kreisler, und die Zurücknahmen dürften nicht immer so einstudiert worden sein. Trotzdem oder gerade deswegen wirkt gerade diese Vorstellung auf Leute, die das Werk nicht kennen, besonders intensiv und glaubwürdig. Für den Schreiber wird sie ein mitfühlendes Mitzittern, ob die Stimme durchhält. Je länger die Vorstellung dauert, desto mehr Mühe scheint Eva Alikaj Lössl damit zu haben – oder ist es doch „nur“ Lola Blau, die am Lebensweg auch stimmlich zerbricht, später in Amerika mit Alkohol verstärkt, dann desillusioniert nach Wien zurückkehrend, einfach nicht mehr so souverän und frisch wie sie als junge Naive angefangen hat? Das Faszinierende an diesem Abend besteht in der Spannung zwischen gelebter starker Verkühlung mit Husten, Räuspern und eklatanten Höhenproblemen einerseits und dem Lebensweg der Lola Blau, der derlei „Begleiterscheinungen“ nahelegt und sie somit stückimmanent enorm glaubhaft macht andererseits.

Sind die Striche und Brüche, die nach dem bis dahin vollständig gebotenen Ablauf ab dem zweiten Lied auf der Reise am Schiff (nach „Der zweitälteste Frauenberuf“) die Vorlage überrachend straffen, dem Umstand abgetrotzt, ohne Pause, lieber nur mit den Bigband-Umbaupausen arbeitend, durchzuspielen, oder bedeuten sie einen Tribut an die Abendverfassung der Hauptdarstellerin? Auf jeden Fall folgt statt der beiden jüdischen Nummern „Ich hab a Mäderle“ und „Sie ist ein herrliches Weib“ ein nicht in der Vorlage enthaltenes erotisch-anzügliches Chanson übers Nacktsein, das nur mit einer Umziehpause zu „Sex is a wonderful habit“ überleitet. Es gibt in dieser Inszenierung auch keine große Shownummer.

Die stärkste Szene des Abends ist Lolas Telefonat mit Leo aus Amerika nach London. Da findet die Darstellerin zu einer beklemmenden Intensität des Spiels, da wird der Bruch in ihrem Leben evident wie sonst nur selten in „Lola Blau“ Aufführungen.

Kein Herr Berger am Schiff nach Amerika, kein Herr Schmidt auf der Rückreise, keine „Frau Schmidt“ (auch nicht später als Kabarettnummer, die ebenfalls ausgespart bleibt), und dann wird die Vorstellung doch etwas routinierter, die Glanznummer „Im Theater ist nichts los“ steht die arme Darstellerin gerade mal so durch, ohne Stimme ist das sauschwer rüberzubringen. Sie schafft es mit Anstand, aber das im ersten Teil noch nach jeder Nummer herzhaft applaudierende Publikum zieht nicht mit, gibt weder der Schlagersängerin, noch der Pariserin, noch der Wienerin, noch der Berlinerin (die Ungarin wird ausgespart) Einzelapplaus. Der „Leidensweg“ endet sehr berührend mit „Zu leise für mich“, danach schlägt Eva Alikaj Lössl zum einsetzenden Applaus die Hände vorm Gesicht zusammen und geht ab. Der Schlußapplaus ist beschämend kurz, vielleicht warten die vielen albanischen Freundinnen und Freunde im Publikum schon auf eine Nachfeier und sind in Gedanken bereits dort.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Anke am 18. März 2009, 20:02:43
http://www.albrinia.com/main_alb/article.php?story=20090213102537573
Quote (selected)
Eva Alikaj Lössl wurde als beste Schauspielerin Albaniens 2007 in der Rolle der Lola Blau ausgezeichnet.

Regie: Peter Simonsberger, Musikarrangements: Andreas Rentsch

WANN: Am Freitag, den 06. März 2009, um 20:00 Uhr

WO: Wiener-Metropol, Metropoldi
Wer irrt da?  
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 19. März 2009, 11:36:59
Wenn es um die Regie geht:

Meine Angabe, dass Eva Alikaj Lössl Regie geführt hat, stammt aus dem Programmblatt, das dort auflag.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 20. März 2009, 10:12:22
Zur Lola Blau-Erstaufführung in den USA:

http://www.thevillager.com/villager_307/thecausticirony.html  

Interview mit der Darstellerin:

http://www.thevillager.com/villager_307/interview.html  
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: urmel am 07. April 2009, 21:31:48
Hallo Alexander! Was sagt dein Terminkalender zum 24.04.09 ? Würde gerne deine Kritik zu dieser Lola Blau Aufführung lesen.  :)

http://www.kukst.de/programm/lola/lola.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 08. April 2009, 09:09:56
Siehe Seite 7 dieses Threads - Bericht aus Salzburg.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 03. Mai 2009, 22:54:42
Sehr empfehlenswerte, authentische "Lola Blau" in Offenbach. Bericht folgt in den nächsten Tagen.

Wer Georg Kreislers Musical in ganz kleinem Rahmen (da passen nur 36 Besucher rein!!!) erleben möchte, sollte rechtzeitig dort anrufen. Ab September soll es weitere Vorstellungen geben.

http://www.of-t-raum.de/opencms/t-raum/theater/termine/lola.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 06. Mai 2009, 10:33:45
GANZ NAH DRAN AN LOLAS SCHICKSAL

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler im t-raum (Offenbach), 2.5.2009

Als Nachgeborener vom Betrachter zum Mitlebenden zu werden – das vermögen sehr gute Aufführungen dieses Musicals um eine zunächst naive jüdische Künstlerin, die 1938 aus Österreich über die Schweiz nach Amerika emigrieren muss und nach auch vom Alkohol gezeichneter Karriere schließlich, gereift zur kritischen Kabarettistin, wieder zurückkehrt, für den Zuschauer zu erreichen. Besonders spannend ist vielfach das Changieren der Hauptdarstellerinnen (denen Georg Kreisler ganz großartig vielfältige Chansons bereitgestellt hat) zwischen verinnerlichter Empfindung am Lebensweg der „Lola Blau“ und äußerlicher Virtuosität.

Offenbachs t-raum ist nicht größer als ein bürgerliches Wohnzimmer, gerade mal 36 Besucher finden hier Platz. Für Requisiten bleibt ein wenig Freiraum, links steht ein Tisch, in der Mitte gibt ein Paravent die Möglichkeit zum Umziehen (wenn es nicht coram publico und in die Nummern eingebettet durchgeführt wird), rechts in Richtung Publikum sitzt der Pianist am E-Piano Für die Bühnengestaltung zeichnet die Lola Blau-Darstellerin Sarah C. Baumann selbst verantwortlich. Die Spielfläche wird von ihr natürlich total ausgelotet, man ist „ganz nah dran an Lolas Schicksal“ in dieser flotten Inszenierung von Frank Geisler. Ja, flott ist diese Theaterarbeit arrangiert, dazu durchgehend intensiv, und dieses Wesen einer temporeichen, alles mitreißenden Abfolge der Nummern (gleichwohl mit Tiefgang im Detail) tut dem Musical eminent gut.

