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Herzlich willkommen im Georg Kreisler Forum!

Das Georg Kreisler Forum ist dem Werk des Satirikers, Dichters und Komponisten Georg Kreisler gewidmet. Das Georg Kreisler Forum ist ein Fanprojekt, Sie sind also herzlich eingeladen, Informationen zu Georg Kreisler beizusteuern und an den vielfältigen Diskussionen - auch weit über Georg Kreislers Werk hinaus - teilzunehmen.

"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")



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Zusammenfassung

Autor: Anke
« am: 22. Juli 2007, 22:44:41 »

Hallo whoknows,

danke für die nette Begrüßung!

Zum "Fall Vater Kreisler" möchte ich ergänzen: Natürlich, da die Tochter bereits mehrere Versuche gemacht hat, wäre natürlich der Vater dran, über seinen Schatten zu springen.

Ich habe mir das Interview von 2003 mit GK am vergangenen Mittwoch im TV sehr genau angeguckt, weil ich gerne etwas von seiner Gefühlslage erfassen wollte. Nach meinem Gefühl speist(e) er seine - soweit ich sie kenne überwiegend giftig-hintergründig-bitterbösen - Werke aus einer tiefen Verbitterung, unter der sehr viel unterdrückter Schmerz sitzt. Sein eigener Vater war ihm gegenüber - habe ich irgendwo gelesen, ich glaube hier-  wohl sehr streng, zumindest sehr konservativ, daher ziemlich sicher kein Vorbild an liebevoll-ausdrucksvoller Zuneigung, sondern an sich schon eine Quelle von unterdrücktem Kummer für den Sohn;

und dass GKs Erlebnisse des generellen österreichischen Antisemitismus und der nationalsozialistischen grauenvollen Verfolgung seiner ehemals großen Familie - und aller Juden - erheblich zur Schwärze seines - trotzdem immer noch vorhandenen! - Humors beigetragen haben, halte ich für sicher.

Ich glaube, die Mischung dieser beiden Faktoren macht es ihm sehr schwer, Menschen zu vertrauen UND vor allem, weiche, verletzliche Gefühle klar zu fühlen und zu zeigen. Ich bin aber sicher, dass diese unter seinen innerlich - ein wenig ja auch äußerlich  - zusammengebissenen Zähnen liegen.  :-X Denn ich empfand ihn in dem Interview eigentlich als sehr verletzlich. Er machte dann immer rechtzeitig zu, und der Interviewer war (zum Glück) jeweils zu sehr mit seiner nächsten Frage beschäftigt, um unter die Oberfläche zu kommen. Was GK wohl auch verhindert hätte, denn er möchte sicher nicht vor einer Kamera in Tränen ausbrechen. Welcher Mann möchte das?  :-[

------

Nein, natürlich hat der kleine Sohn keinerlei Schuld daran, dass der Vater keinen Kontakt mehr möchte. Ich vermute, das hängt eher mit der Mutter/Ehefrau zusammen, zuzüglich der allgemeinen Gefühlsproblematik, s.o.

-----

Aber ich vermute, GK hat keine wirkliche Ahnung, bzw. möchte das nicht an sich heranlassen, was er mit seiner Verweigerung seinen Kindern antut.  :'( Oder er wägt die Gefühle seiner Kinder gegen seine eigenen schmerzlichen Gefühle ab, die er hätte, wenn er sich auf die Liebe seiner Kinder und seine Liebe zu seinen Kindern einlassen würde. Ich kann nicht glauben, dass er seine Kinder "nicht liebt". (Dass es das gibt, dass Eltern ihre Kinder nicht lieben, ist mir völlig klar, das ist nicht der Grund.) Das passt m.E. nicht zu GK, nicht zu dem, was sonst aus seinen Werken und Worten herausklingt.  :-*

Aber das mag eine hoffnungsvolle Einbildung von mir sein. Ich weiß es nicht.


Ich wünsche aber ihnen allen, dass sie noch zueinander finden. Ich weiß, wie das ist, wenn es nicht mehr möglich ist ...  :'( :'( :'( :'( :'( :'(

Autor: whoknows
« am: 21. Juli 2007, 21:52:48 »

Quote (selected)
Trotz dieser wiederholten kopfschüttelnden Ansprachen an mich selbst habe ich es monatelang nicht geschafft.  
ABER: Eines Tages habe ich mich hingesetzt, habe meinen inneren Schweinehund einen Schweinehund genannt und habe ohne groß nachzudenken eine kurze E-Mail geschrieben. In der nicht ganz unrealistischen Erwartung, dass daraufhin entweder nichts oder Beschimpfungen zurückkommen würden.  
Aber was kam zurück: Postwendend eine liebevoll-sehnsüchtige E-Mail.  

Hallo Anke! (War eine Zeitlang nicht online - daher hier ein verspäteter Willkommensgruss auch von mir)
Das ist sehr schön und sehr sensibel geschrieben! Soweit ich allerdings informiert bin, hat Sandra ihrem Vater schon x Briefe geschrieben (sie hat ihm sogar ihre erste CD gewidmet) und trotzdem.
Ich denke, es gibt die verschiedensten Menschen auf dieser Welt, und die verschiedensten Arten, mit "Famile" umzugehen. Ich hatte gestern ein Gespräch mit einer Freundin, die steif und fest der Meinung war, das Eltern ihre Kinder genetisch lieben MÜSSEN. Ich glaube das nicht - denn es gibt auch immer wieder Tiere, die ihre Kinder verstossen. Ich glaube, dass das wohl umgekehrt der Fall ist - aber auch da nicht "genetisch" in dem Sinn, das auch Adoptiv-Eltern von ihren Adoptiv-Kindern geliebt werden - ich glaube, Kinder MÜSSEN die Menschen, mit denen sie aufwachsen, lieben - aber umgekehrt? Ich weiss nicht.
So überaus SEHR ich GK als Künstler schätze - ich habe doch auch von anderen Menschen, die ihn persönlich kennen, so einiges gehört, das mich glauben lässt, dass er Persönlich doch eher kühl gehalten ist.  WISSEN kann ich das natürlich nicht - man kann in Menschen eben leider nicht hineinschauen.
Aber ich denke, vielleicht braucht er gerade das, UM eben so tolle Lieder zu schreiben: denn so kann man Emotionen genügend abstrahieren, um sie so stringent zu formulieren. Könnte das sein?

