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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Kreisler über seine Lieder  (Gelesen 3328 mal)

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Offline Sandra

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Kreisler über seine Lieder
« am: 16. Februar 2004, 10:07:56 »
Ein Fan hat mir einen Text geschickt, den GK einmal zu seinen Liedern veröffentlicht hat, und angesichts der Diskussion über den Paule möchte ich das mit Euch teilen:

'' Kinder werden erwachsen, und wir verlieren sie aus den Augen, in die wir ihnen zu blicken versuchen. Sie schauen weg und sagen: "Du kennst mich nicht." So ist es auch mit Liedern, die man gezeugt hat. Sie haben sich selbstständig gemacht, verdienen ihr eigenes Geld, reisen in anderer Leute Münder. Als sie noch klein
waren, als man sie noch liebevoll pflegen mußte, wurden sie von niemandem ernst genommen. Jetzt sind sie "Klassiker" geworden, jeder zitiert sie, haucht ihnen sein eigenes Leben ein. Bald befruchtet sie irgend jemand, und neue Lieder entstehen. Bevor man
es weiß, ist man Großvater.

Man hört nicht auf, sie zu lieben, läßt nichts über sie kommen.
Ein bißchen Vaterstolz kommt sogar auf, sie sind eingetroffen, sie haben die Zukunft gebracht, die sie seinerzeit prophezeiten. Wie bin ich als Vater? Wenn ich an meinen eigenen Vater zurückdenke, nun, er war Rechtsanwalt und sprach perfekt Latein, aber
sonst recht wenig. Bin ich besser zu meinen Liedern? Wenigstens prügle ich sie nicht.

Aber ich verstehe sie nicht, der Generationskonflikt hat uns eingeholt. Meine Lieder wollen heute etwas ganz anderes als ich seinerzeit mit ihnen wollte. Was wollen sie? Worüber lachen die Leute? Die Zukunft ist über uns hinweggeschritten, und nun streben wir auseinander. Sie sind mir entglitten.
Es ist weiter nicht schlimm, wir lächeln uns gegenseitig noch an, wir haben einander noch lieb. Aber wir haben auch resigniert: Wir haben einander verstanden, jetzt verstehen wir einander nicht mehr, und
wir werden einander nie wieder so verstehen wie früher. Wir sind geschiedene Lieder.

Fortschritt muß sein, sagt man, aber kann er sein? Ein Dackel bleibt ein Dackel, er denkt gar nicht daran, sich mit seinem Großvater zu vergleichen.
Woher nimmt der Mensch die Arroganz, an seinen Fortschritt zu glauben? Aber vielleicht ist es gar nicht seine Arroganz, sondern seine Natur.
Er braucht den Fortschrittsgedanken, um sich erhaben zu fühlen, um Hasen schießen zu dürfen.
Er braucht den Generationskonflikt, um zufrieden sterben zu können. Ich bin meinen Liedern gar nicht
überlegen, und sie mir auch nicht.
Es ist Fremdenhaß, weiter nichts, ein dummes Vorurteil. Jeder soll seiner Wege gehen, die Lieder dorthin, ich in die entgegengesetzte Richtung, und unser Respekt voreinander soll wachsen, daß sich die Leute wundern.

Aber das ist auch keine Lösung, denn es ist zu traurig, und die Lieder sind heiter. Wirklich? Vielleicht sind sie nur jung geblieben, und ich bin alt geworden - oder auch umgekehrt.
Wenn Worte versagen, kann man immer noch singen. ''

« Letzte Änderung: 16. Februar 2004, 10:10:17 von sandra »

Offline Bastian

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #1 am: 03. März 2004, 01:13:06 »
Quote (selected)
Ein bißchen Vaterstolz kommt sogar auf, sie sind eingetroffen, sie haben die Zukunft gebracht, die sie seinerzeit prophezeiten. Wie bin ich als Vater? Wenn ich an meinen eigenen Vater zurückdenke, nun, er war Rechtsanwalt und sprach perfekt Latein, aber
sonst recht wenig. Bin ich besser zu meinen Liedern?


Was soll, kann, darf ich dazu sagen?