Ganz kurz deutet der Beginn an, dass hier gewünscht wird, Lolas Weg als Rückblick zu sehen. Sie beginnt, sich abzuschminken und umzuziehen – der Kenner des Werks weiß, dass es eigentlich die letzte Szene der Originalvorlage ist, Lola hat gerade erfahren, dass Leo, mit dem sie sich nach dem Krieg ein Wiedersehen erhofft hat, nach einer Provokation mit Schlägerei wenn überhaupt erst später im Kabarett eintreffen wird, wo sie gerade gesungen hat. Von diesem Punkt aus rollt Geisler die Geschichte streng chronologisch auf. Mit großem Respekt vor der Vorlage, in den Chansons genauso wie in den Zwischentexten, haben sich Geisler und seine Lola, die souverän in alle Lola-Rollen schlüpfende Prinzipalin des Kleintheaters, des Stoffes angenommen. Vom Band zugespielt werden Geräusche, Redeausschnitte, dazu alle Nebenrollen, auch Herr Berger und Herr Schmidt, nur teilweise etwas gekürzt (Stimme: Frank Geisler).

Sarah C. Baumann erinnert von Gesicht her entfernt etwas an Anne Bennent oder Cornelia Froboess. Ihre wie schon betont sehr souveräne Lola wagt sich auch über das sonst vielfach ausgesparte jüdische „Mäderle“-Chanson. Nur die große Shownummer nach der Pause wird hier weggelassen, und die Kabarettnummer nach Mozart „Wo sind die Zeiten dahin“ erscheint zu einem etwas seltsam verstümmelten Fragment gekürzt. Besonders aufs Tempo drückt Geisler im ganzen zweiten Teil, etwa in der Sequenz, die Lolas Alkoholprobleme aufblättert. Zum brillanten Höhepunkt der Aufführung wird aber dann doch die große Nummer „Im Theater ist nichts los“, wo sich Lola (erfolglos) einem Wiener Theaterdirektor als Schlagersängerin, Chansonette, Wiener Wäschermädel, Ungarin und Berlinerin vorstellt. Man bewundert die unglaubliche Power, mit der Sarah C. Baumann, mit spürbarer Lust an allen Facetten der Rolle, ihre Lola Blau über die Bühne wirbelt.

Es stört nicht, dass man (sowohl bei Geislers Wirt als auch vielfach bei Lola selbst) heraushört, wie weit weg von Wien der sprachliche Grundton dieser Theaterarbeit angesiedelt ist. Pianist Marcello Celona strahlt eine charmante, lässige Attitüde aus, er arbeitet teilweise auch etwas mit den Sounds des E-Pianos und wirkt wohl bewusst mehr wie ein Barpianist, der seinen Job routiniert erledigt. Dass die Feinabstimmung mit seiner Lola perfekt funktioniert, „läuft so nebenher“. Man hört nicht die Probenarbeit, das spricht für das hohe Niveau der Produktion.  

Mit dem resignierenden Chanson „Zu leise für mich“ schließt sich der Kreis. Wieder muss eine Lola Blau feststellen, dass die Menschen nichts aus der Geschichte lernen und man gegen den Wind singt, nicht gehört wird. Sarah C. Baumann ist aber sicher eine derjenigen Darstellerinnen dieser Rolle, der man danach nicht nur zu ihrer Virtuosität gratuliert. Dafür war man als Zuschauer in mehrfacher Hinsicht „ganz nah dran an Lolas Schicksal“.  

Termine und Fotos:

http://www.of-t-raum.de/opencms/t-raum/theater/termine/lola.html

Ab September wird die Produktion weiter gespielt.

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 04. Juni 2009, 12:01:26
Vielen Dank an urmel für den Hinweis auf die "Lola Blau" in Mannheim.
Anne Krämer, die Hauptdarstellerin, hat ja vor kurzem die amerikanische Erstaufführung dieses Werkes gespielt.
http://www.capitol-mannheim.de/event/403618/lola_blau.html
Werde am 25.6. in Mannheim sein und danach berichten.

Und am 9.7. gibt es eine Vorstellung "Heute Abend: Lola Blau" bei den Festspielen in Erl (Tirol).
http://www.tiroler-festspiele.at/
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: urmel am 06. Juni 2009, 19:12:08
In einer Statistik zu "Lola Blau" wird beschrieben, dass für die Jahre 1987 bis 1997 187 verschiedene deutsche Spielstätten nachgewiesen sind, an denen "Lola Blau" aufgeführt wurde und das zu drei Viertel der ermittelten Aufführungsorten mit verschiedenen Hauptdarstellerinnen. Bin nicht im Bilde Alexander, wo und wann Du Deine "Lola Blau Reise" angefangen hast und seit wann Du Kritiken dazu veröffentlichst. Vielleicht warst Du bei einigen der in dieser Statistik berücksichtigten Inszenierungen. Hattest Du Topsy Küppers in dieser Rolle erlebt? Wenn ja, gibt es dazu eine Kritik oder ist das Original tabu?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 06. Juni 2009, 22:19:18
Da ist Alexander wohl zu jung dafür. Bei der Uraufführung war er 8 Jahre alt.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: urmel am 07. Juni 2009, 13:03:18
Burkhard Ihme, wo steht etwas von einer Kritik zur Uraufführung. Unser Lola Blau Experte und exzellenter Berichterstatter informiert nicht ausschließlich über Premieren. Zur letzten Lola Blau Aufführung der Topsy Küppers war Alexander im Erwachsenenalter und vermutlich fähig zu reisen und zu schreiben. Wem würde man dieses besondere Erlebnis mehr gönnen, als ihm. O.K. ich mir selbst natürlich auch. Hatte leider nicht das Glück. In anderen Programmen durfte ich dafür die wunderbare Ausstrahlung dieser starken Persönlichkeit erfahren. Eine Vollblutdarstellerin, die ihr Publikum zu fesseln weiß.  :)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 09. Juni 2009, 10:13:24
Quote (selected)
In einer Statistik zu "Lola Blau" wird beschrieben, dass für die Jahre 1987 bis 1997 187 verschiedene deutsche Spielstätten nachgewiesen sind, an denen "Lola Blau" aufgeführt wurde und das zu drei Viertel der ermittelten Aufführungsorten mit verschiedenen Hauptdarstellerinnen. Bin nicht im Bilde Alexander, wo und wann Du Deine "Lola Blau Reise" angefangen hast und seit wann Du Kritiken dazu veröffentlichst. Vielleicht warst Du bei einigen der in dieser Statistik berücksichtigten Inszenierungen. Hattest Du Topsy Küppers in dieser Rolle erlebt? Wenn ja, gibt es dazu eine Kritik oder ist das Original tabu?

