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Das Georg Kreisler Forum ist dem Werk des Satirikers, Dichters und Komponisten Georg Kreisler gewidmet. Das Georg Kreisler Forum ist ein Fanprojekt, Sie sind also herzlich eingeladen, Informationen zu Georg Kreisler beizusteuern und an den vielfältigen Diskussionen - auch weit über Georg Kreislers Werk hinaus - teilzunehmen.

"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")



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Zusammenfassung

Autor: Heiko
« am: 07. Juni 2009, 16:23:35 »

Quote (selected)
Kreisleraufstoerung       schrieb am: 24.07.2008 um 17:10:31:
Warum spricht eigentlich nie jemand genau über das   S p i e l     ,  die Musik?

Höchstwahrscheinlich, weil es sich bei dem "Gebet keiner Jungfrau" um ein musikfreien Text handelt.

Und zwar um einen Text, den zu diskutieren sich weiter lohnt.
Ich selber war beim ersten Hören des "Gebets" ebenfalls etwas irritiert. Daher wundert es mich auch gar nicht, wenn Publikum bei diesem Stück den Saal verlässt.
Aber mit Werner Finck gesprochen: "Bei Kabarett und bei der Satire gilt das Prinzip: Wer sich getroffen fühlt, ist gemeint."

Dass Kreisler sich hier eindeutig nicht gegen Schwule richtet ist ja schon ausgiebig behandelt worden.
Es geht natürlich um eine Kritik des Gottesbegriffes in der jüdisch-christlichen Religion. Meines Erachtens soll speziell der Unterdrückungscharakter einer disziplinierten Sexualität, wie sie ja von den irdischen Gottesvertretern gefordert wird, thematisiert werden.
Andersrum gefragt: wieso schenkt Gott uns die "warmen" Gefühle der Sexualität, wenn wir sie nicht nutzen und genießen dürfen?
Autor: Kreisleraufstoerung
« am: 24. Juli 2008, 17:10:31 »

ich sehe nix von Homophobie. Bei Kreisler ist   a l l e s   genial. Im übrigen: sobald Du einmal etwas veröffentlicht hast, gehört es nicht mehr Dir. Will heissen: dann kann jeder interpretieren wie er will. Darum kann einem auch niemand jemand etwas aus dem Herzen stehlen.
Wer meint, Kreisler sei antisemitisch (oder homophob), weiss wahrscheinlich nicht mal, was geniales Klavierspiel ist. Warum spricht eigentlich nie jemand genau über das   S p i e l     ,  die Musik? :-/
Autor: Burkhard Ihme
« am: 19. März 2008, 17:15:15 »

Wenn Sängerin schreiben statt zu singen, kommt allerdings sehr selten was dabei raus, das dem Vergleich mit Kreisler, Brecht und Tucholsky standhält. Was vielen Sängerinnen vorzuwerfen ist, ist die tophitsorientierte Auswahl.
Autor: Burkhard Ihme
« am: 18. März 2008, 21:45:24 »

Quote (selected)
Der Beitrag, auf den sich das folgende bezieht, wurde leider gelöscht.

Dies Blandine Ebinger, Trude Hesterberg, Greta Keller, Evelyn Künnecke, Topsy Küppers, Lotte Lenya, Margo Lion, Fritzi Massary, Gisela May, Helen Vita und Hanne Wieder ins Stammbuch geschrieben.
Autor: loder
« am: 18. März 2008, 15:16:02 »