Jedenfalls ist es ja nicht nur seine Tochter, zu der er keinen Kontakt will - er hat ja auch zwei Söhne, und den einen davon hat er zuletzt gesehen, da war der gerade ein paar Jahre alt, (ich glaube drei oder vier) also zu jung, um jemanden verletzen zu können.
ich glaube aber - ähnlich wie in dem Thread über "Tauben vergiften" - auch das ist ein Thema, das letztlich müssig ist. Denn es geht hier erstens um den Künstler, und insofern stimmt es: man sollte Künstler und Mensch nicht unter eine Glocke geben - sonst könnte man niemals mehr unbeeinflusst Karajan hören, oder hunderttausend andere grossartige Künstler geniessen.
Autor: Anke
« am: 18. Juli 2007, 17:57:39 »

Quote (selected)
Der Text von Sandra Kreisler ist für mich ein wahrhaft ehrlicher und schöner, ein tiefgründiger und warmherziger Einblick in diese spezielle Vater-Tochter-Beziehung. Dankeschön für's lesen dürfen, wenngleich ich leise Schwierigkeiten mit der Einleitung habe. Trotzdem: Es rührt mich immer wieder neu an. Und immer wieder neu frage ich mich, ob dieses Genie, der doch auch Vater ist, solche Bekenntnisse seiner Kinder zur Kenntnis und zu Herzen nimmt. Bekenntnisse, die zwischen den Zeilen mehr aussagen als vielleicht bewusst beabsichtigt war.

Nachdem ich mir diesen Thread und speziell die Stellungnahme von GKs Tochter Sandra durchgelesen habe, stehen mir die Tränen in den Augen.

Mir wurde als Kind und Jugendliche gleich von drei (3) besonders geliebten Personen, eine davon mein Vater, ab einem gewissen Zeitpunkt (jeweils unterschiedlich bei diesen drei Personen) jegliche Kommunikation verweigert.  :'( Es geschah jeweils aus ganz unterschiedlichen Gründen, auf die ich aber keinen Einfluss hatte.  :-[  Und ich schaffte es trotz aller geradezu verzweifelten Bemühungen bis zu ihrem jeweiligen Lebensende nicht, sie mir wieder zugewandt zu machen, also irgendeine Kommunikation wieder herzustellen.

Zwei dieser Kommunikationsabbrüche waren für mich die schlimmsten und anhaltendsten Traumata meines Lebens. Und sind es im Grunde heute noch - denn die Möglichkeit, dass sich gerade ein geliebter und geschätzter Mensch plötzlich komplett von mir abwenden könnte, hatte und hat Einfluss auf mein ganzes Leben.  :-[

Ich konnte auch nicht verstehen, wie ein erwachsener Mensch (einer davon mit pädagogischem Beruf!) gegenüber einem Kind dermaßen gekränkt reagieren kann, dass er/sie niemals mehr bereit ist, mit diesem Kind bzw. Jugendlichen zu sprechen, nicht einmal nach vielen Jahren, wenn sie beide erwachsen sind.  :(

Und ich habe mir vorgenommen, dass ich als Erwachsene niemals so handeln würde.

Jetzt, als seit langem Erwachsene, bin ich in einer ganz ähnlichen Lage wie meine "pädagogische Person" damals mir gegenüber. Und jetzt merke ich, wie wahnsinnig verletzt man sich sogar durch ein unreifes Gör  fühlen kann, und wie fast unüberwindbar sich die eigene innere emotionale Wand anfühlt, während der Verstand einem eigentlich sagt: "Das kannst du doch nicht machen, du kannst doch diesen um so viel jüngeren Menschen, mit dem dich mal so viel gegenseitige Zuneigung verbunden hat, nicht einfach fallen lassen!  >:(  Auch nicht, wenn er/sie dich gekränkt hat!  :o Das kann doch wohl nicht wahr sein - du wolltest doch niemals so werden!!"

Trotz dieser wiederholten kopfschüttelnden Ansprachen an mich selbst habe ich es monatelang nicht geschafft.
ABER: Eines Tages habe ich mich hingesetzt, habe meinen inneren Schweinehund einen Schweinehund genannt und habe ohne groß nachzudenken eine kurze E-Mail geschrieben. In der nicht ganz unrealistischen Erwartung, dass daraufhin entweder nichts oder Beschimpfungen zurückkommen würden.
Aber was kam zurück: Postwendend eine liebevoll-sehnsüchtige E-Mail.  :)

Mein Vater starb leider, bevor er mir auf meinen ersten und letzten sehr ausdrücklichen Versuch antworten konnte. Ich vermute sogar, er starb aus Angst vor seinen eigenen positiven, aber wohl auch schmerzhaften Gefühlen, einschließlich seiner Schuldgefühle wegen seiner vorgehenden Abweisung.

Aber ich denke, das kann ganz anders laufen. Man kann es überwinden, frisch an die Sache herangehen und neu anfangen.

"Jeder Held, den du verehrtest und in Liedern besangst,
ist ein Held - so wie ich - nur aus Angst." (GK)

Ich denke auch, man kann in jedem Alter noch über seinen Schatten springen. Es lohnt sich wirklich.  :'( :)


"Wenn du dann kämpfst, geschieht's aus lauter Sorgen,
und wenn du siegst und kriegst was du verlangst,
denkst du schon: O Gott, mit wem kämpf ich morgen
und hast Angst, nichts wie Angst." (GK)


Ich drücke beiden Seiten die Daumen.  