Ich habe im Lauf dieses Threads meine persönliche Lola Blau Statistik eingefügt - habe das Werk 1997 kennengelernt, weil ich als Einspringer am Wiener Theater Pygmalion für eine Vorstellung den Klavierpart übernommen habe. (Meine damalige "Lola Blau" Dorina Pascu ist mittlerweile im Berliner "Distel" Ensemble und war schon mal im "Scheibenwischer" zu sehen.) Dem Hobby "Lola Blau nachfahren" fröne ich seit 2003, je nach Zeit und Geld. (Meist mit Regionalexpreßzügen hin und mit Nachtzügen zurück.)
Zur Aufnahme mit Topsy Küppers findet sich auch eine Besprechung von mir in diesem Thread. Ich kenne einige Leute in Wien, die Topsy Küppers (und nur die!) in dieser Rolle erlebt haben. Man kann fast sagen: Jede/r die/den man in Wien auf "Lola Blau" anspricht (und bei der/bei dem es dann "klingelt"), assoziiert Topsy Küppers damit (und nicht etwa Stella Fürst geschweige denn Christiane von Poelnitz oder Eva Alikaj Lössl, obwohl alle drei auch sehr gute Wiener Lolas waren).
Würde nach wie vor Topsy Küppers´ Aufnahme als allererste empfehlen, wenn jemand das Werk kennenlernen möchte. In München bei Beck am Rathauseck (zum Beispiel) ist fast immer ein Exemplar vorrätig...
Frage an urmel: Wo findet man diese Statistik? Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar, da ich auch Material zu früheren Vorstellungen von "Lola Blau" sammle...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Anke am 10. Juni 2009, 14:47:43
Quote (selected)
Da ist Alexander wohl zu jung dafür. Bei der Uraufführung war er 8 Jahre alt.
Na und?  :o   Ich habe Topsy Küppers mit 11 gesehen  :D   ;)



Nee, kleiner Scherz am Rande. Das war in einer anderen Rolle.
Und außerdem habe auch ich Alexander bisher als wesentlich älter eingeschätzt.  ::)
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 05. Juli 2009, 18:36:47
DIE LOLA BLAU KABARETTSHOW

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler im Capitol (Mannheim), 25.6.2009

Das Capitol bietet eine große Konzertbühne. Darauf stehen bereit: ein Kleiderständer, ein Koffergestell, rechts ein Flügel, der leicht schräg in die Bühne hineinragt. Wer oft und gern „Lola Blau“ besucht, fühlt sich gleich zu Hause. Vor Beginn zeigt eine Leinwand vor der Bühne einen „Capitol TV“ Werbefilm, der auch mit Probenausschnitten zur „Lola Blau“ und mit einem Interview mit der Hauptdarstellerin Anna Krämer aufhorchen lässt. Anna Krämer spielt ihre „Lola Blau“ schon einige Jahre, sie hat erst vor kurzem in einer englischsprachigen Neueinstudierung die amerikanische Erstaufführung dieses Werks hinter sich gebracht. Wer mit einem konventionellen, der Vorlage streng folgenden Beginn rechnet, wird überrascht. Lola Blau, Typ Dame, sitzt auf der Bühne, der Pianist, selbstbewusster Mannstyp Richtung Ottfried Fischer, tritt als Deutschösterreicher auf und begrüßt den Anschluß. Lola singt „Sie war liab“. Der Größe des Raums gemäß ist ihre chansongerechte Stimme verstärkt. Dann heißt es „Licht!“ und „Applaus für den Pianisten!“, und das Stück nimmt seinen eigentlichen Lauf, ausgehend von diesem Versetzen des Publikums in eine Showatmosphäre im Theater. Pianist Joe Völker ist gleichzeitig Entertainer, Moderator und Darsteller diverser Nebenfiguren. Man verzichtet fast völlig auf Zuspielungen, alles wird (wohl tourneepraktikabel durchdacht) von den beiden gemacht. Die Chansons sind sehr genau einstudiert,  mehr als in anderen Inszenierungen wird auf die Wortdeutlichkeit geachtet. Viele Rubati sorgen dafür, dass auch wirklich keine Pointe verlorengeht. Trotz dieser Betonungen steht das Showelement bei der Inszenierung von Dick Top stark im Vordergrund. Bonmots wie „Damals gab´s noch keine iPhones“ und vor allem die bewusst herausgestellte Interaktion der beiden auf der Bühne schaffen Distanz zum ertschütternden Zeithintergrund, der eben vielfach gerade mal als Fassade für Gags herhalten muss und trotz der sprachlichen Betonungen nicht so zur Geltung kommt wie in anderen Inszenierungen. „Weder noch“ wird gesplittet auf zwei Stellen im Stück. Teilweise tendiert Anna Krämer zur Überzeichnung, gestalten die beiden so manche Szene eher als Karikatur einer Szene denn als ernsthaftes Schauspiel. Anna Krämers Darstellung ist – das muss man ihr lassen – von souveräner Routine gezeichnet, man spürt, sie hat die „Lola Blau“ total intus. Sie beherrscht den Tonfall der Chansons brillant. In den Höhen bekommt die Stimme manchmal etwas gekünstelt Operettiges. Wie in anderen Produktionen auch verzichtet man in Mannheim auf das „Mädele“. Den Juden gibt Anna Krämer somit nur beim „Herrlichen Weib“, mit einer Handpuppe. Nach der Pasuse – Lola musste aus Österreich über die Schweiz in die USA ziehen – spielt der Pianist ein „Lola Blau“ Medley, ehe Lola Blau mit „Sex is a wonderful habit“ als Lehrerin mit zwei Puppen, einer schwarzen männlichen und einer weißen weiblichen, auf die Bühne kommt. „Der Herr ist mir fremd“ macht Anna Krämer mit zwei Herrenanzügen auf einer Wäscheleine vor ihr. Brillant gelingt die Shownummer, das Telefonat mit Mr. Seagull. Lola trinkt eine ganze Flasche (wahrscheinlich doch Wasser, kein Whisky) aus und holt sich damit einen Szenenapplaus. Das Publikum goutiert die parodistischen Ansätze gerne, klatscht mit, wenn diese Lola eine Wienerin gibt. Die Berlinerin in der Glanznummer „Im Theater ist nichts los“ deutet sie übrigens nur an. Stark kommt die Finalnummer „Zu leise für mich“, auch hier verfremdet man das Original hin zur Shownummer, indem das Publikum zum Mitsingen aufgefordert wird und der Pianist gar das Textblatt „Trallala“ zeigt. Der Ansatz mag gut durchdacht sein, die Wirkung bleibt etwas äußerlich. Das Publikum ist über die gebotene Leistung begeistert und erklatscht sich eine „Wahrheit“ als Zugabe. Es hat eine Inszenierung gesehen, die die Zeitgeschichte vielfach zum Pointenlieferant degradiert. Beispiel: Nach den „Alten Tränen“ (stark!) ist ein Gespräch mit einem Wiener eingefügt, vom Pianisten wieder kabarettistisch ausgekostet. Er stellt fest, dass Lola eine Jüdin ist und sagt beiläufig „Die ham´s vergessen.“ Die Pointe geht unter statt eiskalt runter im Spaß. Leider.

