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Autor Thema: Wie bewertet Georg Kreisler das Christentum?  (Gelesen 1980 mal)

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angel+

  • Gast
Wie bewertet Georg Kreisler das Christentum?
« am: 20. April 2006, 23:36:46 »
In diesem Text beschreibt er den institutionalisierten Todes- und Totenkult:

[size=16]Der Zweck der Kirche[/size]

<K>Guten Tag
<B>Guten Tag
<K>Ich komme vom bischöflichen Ordinariat.
<B>Ach ja, bitte nehmen Sie doch Platz!
<K>Danke! Es handelt sich um den nördlichen Teil des Friedhofs. Die Gräber
dort sind im sehr schlechten Zustand...
<B>Ja, ich weiß! Wir sind ja deswegen schon einige Male vom Ordinariat
angerufen worden, aber schau'n Sie: Dieser Teil des Friedhofs wurde im
Jahre 1902 fertiggestellt. Es leben keine Nachkommen mehr und
es kommen auch keine Besucher zu diesem Teil des Friedhofs. Und, um es ganz
ehrlich zu sagen, es gibt niemand, der für die Gräberfürsorge dort bezahlt.
<K>Das Ordinariat wäre bereit, einen gewissen Betrag für die bessere
Fürsorge dieser Gräber freizustellen.
<B>Ja, ehem, bitte wenn es bezahlt wird. Das wäre natürlich etwas anderes.
<K>Wir können nicht sehr viel zahlen, 300 Mark im Monat.
<B>Oh das reicht! Dafür wurde der Rasen gemäht und jedes Grab würde einzeln
abgesteckt. Das würde natürlich ganz anders aussehen.
<K>Haben Sie ein entsprechendes Formular hier?
<B>Ja natürlich.
<K>Ich bin berechtigt, für das Ordinariat zu unterzeichnen.
<B>Jawohl -  Formular. Hier in Punkt zwei schreiben wir: "Nordteil des
Friedhofs" und dann hier "300 Mark monatlich" und hier "Fürsorgeplan C".
Bitte sehr!
<K>Ühüm.
<B> Sagen Sie, darf ich Sie etwas fragen? Warum machen Sie das eigentlich?
Warum kümmert sich das Ordinariat um Gräber, die doch sonst niemand... Die
Leute in der Erde sind doch tot! Denen ist es doch egal, wie es oben aussieht!
<K>Wir halten es für unsere Pflicht.
<B>Ach, verzeihen Sie, aber diese Antwort ist so gut wie keine. Warum
halten Sie es für Ihre Pflicht?
<K>Die Kirche sorgt für die Toten.
<B>Wäre es nicht zweckmäßiger, für die Lebenden zu sorgen?
<K>Also jetzt versteh' ich Sie nicht. Sie sorgen doch auch für die Toten!
Sie sitzen hier im Friedhofsamt...
<B>Naja, das ist mein Posten, mein Beruf, damit verdien' ich Geld.
<K>Die Kirche auch!
<B>Ja, aber die Kirche hat schließlich auch andere Zwecke!
<K>Das ist ein Irrtum mein Herr. Die Kirche hat nur einen einzigen Zweck:
Für die Toten zu sorgen. Ebenso wie das Friedhofsamt. Die Kirche
beschäftigt sich nur mit dem Tod - sonst mit nichts.
<B>Aber entschuldigen Sie - die Dome, die Bauten, die Kathedralen, die sind
doch für lebende Menschen gebaut und nicht für Tote!
<K>Nein, für Tote. Das ist wie mit den Grabsteinen oder den Krematorien.
Sie werden natürlich von lebenden Menschen gebaut und von lebenden Menschen
frequentiert, aber sie sind für den Tod da. Sie beschäftigen sich mit dem
Tod. Gäbe es keinen Tod, wäre jeder Kirchenbau völlig sinnlos. Unser
Wahrzeichen das Kreuz trägt einen Toten. Wir verehren einen Gott, der
getötet wurde.
<B>Aber er ist wieder auferstanden!