Autor: Volker2
« am: 31. Mai 2007, 00:10:02 »

KK: So schade es ist, manche Dinge muss man wohl so akzeptieren, wie sie sind. Man steckt ja nicht drin. Danke und alles Gute.
Autor: Volker2
« am: 30. Mai 2007, 00:21:37 »

Wie jemand im Internetforum auftritt, bleibt jedem selbst überlassen. Das Medium bietet aber ja auch Raum, mit demjenigen darüber zu diskutieren. Auch über unterschiedliche Meinungen zu Künstlern, Klonen oder Mutationen. Deshalb ist es ja auch richtig, dass du, Kulturenkarneval, dich einmischt, denn dir irgendwas gegen die Hutschnur geht – vor allem dann, wenn man offensichtlich nahe dran ist an den Künstlern (weißt du Näheres darüber, was Tim Fischer demnächst vor hat?).

Ich möchte nicht, dass der Eindruck entsteht, ich hielte die Kreisler-Biografie für schlecht. Als Leser fand ich das Buch spannend, gut und unterhaltsam geschrieben. Nur am Ende bleiben eben ein paar Fragen, die man gerne beantwortet wissen möchte, und Aspekte, zu denen man gerne die Meinung der Gegenseite gewusst hätte. Wie gesagt, ich verstehe, dass man sich die Chance, ein Buch über und mit einer Legende zu schreiben, nicht entgehen lässt. Ein bisschen mehr Objektivität hätte dem Buch und auch GK sicher nicht geschadet.

Natürlich ist die Beziehung GK-BP eine außerordentliche Geschichte, so ein Glück ist selten. Der familiäre Rest aber ist verbrennte Erde. Für mich ist es schade ansehen zu müssen, dass zwei Künstler, die ich mag, Vater und Tochter, nicht mehr miteinander sprechen.
Autor: whoknows
« am: 28. Mai 2007, 23:36:27 »

Vielleicht ist "kreisler-Klon" auch ein zu missverständlicher Ausdruck, da gebe ich Dir durchaus Recht. ich finde Sebastian Krämer exzellent, keine Frage. Und nicht zuletzt finde ich ihn deshalb exzellent (und besser als beispielsweise den Österreicher Alexander Kuchinka, und stellenweise auch Wartke - stellenweise!!! - ) gerade weil er das, was er quasi von Kreisler "gelernt" hat, übernommen hat, weitergeführt hat, sich hat inspirieren lassen whatever - in HEUTIGE Zeit und SEINE Art übersetzt hat. Kuchinka fängt damit inzwischen auch langsam an - aber seine älteren Sachen sind so eins zu eins, und damit auch so altbacken - Krämer, Wartke und Co haben zwar nicht das zeitkritische, nicht halb so ausgeprägt wie bei GK, weder die scharfe Zunge noch die feine Klinge, noch den analytischen Blick - aber stilistisch ist einfach merkbar, dass sie extrem viel von ihm übernommen haben - wie gesagt, bis hin zu tonfolgen, Reimfolgen und machmal auch inhaltlich. (Was sie beide mE ein bissel zu wenig beachten, ist, dass sie immer wieder dazu neigen, die Genialität der eigenen Einfälle über die Wirkung für das Publikum zu stellen - bei einem Gitarristen, der zeigt, wie schnell und wie toll er spielen kann, aber dafür nicht berührt nennt man das "Wichserei". Aber sie machen es natürlich nicht als 85-jährige, sondern als junge Menschen, haben definitiv auch was eigenes dazugetan und wie gesagt: Ich schätze sie ja auch. Bielfeld weniger, aber aus anderen Gründen - ich hab allerdings nur einen Abend von ihm gesehen, und den fand ich einfach sowohl musikalisch als auch  im Ausdruck  stinklangweilig, ausserdem fand ich die Texte nicht so besonders - seine Auswahl notabene, nicht seine Schreibe. Auch Mascha Kaleko  - zu der habe ich auch ein zwiespältiges Verhältnis. Vieles finde ich extrem schön, aber alles in allem ist es mir zu deutlich auf Publikumswirksamkeit angelegt - wirkt (auf mich zumindest) nicht wie "aus einem herausgebrochen, entstanden"  sondern kalkulierter. Aber sie hat schöne Sachen geschrieben, und das eine Lied, das ich gehört habe, das Bielfeld komponiert hat, hat mir auch gefallen.
Autor: niels
« am: 28. Mai 2007, 21:42:11 »

In einem Punkt möchte ich Kulturkarneval aber rechtgeben: Sebastian Krämer (die andern kenn ich zu wenig) wirst du mit der Bezeichnung "Kreisler-Klon" schon nicht ganz gerecht, oder? Er begeht sicher einen von Kreisler geebneten Weg, aber er hat doch in manchen Dingen einen ganz anderen Ansatz als Kreisler. Er ist zum Beispiel viel salopper als der distinguierte Kreisler, was ich zuweilen auch ganz angenehm finde. Was ihn und die meisten anderen zeitgenössischen Musikkabarettisten auch von Kreisler unterscheidet, ist seine komödiantische Seichtheit. Das nervt mich auch etwas an Krämer, Wartke und Co., das ewig Comedyhafte, dieser Mangel an Subversivität.
Autor: whoknows
« am: 28. Mai 2007, 20:13:55 »

Lieber Kulturenkarneval,
erstens - ich habe im anderen Thread expressis verbis gesagt, dass Bielfeld kein Autor ist - und auf Deine Angabe, ich sei die Tochter von GK reagiert. Dass Du da jetzt in diesem Thread nicht nur darauf herumreitest, sondern immer noch behauptest, ich hätte Bielfeld für einen Autor gehalten, zeigt, wie genau Du auf Texte eingehst, wenn sie nicht von Dir sind.
Insofern kannst Du gerne weiter behaupten, ich sei Sandra Kreisler - reflektiertere Menschen als Du werden wohl wissen, was davon zu halten ist.
Autor: Kulturenkarneval
« am: 28. Mai 2007, 18:47:07 »