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 10. Juli 2009, 17:14:18
LOLA BLAU, FULMINANT

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler, bei den Festspielen in Erl (Tirol), im Gasthaus Blaue Quelle aufgeführt am 9.7.2009

Ja so glaubt man: Wer dieses großartige Musical um eine Künstlerin, die 1938 aus Österreich über die Schweiz nach Amerika emigrieren muss und nach dem Krieg und nach persönlichen Alkoholproblemen als Kabarettistin in Wien neu Fuß zu fassen versucht, so wie der Schreiber dieser Zeilen schon oft in verschiedensten Inszenierungen gesehen hat, den können allenfalls ein paar originelle Regieideen überraschen, Varianten des bereits vielfach nur allzu Wohlbekannten. Freilich: Die Lola Blaus quer durch den deutschen Sprachraum haben alle ihre ganz besonderen künstlerischen Höhepunkte, es wäre höchst unfair, diese gegeneinander abzuwägen.

Und doch: Diese so fulminante Aufführung einer „Wiener Connection“ bei den Festspielen in Erl hat selbst den ach so erfahrenen Lola Blau Fan schlichtweg umgehaut.

Die Regisseurin Isabella Gregor spannt den Bogen dieser Lebensgeschichte, ausgehend und ihn zwischendurch immer wieder betonend von einem Rückblick der alt gewordenen Lola Blau aus zu einem einzigen eineinhalbstündigen Furioso, das sowohl den zeitgeschichtlichen Hintergrund als auch die Facetten des Showstars grandios zur Geltung bringt.

Sinnvoll einfach wird der Speisesaal des Gasthofs zum Theatersaal umfunktioniert. Das durch eine „Showtreppe“ und ein Geländer abgetrennte „Stüberl“ ist der Bühnenhintergrund, rechts vorne, schräg ins Publikum hinein ragend, steht der schwarze Flügel, die Theke links ist auch eine optimale Bühnenfläche, und ansonsten reicht ein großer Requisitenkoffer. Einige Zuspielungen kommen vom Band, Geräusche, Redeausschnitte, aber keine Schlager, für die Instrumentalmusik sorgt allein der Pianist.

Ganz einfach beginnt die Vorstellung. Lola öffnet den Koffer und erinnert sich an Weihnachten 1937, an Onkel Paul, an dessen Anruf, sie bringt (vorgezogen, wie zuletzt auch in Mannheim gehört) das große Chanson „Sie war liab“ (lässt allerdings den Wien-Teil weg), und dann erst wird das Telefonläuten zugespielt, sie telefoniert mit ihrem Freund Leo, übergeht seine Warnungen, setzt sich eine schwarze Perücke auf und mutiert blitzschnell zur jungen hoffnungsvollen Schauspielerin: „Im Theater ist was los!“

Bereits jetzt spürt man total: Carin Filipcic, die Lola Blau des Abends, ist ein Musicalprofi durch und durch. Sie singt unverstärkt, und sie kann sich das leisten, obwohl der vollgriffig, intelligent frei nach der Vorlage die Nummern verlebendigende Pianist Belush Koreny mit seinem herrlich jazzig durchdrungenen Klavierspiel akustisch den Raum mehr als zu füllen versteht. Mit seinem groovenden Zwischenspiel nach der Ankunft von Lola in Amerika holt er sich einen verdienten Extraapplaus in der an Zwischenappläusen alles andere als armen Vorstellung.

Wichtig ist der Regisseurin das Tempo in der ohne Pause durchlaufenden Aufführung. Damit fordert sie den beiden da vorne eine immense Konzentrationsleistung ab. Schauplätze werden mit Fahnen oder Tafeln am Klavier angedeutet, die vielfältigen Kostüme sind rasch gewechselt. Einige Szenen bestreitet diese Lola selbst allein, etwa wenn sie im Hotel in der Schweiz einen Brief erhält und sowohl die Schweizer Postbotin als auch die Lola spricht, oder wenn sie bei der Rückfahrt nach Europa mitten in ihrer an sich schon sehr anstrengenden Partie auch noch den kompletten Monolog des Herrn Schmidt auf Berlinerisch hinlegt.

Ganz starke Momente prägen sich ein. Das hohe Tempo wird manchmal bewusst und damit umso eindringlicher gestoppt, etwa wenn Lola Blau die Perücke ablegt und „Ich hab´ dich zu vergessen vergessen“ wieder als Rückerinnerung singt.

Große Freude für den Schreiber dieser Zeilen: Carin Filipcic spart nicht das „Mädele“ aus. „Der Herr ist mir fremd“ folgt in dieser Inszenierung erst nach „Heut werd´ ich mich besaufen“. Kleine Wermutstropfen: „Sex is a wonderful habit“ ist nicht dabei, und auch das wichtige originale Schlußlied „Zu leise für mich“ fehlt, aber die Ersatzlösung hat auch was für sich, dazu kommen wir noch.

Grandioser Höhepunkt des Abends ist die große Shownummer, die mit der Textzeile beginnt „I´m Gonna Love You“, Lola Blau im Glitzerkostüm und mit Boa. Da entfaltet sich die künstlerische Potenz dieser Darstellerin vollends. Ja, diese Lola Blau MUSS ein Star in Amerika gewesen sein, sie ist nicht eine Lola Blau Darstellerin, die einen Star spielt, sie verwandelt einen Gasthof in Erl für Minuten in ein Broadwaytheater.

Auch die große Nummer „Im Theater ist nichts los“ entfaltet Carin Filipcic grandios vielseitig: das Schlagerliedchen zu Beginn als Marika Rökk-Parodie, nach der Pariserin statt der Wienerin ein „Tiroler Hiatamadl“, und nach der Ungarin die Berlinerin, mit rollendem „r“ an Zarah Leander erinnernd.

So gut all die anderen Lolas sind – hört man diese Rolle einmal von jemandem, der durchgehend „echt wienerisch“ spricht und singt, spürt man eine ganz besondere Authentizität. Entsprechend „selbstverständlich“ entfaltet etwa die Kabarettnummer auf Mozarts 1. Satz aus der Sonata facile „Wo sind die Zeiten dahin“ alle abgrundtief herrlich bösen Pointen Kreislers.

Am Ende ist Lola also wieder die alte Dame, die uns, so wie sie sich zu Beginn an das Telefonat mit Onkel Paul erinnert hat, erzählt, wie es dazu kam, dass Leo am verabredeten Abend nicht ins Kabarett Kaiserschmarrn gekommen ist, und sie wird weiter hoffen, dass er irgendwann in die Vorstellung kommt. Sie schließt mit dem Lied „Alte Tränen“ (ursprünglich von Kreisler für die Ankunft in Wien angesetzt, aber hier auch passend). Dann läutet das Telefon. Lola erschrickt. Ende der Vorstellung.

Fazit: Lola Blau in Erl – neunzig Minuten fulminantes Musiktheater!  