Lieben und lauten Gruß an die großartige Tochter und ihren Vater!
Basti
« Letzte Änderung: 03. März 2004, 01:50:29 von Bastian »

Offline Sandra

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #2 am: 03. März 2004, 01:49:59 »
Ich habe gerade gestern eine Diskussion zu dem Thema geführt. Ich bin im Vorstand des Orpheus Trust, einem Verein, der wissenschaftlich arbeitet, auch Konzerte veranstaltet und Informationen weiterleitet zum Thema vertriebene Musikschaffende. Ein toller Verein, der inzwischen über 5000 Musikschaffende aufgearbeitet hat, Notenmaterial und biographisches und alles Mögliche archiviert - und (natürlich) vom Staat so ausgehungert wird, dass er ende des Jahres einzugehen droht.
Und daher haben wir eine Vorstandssitzung einberufen, was man tun kann.
und ich hab gesagt: Machen wir einen Wettbewerb oder sowas, wir müssen die jungen Leute informieren, dass diese "ollen Kamellen" die Vergangenheit sehr wohl etwas ist, auf dem man Gegenwart und Zukunft aufbauen kann. Und lassen wir remixes machen oder so. Dann hat eine gesagt: Ein Komponist hat doch ein Recht darauf, dass seine Sachen nicht verwurstet werden, sondern so gespielt ,wie er sich das gewdacht hat.
Und ich hab gesagt (eben bezugnehmend auch auf diesen Artikel) NEIN. Ein Komponist muss seine Werke auch gehen lassen, und dann gehen sievielleicht einen anderen Weg, als die "Eltern" sich das dachten.
Im Talmud steht: Solange das Wort noch im Mund ist, hat man die Gewalt, die Herrschaft darüber. Wenn man das Wort aus dem Mund entlässt, übernimmt das wort die Herrschaft. Und so sollte es bei Liedern auch sein. Nur so können sie beweisen, dass sie wirklich was taugen - wenn sie in anderen Formen auch funktionieren.
wie bei Kindern, wie bei Worten, wie bei Liedern.

Offline Bastian

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #3 am: 03. März 2004, 22:39:48 »
Wenn GK ein solches Verhältnis zu seinen Stücken hat, oder es zumindest versucht, finde ich, dass er eine wahrhaftig schöne Einstellung zu seinen Liedern, zu seinem Publikum und zu seinen Interpreten gefunden hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht so leicht hinzunehmen ist, wenn andere flaumbärtige Fritzen sich an die eigenen Lieder ranmachen.

Ich erinnere mich an eine Diskussion über den Sinn und die Berechtigung des "Kreisler- Interpretierens", irgendwo hier im Forum. Ich glaube dass die meisten hier den alten Vater und seine Originale auch dann noch schätzen, wenn seine Lieder auch zusätzlich von anderen gespielt und gesungen werden. Man kann ja immer noch sagen: " 'S Original isch besser!" Im Übrigen: Auch wenn die Stücke schon etwas älter sind, veralten tut Musik deswegen noch lange nicht. Ich glaube dass Musik eh' nicht veralten kann. Texte vielleicht, aber die holde Musik ist so ziemlich das einzige auf der Kugel, das nicht vergreist.

Damit das aber so sein kann, muss man sie immer wieder spielen und darf nicht aufhören. Denn das Wesen von Musik ist nunmal, dass sie weg ist, sobald man aufhört zu spielen. Banal, aber auch fatal. Wenn einer also mit achtzig den Flügel an den Nagel hängt, sollte man das schwere Ding wieder von der Wand hieven, wenn jüngere Leute weitermachen wollen. Ich finde, dass man auch durchaus umtexten darf, GK hat es ja selbst auch getan. Bestimmte Stücke bekommen auch durch neue Umstände neue Qualitäten. Oder alte Qualitäten zurück. z.B.: Am 12. Sept 2001 bin ich abends aufgewühlt an der Rheinuferpromenade entlanggestapft und da kam mir Hollaenders "Wenn ich mir was wünschen dürfte" in den Sinn. Ein alter Schinken; hab ihn auch oft gespielt, aber da war er wieder neu, und ich musste kurz lang stehenbleiben und übers Wasser schauen.