Volker Du fragst nach der Wahrheit. Was glaubst Du wird mal in der Biographie oder sonstigem Nachruf zu Sandra Kreisler stehen im Zusammenhang mit diesem Internetforum? Ich habe übrigens nicht das Geringste gegen Sandra Kreisler. Die Privatperson ist mir unbekannt und die Künstlerin schätze ich hoch ein. Besonders nachdem Sandra Kreisler inzwischen überwiegend die eigenen Lieder vorträgt, hat sie sehr an Akzeptanz und Anerkennung beim Publikum gewonnen. Unverständlich ist für mich, dass hier eine gewichtige Selbstdarstellung vorgenommen wird unter einem Pseudonym, das Glauben machen könnte, jemand anderes schreibt über Sandra so. Anscheinend macht dieses Forum das komplett mit. Pseudonym ist im Prinzip o.k., das tun viele Personen und ich hier ebenfalls. Unter Pseudonym die eigen Person zu thematisieren ist eher fragwürdig. Was ich aber absolut unangemessen empfinde ist, das auch mein hauptsächlicher Grund der Wortmeldung war, andere hochqualifizierte Künstler als Kreisler-Klons zu betiteln und deren Arbeit mit hübschen, sauberen Liedeln zu qualifizieren.  (Rainer z.B. textet gar nicht bzw. kaum. Das überlässt er seinen Freunden, die das besser können). - Im Grunde ist mir das alles egal. Ich muss und will hier keinem seine eigen Identität geben. Muss keinem Künstler die Stange halten. Ich liebe ein wenig die Gerechtigkeit und will mich nach dem Motiv leiten lassen, die Handlung soll positiv begründet sein. So mag ich mich zu der Biografie erst gar nicht äußern. Für knapp 85 Jahre leben, wird das Buch stets zu dünn ausfallen und nie jedem gefallen. Ist es nicht wunderbar, wie lange Georg Kreisler in vermutlich glücklicher Verbundenheit mit Barbara Peters zusammen lebt. Herzliche Grüße in das Forum und das meine ich so, wie geschrieben.
Autor: whoknows
« am: 28. Mai 2007, 17:07:47 »

Also, soweit ich informiert bin (der Bronner hat mir das erzählt) hätten die Journalisten wohl angefragt, bei ihm und anderen, aber alle hätten sich geweigert. Ob sie bei Küppers und dem Sohn angefragt haben, weiss ich allerdings nicht.

Mir scheint es deutlich, was zu dem Zerwürfnis geführt hat: die ganze Familie hat sich durch die Scheidung  im Streit entzweit, Sandra schreibt ja auch was von Pubertät - Kinder sind da normalerweise nicht gerade pflegeleicht - und er wollte niemals wieder daran erinnert werden. Die Zeit blieb quasi dort stehen, und alles, was danach kam, war ein neuer Zeitanfang, wenn Du so willst.
Autor: Volker2
« am: 28. Mai 2007, 16:56:37 »

Und genau das ist der Biografie vorzuwerfen: Neben den vielen offenen Fragen die total einseitige Sicht auf die Dinge, die fehlende Distanz der Autoren zu Kreisler. Der Leser hat doch ein Recht auf die Wahrheit oder eine Wahrheitsnähe.
Und wenn man dann die andere Seite, Sandras Seite hört, müsste man das letzte Drittel der Biografie eigentlich in den Mülleimer treten.

GK konnte wohl nicht über seinen Schatten springen und den Journalisten gestatten, auch mit der Gegenseite zu sprechen. (Kann ich irgendwie verstehen: das Buch war eine einmalige Chance, das Leben einer Legende mit deren Mithilfe niederzuschreiben).

Was ich mich die ganze Zeit frage: Was hat wirklich zu diesem Zerwürfnis geführt, und warum nimmt GK die Hand, die ihm gereicht wird, nicht an? Das ist sicherlich Privatsache, aber die Biografie wirft diese Fragen nun einmal auf.
Autor: whoknows
« am: 28. Mai 2007, 10:55:22 »

Selbst wenn das mit der angeblichen Drogensucht so stimmen würde (vor allem der Teil von "versucht, ihr da herauszuhelfen" ist, wenn man Sandras Seite  kennt, nachgerade lachhaft), dazu kommt: Drogensucht von 16 bis über 30 Jahre, und trotzdem offenbar nicht lebensunfähig? Alles sehr zweifelhaft, finde ich und es ist auch für einen unbefangenen Leser irgendwie sonderbar, dass er zu drei Kindern aus unterschiedlichen Gründen keinen Kontakt mehr hat - und trotzdem klingt es, als würde ER gar keine Schuld  daran tragen. Gleich drei Mal hintereinander die grosse Tragik? Also, ich würde das bezweifeln.

Es ist aber extrem klug  und vorsichtig abgefasst - Sandra hat überlegt zu klagen, weil er ihr Drogensucht vorwirft, aber "der Kontakt in die Drogenszene" das heisst genau garnichts, da hätte sie ausser Kosten und vielleicht sogar ein Aufbauschen der Vorwürfe in der presse nix erreichen können. Was sie aber besonders perfide an dieser Sache findet, ist, dass der Satz mit "Ich musste einsehen, dass man Liebe nicht erzwingen kann" aus einem Brief von IHR an ihn stammt - das hat sie wirklcih sehr verletzt.

