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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Schlechte Lieder  (Gelesen 23953 mal)

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Offline joelli

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #25 am: 15. Januar 2004, 16:45:54 »
Ein Lied, das Frau Peters noch recht gut interpretiert ist die Hexe (bitte keine Häme).
Schlechte Lieder?
Der Kanzler lacht
Der Max auf der Rax
Die Musicalprobe

Wie soll ich erklären, dass der Bluntschli und der Bundeskanzler irgendwer grossartig sind? Wer es nicht kapiert ist irgenwie selber schuld.

Offline Sandra

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #26 am: 16. Januar 2004, 01:02:44 »
Naja.
Also, ich finde die Hexe von ihr nicht besonders - aber das liegt daran, dass ich ja auch sprecherin bin, und es einfach fachlich nicht gut gemacht finde - dazu kommt, dass ich sie natürlich gut genug kenne, um genau zu hören, was "privat" ist - weil sie es eben nur so kann - und was "Kunst. Das höre ich also anders - und das gilt ja irgendwie nicht.
Die Musicalprobe ist auf die Marika Rökk gemünzt, und ihre Arbeit - war also ein aktuelles Thema, dass man heute nicht mehr versteht.
Max auf der Rax ist eine jiddische Wortspielerei - ich persönlich find's herzig, aber es ist auch Zielgruppen-gemünzt, und halt eine Blödelei. Ich glaube aber auch nicht, dass das Lied "mehr sein will" als es ist - und daher finde ich das legitim. Nur blödeln ist doch auch mal okay - so wie das "Lied über garnichts". Es muss ja nicht alles den Über-Anspruch haben...
Aber der Kanzler lacht - vor allem die erste Fassung - finde ich schon eigentlich eine gute Nummer. Diese lachenden Fratzen - in Zeiten wie jenen - und demgegenüber das tagtägliche Leben, so quasi im Raum schwebend immer dabei...also mir gefällt die Nummer schon gut.
Dafür finde ich die Wanderniere so eine ulk-nummer, und ich finde, da ist sogar beim RaxMax noch mehr drin, als in dieser Nummer - da bleibt keine Leerstelle, die man mit seiner Phantasie füllen kann, und für mich bleibt die bei den Wortspielen schon irgendwie. Aber das ist vielleicht kulturell oder mentalitäts- bedingt.
Über Geschmack lassen sich bekanntlich keine Messer wetzen.

Der Schluss von "Du hast ja noch Dein Grab"  ist schlecht - die Nummer muss ich gerade lernen, weil ich ein Konzert für eine Chirurgenversammlung habe und die haben sich das gewünscht. (*gg*)
Und ich komm immer mehr dahinter, dass die Nummer eigentlch schön ist - nur der Schluss ist verhatscht. Ein Notschluss, ohne Übergang, ohne dass man hingeführt wird. Schade.
Ganz herzlich schlecht ist auch "20 Jahre Sicherheit"... da ist sogar die Musik fad.
« Letzte Änderung: 16. Januar 2004, 01:04:47 von sandra »

Offline Guntram

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #27 am: 16. Januar 2004, 07:16:10 »
Bei "Zwanzig Jahre Sicherheit" muß ich dir zustimmen, das Lied geht gar nicht an mich.

Auf meiner persönlichen Skala ist "Vierzig Schilling" immer mehr auf dem absteigenden Ast. Ich habe jetzt die Version als "Sieben Euro" gehört. Er bringt auf "Wenn ihr lachen wollt" von 2001, die chem. Analyse so als wäre sie aktuell und nicht von 1968. Was nicht heißt die stimmt nicht mehr, aber es paßt einfach nicht mehr zusammen mit dem Lied, besonders  wenn man´s weiß.

Das mit dem Wortspiel mußt du mir jetzt aber noch erklären. ;D
Träume sind nicht Schäume, sind nicht Schall und Rauch,
sondern unser Leben so wie wache Stunden auch.
Wirklichkeit heißt Spesen, Träume sind Ertrag. Träume sind uns sicher schwarz auf weiß wie Nac

Offline Sandra

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #28 am: 16. Januar 2004, 10:55:41 »
Achje. Witze erklären.
Ich darf Dir dazu etwas zitieren, das GK vor Jahren schrieb, als er plante, ein Konversationslexicon zu schreiben:"Den Witz zu diskutieren heisst, ihn zu leugnen. Wohl haben sich grosse Männer wie Sigmund Freud oder Karl Kraus mit dem Witz befasst,  as was hat das zur Bewusstseinsveränderung beigetragen?
Leute, die sich über ernste Dinge lustig machen sind längst nicht so peinlich wie Leute, die lustige dinge ernsthaft zu diskutieren versuchen. Ersteres zeigt nur von Geschmacklosikeit, letzteres aber von Verfall."