PS: Kuriosum zur Anreise! Der Tourismusverband bietet die Möglichkeit für mit öffentlichen Verkehrsmitteln Anreisende, von Kufstein aus mittels Busshuttle zu den Festspielvorstellungen nach Erl zu gelangen – auch an diesem Tag, wo allerdings nur ein einziger Interessent am angegebenen Treffpunkt beim Hotel Alpenrose wartet. Da reicht ein PKW – der Schreiber dieser Zeilen kommt in den Genuß einer Art Taxifahrt auf Kosten des Tourismusverbands, die diesen sicher teurer kommt als die „Lola Blau“ Eintrittskarte gekostet hat. Und der nette Fahrer bringt den Besucher danach wieder nach Kufstein zurück, direkt zum Hotel Kienbergklamm.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 17. Juli 2009, 11:26:34
Diese Vorstellung fand am 10.7. statt. (Ich war nicht dort.)

http://www.kulturreederei.de/lolablau.html

Es gibt einen Audiotrack von "Im Theater ist nichts los" zu hören.

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 27. August 2009, 14:30:14
„Heute Abend: Lola Blau“ im August, September  und Oktober 2009 (Auswahl):

27.8.2009
Magazin 4
Bad Reichenhall
Gastspiel der Produktion aus Salzburg (mit Daniela Gnoycke)
www.magazin4.de

15.9.2009:
www.capitol-mannheim.de
Mannheim

15.-24.9.2009
stadtTheater Walfischgasse
Wien
Gastspiel der Produktion aus Duisburg
http://www.simskultur.net/stadttheater-walfischgasse/programm/heute-abend-lola-blau

25., 26. und 27.9.2009
www.theaterhintenlinks.de
Krefeld

4.10. und 1.11.2009:
www.theater-am-puls.de
Schwetzingen

21., 23. und 28.10.2009:
Schauspielhaus
Graz
http://www.buehnen-graz.com/schauspielhaus/stuecke/stuecke_genau.php?id=7864&representation=true
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 29. September 2009, 11:30:31
Weitere Vorstellungen in Offenbach:
6.11., 7.11. und 14.11.2009.

Für das Jahr 2010 sind weitere Termine geplant.

http://www.of-t-raum.de/opencms/t-raum/theater/termine/lola.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: urmel am 26. Oktober 2009, 22:14:06
Am 10.11.08 berichtet Alexander über die außergewöhnliche "Lola Blau" Aufführung in Duisburg. Dieses "Hörspielmusical" mit Heike Maria Förster als Hauptdarstellerin gibt es nun als Mitschnitt auf zwei CD´s. Ausgestattet mit umfangreichem Booklet, incl. einem Vorwort von Georg Kreisler.  "published by: bvpm GmbH" Lola Blau Liebhabern sei diese Aufführung ans Herz gelegt. Anders als die vielen übrigen Lola Blau Inszenierungen. - Der Beginn einer Gastspielreise war im September im Wiener Stadttheater Walfischgasse. Aufführungen sind bis ins Jahr 2011 geplant.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 27. Oktober 2009, 13:35:13
Danke für die Info, urmel!

Die Doppel CD kann laut der Homepage dieser Produktion http://www.lolablau.net unter bestellung@bvpm.de
zum Preis von 19,50 € einschl. Versandkosten bestellt werden.

Auf der Homepage gibt es auch drei Hörbeispiele (siehe "Bild und Ton")!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: urmel am 11. Dezember 2009, 16:39:41
"Heute Abend - Lola Blau" zieht immer weitere Kreise. Jetzt hat dieses Stück Russland erreicht. Genau gesagt die dortige Hauptstadt. Der Radiosender "Die Deutsche Stimme Russlands"
berichtet über die russische Premiere in Moskau.
In diesem Beitrag wird über Georg Kreisler und das Stück erzählt, das in der heutigen Zeit spielt. Dazu gibt es Hörproben.

Jetzt muss man nur noch russisch können.

Wie steht´s Alexander, ist das eine Bahnreise wert?

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 11. Dezember 2009, 20:08:35
Vielen Dank, urmel!

Hier der Link (Beitrag in Schriftform und zum Nachhören - alles auf Deutsch):

http://ruvr.ru/main.php?lng=ger&q=9645&cid=63&p=30.11.2009
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: urmel am 31. Dezember 2009, 15:09:11
Kaum von der Lola Blau geschrieben, da flattert eine tolle Ankündigung für den 26.1.2010 ins Haus. Lola Blau wird in Sofia im Red House gespielt.
http://www.redhouse-sofia.org/default.aspx
Die Schrift der Programmseite vom"Red House" wird in unseren Breiten kaum jemand entziffern können. Die gezeigte Bildfolge der Lola Blau entschädigt dafür. Bin auf Alexanders Kritik gespannt.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 31. Dezember 2009, 15:09:40
Die Duisburger "Lola Blau" ist nach der Wiener Aufführungsserie nun bald in Brandenburg an der Havel zu Gast:

http://www.brandenburgertheater.de/startseite/theater/konzerte/sonderkonzerte/HEUTE-ABEND-LOLA-BLAU.html

Weitere Stationen dieser Produktion, CD-Bestellung etc. hier:

www.lolablau.net

Auch in Flensburg wird "Lola Blau" im Jahr 2010 weiter gespielt (Achtung: im Link gibt´s auch einen Videoclip!):

http://www.sh-landestheater.de/de/spielzeit/09-10/Heute-Abend-Lola-Blau/index.php

Die Grazer Produktion steht ebenso noch auf dem Spielplan:

http://www.theater-graz.com/schauspielhaus/stuecke/stuecke_genau.php?id=7864
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Bastian am 31. Dezember 2009, 15:26:04
Zur bulgarischen Lola eine googlewelsche Übersetzung:

26. Januar (Dienstag) 2010, 19.00 Uhr
Roter Saal
Heute Abend: Lola Blau
Georg Kreisler
Musik-Kabarett
In der Rolle der Lola Blau: Silvia Vargova; Live-Musiker aus Orchestra Kayzershmarn: Ivailo Kraychovski, Rosen Parlapanova, Plamen Ibishev Ivan Tzonkov, Venko Poromanski; Akteure: Vladislav Pavlov und Boris Lapshov; Stimmpädagoge: Alice Bovarian; Tanz: Galina Borisova, Video: Vassilena Michailowa, Regie: Sylvia Vargova
Eine andere Form des Theaters, die sehr attraktiv ist, klassische dekadenten Kabarett - ein Genre, das zusammen mit tiefen philosophischen Einsichten, verfügt über ein elegantes osvobodenost, Direktheit und Charme und atemberaubenden Spezialeffekten Musik. Die Ausstellung konzentriert sich unsere Aufmerksamkeit auf die schreckliche Periode der menschlichen Geschichte - World War II, und Fragen über die Welt in der wir heute leben. Mit der Unterstützung der Metropolitan Kultur-Programm, die Unterstützung der Botschaft des Staates Israel in Bulgarien, Nu Boyana Film Studios, Goethe-Institut Bulgarien und Peter Sherbanov.
Fotos können hier heruntergeladen werden.
Bulgarisch.
Dauer: 90 min
Tickets: 15/10 BGN

http://translate.google.com/translate?js=y&prev=_t&hl=de&ie=UTF-8&layout=1&eotf=1&u=http%3A%2F%2Fwww.redhouse-sofia.org%2FEvents.aspx%3Fsearch%3Dlola%2520blau&sl=bg&tl=de
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 31. Dezember 2009, 15:28:45
Hier gibt es auch ein Video zur Produktion in Mannheim zu sehen:

http://www.capitol-mannheim.de/event/403648/lola_blau.html

PPS: Bitte um Verständnis, beschränke mich mit den Anreisen aus vielerlei Gründen auf den deutschsprachigen Raum...
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 15. Januar 2010, 10:13:54
Die Produktion aus Kempten wird neu produziert, in Traunreut:

http://www.chiemgau-online.de/portal/lokales/trostberg-traunreut_Anspruchsvoll-und-farbenfroh-_arid,122359.html