Das "Gebet einer Jungfrau" von Thekla Badarzewska ist "das" ultimative Salonstück schlechthin. Es wird in der musikwissenschaftlichen Fachliteratur immer wieder als Beispiel für die Besonderheiten der kompositorischen Charakteristika der Salonmusik herangezogen: es ist leicht erlernbar, klingt virtuos und schindet Eindruck beim Publikum. Der Titel sagt nichts über die Musik aus. Er ist quasi austauschbar.
Dieser Titel stammt aus der Zeit der musikalischen Romantik, in der die Salonmusik ihre Blütezeit erlebte. Die Musik wurde als Zufluchtsort/Gegenpol zu der harten Realität der Industrialisierung genutzt. Die Salonmusik hingegen wurde von den Kritikern hart ins Gericht genommen, da sie den marktökonomischen Mechanismen unterworfen war und somit ein Ausdruck der Industrialisierung wurde, nicht ein Zufluchtsort. Der Salonmusik wurde jeglicher Kunstwert abgesprochen. Es hieß, diese Art von Musik würde moralisch verwerflich sein, da sie das Kunstverständnis der Bevölkerung schädigte. Die Salonmusik wurde trotzdem zu einem Massenphänomen: anfangs spielten Klaviervirtuosen wie Frederic Chopin ihre Stücke in adeligen oder gutbürgerlichen Salons --> Orte, an denen der "Schein" zählte, nicht das "Sein". Es gab bestimmte Verhaltensformen und -normen. Wer etwas auf sich hielt, musste an der Salonkultur rege teilnehmen (sehen und gesehen werden). Während am Anfang noch das Diskutieren über neue Musik und deren künstlerische Aspekten im Vordergrund stand, verflachte das Bild alsbald, denn die Nachfrage nach Salonstücken nahm immer weiter zu. Der Hunger nach mehr wurde schier unersättlich und so widmeten sich immer mehr Komponisten dieser Art von Musik, was eine Abnahme der kompositorischen Qualität zur Folge hatte (Nachahmertum).
Hinzu kommt die Tatsache, dass es in höheren gesellschaftlichen Schichten als schick galt, den Töchtern des Hauses Klavierunterricht zukommen zu lassen - ein Ausdruck des Wohlstandes, denn man konnte es sich leisten, ein teures Klavier anzuschaffen und den Unterricht zu bezahlen. So wurden denn auch - und besonders - die Kompositionen auf mangelnde Fähigkeiten der Lernenden hin abgestimmt (es wurde produziert was der Markt verlangte), so dass sich schnell vorzeigbare Ergebnisse herstellen ließen. Denn Unterricht war teuer und, die Damen des Hauses mussten die Ergebnisse ihrer Klavierstunden, besonders wenn Besuch im Hause war, unter Beweis stellen (Hausmusik). Dieser Hype war dafür verantwortlich, dass sich rund um die Salonmusik eine regelrechte Industrie gebildet hatte --> Klavierbau --> Verlagswesen --> Unterricht.
Das Gebet einer Jungfrau ist ein Produkt dieser neu entstandenden Musikindustrie (Mitte 19. Jh.). Es unterliegt dem Vorwurf des Prestiges. Man tat so, als könnte man spielen - man tat so, als handele es sich hierbei um Kunst. Die bürgerliche Gesellschaft hatte zwar keine Ahnung von Musik und keinen Sinn für Kunst - aber das war ja egal, weil der Titel romantische Kunst versprach - und es hörte sich ja auch nach was an. Das Kind - und auch die Eltern - konnte vor den Besuchern glänzen. Dass die spielerischen Fertigkeiten wünschenswert blieben, wurde auf diese Weise vertuscht.
In den höheren gesellschaftlichen Kreisen wurde besonders viel Wert auf Etikette gelegt und die Salonmusik (Hausmusik, später Kaffeehausmusik) wurde somit zum Ausdruck des biedermeierlichen Spießbürgertums.