Offline Guntram

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #29 am: 16. Januar 2004, 10:59:06 »
Klar, aber ich meine die jiddische Wortspielerei. Die kenn ich nicht und warscheinlich viele andere auch.
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Offline Sandra

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #30 am: 16. Januar 2004, 16:22:51 »
Jaja, hätte ja gerne noch mehr zu dem Thema geschrieben - nur kam dann unser Studiotermin...
Anyway. Was ich sagen wollte: Diese Art von Wortverständnis, die verbuchselung von Wegstaben, das ist nichts, was man "haben" muss, zu VERSTEHEN ist das leicht - es werden im konkreten fall einfach die i's und die o's vertauscht, nix dabei. Aber dass man das nett findet - oder dass man zum Bleistift das Reh-Spiel lustig findet (Reh, das anfängt: Reaktion, Reh, das bedient: Reserve, Reh, das tief singt: Relativ, etc) - das muss man einfach nett finden, so quasi von Geburt an oder so...
Es gibt Leute, die sagen aus Prinzip Sankt Ufe - wenn sie Stufe meinen, es gibt Leute, die freuen sich daran. Und andere finden es einfach nur doof. ERklären kann man das nicht. Wie eben überhaupt Witze nicht erklärt werden sollen/können...
Es gibt tausende solcher Spielereien. Der Kategorische Imperativ, zum Beispiel: Hau, Degen! oder: Spring in's Feld! oder: Lach, Sack! oder: Wein, Flasche! und und und...
Von Schüttelreimen ganz zu schweigen:
Sehr schwer ist's mit dem Schwanz zu geigen -
Von einem Cello ganz zu schweigen.
Oder:
Hier stinkt es nie am Damenklo,
denn es sind stets Zyklamen do.
Oder:
In China isst man Wachtelscheisse
man fängt die Tiere schachtelweise
steckt sie in eine weisse Schachtel
und sagt zu ihr: jetzt scheisse, Wachtel.

Die "Tante Jolesch" ist voll davon, und es ist eigentlich eine Pflichtlektüre, dieses Buch...
« Letzte Änderung: 16. Januar 2004, 16:29:01 von sandra »

Offline Dunkelblaue Dille

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #31 am: 16. Januar 2004, 18:01:56 »

Die "Tante Jolesch" ist vielleicht etwas erläuterungsbedürftig - es gibt mehrere Bücher (mit Anekdoten) von Friedrich Torberg, in denen eine Person dieses Namens vorkommt (Meinst Du die?)

Über solche Sprachspielereien (und andere Formen des Sprachwitzes) hat Hans Weigel übrigens ein sehr schönes Buch geschrieben: "Blödeln für Anfänger. Aussichtsloser Versuch der Bewältigung eines in dieser Form nicht zu bewältigenden Gegenstandes" Erschienen in den 60igern im Diogenes-Verlag und danach noch mehrfach neu aufgelegt (momentan leider nur noch antiquarisch zu bekommen) - absolut lesenswert, da amüsant und lehrreich ;D


Offline Bastian

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #32 am: 16. Januar 2004, 22:37:34 »
Man könnte den Thread noch um seine Essays ergänzen. http://www.hagalil.com/archiv/2004/01/kreisler.htm Wie kommt es, dass ich nur so selten verstehe, worum es ihm in seinen Essays geht? Meist beginnt er mit einem Zitat und wabert dann in Assoziationen rum. Gegen Ende schließt er mit einer (natürlich) pessimistischen Frage oder Aussage...

Ich verstehe schon was er meint, und das letzte Essay ist auch verhältnismäßig stringent und sachlich bestimmt nicht verkehrt. Aber was oder wen will er damit bewegen? Er bringt doch nur längst bekannte Tatsachen, wie
Quote (selected)
Man kann ebenso wenig Halbjude sein, wie man Halbkatholik oder Halbmoslem sein kann.
und ich frage mich: aus welchem Grund schreibt er dies? und: Zu welchem Zweck? Es liest sich immer so beliebig. Auch sein "Vorläufig die Amerikaner" http://www.klick-nach-rechts.de/gegen-rechts/2003/06/kreisler.htm ist eigentlich eine unsägliche Verwirbelung und Verzwirbelung von Antiamerikanismus, Theater, Antisemitismus und Fernsehkritik. Man könnte es ihm fast übelnehmen, so waberig ist das.