In Krefeld steht "Heute Abend: Lola Blau" auch weiter am Spielplan.
Nächste Vorstellungen: 19.2., 20.2., 23.4., 24.4.2010.
Infos: www.theaterhintenlinks.de
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 03. Februar 2010, 11:17:36
Laut Wochenspiegel hat am 19.6.2010 eine neue Produktion von "Heute Abend: Lola Blau" im Clack Theater in der Lutherstadt Wittenberg mit Alexandra Herhausen in der Hauptrolle Premiere.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 15. Februar 2010, 19:33:54
Lutherstadt Wittenberg, Clack Theater, 19. und 23.6.2010, jetzt im Vorverkauf:

Alexandra Herhausen in HEUTE ABEND: Lola Blau

Samstag, 19. Juni 2010 19:30 Uhr

Lola Blau, eine jüdische Schauspielerin, freut sich auf ihr erstes Engagement am Linzer Stadttheater. Aber der Einmarsch Hitlers zerstört alles. Der Abend der Verwandlungskünstlerin LOLA BLAU wird zum heißen Wechselbad aus Humor, Groteske, Klamotte, Satire, Melodram und Komödie; alles unaufdringlich und doch berührend mit historischen Dokumenten.
Lola Blau ist im Grunde die Geschichte einer Ohnmacht. Lola steht dem Antisemitismus ebenso ratlos ohnmächtig gegenüber wie dem eigenen Judentum. Sie ist ohnmächtig gegen die sturen Schweizer, wütet ohnmächtig gegen die Sex-Karriere in Amerika, und am Schluss ist sie wieder ohnmächtig gegen die österreichischen Ewig-Gestrigen.
Sie will eigentlich nichts, als ein bisschen tanzen und singen und ihrem Publikum Freude machen. Doch sie muss einsehen, dass es nichts nützt, nur einen kleinen bescheidenen Platz an der Sonne erhaschen zu wollen. Jeder Mensch muss vor allem versuchen, die Hindernisse, die die Sonne verstellen, für sich und seine Mitmenschen aus dem Weg zu räumen.
(Georg Kreisler , 1971)

Mit: Alexandra Herhausen

http://www.clack-theater.de/Spielplan.htm

Lutherstadt Wittenberg

Folgevorstellung: 23.6.2010

Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 05. März 2010, 12:08:54
Buxtehude
Theater im Hinterhof

HEUTE ABEND: LOLA BLAU
ZUM WELTFRAUENTAG

Musical für eine Schauspielerin von Georg Kreisler
mit Petra Schlobohm
am Klavier:  Marie-Luise Bolte

Samstag, 06.03.2010
20.00 Uhr

http://www.theaterimhinterhof.de/?programm%26nbsp%3B  

Infos zur Produktion, Fotos und Pressezitate:
http://www.schlohbuehne.de/Archiv__Heute_Abend__Lola_Blau.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 09. Juni 2010, 18:28:23
Schloßfestspiele Zwingenberg, 17.8.2010:

http://www.schlossfestspiele-zwingenberg.de/pages/stuecke-besetzung-2010/heute-abend-lola-blau.php
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 20. Juni 2010, 22:52:05
MEHR FÜRS PUBLIKUM ALS FÜRS STÜCK

„Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler, Premiere im Clack-Theater (Lutherstadt Wittenberg), 19.6.2010