Aber wie Du auch bei Dylan siehst - und x anderen prominenten Menschen: Das Stricken an der eigenen Biografie-Legende ist wichtig, und wird von klugen Männern beizeiten angegangen, denn es verselbständigt sich sowieso, und man tut gut daran, wenigstens die ungefähre Richtung selbst festzulegen.
Autor: Burkhard Ihme
« am: 28. Mai 2007, 03:55:15 »

Aus der Biographie:

Zu Hause in Berlin haben sich die Dinge inzwischen dramatisch entwickelt. Sandra, nun sechzehn Jahre alt, hat Kontakt mit der Drogenszene bekommen. Der Vater versucht, ihr zu helfen, sie dort herauszuholen. Es wird ein Horrortrip. Sandra verlässt Berlin in Richtung Wien, aber wann immer es zu einem Treffen zwischen Vater und Tochter kommt, gibt es schreckliche Szenen. Mehr als zehn Jahre lang dauert dieser Kampf. 1993, Sandra ist inzwischen 31 Jahre alt, bricht der Vater den Kontakt zu ihr ab. Auch zu seinem Sohn »Sascha« Alexander hat Kreisler keinen Kontakt mehr. »Es tut mir unendlich Leid, dass mir meine Kinder entglitten sind. Ich verstehe nicht, wie es so weit kommen konnte, aber jetzt ist es nicht mehr rückgängig zu machen, denn es gibt Dinge, über die kein Gras wächst. Jch musste einsehen, dass man Liebe nicht erzwingen kann.«

Das klingt für den unbefangenen Leser verständlich. Der Kontakt mit schwerst Drogenabhängigen ist kompliziert. Allerdings hat Sandra hier im Forum nur von exzessiver Kifferei berichtet. Und die einseitige Liebe läßt sich aus ihrem Beitrag wirklich nicht rauslesen (zumindest nicht in der von Kreisler angedeutenen Richtung).

Ich hab übrigens grad die Autobiographie von Bob Dylan gelesen.
Die ist zwar auf drei Teile angelegt, trotzdem ist es seltsam, daß man im bisher erschienen ersten Teil kaum 10 Prozent von dem erfährt, was bei Wikipedia nachzulesen ist.
So hab ich erst dort mitgekriegt, daß die nicht benannte liebevolle Ehefrau in den Kapiteln zu den Jahren nach dem Motorradunfall und 1987-1989 zwei verschiedene Personen sind.
Und trotz großem Namedropping in der Schilderung seiner New Yorker Jahre fällt kein einziges Mal der Name Phil Ochs.
Was Kreisler wohl kaum hätte passieren können: Dylan behauptet, extra schlechte Lieder aufgenommen zu haben, um die nervigen Fans loszuwerden.

Autor: whoknows
« am: 27. Mai 2007, 10:19:06 »

Oh, das denke ich schon. Aber erstens wird er das wohl so "regeln" wie es seiner jetzigen Stimmung entspricht, und da haben die Vergangenheiten mit drei Exfrauen und Kindern eben keinen Platz sondern nur BP, und zweitens habe ich irgendwie das Gefühl, es werden wohl auch Trotzreaktionen kommen - "warum wird Dieter Hildebrandt rauf und runter geehrt, kriegt den Grimmepreis, und ich nicht? Ist das antisemitismus? Liegt das an MIR - nein, die Anderen sind die Arschlöcher, ich verweigere mich dem". Ich denke, er ist hin und hergerissen zwischen "rechtzeitig selbst an der eigenen Legende stricken" und "sich komplett dem verweigern, denn es is eh wurscht" - aber wohlgemerkt: Ich rate hier nur.

Gerade heute habe ich in der Zeit einen grossen Artikel gelesen, wie die Nachlassverwalter das Bild von Fassbinder bewusst verändern und verschleiern und radikal wichtige Personen (Freunde& Mitarbeiter) aus seinem Leben und Werk ausradieren - ich denke, sowas in der art wird hier wohl auch passieren, weil niemand geneigt ist, sich dem entgegen zu stellen. Aber vielleicht bin ich hier auch -  infiziert durch den Artikel  - Opfer meiner eigenen Vorstellungskraft.... 8-)
Autor: Dagmar
« am: 27. Mai 2007, 01:41:09 »

Da hast Du leider ziemlich sehr Recht. Schade, sehr schade eigentlich. es ginge nämlich eben genau nicht mehr um "Schuld haben" und "Recht haben", sondern um Begegnungen mit den eigenen Kindern, die man ja immerhin mal erstens gezeugt hat, dann winzig klein auf der Welt hat liegen sehen und dann hat aufwachsen sehen, begleitet hat, usw. (was der Text von Sandra ja sehr liebevoll beschreibt). Und es könnte um die Frage gehen, was man mit 85 noch regeln will, weil man wissen wird, dass man wahrscheinlich wohl nicht 115 werden wird, sondern nur noch wenig Zeit für das Wesentliche hat.

Da ginge es dann um das Schließen von Kreisen des eigenen Lebens - unbegreiflich für mich, dass so jemand Geniales wie GK nicht mit solchen Überlegungen beschäftigt sein könnte.
Autor: whoknows
« am: 27. Mai 2007, 01:28:22 »

Nö, glaub ich eher nicht. Weisst Du, ich denke, ab einem gewissen Alter und ab einer gewissen Dauer von Dingen, die andere Leute als Fehler sehen, fällt es einem nicht einfach "schwer, es zuzugeben" - sondern es wird zunehmend unmöglich, die eigenen Fehler zu erkennen. Unser Hirn hat sich da herrliche Schlupflöcher geschaffen, wie man sich selbst quasi "in's Recht setzen kann", bevor man an einer Wahrheit zerbrechen könnte.  (Siehe zB auch sehr viele ältere Leute, die ihr Leben lang an die DDR geglaubt haben - etliche sind einfach nicht zu überzeugen, und ich glaube: nciht wegen "ich muss was zugeben" sondern viel mehr, weil sie ausserstande sind, etwas zu erkennen.
GK  müsste ihr auf der Herzensebene entgegenkommen - und das hiesse, dass er dort auch viel zu verletzlich wäre, also findet er unbewusst immer wieder neue Gründe, um vor sich selbst als "Richtig" und "gut" dazustehen. Ich glaube, irgendwann mal sind solche Mechanismen auch gar keine Frage von "Schuld" mehr.
Autor: Dagmar
« am: 27. Mai 2007, 00:05:26 »