Offline Bastian

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #33 am: 16. Januar 2004, 22:54:57 »
Oh, ich sehe gerade: über das eine Essay habt Ihr schon eimal diskutiert. Aber da ging es mehr um Frau Krienen. (Zumindest dachte Sie das). Lohnt nicht, das aufzuwärmen. He, Dille! Wenn ich das dort so lese,...
Hut ab! ...ehrlich tief beeindruckt.
Basti

Offline Sandra

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #34 am: 17. Januar 2004, 01:12:15 »
Hihi,
ich nehme an, aus diesem Grund hat Dille auch einen neuen Thread eröffnen wollen - damit wir abseits dieser Dame reden.
Ich finde auch, Basti, dass Du recht hast - ich habe auf meiner Homepage mal polemisiert gegen seine Essays - auch bei diesem bin ich nur geteilt seiner Meinung, wie ich überhaupt finde, dass seine Prosa....

Als ich ein kleines Kind war, sassen wir alle mal am Mittagstisch - damals noch mit meinem geliebten Opa, Gk's Vater. Und Georg las ein Prosa-werk vor, dass er gerade geschrieben hatte.
Danach gab's eine kurze Pause, dann sagte mein 80-jähriger Opa: "Schuster, bleib bei Deinem Leisten" - was Georg natürlich ungemein geärgert hat.
ich hab das alles nciht verstanden, damals, aber irgendwie ist es mir in Erinnerung geblieben, und wie gesagt: Ich finde dass eigentlch in allen Prosawerken immer wieder grenzgeniale Sätze vorkommen - aber das Gesamte ist doch eher schwurbelig und unklar.
Und ein guter Satz - nur um des guten Satzes willen! - Das ist mir zu wenig. Das geht in Liedern, weil man das da auffangen kann - aber in einem Prosawerk oder gar politischen Essay sollte man doch einen gewissen Sinn finden können, der dahinter steht - ausser dem einen: Ich bin dagegen.
« Letzte Änderung: 17. Januar 2004, 01:15:39 von sandra »

Offline Andrea

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #35 am: 01. April 2004, 19:44:57 »
Sandra, du schreibst:
Aber mir stellt sich jetzt ganz intensiv die Frage, wie sehr man jemanden ernst nehmen kann, der die Peters "begabt" findet....
Sorry, das geht echt über meinen Horizont. Das ist ähnlich wie wenn jemand die Schwarzwaldklinik als grosses Schauspiel bezeichnet...

Ich fürchte, ein einziges Mal muss ich mir die Frau anhören. Ich kann mir durch den Vergleich mit der Schwarzwaldklinik nur schwer vorstellen, dass mir das, was sie macht, wie sie’s macht gefällt. Ich will aber mal mitreden können. Am Besten sollte ich mir von ihr „Das Wort verlassen“ anhören, dann hat sie wahrscheinlich bei mir schon verloren.

Zudem stolpert sie auf Bühnen, geht wie eine Ente,
bei dem Part musste ich schon sehr lachen...
und sieht bei jeder Nummer gleich prätentiös und "full of herself" aus....
Ojeee!!!

Und dann:
Ich bin mir sehr bewusst, dass es gerade für jemand, der selbst diese Lieder singt, viel einfacher ist, alles andere schlecht zu finden, und sehr naheliegend.

Weiß ich nicht. Für mich ist näher liegend, die anderen besser zu finden als sich selbst.

Choirgirl schreibt:
Eben hat meine Tante angerufen und gefragt, ob bei mir kreischende Kinder sind (habe "Was tut man um zu sein" mit BP gehört).
:
-)ber sowas passiert einem durchs Telefon manchmal leider auch bei wirklich guten Interpreten.
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Sandra

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #36 am: 01. April 2004, 22:43:47 »
Naja, waren harte Worte, die ich da gebraucht habe...ich mag sie halt nicht. Weder ihre Stimme, noch ihre Interpretationen. Aber ich bin in meiner Kritik trotzdem über's Ziel geschossen, denke ich, und möchte mich hier in aller Form entschuldigen!

Offline Eric

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #37 am: 23. April 2005, 09:01:06 »
Ich glaube nicht, dass ein Künstler wie Georg Kreisler tatsächlich SCHLECHTE Lieder schreibt.
SCHLECHTE Kunst gibt es nicht.

