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"Wenn sich wer öffnet, mach' ich doch nicht zu. Noch einmal frag ich: Was sagst Du?" (Georg Kreisler, "Was sagst Du?")


Autor Thema: Fragen über Fragen  (Gelesen 3232 mal)

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MadDibby

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Fragen über Fragen
« am: 25. August 2005, 15:45:06 »
Fragen über Fragen.

Wollte mal von euch wissen, ob mir jdn. sagen kann, woher die Namen für die Kabarettprogramme herkommen:

"Spiegel vorm Gesicht" (leuchtet mir als Titel einer Autobiografie ein aber als Kabarett? Ist es vielleicht das Publikum welches durch die Darbietung der Kabarettisten eine Spiegel vors Gesicht gesetzt bekommt?)

"Brettl vorm Kopf" (wohl ein Wortspiel, ein Brett vor dem Kopf haben, andererseits das Brettl bayrisch für kleines Brett bzw. kleine Kabarettbühne)

"Dachl überm Kopf" Bronner und Co hatten das Theater nun nicht mehr gepachtet sondern sich eines gekauft, also ihr eigenes Dach über dem Kopf

"Glasl im Aug" k. A., was meint ihr?

"Hackl im Kreuz" ging glaube ich auf eine Publikumsumfrage zurück

Was meint ihr?

Offline Nase

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #1 am: 26. August 2005, 20:57:35 »
Also ich glaube erstens, es heißt Glasl vorm Aug, aber das ist eigentlich wurscht.

Da gibt es dieses Foto wo das Ensemble hinter einer runden monokelähnlichen Glasscheibe steht und durchschaut. Das optische "Glasl" also vielleicht als Sinnbild für "etwas genauer unter die Lupe nehmen", in diesem Fall also die politischen & gesellschaftlichen Umstände.

Hackl im Kreuz kommt von der österr. Redensart, jemanden das Hackl ins Kreuz hauen, d.h. ihm in den Rücken fallen, ihn hinterrücks schädigen.

Dass mit dem "Brettl" auf die Kabarettbühne angespielt wird, ist mir in dem Zusammenhang noch gar nicht klar geworden! Du beschäftigst dich ja wirklich sehr mit der Zeit!
Nur eins, mein Bester; in der Welt ist es selten mit einem Entweder-Oder getan; die Empfindungen und Handlungsweisen schattieren sich so mannigfaltiglich, als Abfälle zwischen einer Habichts- und eine

Offline Sandra

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #2 am: 27. August 2005, 02:16:17 »
na, Glasl vorm aug ist schon sinnfälliger: Die Lupe, die Brille - man sagt ja auch Glasln zu Brillen.

Offline Bastian

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #3 am: 27. August 2005, 04:35:44 »
Na klar, Nase. Die berühmten Bretter, die die Zeit vergeuden...
's Brättli, oder süddeutsch/ösisch: die Brettlen, Brettl: die Bühne.
« Letzte Änderung: 27. August 2005, 14:32:11 von Bastian »

Offline Andrea

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #4 am: 27. August 2005, 23:21:37 »
Zitat:
Na klar, Nase. Die berühmten Bretter, die die Zeit vergeuden...

Na simmer froh, dass wir sie haben. Ich glaub nicht, dass es ihnen schlecht geht "unter" uns.
Zum Licht gehört der Schatten, zum Tag die Nacht. Das musst du dir so oft sagen, bis du es weißt und für selbstverständlich hältst. Dann kannst du nicht enttäuscht darüber sein. Denn leben heißt: Das

Offline Guntram

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #5 am: 29. August 2005, 07:32:06 »
"Blattl vor’m Mund" gab es auch noch.

Text auf dem Cover "Schall-Plattl vor´m Mund" von 1956
Quote (selected)
Es war einmal eine wunderschöne gute alte Zeit, in der Wien noch Wien war und Österreich noch Österreich. Der Himmel, die Donau und die älteren Einwohner Wiens waren blau - das Herbstlaub im Wienerwald, die Armee, die Wien besetzt hielt, und die Lippen der jungen Wienerinnen waren rot - das Dach der Karlskirche, die Hoffnung und die jungen Wiener waren grün.

Einige der letztgenannten gründeten in jenen längstverklungenen Tagen ein Kabarett und nannten dieses. "BRETTL VORM KOPF". Sie hatten kein Haus, sie hatten kein Geld, sie hatten kein Briefpapier, sie hatten nur Einfälle und Gesinnung, sie fanden die wunderschöne gute alte Zeit weder wunderschön noch gut, aber das half ihnen wenig; denn sie wurden ihr Bestandteil, und wenn wir heute von den guten alten Fünfzigerjahren sprechen, sagen wir: "Ja, damals! Da waren der Bronner, der Merz und der Qualtinger noch auf der Höhe - heute fällt ihnen nichts mehr ein!" (Georg Kreisler stieß erst später dazu. Doch soll damit nicht gesagt sein, daß ihm heute noch etwas einfällt.)

Die BRETTL-VORM-KOPF-Leute ärgerten ihre Zeitgenossen, so gut sie konnten, unter anderem dadurch, daß sie sich bis heute keinen Namen gaben, wie andere Kabarett-Ensembles. Keine Pflanze, kein Tier, keine Speise, kein Getränk dient ihnen als neckisch-doppelsinniges Aushängeschild; man weiß also nie recht, wie man sie nennen soll, doch das ist nicht die einzige Verlegenheit, in die sie einem bringen. Sie beschmutzen mir geniessericher Ungeniertheit die heiligsten Guter, sie schrecken nicht einmal vor der Kritik schlechter Filme und österreichischer Bundestheater zurück, sie betreiben ihr ruchloses Gewerbe nun schon bald zehn Jahre und haben sich damit langst einen Namen gemacht, was um so schwerer wiegt, als sie. wie gesagt, keinen haben.