So wie ich Georg Kreisler verstehe, wollte er mit "Das Gebet keiner Jungfrau" mal wieder eben dieses von ihm so oft durch den Kakao gezogene Spießbürgertum mit diesem Gedicht provozieren und dabei klar zum Ausdruck bringen, dass diese Welt des Scheins eine geheuchelte Welt ist, die hinter den Kulissen nämlich nicht so sauber und unschuldig ist, wie sie auf der gutbürgerlichen Bühne dargestellt wird. Die Behauptung, Gott sei schwul und bräuchte es mindestens 3x am Tag, stellt sehrwohl eine ungeheuerliche Provokation dar, auch heute noch, wie sich in der Reaktion des Publikums bei der Reproduktion dieses Textes, wie oben beschrieben, zeigt (Man stelle sich vor, welche Reaktionen dies vor 50 Jahren ausgelöst haben mag). Meiner Meinung nach ist dieses Gedicht als eine Art "Weckruf" für all die artigen und unschuldigen Seelen unserer Gesellschaft  zu verstehen: "Seht her, die Welt ist kein Heimatfilm!" oder sowas in der Art. Vielleicht hat Herr Kreisler gerade dieses Motiv gewählt, weil Sexualität allgemein und Homosexualität insbesondere, DAS Tabuthema schlechthin darstellte und man es daher sehr schön plakativ nutzen konnte. Denn eins ist ja wohl klar: der Text ist total überzeichnet und dient einzig und allein der Provokation. Er soll Diskussionen hervorrufen und Entrüstung, um den Menschen eine andere Perspektive aufzuzeigen, um ihnen ihr Verhalten und ihe Einstellungen bewusst zu machen (Was kennt ein Fisch nicht? - Wasser!). Dann noch Gott mit ins Spiel zu bringen... mein lieber Scholli! Mehr Provokation geht ja wohl nicht! (Ich sehe an dieser Stelle durchaus auch eine offene Kritik an der christlichen Glaubensgemeinschaft: Kann man so viel rumhuren, morden, erpressen, ausbeuten und unterdrücken wie man will, solange man Buße tut? Wenn ja: wozu überhaupt büßen, wenn Gott doch selber ein ganz ausgebufftes Kerlchen ist? --> wirft die Frage von Moral, Ethik und Gewissen auf und stellt sie dabei in Bezug zu Religion und der Scheinheiligkeit der Kirche)
Man könnte meinen, Thekla Badarzewska habe tatsächlich den spießbürgerlichen Mantel des Schweigens über diesen einen kleinen Buchstaben, das "K", gehüllt und Georg Kreisler hat ihn wieder eingesetzt, da wo er hingehört - und somit dem Titel die Wahrheit  zurückgegeben. Man muss es mal so sehen: der Buchstabe war die ganze Zeit da, wir haben ihn nur nicht gesehen, denn man sieht immer nur das, was man sehen will - und Georg Kreisler spricht es einfach mal aus, dass es nämlich nicht immer alles so ist, wie es zu sein scheint.
Autor: Maexl
« am: 03. April 2007, 18:14:33 »

Autor: Burkhard Ihme
« am: 03. April 2007, 01:01:30 »

Den Wikieintrag gibts noch, der Link zum Kästner-Text funktioniert leider nicht mehr (gestern gings noch). Hier ein Ersatz.
Autor: Leitner
« am: 02. April 2007, 23:36:28 »

Es freut mich, saß sich Diskussionen hier über längere Zeit ziehen.
Lieber Mäxl, ich wäre sehr erfreut über Näheres zu Kästner und Gebet einer Jungfrau
ist mir irgendwie geläufig
aber ich bin wieder in der Einschicht von Niederösterreich und von meiner Bibliothek getrennt
das alte Problem
wegen meines Kätzchens
Autor: Burkhard Ihme
« am: 02. April 2007, 21:47:07 »

Steht auch bei Wikipedia.
Ich muß gestehen, daß das "Gebet einer Jungfrau" an mir vorbeigegangen ist, muß aber so was schönes wie "Der fröhliche Landmann" sein. Lau und Kästnerr beziehen sich mit ihren Texten darauf (passen aber wohl nicht beide auf die Melodie).
Autor: Maexl
« am: 02. April 2007, 20:27:32 »

weiss auch nicht mehr, wo ich damals gefunden hatte.

kästner ist nat. auch bekannt - aber ich dachte damals wohl, dass das schon eine reaktion auf ein "gebet einer jungfrau" oder so war...

keine ahnung
Autor: Burkhard Ihme
« am: 02. April 2007, 01:34:13 »

Quote (selected)
Übrigens das berühmtberüchtigte "Gebet einer Jungfrau" ist der Feder von Thekla Badarzewska entflossen.

Quote (selected)
Maexls Beitrag hat mich auch noch kurz irritiert - habe das fehlende k im Gebet einer Jungfrau überlesen und schon den nächsten Fall Lehrer befürchtet.  Aber da scheint es doch grössere textliche Unterschiede zu geben;)
Schon dadurch, daß das Original keinen Text hat (zumindest keinen von Thekla Badarzewska)
Es gibt aber einen Text von Dr. Alfred Lau und "Gebet keiner Jungfrau" lange vor Kreisler von Erich Kästner (der zweite Text auf der Seite).