Es gibt da aber schon ein Lied, mit dem ich recht wenig anzufangen weiß, "Der Sonttagsspaziergang".
Es tut mir leid, aber ich kann es mir nicht anhören. Es tut in meinen Ohren regelrecht weh.

Aber schlecht ist es trotzdem nicht. Sicher wollte Georg Kreisler genau diese seltsame Stimmung rüberbringen. Wenn dem so ist, dann ist das Lied genial, nur leider ungenießbar.  ;D

Offline Sandra

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #38 am: 23. April 2005, 10:57:39 »
Sonntagsspazier ist eine grandiose Nummer. Aber sie ist nicht von ihm. sie ist von Tamar Radzyner. Nur die Musik ist von ihm.
Aber die Nummer ist schwer von Platte mitzukriegen, vor allem wenn man diese Stimmung, das, was die Nummer beschreibt, nicht kennt.
Live funktioniert sie hervorragend - ich mach sie mit dem Streichquartett, und man merkt total, wie sie im Publikum trifft. Sie ist eine Nummer für das westliche Bildungsbürgertum - denn die haben solche Sonntagspaziergänge in realiter und übertragen.

Es ist sehr deprimierend. Und sehr deprimiert. Und es sagt in etwa: Wir haben eine Stunde die Welt gerettet, Geld verdient, uns mit problemen herumgeschlagen, aber wir schalten jetzt ab, was um uns passiert, und sind eibne glückliche Familie. Es geht um Eskapismus. Und das ist das deprimierende daran - denn was es anklagt, ist zugleich auch eine Notwendigkeit.Jeder braucht eine Auszeit, egal, was ihn oder sie sonst so umtreibt.
Tamnar Radzyner war in etlichen KZ, und war - leider ist sie schon tot - eine grossartige Frau, die tolle Texte geschrieben hat, warmherzig, humorvoll und immer traurig. Der sonntagsspazier berührt irgendwie auch Adornos "Kann man nach Auschwitz Gedichte schreiben"
Aber ich gebe zu - er ist schwer zu verstehen, und sicher nicht für jeden.

Offline Andrea

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #39 am: 23. April 2005, 14:26:11 »
Ich finde ihn sehr gut gemacht, weil er in wenigen Worten vielsagend ist und man als Hörer sich sein eigenes Bild dazu machen kann.
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Thomas

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #40 am: 25. April 2005, 19:43:05 »
Quote (selected)
Ich glaube nicht, dass ein Künstler wie Georg Kreisler tatsächlich SCHLECHTE Lieder schreibt.
SCHLECHTE Kunst gibt es nicht.

Aber Barbaraah Peters gibt es halt doch.

Und die Ausrede, das sei keine Kunst, lass ich nicht gelten. (Es IST eine Kunst, eine derart geniales Lied wie "Das tut man um zu sein" so zu verschandeln).

Man kann im übrigen von mir aus auch einen Kreidestrich am Boden zur Kunst erklären - manche tun dies und das akzeptiere ich problemlos. Aber keinesfalls würde ich mich der Freiheit berauben lassen, dieses Kunstwerk als mies zu taxieren.

Ach ja, nicht so dolle Kreislerlieder. Telefonbuchpolka? Macht irgendwie nicht so wirklich einen Punkt, und den auch nicht besonders gut, finde ich.

Offline Sandra

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #41 am: 26. April 2005, 01:17:02 »
Ja, ich finde ganz viele von seinen Hahaha-Liedern...naja, sagen wir eher: nicht meins. Ja, sie sind lustig - die Telefonbuchpolka ist, finde ich, schon gut gebaut, ganz nach dem klassischen Muster - wie schon seit Grünbaum unverändert. Aber das ist eben auch heute ein bissel veraltet. Und ich glaube, gerade daran beweist sich häufig, ob Kunst "gut" ist - jedenfalls gibt es für mich da vier Kriterien:
1.) es muss handwerklich gut gemacht sein - bzw muss merkbar sein, dass der Künstler sein Handwerk versteht, und es nicht ein Zufallstreffer ist
2.) Es muss berühren. Egal ob angenehm oder unanagenehm - es muss eine Seite im Betrachter zum Klingen bringen. Der Betrachter sollte es nicht sehen/hören und in der Sekunde wieder vergessen können.
Es muss entweder 3.) die im nachfolgenden künstlerischen Werke verändern, beeinflussen, (Beispiel: Andy Warhol)
oder 4.) auch noch nach zwanzig Jahren nicht antiquiert wirken. (Negativbeispiel: Salvador Dali)

Das sind sicherlich keine allgemein gültigen Kriterien - aber es sind MEINE.