Das Clack-Theater erinnert den Schreiber dieser Zeilen mit seinen Säulen etwas an das Wiener Metropol, nur kleiner ist es. Das Publikum sitzt an Kaffeehaustischen.
Es wird eine im Grunde konservative Aufführung des Musicals geboten, die sich musikalisch wie szenisch stark an der Originalvorlage orientiert. Die Regie (Clara Widmer) arbeitet ohne Bühnenbild, ein großer Koffer ist gleichzeitig ein Schrank, links steht das E-Piano, der Pianist blickt ins Publikum. Zuspielungen vom Band (kleinere Nebenrollen und zeithistorische Ausschnitte) sowie einige Lichteffekte und viel Einfallsreichtum bei den Kostümen der Lola Blau sorgen für Abwechslung. Manche Überleitungen gestaltet der Pianist. Man kennt das aus vielen Inszenierungen, und Georg Kreislers Vorlage trägt auch in Wittenberg gut – die Emigrationsgeschichte dieser Lola Blau, aus Österreich über die Schweiz in die USA, Alkoholprobleme, Rückkehr und Einpendelung als resignierende Kabarettistin, aufgefächert mit grandiosen Chansons zwischen Innenschau der Hauptdarstellerin und Shownummern, vermag einmal mehr zu zünden.
Aber diesmal zündet sie darstellerisch etwas plakativ. Alexandra Herhausen outriert so oft, dass es gewollt sein muss. Die ohnehin schon mikrophonverstärkte eigentlich sehr gute, wandlungsfähige Chanson- und Schauspielstimme plärrt bei manchen Textpassagen überdeutlich und nur mehr aufgesetzt wirkend in den Raum, verzerrt damit Szenen ins Oberflächliche – und holt sich damit sehr wohl das Publikum, welches nur allzu gerne leicht unterhalten werden will. Die Eiseskälte vieler Sequenzen, die Brüchigkeit der Figur, das Innehalten kommen viel zu kurz. Wenn, dann spürt man immerhin einen Ansatz davon, was der Stoff auch noch hergibt, etwa wenn der Auszug aus Wien verkürzt wird, ohne Zuspielung, stumm, nur mit dem Anziehen des Mantels und dem Hinausgehen mit dem kleineren Koffer. Es sind nur ein paar Sekunden, aber die gehen stark unter die Haut. Zum Publikumshit schlechthin wird die Bravournummer des jüdischen Ehemanns, der seine Frau, „das herrliche Weib“, analysiert, vor der Pause. Auch sonst nimmt das Publikum die Vorstellung als Nummernrevue mit den halt notwendigen weiterführenden Szenen dazwischen gerne an. Je länger die Aufführung dauert, desto unwichtiger wird der zeitgeschichtliche Hintergrund. Alexandra Herhausen ist eine Lola Blau, die großartiges Entertainment bietet - - man schaut ihr zu und bewundert ihre Leistung, aber mitleben, mitlachen, mitleiden jenseits oberflächlich servierter Pointen kann man viel intensiver mit anderen Lola Blau Darstellerinnen.
Die Tendenz zur Überzeichnung in dieser Inszenierung kommt auch in einer Überdeutlichkeit der Textbetonung in den Liedern zur Geltung. Es gibt Interpretinnen, die damit die Lieder intensivieren – hier wirken sie oft zu „pädagogisch“. Dazu kommt, dass der Pianist, GMD Jörg Iwer, seinen Part so spielt, als hätte er ihn seit der ersten Probe immer nur vom Blatt gespielt. Das Klavierspiel wirkt routiniert und wenig inspiriert. Natürlich begleitet er die Sängerin gut, die Balance stimmt, aber beim Umblättern, mit diesem typischen Auslassen des einen Taktes der umblätternden Hand, auch bei einigen anderen musikalischen Sequenzen suggeriert der Pianist sogar eine herablassende Arroganz des „Ihr habt eh keine Ahnung, deshalb kann ich machen was ich will“. (Man sollte das Werk überhaupt nicht kennen, dann würde man anders schreiben, ich weiß.) Zu seiner Ehrenrettung sei vermerkt, dass in dieser Inszenierung die Monologe der Herren Berger und Schmidt von ihm großartig am Klavier gebracht werden, er spielt dazu akkordische Begleitmuster, fast wie Philip Glass – diese Monologe gehören zum Eindringlichsten der Aufführung.
Alexandra Herhausens beste Szene ist ihre Shownummer, „Mein Herr“ aus „Cabaret“, weil hier offen bleibt, ob das in ihrer Garderobe oder schon auf der Bühne geschieht, weil sich schon die Alkoholikerin abzeichnet und weil sie da offenbar wirklich ganz in ihrem Element ist. In dieser Nummer gelingt der Sprung des „Mitlebens“ genial.
Indem Alexandra Herhausen dann allerdings das Telefonat mit Leo, als er sich nach einigen Jahren wieder bei ihr meldet und unter anderem berichtet, dass er in Dachau war, nicht wie fast alle anderen Darstellerinnen ab dem Moment des Erkennens von Leos Stimme ins Ernste umschlagen lässt, sondern erst danach, indem „Ich liebe dich“, „Alte Tränen“ und sogar das wichtige Abschlusslied „Zu leise für mich“ überhaupt gestrichen sind und „Wo sind die Zeiten dahin“ deutlich gekürzt gebracht wird, entlarvt sich auch diese Inszenierung als eine, die dem Stoff nicht durchgehend vertraut und mehr an einer Publikumsanbiederung interessiert ist, dem es nur ja nicht zu langatmig werden darf, das immer bei Laune gehalten werden muss. Zum Schlussapplaus gibt es alte Schlager vom Band, damit man rhythmisch applaudieren kann.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 22. Juni 2010, 20:24:53
Hier eine Premierenkritik - viel positiver als meine...

http://www.wochenspiegel-web.de/scms_show_data.php?mode=detail&category=25&entry=16892
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 13. August 2010, 19:35:43
Am 17.8. in Mosbach:

http://www.fnweb.de/regionales/bu/region/20100806_mmm0000000343982.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 19. August 2010, 14:14:36
Kritik aus Mosbach:

http://www.fnweb.de/nachrichten/kultur/20100819_mmm0000000425962.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Maexl am 01. September 2010, 16:01:51
schade - da war ich in avignon :( (@basti: jap, reisetips sind immer gern gesehen ;P)
Titel: Demnaechst: Lola Blau
Beitrag von: michael am 13. September 2010, 00:30:41
Und noch eine Premiere:

http://www.rp-online.de/niederrheinsued/moenchengladbach/nachrichten/Brunchmatinee-Lola-Blau_aid_905255.html

25.9.2010 / Mönchengladbach
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 14. September 2010, 09:34:52
Kritik Schwabhausen:

http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Lokales/Landsberg/Lokalnachrichten/Artikel,-Im-Theater-ist-was-los-_arid,2242333_regid,2_puid,2_pageid,4500.html#null
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 27. September 2010, 18:13:07
Kritik Mönchengladbach:

http://www.omm.de/veranstaltungen/musiktheater20102011/MG-heute-abend-lola-blau.html 

Kritik Lahnstein:

http://www.rhein-zeitung.de/regionales/bad-ems_artikel,-Lola-Blaus-Schicksal-ruehrt-an-_arid,141910.html 
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 01. Oktober 2010, 09:17:39
Ab 15.10.2010 in Stendal:

http://www.tda-stendal.de/heute_abend_lola_blau

Und weiter in Krefeld:

www.theaterhintenlinks.de
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 01. Oktober 2010, 09:47:39
Quote (selected)
Das legendäre Stück verleiht der fiktiven Sängerin Lola Blau eine Stimme, die auf der Flucht vor den Nazis zunächst in der Schweiz über diverse Kleinkunstbühnen tingelt und nach ihrer Ausweisung schließlich in Amerika zum gefeierten Showstar und Sexstarlet avanciert.
Erstaunlich, was diese Stimme alles kann.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 10. Oktober 2010, 17:07:08
Im Oktober auch wieder in Lübeck:

http://www.hl-live.de/aktuell/textstart.php?id=64031
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 18. Oktober 2010, 13:56:41
Kritik Stendal:

http://www.volksstimme.de/vsm/magazin/kultur/weitere_themen/?em_cnt=1841483
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 08. November 2010, 12:40:19
9.11.2010 in Hofheim:

http://www.wiesbadener-kurier.de/region/main-taunus/hofheim/9609868.htm
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 18. Dezember 2010, 13:57:24
Heute, 18.12.2010, in Neustadt an der Weinstraße:

http://www.kulturkurier.de/veranstaltung_240958.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 12. Januar 2011, 11:18:13
Am 27. und 28.1.2011 wieder in Krefeld:

http://www.theaterhintenlinks.de/default.htm
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 01. März 2011, 15:20:12
Ab 3.3.2011 in Hamburg:

http://www.engelsaal.de/

Und auch in Bregenz weiter am Spielplan:

http://www.landestheater.org/start.htm
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 03. März 2011, 11:08:27
Vorschau Hamburg:

http://www.hamburg-magazin.de/index.php?id=604&tx_ttnews[tt_news]=5590&no_cache=1
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 07. März 2011, 16:21:44
Und hier zwei Kritiken aus Hamburg:

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article12705225/Die-Traurigkeit-einer-Unpolitischen.html

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1804547/Ein-Geheimtipp.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Maexl am 21. April 2011, 02:14:57
mich würde diese aufführung ja interessieren:

http://www.kurt-weill-fest.de/pages_d/kwf_2_0_6_0.html

kennst du die?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 21. April 2011, 10:40:42
Siehe Seite 7 dieses Threads, Duisburg 2008. Gibt´s übrigens auch als Doppel CD.