Autor: Sandra
« am: 23. April 2005, 16:52:35 »

*erröt* danke schön!
Autor: Andrea
« am: 23. April 2005, 01:01:57 »

Zitat:
Ausserdem habe ich mühsam lernen müssen, dass es bei uns in der Familie ein Rechthabe-Gen gibt, das häufig der Selbstreflexion im Weg steht.
Roll Eyes
Ich hab's leider auch - aber immerhin weiss ich schon davon.
Das Rechthabegen hat sich aber in den letzten Jahren ziemlich zurückgezogen, finde ich. Ich finde schon, dass du eine gute Selbstreflexion hast, Sandra. Wenn du schon selber so kritisch dir gegenüber daher kommst, muss ich das jetzt mal anmerken. Was Selbstreflexion und Reflexion betrifft, hab ich, glaub ich, viel durch dich gelernt.
Autor: Sandra
« am: 22. April 2005, 18:36:51 »

Quote (selected)
Ausserdem scheint bei ihm ja auch die Fähigkeit zur Selbstkritik mit den Jahren nicht unbedingt zugenommen zu haben.  

Das ist ein wahres Wort, gelassen ausgesprochen. 8)
Ausserdem habe ich mühsam lernen müssen, dass es bei uns in der Familie ein Rechthabe-Gen gibt, das häufig der Selbstreflexion im Weg steht. ::)
Ich hab's leider auch - aber immerhin weiss ich schon davon.

Schön, Dich hier zu haben!
Autor: Thomas
« am: 22. April 2005, 15:31:02 »

Vielen Dank für die klärenden Hintergründe, nehme den Vorwurf nicht zum Lied, aber zur Person Kreislers erleichtert zurück.

Es scheint mir ja auch so zu sein, wenn ich mir das so überlege, dass GK zwar ausgesprochen intelligent, aber doch kein besonders ausgeprägter Kopfmensch ist; d.h. seine Lieder und Themen kommen oft sehr aus der Emotion heraus und werden dann wohl auch nicht bis ins Letzte nachanalysiert und -reflektiert. (Du hast glaub ich irgendwo irgendwas von musengesteuert oder so ähnlich angemerkt.)  Ausserdem scheint bei ihm ja auch die Fähigkeit zur Selbstkritik mit den Jahren nicht unbedingt zugenommen zu haben.  

Im übrigen nehm ich mir gern vor, Euch öfters mal zu erscheinen. Bringt mich zwar um den gesunden Büroschlaf, aber scheint mir hier ein nettes Fleckchen Erde zu sein. Und Kreislers Lieder faszinieren mich schon, seit ich mir als etwa 12-jähriger die damals ziemlich neuen Everblacks I erfolgreich zu Weihnachten wünschte.  
Autor: Sandra
« am: 22. April 2005, 13:12:01 »

Quote (selected)
Forenunerforenheit

genial.  ;D

Also, die bei mir den Saal verlassen haben, waren Leute, die es als G*tteslästerung empfunden haben, nicht als Schwulenlästerung. Es hat mein Geiger, Aliosha vorgetragen, und zwar total nüchtern - einfach: so isses, G*tt ist schwul. Und eine Frau, die rausging, hat gesagt: Ich bin katholisch, ich muss mir sowas nicht anhören - oder irgendsowas in der Art.

Und klar, Du hast völlig Recht, die Wortwahl ist fragwürdig, und heutzutage geht sowas eigentlich nciht mehr. Aber er war ja schon 70, als er es geschrieben hat - und diese Generation versteht das einfach nicht.

Keine Entschuldigung, eine Erklärung.

Ich finde auch, es wäre gut, wenn er Zuschriften zu dem Thema kriegte.

Jedenfalls ist es sicher nicht eines seiner besten Strücke, das steht fest.
Denn die Umlegung - wie Du richtig sagst, auf zB Judenklischees würde auch zumindest diskutierbar sein - auch wenn man damit gerade die Klischees entlarven möchte.