Ich meine jeder kennt das... Und jeder kennt auch die Interpreten, die sich ausschließlich in Tüll und Boa kleiden, oder gar zu Transvestiten mutieren, weil sie glauben, dass man Hollaender nur auf diese Art interpretieren kann, weil's früher so gewesen sei. Stimmt aber nicht. Das sind nur künstliche Falten in den Fratzen junger Lieder. Da gibts noch mehr Möglichkeiten. Aber gleich Remixes? Das ist schlaues Marketing, da kenn ich mich nicht aus, aber bitte: warum nicht? Aber "gut" müssen sie sein, sonst will ich sie nicht hören.

Ich weiß naturgemäß nicht, wie es ist, wenn man auf ein langes Leben voller kurzer Lieder zurückblickt. Und wie man sich fühlt, wenn andere Menschen Enkellieder zeugen. Ist bestimmt seltsam. Doch im Fall von vertriebenen oder "verschollenen" Künstlern und deren Liedern, ist das Neuauflegen auch eine offene und aufrechte Form der Achtung dieser Lieder und Leben. Da würde ich nicht protestieren, im Gegenteil! Da macht man einen Sampler mit aktuellen Künstlern.

Am Ende sind da doch nur junge Menschen, die hilflos ins Leben hinaufschauen. Und alte, die hilflos auf ihr Werk und Leben zurückblicken. Familienprobleme eben. Und niemand weiß es besser.

Amen
« Letzte Änderung: 03. März 2004, 22:43:16 von Bastian »

Offline Sandra

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #4 am: 04. März 2004, 01:09:33 »
Stimmt. Amen. Schön gesagt.
Nur eines noch:
Quote (selected)
Ich glaube dass Musik eh' nicht veralten kann. Texte vielleicht, aber die holde Musik ist so ziemlich das einzige auf der Kugel, das nicht vergreist.  

Musik an sich nciht. Aber es gibt in der Musik wie in der bildenden Kunst schon auch Sachen, die veraltet klingen (aussehen) verstaubt sind - und einfach neue Kleider benötigen würden, um wieder die Kraft auszustrahlen.
Das ist ja das tolle an Beethoven oder Prokofieff oder so - man hört zwar die Zeit, in der sie geschrieben wurden - aber sie sind trotzdem nciht verstaubt.
Aber auch diese Musik wird mit heutigem Verständnis gespielt - wenn man heute Caruso hört, mit denselben Liedern, die meinetwegen Hampson singt (oder wasweissich) klingt es verstaubt.

Offline Bastian

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #5 am: 04. März 2004, 14:47:25 »
Quote (selected)
Nur eines noch:

Ogott! das soll doch eine Diskussion werden. Hab ich das jetzt schon wieder abgesägt? So geht das doch nicht! Ich werde immer so schnell allgemein!!!

Jetzt mal speziell:
Nehmen wir einmal Vivaldi. Den spielt man doch gerne:
Da gibt es z.B. Nigel Kennedy, der geigt so, wie ihm der Bogen gewachsen ist: etwas schnell, aber durchaus pointiert und eigen. Und das gabs doch mal das grässliche Rondo Veneziano. Die haben einen Drumcomputer mit reingenommen, weil sie das für modern hielten. War sehr erfolgreich. Aber jetzt frag ich: Welche Version ist nun schon wieder veraltet? Kennedy's oder R. Veneziano's?

Richtig! Und das liegt nur an den kurzfristig modernen Drumpads.

Ich weiß, dass Du das nicht meinst, wenn Du von Remixes sprichst. Aber es schrieb sich grad so schön.

Ich glaube die meisten Stücke klingen dann schon modern, wenn man sie mit dem eigenen (heutigen) Verständnis spielt. Dann hört man vielleicht Jahre später, dass es modern gewesen sein muss. Nur bei den Texten ist das tatsächlich manchmal schwierig. "Wien, Wiien, nur du allein" lässt sich mit "Basel" einfach nicht machen. Oder das "Grammophon" geht nicht mit "mp3- player", bzw "DVD- Laufwerk". Aber das Lied war ja damals schon nostalgisch. Das darf man heute auch nostalgisch singen.