Die Homepage zur Produktion (mit Bestellmöglichkeit der CD-Veröffentlichung):
http://www.lolablau.net/
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 06. Juni 2011, 14:12:02
Lola Blau in Basel:

http://www.badische-zeitung.de/basel/man-setzt-sich-stets-daneben--46063355.html   
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Bastian am 14. Juli 2011, 23:04:19
"Alexandra Herhausen ist “Lola Blau“

Wittenberg (red). “Heute Abend: Lola Blau“, das Musical von Georg Kreisler, ist am Samstag, dem 16. Juli, um 19:30 Uhr zum letzten Mal im Clack Theater am Markt zu erleben. Eine Paraderolle für Alexandra Herhausen. Lola Blau, eine jüdische Schauspielerin, freut sich auf ihr erstes Engagement am Linzer Stadttheater. Aber der Einmarsch Hitlers zerstört ihre Träume. Lola Blau ist im Grunde die Geschichte einer Ohnmacht. Lola steht dem Antisemitismus ebenso ratlos ohnmächtig gegenüber wie dem eigenen Judentum. "


http://www.wochenspiegel-web.de/scms_show_data.php?mode=detail&category=25&entry=23200

Tickets gibt's u.a. unter: www.clack-theater.de
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 22. Juli 2011, 12:56:01
Ab September 2011 in Wien:

http://www.musicalzentrale.de/index.php?service=0&subservice=2&details=4197
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 24. August 2011, 14:18:51
Heute Abend: Lola Blau, mit Anuschka Gutowski, am Klavier Oliver von Klot-Heydenfeldt, Regie Peter Gutowski.
Wieder bei www.theaterhintenlinks.de in Krefeld am 9. und 10.12.2011, zur Info.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 24. August 2011, 14:52:03
Und bei den Wittlicher Kulturtagen am 22.9.2011 gibt es auch eine Lola Blau, mit Anna Krämer (hat die Lola Blau u. a. in den USA und in Mannheim gespielt):
http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/kultur/Kultur-in-der-Region-Mit-allen-Sparten-in-den-Herbst;art764,2884000

Hier Anna Krämers Lola Blau Seite:
http://www.annakraemer.de/shows_lola_blau.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Bastian am 08. Oktober 2011, 11:57:08
Eine Lola in Mühlhausen:

Quote (selected)
Das Stück von Georg Kreisler lässt die Zuschauer das Leben von Lola Blau in berührenden bis bissig-ironischen Liedern erleben. Die Suche nach dem Sinn des Lebens und die damaligen historischen Umstände werden in der Inszenierung durch die 3K Theaterwerkstatt rührend und lebendig dargestellt.
Die Spielerin Diana Floetenmeyer wird der Lola Blau ein Gesicht geben und das Publikum kann sich auf einen überwältigenden Abend mit der Theatergruppe freuen.

Quelle: http://www.dtoday.de/regionen/lokal-panorama_artikel,-3K-inszeniert-%E2%80%9EHeute-Abend-Lola-Blau%E2%80%9C-_arid,99828.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 08. November 2011, 16:06:03
Eine Kritik aus Zwickau:

http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/KULTUR/Tralala-so-ist-das-Leben-artikel7811636.php
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 09. November 2011, 18:35:28
Fränkisches Theater Schloß Maßbach, ab 11.11.2011:

http://www.kulturkurier.de/veranstaltung_316729.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Bastian am 14. November 2011, 10:15:27
und hier ein Bericht zur Lola in Schloss Maßbach:

Quote (selected)
Lola Blau und das braune Polit-Gespenst
Silvia Steger bezaubert im Maßbacher Theater in dem Georg-Kreisler-Musical

(...)
Silvia Steger durchlebt als „Lola Blau“ die wechselvolle Karriere einer jüdischen Schauspielerin von 1938 bis in die 50er-Jahre. Die Euphorie des ersten Engagements sprüht aus dem Song „Im Theater ist was los“. Selbstsicher und blauäugig belächelt sie das braune Polit-Gespenst: „Der Hitler kann vertragsbrüchig werden, Lola Blau nicht!“

http://www.mainpost.de/ueberregional/kulturwelt/kultur/Lola-Blau-und-das-braune-Polit-Gespenst;art3809,6422322
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 14. November 2011, 14:51:29
Danke Bastian!

Hier eine Vorschau auf Mühlhausen 19.11.2011:
http://www.dtoday.de/regionen/lokal-panorama_artikel,-%E2%80%9EHeute-Abend-Lola-Blau%E2%80%9C-auf-der-3K-Buehne-_arid,109327.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 21. November 2011, 10:12:26
Lola Blau in Trier:

http://www.16vor.de/index.php/2011/11/21/das-schicksal-der-lola-blau/
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Bastian am 07. Mai 2012, 13:24:06
Die Lola in Bad Staffelstein:

Quote (selected)
Mit der Premiere "Heute Abend: Lola blau" eröffnet der Fränkische Theatersommer seine Saison im Brückentheater Bad Staffelstein. In Jan Burdinskis Regie überzeugt Karolin Trübenbach als wandlungsfähige Chansonette...

http://www.np-coburg.de/regional/feuilleton/np/npfeuilleton/art83474,1986785
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 05. Juni 2012, 13:11:11
Am 14. und 15.9.2012 beim Hohenloher Musiksommer - die Produktion aus Duisburg mit Akkordeonbegleitung tourt unermüdlich weiter durch die Lande...

http://www1.hohenloher-kultursommer.de/index.php?id=20&publish[showDetails]=45392858&publish[monthFrom]=09&publish[category]=&publish[start]=2&publish[fulltext]=
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 24. Juli 2012, 17:47:11
Lola Blau in Passau, mit 6 Minuten Video:

http://www.trp1.de/vermischtes/Lola_Blau-9579.html
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: h-j-urmel am 13. Juli 2013, 15:09:34
Ausführliche und interessante Kritiken zu Lola Blau Aufführungen sind hier zu lesen. Ich empfinde es als besonders schade, dass bereits seit langer Zeit diese einzigartige Berichterstattung fehlt. Ich hoffe doch, dass der Autor noch existiert und diese Schilderungen bald wieder fortführen wird.
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: schlaflos am 01. August 2013, 19:33:47
Hier gibt es Videosequenzen einer Aufführung aus Detmold:

http://www.landestheater-detmold.de/programm/main.cfm?highlight=832


Super, danke für den Link!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: h-j-urmel am 15. September 2017, 00:19:14
Vermisse immer noch die "Lola Blau Berichte" von Alexander. Welche Möglichkeiten bestehen, um das wieder zu aktivieren?
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Alexander am 30. Oktober 2017, 17:08:13
Nach längerer Zeit wieder mal ein herzlicher Gruß in die Runde, die Lola Blau Reisen habe ich 2010 beendet, es wurde auf Dauer zu kostspielig.
Wer in seiner Region die Möglichkeit hat Aufführungen zu sehen: Unbedingte Empfehlung, ein großartiges Werk!
Titel: Re: Heute Abend: Lola Blau
Beitrag von: Burkhard Ihme am 02. November 2017, 12:50:21
Wie oft hast du "Lola Blau" denn besucht?