Das hätte nur funktioniert, wenn man EIN Klischee entlarvt, entweder das G*ttesbild, oder Schwule - wenn man auf beide hindrischt, funktioniert es nicht.

Ich kann nur eben aus eigener Erfahrung sagen: Er ist ganz sicher nicht Schwulenfeindlich.  Nie gewesen. Er hat uns ja als Kindern immer wieder eingetrichtert, dass man Menschen nicht nach Rasse, Hautfarbe oder sexueller Vorlieben kategorisieren kann.  Das war schon ein Thema bei uns. Und es war ihm wichtig, dass man da nicht wertet.
Und ich weiss als Tatsache - aus Gesprächen - dass er uns zum Beispiel nicht anders angesehen hätte, wenn einer von uns einen gleichgeschlechtlichen Partner gewählt hat. Ich kann mich erinnern, dass mein Bruder mal gefragt hat, wie er es fände, wenn er schwul wäre - und GK hat darauf gesagt: "das wär mir wurscht, wenn du glücklich wärest damit, aber Du musst auch wissen, dass Du dir damit in der Gesellschaft jede Menge Probleme einhandelst."
Oder:
Er hat mich als Jugendliche mal mit einer Freundin im Bett erwischt - er kam einfach rein, ohne anzuklopfen, nicht wissend, dass ich Besuch habe. Und er sagte: "Oh, entschuldigung" und ging wieder. Und etwas später, als ich rauskam, fragte er mich, ob meine Freundin nicht auch einen Kaffee möchte - er hat nie ein Thema daraus gemacht. Weder positiv noch negativ.
Ich spürte aber klar:
er wusste nicht wirklich, was zu sagen, wie zu reagieren, er war unsicher. Weil - er kann mit Schwulen, aus Gründen der Generation, nicht so selbstverständlich umgehen.
Soll heissen - er sagt es noch heimlich, über jemand, als dürfe es keiner wissen, er spricht es wenn möglich nciht an, er erzählt auch Schwulen-Witze (allerdings: judenwitze auch, und viel häufiger) -  aber er nimmt es eben als etwas "Besonderes", und nicht als eine Normalität, so wie ich es nehmen würde.
Für mich und meine Generation (jedenfalls hoffe ich, dass das für die Meisten gilt) ist es wurscht, ob jemand jetzt lieber mit Männern oder Frauen pennt oder liiert ist oder wasweissich. Ich würde eine vergleichbare Situation wie die oben erzählte daher ebenfalls nicht ansprechen - aber weil es wurscht ist, nicht, weil ich nicht weiss, wie ich reagieren soll.

Es kommt bei Beziehungen und bei Sexualität immer auf die Einzelperson an, und jede Beziehung ist anders - trotzdem ist eine Beziehung eine Beziehung, egal ob gleichgeschlechtlich oder nicht - und hat auch oft ähnliche Probleme.
Aber für die Kreisler-Generation ist das noch nicht so. Es gab auch damals viel weniger bekennende Schwule, es war etwas  "ausser der Norm".  Hier in Berlin zum Beispiel ist jeder zweite Fleischer und jeder Busfahrer schwul - es ist einfach nicht mehr aussergewöhnlich, es ist normal. De facto. Schwule sind genauso oft zu sehen und als schwul zu erkennen, wie Heteros, gehen auch händchenhaltend herum und so.
Das war's damals nicht. Damals war's heimlich.
Genauso wie Leute eben in der Generation sich schwer tun, nicht mehr "Neger" statt "Schwarzer" zu sagen: sie haben diesen Ausdruck gelernt, und sie finden nix anrüchiges daran. Damals war das normal.
Und bis heute können - siehe Ratzefatz - viele Menschen nicht akzeptieren, dass es nicht einen Charakter beschreibt, mit wem man in's Bett geht.

Man darf auch nciht vergessen, dass in Kreislers Jugend - und halbes Erwachsenenleben auch!-  die Homosexualiät nur sehr verklemmt ausgeübt werden konnte - und dass es daher damals unter Schwulen auch viel mehr heimliche und verklemmte Promiskuität gegeben hat - weil Beziehungen unmöglich waren.
Diese Tabuisierung der Sexualität, der Ausdrücke über ausschweifendes Sexualleben, diese Skandalisierung - auch das könnte ein Motiv für die Begriffswahl gewesen sein.