Der Text von Sandra Kreisler ist für mich ein wahrhaft ehrlicher und schöner, ein tiefgründiger und warmherziger Einblick in diese spezielle Vater-Tochter-Beziehung. Dankeschön für's lesen dürfen, wenngleich ich leise Schwierigkeiten mit der Einleitung habe. Trotzdem: Es rührt mich immer wieder neu an. Und immer wieder neu frage ich mich, ob dieses Genie, der doch auch Vater ist, solche Bekenntnisse seiner Kinder zur Kenntnis und zu Herzen nimmt. Bekenntnisse, die zwischen den Zeilen mehr aussagen als vielleicht bewusst beabsichtigt war.
Autor: whoknows
« am: 25. Mai 2007, 08:56:27 »

na, das konkret hab ich sie nicht gefragt, aber dass er ihr über den Weg rennt, ist eher unwahrscheinlich: Berlin und Basel sind nicht gleich nebenan.
Aber sie hat mir mal nen Brief gezeigt, da wohnte sie noch in Wien, und GK war zur Vorbereitung und Uraufführung seiner Oper da. Und von den Mitwirkenden der Oper kannte sie von Regisseur abwärts ungefähr die Hälfte der Mitwürgenden. Also hat sie ihm einen Brief geschrieben, dass sie sicherlich zur Premiere eingeladen werden wird, und was sie denn in dem Falle tun solle - hingehen und ihn ignorieren, hingehen und ihn grüssen, nicht hingehen. Und da kam ein Brief zurück, mit allen Daten, wann er bei den Proben sei und in der Nähe und all das, und dass er sie bitte, sich da fern zu halten, sonst "kämen ja doch wieder Schwierigkeiten".
Also, Vater-sein ist nicht gerade sein Metier....
Autor: Burkhard Ihme
« am: 25. Mai 2007, 03:07:00 »

Hast du deine Freundin Sandra mal gefragt, ob sie ihrem Vater mal im öffentlichen Raum "versehentlich" über den Weg gelaufen ist? Rennt der dann weg?
Autor: whoknows
« am: 23. Mai 2007, 09:43:34 »

Vielleicht passt das am Besten hier in diesen Thread.
Sandra  gestattet  ausnahmsweise in diesem Forum die Vorabveröffentlichung diese Textes, der in der ö1 Programmzeitschrift "gehört" erscheinen wird.

Quote (selected)
Mein Vater wird nie mit mir über das sprechen, was ich hier sage. Ich fürchte, er wird überhaupt nie mehr mit mir sprechen. Denn er spricht schon seit Jahren nicht mit mir, und nichts, was ich bisher tat oder noch tue, kann das ändern.
Trotzdem ist er ein wichtiger Mensch, nicht nur für mich, und trotzdem ist er ein guter Mensch, nicht nur für mich. Vor allem aber: Es wäre ein Fehler, von den Familiengeschichten, von dem Menschen Georg Kreisler auf den Künstler zu schließen. Der Künstler ist das Eine – der Mensch das Andere.
So ähnlich würden sicherlich auch Verwandte von Brecht, Rousseau und vielen anderen Genies sprechen – und ein Genie ist er zweifellos, der Georg Kreisler, mein Vater.

Auch einem genialen Menschen purzeln die Ideen und Gedanken nicht einfach aus dem Hirn – man muss sie zwingen, sich quälen, und hat ergo (so vermute ich) wenig Platz in der Seele für die richtige Welt.
Jeder nimmt die Welt durch seinen eigenen Filter wahr, das gilt für Künstler ebenso wie für Künstlerkinder. Und wenn die Künstlerkinder dann auch noch selber Künstler werden, wird’s erst richtig kompliziert.