Ihrem Wirken war die bleibende Stätte versagt. Sie hatten nur ein Programm, auf Grund dessen sie zahlreiche Programme schrieben, welche im Sender Rot-Weiß-Rot zu Gehör, beziehungsweise im Wiener Konzerthaustheater zu Gehör und Gesicht kamen. Nach einigen Jahren gewannen sie allmählich die Erkenntnis, daß sie nicht länger alle ihre neuen Wiener Programme immer wieder "BRETTL VORM KOPF" nennen konnten. Daraufhin begaben sie sich ins Ausland, wo diese Formal noch nicht so abgenutzt war. Als dann jedoch nach intensiver Gedankenarbeit schließlich die Formel "BLATTL VORM MUND" gefunden war, stand einer Rückkehr nach Wien nichts mehr im Weg.

Die Parallelität der Titel "BRETTL VORM KOPF" und 'BLATTL VORM MUND" hat mit ihrer Beibehaltung des "VORM" eine Tradition für die Programmtitel geschaffen: die obligate "VORM"-Form. welche zunächst, dem Intimen Theater in der Wiener Liliengasse zwei erfolgreiche Spielzeiten bescherte. Hier wurde zur Eröffnung im Oktober 1956 die kabarettistische Folge gestartet, aus welcher die vorliegende Platte etliche Höhepunkte vereinigt, die man heute bereits als klassisch bezeichnen darf (wofür auch die bemerkenswerte und im Kabarettbereich ungewöhnliche Tatsache einer Schallplatten-Neuauflage nach etlichen Jahren spricht).
Eine Kommentierung der einzelnen Stücke erübrigt sich wohl, Sie sprechen (beziehungsweise singen) für sich. Nur zweierlei ist zum besseren Verständnis zu bemerken:

1) Der BUNDESBAHN-BLUES, von einem farbigen Sänger, in der Maske Louis Armstrongs vorgetragen, gibt unvergleichlich die Öde, Weite und Leere des österreichischen Flachlands wieder, das den Steppen, Prairien. Pampas und Savannen der Neuen Welt nicht nachsteht.

2) Karajan, Herbert von, um 1956 ein einigermassen bekannter österreichischer Opern- und Konzertdirigent. leitete damals unter anderem die Wiener Staatsoper.

HANS WEIGEL


http://www.kabarettarchiv.at/Ordner/geschichte.htm#50er

http://www.kabarettarchiv.at/Bio/Brettl.htm
Träume sind nicht Schäume, sind nicht Schall und Rauch,
sondern unser Leben so wie wache Stunden auch.
Wirklichkeit heißt Spesen, Träume sind Ertrag. Träume sind uns sicher schwarz auf weiß wie Nac

Offline Sandra

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #6 am: 29. August 2005, 10:08:32 »
Trotz der Deutsch und Schreibfehler des Zitats - pfui, schäm Dich, Kabarettarchiv ;) - sieht man wieder mal: Damals konnten sie noch witzig und trotzdem gescheit formulieren....
Wo sieht man Vergleichbares heute?

Offline Guntram

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #7 am: 29. August 2005, 10:13:50 »
Um Mistverständnissen vorzubeugen:

Das Zitat ist der eingescannte Text von der LP-Hülle. Schreibfehler gehen zu Lasten des OCR-Programms.  ;D ;)


Die Links führen zu zusätlichen Infos
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Offline Bastian

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #8 am: 29. August 2005, 10:36:38 »
Ah, sehr interessant, alles Tradition also:
"Angstl vorm Neuen", quasi...

Offline Guntram

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #9 am: 29. August 2005, 10:51:55 »
Computl vorm Hirn
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Offline Nase

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #10 am: 29. August 2005, 21:23:35 »
Quote (selected)
Trotz der Deutsch und Schreibfehler des Zitats - pfui, schäm Dich, Kabarettarchiv ;) - sieht man wieder mal: Damals konnten sie noch witzig und trotzdem gescheit formulieren....
Wo sieht man Vergleichbares heute?


Jaja, die wunderschöne gute alte Zeit!  ;D

Ich finde, der Weigel hätte dabei bleiben sollen Plattencover zu beschriften. Der alte Lästbolzen.

Er hat zwar diesen witzigen Plauderton drauf, nervt mich aber mit seiner konservativ-lehrerhaften Art. Da ist mir der Torberg noch lieber, der schwelgt wenigstens nur.
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Offline Sandra

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #11 am: 30. August 2005, 01:30:16 »
Na, dass Du Dich da nicht täuscht. ja, der Weigel hat seinerzeit den Brecht-Bann ausgerufen, und er war nicht der anständigste Mensch der Welt - aber so rechtskonservativ stur wie der Torberg war höchstens noch der Kishon.

Offline Nase

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Re: Fragen über Fragen
« Antwort #12 am: 01. September 2005, 19:34:18 »
Damit hast du wahrscheinlich recht.

Was mich am Weigel immer irritiert ist die unverdiente Arroganz, mit der er seine unkünstlerischen Texte verkauft.

Das wird noch verschlimmert - und dafür kann er nichts - durch die unweigeliche Heroisierung seiner Person durch Elfriede Ott. Sie nimmt einem das letzte Vergnügen am handwerklichen Talent ihres toten Gatten.

Gut, dass Hans Weigel der Nachwelt in schöner Erinnerung geblieben ist durch seine zahlreichen Texte auf Plattenrückseiten und Schutzumschlägen guter Bücher.
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