Und eben: ab einem gewissen Alter kriegt man die Veränderungen nicht mehr so mit, schätze ich mal. Irgendwann siegt Gewohnheit über Neuerkennung.

Und last not least: Wäre schön, wenn Du uns öfter besuchen würdest, Thomas!
wir haben hir viele Themen, wie Du sicher gesehen hast, wir quatschen und diskutieren alle gerne, und es ist schön, wenn es mehr gescheite und humorbegabte Menschen gibt, die uns joinen.
Autor: Thomas
« am: 22. April 2005, 12:29:17 »

Hallo, bin hier gerade mal wieder durchgestolpert und habe Sandras Antwort auf meinen prähistorischen Abkanzler-Beitrag gesehen. Der Pünktlichkeit bezichtigt man mich gemeinhin nicht, aber knapp zwei Jahre sind zugegebenermassen etwas lange für eine Replik - kann höchstens meine generell Forenunerforenheit ins Feld führen (quasi Jungfrau). Dennoch: Freut mich ja sehr, dass Kreisler persönlich oder mittlerweile doch nichts gegen Schwule hat - ginge mir wirklich gegen den Strich. Kann ihm aber den Vorwurf nicht ersparen, dass zumindest dieses Lied allen Anlass zur gegenteiligen Vermutung gibt. Exzellenter Punkt wegen der Vortragsart, aber er trägts nun mal tuntig vor. Und der Text strotzt vor jenen Schwulenklischees, die ausserhalb des schenkelklopfenden Stammtischmünchens wenig zu Lachen geben (Armand, die süsse Sau, ich will ein kleines Schwein sein, drei Männer pro Tag etc.). Er muss sich bewusst gewesen sein, wie das höchstwahrscheinlich rüberkommen wird und hat das zumindest in Kauf genommen. Schön, dass Sandra auch noch etwas anderes darin erkennen oder zumindest reininterpretieren kann. Ich und wohl die meisten Leute, die den Saal bei Sandras Vortrag verlassen haben, brauchen dazu aber etwas zu viel  Nachhilfe. Und wenn einer mit derart krassen Juden- statt Schwulenklischees operieren würde, um eigentlich einen ganz anderen Punkt zu machen, fänds der Georg wohl auch nicht so besonders angesagt.

Maexls Beitrag hat mich auch noch kurz irritiert - habe das fehlende k im Gebet einer Jungfrau überlesen und schon den nächsten Fall Lehrer befürchtet.  Aber da scheint es doch grössere textliche Unterschiede zu geben;)
Autor: Maexl
« am: 16. April 2005, 21:08:04 »

Übrigens das berühmtberüchtigte "Gebet einer Jungfrau" ist der Feder von Thekla Badarzewska entflossen.
Autor: Sandra
« am: 06. August 2003, 11:43:02 »

Noch was wollt ich zu dem Thema sagen: Was in meinen Augen das Gedicht "schlecht" macht, ist vor allem die Art und Weise des Vortrages! Weil GK so diese klassische "tuntenperisflage" wählt, was ich für eine grobe Fehleinschätzung halte - eben erstens, weil es mit heutigen Augen enorm diskriminierend  wirkt (geradezu peinlich!) , und zweitens, weil man damit die wirkliche Brisanz des Textes nicht so leicht erkennen kann.
Aber stellt Euch mal das Gedicht vor, wenn es völlig neutral, als Fakt gesprochen wird: "g*tt ist schwul - das ist einfach so, da kann man nix dran deuteln" - was glaubt ihr, wie DANN die noble Gesellschaft aufschreit!
Autor: Sandra
« am: 04. August 2003, 22:29:31 »

Achso, nochwas: Der Schöne Heinrich ist über einen Heterosexuellen, ganz klar, und Tim Fischer interpretiert die Lieder so, dass ich persönlich glaube, er versteht sowieso nix davon. (Übrigens, zum Thema Tim fischer: Er ist von Kreisler quasi "erwählt" worden, das Stück wurde wegen ihm, für ihn zusammengestellt, Kreisler macht jede Menge PR für ihn - das nur wegen angeblicher Homophobie...)
Autor: Sandra
« am: 04. August 2003, 22:27:08 »