Vielleicht gehört das hier nicht hinein, aber ich finde Sandras Version vom Grammophon unsäglich gut. Auch Streichquartette sind nichts verstaubtes. Man muss sie nur lassen.
Besuch kommt, ich muss aufhören. Andere wollen auch diskutieren.
Gruß,
Bastian

Offline Peter Silie

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #6 am: 05. März 2004, 04:31:46 »
Hmmm...ich denke ich schliesse mich hier Bastians Argumentation an.
Ich glaube auch, dass Lieder dann verstaubt klingen, wenn sie fuer einen Zeitgeistgeschmack mit kurzer Halbwertszeit gebastelt wurden.
Aber die Kompositionen von Herrn Reverberi, dem Rondo' Veneziano Gruender finde ich sehr huebsch! Den Drumcomputer und die falsch spielenden Geigen natuerlich nicht so...
Einige dieser Melodien haben sich unausloeschlich in mein Gedaechtnis eingepraegt. Danke dass du mich daran erinnert hast.

Offline Andrea

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #7 am: 30. März 2004, 20:09:46 »
     Ich denke,  wenn das Couver so gut ist wie deas Original, dann hat es seine Berechtigung - für mich. - Es gibt aber so viele Bands und Solo-Künstler -Sänger, nnen wir's einfach Interpreten ;-), die aus Geldmacherei so couvern oder remixen, dass man hört, dass die Neuauflage nur dazu dient, ein Hit zu werden. Meistens wird so eine Neuauflage dann auch ein Hit, aber ein schlechter. Und die jungen Menschen kennen alle das schlecht gemachte Couver, das Original haben sie aber noch nie gehört. Ich denke auch, ein schlechtes Couver nimmt einem neuen, eigenen Lied, einfach den Platz in der Hitparade weg. Und weil es schon so viele schlechte - mit Techno unterlegte - Couvers gibt, weiß man schon gar nicht mehr, welches Lied noch nie gecouvert wurde. Ich denke auch oft: Vielleicht sollte ich ein Lied couvern, aber die Leute, deren Songs ich gerne couvern würde, sind so gut, dass mein Couver nur schlecht werden kann. Und auch das Couver hilft mir nicht, so lange ich alles im Allengang mache (ohne Plattenfirma, Manager..., meine ich damit). Da wird mein Couver keiner hören. Das, was z.B. Sandra macht, empfinde ich nicht als remixen oder couvern. Nicht nur deshalb, weil es gut ist, sondern weil für mich ein Unterschied darin besteht, ob man wirklich von irgendwelchen anderen Künstlern etwas übernimmt, oder ob man Stücke hm gewissermaßen erbt. Dass du die Stücke singst, das hat für mich einfach eine andere Ebene als bei anderen - irgendwelchen - Interpreten, denen die Lieder gefallen, die aber... Ja, ich glaub, den Satz könnt Ihr selber in Worte fassen. Ich denke, Ihr wisst, was ich damit meine. Und weil ich mich mit diesen Links zu den Smilys noch nicht auskenne, kriegt Ihr alle hier ein zufriedenes Lächeln von mir, denn ich finde, die Diskussionen hier haben Niveau, und sie machen Spaß. - Andrea
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Offline Sandra

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #8 am: 30. März 2004, 22:22:02 »
Hallo Andrea, erst mal willkommen in unserem Kreis!!!
Und dann: das mit dem "Lieder erben" das ist für mich aber irgendwie nicht richtig. Es ist vor allem genau das, wogegen ich ständig ankämpfe. Keine Sau interessiert, dass ich jahrelang zum Bleistift Brecht gesungen habe, Kästner, farkas, peter Herz, Hugo Wiener und alle möglichen anderen Lieder von allen möglichen anderen Autoren und Komponisten, und erst relativ spät zu Kreisler kam -  Aber alle sagen sofort: naja, sie hat's geerbt.
Vielleicht habe ich das chanson-singen in den genen, das kann schon sein, keine ahnung. Aber sicher nicht Kreisler mehr als Brecht oder Kästner oder Tucho oder neugeschriebene Chansons. Und es reduziert mich und meine Liebe zum Beruf, mein Talent (wenn da welches ist) eigentlich alles, wenn dann gesgt wird, die Kreisler darf Covern, weil ihre covers sind keine, sie hat's geerbt. Auch, wenn man sagt: sie macht es ganz toll - aber sich dann - was ja passiert -  nicht für Konzerte interessiert, wo ich andere Sachen singe. Denn dann geht es überhaupt nicht um mich und meine Arbeit. Dann ist das einfach musikalische "Neue Post" oder "bunte" - das töchterl, jaja. Und genau das nervt ohne Ende, sorry to say.