Mein Vater war ein paternalistischer Vater. Immer ein bisschen von oben herab, so habe ich ihn zumindest empfunden. Er war auch warmherzig und verantwortungsvoll – ganz sicher, aber ich hatte immer das unbestimmte Gefühl, das sei mehr  Pflicht als Interesse. Seine späteren Worte geben mir da irgendwie Recht. Er schreibt zum Beispiel im Beiblatt zu einer CD: „Was sollen uns die Kinder, wenn sie keine Kinder mehr sind? Was haben unsere Kinder mit uns zu tun, außer, dass sie durch uns zur Welt kamen und von uns mehrere Jahre lang abhängig waren?“
Folgerichtig hat er seit Jahrzehnten zu seinen immerhin drei Kindern absolut keinen Kontakt.
Trotzdem kann man ihn nicht als „Rabenvater“ bezeichnen, denn solange zumindest seine beiden Kinder aus dritter Ehe – also mein Bruder und ich – klein waren, hat er sich gekümmert, wie man das von einem Vater erwartet. Als wir dann in die Pubertät kamen, wurden wir schwierig, akzeptierten nicht mehr so leicht die Autorität eines Mannes, der uns immer gepredigt hatte, sich gegen Autoritäten aufzulehnen – und das wurde ihm dann zu anstrengend. Er hätte sich auf andere komplizierte Seelen einlassen müssen; zumindest die Möglichkeit einräumen, sich auch mal zu irren. Es gab Kämpfe wie in vielen Familien, denn Kinder nabeln sich ab und Eltern müssen sie neu kennen lernen. Das Problem in unserer Familie ist nur: Wir alle – mein Vater, meine Mutter, mein Bruder und auch ich, wurden mit einem Rechthabe-Gen geboren.  Es fällt uns sehr schwer, die Tatsache, dass es mehrere Wahrheiten nebeneinander geben kann, zu erkennen oder gar zuzugeben.
An diesem Rechthabe-Gen ist die Familie zerbrochen.
An diesem Rechthabe-Gen sind auch, wie es scheint, die anderen Ehen und Familien meines Vaters zerbrochen. Vielleicht sind deshalb auch alle langjährigen Freundschaften- zB die mit Erwin Ringel  - letztlich gescheitert.
Georg Kreisler hat heute im Alter von immerhin 85 Jahren keine einzige Freundschaft, die älter ist als seine jetzige Ehe. Doch er scheint absolut glücklich zu sein.
Ich gönne ihm das von Herzen.
Ich persönlich halte zwar nicht besonders viel von seiner jetzigen Frau, aber vielleicht ist das für Töchter normal – und vor allem: es ist völlig gleichgültig.
Wichtig ist, dass er sich in seinem Leben wohl fühlt, denn er ist – und damit sind wir beim Künstler – ganz unbestritten  eine wesentliche Figur der künstlerischen und politischen Geschichte des deutschsprachigen Raumes.
Im gesamten deutschsprachigen Raum muss bis heute jeder Chansonnier, jeder musikalische Kabarettist Lieder von Georg Kreisler in seinem Repertoire haben – einfach weil: es geht nicht ohne. Niemand ist bisher aufgetaucht, der auch nur annähernd handwerklich so perfekt und inhaltlich so blitzgescheit und wahrhaftig Lieder bauen kann.
Es sind gefährlich gute Lieder.
In den späten 80er Jahren habe ich mal nach den Platten von Georg Kreisler im Wiener Funkhausarchiv gestöbert. Es war fast alles da. Und neben den Titeln stand jedes Mal „Vorsicht Text“ oder „Nicht einsetzen“ mit drei Rufzeichen. Das wird bis heute so gehandhabt.
Folgerichtig ist Georg Kreisler heute in Deutschland wesentlich anerkannter als in Österreich.
Und folgerichtig wird er wohl in Österreich erst dann so richtig „berühmt“ werden, wenn er  - G’tt behüte - gestorben ist.
In Österreich wird nicht geschätzt, wer zu Recht kritisiert. Und wenn man noch dazu kritisierender Jude ist, werden einem alle Türen, die einen beruflich weiter führen könnten, aus fadenscheinigen Gründen vor der Nase zugeknallt. (Auch menschlich wird man missachtet, zum Beispiel ist in den letzten 60 Jahren noch nicht einmal jemand auf die Idee gekommen, dem Emigranten Kreisler ehrenhalber seine österreichische Staatsbürgerschaft zurück zu geben.)
Kreisler hat das immer wieder betont, und lange Jahre fand ich: Er übertreibt. Aber seit ich  in Berlin lebe weiss ich: er hat völlig Recht.
Abgesehen davon, dass der politische Diskurs in Deutschland ein Anderer ist, merke ich ganz persönlich: In kürzester Zeit wird meine Arbeit allgemein wahrgenommen, findet Anklang und Würdigung - in Österreich bin ich auch nach Jahrzehnten nichts anderes als Mietstimme, darüber hinaus gehendes Interesse ist nicht in Sicht.

Es ist so traurig wie typisch, dass Georg Kreisler in Österreich nicht „Autor, Komponist und Intellektueller“ ist,  sondern der „schwarzhumorige Kabarettist“.
Auch so kann man Inhalte marginalisieren.
Natürlich, er ist - ganz dem Rechthabe-Gen entsprechend - kein Diplomat, vielleicht hätte er, wäre er in Manchem etwas konzilianter gewesen, auch mehr erreichen können. Aber: Ihm ging es immer um eine Aussage, eine Haltung. Das mag zwar Hürden geradezu generieren – es ist trotzdem ein Lebenselixier, und zwar: nicht nur für den, der diese Haltung hat!

Aber – um wieder auf die familiäre Seite zu kommen: diese Art der Unbeugsamkeit ist zweischneidig.
Wenn ein Mensch in erster Linie Genie ist, so kann er nur in zweiter Linie Vater sein.
Wir waren auch Vorzeige-Kinder, so sehe ich das im Rückblick. Wenn Journalisten kamen, wurden wir vorgeführt, durften stolz Farkas-Doppelconferencen auswendig zum Besten geben und mussten dann in unser Zimmer. Wir hatten ständig wechselnde Kindermädchen, und das Wort, das mir am Meisten aus meiner Kindheit in Erinnerung blieb, ist das Wort „Rücksicht“ – die mussten wir immer nehmen, zB auf den im Arbeitszimmer verschwundenen Vater.  
Heute weiss ich, dass es sehr kompliziert sein muss, Kinder im hochdisziplinierten  und zugleich chaotischen Ablauf künstlerischer Arbeit unterzubringen – und mein Vater hatte damals noch dazu das Ideal einer „antiautoritären Erziehung“. Leider war er aber nicht nur paternalistisch sondern auch von Natur aus eher autoritär – und das kann zu einem ziemlichen Wechselbad führen.
Trotzdem: ich möchte eigentlich keine andere Kindheit haben, sie war aufregend und lehrreich, und ich könnte tausende Anekdoten erzählen, wie Georg Kreisler uns in der Volksschule gegen bornierte Lehrer unterstützte, wie wir auf langen Autofahrten Reim- und Wortspiele spielten, wie er meinem Bruder zeigte, wie man am Besten Mädchen anbaggert und so fort.

Doch bis heute kann er weder meinem Bruder noch mir das Erwachsen-werden verzeihen, und vor allem: bis heute – immerhin fast 30 Jahre später! -  setzt er voraus, dass er weiss, was wir für Menschen geworden sind. Ich hingegen bin überzeugt: er weiss nicht mal, was wir für Kinder waren – und er ahnt nicht, wie viel er von uns Kindern heute profitieren könnte.