@ abkanzler
Also, da möchte ich schon  scharf protestieren. Kreisler will GANZ SICHER NIEMALS Schwule verarschen! Ja, der "Sekretär" ist mit heutigen Augen als Verarsche zu verstehen - aber dabei darf man nicht vergessen, dass anfang der 50er jahre in Amerika - als dieses Lied entstand (My Majordomus is a Homo) der Gedanke der "Political correctness" noch nicht mal ein solcher war - ein Gedanke nämlich.
Und ja, diese Generation hat für unsere Begriffe etwas homophobes an sich - aber das ist eher Fremdheit und fehlendes Unrechtsbewusstsein. Und ich weiss aus eigener Erfahrung, dass sich GK stets für Schwule und deren Freiheiten eingesetzt hat, und auch nie einen Unterschied in der Person machte, aufgrund von sexueller Orientierung.
Ich finde es allerdings interessant, dass du bei dem Gedanken, jemand sagt "G*tt ist schwul" glaubst, er  macht damit die Schwulen herunter...
Ja, wie gesagt, es wird geblödelt - aber im konkreten Fall ist das dann nicht ausschlaggebend. Klar, heutzutage weiss man mehr über Ausgrenzung und deren Sprachliche Anfänge, und man ist viel vorsichtiger - aber wie gesagt, das ist schon einfach die Generation. Sicher nicht irgend eine Art von tatsächlicher Homophobie oder Ausgrenzung - das ist nicht gemeint!!
Ich meine, es ist die klassische Art der kabarettistischen Überhöhung. G*tt ist ein Frau, das haben schon einige gesagt - aber damit bringt er WIRKLICH Unruhe in die Leute. Ich glaube, er persifliert den G*ttesbegriff, er macht auf die Einseitigkeit aufmerksam, und darauf, dass eben ALLE "unter G*tt stehen".
Autor: Peter Silie
« am: 04. August 2003, 14:13:44 »

Na also so einfach würde ich das nicht abkanzeln.
Aber interessant - es gibt schon drei verschiedene Reaktionen hier im thread.
Ich hoffe es folgen noch weitere.
So soll es sein.
Kreisler will ja gar nicht unbedingt eindeutig sein, er will nicht immer verstanden werden, es gibt nicht nur *die eine* message.
Der Dichter überläßt das Deuten uns Diskutanten.
Fein, oder?  ;)

mfg
Peter_Silie
Autor: Abkanzler
« am: 04. August 2003, 14:01:08 »

Dünkt mich relativ einfach zu verstehen: Kreisler verarscht Schwule. Andeutungsweise spürt man eine gewisse Homophobie ja auch anderswo in seinem Werk, z.B. in mein Sekretär und im Schönen Heinrich. Verstehe, dass da der eine oder andere den Saal verlässt - mich persönlich stört's auch, da diese Haltung schlecht zum allgemeinen Grundtenor (bzw. Grundbariton) seiner Lieder passt. Nunja, nobody is perfect. Näme mich übrigens noch wunder, wie das der Tim Fischer sieht.

Autor: Sandra
« am: 03. Juli 2003, 11:44:53 »

Möchte dazu sagen, dass bei einem meiner Programme mein erster Geiger dieses Gedicht vorgetragen hat, und die Reaktionen waren erstaunlich: Leute haben schimpfend den Saal verlassen.
Ich mag den Text sehr gerne, weil er für mich klar macht, dass unser G*ttesbild - alter Mann mit weissem Bart - nicht nur veraltet sondern auch engstirnig und ausgrenzend ist.  Es ist ein drastischer Text, keine Frage, aber ich persönlich mag das ja.
Autor: freek
« am: 08. Juni 2003, 17:59:41 »

Naja,

vielleicht wollte er ein bisschen blasphemisch auf uns wirken. Keine Ahung, jedenfalls zählt das (ich kenn das nur als gedich, das ervorträgt) nicht zu seinen herausragenderen Stücken

mfg

freek