Ich sehe das so: Man kann covern, dann ändert man  im besten Fall die Musik und den Rythmus, und vielleicht den Stil, im Schlechtesten Fall singt man einfach nach, und legt ein paar Beats oder Loops drunter.
Und man kann beschliessen, dass man ein bestimmtes Lied AUCH singen möchte, vielleicht sogar mit derselben Musik. Wenn man sein Herz hineinlegt, in das Lied, und nicht darin, dass man in die charts kommt, oder dass  Deine Version auf Teufel komm raus anders ist, oder dass man hofft, dass es einfach noch einmal mit diesem Lied "funktioniert" beim Publikum - sondern: wenn man es einfach macht, weil es in einem singt, in einem brennt: Dann hat man jede Berechtigung der Welt, es zu singen, und dann wird es auch etwas eigenes. Denn ein gutes Lied sagt DIR, wie Du es singen sollst, nicht andersrum.  Man muss nur offen genug sein.Das kann dann das Publikum mögen oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt .
Aber es muss um DAS LIED gehen, und nicht um die Interpretation, die man kennt, oder den Menschen, der es vorher gesungen hat. Man muss das Lied ganz ausziehen, es erst mal vielleicht einfach lesen, ohne Musik ohne Rythmus, oder - wenn es mehr um die Musik als den Text geht, einfach mal lalala singen  (am besten, mn macht beides)- und irgendwann sagt Dir das Lied, was es braucht, was es von DIR braucht. Und wenn man das dann macht - das heisst noch nicht, dass das Publikum das auch richtig findet wohlgemerkt! - aber dann kann Dir keiner Absprechen, dieses Lied zu singen, denn es ist Deines. Ganz egal, wer es vorher gesungen hat, und ganz egal, von wem es ist.
« Letzte Änderung: 30. März 2004, 22:25:27 von sandra »