Die Telefonbuchpolka ist heute antiquiert. Aber sie ist grossartig geschrieben, gebaut, und gebracht.
Sie ist natürlich auch für Österreicher noch lustiger, weil da ist das Telefonbuch WIRKLICH so. Die Namen stehen alle drin.

Dasselbe gilt  aber zum Beispiel auch für "der Überzieher" von Reutter. Heute nur noch lustig, wenn man es als "dieser Zeit zugehörig" anhört. Eine gute Nummer, sicherlich. Aber für mich gutes Handwerk, nicht Kunst.

Anders zu Beispiel: "Ich kann tanzen" - ich glaube nicht ,dass diese Nummer je antiquiert sein wird.
« Letzte Änderung: 26. April 2005, 11:51:44 von sandra »

Thomas

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #42 am: 27. April 2005, 13:19:24 »
Spannendes Thema. Finde es jedenfalls schon mal sehr weise von dir, eigene Kriterien zu definieren. Es lebe die Subjektivität!  

Aber selbst subjektive Kriterien sind schwierig. Das handwerklich gut gemachte ist mir auch lieber, aber wenn eine Idee brillant ist, darf sie von mir aus auch mal etwas hölzern umgesetzt sein. Kennst Du z.B. den Schweizer Mundart-Barden Jack Stoiker? Der kann zwar weder singen noch Gitarre spielen, aber das tut er absolut brillant.

Und die Nachhaltigkeit finde ich auch heikel. Meist weiss ich heute nicht, was ich in 20 Jahren noch gut finden werde, möchte aber lieber nicht so lange mit meinem Urteil warten. Ausserdem lässt diese Forderung den historischen Kontext ausser Acht. Heutzutage wär das ziemlich lahm, aber wenn ich mir vorstelle, wie Dali in einem mit Blumenkohl gefüllten Rolls-Royce durch das New York der 20er Jahre gefahren ist, finde ich das schon eine Performance der besseren Art. Ausserdem würden seine Bilder wohl weniger abgelutscht wirken, wenn sie nicht seit 50 Jahren auf Postkarten, Tischsets, Mausmatten, Kravatten, Kondomen und was weiss ich wo zirkulieren würden.

Oder nehmen wir „40 Schilling“. Damals eine super Idee, wie ich meine, aber heutzutage vollkommen irrelevant. Für 40 Schilling bzw. 4 Euro bekommst Du ja nicht mal das Nierchen eines Moldaviers. (Diese Wertsteigerung des Menschen brüllt übrigens geradezu nach einer Neuinterpretation, nicht? Faszinierend, dass wir alle Millionenwerte mit uns herumtragen und trotzdem dauernd pleite sind.). Finde das Lied aber trotzdem gut.

Aber es sind ja auch deine Kriterien, und Regeln bestätigen die Ausnahmen oder so. Aber ich glaub für mich finde ich lieber situative Begründungen als allgemeine. Das macht es mir dann auch leichter, die Meinung zu ändern, wenns wieder mal dringend nötig wird.


Offline Sandra

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #43 am: 27. April 2005, 14:44:08 »
Das ist ein Missverständnis. ich glaube nicht, das etwas SCHLECHT ist, nur weil es den oben genannten Kriterien nciht entspricht.
Es muss auch deswegen nicht unkünstlerisch sein, es kann sehens- und hörenswert sein (siehe auch "der Überzieher" oder x Grünbaum-Lieder) - Aber ob ich es eher zu Kunst rechne, ist die Frage. Künstlerische Arbeit ist nicht notwendigerweise gleich Kunst. Es kann zum Beispiel Kulturgut sein, sogar wichtiges Kulturgut. Und grossartiges Handwerk.

Allerdings: ich bin ein Kritiker dessen, was ich "one trick pony" nenne. Wenn dieser Schweizer tolle Ideen hat, ist das grossartig, und ich höre es sicher gern (ich kenne ihn nicht) aber wenn die Ideen schlecht bringt, stellt sich die Frage, warum. Warum gibt er es nicht jemandem, der es besser kann? Oder vielleicht leben die Ideen gerade davon, dass sie schlecht gebracht sind? (Wie bei Funny van Dannen)?
ich mag es nicht, wenn Künstlerisch arbeitende Menschen die Arbeit zu schnell als "fertig" abgeben - wenn man daran noch hätte arbeiten können. Nur eine gute idee ist mir zu wenig - sie mus auch gut gebracht sein. Allerdings, wenn die Ideen eben davon leben, dass sie so gebracht werden, ist das okay.