Es ist für die ältere Generation von Vorteil, von den Kindern zu lernen, auch wenn es mit den Jahren immer mehr Kraft kostet, die Gegenwart zu begreifen. Wenn man allerdings ein unbeugsamer Charakter ist, dann fällt es schwer, zuzugeben, dass man doch noch manchmal umdenken könnte – Ausserdem ist es das Wesen der Menschen, Andersdenkenden ungern zuzuhören.
Mir bleibt also nur, mich zu bemühen, meinem Vater in Manchem eben nicht gleich zu werden. Ich möchte offen und warmherzig sein, nicht es spielen, und wenn ich etwas von einer  Bühne singe, dann meine ich es auch so.


© Sandra Kreisler
Preis der deutschen Schallplattenkritik 03/06
Lale Andersen Preisträgerin 06 -07

Autor: whoknows
« am: 22. April 2006, 00:15:01 »

Sebastian Krämer ist definitv sehenswert.
Und das Namedropping machen natürlich die Autoren, weil sie (nicht ganz unberechtigt) annehmen, dass ein Publikum derartiges gern liest. Die Leute wollen auf das Umfeld und Leben von Promis gucken, sogar Affen haben mal in einem Test vor allem auf die Affenbilder geschaut, die mehr Bananen bei sich hatten oder Weibchen. Wenn Dein Freund das nicht abstrakt sehen kann, so wie das Business läuft, ist er ein eindimensionaler Denker, um nicht zu sagen. ein bissel schlicht.
Autor: angel+
« am: 21. April 2006, 08:26:52 »

Gefunden in gkif:

Georg Kreisler liest aus "Georg Kreisler gibt es gar nicht".

Davor singend, sprechend am Piano Sebastian Krämer.

Am 14.5.06 um 11:00 Uhr in Karlsruhe beim Karlsruher Lesefrühstück im Stephansaal.

http://www.konzertkarten-online.com/georg_kreisler_sebastian_kraemer_karlsruher_lesefruehstueck_tickets.html
Autor: Dagmar
« am: 21. April 2006, 01:43:06 »

Aha  ::)
Autor: angel+
« am: 21. April 2006, 01:18:59 »

Quote (selected)
Ich bin halb durch das Buch durch - und es fällt mir schwer, es zuenede zu lesen. Mich stört das extreme name-dropping. Es wird Name an Name gereiht, ohne das ich wirklich etwas erfahre über die Geschehnisse. Wenn ein Buch mich dazu bringt, dass ich schnell Seiten vorblättere, um zu gucken, wann denn endlich wieder etwas Interessantes kommt, ist das Buch langweilig geschrieben.

Ich habe das Buch immer noch nicht gelesen. Aber ich habe jemanden gefragt, der sich das Buch gekauft und es gelesen hat, ob GK darin "name-dropping" betreibt. Dieser Mensch darauf hin geantwortet: "Die Beschreibung und Erwähnung von Menschen, die Einfluss auf das eigene Leben hatten, gehört halt nun einmal zu einer Biografie dazu, da sich ja der Mensch als gesellschaftliches Wesen entfaltet. Wenn jemand dies als 'name-dropping' bezeichnet, so projeziert diese Person wahrscheinlich eigene Verhaltensweisen auf das Buch bzw. Georg Kreisler."
Autor: Alexander
« am: 16. März 2006, 10:07:48 »

Aus dem aktuellen Newsletter des österreichischen Musikproduzenten Günther Wildner:

(2) Georg Kreisler gibt es gar nicht - Die Biografie
Aufgeschrieben von Hans-Juergen Fink und Michael Seufert
Scherz, ISBN 3-502-15021-4, 320 Seiten, gebunden, ? 24,90

Immer wieder stößt man in Biografierezensionen auf das gerne bemühte Klischee bzw. das in diesem Fall positiv gemeinte Urteil der Kriminalromanspannung, das der Leser  im Nachvollzug der jeweiligen Lebensgeschichte verspürt. Die seit Herbst 2005 vorliegende Kreisler-Bio darf getrost auch diesen Anspruch erheben. Da es bisher keine derartige Publikation gab, war sie schlicht überfällig. Denn wer von Kreislers vielfältigem Schaffen angezündet und begeistert ist, möchte mehr und genaueres über den virtuosen kritischen Geist mit dem so reichlichen musikalischen Füllhorn erfahren, ganz besonders auch wegen der vielen kolportierten und nur teilweise zu verifizierenden Geschichten aus Beruf und Privatleben des unbequemen und deshalb so sympathischen Klang- und Theaterpoeten.
Wie die ?Aufschreiber" Fink und Seufert berichten, hat sich Georg Kreisler umfangreich und detailgenau erinnert, was dem entstandenen Werk natürlich äußerst zuträglich ist. Was die Autoren darüber hinaus aber leisten ist eine sehr genaue, bestens recherchierte und in Ausführlichkeit und Sprache ausbalancierte Analyse der Kultur- und Geisteswelt rund um Georg Kreisler, seine Lebensorte und -stationen. Man erfährt nicht nur, was Kreisler getan und geschaffen hat, sondern man spürt Bedrohung, Unrecht und Ohnmacht des Jahres 1938 in Wien, man ist in Hollwood mit dabei, und tingelt durch die New Yorker Theater und Music-Clubs und inhaliert die muffigen Nachkriegs- und Wirtschaftswunderaufbauzeiten des ab 1955 neutralen Österreich.
Ein Buch zum Lachen und Weinen, und das beides zugleich!
Die beiliegende CD mit sechs englischsprachigen Songs, aufgenommen 1947 in New York, zeigt den jungen Kreisler schon mit allen beißenden Pointen und raffinierten Klavierbegleitungen, die Markenzeichen seines ?Kabarettschaffens" werden sollten.

http://kreislerbuch.notlong.com