Offline Andrea

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #9 am: 30. März 2004, 23:19:18 »
Klar. Wenn man immer wieder hört, man hat die Songs oder das Talent oder was auch immer... geerbt, dann hängt einem das zum Hals raus, und vor allem sieht man das anders - aus einer anderen Warte - als jemande, der, wie ich, das positiv meint.  Ich meinte damit nicht, dass du "nur" Kreisler singen sollst... und dass ich nicht wahr nehme, dass du auch andere Sachen singst. Auch nicht, dass du durch den Namen Kreisler Vorteile hast. All das meinte ich damit nicht. Ich meinte nur, dass du vielleicht einen anderen Zugang zu den Liedern hast als andere Interpreten, die Kreisler nachsingen. Aber vielleicht ist das gar nicht so wie ich mir das dachte. Ich meine damit auch keinen Unterschied im Bekanntheitsgrad... oder so 'nen Mumpez. Das versteht bitte nicht falsch, wenn ihr mir zulest. All das nicht, sondern einfach die Wurzeln - nicht mehr und nicht weniger. - Auch nicht die Unannehmlichkeiten, die  damit in Verbindung stehen, dass du immer als die Tochter von GK gesehen wirst. Erben ist für mich nicht "nur" erben, erben, etwas Schönes zu erben, das ist für mich was Angenehmes. Man kriegt ja eigentlich ganz vielle komische Eigenschaften von seinen Eltern vererbt., für die man eventuell in Therapie gehen muss, damit man sie nicht sein Leben lang 'rum schleppt. Mir fallen für mich jedenfalls sofort ein paar ein. Da kann man doch die schönen Dinge, die man mit bekommen hat, auch als schön empfinden. und was draus machen. Wer dich als einen Menschen sieht, der "nur" übernimmt, was er geerbt hat, der liegt falsch. Ich weiß auch, dass man, wenn man bekannt ist, weil man die Tochter von dem und der ist, darum kämpfen muss, dass die eigene Identität wahrgenommen wird. Das hab ich in mir nicht außer Acht gelassen, als ich das Wort "geerbt" geschrieben habe. Aber: Schon klar, dass ich mich vielleicht hätte anders ausdrücken hätte sollen. Ich war ja doch schon auf einigen deiner Konzerte und weiß, dass du das, was du bringst, auf deine eigene Weise interpretierst und mir gefallen die Lieder, die du von anderen Interpreten singst, egal von wem, alle. Wenn ich dir zuhöre, dann denke ich nicht darüber nach, von wem das Lied ist, das du singst. Dann hör ich einfach zu, mehr nicht. Hätte ich deine Musik viel früher wahrgenommen, dann hätte sie mir damals auch gefallen. Die meisten Lieder von Kreisler, die du von ihm singst, kannte ich als Erstes von dir, bevor ich sie von ihm gehört habe.  Die Meisten davon kenne ich eigentlich immer noch nicht von ihm. Aber die, die ich mittlerweilen von ihm kenne, gefallen mirr. Zu dem anderen Part von dem, was du geschrieben hast, hab ich jetzt irgendwie den Faden verloren., weil ich ihn nicht mit lesen kann. Und Nachlesen, das funktioniert hier auch nicht so wirklich gut. Deshalb hoffe ich, mich verständlich genug geäußert zu haben. Ich denke, das Wichtigste ist, dass du als Individuum wahrgenommen wirst und nicht als Promi-Tochter. Ich jedenfalls nehme dich als einen offenherzigen Menschen wahrr, der sich für Gerechtigkeit und für andere Menschen einsetzt und der seinen eigenen Weg geht und gut macht. Ich glaub auch nicht daran, dass es Vorteile gibt für menschen, die ihre Bekanntheit versehendlich "geerbt" haben. Tschuldigung für das Wort, jetzt kann ich es selbst kaum mehr hören oder denken... Und auch wenn ich was anderes gemeint habe als das, was du - natürlich - verstanden hast, kann ich deine Sichtweise nachvollziehen. - danke für deaen herzlichen Willkommensgruß und die Aspekte, die ich nicht gesehen habe.

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Offline Sandra

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #10 am: 31. März 2004, 01:57:49 »
 :-[ *genier* danke schön!!!

Offline Andrea

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #11 am: 31. März 2004, 14:43:21 »
 ;)Wenn überhaupt, dann von mir aus Dankeschön, aber ohne Genier...
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Offline Dagmar

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Re: Kreisler über seine Lieder
« Antwort #12 am: 16. April 2004, 23:55:29 »
Und man kann beschliessen, dass man ein bestimmtes Lied AUCH singen möchte, vielleicht sogar mit derselben Musik. Wenn man sein Herz hineinlegt, in das Lied, und nicht darin, dass man in die charts kommt, oder dass  Deine Version auf Teufel komm raus anders ist, oder dass man hofft, dass es einfach noch einmal mit diesem Lied "funktioniert" beim Publikum - sondern: wenn man es einfach macht, weil es in einem singt, in einem brennt: Dann hat man jede Berechtigung der Welt, es zu singen, und dann wird es auch etwas eigenes. Denn ein gutes Lied sagt DIR, wie Du es singen sollst, nicht andersrum.  Man muss nur offen genug sein.Das kann dann das Publikum mögen oder nicht, das steht auf einem anderen Blatt .
Aber es muss um DAS LIED gehen, und nicht um die Interpretation, die man kennt, oder den Menschen, der es vorher gesungen hat.

Tja ich weiß nicht, ob das jetzt mit dem 'Zitat' geklappt hat - kenn' mich hier noch nicht gut aus

Ich kann weder komponieren noch besonders gut texten - covere deshalb sehr viel, wenn ich gerade nicht genug Kohle habe um Komponisten und Texter zu bezahlen.

Deshalb: Danke Sandra für Deine Worte - sprechen mir aus der Seele!!!

Dagmar
Je fester dir einer die Wahrheit verspricht, in Programmen und Predigten, glaube ihm nicht. Und geh' zu den Gauklern, den Clowns und den Narr'n: Dort wirst du zwar nix, doch das in Wahrheit erfahr'n.

 

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