Thomas

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #44 am: 27. April 2005, 16:30:09 »
Jetzt kenne ich den Funny van Dannen nicht, aber es ist bei Stoiker schon auch so, dass der schlechte Vortrag das Hörerlebnis bereichert. Und insofern kann man das dann auch wieder als gutes Handwerk bezeichnen.

Und zu "Künstlerische Arbeit ist nicht notwendigerweise gleich Kunst". Dem kann man an sich ja nur beipflichten. Ich hatte bloss schon zu viele Kunst-oder-nicht Diskussionen, die nirgendwo hinführten, weil das die Suche nach einer objektiven Wahrheit an einem Ort ist, wo's meist nur eine subjektive gibt. Da lass ich persönlich dann lieber alles Kunst sein und sage nur noch, was ich warum gut oder schlecht finde (den Kunstbegriff so fies abzuwerten fällt mir als bekennender Nichtkünstler allerdings wohl einfacher als dir). Genau darum hat mich natürlich auch das Statement von Theaterfreek, dass es keine schlechte Kunst gäbe, etwas aufgestachelt.

Nach all dem pseudokunstphilosophischen Gesülze übrigens noch was Handfestes: Mein 4-jähriger verlangt im Moment dauernd, dass ich ihm deine Lieder-CD abspiele, wenn ich ihn in die Spielgruppe fahre - vor allem den Max auf der Rax. Auch beim 6- und beim 8-jährigen haben Brittney und Konsorten momentan keine Chance gegen dich. Möge es so bleiben!

Offline Sandra

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #45 am: 27. April 2005, 19:07:20 »
Ja, ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, dass gerade Kinder manchmal total auf Lieder abfahren, die sie eigentlich ncoh garnicht richtig verstehen. Die Kinder von einem Freund von mir mögen zB besonders gern die Nackten Mädchen auf der Streicher-Cd -  und Mein Mann will mich verlassen sowieso...
ich hab als Kind den Max auch geliebt, und viele andere Lieder, deren Sinn sich mir erst viel später erschlossen hat. Keine Ahnung, warum das so ist.

Thomas

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #46 am: 27. April 2005, 19:37:30 »
Ja, so wird das wohl sein. Zuerst fahren sie auf Lieder ab, die sie nicht richtig verstehen. Und dann auf solche, die ich nicht richtig verstehe.
(hier käme nun ein gutgelaunter Smiley, aber er will sich mir nicht einfügen)

Offline Dagmar

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #47 am: 27. April 2005, 20:08:19 »
Mein Sechsjähriger singt nach wie vor von morgens bis abends Brecht - ich bezweifle, dass er versteht, was er da singt, noch jedenfalls  ;)
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

Thomas

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #48 am: 27. April 2005, 20:54:21 »
Das Kleinkind singt Brecht und die Mutter kann Smileys einfügen - in diesem Forum kriegt man Komplexe.

Offline Dagmar

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Re: Schlechte Lieder
« Antwort #49 am: 27. April 2005, 22:12:50 »
Na ja also mit 6 ist man ja nicht mehr wirklich ein Kleinkind - das ist ja schon fast auf dem Weg zum Manne...und so eine rasend spannende Besonderheit ist das auch nicht: Das "Kleinkind" saß über ein dreiviertel Jahr mehrfach wöchentlich bei meinen Konzertproben dabei. Meistens unterm Tisch und hospitalisierte da so langsam vor sich hin. Da hat er sich dann doch entschlossen, irgendwann alle Lieder laut mitzusingen. Ab da durfte er dann zuhause bleiben, die Traumatisierung wirkt allerdings noch bis heute nach  ;)

Apropos: Smileys kannst Du ganz einfach auch einfügen. Wenn Du Dein Posting schreibst, ist über dem Kasten, in dem Du schreibst, eine Reihe mit Smileys abgebildet. Du klickst mit der Maus einfach auf das Smiley, das Du einfügen willst und schon steht es im Text.

Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

 

Bei der Schnellantwort kannst du Bulletin Board Code und Smileys wie im normalen Beitrag benutzen.

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