<K>Das ändert nichts daran, daß er eine Zeit lang tot war. Alle Toten
werden wieder auferstehen. Das ist unser Glaube. Aber zuerst werden alle
Menschen sterben.
<B>Wenn sich aber die Kirche ausschließlich mit dem Tod beschäftigt, warum
mischt sie sich dann in jede Phase des Lebens, angefangen mit der Geburt, der
Taufe?
<K>Der Tod beginnt mit dem Moment der Geburt. Jeder Anfang eines Lebens ist
gleichzeitig der Anfang des Todes. Jeder weitere Schritt in diesem Leben
ist ein Schritt in Richtung des Grabes.
<B>Gut, daß kann ich ja verstehen: Himmel und Fegefeuer, die Kreuzzüge, die
Inquisition - all  das hat mit dem Tod zu tun. Aber wozu braucht man dann
die ganzen Gesetze? Angefangen von den zehn Geboten bis zur Pille. Für Tote
braucht man doch keine Gesetze.
<K>Nur für Tote braucht man Gesetze. Die Lebenden, die haben ihre eigenen
Gesetze. Bei denen nützen keine zehn Gebote und kein Pillenverbot. Erst die
Sterbenden brauchen Fürsorge, Gesetze, Gebote. Erst Angesichts des Todes
will der Mensch tugendhaft sein. So, hier ist das Formular.
<B>Jaja, entschuldigen Sie, nur noch eine Frage: Finden Sie nicht diese
Beschäftigung mit dem Tod unklug? Die Austritte mehren sich und die Jugend
ist im zunehmenden Maße gegen die Kirche.
<K>Die Austritte, man kann aus der Kirche ebensowenig austreten wie man aus
dem Tod austreten kann. Die Ausgetretenen werden wieder eintreten, oder
ihre Kinder werden eintreten. Und die Jugend, ja die Jugend ist gegen uns,
weil wir für den Tod sind. Die Jugend hält am Leben fest, und wir werden
von den Toten, und natürlich auch den Mördern, bezahlt. Aber die Jugend
kann uns nicht beunruhigen. Es gibt nur eines, das die Kirche wirklich
gefährden könnte: Das ist die Wissenschaft. Denn es ist möglich, daß die
Wissenschaft eines Tages den Tod besiegt und dann wäre es auch mit der
Kirche zu Ende. Ohne Tod keine Kirche. Aber vorläufig lautet dieser Satz
noch: Ohne Kirche kein Tod. Und da selbst die Jugend einsehen muß, daß ein
Leben ohne Tod nicht vorstellbar ist, wird sie sich nolens volens mit uns
arrangieren müssen. Sie tun es ja auch, junger Mann! Guten Tag!
<B>Tag!
<K>Und übrigens:
(singt)
Der Tod ist nicht, was Sie glauben
Nichts Schreckliches, nichts Schäbiges, kein Zwang
Keine fauler Kompromiß, kein Faustschlag ins Gebiß
Der Morgen graut, die Putzfrau kommt


Und übrigens, man stirbt nicht schwer und nicht langsam
Man stirbt so wie man lebt, ein wenig schief
Man hat sich nur geirrt wie jedermann
Und kehrt zum alten Ausgangspunkt zurück


Der Mensch in seiner Not vergißt, daß auch die Kirche sterblich ist
Und nie verzeiht er ihr die Grausamkeit und die Aggression
Ander'n schon

Und übrigens, die Kirche kennt auch kaum Verzeihung
Darin paßt sie sich ganz dem Menschen an
Und wenn ihr Ende droht, dann geht sie wie der Tod
Doch wenn sie geht, dann geht sie nur ins Freie."


====================================

Oder habe ich ihn da falsch verstanden?
Ich zumindest entdecke darin keinerlei Sympathie für das institutionalisierte Christentum (die Kirche).

« Letzte Änderung: 21. April 2006, 00:02:48 von angel+ »

 

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